Unverkäufliches Exemplar Jahrgang 1 Samstag, 27. August 1949 Anzeigenpreise 1t. Preisliste Nummer 3. Erscheinungsweise: täglich, außer sonntags. SPD geht in Opposition Absage für Arnolds Bemühungen um die große Koalition- Eindeutige Stellungnahmen Eigener Nachrichtendienst der Ruhr-Nachrichten Hannover. 26. August. Eine„Oppositions-Erklärung“ ist nach einer Meldung des SPD-Pressedienstes vom Freitagabend von der Sitzung des SPD-Vorstandes in Bad Dürkheim zu erwarten. Gleichzeitig erklärt das Sprachrohr Dr. Schumachers, der„Neue Vorwärts“, gegenüber dem Wunsch des Ministerpräsidenten Arnold, daß die SPD die kommende DM Regierung unterstützen solle, es könne nicht die Aufgabe der SPD sein, A" Hilfestellung bei einem falschen Spiel zu leisten, um„bedrängte Gewissen“ zu entlasten. Nach diesen beiden Auslassungen ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß die SPD entschlossen ist, die angebotenen Möglichkeiten nicht zu ergreifen, sondern klare Oppositionsstellung zu beziehen. Am 1. September 1939 wurde über Nacht die Lebensmitielrationierung eingeführt. Die kleine Lebensmittelkarte links, die fûr zwei Monate reicht, deutet an gaß die Bewirtschaftung von Brot, Fett, Fleisch und Zucker noch anhält. Vor 15 Monaten, zur Zcit der Währungsreform, war aber noch der buntscheckige Kartenplunder(rechts im Bild) die Plage jedes Normalverbrauchers. Nationalpreisträger Hennecke Westfale Bisher unbekannte Einzelheiten über den Stachanow der Ostzone Von einem Sonderkorrespondenten der Ruhr-Nachrichten Aus dem Sauerland, 26. August. Adolf Hennecke, der neue National-Preisträger der Östzone, der soeben vor Dichtern, Professoren und Rüstungswissenschaftlern den Nationalpreis I. Klasse erhielt, stammt nicht wie bisher angenommen wurde, aus Sachsen, sondern ist ein waschechter Sohn der Roten Erde. Er war jahrzehntelang in einem Dorf des Sauerlandes zu Hause, Dr. Willibald Muecke, SPD-Bundestagsabgeordneter von Bayern, sagte:„Die große Koalition ist so lange unmöglich, wie ein Adenauer und ein Erhard diskutiert werden.“ Forderungen der Gewerkschaften Eigener Nachrichtendienst Königswinter, 26. August. Der Gewerkschaftsrat der Westzonen gab auf einer Sitzung in Königswinter eine Erklärung zur politischen Situation ab.“Er erwartet von Bundestag und Bundesregierung eine Politik der Vollbeschäftigung, ein umfassendes Wohnungsbauprogramm, Sicherung des Existenzminimums und Erhöhung des Realeinkommens der Arbeitnehmer, Demokratisierung der Wirtschaft, Sozialisierung entscheidender Wirtschaftszweige, ein einheitUm diese Fragen bemühen sich in zwölf Arbeitsgemeinschaften die 1500 besten Köpfe, die das katholische Deutschland aufzubieten hat. Viele kritische Worte werden fallen, mancher umstürzende Vorschlag wird geboren werden. Das Bergbaumuseum, das die nichtöffentlich tagenden Arbeitsgemeinschaften aufnehmen wird, ist hergerichtet, die Quartierzettel sind ausgeschrieben, die ersten Gäste bereits eingetroffen. Mehr ins Auge werden die großen Massenveranstaltungen fallen. In der großen Montagehalle des Bochumer Vereins, die über 20 000 Besucher der Morgenmessen und Abendkundgebungen faßt, sind die für Tito Hestimmten Demontagekisten weggepackt. liches Arbeitsrecht und eine fortschrittliche Sozialpolitik. Für klare Scheidung Eigener Nachrichtendienst Bochum, 26. August. Der Vorsitzende des Deutschlandrates der Jungen Union, Rechtsanwalt Dufhues(Bochum), nahm zu den Verhandlungen über die Bildung der Bundesregierung u a. wie folgt Stellung: Die Junge Union erwartet, daß die CDU/CSU die entscheidende politische Verantwortung übernimmt, während sich die SPD in verantwortungsbewußter Opposition bewähren mag. Sollte sie nach vier Jahren ein Vertrauensvotum der Wähler erhalten, mag sie alsdann die Verantwortung übernehmen. größte Kirchenschiff der Welt bilden. Am Dienstag werden die Fahnen hochgezogen Am Dienstag wird auch Bochum Tausende von Fahnen heraushängen. Schon stehen die langgestreckten Verpflegungszelte im Rohbau fertig. Frischgemalte große Verkehrstafeln machen dem Fremden das Zurechtfinden kinderleicht. Erste Wegweiserschilder sind aufgetaucht, umfassende Parkplätze blank gefegt. Ueber 1200 Polizisten sitzen in den letzten Unterrichtsstunden. Von dreitausend freiwilligen Ordnungshelfern kennt jeder seinen Platz, um die Heere der Gläubigen einzuweisen. Am 4. September wird jede dritte Minute ein Sonderzug einlaufen. Gesänge und Gebete von Hunderttausenden werden die Straßen durchschallen. Vielleicht stehen aber auch hunderttausend zweifelnd und spöttelnd am Rande. Sie wieder hoffend und glaubend zu machen, ist das Ziel des 73. Deutschen Katholikentags in Bochum, auf daß nicht die schreckliche Prophezeiung aus Mainz 1948 wahr werde, daß Deutschland ein heidnisches Land zu werden drohe. Das abzuwenden, wird Bochum nur eine Station sein können. Vielleicht aber eine sehr wichtige. Adenauer- Arnold Von besonderer Seite Wenn der stärkste Druck gegen den Plan einer sogenannten„Kleinen Koalition“— ohne SPD— aus Düsseldorf erfolgte, so ist es leichtfertig, daraus einen schwerwiegenden Gegensatz Adenauer—Arnold zu konstruieren. Gewiß stimmen diese beiden Persönlichkeiten— der CDU-Vorsitzende ist über 70, der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen 48 Jahre alt— in mancherlei Ansichten nicht überein. Adenauer ist der akademisch gebildete Kommunalpolitiker, Verwaltungsbeamter alter Prägung, mit starken Klammerungen an eine einstige Epoche. Daß das in einer Zeit der Entwurzelung auch Standfestigkeit und Vorteil bringt, liegt auf der Hand. Arnold kommt von den christlichen Gewerkschaften zur Politik, hat seine Prägung in der Illegalität der Jahre nach 1933 erfahren und ist mit seinen Nachkriegsaufgaben gewachsen. In Düsseldorf aber hat es sich inzwischen herumgesprochen, daß Arnold mit seinen Plänen kaum bei Adenauer gescheitert ist, sondern daß die sozialdemokratischen Freunde Arnolds in Hannover auf Granit gebissen haben. Schlag um Schlag hat der SPD-Parteivorstand jede Aeußerung über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit dementiert. Mit zunehmender Schärfe reiht sich Erklärung an Erklärung, daß Schumacher um jeden Preis in die Opposition gehen will. Daß dieses auch in weitesten Kreisen der Sozialdemokratie bedauert wird, wird wird sich schon bald zeigen. Die Schlußfolgerungen, daß bei dem Wechselverhältnis von Regierungspartei und Opposition endlich eine klare Linie in die deutsche Innenpolitik komme, haben gewiß manches für sich. Auch die Ueberlegung, daß es endlich an der Zeit sei, aus der Bildung sogenannter Notkabinette herauszukommen, ist vertretbar. Man sollte trotzdem nicht vergessen, daß in den Westzonen 13 Millionen Flüchtlinge mehr oder weniger ohne Heimat und Brot sind, daß zu den Gruppen der Fliegergeschädigten, der Kriegsbeschädigten, der Währungsgeschädigten nun auch noch die Masse der Arbeitslosen hinzugestoBen ist. Diese geballte Menschenmenge auf der Schattenseite des Lebens ist Zündstoff, der das Spiel zwischen Regierung und Opposition gefährlich macht. Atlantikpakt in Kraft getreten Washington, 26. Aug.(ap) Durch Präsident Truman wurde am Mittwoch der Atlantikpakt, der zwölf Nationen Nordamerikas und Westeuropas zusammenschließt, die sich im Fall eines bewaffneten Angriffes gegenseitig unterstützen, in Kraft gesetzt. Die Proklamation erfolgte, nachdem Frankreich als letzte Macht die Ratifikationsurkunde im Weißen Haus hinterlegt hatte. Schuman: Saar nicht„undeutsch“ Tübingen, 26. Aug.(ap-dpd) Der französische Außenminister Schuman erklärte in Tübingen, daß die gegenwärtige Regelung der Saarfrage nur ein Provisorium sei. Eine Lösung könne nur im Friedensvertrag mit Deutschland gefunden werden. Schuman betonte, es bestehe nicht die Absicht, aus der Saar ein„undeutsches oder gar französisches Land“ zu machen. Hennecke war in seinen Jugendjahren als kaufmännischer Angestellter tätig. Seine Angehörigen leben heute noch in einem kleinen Ort von rund 4000 Einwohnern an der Strecke Hagen—Siegen. Sie wehrten jede Gratulation auf die Auszeichnung ihres„berühmten“ Verwandten ab. Sie baten händeringend, ihre Anschrift nicht bekanntzugeben, da sie sich sonst vor Hänseleien nicht retten können. Immerhin wissen sie genau, daß Vetter und Schwager Adolf heute eine große Luxuslimousine fährt. über mehrere Sekretärinnen verfügt und als Nationalheld eine einflußreiche Rolle in der Sowjetzone spielt. Der jetzt 45jährige Hennecke wurde am 13. Öktober 1948 der erklärte Stachanow der Ostzone, als er, der bis dahin als Arbeitssekretär tätig war, in einer Rekord-Sondefschicht 530 Zentner Rohkohle förderte und damit eine Soll-Erfüllung von 380 Prozent erzielte. Drei Tage später war die HenneckeBewegung geschaffen, und der kleine Ort des Sauerlandes hatte seinen großen Sohn, von dem niemand recht etwas wissen will. Am 7. September zum erstenmal Bundestag Fünf Tage später wird der Bundespräsident gewählt/ Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz Von unserem Sonderkorrespondenten im Bundeshaus Bochum erwartet 500000 Besucher um 73. Deutschen Katholikentag/ Vor der größten Nachkriegs-Kundgebung Letzter Sonderbericht über die Vorbereitungen Es ist kein Zweifel mehr, daß Bochum vom 31. August bis 4. September 1949 mit über 500 000 Besuchern des 73. Deutschen Katholikentags die größte deutsche Nachkriegsveranstaltung sehen wird. Bis Freitag abend waren 105 Sonderzüge der Reichsbahn gemeldet. 1932 in Essen kamen 120 000. 1948 sah Mainz 150 000 Besucher. Bochum wird alle in den Schatten stellen, nicht nur wegen der Riesenbeteiligung, sondern auch wegen der Dringlichkeit des Themas:„Gerechtigkeit schafft Frieden." Wird die Kirche die Proletariermassen verlieren, werden diese Massen den Glauben an die Gerechtigkeit wiederfinden? Ein Sitzblock von vielen Aus Tannenbrettern ist ein gewaltiger Altar aufgebaut, lange Sitzreihen entstehen, auf Nesseltuch ist ein riesiges PX-Kreuz aufgemalt, der schwarz-gelb-weiße Altarhintergrund. Auf dem Festplatz, dem am ersten SepArabersonntag unzählige Pilgerscharen zugrömen werden, erheben sich bereits lange Jlocks von Bänken. Sechs Maurer ziehen die Altarbank hoch. Monteure die Sprech- und Photo-Türme für Rundfunk und Wochenschau. Lange Pfahlreihen markieren die breiten Zugänge, auf denen die Hunderttausende einströmen werden Dunkle Zelte stehen an den Rändern der abgeernteten und jetzt eingeebneten Felder: Bedürfnisanstalten mit Waggonladungen von Chlor in den Senkgruben. Hunderte Arbeiter hämmern, planieren, streuen Sand, ziehen letzte Anmarschschneisen in die Blocks, richten die riesigen Fahnenmasten hoch. die für 120 Stunden das On Kürze Beschwerden über Jugoslawien erhob die talienische Regierung wegen der angeblich schlechten Behandlung itallenischer Staatsbürger in der jugoslawisch besetzten Zone vonTriest. Von Albanien her wurden britische Regierungstruppen beschossen und mehrere Soldaten getötet Vier russische Generäle leiten das ungarische Verteidigungsministerium, berichtet der Wiener.Kurier“. Das Fleisch-Abkommen mit Großbritannien, das die Lieferung großer Fleischmengen nach England vorsieht, wurde von der argentinischen Abgeordnetenkammer nach 44stündiger Sitzung genehmigt. Ein USA-U-Boot. das mit Schnorchelgeräten ausgerüstet war, sank nach einer Explosion. Sechs Matrosen kamen zu Tode. Die finnischen Kommunisten haben am Freitag zu einem einstündigen Generalstreik am 1. September, dem Tag des Zusammentritts des finnischen Parlaments. aufgerufen. Josef Wittig, der bekannte Theologiepround Schriftsteller, ist, knapp 70jährig, gestorben. Bonn, 26. August. Der erste Bundes tag wird am 7. September, um 16 Uhr, zum ersten Mal zusammentreten. Um 11 Uhr vormittags konstituiert sich der Bundesrat, während die Bundesversammlung, die den Präsidenten zu wählen hat und aus den Mitgliedern des Bundestages und der gleichen Anzahl von Vertretern der Länder gebildet wird für den 12. September einberufen wird. Diesen Beschluß faßte die Ministerpräsidentenkonferenz, die am 25. und 26. August auf dem Rittersturz bei Koblenz zusammentrat. Auf einem Staatsakt am Donnerstagabend ergriff der französische Hohe Kommissar Francois-Poncet das Wort und erklärte u. a.:„Ein neues deutsches Kapitel beginnt für Sie. Viel hängt für die Zukunft des deutschen Volkes von dem Ergebnis Ihrer künftigen Arbeit ab. Wird sie zufriedenstellend verlaufen, dann werden Sie in Bälde mit einer neuen Phase rechnen können, die Ihnen mehr Freiheit bringt, bis der normale Zustand erreicht ist.“ Francois-Poncet hob hervor, daß Deutschland in erster Linie des Wiederaufbaus selner Städte, der Linderung der Not, guter sozialer Gesetze und Hilfe für die Flüchtlinge bedürfe. 4,5 Milliarden Besatzungskosten Eine Erklärung des Ministerrats setzte sich für eine starke, vom Volk getragene Bundesregierung ein. Am 25. August trat auch der sogenannte Hauptausschuß noch einmal zusammen, dem außer den Ministerpräsidenten 18 Abgeordnete des Parlamentarischen Rates, des Wirtschaftsrates und der französischen Zone angehörten. Er beschloß seine Arbeit mit der Kenntnisnahme dreier Gutachten. Der von dem Finanzausschuß aufgestellte Entwurf eines ersten Bundesetats für das Rechnungsjahr 1950 enthält ein formelles Defizit von 2.145 Milliarden DM. Die Höhe der Einnahmen wird mit 8,4 Milliarden DM, die der Ausgaben mit 10,155 Milliarden DM vorgeschlagen. Der höchste Posten der Ausgaben sind die Besatzungskosten mit 4,535 Milliarden DM. Für die Versorgung der Kriegsopfer, Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen sollen 2,25 Milliarden DM ausgeworfen werden. Ferner wird ein wirtschaftspolitischer Ministerrat vorgeschlagen, der die Grundlage der zukünftigen Wirtschaftspolitik klären soll. In ihm wären alle Ressorts: Wirtschaft, Finanzen, Arbeit, Ernährung, Landwirtschaft sowie Außenhandelsexperten vertreten. Der Rat hätte sich auch mit den Grundzügen der Kredit-, Geld- und Investitionspolitik zu befassen. Der Organisationsausschuß regte die Schaffung von acht Ministerien an und legte sich auf 3255 Beamte und Angestellte für die entsprechenden Behörden fest. Die Konferenz beschloß die Weiterleitung der Gutachten, die jetzt als Empfehlung an die Bundesregierung gehen. Arnold zur Regierungsbildung Ministerpräsident Arnold, der mit den Vertretern verschiedener Parteien Fühlung nahm, setzte sich erneut und entschieden für eine Zusammenarbeit von CDU und SPD innerhalb der künftigen Regierung ein. Ueberhaupt herrschte in Kreisen der Ministerpräsidenten eine Neigung zur„Großen Koalition“. Die CDU-Politiker hatten unter Vorsitz von Konrad Adenauer am 25. August eine mehrstündige interne Besprechung, der u. a. Dr. Lehr, Dr. Pfeiffer, Dr. Josef Müller, Jakob Kaiser und Dr. Köhler beiwohnten, und bei der die Grundhaltung der CDUCSU für die künftigen Koalitionsverhandlungen noch einmal auf der bekannten Linie gutgeheißen wurden. Die scharfen Aeußerungen von Gewerkschaftsseite gegen Professor Erhard wurden im allgemeinen geteilt aufgenommen. Von verschiedenen CDUPolitikern wurde auf eine Feststellung Erhards hingewiesen, wonach der künftige Wirtschaftskurs sozialer sein werde als man annehme. Von SPD-Seite verlautete, daß ein Versuch, Schumacher und Adenauer an einen Tisch zu bringen, nicht ganz leicht sei, unter Umständen aber gewagt werden sollte. Die Stellungnahme des Zentrums ist, wie Helene Wessel erklärte, noch offen und wird erst bekanntwerden, wenn die Koalitionsstrukturen deutlicher geworden sind. Im großen und ganzen kann man als Ergebnis einer Vielzahl von Unterredungen und politischen Gesprächen feststellen, daß die Mehrheit der Ueberzeugung war, daß sich die kleine Koalition CDU/CSU- FDP- DP behaupten wird. Ostzone verlieh Nationalpreise Eigener Nachrichtendienst Berlin, 26. Aug. Unter Anwesenheit hoher russischer Öffiziere gab Wilhelm Pieck am Donnerstag in Weimar die ersten Träger der Nationalpreise der Sowjetzone bekannt. Den größten Beifall erhielt bei der Ueberreichung der Auszeichnung I. Klasse Adolf Hennecke. Den gleichen Preis erhielten die Dichter Heinrich Mann und Johannes R. Becher, ferner die Professoren Mitscherlich. Rößle, Schmidt und Harting. Die rund 100 anderen Preisträger erhielten Geldsummen von 10 000 bis 25 000 Mark. Unter den Ausgezeichneten befinden sich fünf westdeutsche Professoren. Die Preise werden als„wichtige Maßnahmen zur Förderung der deutschen Kultur, Kunst, Wissenschaft und Technik“ bezeichnet. Das Tagesgespräch Die Sozialdemokraten gehen also in Opposition. Die Gewaltigen der SPD werden, unter Aufsicht ihres Chefs, in Dürkheim. wo sonst das, Volksfest, genannt der Dürkheimer Wurstmarkt, stattzufinden pflegt, das Oppositions-Ei ausbrüten. Die Spannung ist nicht groß: wie das Kücken aussieht, läßt sich denken. Man wird die Zustände in Westdeutschland in den schwärzesten Farben schildern. Und wenn der Mann im Monde am Radio hört, was Dr. Schumacher proklamiert, so wird er meinen, Westdeutschland sei Ostdeutschland, und der Marxismus habe bereits die Elbe, Saale und Fulda überschritten. Davor möge uns ein gütiges Geschick behüten. Wir hoffen, daß sich der Kreml im Augenblick mehr für Asien und den Dalai Lama auf der einen und für den Balkan und Tito auf der anderen Seite interessiert. In China meldet Maos Tagesbericht in einem uns gut bekannten Stile, daß im Juli 70 Städte von den kommunistischen Armeen erobert wurden. Auch der Dalai Lama in Tibet soll gleichgeschaltet werden. Sehr mißvergnügt beobachten die Amerikaner die Vorgänge auf der chinesischen Bühne; das Außenministerium ist in der Beurteilung nicht einig mit dem Kriegsministerium, und Truman hat alle Hände voll zu tun, zwischen seinen Ministerien zu vermitteln. Meinungsverschiedenheiten betreffen auch die Unterstützung Titos. Truman will den Jugoslawen ein Stahlwerk geben; das Kriegsministerium aber meint, so viel Vertrauen verdiene Tito nicht, da er zwar kein Stalinist, immerhin aber ein Marxist sei. Bekanntlich sind den TitoLeuten ja auch demontierte Werke aus Westdeutschland zugedacht. Der Besuch des Marshallplan-Verwalters Hoffman bei uns hat, was die Demontagen betrifft, enttäuscht; er konnte uns keine Hoffnungen machen. Auch sollen wir an Einsparungen denken, die sozusagen die besten Kapitalanlagen seien. Unser junger Bundesstaat wird sich also sehr einrichten müssen, will er auskommen, zumal eine Kürzung der Marshallplan-Gelder zu befürchten ist. — 1. Jahrgang 27. August 1949 Ruhr-Nachrichten Nr. 77 27. August 1949 Der unbekannte Goethe (n) Wir wollen uns Goethe auch durch die Festreden in Weimar nicht vermiesen lassen. Mögen sie ihn dort in ein Schaufenster mit Karl Marx und August Bebel stellen! Goethe hat einmal in seiner Clairvoyance(oder wie man seine Prophetengabe sonst nennen mag) davon gesprochen, daß Deutschland eines Tages in die Gefahr kommen kännte, entweder amerikaniseh eder russisch zu werden. Es ist unheimlich wahr geworden: in Weimar, wo er starb, regieren die Russen, die Amerikaner aber in Frankfurt, wo er vor 200 Jahren geboren ward. Und in beiden Städten hat sich der ostwestliche Thomas Mann mit der amerikanischen Staatsangehörigkeit und dem edelbolschewistischen Herzen den Goethe-Preis geholt. Wie oft sich Goethe daraufhin im Grabe herumdrehen mußte, ist nicht auszudenken,. Aber wir werden uns Goethe, den großen Dichter und größeren Menschen, den guten Deutschen und größeren Europäer, nicht vergrämen lassen. Was der Dichter Goethe seinem Volke schenkte, haben wir in der Schule gelernt,— oder hätten es wenigstens lernen sollen. Aber erst das Leben lehrt uns den Menschen und Weisen Goethe begreifen. Sogar die Politiker könnten bei ihm in die Lehre gehen. War doch Seine Exzellenz von Goethe den Weimarer Zeitgenossen von 1790 nicht wegen seiner Dichtkunst bemerkenswert, sondern als Minister ihres zwar kleinen, aber exquisiten Staates. Was ist er nicht alles nach und nach gewesen! Gleich im Anfang Mitglied des Staatsrates; dann Kommissar für Aushebungen der Rekruten; StraßenhauDezernent; Leiter der Ilmenauer Bergbauverwaltung; und schließlich Kultusminister und ständiger außenpolitischer Berater seines Großherzogs. Daß er in solcher Figenschaft die Armee 1790 nach Schlesien und 1792 nach Frankreich begleitete, daß er am Erfurter Fürstentag 1808 mit Napoleon zusammentraf, 1813 mit Freiherrn vom Stein, Metternich und Hardenberg konferierte, sei am Rande vermerkt, 1825 wurde in Weimar die Jubelfeier von Goethes 50jährigem Staatsdienst begangen: die Stadt war illuminiert, und es wurde eine goldene Denkmünze geprägt. Das alse ist ein anderer Goethe, als wir ihn kennen. Kein weltfremder Dichter, sondern ein weltgewandter Politiker. Selbstverständlich war er Monarchist; das lag an den Zeitverhältnissen. Was er von der Kunst des Regierens hielt, sagt sein schöner Ausspruch: die Kunst des Regierens liege darin, die Menschen dazu zu bringen, sich selbst zu regieren. Man kann die Demokratie nicht sinnvoller umschreiben. Goethe war noch mehr. Wenn ein ahnungsleser Reisender nach Weimar kommt und das dortige Goethe-Museum mit seinen Sammlungen sieht(falls sie noch nicht demontiert sind), wird er Goethe abwechselnd für einen Maler oder für einen Naturforscher halten. Wirklich war er heides. Es gibt mehr als tausend Bilder und Zeichnungen von Geethes Hand; und seine naturwissenschaftlichen Schriften sind nicht minder umfangreich als seine Dichtungen. Als er sein letztes Werk, den zweiten Teil des „Faust", versiegelt hatte, widmete sich der 83jährige nochmals der Botanik. Doch nicht der Naturwissenschaftler und Politiker, nicht der Maler und nieht einmal der Diehter Geethe ist das Phänomen dieses Lebens, sondern der Mensch, der weise und leidende, der genießende und entsagende, der fromme und gelassene Mensch Goethe. Es gibt einen ganzen Band voller Sprüche und Maximen, teils in Prosa, teils in Versen, die Goethe hinterließ; er liebte es nicht, mit soichen Dingen zu prunken, vieles wurde heinahe gegen seinen Willen bekannt. Nicht alles klingt uns angenehm. Schon die Lieblingslaster oder milder gesagt die liebsten Gewohnheiten seiner Zeitgenossen und Nachfahren fanden selten seinen Beifall, Brauereien und Zigarettenfabriken werden sich nicht gerade für ihre Werbeschriften eines Goethe-Zitates wie dieses bedienen:„Das Rauchen macht dumm, unfähig zum Denken und Dichten. Es ist nur für Müßiggänger. Zum Rauchen gehört das Biertrinken, Das Bier macht das Blut diek. Wenn es so fortgehen soll, wie es den Anschein hat, so wird man nach drei Menschenaltern schon sehen, was diese Bierbäuche und Schmauchlümmel aus Deutschland gemacht haben.“ Auch Kaffeetrinken war Goethe verhaßt. Einzig der Wein fand Gnade, wie das Goethe-Autogramm der Dortmunder Bibliethek zeigt: es ist eine Weinbestellung. So sind im Westöstlichen Divan dem Wein schöne Verse der Weisheit gewidmet. Alles in allem war Goethe sehr genügsam, und die landläufige Vorstellung eines reichen, genußfrehen Dichterfürsten ist falsch. Sein Weimarer Arbeitszimmer ist einfach wie eine Mönchsklause. Goethes Reichtum war innerlich, aber dort beinahe unerschöpflich. So herrlich seine Dichtwerke sind(wenn wir heute abend am Radie den Faust II. hören, werden wir es wiederum staunend begreifen!), behaglicher zu lesen sind eigentlich seine Briefe, seine Aufzeichnungen und die Aufzeichnungen seiner Freunde über ihn und die geführten Gespräche. Da ist kein Ende der weisen Kurzweil, des menschlichen Verstehens, der mitteilbaren Lebensklugheit. Immer wieder stoßen wir auf Sätze, die eben geschrieben scheinen, so lebensnahe sind sie dem Heute. Setzen wir aufs Geratewohl einen zum Schluß hierher: er ist aus dem Nachlaß: „Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsrige nicht achten. Beim Zerstören gelten alle falschen Argumente, beim Aufbauen keineswegs." Das ist gesagt, als ob Goethe unsere Wahlkämpfe mit angehört und sich bereits über die Demontage geärgert hätte. Veröffentlicht unter Lizenz-Nr. 108 des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen— Lizenzträger: Lambert Lensing, Heinrich Raskop, Otto Rippel— Cliefredaktion: Dr. Alphons Nobel — Verlag Ruhr-Nachrichten G. m. b. H., Dortmuné, Potgasse 4. Ruf Sa.-Nr. 2 11 51.— Postscheckkonto: Dortmund Nr. 1316.— Druck: Gebrüder Lensing, Verlagsanstalt KG., Dortmund. Sprechstd. d. Redaktion nur vorm. v. 11—13 Uhr. Dr. Kraus, der Nazifänger von Oesterreich Sein„Verband der Unabhängigen“ will die politische Apathie überwinden/ 700 000 Ex-Pg's dürfen wählen Von unseremn Salzburger Mitarbeiter Salzburg, Ende August. Zwar haben sich 50 Parteigehilde entwickelt, die bei dem Rennen um den vierten Platz zu den Oktoberwahlen in Oesterreich starten wollen, aber es gibt nur einen ernsthaften Versuch, der schon im ersten Wahlgang die Kommunistische Partei Oesterreichs von ihrem dritten Platz verdrängen und somit das Odium der „Vierten Partei“ rasch verlieren wird. Es ist der„Verband der Unabhängigen“ unter Führung des Journalisten Dr. Kraus. Wenn er heute bereits Beachtung verdient, sa nicht allein wegen der hohen Auflage seiner Presse und der 25 Mandate, die ihm seine Gegner als sicher zubilligen, Beachtung verdient diese Bewegung vielmehr darum, weil sie die nicht nur in Oesterreich verbreitete Abneigung gegen die Parteien alten Stils aufaufangen vermechte, die junge Frontgeneratien zu politischer Aktivität anspornte. und das alles nieht dureh das Mittel des Radikalismus erreichte. Politik aus Notwendigkeit Der Mann, dem wir in einem Barockschloß am Rande der Stadt Salzburg gegenübersitzen, ist kein Prepagandist. Wahrscheinlich ist das sein Vorteil, denn in den bestbesuchten Versammlungen Oesterreichs erwartet ihn offensichtlich keine Menge, die Freude an demagogischen Wortspielen besitzt. Das junge, saubere Gesicht fläßt Vertrauen ein, die vorgetragenen Thesen fassen in Worte, was der Mann auf der Straße fühlt und was sein Mißtrauen gegen die Koalition der Regierungsparteien begründet. Bei Kraus war zunächst sein Salzburger „Oesterreichisches Forschungsinstitut für Wirtschaft und Politik“ entstanden, das mit den„Berichten und Informationen“ die angesehenste Zeitschrift Oesterreichs herausgab. Die kritische Untersuchung der Nachkriegsverhältnisse des Landes brachte Dr. Kraus ein Vertrauenskapital in der Oeffentlichkeit ein, das ihn gegen den eigenen Willen dazu drängte, nicht nur publizistisch, sendern aktiv handelnd ins politische Leben einzugreifen. So entstand der Verband der Unabhängigen(VqU), der als„wahlwerbende Gruppe“ nicht der Lizenzierung durch den Kontrollrat in Wien bedarf und dennoch das bisherige Zweiparteiensystem in Oesterreich umzuwerfen verspricht. „Wir haben einen Putsch der Roten erlebt“. erläutert Dr. Kraus,„und wir haben vor Hitler sehen die Diktatur ven Dellfuß und Schuschnigg mitgemacht. Der Fanatismus hat sich eines jeden Lagers der österreichischen Innenpolitik bemächtigt und bedroht uns auch heute. Wir müssen eine DeVon Manstein hat doch Chancen Aussagen Landsberger Todeskandidaten/ Erste Woche des Prozesses beendet Ven unserem Hamburger hfs Sonderkorrespendenten Hamburg, 26. August. Die erste Woche des Kriegsverbrecher-Prezesses gegen ExFeldmarschall Erich von Mansteig schloß mit der Vorlage zahlreicher erbeuteter deutscher Wehrmachtsdokumente durch die Anklage. Diese Dokumente sollen beweisen, wie systematisch die im Dnjepr-Tal aufgebaute russische Industrie beim Rückaug der deutschen Truppen vernichtet worden ist. Ferner wird in diesen Dekumenten der Charakter der SS- und SD-Einsatztruppen im Rahmen der deutschen Rußlandfrent beleuchtet. Die Anklage hielt daran fest, daß von Manstein als Oberbefehlshaber von der Massenermordung russischer Staatsbürger gewußt haben müsse, zumal nach Aussage einiger in Landsberg die Vellstreckung des Todesurteils erwartender SS-Führer die Zahl der Hinrichtungen im Befehlsbereich von Mansteins mehr als 90 000 betragen haben soll. Die Verteidigung protestierte dagesen, daß die schriftlichen Aussagen dieser Todeskandidaten als Beweismaterial akzeptiert werden. Der britische Verteidiger Paget saste, es sei die Praxis der Amerikaner, diesen Leuten jahrelang ihr Leben verlängern zu lassen durch die Produktion von eidesstattlichen Versicherungen und Bekundungen, die in anderen Prozessen verwendet werden könnten. Gegen diese Angriffe auf die amerikanische Gerichtspraxis protestierte der britische Ankläger Comyns-Carre lebhaft. Die Verteidigung verlangte das persönliche Erscheinen der Todeskandidaten im Gerichtssaal, vor allem das Erscheinen des ehemaligen Chefs der Einsatzgruppe D, Ohlendorf, der im Befehlsbereicht von Mansteins operierte und im Januar 1949 die Aussage für den Manstein-Prozeß verweigerte. Offensichtlich rechnet die Verteidigung damit, daß die Belastungszeugen, die zum Teil bei der Zahlenangabe über die Hinrichtungen widersprechende Aussagen machten, im Kreuzverhör weiter erschüttert würden. Das Gericht entschloß sich, einstweilen auf die persönliche Vernehmung der Belastungszeugen in Hamburg zu verzichten, zumal der Anklägner Comyns-Carr darauf aufmerksam gemacht hatte, daß von höchster Stelle in Lenden— offensichtlich Regierungsebene— die Vorführung der Todeskandidaten in einer offenen Gerichtssitzung als äußerst unerwünscht betrachtet wird. Juristische Beobachter fanden zwei Punkte in der ersten Woche des Manstein-Prozesses besenders aufschlußreich. 1. Während die Verteidiger der Ansicht sind, daß sewehl die Haager Landkriegserdnung als auch die Genfer Konvention im Kriegsfall nur im westeuropäischen Raum gültig sein könnten, dagegen nicht in einem Krieg in Östeuropa, sagte die Anklage, daß in Kriegszeiten die militärische Ehre eine bessere Garantie gegen Unmenschlichkeiten darstelle als irgendwelche völkerrechtlichen Vereinbarungen. Wie weit allerdings die militärische Ehre des Angeklagten, auf die er sich heute berufe, von ihm selber dem Gegner gegenüber angewandt worden sei, müsse durch den Prozeß bewiesen werden, erklärte der britische Ankläger Sir Arthur ComynsCarr, 2. Die Verteidigung wird höchstwahrscheinlich sehr stark davon profitieren, daß von vornherein gegen von Manstein nicht der Vorwurf erhoben worden ist, er habe bereits vor 1939 in das Komplott der nationalsozialistischen Führer gegen den Weltfrieden Einbliek gehabt. Wenn, so sagte der britische Verteidiger Silkin in einem Presseinterview, der Angeklagte nicht von vornherein in die verbrecherischen Pläne des Regimes eingeweiht war, so wird es auch schwer sein, ihm nachzuweisen, daß er von der Ausführung dieser välkerrechtswidrigen Handlungen Kenntnis hatte. „Ein Hohn auf die Vernunft“ Eigener Auslandsdienst Paris, 26. August. Der Pariser„Figaro“, zu dem der neue französische Oberkommissar in Deutschland, Fransois-Poncet, gute Beziehungen unterhält, schreibt zum MansteinProzeß:„Ganz Deutschland ist dayon überzeugt, daß dieser Prozeß eine Ungerechtigkeit darstellt. England, das ihn angestrengt hat, sieht sich von seiner öffentlichen Meinung nicht unterstützt; die Nationen, in denen die Verbrechen, deren der Feldmarschall angeklagt ist, verübt wurden, bekunden kein Interesse. Vier Jahre nach Beendigung des Krieges tagen noch Ausnahmegeriehte, deren verspätet abgegebene Urteile einen Hehn auf den gesunden Menschenverstand unddie europäische Politik darstellen. Wenn Generalfeldmarschall von Manstein wirklich schuldig ist, dann hätte man sich früher darüber klar sein können.“ mokratie entwiekeln, bei der, wie in den USA, die Mehrheit nicht Gesetze beschließt, ohne die Minderheit zu befragen. Wir bilden als dritte Kraft in Zukunft ein ausgleichendes, den pelitischen, Mißbrauch der Macht ausschließendes Element.“ Wiederherstellung des Rechtsstaates Der„Verband der Unabhängigen“ bekennt sich nachdrücklich zum sittlichen Fundament des Christentums. Er findet, nicht verantwortlich für die Vergeltungsjustiz der ersten Nachkriegsjahre, begreiflicherweise im Lager der 700 000 ehemaligen Parteigenossen, die im Oktober erstmalig an die Wahlurne treten dürfen, viel Zustimmung. Denn er fordert mit der Gleichberechtigung aller Staatsbürger die Abschaffung aller Vorrechte und Benachteiligungen, die durch Gesetze seit 1945 entstanden sind. Er verlangt Abschaffung der sogenannten Volksgerichte und die Wiederherstellung des Rechtsstaates. Kraus macht den bestehenden Rarteien den Vorwurf, eine brutale wirtschaftliehe Entnazifizierung betrieben, aber eine wirkliche geistige Ueberwindung des Nationalsezjalismus versäumt zu haben. In schon verstaatlichten Betrieben verlangt er Ausschaltung des parteipalitischen Einflusses. Die Steuerpolitik darf nicht wirtschaftszerstörend sein, sondern muß Verbesserungen im Betrieb, das Streben nach Mehrleistung und Qualitätssteigerung der Produkte zur Erhähung der Exnortchancen ermöglichen. Ein umfangreiches Sozialprogramm heweist, daß Ablehnung von Klassenkampf und Ablehnung der Nationalisierung der Betriebe mit den Interessen der Arbeiterschaft identisch ist, die Dr. Kraus in zunehmendem Maße für seinen Verband gewinnt. Dabei tritt er für die Idee der Gewinnbeteiligung ein, ohne sie gesetzlich regeln zu wollen. Im Kriege habe der Soldat gewußt, was ihm sein Kompaniechef bedeute. Heute sei in ähnlicher Weise der Arbeiter mit seinem Unternehmer verbunden. Kein„Oesterreichischer Mensch“ Wie Dr. Kraus in allen Dingen des wirtschaftlichen und politischen Lebens Ueberspitzungen vermeidet, se auch in seiner Einstellung zu Deutschland.„Bei voller Wahrung unserer nationalen Selbständigkeit bekennen wir uns zum deutschen Volkstum.“ Dr. Kraus, ein kommender Mann in Oesterreich, hinterließ den Eindruck, die Kunst des Möglichen zu beherrschen und damit ein Politiker zu sein. 800 000 in der Polizeiarmee Berlin, 26. August.(ap/dpd) In einem Bericht über die Umwandlung der ostzonalen Polizejkommandos in eine Polizeiarmee veröffentlicht der amerikanisch lizenzierte „Tagesspiegel“ Einzelheiten einer interessanten Reorganisation. Das Oberkommande der „Volkspolizei“ soll danach in Prenzlau errichtet werden, unter der Leitung von General Staimer, Wilhelm Piecks Schwiegersohn. Der gegenwärtige Stand von 500 000 Mann soll auf Befehl der SMA bis zum Jahresende auf 800 000 erhöht werden. Außerdem wird in der Pelizeischule Potsdam-Eiche gegenwärtig Ersatz für die in Griechenland kämpfende„TieflandBrigade“ ausgebildet, die vor einigen Wochen erst durch eine„Ernst-ThälmannBrigade“ verstärkt worden ist. Ganz Berlin sell mit einem Ring von Garnisonstädten umgeben werden. Storkow, Oranienburg, Bernau, Strausberg und Zossen sind bereits für Einquartierungen vorgesehen. Verpflichtung in die Sowjetzone Göttingen, 26. August(epd), 170 Göttinger Theologiestudenten und-studentinnen haben sich verpflichtet, nach Abschluß ihres Studiums in der Sowjetzone zu arbeiten. An der Göttinger Universität studieren z. Z. 96 Studenten und 11 Studentinnen, die in der Sowjetzone beheimatet sind. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Frankfurt, 26. August.(dpd) Das Zweimächtekontrellamt hat in einem Schreiben an den Verwaltungsrat seine Besorgnis über das Ansteigen der Arbeitslesenzahl zum Ausdruck gebracht. Die Zahl der Arbeitslosen habe mit 1.25 Millionen jetzt rund 10 Proz. der Beschäftigtenzahl erreicht. Es wird angeregt, so schnell wie möglich Pläne auszuarbeiten, die ein Ansteigen der Arbeitslosenzahl verhindern bzw, die Arbeitslosigkeit vermindern. Den deutschen Stellen solle dabei jede Unterstützung der Alliierten zuteil werden, U. a. sei an eine vermehrte Zuteilung von Treibstoffen für die Trümmerbeseitigung zu denken, Grundsatz soll sein, niemanden länger als notwendig berufsfremd zu beschäftigen. Zwei Zeitungen kommen nach Essen, 26. August.(dpd) Auf einer Tagung des Vorstandes des Rheinisch-Westfälischen Zeitungsverlegervereins wurde festgestelit, daß bis auf zwei Fälle alle Zeitungen in Nardrhein-Westfalen bereits ab 1. September täglich erscheinen. Für das Dortmunder„Westdeutsche Tageblatt“(FDP) steht noch kein genauer Termin fest, Beim „Neuen Westfälischen Kurier“(Zentrum) hat sich infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten das tägliche Erscheinen bis zum 1. Oktober verzögert. „Ich verstehe die Gefühle der Deutschen General Bishop zur Demontage/ Alle Kraft auf den Wohnungsbau Sehriftleitung in Reoklinghausen Von unserer Recklinghausen, 26. August. Am Donnerstag traf General Bishop, der Zivilgouverneur von Nordrhein-Westfalen, in der Engelsburg zu einem Besuch ein, um sich mit Vertretern des Stadt- und Landkreises Recklinghausen zu unterhalten. In freundschaftlichen Aussprachen vernahm General Rishop die Sorgen und Nôte aus berufenem Munde. In einer Rede hezeichnete General Bishop den Wohnungsbau als vordringlichstes Problem und betonte, daß er seine Mitarbeit ganz besonders dieser schwierigen Aufgabe widmen werde, Zur Demuntage führte General Bishon aus, er wolle hier keine Propagandarede für die Dementage halten. Er könne die Ge23 Rotjacken im Landsberger Gefängnis Bischof D. Wurm berichtete nach Wa shington/ Er verurteilt den von den Justizbehörden g eübten Sadismus Bethel, 28. Aug.(epd) Auf Grund seines Besuches im Gefängnis von Landsberg übersandte der württembergische Altbischof D. Wurm an das„Komitee zur Verhütung von Kriegen“ in Washington einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Der Besuch fand am Freitag, 5. August, nachmittags 4 Uhr statt. Zuerst suchten wir den neuen Gefängnisdirektor auf, der uns sehr freundlich empfing und die Liste der Gefangenen, die ich persönlich sprechen wollte, ohne Abstrich genehmigte. In der 18. Dezember: Gruppe IV verschwindet Nordrhein-Westfalen beendet Entna= 1 jerung/ Die Berufsbeschränkungen Von dem Düsselderfer Büro der Ruhr-Nachrichten Düsseldorf, 26. Aug. Das Kabinett hat vorhehaltlich der Genehmigung der Militärregierung die Beendigung der Entnazifizierung beschlossen, Danach wird die Frist für die Ueberprüfung neuer Entnazifizierungsanträge auf einen Monat nach Inkrafttreten der Verordnung festgesetzt. Nach diesem Termin können keine Anträge mehr gestellt werden. Für Heimkehrer wird eine Frist von zwei Monaten nach Rückkehr verlangt. Wenn keine besonderen Belastungen vorliegen, werden sie erleichtert in Gruppe V eingestuft. Das Verfahren erfolgt schnell und kestenles. Betroffene der Gruppe IV ohne Beschäftigungsbesehränkung werden mit Stichtag 18. Dezember 1949 autematisch in Gruppe V eingeführt, Diese Einstufung ist gebührenfrei und führt zur Aufhebung einer etwaigen Vermögenssperre sewie der Wiederherstellung des passiven Wahlrechts. Rechtsansprüche, die durch frühere Entscheidungen verlorengingen, leben dadurch aber nicht wieder auf. Die Gruppen III und IV mit Beschäftigungsbeschränkung werden nicht automatisch in andere Gruppen übergeführt. Wenn diese Betroffenen bis 1. April 1950 einen Antrag auf Ueberprüfung stellen und dabei sich noch eine weitere Beschäftigungsbeschränkung ergibt, so wird diese auf höchstens zwei Jahre festgesetzt. Zur Zeit sind in Nordrhein-Westfalen noch etwą 20 Entnazifizierungsausschüsse tätig. Sie werden ab Oktober auf sechs reduziert. Auch diese hofft man bis Ende März nächsten Jahres aufzulösen. Lediglich ein Landesausschuß soll bestehen bleiben. Die Ausschüsse umfassen augenblicklich noch etwa 4—500 Angestellte. Seit 1. April 1949 wurden durch den Abbau der Entnaaifizierung bereits 100 000 DM eingespart. Wie ein Sprecher des Justizministeriums der Presse erklärt, machen sich in den Kreisverwaltungen Schwierigkeiten für die Wiedereinstellung der für die Entnaaifizierung abgestellten Beamten hemerkbar. Da sich die gleiche Tendenz auch in der Privatwirtschaft zeigt, wurde eine Stelle eingerichtet, die den Angehörigen der Entnazifizierungsbehörden den Weg in den Arbeitsprozeß ebnen soll. Pakete für Kriegsgefangene in der Sowjetunion Frankfurt, 26. Aug.(dpd) An deutsehe Kriegsgefangene in der Sowietunion können von sofort an Pakete geschickt werden Als Höchstgewicht sind fünf Kilogramm augelassen. Die Pakete werden über die Sowjetzone und Polen geschickt. Wie die Hauptverwaltung für Post und Fernmeldewesen in Frankfurt am Freitag mitteilt, werden Pakete für deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion durch Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes in Genf gleiehzeitig nicht mehr angenommen. In den neu zugelassenen Fünf-Kilo-Paketen dürfen verschickt werden: Lebensmittel, Kleidungsstücke und andere lebensnotwendige Gegenstände. Briefe, Zeitungen und Drucksachen sind verboten. In der äußeren Form dürfen die Pakete in Länge und Umfang zusammen nicht größer als 180 Zentimeter sein. Die Länge allein darf 90 Zentimeter nicht überschreiten. Feste und sorgfältige Verpackung ist erforderlich. Jeder Kriegsgefangene darf monatlich nur ein Paket erhalten, Die Pakete sind gebührenfrei. Sie müssen mit einer Auslandspaketkarte und drei Zollinhaltserklärungen in deutscher, französischer, englischer oder russischer Sprache versehen sein. 4000 neue Rußland-Heimkehrer Frankfurt, 26. August(dpd), Drei Transporte mit insgesamt 4165 deutschen Kriegsgefangenen trafen am Donnerstag aus der Sowjetunion im Heimkehrerlager Gronenfelde bei Frankfurt an der Oder ein. Sie sollen bis Samstag in ihre Wohnorte entlassen werden. Keine Interzonenpässe für Katholikentag Leipzig, 26. Aug.(dpd) Die sowjetische Militärverwaltung in Sachsen hat den Oberbürgermeistern und Polizeipräsidenten der sächsischen Großstädte und den Verwaltungen aller Gemeinden mitgeteilt, daß Interzonenpässe zur Teilnahme am deutschen Katholikentag in Bochum nicht ausgegeben werden dürfen. Unterredung machten wir den Direkter darauf aufmerksam, daß das Wecken der Gefangenen um 5.30 Uhr morgens für die älteren Herren, die oft erst gegen Morgen den richtigen Schlaf finden, sehr hart sei. Er sagte zu, denjenigen, denen ein entsprechendes ärztliches Zeugnis ausgestellt werde, eine spätere Stunde des Aufstehens zu gewähren. Hierauf fanden die Unterredungen mit einzelnen Gefangenen statt, darunter Staatssekretär von Weizsäcker, Minister Graf von Schwerin-Kresigk, Generalfeldmarschall List, Generaloberst von Salmuth und andere. Nach einer kurzen Pause fand um 6.15 Uhr ein Gottesdienst statt, der von etwa 500 Gefangenen besucht war Den unerfreulichsten Anblick in der voll besetzten Gefängniskirche bildeten die 23 Rotjacken, das heißt, die zum Tode yerurteilten Gefangenen, die in Ungewißheit darüber sind, ob das Todesurteil an ihnen auch noch vollstreckt wird, wie an ihren Kameraden, oder ob sie begnadigt werden. So viel zu erfahren war, ist zur Zeit die Vollstreckung von Todesurteilen verboten, aber niemand weiß, ob dieser Stopp nicht eines Tages aufgehoben wird; sonst müßten die Verurteilten nicht immer noch die rote Jacke tragen. Ich muß Sie ganz besonders bitten, darauf hinzuwirken, daß dieser skandalöse Zustand beseitigt wird, der durch niemand anderes ais durch das Nürnberger Gericht gebrandmarkt worden ist. Endlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß der Wilhelmstraßen-Prozeß und seine Urteile, besonders die gegen Weizsäcker und Schwerin-Krosigk, von der gesamten ernsthaften deutschen Presse abgelehnt worden sind und auch in England auf scharfe Kritik gestoßen sind. Die Frage der Reyision der in diesem Prozesse gefällten Urteile ist dringend und darf nicht verschleppt werden. fühle der Deutschen in dieser Hinsicht schon verstehen Man sollte jedoch nicht vergessen, daß in einigen Ländern der Welt nech ein Gefühl der Furcht Deutsehland gegenüber bestehe. Seine persänliche Haltung zur Demontage sei folgende: Wenn er die Demantageliste eines bestimmten Werkes bekomme, vergleiche er sie mit der Liste der verbotenen Industrien, um festaustellen, wie viele Maschinen tatsächlich abgebaut und wie viele Arbeiter tatsächlich entlassen werden müßten: Die Zahl der Arbeiter, die zur Entlassung komme, würde sefort der Landesregierung, dem Arbeitsamt und der Presse gemeldet, damit die Sorge der Arbeiter nicht größer als notwendig sei. Es sei ihm mitgeteilt werden, daß bis auf wenige Dutzend alle Arbeiter neue Arbeitsplätze gefunden hätten. Das sei alles, was er als Beamter zur Demontage tun und sagen könne. Ueberblick über die Demontagen Ven unserem Eüsseldorfer Büre Düsseldorf, 26. Aug. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums äußerte bei einer Presseunterrichtung, daß die Dementage der August-Thyssen-Hütte so intensiv veranschreitet, daß in Kürze, selbst wenn es au einem Stopp kommen sollte, nicht mehr viel zu retten sei. Für die Henrichs-Hütte in Hattingen werden Austauschverschläge vorbereitet, Schwierigkeiten bereite die Rementage der eisenschaffenden Industrie, da noch nicht geklärt ist, welche Werke von der Sicherheitsbehörde genehmigt werden. Auf dem chemisehen Sekter wird zur Zeit bei Ruhröl Battrep. Gelsenbers, Essener Steinkohlenwerk Kamen, RheinPreußen Maers und in den nächsten Tagen auf Schelven bei Gelsenkirchen demontiert. Der Wirtschaftsminister hat sich noch einmai an General Bishop gewandt und um eine Verkleinerung des Demontagerahmens bei Gelsenberg gebeten. Entlassungen größeren Umfangs erfolgten bisher nur bei Gelsenberg. Die Kohlenchemiewerke in Marl-Hüls haben bis zur Stunde nech keinen Demontagebefehl erhalten. Er wird aber erwartet. Größere Kündigungen werden sich dann nicht mehr vermeiden lassen. Selbst-Demontage abgelehnt Oberhausen, 26. August(dpd). Die Aufforderung, ab 31. August ihre FischerTropsch-Anlagen selbst zu demontieren, lehnte die Betriebsversammlung der RuhrChemie AG. in Oberhausen-Holten ab. Kirchen. Parteien sowie Gewerkschaften haben zu einer Protestkundgebung aufgefordert. 150000 Deutsche zurückgehalten Polen verhindert ihre Rückkehr und sperrt sie in Zwangsarbeitslager ein Von der Frankfurter Sehriftleitung der Ruhr-Nachrichten Bad Homburg, 26. Aug. In den von den Polen verwalteten Gebieten befinden sich nach zuverlässigen Meldungen noch rund 150 000 Deutsche. Dies wurde auf einer Tagung der Vertreter aller Flüchtlingslandsmannschaften in Bad Homburg erklärt. Es wurde erklärt, daß man in diesem„Stamm“ keinen Vorposten erblicken dürfe, der die vorerst verlorene Stellung jenseits der OderNeiße-Linie halte. Sie müßten zurückgeführt werden. Die 150 000 Deutschen befinden sich nach vorliegenden Informationen unterernährt, schlecht behandelt in Zwangsarbeitslagern und damit in Umständen, die vor dem Nürnberger Gericht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt worden sind. Viele von ihnen würden, so wurde in Homburg berichtet, den kommenden Winter nicht mehr überstehen. Die Möglichkeit, vorerst wenigstens einmal 30 000 von ihnen bei westdeutschen Verwandten unterzubringen, die sich dazu bereit erklärten, sei durch kleinliche Schikanen unterbunden worden. Man verlange u. a. dret Paßbilder einer ganz bestimmten Größe, die in Polen— auch wegen Geldmangels bei den dort eingesperrten Deutschen— nicht bezahlt werden könnten, aber für den sogenannten Einzelpermit notwendig seien. Die Homburger Tagungsteilnehmer beschlossen, sich in der Angelegenheit an General Robertson zu wenden, der die Regelung dieser Fragen als eine Sache der Bundesregierung bezeichnet haben soll. Die Flüchtlingsvertreter erklärten zu dieser Auffassung, daß das Einschalten internationaler Kreise erforderlich sei, um die polnischerseits willkürliche Zurückhaltung von 150 000 Deutschen im Ausland in deren unverzügliche Freigabe zu verwandeln, Auch diese bedauernswerten Menschen seien letzten Endes, so wurde abschließend in Homburg festgestellt, Opfer der Potsdamer Beschlüsse von 1945, für welche die Verantwortung bei denen liege, die sie seinerzeit gefaßt hätten. Nr. 1— 1. Jahrgang. 27. August 1949 Rat der Stadt Ahaus tagte: Großzügiges Freibadprojekt genehmigt Änderung des Fluchtlinienplanes der Königstraße abgelehnt- Lebhafte Debatten Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Tembrink traten die Ratsherren der Stadt Ahaus am vergangenen Donnerstag zu einer Sitzung zusammen. Zu Punkt 2 und 3 der Tagesordnung standen Haushaltsüberschreitungen aus dem Haushalisplan 1948 zur Beratung. Für die Beseitigung von Kriegsschäden im Rathaus wurde der Haushaltsansatz um 3 900.— DM überschritten. Außerdem führten erhebliche Sturmschäden zu einer Mehrausgabe von 720.— DM für die Gebäudeunterhaltung. Dieser Betrag wurde aber bereits von der Feuersozietät zurückerstattet. 70 000.— DM aus Grenzlandmitteln Für den Wiederaufbau der Schule Bernsmannskamp erhielt die Stadt nachträglich 70 000.— DM aus Grenzlandmitteln zugeteilt. Diese Summe machte einen neuen Ausgabenansatz von 109 000.— DM erforderlich, der in der Jahresrechnung von 1948 gedeckt ist. Ein Betrag von 5 000.— DM aus der Feuerschutzsteuer erhöhte den Ausgabenansatz für die Feuerwehrstation auf 15 000.— DM. Es ist zu berücksichtigen, daß die Nachbewilligung dieser Mittel lediglich eine Formalität darstellt. Die Beratung über den Ausbau der städt. Freibades löste eine lebhafte Aussprache aus. Man stimmte dem Plan des städt. Bauamtes zu, der einen großzügigen Wiederaufbau und eine gründliche Entschlammung des Bades vorsieht. Die Kosten dieses Projektes, die die Zustimmung des Finanzausschusses fanden, belaufen sich auf 40 000.— DM. Im Deckungsplan werden aufgeführt: Aus Mitteln des Haushaltsplanes 48(einschl. eines Landeszuschusses von 9 000.— DM) 16 000.— DM. Aus dem Fond Toto-Gelder 15 000.— DM. Aus Mitteln des Haushaltsplanes 49 7 000.— DM. Dazu erwartet man vom Kreise Ahaus einen Zuschuß von 2 000.— DM. Zum ersten Punkt des Deckungsplanes ist noch zu bemerken, daß der Stadtrat bereits im vergangenen Jahr den Wiederaufbau des Bades vorsah. Da zu der Zeit aber nur 16 000.— DM zur Verfügung standen, sah man von einer Ausführung des Planes ab und bildete einen Fond. Pachtvertrag genehmigt Nach einer längeren Diskussion stimmte man einen Pachtvertrag in Höhe von 130 DM mit der Fa. Gebr. Müller auf Pachtung einer 1500 qm großen Liegewiese zu. Mit dem Hinweis, daß die vorgesehenen Mittel in keinem Falle überschritten werden dürften, wurde das Freibadprojekt genehmigt. Nach Kriegsende schloß die Volksbank mit der Stadt Ahaus einen Kaufvertrag über ein Grundstück nördlich des Rathauses unter der Bedingung ab, innerhalb von 5 Jahren hier einen Umbau auszuführen. Durch die Währungsumstellung sieht sie sich gezwungen, die Lösung dieses Vertrages zu erbitten, da sie infolge der veränderten Wirtschaftslage außerstande ist, die vereinbarten Bedingungen zu erfüllen. Dem Antrag wurde stattgegeben. Verschiedene Anlieger der Königstraße stellten in einer Entschließung an die Stadt einen Antrag, die Königstraße in der alten Breite zu belassen oder auf höchstens 10 m zu verbreitern. Man sollte zur alten Baufluchtlinie zurückkehren, da sich die Königstraße doch nicht zu einer Geschäftsstraße entwickeln würde. Häuser, die bereits auf der neuen Fluchtlinie gebaut seien, könnten einen netten Vorgarten erhalten. Man lehnte diesen Antrag gegen eine Stimme ab mit der Begründung, daß dieser Einspruch verspätet komme, da zur Zeit der Auslegung des neuen Fluchtlinienplanes von den Antragstellern kein Einspruch erhoben wurde, außerdem aber bereits vom Lande ein Zuschuß zum Ausbau der Königstraße in vorgesehener Breite bereitgestellt worden ist. Bei einer Veränderung der Straßenbreite oder Hinauszögerung des Ausbaues würde dieser Zuschuß zurückgezogen werden. Um den Wiederaufbau des Amtsgerichts Darauf befaßte man sich mit einem Erlaß des Justizministers, der sich auf den Wiederaufbau des Amtsgerichts in Ahaus bezieht. Es wird hierin gefordert, daß die Stadt neben der bereits beschlossenen unentgeltlichen Hergabe der Baugrundstücke auch die Räumung des Grundstücks von Bautrümmern auf ihre Kosten durchführt. Die Stadt soll außerdem veranlassen, daß der Verkehr durch den Turmbogen auf Fußgängerverkehr beschränkt wird. Da der Minister die Fortführung der Arbeiten von diesen Bedingungen abhängig macht, zudem die Enttrümmerung des Grundstückes nur mit rd. 600.— DM den Haushalt belastet, wurde der Erlaß gebilligt. Anleihe an Landeseisenbahn Die Westfälische Landeseisenbahn ersuchte die Stadtverwaltung als Aktionärin um Zustimmung zur Aufnahme einer Anleihe von 450 000,— DM. Diesem Antrag wurde ohne Bedenken stattgegeben. Nach diesem Punkt der Tagesordnung berieten die Stadtverordneten in geheimer Sitzung. Zu berichten wäre noch, daß die Stadt den Vertretern der Presse in zuvorkommender Weise einen Tisch zur Verfügung stellte. Leider nahm die Bürgerschaft der Stadt Ahaus an dieser öffentlichen Sitzung nur mit einem Zuhörer anteil. Aufklärungswoche gegen Tbe In der Woche vom 18.—24. Sept soll eine Aufklärungswoche gegen die Tuberkulose durchgeführt werden. In einem Appell des Ministers für das Gesundheitswesen werden alle Vereine und öffentlichen Dienststellen, insbesondere aber deren führende Persönlichkeiten aufgefordert, sich maßgeblich an dieser Aktion zu beteiligen. „... und wieder rollt das runde Leder-- Jubiläen überall Der Reimatkreis meldet Wochenend-Sportveranstaltungen am laufenden Band Sowohl das kommende Wochenende als auch der letzte Augustsonntag bietet der Sportgemeinde Ahaus sportliche Veranstaltungen am laufenden Bande. Die geschickt zusammengestellten Paarungen geben uns die Gewähr, daß bester Sport serviert wird. Aus der Fülle der Veranstaltungen erwähnen wir die in Wessum und Gronau steigenden Abendveranstaltungen. Union Wessum, die am letzten Sonntage auf dem Sportfeste in Wüllen gegen den FC. Ottenstein blendend abgeschnitten haben, haben sich dieses Mal die Eintracht Ahaus als Gast verschrieben. Wenn auch der Ahauser Bezirksligist an technischem Können seinem Gastgeber überlegen ist, so ist die Partie für Wessum noch keineswegs als verloren anzusehen, denn Wessum schlägt auf eigenem Gelände eine ausgezeichnete Klinge. Hinzu kommt noch, daß die Wessumer Mannschaft in kämpferischer Hinsicht das technische Manco ausgleichen kann und wird. Beginnt schon das Wochenende mit verheißungsvollen Auftakten, so erleben wir am Sonntag wohl den Höhepunkt des Sportbetriebes. Neben den sonstigen Veranstaltungen, die als„normal“ anzusehen sind, haben wir in Legden, Wessum und Vreden drei vorzüglich aufgezogene Sportfeste bezw. Pokalturniere.— Und wie sollte es anders sein, der Schwerpunkt der sonntäglichen bunten Sports aüssel liegt in Gronau beim Jubilar FC. Gronau 09. der mit einigen Veranstaltungen seine Sportwoche ausklingen läßt. Um 11 Uhr haben auf dem Deldensenior die Handballer das Wort. Der Gauligist Saxonia Münster stellt sich dem Jubilar zum Freundschaftstreffen. Der FC. Oeding folgt einer Einladung des FC. Burlo und sollte hier, wenn es sich auch um eine nachbarliche Begegnung handelt, zu einem einwandfreien Siege kommen. Union Wessum tritt mit einem gut durchdachten Sonntagsprogramm, als„Sportund Volksfest“ aufgezogen, auf den Plan. Um 11 Uhr gibt es erstmalig einen Staffellauf„Rund um Wessum“, der eine starke Meldung aufzuweisen hat. Die Pokalspiele, deren Auslosung um 12 Uhr beginnt, steigen um 12,15 Uhr. Bewerber sind die ersten Mannschaften von VfB. Alstätte. SV. Heek, FC. Ottenstein und Tus Wüllen, wobei die Alstätter Mannschait vor dem FC. Ottenstein die besten Aussichten auf den Turniersieg hat. Das zweite Pokalturnier serviert der Spiel und Sport Legden seiner Sportgemeinde. Hier haben sich Germania Asbeck. Schwarzweiß Holtwick, ASC Schöppingen und VfL. Ramsdorf in die Bewerbeliste eingeschrieben. Wenn nicht alles trügt, liegt das Ende zwischen Ramsdorf und Holtwick, wobei Ramsdorf die besseren Aussichten hat. Unserebeiden Kreisvertreter aber haben nur die Chancen eines Außenseiters. Im Zwisenenspiel sehen wir die ersten Garnituren von Matellia Metelen und SuS Legden, wo Metelen die besseren Gewinnaussichten haben dürfte. Das dritte Pokalturnier steigt in Vreden. Hier streiten sich um die Siegespalme des Turniers vier alte Herrenmannschaften. Das Hauptspiel des Tages aber dürfte die Sportsfreunde aus Vreden hell begeistern, denn es gibt einmal mehr die Auflage„Ortsderby“ Sp. Vg. Vreden— SuS Stadtlohn Bei den früheren Begegnungen gab es bei stets interessanten Spielen, mit lokaler Untermalung, wechselnde Erfolge. Gemessen an den letzten Leistungen beider Vereine ist die Siegerfrage offen. Vreden ist eine ausgesprochene Heimmannschaft, die schon manchen Favoriten das Garaus gemacht. Dieses der Stadtlohner Mannschaft als Warnung. Eintracht Ahaus kommt bei dem BV. Selm, Meister der Bezirksklasse Lüdinghausen, mit der ersten und Lehrmannschaft einer Freundschaftsverpflichtung nach. Mangels Vergleichsmöglichkeiten müssen wir uns eine Voraussage versagen. Tischtennis Die Tischtennisabteilung von Eintracht Ahaus, seit einem Jahre bestehend, wagt sich an große Probleme heran. Am Sonntag um 14 Uhr steigt in der Ahauser Turnhalle ein Vereinsturnier der ersten und zweiten Mannschaft der Ahauser gegen den Landesligisten Matellia Metelen. Hier hat nur Metelen Aussichten, während Ahaus versuchen muß, die zu erwartende Niederlage niedrig zu gestalten. Im Geiste der alten Tradition WS Von Bomben total vernichtet ist die seit 160 Jahren bestehende Ahauser HirschApotheke wieder im neuen Glanze erstanden. Ein weiterer schöner Beitrag zum Wiederaufbau unserer Heimat. Pulsierendes Leben der Heimat Ottensteiner Gemeinderat beschließt Straßenausbau In seiner letzten Sitzung, an der Kreisbaumeister Nöll(Ahaus) teilnahm, beschloß der Gemeinderat den Ausbau und die Kanalisation der Ahauser Straße. Zu der neuen kleinen Siedlung soll ein Zufahrtsweg ausgebaut werden, zu dessen Finanzierung auch private Zuschüsse kommen sollen. Für die Reparatur der Schule, die durch Kriegsschäden und Besatzungstruppen arg gelitten hat, bewilligte der Rat einen Betrag von 2 000.— DM. Zur Besetzung der Hauptlehrerstelle an der kath. Volksschule in Ottenstein wurden einige Vorschläge an den Schulrat eingereicht. Wüllen. Erfolgreiche Brieftaubenzüchter. Beim letzten Preisflug der Brieftauben ab Paderborn konnte das Mitglied Kerkhoff vom Verein„Luftbote“ einige gute Plätze in der Spitzengruppe belegen. Aufgelassen wurden die Tauben um 11.00 Uhr und um 12.58 Uhr war die erste Taube, die eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1090 m in der Minute zurücklegte bei Kerkhoff im Schlag. Der Verein, der sich mit etwa 150 Tauben an diese Tour beteiligte, erzielte bei den Jungtauben 7 Preise und bei den Alttauben 3 Zreise. Die Reisetour am morgigen Sonntag geht ab Warta. Berechtigte Klagen in Schöppingen In der Oeffentlichkeit ist man sehr ungehalten über den unhygienischen Zustand Traditioneller Düstermühlenmarkt Am Montag startet wieder das al bekannte Volks- und Heimatfest. Der letzte Montag im August ist für unsere Bauern von jeher ein besonderer Tag gewesen. Bringt doch der Düstermühlenmarkt endlich nach der harten, anstrengenden Erntearbeit einen Tag der Abwechslung und Entspannung. Ja, am kommenden Montag ist Düstermühlenmarkt. Und er wird sicherlich gefeiert werden, wie selten zuvor, wo der Himmel uns in dieser letzten Woche ein so prächtiges Erntewetter bescherte, daß gewiß auch die letzte Hafergarbe unter Dach und Fach ist, wo man das Korn nicht zu lassen wußte, weil man vor Garben den Acker nicht sah. Und außerdem wird ja nur Tradition fortgesetzt, das verpflichtet geradezu! Und eine wahrhaft alte Tradition, wird doch der Freistuhl„to Dustermoalen“ schon bereits um 1150 erwähnt als Besitztum des Stiftes Asbeck. So sagen es die alten Steine, die in der alten Mühle eingemauert sind und die das Wappen der Aebtissin von Asbeck tragen. Schon damals trieb hier die Dinkel eine Kornmühle, die bald mit einer Oelmühle verbunden wurde. Die gewaltigen Sümpfe und Wälder des Liesner, der Bröke und des Stroenfeldes waren die Heimat der kleinen„NickelaPonys“, die sich in Scharen frei dort herum trieben. Gegen Ende August, in der trockenen Jahreszeit, wenn alles zur Dinkel, zum Wasser drängte, trieb man die Pferdchen an der Düstermühle zusammen und verkaufte sie unter der Aufsicht des Markenrichters. Das war die Urform des Pferdemarktes. Und schon bald kamen aus nah und fern viele Schau- und Kauflustige zu diesem seltenen und unterhaltsamen Schauspiel. Sicherlich hat dabei der große Metbecher oft die Runde gemacht, denn umliegende Höfe erhielten bald zu diesem Tage die Schankgerechtsame. So wurde die„Wehrske Kiärmis“ Tradition und schon seit langem kann der Düstermühlenmarkt es für sich in Anspruch nehmen, der größte Pferdemarkt weit und breit zu sein. Es war bald keine Seltenheit mehr, daß 500 und mehr Pferde zum Verkauf standen. Alle Bauern um die Mühle rüsten sich für einen großen Verwandtenbesuch, der sich geladen und ungeladen zu Mittag einstellt. Höhepunkt des festlichen Tages ist dann der große Marktball der alle Mühen der vergangenen Wochen vergessen läßt. Nur der Krieg unterbrach den jährlichen Markt. Doch schon in den ersten Jahren nach Kriegsschluß erinnerte man sich seiner. Und wenn auch damals noch keine Pferde wieder zum Verkaufe standen, und die Dinkel so manchen„Balkenbrand“ kühlen mußte, so fand man sich doch wieder zusammen. Die DM brachte schon im vergangenen Jahre eine Belebung des Pferdemarktes an der Düstermühle Wir sind gewiß, daß der kommende Montag wieder einen Düstermühlen-Markt in althergebrachter Form erstehen lassen wird. Die Kreisstadt meldet Die Ausgabe der Lebensmittelkarten für die 30. Zuteilungsperiode erfolgt am kommende Dienstag, 30. August in der Zeit von 8.30—12 Uhr und von 14—17 Uhr in den bekannten Ausgabelokalen. Die kleine Münsterlandschau! Unter diesem Motto stellt die Firma Eisen-Kemper, Ahaus vom 28.— 29. August auf dem Düstermühlenmarkt aus. Gelegenheit machte Diebe. Bei ihren Einkäufen ließ eine Hausfrau in einem Lebensmittelgeschäft versehentlich ihre Handtasche auf der Ladentheke liegen. Gegen Abend wurde die Handtasche in der Hindenburgallee von einer Frau gefunden und konnte der Verliererin auf Grund der Aufschrift der Haushaltskarte wieder zugestellt werden. Diese mußte aber feststellen, daß die Geldbörse mit 10.— DM und die Lebensmittelkarten fehlten. Der Verlust der Lebensmittelkarten ist zu verschmerzen, da wir uns am Ende der Zuteilungsperoide befinden Der kath. Arbeiterverein ladet seine Mitglieder und die Angehörigen zu einem Sommerfest auf dem Hofe des Bauern Ridderbrock am morgigen Sonntagmittag ein. Es ist dies das erste Sommerfest, das der Arbeiterverein nach 15jähriger Unterbrechung wieder ungestört nach althergebrachter Art fejern kann. Ein Fahrrad sucht den Verlierer. Am Stadtpark wurde im Straßengraben ein fahrbereites Herrenfahrrad gefunden. Der Verlierer kann seine Rechte auf dem städt. Fundbüro geltend machen. Wo sind Parkplätze vorgesehen? Auf eine Anfrage in der letzten Ratsherrensitzung, wo im Stadtgebiet Parkplätze vorgesehen seien, teilte Stadtbaumeister Deitermann mit, daß für das Parken von Fahrzeugen die Schloßfreiheit, der Platz vor dem Rathaus und der Viehmarktplatz in Aussicht gestellt ist. Wegen der großen Gefahr für Unglücksfälle die das Straßenstück von Eisen-Kemper bis zur Kirche in sich birgt, soll an die Verkehrsbehörde herangetreten werden, um ein Parkverbot für Fahrzeuge auf dieser Straßenlänge zu erwirken. Kreisnachrichten= schnell notiert des Straßengrabens hinter der Molkerei bis zur Vechte. Durch diesen Graben werden sehr übelriechende und giftige Abfallstoffe in die Vechte geleitet. Infolge der hier durchfließenden Abwässer ist eine Brutstätte für Ratten und sonstiges Ungeziefer entstanden. Ebenfalls wird die Fischzucht in der Vechte dadurch sehr beeinträchtigt. Vor einiger Zeit wurde bereits ein größeres Fischsterben beobachtet. Auch besteht Gefahr für Personen, die in der Vechte baden, gesundheitliche Schäden davontragen zu können. Gerade jetzt in der heißen Jahreszeit besteht leicht die Gefahr, daß sich Mücken- und Fliegenschwärme bilden und Seuchenkrankheiten verbreiten. Der Molkereibesitzer hatte bereits vor mehreren Jahren die Absicht, diesen Graben auf eigene Kosten bis zur Vechte zu kanalisieren, wozu ihm jedoch leider die Genehmigung der Provinzialstraßenverwaltung versagt sein soll. Trotz mehrmaliger Eingaben der hiesigen Amtsverwaltung auf Abänderung dieses Uebelstandes, wurde von den zuständigen Stellen die Gefahrenstelle noch nicht beseitigt. Tödlicher Verkehrsunfall Tödlich verunglückte in den letzten Tagen ein junger Mann, den ein Ahauser LKW-Fahrer freundlicherweise in Dülmen auf seinem Fahrzeug mitgenommen hatte. Unterwegs, auf der Strecke nach Coesfeld fiel der Mann aus bisher ungeklärter Weise vom Fahrzeug und schlug so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß er kurz darauf verstarb. Kreistagssitzung am 6. September 1949. Am Dienstag, dem 6. September um 9,30 Uhr, findet im Sitzungssaale des Rathauses eine Kreistagssitzung statt. Das Wesentlichste dieser Sitzung ist die Genehmigung eines Darlehns an die„Westfälische Landeseisenbahn A. G.“ in Höhe von 450 000.— DM für die Weiterführung ihres Betriebes. 100 Pferde auf dem Graeser Markt. Graes stand in dieser Woche ganz im Zeichen seines traditionellen Marktes. Die herrliche Augustsonne tat endlich ihre Pflicht und hatte gewiß beträchtlichen Anteil an der großen Anzahl von Verkäufern und Interessenten, die sich schon am frühen Morgen einfanden.— Auf dem Pferdemarkt wurden etwa 100 Pferde angeboten. Ein mittlerer Handel entwickelte für Fohlen Preise von 300.— bis 420.— DM, während für die 1½jährigen 600.— bis 750.— DM geboten wurden. Eine geringe Anzahl Ferkel handelte man bis zu 1.40 DM für das Pfund.— Als Käufer sah man überwiegend einheimische Bauern und Händler, während sich nur einige auswärtige Interessenten eingefunden hatten. War schon der ganze Tag belebt worden durch Karussels und Verkaufsbuden, so sorgte am Abend im großen Festzelt die Wessumer Blaskapelle für die nötige Stimmung. Reit- und Fahrturnier 1950 in Legden Der Kreisverband der ländl. Zucht-, Reitund Fahrvereine hatte zu einer Generalversammlung im Gasthof Lainck in Ahaus eingeladen. In einer kurzen Begrüßungsansprache hieß der Vorsitzende Schulze Siehoff(Vreden) die Vertreter von 7 Vereinen willkommen und wies auf die erfreuliche Entwicklung der Reitervereine besonders im letzten Jahre hin. Er bat dann Herrn Röttger-Alfert(Epe) die Neuwahl des Vorstandes vorzunehmen. Man darf es als Zeichen der Zustimmung und Anerkennung hinnehmen, daß der gesamte bisherige Vorstand bestätigt wurde. So bleibt H. Schulze-Siehoff weiterhin 1. Vorsitzender, während ihn H. Röthe als Schriftführer und Dr. Höwener als Kassierer weiterhin tatkräftig unterstützen werden. Jahrmärkte schlecht beschickt. Nach dem Marktverzeichnis der Gemeinde Epe sollte am 24. August ein Kram- und Viehmarkt stattfinden. Es waren zwar einige Interessenten erschienen, Vieh war jedoch nicht aufgetrieben. Auf dem vorletzten Markt wurden Ferkel und Läuferschweine angeboten, die rasch Abnehmer fanden. Daß dieser Markt nicht beschickt wurde, bat wohl seinen Grund darin, daß der Termin nicht bekannt war. Es sei hier die Anregung erlaubt, daß wieder wie früher Marktverzeichnisse in den Gaststätten usw. zum Aushang kommen und der Münsterische Almanach in seinem Anhang die Markttage bringt. Der nächste Markt ist am Montag, dem 3. Oktober 1949. 120 Junghühner gestohlen. In der Nacht vom 23. zum 24. August verschafften sich Diebe in einem Stadtlohner Geflügelhof Einlaß und stahlen 120 legereife Hühner(Weiße Leghorn). Die Jungtiere tragen Ringe mit den Zeichen V-WR.—TK und sind numeriert von 740 bis 7650. Die Hühner müssen mit einem Lieferwagen abtransportiert sein und zwar in Käfigen, die ebenfalls an gleicher Stelle gestohlen wurden. Wessum Ausgabe der Lebensmittelkarten. Das Dorf Wessum erhält am Samstag die Lebensmittelkarten. Für die Bauerschaft Averesch wird der Termin noch bekannt gegeben. Rentenzahlung. Die Auszahlung der Angestellten, K. B.- und Hinterbliebenenrenten in Wessum erfolgt am 29. 8. 49. Die Invalidenrenten werden am 1. 9. 49 während der Schalterstunden ausgezahlt. Die Heimat gratuliert Ernennungen beim Finanzamt. Steuersekretär Paul Riehemann und Steuersekretär Bernhard Bollhauer, vom Finanzamt Ahaus wurden mit Wirkung vom 1. 8. 49 zu Obersteuersekretären ernannt. Silbernes Ehejubiläum. In dieser Woche feierten die Familien Wewers, Harmeling und Niewohner in Stadtlohn das Fest der Silberhochzeit. Berufsjubiläum. Herr Josef Steinbach, Kassenbote bei der Stadtkasse Stadtlohn konnte auf eine fünfundzwanzigjährige ununterbrochene Tätigkeit bei der Stadt zurückblicken. Frau Bumer Ahaus, Kusenhok 20, vollendet heute ihr 80. Lebensjahr. Beltellschein! Ich bestelle ab lofort laufend die Neue Ahauler Kreiszeitung Ahaus, van Delden-Straße 8 zum Monatspreis von DM 3,20 frei Haus bei täglicher Zultellung. Name: Beruf: Wohnort: Strahe: Neue Ahauser Kreiszeitung“ Verlag und Schriflleitung Ahaus, van Deldenstr. 6, Ruf 450. Verantwortlicher Redak= teur: Rolf Kruse. Nr. 77— 1. Jahrgang 27. August 1943 Indiskreter Blick in Fragebogen Die Privatberufe der neugewählten Bonner Bundestagsabgeordneten Von der Bonner Schriftleitung der Ruhr-Nachrichten Vetter zeigte sich bockbeinig Revisionsverhandlung gegen frühere stellv. Gauleiter von Westfalen-Süd Eigener Bericht der Ruhr-Nachrichten Bonn. 26. August. Was sind unsere Bundestagsabgeordneten im Privatberuf? Das ist eine Frage, die sicherlich gerade heute, wenige Tage vor Bildung der jungen westdeutschen Bundesregierung, interessiert. Ein kleiner, indiskreter Blick in die Fragebogen, von denen auch die Abgeordneten nicht verschont blieben, fördert manches Interessante zu Tage. Die Rubrik für die Altersangabe wurde von vielen offengelassen. Auch die Berufsangaben fehlen manchmal, aber immerhin haben viele Abgeordnete aufgeschrieben, was sie sind, und viele, als was sie sich sehen. Der Landesvorsitzende der Wirtschaftlichen Aufbauvereinigung, Loritz, dem die Bayern jetzt endlich„mit Genehmigung“ der Militärregierung den Prozeß machen wollen, kann als Rechtsanwalt in eigener Sache plädieren. Als Abgeordneter ohne Partei stellt sich aus Flensburg ein Oberschulrat vor, während für die Unabhängigen ein Fabrikant gewählt wurde; die„Notgemeinschaft“ präsentiert einen Geistlichen. Kommunist Reimann bezeichnet sich als Bergmann. Bei der SPD liegt das Schwergewicht deutlich bei den Funktionären und Gewerkschaftsleuten. Auch Journalisten sind in großer Anzahl vertreten. Der Abgeordnete mit der ausführlichsten Eintragung in der Sparte Beruf ist der Mannheimer SPD-Abgeordnete Carlo Schmid, auf dessen Personalbogen wir lesen: Professor, Justizminister, stellvertretender Staatspräsident— eine verheißungsvolle Ankündigung. Louise Schröder aus Berlin macht in der Berufssparte keinen Vermerk. Neben Ministern, Oberbürgermeistern, Kaufleuten, Beamten, Angestellten und Freiberuflichen finden wir bei der SPD einige Arbeiter mehr als in der CDU. Die Abgeordneten der Deutschen Partei gehören fast ausschließlich dem gehobenen Mittelstand an. Neben einem Oberbürgermeister finden wir Kaufleute, Juristen, einen Baumeister und einen— Kapitän, der das Schiff richtig zu steuern hofft, auch wenn keine Journalisten an Bord sind. Die WAV stellt als Abgeordnete aus jeder Berufsgruppe höchstens einen Vertreter, während Hausfrauen, Geistliche und Arbeiter völlig fehlen. Beim Zentrum sind die Beamten etwas stärker vertreten. Bei der Freien Demokratischen Partei sind der ArbeiterHamburg, 26. August. Die Hansestadt kommt in diesem Sommer nicht aus dem Wundern heraus. Nach dem Gastspiel des „Wunderdoktors“ Gröning, der Entdeckung eines Stigmatisierten, spricht man jetzt vom Wunderrechner Andreas Kolf. Der dritte Wunderfall ist eine handfeste Sache, obgleich er nur etwas mit dem Kopf zu tun hat. Sein Gedächtnis arbeitet schneller als ein elektrisches Tastwerk. Er macht den größten Fabriken für Rechenmaschinen scharfe Konkurrenz. „Sagen Sie mir Ihr Geburtsdatum, und ich gebe Ihnen zuverlässig Wochentag und Stunde an, in der Sie das Licht der Welt erblickten. Verraten Sie mir Ihre Hausnummer, multiplizieren und addieren Sie ein paar Zahlen hinzu, und ich nenne Ihnen die Zahl Ihrer Geschwister. Rufen Sie mir das Ergebnis einer kleinen Kopfrechnung zu, und ich sage Ihnen, wieviel Geld Sie in der Tasche haben.“ Blitzschnelle Resultate Das sind drei Fragen, mit denen der Mann mit dem Maschinengehirn sein Publikum, Belegschaften großer Betriebe, Schulklassen, Bank- und Steuerbeamte, Wirtschaftler und Oberlehrer reizt. Schaumschlägerei? Mitnichten, alle stellen sie nur fest, daß man Adam Rieses Einmaleins nicht im Kopf hat. Es tritt keiner mit ihm an, der in Bruchteilèn von Sekunden eine Multiplikation von 3492 mal 8256 ohne die Hilfe einer Rechenmaschine, ohne Bleistift und Papier löst. Fachleute rechnen mit allen Hilfsmitteln mit, der Super-Adam-Riese läßt sich bereits eine nächste Aufgabe stellen und sagt beide schneller an als die mechanisch errechneten. Sechs- und achtstellige Additionen, Subtraktionen und Multiplikationen werden ihm zugerufen, Exempel, die in die Höhe von Billionen gehen, und die in seinem Wundergehirn errechneten Ergebnisse sind in ihrer Schnelligkeit so sensationell, daß die gescheitesten Rechner nicht aus dem Staunen herauskommen. Sind höhere Mathematiker beieinander, werden von Kolf auf Zuruf Quadrat- und Kubikwurzeln im Kopf gezogen. Nach einer Stunde noch ist er in der Lage, zwanzig oder dreißig Ergebnisse fehlerlos zu wiederholen. Er weiß mindestens 500 Telephonanschlüsse aus dem Kopf, und eine ihm einmal genannte Fernsprechnummer kennt er noch nach Jahren. Das Gedächtnis entscheidet Der 43jährige Andreas Kolf kommt aus Kronstadt in Siebenbürgen. Bildungsmäßig bestehen kaum Voraussetzungen für seine ungeheure Zahlenkenntnis. Er hat die Volksschule und später nebenbei vier Gymnasialklassen mitgemacht und erklärt, daß sein Wissen und Können autodidaktisch sei und alles auf dem Gedächtnis beruhe, Kolfs Arbeit ist nicht von Mystik oder Rätseln umwoben. Er ist ein wissenschaftliches Phänomen. Ein Gedächtniswunder ohnegleichen. Er macht aus seinem Können kein Geheimnis, sondern erklärt jedem die Methodik der Blitzlösungen: ungeheure Konzentration der Gedanken und ein phantastisch funktionierendes Gedächtnis. Wähund der Handwerkerstand je einmal vertreten, auch ein Journalist stellt sich hier als Abgeordneter vor, während die überwiegende Mehrzahl sich aus Angehörigen der freien Berufe und des Beamtenstandes zusammensetzt. Neben Regierungspräsidenten, Oberlandesgerichtspräsidenten, Aerzten und Juristen kommt auch hier die Industrie mit vier Fabrikanten zu Wort. Bei der CDU/CSU wiegen die Beamten mit bisher 35 Meldungen über. 18 Angehörige der freien Berufe, wobei sechs Journalisten noch nicht mitgezählt sind, stellen das zweitstärkste Kontingent. Aber auch 14 Kaufleute, etwa 20 Bauern, eine Reihe von Handwerkern, Angestellten und Arbeitern sind vertreten. Der geistliche Stand kommt mit bisher drei Abgeordneten zu Wort. Ausgesprochene Parteileute sind nur in geringer Anzahl eingetragen. Der Vorsitzende der CDU, Dr. Konrad Adenauer, schrieb kurz und bündig: Oberbürgermeister. München, 26. Aug. Seit Bruno Gröning, der Herforder„Wunderdoktor“, in der bayrischen Landeshauptstadt weilt, ist die Münchner Volksseele zwar nicht ins Kochen, immerhin aber in bemerkenswerte Erregung geraten. Gröning hier und Gröning dort— er ist wirklich zum Tagesgespräch geworden; aber außer einigen findigen Reportern hat ihn noch kaum jemand zu Gesicht bekommen. Man raunt und munkelt um den seltsamen Mann, bei der Gemüsefrau am traditionellen Viktualienmarkt werden seine jüngsten Heilerfolge lebhaft kolportiert, aber—„nix Genaues weiß man halt net“, wie man auf bajuvarisch so treffend zu sagen pflegt. Unbeirrt um Gerüchte und Meinungsstreit, ordiniert Bruno Gröning derweilen in der Wohnung eines Münchner Bekannten, gibt gewissermaßen ein Privatissimum (und dabei ein Interview). Drei Stunden lang, so erfährt man, behandelte er eine rend er Zahlen von schwindelnden Größen ausrechnet, läßt er ganze Schulklassen dabei singen und lärmen, ohne auch nur für eine Sekunde den Faden dabei zu verlieren. Versuche, es ihm nachzumachen, scheiterten in jedem Falle. Der Mann mit dem Maschinengehirn nennt sich einfach Rechenkünstler und hat bisher keine feste Position außer seinem gelegentlichen Auftreten vor interessierten Kreisen und Schulen gefunden. Typhus in Düren und Krefeld Düsseldorf, 26. Aug.(ap) Die in Düren ausgebrochene Typhusepidemie hat auf Krefeld übergegriffen. 85 Typhuserkrankungen wurden in Krefeld festgestellt. Die Erkrankungen in Düren sind auf 169 Fälle gestiegen. Verseuchtes Wasser oder infizierte Milch soll die Ursache sein. Todesfälle sind bis jetzt noch nicht zu beklagen. „Regierungsbahnsteig“ in Bonn. Der Bonner Bahnhof soll neben dem ehemaligen Bahnhofsbunker einen„Regierungsbahnsteig“ erhalten. An der Quantiusstraße soll außerdem eine neue Auffahrt für Kraftwagen gebaut werden, auf der die Autos künftig von der Rückseite des Bahnhofs her unmittelbar an den neuen Bahnsteig fahren können. Datteln rechnet mit Millionen. Die Bausparaktion der Amtsversammlung Datteln hat Beträge von über einer Million DM ergeben. Vertragsabschlüsse auf vier Millionen DM werden erwartet. Geständnis eines Mörders. In Hängelar bei Bonn wurde in einer Grube, mit Steinplatten bedeckt, die Leiche einer 55jährigen Frau gefunden, die als Argentinierin abgemeldet war. Ein 34jähriger gestand, die Frau, die aus Berlin stammte, im Februar ermordet und verscharrt zu haben. Schützenkönig bestohlen. Während auf einem Krefelder Schützenfest der neuernannte Schützenkönig seine Krönung feierte, wurden ihm aus seiner Wohnung von bisher unbekannten Tätern 7000 DM gestohlen. Finder gab 5000 DM zurück. Ein Stuttgarter Geschäftsmann verlor in Mülheim (Ruhr) seine Aktentasche mit 1300 DM Bargeld und 3700 DM in Barschecks. Ein junger Mann brachte die Tasche vollinhaltlich wieder. Moderne Hundetötung. In Kleve ist ein elektrischer Stuhl zur Tötung von Hunden eingerichtet worden. Gesamte Ernte verbrannt. In Heidenoldendorf brach auf einem Bauernhof ein großes Schadenfeuer aus. Scheune, Stallungen und die gesamte Ernte im Wert von 80 000 D-Mark wurden vernichtet. Burschenherrlichkeit der Verschleppten. Dr. Weitz erklärte, daß für 564 studierende Verschleppte von Juli 1948 bis März 1949 874 000 Mark an Taschengeldern ausgegeben worden seien. Die ausländischen Studenten Unser Bild zeigt den amerikanischen Soldaten Russel F. Jones, der in der Nacht zum 1. Mai 1949 drei deutsche Zivilisten in Stuttgart getötet hat. Er legte ein Geständnis ab und steht zur Zeit unter Anklage des amerikanischen Feldgerichts in Ludwigsburg. Frau, die Gattin seines Gastgebers, die seit zehn Jahren bewegungsunfähig herumsitzt, von 21 Aerzten als unheilbar aufgegeben. Und das Unfaßbare geschieht: die Frau kann wieder gehen, sich bewegen wie vordem! Augenzeugen sollen diesen Vorfall bestätigt haben. Suggestion— meinen die einen, Zufall— sagen die Zweifler, Schwindel— erklären andere, ein Wunder— beteuern seine Anhänger. Und deren hat Gröning, der Asket mit der energischen Stirn über dem offenen Gesicht, der eine Zigarette nach der anderen verpafft und sich hauptsächlich von starkem Kaffee zu ernähren scheint, mehr als genug.„Ich bin kein Wunderdoktor!“ sagt er immer wieder und verurteilt die zahllosen Schwärmer, die in ihm einen neuen Messias sehen möchten. Filmreporter, die bis zu seinem Aufenthaltsort, einer unauffälligen Villa inmitten eines verwilderten Gartens in München, vordringen konnten, haben im Auftrag der Dokumentarfilm-Produktion„Rolf- EnglerFilm“ Bruno Gröning bei der Arbeit aufgenommen. Die Lokalpresse berichtet spaltenlang über seine„Methode“, und die Münchener selbst lassen den Redaktionen keine Ruhe mehr: Fast ununterbrochen rasseln die Telephone, kommen Anrufe hilfsbedürftiger, neugieriger oder sensationslüsterner Menschen, die alle den Herforder Wunderdoktor sehen wollen. Aber der ist— wenigstens vorläufig— nur für einen kleinen Kreis zu sprechen. Er hat übrigens die Absicht geäußert, sehr lange in München zu bleiben. Er hat ein Angebot eines Rosenheimer Einwohners bekommen, auf dessen Gutshof seine Heilversuche durchzuführen. Neuerdings teilt die Gesundheitsabteilung des bayrischen Innenministeriums mit, Grôning werde sechs Monate lang in einem bayrischen Krankenhaus praktizieren. Er soll vor Aerzten sein Können unter Bew stellen. Wenn ihm dies gelingt, wird er als „Heilpraktiker“ seine Kunst ausüben dürfen. Berlin, 26. Aug. Als der Händler Penner vor drei Jahren das erste Markenleihhaus in Berlin eröffnete, bestand seine Kundschaft fast nur aus Leuten, die mit ihren Marken Geschäfte machen wollten. Später, als das Geld knapp wurde, wechselte das Publikum„Heute kommen meistens Sammler, die eine Rechnung nicht bezahlen können“, erzählt Herr Penner. Die Zahl der Anträge auf Beleihung wächst ständig. Aber das Geld reicht nicht mehr aus, alle Wünsche zu erfüllen. Der Pfandleiher braucht selber Geld. Penners Panzerschränke standen früher in der Reichskanzlei. Jetzt stapeln sich in Hitlers einstigem Tresor die Pfandobjekte. Vor der Währungsreform Ram das Durchschnittspfand auf 4000 Mark. Für Kostbarkeiten von internationalem Wert, wie z. B. die seltenen Moldau-Marken oder die berühmten DreiPfennig-Sachsen-Marken wurden bis zu 100 000 Mark gegeben. Heute bekommen die Kunden in Penners Leihhaus zwischen 20 und 100 Mark. Ueber 1000 Mark geht es nicht mehr. Zur Zeit sind die Durchschnittskurse bis auf acht Prozent der Katalogpreise heruntergegangen. Eine Sammlung, die im Katalog mit 10 000 Mark steht und noch im vorigen Jahr 40 000 brachte, ist jetzt für weniger als 1000 Westmark zu haben. Den Sammlern bieten sich auf diese Weise die verlockendsten erhielten pro Kopf zwischen 112 und 193 DM monatliches Taschengeld neben Verpflegung, Unterkunft und Studiumkosten. Bayern Bayrische Bauern als Filmstars. In der Allgäuer Ortschaft Oberstdorf, dem bekannten Fremdenverkehrsort, wird gegenwärtig der abendfüllende Bergfilm„Das goldene Edelweiß“ gedreht, in dessen Mittelpunkt das bayrische Gebirgsdorf steht. Mitglieder der Tegernseer Bauernbühne sind die Träger der Hauptrollen. Wieder Münchener Modellbörse. An der Hochschule für Bildende Kunst in München wird ab 1. Oktober wieder die traditionelle Modellbörse abgehalten werden. Die Künstler können jeweils montags und dienstags von 8 bis 10 Uhr dort ihre lebenden Modelle, Weiblein wie Männlein, auswählen. Falsche Erzherzogin. Ruth Kluge aus Leipzig war vor Jahresfrist aus dem Elternhaus durchgebrannt und einem Studenten nach München nachgereist. Sie hatte sich als„Erzherzogin von Habsburg“ ausgegeben und mit diesem Titel Einlaß in Adelshäuser gefunden. Das Amtsgericht Augsburg verurteilte sie zu vier Monaten Gefängnis. Anklage gegen frühere NWDR-Angestellte Hannover, 26. August. Der Oberstaatsanwalt hat gegen den früheren Leiter der Nebenstelle Hannover des NWDR, Hans Guhrm, und seinen Mitarbeiter Wiechers Anklage wegen Betruges, Untreue, Unterschlagung und Urkundenfälschung erhoben. Die Untersuchungen gegen die Angehörigen des NWDR Hannover sind nach Mitteilung des niedersächsischen Justizministeriums jetzt abgeschlossen. Bielefeld, 26. August. Vor der 3. Bielefelder Spruchkammer wurde gegen den früheren stellvertretenden Gauleiter von Westfalen Süd und Oberbürgermeister von Hagen, Heinrich Vetter, der in der ersten Instanz vom Spruchgericht Hiddesen zu 4 Jahren und 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, erneut verhandelt. Der Prozeß gestaltete sich sehr lebhaft, es kam zu Zusammenstößen zwischen dem Gericht und dem Angeklagten, der das nationalsozialistische Regime verteidigen wollte. Maßnahmen, die abzulehnen gewesen seien, wären gegen Hitlers Willen von Unterführern veranlaßt worden, behauptete er. Der Hauptschriftleiter des„Stürmer“ sei nach seinen unzweifelhaften Informationen selbst ein Jude gewesen. Was man jetzt über die Konzentrationslager erzähle, das könne er auch heute noch nicht glauben; ebensowenig glaube er, daß fünf Millionen Juden vergast worden seien. „Sie sind der unbelehrbarste Angeklagte, der mir in meiner Spruchgerichtspraxis je vorgekommen ist“, stellte der Richter, Landgerichtsrat Hecker, fest. Trotzdem wurde die erstinstanzliche Strafe auf 3 Jahre und 2 Monate herabgemildert, wobei sich das Gericht von der Ueberlegung leiten ließ, daß bei Vetter doch Hopfen und Malz verloren sind, und daß er selbst Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht begangen hat. Er sei auch während des Krieges, nachdem sein Freund, Gauleiter Wagner, in die Wüste geschickt worden war, nicht mehr sehr in Erscheinung getreten. Das Urteil ist durch die Internierungshaft verbüßt. 10 Jahre für„Schwester Pia“ München, 26. August. Die Hauptkammer München stufte am Freitag die 64jährige Eleonore Bauer, bekannt unter dem Namen „Schwester Pia“, in die Gruppe der Hauptschuldigen ein und verfügte ihre EinweiDertmund, 26. August. Eine neue Interzonen-Expreßverbindung läßt Köln und Berlin bedeutend näher zusammenrücken, was vor allem von der westdeutschen und Berliner Geschäftswelt sehr begrüßt wird. Durch die Initiative des DER-Reisebüros wurde eine Abstimmung zwischen der Reichsbahn und einem Berliner Autobusunternehmen erzielt und durch den Anschluß beider Verkehrsmittel in Helmstedt die bisher schnellste Verbindung mit der Viersektorenstadt seit Kriegsende erreicht. Täglich fährt ab Köln(7.45 Uhr) ein Dieseltriebwagen, berührt die Städte Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Essen-Altenessen, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Dortmund und Hamm. Ohne Halt geht es dann über Bielefeld, Hameln und Hildesheim nach Helmstedt(13.45 Uhr). Die bereitstehenden Autobusse fahren schon um 14.15 Uhr weiter und sind— Fahrtroute über die Autobahn mit Zonengrenzstelle Kaufmöglichkeiten, aber den meisten fehlt das Geld zum Kauf. Arbeiter, Rechtsanwälte und Tapezierer holen sich bei Penner auf ihre Marken GeldEin Kunde kam mit einem ganzen Packen Mecklenburg-Antifa“. Sie kostete 1943 100 Mark. Heute zahlt man 2,50 Mark dafür, und im Leihhaus gibt es noch nicht eine Mark darauf. Auch Briefmarkenhändler gehören zu Penners Kunden. In Berlin ist von ca. 300 Geschäften mehr als die Hälfte eingegangen. Hm. Zwei Ausbrecher gefaßt Osnabrück, 26. August. Von den 33 in der Nacht zum 7. August nach einer Meuterei aus dem Strafgefangenlager Versen, Kr. Meppen, ausgebrochenen Zuchthäuslern sind nach einer Mitteilung der Polizei nur noch drei in Freiheit. Zwei der bisher noch flüchtigen Ausbrecher wurden in Köln bzw. Minden festgenommen. Streik wegen Mißhandlung Von unserem Münchener Büro München, 26. Aug. Seit dem Wochenende streiken allnächtlich von 20 Uhr bis 5 Uhr die 130 Chauffeure der„Export-Taxi-Service“ als Demonstration gegen Ueberfälle, denen die Taxifahrer seitens amerikanischer Besatzungsangehöriger des öfteren ausgesetzt waren. So ist erst kürzlich wieder ein deutscher Fahrer von drei Soldaten im Auto festgehalten und mit dem Kolben einer Pistole mißhandelt worden. Nach Aussagen der Streikenden sind bei Schlägereien der Amerikaner wöchentlich etwa fünf Taxifahrer schwer und weitere zwanzig leichter verletzt worden. Der amerikanische Major Harry de Busk hat inzwischen eine strenge Untersuchung und Abhilfe zugesagt. München. 26. Aug. Nach Genehmigung der Wiedererrichtung eines Deutschen Patentamtes wird dieses an Stelle des früheren Reichspatentamtes Berlin nunmehr im Münchner„Deutschen Museum“ ab 1. 10. untergebracht werden. Die Vorarbeiten hierzu sind nahezu abgeschlossen, schon füllen rund 250 000 Bände der Bibliothek die weitläufigen Räume des riesigen Gebäudes. In endlosen Stapeln warten Berge von Patentschriften auf ihre Einreihung, die Abstellflächen für Bücher und Schriften nehmen einen Raum von insgesamt 19 Kilometer ein. Eine Lichtbildstelle wird den Interessenten zur Verfügung stehen, die Mikrofilme und Photokopien anfertigt. Der Beamtenapparat wird sich auf 750 Personen beschränken, das sind weniger als die Hälfte der im ehemaligen Reichspatentamt beschäftigten Beamten. Schon jetzt liegen etwa 100 000 Anträge für neue Patente, Gebrauchsmuster und Warenzeichen vor. Sie loben den Ziegelbau Essen, 26. August. Auf einer Arbeitstagung des Fachverbandes Ziegelindustrie Nordrhein-Westfalen, die in Essen stattfand, wurde betont, daß der Ziegèlbau alter und neuer Art auf die Dauer die wirtschaftlichste, am wenigsten reparaturanfällige und gesundeste Bauweise sei. Nach wie vor seien Ziegelstein und Dachziegel der zweckentsung in ein Arbeitslager für die Dauer von zehn Jahren. Von der bisher erlittenen Internierungshaft werden nur zwei Jahre in Anrechnung gebracht. Darüber hinaus hat sich die Kammer vorbehalten, Feststellungen über die Beteiligung Schwester Pias an den Unterkühlversuchen des Dr. Rascher der zuständigen Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord zuzuleiten. Hierbei habe sich, wie einwandfrei festgestellt wurde, Schwester Pia gegen eine Narkotisierung der Häftlinge ausgesprochen. Krimineller„Legationsrat“ Von unserem Münchener Büro (h) Traunstein, 26. Aug. Eine kleine Sensation bildete vor dem Schwurgericht Traunstein die Verhandlung gegen den Rechtsanwalt Dr. Josef Schlemann. Er war bereits unter dem Naziregime im diplomatischen Dienst und nannte sich später unberechtigt „Legationsrat“. Was ihn schließlich auf die Anklagebank brachte, waren Delikte, die man bei einem Rechtsvertreter am wenigsten erwartet hätte: Begünstigung in zwei Fällen, erfolglose Anstiftung zum Meineid, Parteiverrat, versuchte Nötigung, versuchter Betrug und zwei Vergehen gegen das Währungsumstellungsgesetz. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. Spruchkammerstatistik konfessionell Elgener Nachrichtendienst Hamburg, 26. August. Von den in der britischen Zone Entnazifizierten gehörten nach einer Spruchkammerstatistik rund 50 Proz. keiner christlichen Konfession an. Von denen, die in der Kirche geblieben waren, wurden nur 15 Proz. mit Arbeitslager bestraft, von den aus der Kirche Ausgetretenen dagegen 32 Proz. Freigesprochen wurden von den Konfessionslosen nur zehn Proz., von den Gottgläubigen 17 Proz. und von den der Kirche Treugebliebenen 25 Prozent. Marienborn— um 18.00 Uhr am Bahnhof Charlottenburg, dem Endziel in Berlin. Die Rückfahrt beginnt täglich um 7.00 Uhr in Charlottenburg und endet— auf gleichem Der Schnelltriebwagen im Hbf. Dortmund Wege und unter gleichen Bedingungen— um 20.23 Uhr in Köln. Fahrkarten zur Benutzung dieser Expreßverbindung geben nicht die Schalter der Reichsbahn, sondern nur die DER-Reisebüros aus, und zwar in allen Städten der Westzonen. Mehr Entschädigung für Silikose Eigener Nachrichtendienst Bochum, 26. Aug. Nach der geltenden Berufskrankheitenverordnung sind Staublungenerkrankungen, die nicht von Tuberkulose begleitet sind, nur dann zu entschädigen, wenn es sich um schwere Staublungenerkrankungen(Silikose) handelt. Wenn bisher in der praktischen Begutachtung das Röntgenbild vielfach ausschlaggebend gewesen ist, so ist nunmehr für die Feststellung einer zu entschädigenden Staublungenerkrankung allein entscheidend, ob eine leistungsmindernde Beeinträchtigung von Atmung und Kreislauf durch Silikose nachweisbar verursacht ist. Der Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit durch die Staublungenerkrankung richtet sich nach dem Ausfall der Funktionsprüfungen. Hier sind keine bestimmten Grenzen gesetzt. Die Erwerbsminderung muß jedoch meßbar sein. Ständchen zum Stempelgeld Osnabrück, 26. August. Das Orchester des städtischen Theaters, dem vom Rat der Stadt vor kurzem die Kündigung ausgesprochen wurde, hat beschlossen, mit Musik zum Arbeitsamt zu marschieren, um das erste Stempelgeld in Empfang zu nehmen und sich bei den Beamten des Arbeitsamtes, die künftig für sie sorgen werden, durch ein Ständchen beliebt zu machen. Die 80 Mitglieder von Schauspiel, Oper und Operette, die ebenfalls entlassen sind, werden sich diesem Zug anschließen. Tödlicher„Schwitzkasten“. Wegen eines Erbschaftsstreites gerieten in Waldberg zwei Bauern in Streit. Im sogenannten„Schwitzkasten“ erwürgte einer den anderen. h. der Ruhr-Nachrichten sprechendste, anpassungsfähigste und billigste Baustoff. Nicht die primitivste Bauausführung sei auf Sicht die billigste und wirtschaftlichste. Architekt Pfister(Freiburg Br.) warnte vor einseitiger Vergleichswerbung für die verschiedenen Arten von Leicht- und Schnellbauweisen gegenüber dem Ziegelbau, wobei manchmal mit irreführenden Prozentzahlen gearbeitet werde. Auch im Ziegelbau lasse sich eine weitgehende Typisierung erzielen, die die Verfechter der Leicht- und Schneilbauweisen für sich allein in Anspruch nähmen. Nordwestdeutscher Rundfunk Sonntag, 28. Aug.: 9 00 Evangelischer Gottesdienst aus der Dreifaltigkeitskirche in Hannover: 11.45 Erster Norddeutscher Katholibentag, Bericht aus Lübeck; 12.00 Goethes 200. Geburtstag, Uebertragung des Festaktes aus der Paulskirche in Frankfurt; 16.00 Was Ihr wollt; 19.30 „Faust“, der Tragödie zweiter Teil; 23.00 Böhmische Tänze. Das Wetter Das warme, teilweise schwüle Wetter mit einzelnen Gewittern wird noch fortdauern. Um die Mitte nächster Woche kann ein Rückgang der Temperatur erwartet werden. Keine Höchstpreise für Kartoffeln Zentner für 5,50 DM/ Einfuhren sollen die Fehlmenge ausgleichen Frankfurt, 26. August. Von Höchst- und Mindestpreisen für Kartoffeln rät das Kartoffelreferat der VELF ab. Ein Sprecher erklärte, daß nach den bisherigen Erfahrungen Höchst- oder Mindestpreise durch die freie Marktentwicklung übergangen würden. Die Verwaltung werde sich deshalb voraussichtlich auf eine Preisregulierung für Kartoffeln durch Einfuhrlenkung beschränken. Falls die Verbraucherpreise für Kartoffeln in den kommenden Monaten auf ein untragbares Maß ansteigen sollten, würde man durch Kartoffeleinfuhren, besonders aus Holland und der Tschechoslowakei, wo ein besonders hoher Ernteertrag erwartet werde, einen Preisdruck auf den Inlandsmarkt ausüben können. Den Verwaltungsbehörden werde ein besonderer Richtpreis zur Beurteilung dienen, der etwas über dem Kartoffelwert bei der Schweinefütterung liegen müsse und sich auf 5,— bis 5,50 D-Mark je Zentner stellen werde. Bei der erwarteten diesjährigen Kartoffelernte von 15,94 Millionen Tonnen ist mit einer Fehlmenge von 1,3 Millionen Tonnen zu rechnen, die durch Kartoffeleinfuhren aufgebracht werden muß. Dabei sind Selbstversorger und Saatgutbedarf sowie der Bedarf der Stärkeindustrie und Schwund berücksichtigt. Falls der Ertrag durch vermehrte Niederschläge um 20 Zentner je Hektar höher als angenommen liegen sollte, wird die Fehlmenge ausgeglichen werden können. 1000 Tonnen Butterreserve Düsseldorf, 26. August. Die Milchanlieferung hält sich in Nordrhein-Westfalen verhältnismäßig gut. Die Gesamtanlieferung der 1. bis 32. Woche dieses Jahres übertrifft die Anlieferung im gleichen Zeitraum des Vorjahres um 78,87 Prozent. Der Vollmilchabsatz nimmt ständig stark zu. Infolge des erhöhten Vollmilchverbrauchs ging die Buttererzeugung in der zweiten Augustwoche um 4,21 Prozent gegenüber der Vorwoche zurück, sie liegt damit aber trotzdem noch 33,65 Prozent über der Vergleichswoche des Vorjahres. Der Fettbedarf konnte voll gedeckt werden. Darüber hinaus wurden in Nordrhein-Westfalen bis zum 13. 8. 1949 bereits rund 1000 Tonnen Butter zur Winterreserve eingelagert. Ein Konkurrent der Rechenmaschinen Hamburg erlebt ein neues Wunder/ Ein Super-Adam-Riese Eigener Nachrichtendienst der Ruhr-Nachrichten Münchener Tagesgespräch: Gröning Rätselraten um den„Wunderdoktor“— Er wurde gefilmt Berichtunseres Münchener O. H.-Vertreters Aus Nordrhein-Wesffalen Was Hitlers Panzerschrank enthält Ein Besuch in Penners Markenleihhaus/ Niedrigste Kurse Neue Schnellverbindung mit Berlin Bis Helmstedt Dieseltriebwagen, dann sofort Autobus-Anschluß Eigener Nachrichtendienst der Ruhr-Nachrichten 100000 Patente und Gebrauchsmuster Deutsches Patentamt nimmt in München die Arbeit auf Von dem Münchener Büro 1. Jahrgang 27. August 1949 Wirtschaft und AArbeit Die Kölner Messe Landesmesse (RN) Im Rahmen einer Messevorbesprechung machte der Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln, Beigeordneter Dr. Adenauer, interessante Ausführungen über die wesentlichen Fortschritte, die die Kölner Messe seit dem Frühjahr zu verzeichnen hat. In diesem Herbst werde zum letztenmal die Kölner Messe in eine Haushalts- und Textilmesse aufgeteilt werden. Bis zur Frühjahrsmesse 1950 werde der Aufbau soweit fortgeschritten sein, daß die bisher getrennten Gruppen zu einer Einheit zusammengefaßt werden könnten. Der Erfolg der Nachkriegsmessen und der Jubiläumsmesse hätten den Anstoß dazu gegeben, die Kölner Messe auf Grund der Bedeutung ihres Wirtschaftsgebiets und der hieraus erwachsenden Eigenart als Landesmesse anzuerkennen. Die Bedeutung der Haushaltsmesse als Fachmesse habe durch die Wirtschaft selbst eine wertvolle Bestätigung gefunden. Der Verband Deutscher Eisenwarenhändler(VDE) habe die Haushaltsmesse zur offiziellen Messe der Eisenwarenhändler erklärt. Besonderes Gewicht lege die Messeplanung neben der Wahrung des Charakters der Fachmesse auf engere Messeverbindungen zu den westlichen Nachbarn. Zwischen der Kölner und der Utrechter Messe sei bereits eine gegenseitige offizielle Vertretung vereinbart, die vorläufig allerdings noch von der niederländischen Handelskammer in Deutschland getragen werde. Die 22 000 qm große Fläche des Messegeländes werde während der vom 28. bis 30. August stattfindenden Haushaltsmesse und der vom 25.—27. September veranstalteten Textilmesse von 800 Ausstellern belegt werden. Die besondere Bedeutung liege in der Teilnahme holländischer und belgischer Firmen, die zum erstenmal in Köln als Verkäufer und nicht mehr allein als Aussteller auftreten. Die in einer Gruppe zusammengefaßten ausländischen Stände sollen am 31. August zusammen mit den Ständen des Kunsthandwerks auch dem Publikum zugänglich sein, während die Ausstellung an sich nur für Wiederverkäufer geöffnet ist. Im Anschluß an die Textilmesse werde ein deutsch-belgischer u. ein deutschholländischer Wirtschaftstag in Köln stattfinden. Wie Messedirektor Täpper mitteilte, ist von der Messeleitung eine ZusammenNeubautätigkeit zurückgegangen (Von unserm Düsseldorfer Büro) Das Bauvolumen in Nordrhein-Westfalen ist von 112 Prozent im Juni auf 110 Prozent im Juli gesunken, was auf den Rückgang der Neubautätigkeit zurückzuführen ist. Die Instandsetzungsarbeiten haben um zwei Prozent zugenommen. Die geleisteten Tagewerke des Baugewerbes in Nordrhein-Westfalen(in 1000 Stück) steigerten sich in der Zeit von Januar bis Julí 1949 bei Wohn- und Behelfsbauten von 566.0 auf 773,6, bei landwirtschaftlichen Bauten von 34,7 auf 47,4, bei Verkehrsbauten von 356.6 auf 401,5, bei den übrigen öffentlichen Bauten ohne Verkehrsbauten von 370 auf 390,7, bei sonstigen Bauten von 168 auf 197,6, dagegen bei gewerblichen und industriellen Bauten sanken sie von 1097,6 auf 973,9. Wirtschaftstagung der Ev. Akademie Die Evangelische Akademie Hessen-Nassa veranstaltete in Frankfurt eine Tagung für führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung, auf der Ministerialrat Eckhardt (München) in einem Referat über„Steuerpolitik und Wirtschaftsaufbau“ die Trennung von Steuer- und Handelsbilanz forderte. Der ehemalige Präsident der deutschen Friedensdelegation in Versailles, Frhr v. Lersner, sprach über das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich und über die Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Theologische Grundlage der Tagung gab der Leiter der Akademie, Pfarrer Lic. zur Nieden, in seiner Einführung über„Frieden und Gerechtigkeit“. Gewerkschaft droht mit Boykott Die Gewerkschaften können unter Umständen den Ausgleich von Löhnen und Preisen durch einen Boykott erzwingen. Dr. Hans Böckler, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erklärte in Königswinter, daß die Gewerkschaften,„wenn die kommende Regierung nicht diejenigen Maßnahmen bei der Lohn- und Preisgestaltung ergreift, die wir für richtig halten“, diese durch Aktionen erzwingen könnten,„die unter Umständen ein wenig schmerzlich sind, z. B. Boykott“, Böckler wies darauf hin, daß das Wahlergebnis die Gewerkschaften von ihren Forderungen auf weitreichende Sozialisierungen nicht abbringen könne. arbeit zwischen den Messen Köln-FrankfurtHannover angeregt worden. Ueber ein gemeinsames Messeprogramm hätten bereits Besprechungen in Frankfurt stattgefunden, und die drei Messedirektoren sowie die Vertreter der Wirtschaft seien zu dem Ergebnis gelangt, daß mit der Messeinflation auf jeden Fall Schluß gemacht werden müsse, es sei höchste Zeit, daß die Wirtschaft selbst ein entscheidendes Wort mitspreche. In der Besprechung widerrief Dirktor Täpper seine vor kurzem abgegebene Erklärung, daß für Belgien und Holland je zwei Millionen Dollar als Sonderkontingent auf der Kölner Herbstmesse zur Verfügung stehen würden. Ein Vertreter der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen teilte ergänzend mit, daß an diese Summen ursprünglich wohl gedacht worden sei, tatsächlich sei bisher aber nur ein Sonderkontingent von 100 000 Dollar für Italien sichergestellt. Ueber Sonderkontingente für Holland und Belgien werde gegenwärtig noch verhandelt. Man hoffe jedoch, daß auch die Sonderkontingente für Belgien und Holland hoch genug seien und mit dem Umfang des Messegeschäfts wachsen würden. Pferdeauktion in Münster Trotz guten Besuchs fallende Preise Die Versteigerung verlief sehr flott. Die Preise zeigten, im ganzen gesehen, eine fallende Tendenz, Besonders gute Aufnahme fanden die Warmblutfohlen der Jahrgänge 1949 und 1948, die infolgedessen restlos ihre Besitzer wechselten. Im einzelnen ergab sich das folgende Preisbild: Kaltblut, Jahrgang 1949: Stutfohlen 300—500 DM, Hengstfohlen 320—400 DM; Jahrgang 1948: Stutfohlen 520—820 DM, Hengstfohlen 600—660 DM, Wallache 700—780 DM; Jahrgang 1947: Stuten 1050—1250 DM, Wallache 1050 DM; Jahrgang 1946 und ältere: Stuten 700 bis 1550 DM, Hengste 1400 DM, Wallache 1250. Warmblut. Jahrgang 1949: Stutfohlen 300 bis 500 DM, Hengstfohlen 180—300 DM: Jahrgang 1948: Stutfohlen 440 DM, Wallache 620 DM; Jahrgang 1947: Stuten 520—860 DM, Hengste 380 DM; Jahrgang 1946 und ältere: Stuten 580 bis 1250 DM, Wallache B40—1600 DM. Nächste Versteigerung 9. September, die dann folgende am 18. Oktober. Am 6. und 7. September beginnt in Washington eine englisch-amerikanisch-kanadische Finanzkonferenz die als Vorbereitung der Jahreskonferenz des Internationalen Währungsfonds anzusehen ist. Die Beschlüsse, die in Washington gefaßt werden, sind an sich für den Währungsfonds nicht verbindlich, aber man kann mit Sicherheit sagen, daß sie, von unwesentlichen Aenderuagen abgesehen, von der internationalen Konferenz ratifiziert werden. Frankreich, das an den Washingtoner Verhandlungen nicht teilnimmt, wird hinter der Kulisse anwesend sein und Wege finden, seinen Standpunkt geltend zu machen. Die bedeutendsten Vertreter der französischen Finanzund Außenpolitik werden in Washington zugegen sein. Der Gouverneur der Banque de France, Baumgärtner, ist bereits abgereist, und. Finanzminister Petsche und Außenminister Schuman werden ihm am 30. August folgen. Die wahre Währungsschlacht wird in Washington ausgefochten werden. Ueber die Vorschläge, die Sir Stafford Cripps mitbringt, ist offiziell nichts bekannt. Gerüchte behaupten, daß der britische Schatzkanzler im wesentlichen ein Vierpunkteprogramm unterbreiten will: Bedeutende Kapitalsinvestitionen aus der Dollarzone im britischen Commonwealth; Internationale Rohstoffabkommen, die den Produzenten der Sterlingzone langfristige Sicherheiten für den Absatz ihrer Produkte in Amerika zu festen Mindestpreisen gewähren; Aufhebung des Verbots, von den Devisen, auf die die Mitglieder des Internationalen Währungsfonds Anrecht haben, Abhebungen vorzunehmen. Von der Liberalisierung des innereuropäischen Handelsverkehrs ist in diesen Vorschlägen nicht die Rede. Entweder will Sir Stafford diese Frage offenlassen, da er sie als eine Angelegenheit der O. E. E. C. ansieht, oder erwartet er, daß die Vorschläge von anderer Seite eingebracht werden. Diese andere Seite wäre in erster Linie Frankreich. Die französische Regierung hat eben die Einfuhr großer Mengen von Nahrungsmitteln aus dem Auslande beschlossen. Es handelt sich um eine Maßnahme gegen die Folgen der Dürre und die DAG fordert Zwangsmitgliedschaft Am 12. Juli 1949 hat der Landtag NordrheinWestfalen das Gesetz über die Errichtung von Wirtschaftskammern im Lande Nordrhein-Westfalen beschlossen. Die Deutsche AngestelltenGewerkschaft, Landesverband Nordrhein-Westfalen, bezeichnet dieses Gesetz als einen ersten, wenn auch sehr schüchternen Schritt in Richtung auf die Verwirklichung der Wirtschaftsdemokratie, zu der sich alle am Wirtschaftsleben beteiligten Kreise bekannt haben. Auch auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Unternehmerverbände, die Ende Juli in Frankfurt a. M. stattfand, wurde ausdrücklich dem Willen der Unternehmerverbände entsprechend festgelegt, daß der Arbeitnehmerschaft die grundsätzliche Gleichberechtigung als Vertragspartner am Arbeitsvorgang zuerkannt werden soll. Wenn diese Bekenntnisse zur Wirtschaftsdemokratie sowohl von den Gewerkschaften als auch von den Arbeitgeberverbänden ehrlich gemeint sind, so wäre damit die günstigste Basis für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit in den Wirtschaftskammern gegeben, Um so mehr aber muß es nach Ansicht der DAG befremden, daß bereits in den ersten Kommentaren mehr ablehnende als zustimmende Argumente herauszulesen sind. In einer Stellungnahme zum Wirtschaftskammergesetz seitens der Deutschen Angestell ten-Gewerkschaft heißt es u. a.:„Mit der Frage der Zwangsmitgliedschaft steht und fällt das vorliegende Gesetz. Jeder Versuch, die Mitgliedschaft auf freiwilliger Basis aufzubauen. würde praktisch die Auswirkung zeigen, daß die Kammern zu Debattierzentren der unzufriedenen Arbeitnehmerschaft herabsinken. Die Kammer muß, wenn sie die ihr zugedachten Aufgaben erfüllen will, alle Betriebe und alle Kreise der Wirtschaft erfassen. Das ist jedoch nur über den Weg der Zwangsmitgliedschaft möglich.“ Metallpreise in New York 25 August: Aluminium loco 17,00, Antimon 38,50, Blei 10co 15,125, Kupfer loco Midwest 17,625, Kupfer electrolyt fas 17,625, Messing Barren 14—16½. Nickel 40.00. Platin rein raff. loco 69—72, Schrott schwer schmelzbar 23, Silber Barren 73. Zink prime Western 10, Zinn Straits loco 103 DM-Kurs leicht gefestigt Der Kurs für 100 DM stieg am Freitag in Zürich auf 66.50 bzw. 68.50 Schweizer Franken gegenüber 66.00 bzw. 68.00 SFr. am Vortage. Dagegen blieb die Notierung in Basel mit 66.00 bzw. 63.00 SFr. unverändert. In New York wurden 100 DM am Donnerstag mit 16.75 bzw. 17.00 Dollar gehandelt gegen 16,875 bzw. 17.125 Dollar am 24 August. Lebensmittelspekulation im Inneren, doch kann man sie bei einigem guten Willen als einen Schritt zur Ausweitung des Handels im europäischen und im Weltmaßstab betrachten. In Paris ist inzwischen die O. E. E. C. bemüht, die Verteilung der Marshallfonds durchzuführen, die Forderungen aller Teilnehmer auf ein bescheideneres Ausmaß zu reduzieren, ohne berechtigte Wünsche und nationale Empfindlichkeiten zu verletzen. Die Aufgabe ist hart. denn niemand weiß heute, welches die tatsächlichen Bedürfnisse der europäischen Länder und insbesondere des Sterlingblocks nach der Konferenz von Washington und der Jahreskonferenz des Internationalen Währungsfonds sein werden. Andererseits ist die verfügbare Summe vom Kongreß stark gekürzt worden. Statt der erwarteten 5 Milliarden Dollar, kommen 3.6 Milliarden zur Verteilung. Gleichzeitig wurde das mühselige Gleichgewicht unter den Marshall-Ländern durch die kürzlich von England erhobene Forderung auf eine zusätzliche Beteiligung von 600 Millionen Dollar gestört. Die Gegensätze zwischen den Interessenten sind so hart aufeinandergestoßen, daß zwei Schiedsrichter eingesetzt werden mußten, def Generalsekretär der O. E. E. C. Marjolin und der belgische Finanzexperte Sney, um endgültige Verteilung durchzuführen. Jedenfalls sind sich alle Finanz- und Wirtschaftsexperten darin einig. daß rein währungstechnische Maßnahmen, wie die Erhöhung des Goldpreises und die Abwertung der Sterlingwährung oder kurzfristige Maßnahmen, wie die Verteilung der Marshallfonds und die Freigabe von Abhebungen aus der Devisenreserve des Währungsfonds keine dauernden Wirkungen erhoffen lassen. Die wahre Lösung des wirtschaftlichen und finanziellen Weltproblems, dessen dramatischster, aber nicht einziger Ausdruck die Sterlingkrise ist, liegt in der Reorganisierung der Produktion und des Handels im Weltmaßstab. Daher sind von den Vorschlägen, die Sir Stafford Cripps der Washingtoner Konferenz vorlegen will, vor allem zwei von Bedeutung, die Investition großer amerikanischer Kapitalien in der Sterlingszone und der Abschluß von internationalen Rohstoffabkommen, die dem britischen Commonwealth eine dauernde Dollarquelle eröffnen. Währungsschlacht in Washington Auftakt zur internationalen Währungskonferenz der Jndustrie- Produktion 1948: Kanada U.S.A. Chile Polen 144....... Schweden 125....... Norwegen 114..Großbritannien 114........ Holland 103 Tschechoslovakei 101..... Frankreich 93........ Belgien 89........ Italien 60......... Bizone 28.......... Japan 1949: Kanada U.S.A. Polen.......... 161 Chile 174° 162* 159 Schweden....... 148, Norwegen......- alHolland....... Großbritannien Frankreich Tschechoslovakei ..... Belgien......... 99.s. Italien......... 94.. Bizone.......... 89 Japan 180 Bizone führend in der wirtschaftlichen Erholung Dieser auf UNO-Statistiken beruhende Index der Industrieproduktion zeigt augenfällige Fortschritte in der wirtschaftlichen Erholung für jene Länge,, bei denen die Hemmnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit besonders einschneidend waren: Bizone+29 Prozent, Frankreich+ 16 Prozent, Norwegen+ 16 Prozent.(Die für das Jahr 1949 gegebenen Zahlen wurden auf der Basis vorliegender Monats-Durchschnitte errechnet.) Getreideliefervertrag Der„Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband" hat Vorschläge ausgearbeitet, hach denen die bisherigen Getreideumlagen durch ein freiwilliges Vertragsverhältnis abgelöst werden sollen. Diese Vorschläge sind vom Ministerlum für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Grundlage für die Getreidebewirtschaftung des Wirtschaftsjahres 1949/50 im Lande Nordrhein-Westfalen gemacht worden. Weltmarktpreise Kaffee: Die Kaffeenotierungen sind unverändert fest. Santos„D“-Kontrakt, September-Lieferung, schloß am 18. August auf 25.22 ets je lb gegenüber 24.80 cts am 12. August. Die Aussichten, daß die Kaffeepreise zurückgehen könnten, werden von Tag zu Tag geringer. Kakao: Die Notierung für Bahid, loko, gab in New York auf 22 ets je lb am 16. Aug., nach 22.30 am 12. August, die für Accra. loko, auf 23.25 nach 23.75 cts leicht nach. Die Grundhaltung des Kokaomarktes ist fest. Tee: Die Notierungen für Tee entwickelten sich in der Berichtswoche uneinheitlich. Kalkutta meldet steigende Preise, zumal für gute und bessere Sorten. Zucker: Die Notierung für Kontrakt Nr. 4 (Weltkontrakt), September-Lieferung, erhöhte sich leicht auf 4.20 cts je lb am 18. August gegenüber 4,18 ets am 12. August. Der Zuckermarkt brachte in der Berichtswoche nichts Neues. Haute und Feile: An den nordamerikanischen Häutemärkten festigten sich die Preise weiter. Die Packereien verkaufen zum Teil bereits in Terminen zur Lieferung aus späteren Schlachtungen. Die Bestände der Gerbereien sind gering und werden fast ausschließlich aus dem inländischen Häuteanfall gespeist. Der amerikanische Häutemarkt ist eswegen zur Zeit sehr empfindiich. Die sudamerikanischen Häute notieren weit über den Preisideen der US-Gerbereien. Aus Argentinien wird in dieser Woche nichts Neues gemeldet. Kautschuk: Die Notierung für Nr. 1 RSS. loko. stellte sich in New York auf 16½ am 18. August gegenüber 16 9/16 am 12. August. Im allgemeinen war die Haltung an den internationalen Kautschukmärkten in der Berichtswoche nachgebend. Es ist nur natürlich, daß die Preisgestaltung für diesen Rohstoff ganz besonders empfindlich für Gerüchte über eine Pfund-Sterling-Abwertung ist. NE-Metalle: In New York kam es in der Berichtswoche nur zu einer leichten Veränderung des Bleipreises. Loko East St. Louis wurde nach bisher 14,80 bis 14.97½ auf 14.92½ bis 14,971 ets je lb erhöht. Die Entwicklung am nordamerikanischen NE-Metallmarkt während der Berichtswoche hat denjenigen Recht egeben, die auf eine Stabilisierung der Preise ingewirkt hatten, weil sie voraussahen, daß dies die weisere Politik war. Das deutsche Fleischerhandwerk führt seinen Verbandstag 1949 in Wuppertel in den Tagen vom 28. bis 30. August durch, auf dem der Präsident des Wirtschaftsrates, Dr. Erich Köhler, der Direktor der Verwaltung für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten, Dr. Schlange-Schöningen, und der Verbandsvorsitzende Fritz Mensing Referate halten werden. Notizen Die deutsche Automobilindustrie will im Jahre 1950 eine eigen» Automobilausstellung veranstalten und hat aus diesem Grunde die Beteiligung an der nächstjährigen deutschen Exoortmesse in Hannover abgesagt. Die Jahresdurchsatz-Kapazität der EurotankeMinerslölwerke in Ham. burz-Finkenwerder soll bis Mitte 1950 auf 600 000 f gesteigert werden. 2 Z. betiägt sie wieder 250 000 t. Die Werke wurden im Kriege stark beschädigt Das schwedische Außenhandelsministerium hat Einfuhrlizenzen für den Ankauf von PerlonStrümpfen aus der Sowjetzone im Wert von 600 000 SKr. freigegeben. Zu der am 25. August in Olympia erôffneten britischen Maschinenbau. und Schiffahrtsausstellun sind Einkäufer aus nahezu 30 Ländern, darunter auch aus Deutschland. erschienen. Der L andesverband der Wirtschaftsgeflügelzüchter von Westfalen und Lippe führt am 9. Sept. 1949, 9 Uhr, seine 3. Westfälische Geflügel-Börse, Hamm(Westf.), in den Viehversteigerungshallen durch, und zwar in Verbindung mit der Zuchtviehabsatzveranstaltung der Westfälischen Herdbuchsesellschaft. Der Heringsprels ist bei den Auktionen in allen Fischereihäfen seit dem 17. August gefallen. Nur besondere Partien konnten noch den Höchstpreis erreichen. Der Erlös sank von 18.5 Pfennig pro Pfund auf durchschnittlich 14 Pfennig. Westdeutschland hat In Argentinien in der laufenden Woche 23 000 t Gerste zu 23.00 Pesos je Doppelzentner und 10 000 t Hafer zu 16.75 Pesos je Doppelzentner gekauft, erfähr“ VWD aus Buenos Aires. Mit dem Schneidertag 1949, den die Arbeitsgemeinschaft des Bekleidungshandwerks in den westlichen Besatzungsgebieten vom 1. bis 4. September 1949 durchführt, wird eine Modelehrtagung des Herrenschneiderhandwerks der ämerikanischen, britischen und französischen Zone verbunden, die mithelfen wird, die Herrenmode entscheidend zu beeinflussen. Fachliteratur „Handbuch des gesamten Mietrechts und des Raumrechts.“ Herausgeber: Landgerichtsrat Dr. Fischer, Werner Verlag G.m.b.H., Düsseldorf-Lohausen, Am Vogelsang 12. Preis je Lieferung 2.— DM. Diese Leseblattsammlung, die bisher in 18 Lieferungen erschienen ist, soll das geltende Miete und Raumrecht einem möglichst großen Kreis zugänglich machen. Für alle das Mietund Baumrecht betreffenden Fragen ist das Handbuch nicht bloß jeder Behörde und jeder Firma. sondern auch jeder Einzelperson unentbehrlich zumal außer dem Gesetzestext und einer eingehenden Kommentierung die neuesten Entscheidungen der oberen Gerichte in der Rechtssprechungsbeilage mitgeliefert werden. PI. „Wir wollen deutsche Radfahrer sehen!" Impressionen und Gespräche bei den Radweltmeisterschaften 1949 Für den RN-Sport geschrieben von Ludwig Muibohm Kopenhagen, 25. August. Ein Däne ohne „Cykel", ohne Rad, ist einfach undenkbar. Diese Einstellung übertrug sich auch auf die diesjährigen Weltmeisterschaften, die zum ersten Male nach genau zwölf Jahren wieder auf der 8,8 Kilometer langen Rundstrecke bel Lyngby sowie auf der herrlich gelegenen(allerdings etwas zu kurzen und zu wenig kurvenüberhöhten) 370Meter-Bahn im Villenvorort Ordrup ausgetragen werden. Auch meldungsmäßig ist die Anteilnahme selten so stark gewesen. Die dänischen Ausrichter mußten, um eine sportlich einwandfreie Durchführung zu garantieren, sogar einen Teil der abgegebenen Startmeldungen„rationieren". Aber es blieben immer noch rund 400 Fahrer aus insgesamt 21 Nationen. Unter ihnen die Asse und gefeierten Triumphatoren von allen großen Radsportveranstaltungen der Welt. An der Spitze Italiens„Tour"-Sieger und Gewinner zahlreicher schweren Bahn- und Straßenrundstreckenrennen, Fausto Coppi. Sein großes Ziel, sich in Kopenhagen zweimal in die Liste der Radweltmeister neben seinen „Tour"-Siegen eintragen zu können, mißlang. Der 28jährige belgische Kaffeehausbesitzer Rik van Steenberghen machte bereits bei der StraBenentscheidung am Eröffnungssonntag einen erheblichen Strich durch die Rechnung des italienischen Campionissimo. Fausto fehlte auf den letzten Metern das, was van Steenberghen und der großartig fahrende Schweizer Ferdl Kübler in petto hatten: Spurtkraft! Und noch etwas kam hinzu, was Faustos Sturz von der Erfolgsleiter verständlicher macht: Auf den tischebenen Straßen Dänemarks mit einem Höhenunterschied von nur 24 Meter vermochte er seinen stärksten Trumph nicht auszuspielen: Er konnte nicht„klettern" und auf schweren Steigungen einen solchen Vorsprungherausholen, wie es ihm in Frankreich auf den Alpenetappen möglich war. Keiner hat das mehr bedauert als er selbst. Denn durch seine Niederlage gingen ihm nicht weniger als rund 260 000 Dänen-Kronen, die ihm sein Italienischer Bianchi-Stall garantierte, aus der Nase. Das sind nach deutscher Währung rund 130 000 Mk. Das ist eine Summe, auf die auch ein sonst wohlhabender und sorglos in die Zukunft blickender Rennfahrer wie er nicht gern verzichtet. Aus diesem Grunde versteifte sich Fausto auf den Gewinn der Verfolgungsmeisterschaft. Deutschland war bei diesem Welttreffen des Radsports(noch) nicht wieder vertreten. Die eindeutiger. Beschlüsse, die die UCI vor Monaten in Paris faßte, ließen das nicht zu. Dennoch wurden die Stimmen nach Wiederzulassung des gesamten deutschen Radsports im In-und Auslande laut. Anläßlich des die Weltmeisterschaftstage traditionsgemäß einleitenden Kongresses des Radsportweltverbandes(UCI) protestierten die belgischen, holländischen, französischen und Schweizer Veranstalter gegen den sprichwörtlichen Unsinn, daß es ihren ausländischen Fahrern gestattet sei, auf den deutschen Bahnen zu fahren, während umgekehrt die deutschen Fahrer, deren Leistungen und Können auch im Auslande genügend beachtet würden und von denen Lohmanns weltmeisterliche Dauerform ganz besonders hervorgehoben worden sei, keine Startmöglichkeit erhielten. Als UCI-Generalsekretär Rene Chesal seinen umfassenden Rechenschaftsbericht gab und lobend erwähnte, daß die dem deutschen BDEPräsidenten Hans Müller in Bayrisch-Zell nach den Pariser Kongreßtagen aufgegebene Marschroute korrekt und zur vollsten Zufriedenheit eingehalten worden sei, kam man überein, das „deutsche Problem“ bei der nächsten Zusammenkunft in Paris zu oehandeln und die noch bestehenden hemmenden Schranken endgültig zu beseitigen. Ueberhaupt wurde immer wieder bedauert, daß Deutschlands Fahrer, an der Spitze der 1937er Weltmeister Walter Lohmann. nicht dabei gewesen seien. Dafür gaben alle SteherAsse ihrer Freude darüber Ausdruck, daß sie in vollster Besetzung nach den Kopenhagener Weltmeistertagen zum Weltbesten-Treffen auf der Elberfelder Bahn kommen und dann Gelegenheit haben würden, mit den deutschen Könnern hinter den schweren Motoren fahren zu können. Das wurde in Kopenhagen offenbar: Bei den nächsten Weltmeisterschafts- Entscheidungen, die in zwölf Monaten in Brüssel ausgefahren werden, ist Deutschland wieder gleichberechtigt dabei. Das stempelt auch Kopenhagen für uns Deutsche zu einem Erfolg.. Hannes Schneider in Lebensgefahr Duisburg.(Eig. Ber.) Der bekannte Wasserballspieler Hannes Schneider(Duisburg 98), der viele Male die deutschen Farben vertrat und als Mittelstürmer auch auf den Olympischen Spielen 1936 gegen Ungarn die silberne Medaille und 1938 den Europa-Cup miterkämpfte mußte sich einer Blinddarmoperation unterziehen und liegt in bedenklichem Zustand im Kiankenhaus. Seine Vereinskameraden und mit ihnen der ganze deutsche Schwimmsport sind in großer Sorge, ganz abgesehen davon, daß Hannes Schneider seiner Mannschaft bei den deutschen Meisterschaften in München sehr fehlen wird. A. K. Sonntag wer gegen wen? Fußball-Gesellschaftsspiele: 1. FC Nürnberg — Borussia Dortmund, Tennis-Borussia Berlin — FC. Schalke 04, FV Hombruch 09— Bremerhaven 93, VfB Lünen Süd— Union Gelsenkirchen, BV Brambauer 13— VfL Witten. SSV Hagen— FK Pirmasens, TuS Milspe— Sportfreunde Gladbeck, TuRa Bergkamen— Sportfreunde Neheim, SpVg Langendreer— Sus Kaiserau, Sus Kaiserau— SpVg Werne, VIL. Bochum— 1. FC Köln, Rheydter SpV— STV Horst-Emscher, SC Hassel— STV Horst-Emscher, Fortuna Köln— SpVg Erkenschwick, Buer 07— SpVg Erkenschwick. VfL Osnabrück — Arminia Bielefeld, Arminia Hannover— Arminia Bielefeld, Stuttgarter Kickers— RW Oberhausen, Kray 04— SV Höntrop. SV Brackwede— SpVg Röhlinghausen, TuS Lübbecke— SpVg Röhlinghausen, Stadtelf Gladbeck— FC Schalke 04 Traditionsmannschaft) SG Rhede — FC Schalke 04(Trad.), TuS Milspe— Sportfreunde Gladbeck, SC Hassel— SpVg. Herten. Handball: Frauen-Pokal-Endspiel: Friesen 60 Haspe— SV 04 Düsseldorf.— Gesellsenaftsspiele: Sportfreunde Gevelsberg — TuS Lintfort. Westfalia 72 Hagen— TV Remscheid-Hasten, Blau-Weiß Oeynhausen, Eintracht Hagen, Eintr. Minden— TV HasseeWinterbek, Stöcken Dahlerbrück— Fichte Hagen, Stadtauswahl Ennepetal— EJ Gevelsberg, Meisterschaftsspiele der Gauklasse. Gruppe Industrie: VfL Brambauer— SV Ostwennemar, TV Recklinghausen Ost— OSV Hórde, Westfalla Herne— TuS Recklingheusen, Polize Recklinghausen— Borussia Dortmund, SpVS Hamm— Viktoria Westerholt. Wässerball: Deutsche Meisterschaften in München. Schwimmen: Deutsche Meeresmeisterschaften in Laboe; Klubkampf in Iserlohn mit Neptun Lüdenscheid, Westfalen Dortmund, Rote Erde Hamm, SV Iserl-Schleddenhof, VfL Witten 07; Wasserball: Rote Erde Hamm— Neptun Lüdenscheid; Klubkampf: SSF Bonn— SC Gelsenkirchen 04. Leichtathletik: Bahnwettkämpfe in Gladbeck mit Pesch. Kremer, Wilshaus, Jonath, Kreulich. Maus usw. Schwerathletik: Westdeutsche Ringermeisterschaften in Hörde. Turnen: Deutsche Turn- und Spielmeisterschaften in Köln. Tennis: Meden-Endspiel der Frauen zwischen RW Hagen— TC Rechen Bochum. Radsport: Deutsche Meisterschaft im EinerStreckenfahren über 215 km in Herpersdorf (Titelverteidiger Hasenforther). Motorsport: Karlsruher Dreieckrennen. Rudern: Regatta in Wiesbaden mit westdeutscher Beteiligung. Reitsport: Aachener Reit-, Fahr- und Springturnier. Auch 2. Division startbereit Die beiden Gruppen eingeteilt Oberhausen. Der Verbands-Fußball-Ausschuß des Westdeutschen Fußball-Verbandes hat in einer Sitzung am 25. August die zweite Division der westdeutschen Vertragsspieler-Vereine in zwei Gruppen wie folgt eingeteilt: Gruppe I: Fortuna Dusseldorf, TuRu Düssèldorf. Rheydter SpV, SSV Wuppertal, VIB Marathon Remscheid, Schwarz-Weiß Essen, Preußen Krefeld, VfL. Witten, Union Gelsenkirchen. Westfalla Herne Tbd. Eickel. SG Wattenscheid 09, Bayer Leverkusen, Rapid Köln, B.-Gladbach 09, Viktoria Alsdorf. Gruppe II: Sportfr. Katernberg, VfL Benrath, TuRa 86 Essen, Borussia M.-Gladbach, Union Ohligs, Meidericher SpV. VfB Bottrop. Alemannia Gelsenkirchen, VfL Bochum, SpVg Röhlinghausen, FV Hombruch 09, SC West Köln, Bonner FV. Troisdorf 05. Mit Recht fragen sich nicht nur die westfälischen Vereine, warum eigentlich nicht sämtliche elf teilnehmenden Mannschaften in einer Gruppe zusammengefaßt und die restlichen fünf Vereine aus dom angrenzenden Niederrheingebiet dazu genommen wurden. Es muß einen besonderen Grund haben. Es ist aber kaum anzunehmen, daß der verantwortliche Mann mit der Geographie auf dem Kriegsfuß steht. Oder sollen unsere Fußballer besonders gebilPreis von Krefeld mit Aubergine RN-Voraussagen: 5 Sieger, 3 Einlaufwetten Krefeld.(Eig. Ber.) Zwei Tage Galopprennen in Krefeld. Da wird es Samstag und Sonntag auf der Stadtwaldbahn hoch hergehen. Der über 1650 m führende Preis von Krefeld hat den Vorrang Voraussichtlich wird die Derbyzweite Aubergine starten, womit die Siegerin gegeben sein dürfte In ihrer Abwesenheit muß ihr Stallgefährte Astral gute Aussichten haben. Aus der starken Gegnerschaft seien besonders Finkenstein, Niederrhein und die Hannoveraner Feuereist II und Thassilo erwähnt An belen Tagen sind sämtliche Rennen gut besetzt. so daß dem Veranstalter ein voller Erfolg sicher sein dürfte. Unsere Voraussagen: Sämstag: 1. R.: Melusine— Fünfkirchen— Banane: 2. R.: Schrotschuß— Manteuffel— Maientraum; 3. R.: Liebesindex— Osterinsel— Antilope; 4. R.; Sunflower— Vogelschau— Engelbert; 5. R.: Gaukler— Fred— Meran; 6. R.: Horatius— Gallier— Marzipan; 7. R.: Alemanne— Kilian— Bambino Sonntag: 1 R: Sternklar— Liebeszauber— Stromzeit; 2. R.: Tugendsohn— Polarwelt— Roswitha; 3. R.: Donauwelle— Walzertakt— Lanthild: 4. R.: Aubergine— Astral— Niederrhein; 5. R. Pit— Philharmonie— Pharao: 6. R.: Hanko— Vergangenheit— Winzertag: 7. R.: Wilme— Maximilian— Bandit; 8. R.: Kilian— Alemanne— Lapis. Im Prèis von Gelsenkirchen, dem Hauptereignis der Kölner Mittwoch-Rennen, siegte det werden, denn Reisen soll es bekanntlich tun. Die Vereine SV Sodingen, Teutonia Riemke. Buer 07, Preußen Wanne, VfB Lünen 08. Brühl, Blau-Weiß Köln, Siexburg 04. Essen West 81, BV 04 Düsseldorf, VIB Speldorf hatten sich zum Vertrags-Fußball gemeldet, sind jedoch abgelehnt worden. Die Vertragsspieler dieser Vereine sind berechtigt, sich bis zum 15. September einem anderen Verein als Amateur- oder Vertragsspieler anzuschließen und sind für diesen Verein sofort spielberechtigt. Amateure, die sich von einem der obengenannten Vereine abgemeldet haben, konhen bis zum 15. September zurückkehren und sind sofort als Amateure für ihren alten Verein spielberechtigt. „Spinne“ bleibt Schwarz-Gelben treu Der BV Borussia Dortmund spielt am Samstag in Nürnberg(gegen den I. FC) erstmalig wieder mit dem seit längerer Zeit pausierenden Max Michallek, der sich neben Heini Ruhmhofer nun doch entschiossen hat, den SchwarzGelben die Treue zu halten. Alle Gerüchte, die wissen wollen, daß sich Michallek den Münchener Löwen(1860) angeschlossen haben soll, entbehren(nach einer Mitteilung des BV Borussia 99) jeder Grundlage. unser Erwählter Pi1z Stärt—Ziel. Der Hengst gewann sicher mit einer Länge gegen Angela Victoria, Alexey, Lockente und sieben weitère Gegner. Besenders erfreut dürften die Anhänder der RN-Voräussagen gewesen sein. Von den an erster Stelle genannten Pferden gewannen Berestna, Liebesorkan, Pilz. Lerchenfalke und Loreley. In richtiger Reihenfolge waren auch die Einlaufwetten Beresina— Filiberto(36:10), Pilz— Angela Victoria(434:10) und Loreley— Grietche(112:10) angegeben. Die Sieger: Patin (W. Held) 59, Beresina(A. Lommatzsch) 25, Liebesorkan(E. Böhlke) 16, Pilz(A. Deschner) 108. Lerchenfalke(H. Zehmisch) 17. Loreley(H. Bollow) 32, Goldamsel(J. v. d. Vlugt) 32. wibi. Alkemade-Rennen Gelsenkirchen.(Eig Ber) Ein trabersportliches Ereignis ist das B.-J-AlkemadeErinnerunss-Rennen in Gelsenkirchen. In dieser über 2400 m führenden Zuchtprüfung starten einige unserer besten Dreijährigen. Umrahmt wird die Glanznummer der Sonntagsveranstaltung von neun stark besetzten Konkurrenzen, die der Ueberraschung wieder Tür und Tor öffnen dürften. Unsere Voraussagen: 1. R.: Coer Dame— Clemento— Arabeske: 2. R.: Käthe Dohr— Carusus— Action: 3. R.: Minora— Ido— Sekretär: 4. R.: Ernesto— Kampico— Beresina; 5. R.: Kläre Lèe— Helene Guy— Budy: 6 R. Eldjehabet — Baugraf— Seneschall; 7. R.; Nachfolger— Jadena— Zieler: 8. B.: Harfenist— Pitt von Kittelbach— Else Williams; 9. R.: Hinz— Mark— Nirona; 10. R.: Honvéd— Donau— Dragee.wib. Nr. 77— 1. Jahrgang 27. August 1949 Von Alphons Nobel Christiane Vulpius Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan“— der letzte Vers des Faust steht als Schlußwort über Goethes liebereichstem Leben,— eine Huldigung ohnegleichen an alle Frauen, die dem Dichter in Liebe begegnet waren. Doch wieviel Frauenliebe Goethe auch zuteil wurde, eine Frau übertraf darin alle anderen: die Mutter. Der Mann sucht wohl immer in der geliebten Frau die eigene Mutter wieder, wie er in jeder Liebe sich als Kind wiederzufinden hofft, mütterlich verstanden und betreut, oder wie es Goethe von seiner größten Liebe sagte: sie — Charlotte von Stein— habe seine Mutter„geerbt". Unter den Dichtermüttern ist Goethes Mutter, die „Frau Rath“, die berühmteste geworden, was sie ihren herrlichen Briefen verdankt. Diese allein würden beweisen, daß sie die bedeutendste Frau überhaupt in des Dichters Leben gewesen ist. Sie stammte aus einer süddeutschen, erst 1700 in Frankfurt ansässigen Familie, zu deren Ähnen der Maler Lukas Cranach gehörte. Mit 17 Jahren heiratete sie den fast 40jährigen Gatten; mit 18 Jahren wurde sie Goethes Mutter. „Von meiner Mutter ist mir die Gabe angeerbt, alles, was die Einbildungskraft hervorbringen kann, heiter und kräftig darzustellen.“ Vor allem heiter, denn Frau Rath war eine unverbesserliche Frohnatur. Sie haßte alle Duckmäuser und meinte, sie trügen etwas von Kain in sich, zu dem Gott sagte: warum lässest du den Kopf hängen! Sie konnte sich rühmen:„ich habe die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist. Ich habe die Menschen sehr lieb, das fühlt alt und jung, ich bemoralisiere niemand, suche immer die gute Seite auszuspähen, überlasse die schlimme dem, der die Menschen schuf, und bei dieser Methode befinde ich mich glücklich und vergnügt." Gretchen Des Dichters erste Liebschaft war ein Frankfurter Mädchen, von der wir nur wissen, was Goethe in„Dichtung und Wahrheit“ mitzuteilen für gut fand. Er war damals erst 14 Jahre alt, und als die Sache aufkam, setzte man den zwar harmlosen, aber in dunkle Kreise führenden Beziehungen ein gewaltsames Ende. Goethe wurde aus Kummer krank; es war das erste, aber nicht das letzte Mal, daß ihm Liebesgram das Herz zu brechen drohte. Ihr Name steht im Faust,— so geisterte das Bild der Knabenliebe zu dem Frankfurter Gretchen durch Goethes Leben! Friederike Brion Aber das wirkliche Urbild Gretchens im Faust ist Friederike Brion die Pfarrerstochter in Sesenheim, die heiße, schuldvolle Liebe des Straßburger Studenten. Man lese in„Dichtung und Wahrheit" nach, wie Goethe noch als Sechzigjähriger von ihr spricht. An ihr ist seine große Lyrik aufgeblüht: Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne, Wie lacht die Flur! Oh Mädchen, Mädchen, Wie ligb ich dich! Wie bliakt dein Auge, Wie liebst du mich! Aber es kann kein Zweifel sein, Goethe hat selbst kaum einen Hehl daraus gemacht, er ist an ihr schuldig geworden und hat sie dann verlassen. Dieses Schuldbewußtsein begleitete ihn durchs Leben, und das Pathos der Gretchentragödie im Urfaust hat in Sesenheim seinen Ursprung. Friederike Brion blieb unvermählt; 1813 starb sie in Meisenheim bei Lahr in Baden. Dort auf dem Friedhof steht auf ihrem Denkmal der Vers: Viel später, mit 65 Jahren, begegnete der Dichter Marianne Willemer, wohl der anmutigsten Gestalt unter all den Frauen, die sein Leben durchziehen. Sie war 30 Jahre alt und verheiratet. Den dichterischen Niederschlag dieser Begegnung bilden die Gedichte des„Westöstlichen Divan“. Marianne beteiligte sich an der Dichtung, zu der sie manche Verse beitrug. Goethe widmete ihr sein großartigstes Bekenntnis, das Gedicht:„Ist es möglich, Stern der Sterne.“ Und das persönlichste seiner Liebeslieder mit dem Vers: Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Rast ein Aetna dir hervor. Aber Goethe bezwang auch diese Leidenschaft und vermied in der Folge jedes Wiedersehen. Charlotte Buff Goethes Mutter Entsagung und Leid bedeutete die letzte Liebe des greisen Dichters, deren Gegenstand Ulrike von Levetzow war. Goethe lernte sie in Karlsbad kennen und zur Ueberraschung aller beschloß der 74jährige Dichter, das 18jahrige Mädchen zu heiraten. Die Absicht scheiterte an dem Widerstand seines Sohnes und der Schwiegertochter. Niemand ahnte, was der greise und doch jugendlich verliebte Dichter litt, als er Abschied nahm, um Ulrike nicht wiederzusehen.„Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen?“ beginnt die Marienbader Elegie, und sie endet mit dem Schmerzensschrei: das Volk lang im tiefsten Grunde. Hol sie(die Familie) der Teufel. Das arme Geschöpfe bedaur ich, daß sie unter so einer Rasse geboren ist."— Das„arme Geschöpf" verlobte sich sogleich mit dem Baron von Türkheim, den sie auch heiratete. Nach vier Jahren besuchte Goethe das junge Paar, und nach einem Menschenalter schrieb er an sie: ..einige Zeilen von Ihrer lieben Hand, die ich küsse in Erinnerung jener Tage, die ich unter die glücklichsten meines Lebens zähle.“ Und der 82jährige noch gestand:„ich bin meinem eigentlichen Glücke nie so nahe gewesen, als in jener Liebe zu Lili." Frau von Stein Unmittelbar nach seiner Entlobung ging Goethe nach Weimar. Es sollte eigentlich nur ein Besuch sein. Er aber blieb Jahr auf Jahr in Weimar. Daran war vor allem Charlotte von Stein schuld. Sie ist die leidenschaftlichste Liebe in des Dichters Leben; viele Jahre fesselte sie ihn, noch dazu in einem offenbar platonischen Verhältnis. Wie sah diese merkwürdige Frau aus? Sie wird uns beschrieben: Fast schwarzhaarig, mit großen dunklen Augen, auffallend roten Wangen; mittelgroß mit einem schlanken, fast mageren Körper. Alle schildern sie als eine ausnehmend elegante Erscheinung, aber als kalt und stolz. Sie war sieben Jahre älter als ihr Verehrer Goethe und seit langem verheiratet mit einem Hofbeamten; sie hatte ihm sieben Kinder geboren, von denen aber alle außer zweien unmittelbar nach der Geburt starben. Jede Liebe ist ein Wunder, — aber Goethes große Liebe birgt so viel des Wunderbaren, Friederike Brion daß das Rätselraten bis heute nicht aufgehört hat. Welche Charme muß diese Frau gehabt haben, der es gelang, des Dichters ruheloses Herz ein Jahrzehnt lang zu verzaubern! Eigentlich spricht alles gegen sie: ihre Kälte und Härte, ihr Egoismus. Und dennoch in der anderen Schale liegt Goethes Liebe, und wie ein Götterbild steigt Lida zum Himmel empor. Goethe nannte sie Lida, in Versen und Briefen. Es sind an die 1500 solcher Briefe erhalten, sie stammen aus ihrem Besitz; sie hat wohl manche vernichtet, vor allem alle eigenen Briefe verbrannt, so daß uns das wichtigste Bindeglied zum Verständnis ihrer Liebe für immer fehlt. Aber in seinen Briefen sind alle Nuancen der Liebe enthalten: Eifersucht, Leid, Beseligung, Angst und— Ueberschätzung der Geliebten:„Wer Dich gefunden hat, weiß, warum er in der Welt ist.“ Und:„nein, meine Liebe ist keine Leidenschaft mehr, es ist eine Krankheit, eine Krankheit, die mir teurer ist als die Gesundheit, eine Krankheit, von der ich nicht genesen mag." Gleich im Anfang schrieb Goethe das große Gedicht: „Warum gabst du uns die tiefen Blicke" mit der transzendenten Klage: Sag, was will das Schicksal uns bereiten, Sag, wie band es uns so rein genau? Ach, du warst in abgelebten Zeiten Meine Schwester oder meine Frau! Unter ihrem Einfluß entstanden„Iphigenie und„Tasso". 1784 schrieb der Dichter an die geliebte Frau: Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne, So weit, die Welt nur offen liegt, gegangen, Bezwängen mich nicht übermächt’ge Sterne, Die mein Geschick an deines angehangen. Erst im Herbst 1786 war die Macht dieser Sterne gebrochen. Goethe reiste ohne Wissen Charlottens nach Italien; es war eine Flucht. Die Geliebte wurde vor eine vollendete Tatsache gestellt:„Du weißt nicht, welche Gewalt ich mir angetan habe, daß der Gedanke, Dich nicht zu besitzen, mich doch im Grunde aufreibt und aufzehrt." Frau von Stein hat Goethe diese Flucht nie mehr verziehen. Den Heimkehrenden nahm sie mehr als kühl auf; bald kam es zum offenen Bruch. Er wollte sie versöhnen, sie verlangte Unterwerfung; aber dazu war er nicht mehr willens. Der Zauber war verschwunden: Ja, ich liebte dich einst, wie ich keine noch liebte, Aber wir fanden uns nicht, finden uns ewig nicht mehr. Goethe war 39, Frau von Stein 46 Jahre, als der Bruch erfolgte. Frauen seien wie silberne Schalen, in die wir goldene Aepfel legen— lautet ein Goethe-Wort. Es zeugt von Resignation, vielleicht von Enttäuschung. Frau von Stein war nicht geringer, auch nicht besser als andere Damen an den kleinen deutschen Höfen des Rokoko, wenn auch seine Gedichte sie wie eine Madonna priesen. Und der Glanz ihrer Liebe blieb Goethe noch im hohen Alter so in der Erinnerung, daß er die Verse kurz vor seinem Tode niederschrieb: Lida, Glück der nächsten Nähe, William, Stern der schönsten Höhe, Euch verdank ich, was ich bin. Welche Frau kann sich rühmen, in einem Atem mit Shakespeare genannt zu sein! Die Lebensgefährtin Etwa vier Wochen nach seiner Rückkehr aus Italien ward Goethe im Weimarer Park von der 22jährigen Christiane Vulpius angesprochen. Sie gab dem Geheimrat ein Gesuch ihres Bruders. Goethe verliebte sich in das Mädchen, sah sie wieder und nahm sie in sein Haes. Sie schenkte ihm mehrere Kinder, wovon nur August am Leben blieb(August v. Goethe starb zwei Jahre vor seinem Vater; er liegt in Rom begraben). Es ist ein psychologisches Rätsel, daß Goethe seine junge Charlotte von Stein Geliebte nicht gleich heiratete; so war der Skandal ungeheuer. Goethe trotzte allem Gerede und Geklatsche und behielt Christiane bei sich. Erst 1806 ließ er sich mit ihr trauen. Christiane war 27 Jahre hindurch Goethes treue Lebensgefährtin. Als sie 1815 starb, rief er ihr die Verse nach: Du versuchst, o Sonne, vergebens Durch die düstern Wolken zu scheinen! Der ganze Gewinn meines Lebens Ist, ihren Verlust zu beweinen. Goethe hat freilich immer sein Verhältnis zu ihr als Ehe betrachtet:„Ich bin verheiratet, aber nicht mit Zeremonie!" sagte er schon 1796, also zehn Jahre bevor er die„Zeremonie" nachholte. Die Damen Weimars verfolgten die Lebensgefährtin Goethes mit Neid und Eifersucht, darunter Frau von Stein und Frau von Schiller; das Gerede ließ auch nicht nach, als aus ihr die kirchlich angetraute Gattin geworden war. Goethe aber hielt immer zu ihr, und seine Liebesbriefe sind die Jahrzehnte hindurch rührende Zeugnisse gegenseitigen Vertrauens:„Laß die Menschen reden, was sie wollen. Wir wollen in unserer Liebe verharren, ohne uns um andere zu kümmern!" Und sicherlich ist auch dieser Vers gleich im Anfang auf sie gedichtet: Öftmals hab ich geirrt und habe mich wieder gefunden, Aber glücklicher nie; nun ist dies Mädchen mein Glück! Ist auch dieses ein Irrtum, so schont mich, ihr klügeren Götter, Und benehmt mir ihn erst drüben am kalten Gestad. Aber Christiane hatte auch Freundinnen. Adele Schopenhauer, die Mutter des Philosophen, gehörte dazu, und vor allem und über allen Goethes Mutter. Entsagung Man kann nicht sagen, daß Goethe jeder Leidenschaft nachgab. Der Roman„Wahlverwandtschaften“ verdankt einer niedergekämpften Liebe seine Entstehung. Goethe war schon 58, als er die junge Minna Herzlieb in Jena traf, das Urbild der Ottilie der Wahlverwandtschaften; wir wissen das aus seinen Tagebüchern:„Niemand verkennt in diesem Roman eine leidenschaftliche Wunde, ein Herz, das zu genesen fürchtet.“ Die Frauen in Goethes Leben Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, So reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh. Werthers Lotte In Straßburg war Goethe 21 Jahre. Mit 23 Jahren erlebte er seinen nächsten Liebesroman, der als„Werthers Leiden“ in die Weltliteratur eingegangen ist.„Seitdem ich jenen Lebenskreis zu Sesenheim verlassen, war mir eine Leere im Busen geblieben. Ich befand mich in einer Lage, wo uns die Neigung unversehens überschleichen und alle guten Vorsätze vereiteln kann." Die neue Neigung betraf Charlotte Buff aus Wetzlar, die Braut seines Freundes Kestner, den sie auch heiratete. Goethe nahm sich darüber nicht das Leben wie sein Werther, sondern er schrieb sich den Kummer vom Herzen, und wurde durch dieses Buch mit einem Schlage der berühmteste Autor seiner Zeit. Die Braut Bald darauf schrieb Goethe den Urfaust, Clavigo, Stella und eine Reihe seiner schönsten Gedichte(„König in Thule" und„Ganymed"). Er verlobte sich im Jahre 1775, 26jährig, ganz bürgerlich mit der 16jährigen Lili Schönemann, einer Bankierstochter aus Öffenbach. Er hat die Braut sicherlich geliebt; noch sicherer aber ist, daß er ihr Milieu, den behäbigen und dünkelhaften Wohlstand der„guten Familie“, haßte. So kam es schon nach einigen Monaten im gegenseitigen Einverständnis zur Entlobung. Trotzdem wurde ihm der Abschied schwer. Er verließ Frankfurt, reiste in die Schweiz, um sie zu vergessen. Eine Tagebuchnotiz lautet:„Wie nehme ich Abschied von Dir?O lebe wohl. Bin ich denn nur in der Welt, mich in unschuldiger Schuld zu winden?" Bald nachher aber in einem Brief an eine Bekannte:„Von Lili nichts mehr, sie ist abgetan, ich hasse Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren, Der ich noch erst den Göttern Liebling war. Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren, So reich an Gütern, reicher an Gefahr, Sie drängten mich zum gabeseligen Munde, Sie trennen mich und richten mich zugrunde. Und wie damals, als man ihm sein erstes Lieb genommen, fiel er in schwere Krankheit, von der er nur langsam genas. Marianne und Ulrike überlebten Goethe. Marianne hat erst im hohen Alter das Geheimnis ihrer Liebe und ihrer Mitarbeit am Divan preisgegeben. Ulrike blieb unvermählt und wurde 90 Jahre alt. Frau von Stein starb 85jährig, fünf Jahre vor Goethe. „Sie wissen, wie symbolhaft mein Dasein ist", hatte einst Goethe an Charlotte von Stein geschrieben. Symbolhaft war auch immer seine Liebe. So ist es nur billig, daß alle liebenden und geliebten Frauen, die mit dem Dichter eine noch so kleine Wegstrecke seines Lebens wanderten, ihre Apotheose in seinem Werk fanden: Iphigenie, Ottilie, Mignon und Philine, Gretchen, Dorothea und Eleonore,— Goethe ist ihnen begegnet. Als Goethe ein Jahr vor seinem Tode seine Liebesbriefe versiegelte, schrieb er auf das Paket die Schlußverse: Vor die Augen meiner Lieben, Zu den Fingern, die’s geschrieben, Zu der Brust, der sie entquollen Diese Blätter wandern sollen; Immer liebevoll bereit, Zeugen allerschönster Zeit. — 1. Jahrgang 27. August 1949 „Stellen Sie nicht gleich ab!" Kleines Vorwort zu einer„Faust“-Sendung Heute abend um 19.30 Uhr übernehmen alle Sender der Westzonen mit Ausnahme Münchens eine Kölner Funkbearbeitung des zweiten Teiles von Goethes „Faust“. Die Hauptrollen sprechen Horst Caspar(Faust), Erich Ponto(Mepnistopheles) Maria Wimmer(Helena) und Antje Weißserber(Gretchen). Eine große Zahl ausgewählter Künstler des Westens wurde für die Funk-Aufführung des greßen Werkes, die eine meisterliche Leistung deutscher Sprachkunst darstellt, verpflichtet. Der schänste Gedanke des Goethejahres, die besten Künstler am Geburtstage des Dichters den„Faust“ sprechen zu lassen, wurde durch den Sender Köln in guter Weise erfüllt. Dr. Ludwig Berger, den der Kölner Sender für diese„Faust“-Bearbeitung gewann, erzählte uns, daß er noch die„lebendige Brücke“ zu Goethe habe. Im Hause seiner Mutter, einer Schülerin Clara Schumanns, verkehrte noch der Musiker Hans Joachim, und der hat noch vor Goethe gespielt. Dr. Berger hat Monate an dieser „Faust“-Sendung gearbeitet, er mußte den geistigen Koloß des zweiten Teils auf zwei kleine Sendestunden ausammendrängen(wie viel Zeit haben wir doch für ein Fußballspiel), er kam aus Paris und sogar aus Amerika, um Satz um Satz das Werk und diese Sendung auszufeilen. Als wir aber die Probesendung, die heute abend über den westdeutschen Rundfunk geht, gehört hatten, da sagte er etwas resigniert:„Nun, vielleicht schalten die meisten nach einer halben Stunde ab!“ Das ist die Frage, aber wir glauben nicht, daß die Antwort so ganz traurig ist. Für alle aber, die nach dem Abschaltknopf fassen, nur ein kurzes Wort. Als wir Deutsche ganz allein waren, als nur noch der Haß und die Feindschaft war, als alles nichts mehr galt, was wir an Gutem und Sehönen in unserer Geschichte haben, da hatten wir nur noch einen, der uns vor der ganzen Welt vertrat— das war dieser tote Mann— Goethe. Um ihn war immer jener schweigende Raum, der sich öffnet, wenn bei Beginn des„Faust“ der Erzengel spricht. Man wußte über alles deutsche etwas, aber vor ihm schwieg man, und er war für die guten Menschen in der Welt der andere, bessere Deutsche. Und wir dürfen bestimmt nicht lächeln darüber, daß nun die Amerikaner einen einsamen Berg den Mount Goethe nennen wollen, das ist sehr ehrlich gemeint und ein Beweis, daß die Macht des Geistigen größer ist als der Hader und Haß des Tages. Es ist also nur ein Handgriff, an dem wir heute abend den Mann, vor dessen Weisheit sich die Welt verneigt, stille machen können. Ihn anzuhören, ist— zugegeben— nicht ganz einfach. Aber man hat es uns allen so einfach gemacht, wie es nur geht. Mögen auch die gestrengen Goethe-Ferscher und Kenner nicht ganz einverstanden sein— wir glauben, daß es besser ist, daß man ihn hört, als daß er verstaubt Die Bearbeitung Dr. Bergers geht von der Sprache aus, er verwendet zur Verstärkung fast filmische Musikkulissen. Er hat versucht, die geistigen Bilder, an denen letztlich jeder Bühnenversuch der Darstellung des zweiten Teiles des„Faust“ scheitern muß, in hörbare Bilder umzusetzen, und es ist ihm an vielen Stellen in einem Maße gelungen, daß wir die vertrauten Worte in einer ganz neuen, verklärten Beleuchtung erfahren. Sa wird Homuneulus, der schillernde Zwitter, ganz bildhaft, wenn hier seine Stimme wie gläsern umhüllt erklingt, und die Doppeltöne der Verklärungsszene öffnen unendliche Räume. kö— Die alte, ewig neue Geschichte „Begegnung mit Werther“— ein Goethe-Film Vergessen wir nicht, daß Goethes Werther einer der größten Bucherfolge war. Das Geniale daran ist, daß ein ganz einfacher Vorgang, wie er immer wieder geschieht, eine zimlich simple Liebesgeschichte durch die Kunst des Dichterwortes zu einem großen Drama der Seele wurde. Und wenn wir mit diesem Erfolg die bestverkauften Bücher unseres Jahrhunderts vergleichen, müssen wir sugeben, daß die Menschen, die Goethe damals fand, sehr tüchtige und echte Leser waren, Für den Film kam es darauf an, diese innere, nur aus dem Geistigen und Sprachlichen kommende Spannung in einen schaubaren Vorgang umzusetzen, Karl Heinz Stroux, einer der besten deutschen Regisseure, hat die große Aufgabe übernommen und er hat sie, soweit man Werther überhaupt verfilmen kann, in einem sehr guten Sinne gelöst. Sicher das Schönste daran ist ein schwer beschreibbarer Eindruck, den wir die historische Stimmung nennen möchten. Sie entsteht aus photographischen Einstellungen, in denen beste Tradition deutscher Horst Caspar und Heidemarie Hatheyer Filmkunst wiederersteht. Das silbrige Licht, das über den Szenen lebt, versetzt uns ganz in die Stimmung des Wortes, manchmal schauen wir die Welt darin wirklich mit des jungen Goethe Augen, und schließlich ist diese Stimmung sa genau getroffen, daß man sich wundert, weshalb sich Werther am Ende totschießt— bekannterweise hat es Goethe selbst, der sich im„Werther“ seine Liebe zu Charlotte Buff vom Herzen schrieb, auch nicht getan. Horst Caspar, der den jungen Goethe-Werther spielt, bringt als stärkstes Mittel seine schöne Sprache und sein begeistertes Gesicht mit. Daß er an der Grenze zur Reife noch einmal seine große Rolle, den leidenschaftlichen Jüngling der deutschen Literatur spielen konnte, ist sehr erfreulich. Alles, was die Zuschauer an ihm liebten, hat er in diesen Werther gesteckt. Vollkommener erschien uns freilich die Lotte Heidemarie Hatheyers, das„schöne Frauenzimmer“, ihr ernsthaftes Gesicht spiegelt die dramatischen Wandlungen noch mehr von innen her, sie spielt Goethes Sprache, ohne viel zu sagen, und bei ihr ist die schreckliche Not, die Angst vor dem nahenden, traurigen Ende, ganz aus dem Natürlichen entwickelt. Der Rahmen des Werkes, Goethes Begegnung mit Napoleon, ist filmisch gut gemeint — er ist dadurch gefährdet, daß sich geistige Bilder— und wir haben eben von Goethe ein geistiges Porträt, schwer darstellen lassen. kö— Deutsche Akademie proklamiert Am 28. August wird in der Frankfurter Paulskirche die Akademie für deutsche Sprache proklamiert, eine Stiftung des deutschen Volkes. Die Akademie soll ein deutsches Gegenstück zur Académie française sein Ein Wahlausschuß wird die Mitglieder berufen führende deutsche Diehter und gelehrte Schriftsteller.(Später ist an eine Erweiterung auf den gesamtdeutschen Sprachraum gedacht, also vor allem an die Einbeziehung Oesterreichs und der Schweiz). Die Akademie soll verbindliche Empfehlungen zur Reinigung unserer Sprache ausarbeiten, die bestimmt sind, Schule und Oeffentlichkeit Richtlinien zu geben und u. a. auch eine Kultivierung der bürokratisierten Behördensprache herbeizuführen. Die Ruhr-Nachrichten“ berichteten in ihrer Nummer vom 4. 6. über die Widerstände, die dem Plan der Akademiegründung entgegenstanden. Wenn die feierliche Proklamatien nun doch wunschgemäß mit Goethes Geburtstag zusammenfällt, so ist das einem Unermüdlichen zu danken, der seit dem Frankfurter Schriftstellerkongreß 1948 dafür gekämpft hat: Dr. Öskar Jancke. Johann Wolfgang von Goethe. geboren am 28. August 1749 DER EINSAME GOETHE Von Dr. Josef Michels Es lassen sich Zitate und Briefstellen sammeln, in denen Goethe das positiv Christliche ablehnt, und man hat es reichlich genug getan, ohne dadurch widerlegen zu können, daß in ihm antik-christliches Erbe des abendländischen Geistes lebendig war. Sehr schön hat Albert Sehweitzer in seiner Gedenkrede zur Feier der 100. Wiederkehr von Goethes Todestag am 22. März 1932 dargetan, es stehe für Goethe fest, daß auf eine Weise, die wir uns nieht erklären können. der Urgrund der Welt zugleich Urgrund der Liehe ist, und dafl diese Liebe aus dem Unendlichen an uns teilaimmt und in uns zur Wirkung kommen will.„So weht die Luft der Liebe, wie sie aus der Religion der Propheten Israels und der Religion Jesu kommt, in dem Denken Goethes.“ Vor mehr als zwanzig Jahren hat der bekannte Literarhistoriker Oskar Walzel auf der Tagung der Görres-Gesellschaft zu Regensburg die Ansieht vorgetragen. Goethe stehe nicht nur mit dem Kathelizismus in naher Fühlung, sondern sei von mancher Seite mit dem Katholizismus verwandter als mit dem Luthertum. Er gestand später, daß er den Eindruck gehabt hätte, seine Zuhörer zu überraschen. Um sa stärker betente er. daß ein Buch über Goethe aus der Hand eines katholischen Geistlichen ganz mit seiJ. S. Badis Orgelmusik im Konzertsaal Prof. Walcha spielte die größte Orgel Deutschlands Mit ihren Heimstätten, den vor Jahrhunderten erbauten Kirchen, wurden viele alte Orgeln zerstört, deren vollbrausender Klang im Ohr unvergessen haftenblieb. Ein gleiches Schicksal traf die Instrumente schmiegsameren Klangvelumens, die in den letzten 150 Jahren etwa vornehmlich für die Konzertsäle der Städte gebaut worden waren. Selten konnte seit der großen Zerstörung irgendwo dieses Instrument gehört werden, das allein die vielfältigen Melodien der alten und einiger junger Meister zur Klangfülle gebären kann. Gelsenkirehen, die Stadt der Kohlen, Berghau- und Textilindustrie, hat seine große Orgel gerettet. Nach Jahren der Sicherstellung wurde sie im Hans-Sachs-Haus von der Erbauerfirma E. F. Walker Co. jetzt wiederaufgebaut und ist mit ihren 92 Reglstern und drei Manualen die gräßte und modernste Orgel in Deutschland. Zu ihrer Einweihung sandte die Landesregierung durch Ministerialdirekter Dr. Koch ihre herzlichsten Glückwünsche. Professor Walcha, Frankfurt(Main), spielte das Instrument mit einigen der festlichsten Werke J. S. Bachs am Dienstag zum erstenmal nach dem Krieg Es war, als hole er Musik aus allen Räumen der Welt. Die Gewalt des Präludiums Es-dur schien die kahlen Wände auseinanderzureißen, sie verwischte die Umrisse aller anderen Sinneswahrnehmungen. Dann aber schwiegen die lauten Register, und deutlich entflocht der Künstler die Themen des Werkes, um den Weg nachzuweisen, den die Melodien neben- und gegeneinander nehmen. Wie differenzierte er die Klangfarben der sich in der zum Präludium gehörenden Fuge echogleich verschlingenden Figuren! Eine im Tempa und in der architektonisch klar gliedernden Abgrenzung der Themen werkgetreue Wiedergabe zeichnete auch die Toccata, Adagio und Fuge C-dur, die Triosonate Nr. 1 Es-dur und Präludium und Fuge G-dur aus. Das musikalische Pathos ließ Walcha aufblühen durch virtuose Mischung der Register, Wie sehr die Orgel das eigentliche Instrument Bachs ist, dessen polyphonen Werken sie vor allem in leuchtende Klangfarben taucht, begriff jeder Hörer bei dret Choralvorspielen. Var dem dumpfbrausenden Hintergrund spielte es zart wie von Holzblâsern, durchwebt vom mystisch seligen Lied hoher Streicher. Beim dritten Choralvorspiel aber schwebte gelöst und heiter der Ton des Cembales üebr allen anderen. Dem Künstler, der dieses Wunderinstrument aus dem Gehör so überlegen gemeistert und die Musik Bachs allen Härern zugänglich gemacht hatte, ward so herzlicher Beifall gespendet, daß er sich noch zu einer Zugabe entsehloß. Mnen Absichten übereintreffe. Es handelt sich um das Goethe-Buch des Jesuiten Friedrich Muckermann, In Muckermanns Werk wird Goethes Leben und Dichtung als eine innere Auseinandersetzung mit dem Christentum gedeutet. Die größte Tragik in Goethes Leben war für Muckermann diese, daß er das wahre Christentum nie gekannt hat. Goethe wurde in eine vom Verstand zwar„aufgeklärte“, aber vom Gefühl um so mehr verwirrte Welt des Geistes hineingeboren. Aus den Glanzstellen seiner Schäpfungen, so urteilt Muckermann, kann man nicht entnehmen und beweisen, daß Goethe ein Pantheist oder Atheist war. Vielmehr sucht Muckermann darzutun, wie Goethes eigenste Auffassungen im Grunde Menschheitsgut sind und in anderer Weise bereits in der christlichen Philosophie gedacht und empfunden wurden, Er unterscheidet den Gestalter und„den andern Goethe“, der im Menschlichen versinkt. ohne die Grenzen klar zu ziehen— und überhaupt ziehen zu können. Wir erkennen gerne an, daß Muckermanns „Goethe“ die Beschäftigung mit der Frage, wie Goethe zum Christentum stand, intensiv angeregt hat und die Goethe-Forschung ihm wertvollle Hinweise verdankt, wenn wir auch nicht immer mit den Ergebnissen seiner Deutung übereinstimmen. Auch Oskar Walzel, der MuckermannsGoethe“ begrüßt, betent nachdrücklich, daß Goethe nicht schlechthin zum Katholiken umgestempelt werden kann und darf.„Aber seiner Vielseitigkeit kam es zu Hilfe, daß er, in protestantischer Welt geboren und lebend, ein Stück katholischer Ueberzeugung in sich trug. Das diente nicht zuletzt seinem größten Werk, dem„Faust“, Auch im„Faust“ schwingt sich ein mächtiger Bogen von dem einen Pel der Weltschau Geethes zum andern." Der aufklärerisehe Widerwille gegen die übernatürliche Wirklichkeit bleibt die verengende Grenze der Religiosität Goethes, sosehr sie das dürre Menschen- und Wirklichkeitsbild der frühen Aufklärung belebt und geweitet hat.“ Und ähnlich, aber noch entschiedener und für unser Gefühl am treffendsten urteilt Peter Wust in seinem grundsätzlighen Aufsatz„Goethe als Symbol des abendländischen Geistesschicksals“(der im Gedenkjahr 1932 in der„Kölnischen Volkszeitung“ erschien), daß Goethe nie ein Verhältnis gewann zu dem eigentlichen Geheimnis des Christentums, zu dem Geheimnis des Kreuzes auf Golgatha. Sein apollinischer Formkult ließ ihn zurückweichen vor jener Grenze des Menschlichen, die erst dem christlichen Auge sichtbar werden kann. „Der Apoll in ihm wehrt sich gegen das Golgathageheimnis inmitten der menschlichen Geschichte.“ Dieser geradezu fundamentale Satz leuchtet tief hinein in das Wesen der Goethesehen Existenz, die ihre Grenze darin findet, daß sie für alles im strengen Sinne Uebernatürliche kein Verständnis hat.„Geethe hat zwar die poetischen Werte in den Glaubensgeheimnissen mit feinstem Künstlerinstinkt gewittert Aber die Wahrheitdieser Glaubensgeheimnisse ist ihm niemals sa reeht zum Bewußtsein gekommen. Sein sonst so wunderbar auf alles Lichtvelle eingestellter Geist ist an dieser Grenze von Natur und Uebernatur wie geblendet: das„lumen naturale" reicht hier nicht aus, und der Leuchtkraft des „lumen supranaturale" verschließt er sein Auge.“ Noch weiter geht Peter Wust und vollzieht die Abgrenzung canz fein, ganz tief und unbestechlich, wenn er urteilt, daß dem glanzvollen Geiste Goethes eines fehlte: die Gabe des Gehets Vor allem überweltlich Großen wohnte Ehrfurcht und Pietät in seiner Seele; aber die unschuldsvolle, echt christliche Demut der Gehetshingabe fehlte ihm. Er, der selbst eine Quelle des Lichts war, hat sterbend ausgerufen: Mehr Licht!“ War nicht auch die Einsamkeit seines Lebens— und im Grunde is' Goethe einsam geblieben— ein Ruf nach dem Frieden der Gnade, auch wenn ihm diese Sehnsucht nicht einmal ganz hewußt geworden ist? In seinem Ruf nach dem„süßen Frieden“, der aus Schmerz und Lust erlöst und mit Erquickung füllt, zittert diese Sehnsucht dureh. „Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brustl" zögern, in seine eigene Brieftasche. Währenddessen besuchté Corinne die Mutter an ihrem Marktstand. Die Mutter hatte bisher angenommen, Corinne sei glücklich mit dem reichen Mann. Zu ihrem Entsetzen merkt sie, daß sie sich geirrt hat. Aber Corinne will nicht verraten, was ihr so groBen Kummer bereitet. Jelisaweta Bonawsky allerdings vermutet, daß es die Beziehungen zu ihrem Mann sind. Denn sie hat inzwischen erfahren, daß Corinne und Bonawsky im Café Napolitain verabredet sind. Kurz entschlossen greift sie zur Pistole und geht Corinne nach, nachdem diese sich von Bonawsky getrennt hat, Am nächsten Tag ist Corinne verschwunden und bleibt verschwunden. Zwei Tage lang versucht man, das der Polizei zu verschweigen. Doch dann glauben sowohl Corinnes Mann Valier und Rambuc, daß sie nicht mehr am Leben ist, und melden ihr Verschwinden der Polizei, Die Nachricht geht durch alle Zeitungen, Sie wird auch von der Schneiderin Lucienne, ihrer Gehilfin Margit und dem Neffen der Lucienne gelesen. Obwohl Lucienne davor warnt, zieht Margit, um mit dem jungen Mann auszugehen, ein Kleid Corinnes an, das noch bei Lucienne hängt. In einer Bar wird sie darin von Bonawsky und Jelisaweta erkannt. Die Zeitungsmeldungen über Corinnes Verschwinden sind bis nach Venedig gedrungen. Rambucs Freund Alais wittert eine journalistische Sensation und fährt nach Paris, um entweder Corinne oder ihren Mörder zu finden. Rambuc ist von seinem Auftauchen nicht sonderlich erfreut. Aber Alais ist unermüdlich. Er oesucht nicht nur Valier, sendern auch Corinnes Eltern in der Arheitervorstadt. Corinnes Vater erzählt kaum zu entwirrende und rätselhafte Dinge von Corinnes Mann Valier, die Valier als Erpresser kennzeichnen. Inzwischen ist die Polizei Jelisaweta Bonawsky auf den Spuren. Sie ist sehr nervös, beteuert aber eindringlich ihre Schuldlosigkeit. Die Glocken von Malta Ein kleines Mädchen machte Geschichte Der Roman der Ruhr-Nachrichten Von Charlotte Kaufmanns Roman„Nein, ich heirate Valier“ erschienen bisher in den „Ruhr-Nachrichten“ 17 Fortsetzungen. Ihr Inhalt ist kurz folgender: Vincent Rambuc kommt aus China im September in Venedig an und macht hier kurze Station, um seinen Freund, den Journalisten Alais, zu treffen. Sein eigentliches Ziel ist seine Heimatstadt Paris. Fünf Jahre lang war er nicht dort gewesen, hatte an nichts anderes gedacht als an seine Arbeit als Öffertingenieur eines französischen Importhauses. Und nun hatte er sechs Monate Europa-Urlaub. Zehn Jahre lang hatte er auch nicht mehr an das Mädchen Corinne gedacht. Ihretwegen hatte er damals Frankreich verlassen, ihretwegen, die ihm, nachdem er sie gefragt hatte, ob sie seine Frau werden wolle, nur mit rätselhaftem Lächeln geantwortet hatte:„Nein, ich heirate Valier." Und jetzt überkam ihn mitten auf dem Venediger Obstmarkt plötzlich die Erinnerung an Corinne, das Mädchen aus der armen Familie. Mutter Fouqué verkaufte Gemüse in den Hallen; was Corinnes Vater aber tat, war ihm unbekannt. * Paris! Kaum hat sich Rambuc in seinem Hotel, dem Grandhotel du Pavillon, etwas erfrischt, geht er durch die Straßen von Paris. Und plötzlich sieht er, wie knapp drei Meter vor ihm Corinne den Gehsteig überquert und in ein elegantes Auto steigt. Er selbst fragt einen Vorübergehenden, wem der auffallende Wagen gehöre. Und hört: Corinne Valier, der Filmschauspielerin, die heute abend Premiere in dem Film„La Duchesse“ hat. Valier nimmt sich vor, den Film unter allen Umständen zu besuchen. Das gleiche tut auch Jelisaweta Bonawsky, die zu diesem Zweck bei der Schneiderin Lucienne gerade ein neues Kleid probiert. Sie ist russische Emigrantin und seit kurzem mit dem ehrgeizigen Bonawsky, auf dessen kleine Seitensprünge sie sehr eifersüchtig ist, verheiratet. Rambuc aber ist in sein Hotel zurückgekehrt, um sich für die Filmpremiere umzuziehen. Da meldet man ihm, daß eine Dame ihn in der Halle erwartet. Zu seinem Erstaunen ist es Corinne. Woher sie weiß, daß er in Paris ist, bleibt ihm verborgen, denn die schöne junge Frau, von deren Reiz er sofort wieder gefangengenommen wird, tut sehr fremd. Um so mehr wundert sich Rambuc, als sie ihn plötzlich, ohne irgendeinen Grund anzugeben, um 10 000 Franken bittet. Sie verabschiedet sich dann sehr schnell, um zum Filmpalast zu eilen. Dort wird sie von ihrem Mann bereits mit großer Ungeduld erwartet. Die Anfangszeit des Films ist längst überschritten. Ebenfalls erwartet sie ein Manager, der sie für die Vereinigten Staaten engagieren möchte. Rambuc war von dem Film enttäuscht. Schön war Corinne gewiß, aber sie spielte nicht gut. Nur etwas fiel ihm auf: ab und zu geisterte durch ihr Gesicht das fragende Lächeln, das er aus früheren Tagen so gut kannte und das ihm heute recht unglücklich schien. Das bewog ihn, sich nach der Vorstellung nach Corinnes Adresse zu erkundigen und ihr einen Blumenkorb zu schicken, in dem er einen Umschlag mit 10 000 Franken verbarg. Als Jelisaweta mit ihrem Mann den Film verließ, machte sie ihm die bittersten Vorwürfe darüber, daß er anscheinend engere Beziehungen zu Corinne begonnen hatte. In Erinnerung an Corinnes unglückliches Lächeln beschloß Rambuc am nächsten Tag, Corinne und ihren Mann Valier zu besuchen. Corinne war nicht da, und Valier blieb sehr unverbindlich. Kaum war Rambuc gegangen, fand er in dem Blumenstrauß, den dieser gestern Corinne geschickt hatte, die 10 000 Franken und steckte sie, ohne zu Es war in der Nacht des 9. Juni 1798, da Napoleon Bonaparte, just 29 Jahre alt, auf dem Schlachtschiff„Orient“ stehend, vor Malta lag und die Worte sprach:„Mit Malta und Zypern sind wir die Herren des Mittelmeeres, Malta ist der Schlüssel für Aegypten!“ Zweieinhalb Jahrhunderte lang hatte die Insel unter dem Schutz der Johanniter in Frieden gelebt. Ferdinand von Hompesch, der erste Deutsche unter den Großmeistern des Ordens, sollte der letzte sein. Von den vierhundert Rittern, die ihm zum Schutze der Insel helfen sollten, hatten viele schon Sold von Frankreichs Gnaden angenommen. So vermochten am Morgen des 10. Juni 1798 die Franzosen zu landen und ohne Widerstand sich der Insel zu bemächtigen. „Die Armee war fünf bis sechs Tage in Malta. Nachdem der General die Administration der Stadt geregelt und der Republik unterworfen hatte, die Geschäfte und Speicher geleert, die Schätze gehoben und die Archive des Ordens mit sich genommen, ließ er eine Garnison von viertausend Mann unter General Vaubois in Malta und verließ am 18. Juni mit der Flotte die Gewässer in der Richtung Aegypten!“ So lautete der Bericht nach Paris, der samt der Beute von einem englischen Schiff gekapert wurde. Viel verlangten und erpreßten die Franzosen von der Bevölkerung, die zwar murrend, doch ohne Widerstand sich fügte. Doch als die Hände der Kommissare sich an dem Silber und Gold der Altäre vergreifen wollten, da rottete sich zur Abwehr das Volk zusammen. Es war àm 2 September 1798, als in der alten Hauptstadt Cittá Notabile der Regierungsbeamte verlangte:„Gebt die Teppiche her aus eurer Karmeliterkirche!“ Aus der Kirche? Was in der Kirehe ist, gehört Gett!“ Das Murren steigert sich zu Zornesausbrüchen. Die Worte werden scharf, und Fäuste ballen sich um verborgene Dolehgriffe. Ein kleines, dunkelgeloektes Malteserkind, erzogen in der Ehrfurcht vor den Dingen der Kirche, hört die Worte, die ein Mann seines Blutes dem Abgesandten der Franzasen ins Gesicht schleudert;„Ihr seid nicht Gottes— Ihr seid des Teufels Sendbote Da fragt es nicht, wendet sich stumm und eilt flinken Schrittes hin zur Kirche, ersteigt in Hast die Stiegen des Turmes, greift nach dem Glockenseil, hängt sein Gewicht daran, da die Kraft der Arme noch nicht ausreieht, beginnt zu schwinjen, immer mehr, immer mehr, bis die Klöppel anschlagen und es Sturm läutet über Cittá Notabile In dem weiten Rund der Insel fallen die Glocken der Dörfer und Städtehen ein. Es läutet Sturm über Malta. Als die Nacht des 2. September vorüber ist, lebt kein Soldat mehr in Cittá Notabile und niemand, der mit den Franzosen gehalten. In La Valette muß der Rest der Besatzung sich verschanzen. Die Aufrührer eilen auf den Schiffen hinüber nach Neapel. Hilfe zu holen, und kommen zurück mit vierzehn Schiffen, die Nelson, Englands Seeheld, der in Neapel sich feiern ließ für den Sieq bei Abukir, gesandt hatte Wenn sich auch Vaubois noch zwei Jahre in La Valette hielt und sich erst am 4. September 1800 dem englischen Kommandanten der Insel ergab— ein Kinderarm, der ein Glockenseil ergriffen, hatte die englische Herrschaft über Malta, dem Schlüssel für Aegypten, eingeläutet. C. M Krine 1 nsere mestfälische HeimaMünsters Dom ersteht in alter Form Vorratskammer des Münsterlandes Noch in diesem Jahres Gottesdienst/ Marienkapelle vor der Fertigstellung Der Schlachthof will seine Leistungsfähigkeit steigern/ Neue Kühlräume Mit tiefer Trauer sahen die Katholiken Münsters und die Kunstfreunde ganz Deutschlands während des Krieges die Münstersche Bischofskirche in Trümmer versinken. Die Wiederaufbauarbeiten des Domes gestalteten sich durch den Grad der ZerstöIn den letzten Wochen ist in der Auffassung der Wiederherstellung des Bauwerkes eine neue Version aufgetreten. Zunächst ist beabsichtigt, das Mittelschiff des Domes und das südliche Seitenschiff zu überdachen, so daß mit dem ebenfalls wiederhergestellRichtfest des großen Mittelschiffes begangen werden. Unabhängig davon werden die Steinmetzarbeiten vor sich gehen, so daß der Dom dann in den nächsten Jahrzehnten wieder in alter Form und Pracht sich dem Beschauer darbieten wird. Nach Fertigstellung des Hauptbaues erfolgt sofort die Wiederaufrichtung des Südturmes. Von der Domplatzseite aus gesehen, wird die Front der Kathedrale sich dann als ein geschlossenes Gesamtbild dem Beschauer darbieten. Während das Mittelschiff bis zum Christopheruspfeiler gemeinsam mit dem Chor und dem südlichen Seitenschiff nur bei gröBeren gottesdienstlichen Anlässen benutzt wird, soll in der in Kürze auch fertiggestellten Marienkapelle ein täglicher Gottesdienst stattfinden. Durch Einbeziehung des Kreuzganges wird es möglich sein, daß 300 Gläubige dem Gottesdienst beiwohnen können. Arbeitslosenversicherung für Landwirtschaft nicht erforderlich Der zerstörte Dom gehört bald der Vergangenheit an rung und der riesigen Trümmermassen äuBerst schwierig. Das fundamentale Bauwerk war bis auf die Grundfesten erschüttert worden. Es schien, als ob es Jahrzennte dauern würde, ehe der Dom wieder seinem Zweck als Gottesdienstraum zugeführt werden könnte. ten Chor ein Raum entsteht, der wahrscheinlich noch in diesem Jahre zu liturgischen Zwecken benutzt werden kann. Für diese schwierigen Arbeiten sind bekannte Firmen gewonnen worden. Dem Wunsch und der Leitung des Dombauvereins entsprechend dürfte bereits im Oktober dieses Jahres das Seit dem Jahre 1947 ist durch Verordnung der Kreis der von der Arbeitslosenversicherung befreiten, in der Landwirtschaft tätigen Personen erheblich eingeengt worden. Es sind nur solche landwirtschaftlichen Arbeitnehmer arbeitslosenversicherungsfrei, die entweder in die häusliche Gemeinschaft des land- oder forstwirtschaftlichen Unternehmers oder seines Stellvertreters aufgenommen sind— oder im land- oder forstwirtschaftlichen Betriebe wohnen und überwiegend mit Sachbezügen entlohnt werden oder selbst land- oder forstwirtschaftliche Grundstücke bewirtschaften, durch deren Ertrag der eigene Lebensunterhalt und der der Familie überwiegend gewährleistet ist. Nach diesen Bestimmungen sind die zur Gruppe des Gesindes zählenden Arbeitnehmer, die Wohnung und Verpflegung vom Arbeitgeber erhalten, arbeitslosenversicherungsfrei. Hausgehilfinnen sind versicherungspflichtig, Landwirtschaftsgehilfinnen dagegen frei. Wenn z. B. ein Knecht zwar volle Kost, jedoch keine Wohnung von dem ArDer Schlachthof in Münster plant viel Neues. Er will wieder das werden, was er einmal war: die Vorratskammer des Münsterlandes. Der Krieg ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Stallungen, Trichinenschauamt, Wiegemeisterhaus, Verwaltungsgebäude, Kühlhaus und einige Schlachthäuser wurden erheblich beschädigt. Die Leistungsfähigkeit der für die Versorgung der Bevölkerung so wichtigen Anstalt wurde bedeutend herabgesetzt. 1939 wurden 42 000 Tiere mit einem Schlachtgewicht von 4 800 000 kg Fleisch geschlachtet. Nach dem Kriege waren es nur noch rund 2000 Tiere. Sie mußten in der einzig verbliebenen Schlachthalle bei drohender Einsturzgefahr der Deckengewölbe geschlachtet werden. Allmählich wurde an den Wiederaufbau herangegangen. Der größte Erfolg liegt hier in der Wiederherstellung der Kühl- und Gefrierräume. Ein Schlachthof onne Kühl- und Gefrierräume kann heute nicht als leistungstähig anerkannt werden. Besonders trifft dies für den münsterischen Schlachthof zu, da er die Zentrale des Münsterlandes für die Belieferung mit in- und ausländischem Gefrierfleisch ist. Für den Betrieb einer solchen Großanlage wird eine besondere Baukonstruktion benötigt, die eine Erwärmung der Räume verhindert, Kühlmaschinen pumpen die Kühlflüssigkeit durch ein weitverzweigtes Rohrsystem hindurch. Mit einer komplizierten Luftkanalanlage wird die kalte Luft so in den Räumen verteilt, daß kein Teil unbetroffen bleibt. Dampfkessel, Dampfmaschinen, Ammoniak-Kompressoren, elektrische Stromumformer und Motore verschiedenster Art, Pumpen und Berieselungseinrichtungen müssen zusammen mit den Gebäudeteilen ein organisches Ganzes bilden. Heute ist es gelungen, in vorbildlicher Art diesen Organismus zu schaffen und das einwandfreie, hygienische Arbeiten zum Wohle der Bevölkerung zu gewährleisten. Während sich die Anlieferung des Schlachtviehes von 1945 bis 1947 so weit erholt hatte, daß ein Gesamtschlachtgewicht von 850 000 kg Fleisch erzielt werden konnte, ging 1948 durch die Währungsreform und die damit verbundenen Schwarzschlachtungen die Anlieferung bedeutend zurück. Vier Fünftel aller Tiere wurden schwarzgeschlachtet. Aber schon 1949 gingen die Schwarzschlachtungen erheblich zurück. Aufgetretene Trichinosen und Seuchenkrankheiten ließen von selbst den Wunsch nach einer einwandfreien Fleischuntersuchung aufkommen. Bis zum Monat Juli 1949 wurden schon wieder Tiere im Gesamtgewicht von 460 000 kg geschlachtet. Der Schlacht- und Viehhof in Münster ist nunmehr mit rund 1100 qm Kühlfläche bereit, zur Erhaltung der lebenswichtigen Fleisch- und Lebensmittelvorräte den Kampf mit der warmen Witterung aufzunehmen. Die Neugestaltung nach modernsten hygienischen Gesichtspunkten wird der gesamten Bevölkerung des Münsterlandes zugute kommen. Wertvolle Funde in Stadtlohn Die Töpferei arbeitet nach altüberlieferten Methoden Provinzialhauptstadt und Münsterland melden Ernennungen an der Universität Münster, 26. Aug. Dr. Erich FischerBrügge. der seit 1932 wissenschaftlicher Assistent an der chirurgischen Klinik in Münster ist, wurde mit Wirkung vom 29. 7. 1949 zum außerordentlichen Professor der westfälischen Landesuniversität ernannt. Mit Wirkung vom gleichen Tage wurden Landgerichtsrat Dr. Neumann-Duesberg sowie der Oberarzt der Lupusheilstätte Hornheide, Dr. Kalkoff, zu außerplanmäßigen Professoren ernannt. Holländischer Bauernbesuch. Eine Gruppe der niederländischen Landvolkgemeinschaft wird in Kürze Burgsteinfurt einen Besuch abstatten. Auf einer Besichtigungsfahrt durch das Münsterland werden sie landwirtschaftliche Betriebe, genossenschaftliche Einrichtungen und sozialpädagogische Institute besichtigen. Tausend tanzen im Zoo Verdienter Heimatschriftsteller. Der bekannte Heimatschriftsteller und Kunstschmiedemeister Alex Weischer starb im Alter von 84 Jahren. Der Verstorbene hat sich große Verdienste um die heimischen Kulturbelange erworben. Münster, 26. August. Die Abendgesellschaft des Zoologischen Gartens veranstaltet am 31. August einen großen Tanzabend, dessen Reinerlös dem weiteren Aufbau der Anlage zugute kommt. Neben den Mitgliedern der Abendgesellschaft gestalten namhafte Solisten wie Helga Wessel-Terhorn, Kurt Thelen und Fritz HübZollsekretär bestraft. Zu einem Jahr Gefängnis verurteilte die Strafkammer in Münster einen Zollsekretär wegen Unterschlagung. Der Angeklagte hatte den vereinnahmten Zollbetrag für vier Kaffeesendungen in Höhe von 1500 DM veruntreut. beitgeber erhält, ist er arbeitslosenversicherungspflichtig. Damit wird in keiner Weise der Tatsache Rechnung getragen, daß die landwirtschaftlichen Betriebe infolge der Praxis der Wohnungsbehörden heute schon nicht mehr in der Lage sind, auch den ledigen Arbeitskräften die sonst üblicherweise gestellte Wohnung zu geben. Besonders unverständlich ist, die Einbeziehung einer Reihe von Heuerlingsverhältnissen in die Versicherungspflicht. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband hat verschiedentlich Abänderungsvorschläge zu der Verordnung gemacht und eine einfache und verständliche Fassung des Begriffs des versicherungsfreien Personenkreises gefordert. Der Landwirtschaftsverband weist daraufhin, daß eine echte Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft erfahrungsgemäß nie bestanden hat und auch in Zukunft nicht zu erwarten ist. Die durch die Einbeziehung der Landarbeiter in die Arbeitslosenversicherungspflicht sich ergebende finanzielle Mehrbelastung sei sowohl für die landwirtschaftlichen Betriebe als auch für die Landarbeiter untragbar. Bei der Anlage einer Baugrube auf dem Grundstück der Metzgerei Lücke in der Dufkampstraße zu Stadtlohn wurden einige Tongefäße und Scherben gefunden, welche zwar nicht prähistorisch sind, aber einen Einblick in die alte Geschichte dieser münsterländischen Stadt, insbesondere aber der Töpferei geben. Es handelt sich um einen 20 cm hohen Krug in der Form eines„Bullenkopp“ und einen kleinen Zierkrug mit der Jahreszahl 1829. germeister und Rentmeister kurz nach 1600 den Namen„Janns van Frechen, genannt Krukenbäcker“, auf. Dieser Name deutet Beruf und Herkunft an. Bemerkenswert ist hierbei, daß die Oberflächenverzierung in der gleichen Ritztechnik ausgeführt ist, wie sie heute noch angewandt wird. Das Einritzen mit einem Holzspan und die farbige Ausfüllung sind in der Bauerntöpferei einmalig und nur noch in der rheinischen Töpferei zu finden. Bekanntlich wies das Verzeichnis der Stadtlohner BürEs ist mit Sicherheit anzunehmen, daß durch ihn oder seine Vorfahren die Töpferei von Frechen im Landkreis Köln nach Stadtlohn gebracht oder aber von ihm beeinflußt wurde. Im Jahre 1934 wurden bei der Erneuerung der Freitreppe des Lammersmannschen Hauses am Markt zahlreiche Scherben gefunden, die in Form und Ausführung mit den Bartmannskrügen der Frechener Töpfereien aus der gleichen Zeit übereinstimmten. Der Name Frechen als Familienname ist heute noch in Stadtlohn vertreten. Der älteste Stadtlohner Steinzeugkrug, der sich in Privatbesitz befindet, trägt die Jahresschen den Abend. Die im weiten Münsterland bekannte Kapelle Kurt Busco bittet zum Tanz. Meisterschule Münster. Der bekannte Bildhauer Kurt Schwippert, Träger des Karl-Ernst-Osthaus-Preises der Stadt Hagen, wurde vom Rat der Stadt Münster mit der Leitung der Bildhauerklasse der Meisterschule in Münster beauftragt. Der Künstler, der 1903 in Solingen geboren wurde und heute in Kolberg(Eifel) lebt, hat den Auftrag angenommen. Der Goethe-Film„Begegnung mit Werther“ wird demnächst in allen höheren Schulen, Berufsschulen und Fachschulen des Regierungsbezirks Münster gezeigt werden. „Land der Wasserburgen.“ Die KanisFilmgesellschaft Heidelberg dreht zur Zeit in Münster einige einleitende Filmstreifen für den bekannten münsterländischen Werbefilm„Münsterland das Land der Wasserburgen“. Aufgenommen wurde insbesondere der Prinzipalmarkt, die„gute Stube Münsters“, in seiner heutigen Gestaltung und Bauformung. Postsparer nehmen zu. Im Bezirk der Oberpostdirektion Münster stieg die Zahl der Postsparer im Monat Juli um 1150. Der monatliche Zugang hat damit erstmalig seit Jahren die Tausendgrenze überschritten. Verbinden Sie mich bitte mit New York" Gespräch nach Korea 50 DM/ Auslandsgespräche in beschränktem Umfange . Mit allen Mitteln versucht Deutschland heute wieder, den wirtschaftlichen Anschluß an Europa und die Ueberseeländer zu gewinnen. Die Schnelligkeit ist dabei oftmals von entscheidender Bedeutung. Zeit ist der Faktor, um den sich alles dreht. Was noch vor Jahren über den zeitraubenden Schriftverkehr gehen mußte, wird heute schon wieder auf dem schnellen Wege der Strippe vermittelt. Für uns besteht heute die Möglichkeit, mit allen europäischen Ländern, außer Bulgarien, Griechenland, Oesterreich, Polen, Rumänien, Spanien, Türkei und Ungarn per Draht in Verbindung zu treten. Das gleiche gilt für Nord-, Mittel- und Südamerika. Daneben besteht sogar wieder die Verbindung mit Schiffen auf See. Diese Verbindung wird nach den europäischen Ländern durch Draht und Kabel, nach den Ueberseeländern durch Funkverbindung hergestellt. Deutsche dürfen vorläufig im Auslandsdienst nur gewöhnliche Gespräche, Gespräche von Person zu Person sowie Gespräche von begrenzter Dauer und Auskünfte anmelden. Zur Führung von Auslandsgesprächen ist eine besondere Zulassung erforderlich, die vom Außenhandelskontor des Landwirtschaftsministeriums erteilt wird. Trotz dieser Beschränkungen wurden in den vergangenen zwei Monaten von Münster aus rund 200 Auslandsgespräche geführt. Gespräche, die zum großen Teil von Geschäftsleuten und Banken geführt wurden. Die Gebühren für ein Dreiminutengespräch von Münster nach den europäischen Ländern liegen zwischen 2,50 und 10,- DM, während das gleiche Gespräch nach Nordamerika 40 DM kostet. Wer allerdings einen zahlungskräftigen Teilnehmer am anderen Ende hat, der die Kosten des Gespräches bezahlt, kann die Verbindung als R-Gespräch anmelden. Der erste Schritt zur Wiedereinschaltung in die internationalen Verbindungen ist damit getan. Hoffen wir, daß in fortschreitender Entwicklung sich bald die Möglichkeit für uns ergibt, dem Fräulein vom Amt zu sagen:„Verbinden Sie mich bitte mit New York!“ Es würde sich auch drüben mancher freuen. Hcute, wie vor Jahrhunderten, die gleichen bewährten Methoden bei der Stadtlohner Bauerntöpferei, die sich weit über unsere westfälische Heimat hinaus einen guten Ruf geschaffen hat. Silberne und goldene Mützen Textil-Institut wieder in Münster Hübsche Moden aus Urgroßmutters Zeiten „Vör düssen, dor drögen de Löde noch Müssen“, sagt ein altes Gronauer Sprichwort, woraus ersichtlich, daß das Tragen von Mützen an Stelle von Hüten bei den Frauen schon lange nicht mehr Brauch ist. Das Münsterland ist arm an Trachten geworden und heute findet sich die haubenartige Mütze mit den langen Bändern nur noch bei alten Bauersfrauen als Festtagstracht. hen ließen. Im ganzen war die Tracht also sehr kostbar und unsere Frauen halten sich heute wohl besser an den New Look, denn sie müßten sich von mancher D-Mark trennen, wollten sie so deftig und zeitlos schön gekleidet gehen wie ihre Urgroßmütter an Sonn- und Feiertagen. Nur hin und wieder sieht man auch in der Stadt noch eine Frau vom Lande mit einer ganz besonderen Kopfbedeckung, der „Knippmüsse“. Unter einer weißen Spitzenhaube schimmert am Hinterkopf eine blitzblanke goldene oder silberne Platte aus Metall. Es sind meist Frauen, die der gute Ruf der Gronauer Aerzte und Homöopathen aus der Niedergrafschaft Bentheim oder aus der Twente und Drenthe nach hier geführt hat. Von diesen Mützen, die etwa bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts hier überall üblich waren, soll einiges erzählt werden. An den ersten hohen Feiertagen trug man die silberne Mütze mit weißem„Strich“ aus Tüll, am zweiten Feiertag die goldene Mütze auf rotem Grunde. An gewöhnlichen Sonntagen trug man die Silbermütze mit schwarzem Tüll in kleinerem Format. Bei schlechtem Wetter wurde über der kostbaren Mütze, die nur von Spezialisten angefertigt werden konnte, eine schwarze„Kappe“ getragen, die bei Beerdigungen noch durch eine Art Gesichtsschleier ergänzt wurde. Alle diese Kopfbedeckungen waren ausschließlich den verheirateten Frauen vorbehalten, während die„Wichter“ die„Krülle“ trugen, eine kleinere Haube aus weißem Tüll mit buntem Band. Münster plant mehr Gastspiele Trotz der schwierigen finanziellen Lage kann das Stadttheater Münster auf eine Spielzeit zurückblicken, deren Bilanz im Vergleich zu anderen westdeutschen Bühnen recht beachtlich ist. So wurden in der vergangenen Spielzeit insgesamt 489 Veranstaltungen durchgeführt. Davon fanden 277 Vorstellungen in der Stadthalle, 143 im Neuen Theater und 38 auf der Freilichtbühne im Schloßgarten statt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die oftmals sehr ungünstige Wetterlage nur eine beschränkte Anzahl von Aufführungen im Schloßgarten zuließ. Durch Gastspielreisen wurde auch in der vergangenen Saison die Bevölkerung des Münsterlandes erfaßt. Insgesamt 32 auswärtige Gastspiele wurden in Dortmund, Hamm, Recklinghausen, Emsdetten, Rheine, Gronau, Burgsteinfurt, Lengerich, Soest und Warendorf durchgeführt. Der Erfolg dieser Gastspiele bestätigt das künstlerische Können der städtischen Bühnen und hat ihnen auch für die kommende Spielzeit die Möglichkeit gegeben, durch weitere Gastspiele das breite Münsterland für sich zu gewinnen. Die Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft, ein Institut der volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität Münster, wird in diesen Tagen an die alte Stätte ihres Wirkens zurückkehren. Die durch die Zerstörung ihrer Räume in Münster bedingte Platzbeschränkung machte es erforderlich, daß sie im Jahre 1943 von dort verlegt werden mußte. So fand sie im Sommer des Jahres 1943 ihre behelfsmäßige Unterbringung im Herz-Jesu-Kloster bei Vreden. Nachdem sie nun nahezu sechs Jahre der Gastfreundschaft des Klosters anvertraut war, sind ihr jetzt im Rosenhof in Münster, nahe der Ueberwasserkirche, neue Räume, die im Rahmen des Universitätsaufbauprogramms hergerichtet wurden, zur Verfügung gestellt worden. Das unter der Leitung von Prof. Dr. Müller-Armack stehende Institut ist das einzige seiner Art in Deutschland. Neben seiner wissenschaftlich-beratenden Tätigkeit für die Textilindustrie, die in den vergangenen Jahren oft unter größten Schwierigkeiten geleistet werden mußte, widmet sich das Institut der Erforschung und Beobachtung der allgemeinen Marktzusammenhänge.. Im Verfolg dieser Arbeit hat die Forschungsstelle entscheidenden Anteil an der Abkehr von der Zwangsbewirtschaftung. A. E. Seebad Haltern hat Halbzeit Die Heide blüht/ Jetzt kommen die Wanderer/ Bisher 500 000 Besucher Um die schnellste Frisur Die übrige Tracht bestand aus schwarzem, bei festlichen Anlässen auch farbigem Umschlagtuch aus Seide, einem schwarzen Seidenkleid und niedrigen Schuhen oder Holzschuhen, die die oft farbigen Strümpfe seVon sämtlichen Veranstaltungen entfielen auf das Schauspiel 262 Vorstellungen, es folgen die Operette mit 109 Aufführungen und die Oper mit 94. Daneben fanden fünf bunte Abende und vier Tanzabende statt. Die niederdeutsche Bühne gab insgesamt 13 Vorstellungen. Auswärtige Künstler waren zweimal mit eigenen Veranstaltungen bei den städtischen Bühnen zu Gast. Die Frauen zu Münster und Umgebung werden sich den 11. und 12. September freihalten müssen, denn an diesen beiden Tagen soll der Landesmeister der Friseure von Nordrhein-Westfalen-Lippe in einem Schaufrisieren in der Halle Münsterland ermittelt werden. Daß dabei geschickte Hände einfallsreiche Ideen Wirklichkeit werden lassen und unseren Frauen manche Anregungen vermittelt werden, versteht sich am Rande. Geschicklichkeit, Geschmack und Können werden Trumpf sein. Drei Prüfungen sind zu bestehen: eine Ondulation in 50 Minuten, eine Phantasiefrisur in 45 Minuten und eine Frisur modernster Linie in 35 Minuten. Daß daneben auf einer Fläche von 350 gm eine Ausstellung„Frisur— Kosmetik— Mode“, gezeigt wird, kann jeden Besucher erfreuen. „Die Lunge des Ruhrgebietes“, die Halterner Heide und der Stausee, atmet gut und tief. Das dürfte die erfreuliche Diagnose sein, die der erholungsuchende und wassersportfreudige Mensch des Kohlenpottes in diesen Wochen festgestellt hat. Die erste friedensmäßige Saison hat die Heide- und Seewirtschaft jetzt erst hinter sich und bereitet sich auf die zweite vor, die, wenn des Himmels Schleusen nicht oft überlaufen, bis Ende Oktober reicht. Mehr als eine halbe Million Bewohner des Ruhrgebiets wurden in diesem Sommer verkehrsamtlich geschätzt. die das Wochenende oder wenigstens den Sonntag in der Heide oder am See von der Zeit des ersten Birkengrüns über den gelben Ginster bis zum erikafarbenen Heidekraut verbrachten. Das„Seebad des kleinen Mannes“ hatte am zweiten Augustsonntag mit 40 000 Besuchern den diesjährigen Rekordbesuchstag. Vierzig Zeltlager aller Jugendorganisationen sind schon seit Wochen eine Dauererscheinung. Der zunehmende Paddlersport brachte eine Vermehrung der Bootshäuser, die baulich eine sich dem Landschaftsbild anpassende Note tragen und geschickt im Gelände versteckt liegen. Halterns Gewerbetreibende, die in ihrem Voranschlag eine gute Badesaison einkalkuliert haben, zeigen bisher ein freundliches Gesicht. Daß sie jetzt erst wieder, geschäftlich gesehen, normal atmen können, führen sie auf die D-Mark und die schon gelockerte Bewirtschaftung zurück. Sie würden mehr Schokolade, Süßigkeiten, Butter und Wurst verkaufen, wennn alles„ohne“ wäre. Die ankommenden Besucher können schnell dem Trümmerbahnhof entfliehen, dafür sorgt die Halterner Verkehrsgesellschaft mit ihren Autobussen. Im Wiederaufbau der münsterländischen Kleinstadt ist ein Fortschritt festzustellen. Halterns Kleinod, das alte Rathaus mit Bogengang und gotischer Giebelzier, dürfte bald wieder die Beschaulichkeit bieten, die den blühenden Städten des Mittelalters zu eigen war. Wenn bisher die wassersportfreudige Jugend dominierte, so ist jetzt für den wanderlustigen Naturfreund des Reviers die Zeit gekommen. Die Westruper Heide blüht üppig. Um den See haben Heimingshof, Overrather Hof, Seehof und Stadtmühle alle Vorbereitungen getroffen, auch den Heidewandererstrom durchzuschleusen. Was Nord- und Östseebäder zu verschenken haben, will Haltern dem arbeitenden Menschen des Ruhrreviers nicht vorenthalten. Die Heide in violetter Blütenpracht auf schneeigweißem Sand hellt die Herzen der Menschen aus dem schwarzen Revier mit seinen grauen Steinruinen wenigstens für eine Woche wieder auf. Wenn am Abend die Glocken aus dem Kranz der Dörfer und Kirchflecken, die den See weithin umrahmen, ihr sonntagverheißendes Geläut erklingen lassen, dann spüren all die Tausende, die jeden Samstag draußen sind, daß der Mensch erst in Gottes herrlicher Natur am freiesten atmen kann. Dirk. Evangel. Diasporanot in Westfalen Lippstadt, 26. August.(CND) Die Zahl der evangelischen Diasporaglieder in Westfalen ist in den letzten Jahren von 190000 auf 400 000 gestiegen. In zahlreichen Kirchengemeinden wuchs die Seelenzahl von 20 bis 30 auf 1- bis 2000 überraschend an. Mit diesem Hinweis zeigten Generalsuperintendent D. Weirich und Pfarrer Cremer(Warburg) auf dem Jahresfest des Gustav-Adolf-Vereins der Synode Soest die Diasporanot der evangelischen Kirchen auf, die nur durch den besonderen Einsatz aller Glaubensbrüder im Sinne der christlichen Hilfsbereitschaft bestanden werden könnte. Anzuerkennen sei die brüderliche Hilfe, die die evangelische Kirche von der katholischen Glaubensgemeinschaft empfange. J die sond dem Gesi sehe wur Unte der lenge I kehi völli Pres den slaw T Krei genz tet, Komi austr rung Tiran men Lo deuts der Tito schen nis Ve einer grad wollen Panze 1941 Pro ( aller Kons Mitty Sonn schon den, erstel frage des 29. A der F mögli in Er zur 1 bayri die auftr neten der sind empf Hohe Stäbe bei d beson spräc fortge Aden Auss) Nordi länge sitzen Baye klärte lition sich i Meld des des! sei n Auffe In junger liegenb werden Giul etnem die sch leidigt Fals Dollar Bauern Durc mußte Mailan In1 1950 se zu vie Aerztel weilig Die schen Septem dorf ei Die den U linge werden