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12. Jahrgang.

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Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Ubornementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu.

Montag, 17. November.

Inserate werden bis####testens vorm. 11 Uhr erbeten.

Breis der einspaltigen Vetisgele für Stadt und Kreis Herserd, Oetzuhausen und Amt Reume 10 Pfg., sonst 18 Pig

1902

Amtliche 2 Anzeigen

Ffür den Kreis V Hersord.

#ei der am 12. und 13. d. Mts. stattgefundenen Er­### gänzungswahl für die vier mit dem 31. Dezember er. ausscheidenden Mitglieder des Stadtverordreten=Kollegs der 3. Abteilung sind 3 Kandidaten mit absoluter Stimmenmehr­heit gewählt worden, während für das vierte Mitglied sich auf keinen Kandidaten die absolute Majorität der abgegebenen Stimmen vereinigt hat.

Imgleichen hat in dem Wahlgange als Ersatz für das aus der 3. Abteilung der Stadtverordneten ausgeschiedene Mitglied kein Kandidat die absolute Stimmenmehrheit erhalten.

Es hat mithin in Gemäßheit des§ 26 der Städte­Ordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1856 unter den Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, eine engere Wahl stattzufinden, nämlich: als Ergänzung für das vierte ausscheidende Mitglied zwischen

a. Zigarrenhändler Heinrich Klingenhagen und

b. Former Hermann Thomas und

als Ersatz für das ausgeschiedene Mitglied(Venghaus) zwischen

a. Kolon Gottlieb Tilker und

d. Schneider Fritz Wege.

Zur Vornahme dieser engeren Wahlen wird Termin auf Mittwoch, den 3. Dezember er.

von vormittags 11 bis nachmittags 7½ Uhr(ohne Unter­brechung) im Lokale des Wirts Aecker hierselbst(Turnhalle) anberaumt, wozu die Wahlberechtigten der 3. Abteilung mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die erste Stimme als für die Ergänzung für das vierte mit dem 31. Dezember er. ausscheidende Mitglied abgegeben, die zweite Stimme als für den Ersatz für Venghaus abgegeben gilt.

Es wird hierbei darauf aufmerksam gemacht, daß bei der engeren Wahl Stimmen, welche auf andere als die vor­genannten Kandidaten(Klingenhagen, Thomas, Tilker und Wege) fallen, ungültig sind, und daß betreffs der angesetzten Wahlstunden die Uhr der Münsterkirche allein maßgebend ist.

Auch fordern wir die Wahlberechtigten auf, ihre Wahl­benachrichtigungen auf blauer Karte zur Stichwahl zur Ver­meidung von störenden Verzögerungen mitzubringen.

Herford, den 15. November 1902.

Der Wahlvorstand.

Weddige, Burgtorf, Weihe, Siepe. 3841

Städtisches Elektrizitätswerk.

Die Abnehmer von elektrischem Strom aus dem städtischen Elektrizitätswerk werden, um ihnen spätere Unannehmlichkeiten zu ersparen, nochmals besonders darauf hingewiesen, daß nach § 4 der„Bedingungen für die Lieferung von elektrischem Strom aus dem städtischen Elektrizitätswerke“ nur solche Lichte­und Kraftanlagen angeschlossen werden können, welche in vor­schriftsmäßiger Weise angemeldet und von amtlich befugten Installateuren ausgeführt sind.

Gemäß der generellen örtlichen Bestimmungen für die Ausführung von Licht= und Kraftanlagen im Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk ist die Befugnis zur Ausführung solcher Anlagen bis heute folgenden Firmen erteilt: Herforder Elektrizitäts=Werke, Bokelmann& Kuhlo, Herford.

Herford, den 1. November 1902.

Der Magistrat.

Quentin. 40L

Nas städtische Brausebad für Männer und Frauen ist ge­2) öffnet:. 200t

Sonntags von 8—4½ Uhr vormittags.

Mittwochs„ 3—9½„ nachmittags. Sonnabends„ 12—9½„„

Preis per Bad 10 Pfennig mit Handtuch und Seife.

Der Magistrat: Busse.

Handels-Register des Königlichen Amtsgerichts

3961 zu Herford.

In das Handelsregister, Abteilung A., ist bei der offenen Handelsgesellschaft unter der Firma

Gustav Kopka in Herford (Nr. 309 des Registers) am 14. November 1902 Folgendes

eingetragen:...

Die Gesellschaft wird nach dem Tode des Fabrikanten Rudolf Kopka zu Herford mit dessen Witwe Clara Kopka geb. Bauer zu Herford und deren mit ihr in fortgesetzter Gütergemeinschaft lebenden Kindern Hermine Mathilde Clara und Margarethe Thekla Annie Hertha unter der bis­herigen Firma fortgeführt, die Geschäftsführung ist dem Gesell­schafter Fabrikant Ferdinand Kopka zu Herford allein über­zragen.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Herforder Brauerei Aug. Wesing zu Herford hat in Folge eines von dem Gemeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf

den 5. Dezember 1902, vormittags 10 Uhr

vor dem Königlichen Amtsgerichte hier Zimmer 12 anberaumt.

Herford, den 8. November 1902.

3871 Königliches Amtsgericht.

Verdingung

der Erd=, Fels=, Rodungs= und Böschungsarbeiten, sowie der Arbeiten zu den kleineren Brücken, Durchlässen, Wege=, Unter­und Ueberführungen und Wegebefestigungen einschließlich Liefe­rung von Materialien zur Herstellung des Planums und der Nebenanlagen der Eisenbahn von Hersord nach Bünde (107591 cbm Bodenbewegung, 76065 am Böschungs­flächen, 10 a Rodungsflächen, 8155 cm Wegebefestigungen, 3115 chm Fundamentaushub, 248 qm Spundwände, 4486 chm Mauerwerk und 28 chm Werksteine)

Termin: Freitag, den 5. Dezember 1902, vormittags 11 Uhr

bei der Königlichen Eisenbahn=Betriebs=Inspektion in Bielefeld. Lagepläne, Massenverteilungsplan, Bauwerkszeichnungen, Be­rechnungen, Bedingungen u. s. w. können daselbst eingesehen und die Verdingungsunterlagen gegen kosten= und bestellgeld­freie Einsendung von 2,50 Mk. in Bar,(nicht in Brief­marken) an die Eisenbahn Betriebs Inspektion in Bielefeld nur von der Letzteren bezogen werden. Zuschlagsfrist vier Wochen.

Hannover, den 5. November 1902.

Königliche Eisenbahn=Direktion.

Attentatsversuch auf den König der Belgier.

Wiederum ist die Reihe der anarchistischen Anschläge um einen vermehrt worden, und wiederum war es ein Italiener, der am Sonnabend vormittag in Brüssel auf den König schoß. Auf der Rückfahrt von der feierlichen Messe in der St. Gudula=Kirche, welche zum Gedächtnis der Mutter und der jüngst verstorbenen Gemahlin des Königs, der Königinnen Luise und Henriette, in Gegenwart der gesamten königlichen Familie celebriert wurde, wurden aus der Menge heraus drei Revolverschüsse auf die königlichen Wagen abgefeuert. Der ersten Meldung, daß die Schüsse blind gewesen seien, wird von dem Sekretär des Königs widersprochen, welcher konstatiert, daß eine der Kugeln die Glasscheibe des dritten der könig­lichen Wagen zerschlagen habe. Während es die Gewohnheit des Königs sei, im dritten Wagen zu fahren, sei er diesmal ausnahmsweise in den ersten Landauer gestiegen. Der Atten­täter war danach berechtigt, anzunehmen, daß der König im dritten Wagen suß, auf den die Schüsse gerichtet waren. Auch die eigene Erklärung Gennaro Rubinos, wie sich der Verhaftete nennt, lassen keinen Zweifel darüber, daß es sich nicht um einen bloßen Schreckschuß, ein Mittel, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, handelt. Wut gegen den offiziellen Prunk giebt Rubino als Motiv für das Attentat an. Es ist gleiche Motiv, welches sie alle hatten, die anarchistischen Mord­buben der letzten Jahre: irgend eine möglichst hochstehende Persönlichkeit zu töten, als Demonstration gegen die herrschen­den Zustände, und um Schrecken unter den Regierenden zu

verbreiten. 17

Zu diesem neuesten Mordanschlag liegen u. a. noch folgende Meldungen vor:

Brüssel, 15. Nov. Bei seiner Vernehmung sagte der Attentäter aus, er sei von London, wo er vergeblich Arbeit gesucht habe, nach Brüssel gekommen. Als es auch hier ihm nicht gelang, Arbeit zu finden, habe er sich zu seiner heungen That entschlossen. Er habe sich am Vormittag nach der Gudula=Kirche begeben, um auf den König zu schießen, habe die Kirche aber verlassen, weil er befürchtete, daß er andere Meischen treffen könnte. Er habe sich auf der Straße aufge­stellt, um den Zug, in dem sich der König befand, zu er­warten. In dem Augenblick, als er auf einen Wagen des Zuges schießen wollte, hätten sich die Pferde in Trab gesetzt, so daß er nur den dritten Wagen traf. Er gestand ferner, Anarchin zu sein, und erklärte, daß er die That nicht be­reue. Bei der Durchsuchung seiner Kleider und Taschen wurden Ansichtskacten vorgefunden, die den König und die Mitglieder der königlichen Familie darstellen. Rubino er­klärte, er habe keinen Mitschuldigen. Bei einer in seiner Wohnung vorgenommenen Haussuchung wurden auch Hierzu Unterhaltungsbeilage.

anarchistische Zeitschriften vorgefunden. Die„Indépendance Belge“ meldet, daß mehrere Personen, die sich im Augenblick der That in der Nähe Rubinos befanden, angeben, eine zweite Person habe ihn begleitet und sei in der Menge verschwunden. Diese habe vielleicht den Revolver genommen, der bisher nicht aufgefunden ist.

Brüssel, 16. Nov. Ueber das Attentat auf den König verlauten folgende Einzelheiten: Der Trauergottesdienst für die beiden verstorbenen Königinnen in der Brüsseler Kathedrale, wobei Kardinal Gooßens celebrierte, war eben beendet und die königlichen Wagen befanden sich auf dem Rückwege zum Palaste in der Rae Royale, als plötzlich ein eben fünfzigjähriger Mann, welcher nahe am Parkgitter stand, zwei Revolverschüsse in der Richtung des Wagens abfeuerte, worin der König saß; beide Kugeln gingen fehl. Die Volksmenge warf sich sofort auf den Attentäter, schlug ihn blutig und eiß ihm die Kleider vom Leibe. Die Polizei hatte Mühe, ihn zu retten. Der König blieb während und nach dem Anschlage völlig ruhig.

Gleich nach der Festnahme Rubinos begab sich der Mi­nisterpräsident ins Schloß und sprach dem König namens des Kabinetts die Entrüstung über die That und die Glückwünsche des ganzen Landes zur glücklichen Errettung aus. Rubino giebt sich noch immer den Schein der Gleichgültigkeit, fragt aber bereits, welche Strafe ihn treffen kann. Er kann mit dem Tode nicht bestraft werden, da niemand verletzt ist und außerdem auch die Todesstrafe in Belgien nicht mehr ange­wandt wird.

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Brüssel, 16. Nov. Der Attentäter, dessen angeblicher Name Genuaro Rubino di Rubini lautet, dessen Geburtsort Risondo bei Neapel sein soll, ist ein kleiner untersetzter Mann, welcher in seinem Verhör den gewöhnlichen Cynismus der Königsmörder bekundet. Es steht fest, daß er am 27. Oktober von London hierher kam mit der ausgesprochenen Absicht, den König zu töten. Daß ein regelrechtes Komplott vorliegt, gilt allgemein als sicher. Zwischen der hiesigen und der italienischen Polizei findet ein Depeschenwechsel statt über die Persönlichkeit des Attentäters.

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Der Kaiser in England.

„Daily Telegraph“ meldet, Kaiser Wilhelm beabsichtige am Donnerstag über Leith die Rückreise nach Deutschland anzutreten.

Vom Reichstag.

Nach der Kraftanstrengung der letzten Sitzungen ist die große Mehrheit der Reichstagsmitglieder wieder nach auen vier Himmelsrichtungen auseinandergestoben, und nur ein von zwei bis drei Dutzend Abgeordneten besetztes Haus machte sich am Sonnabend an die Beratung von Petitionen. Die Sitzung wurde ausgefüllt durch eine lange Debatte über die zahlreichen Petitionen, welche die Schaffung eines einheitlichen Vereins­und Versammlungsrechtes fordern. Die auf diesem Gebiete herrschenden Mißstände wurden scharf beleuchtet und an der Hand diverser Vorkommnisse, die in letzter Zeit berechtigtes Aufsehen hervorgerufen haben, kritisiert. Die Petitionen wur­den dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Schon während dieser Debatte wurde von Rednern der Linken die mangelhafte Besetzung des Hauses, besonders im Zentrum und auf der Rechten, getadelt. Als sich nun die Erörterung den Petitionen, betreffend Einführung des Befähigungs­nachweises für das Bauhandwerk, zuwandte, beantragte Abg. Singer Absetzung dieses Gegenstandes von der Tagesordnung und bezweifelte gleichzeitig die Beschlußfähigkeit des Hauses. Diesem Zweifel mußte sich der Präsident anschließen. So flog die Sitzung auf.

In der nächsten Sitzung am Donnerstag soll die Zoll­tarifberatung fortgesetzt werden.

Die Zolltarifvorlage.

Wie die„Hamb. Börsenhalle“ erfährt, ist die Verständi­gung über den Zolltarif wahrscheinlich, ohne daß der Gersten­zoll erhöht wird.

Zuckersteuer.

Der Mindererlrag in den Einnahmen aus der Zucker­steuer infolge der Aenderung der Gesetzgebung, im Zusammen­hang mit dem Inkcafttreten der. Brüsseler Zuckerkonvention wird, wie es heißt, in Bundesratskreisen für das nächste Etatsjahr auf nahezu 30 Millionen Mark geschötzt.