12. Jahrgang.

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* N 83 Teleph. Anschl.

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Teleph. Anschl.

N 218

Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages.

Edonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu.

Mittwoch, 17. September.

Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr

Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Her

unn Meut Mehme 10 Mn sonst 18 Bta.

ond 1902

Amtliche Anzeigen

###r des Kreis Hersord.

Für die einzelnen Körbezirke des Kreises Herford sind auf Grund des§ 4 der Polizei=Verordnung über die Bullenkörung in der Provinz Westfalen vom 30. Juli 1901 behufs Ankö­rung der Zuchtstiere folgende Termine festgesetzt:

A. Amtsbezirke Rödinghausen, Eunigloh, Gohfeld,

Mennighüffen, Vlotho und Stadt Bünde.

1. Am Mittwoch, den 1. Oktober d. J., vormittags 7½ Uhr am Bahnhofe Bieren für das Amt Rödinghausen.

2. An demselben Tage, vormittags 9¼ Uhr, auf dem Marktplatze in Ennigloh für das Amt Ennigloh und die Stadt Bünde.

3. An demselben Tage vormittags 11- Uhr bei Gast­wirt Busche am Bahnhof Löhne für das Amt Gohfeld.

4. An demselben Tage nachmittags 2½ Uhr in der Ulen­burger Allee für das Amt Mennighüffen.

5. An demselben Tage nachmittags 5½ Uhr beim Gast­wirt Grotegut in Blotho für das Amt Vlotho.

B. Amtsbezirke Hiddenhausen, Enger und Speuge.

1. Am Donnerstag, den 2. Oktober d. I., vormittags 8½ Uhr bei Kolon Wellmann in Eilshausen für das Amt Hiddenhausen und die Gemeinden Sundern, Schweicheln, Berm­beck und Oberbehme.

2. An demselben Tage vormittags 11 Uhr am Haupt­Bahnhofe in Enger für das Amt Enger.

3. An demselben Tage nachmittags 2 Uhr am Bahnhofe in Spenge für das Amt Spenge

C. Stadt Herford und Amtsbezirk Herford.

Am Freitag, den 3. Oktober d. J., vormittags 8 Uhr auf dem Lübberbruche in Herford für die Stadt Herford und die Gemeinden Elverdissen, Schwarzenmoor und Falkendiek.

2. An demselben Tage vormittags 11 Uhr am Landwege nach Laar, Diebrock, Eickum und Stedefreund,

Herford, 15. September 1902.

Der Landrat: v. Borries.

Oberst Schiel über die Niederlage der Buren in der Schlacht bei Elandslaagte.

Oberst Schiel, der bekanntlich das deutsche Korps auf Seiten der Buren gegen die Engländer im südafrikanischen Kriege führte, unternimmt seit längerer Zeit eine Reise durch Deutschland, um über den Krieg zu sprechen. Kürzlich schilderte Schiel den Kampf bei Elandslaagte. Auf der Burenseite standen damals 800 Mann, auf englischer 3000 Mann im Gefecht. Schiel mit einem Teil des deutschen Korps hatte auf dem linken Flügel die Aufgabe, eine Um­gehung durch den fast viermal so starken Feind zu verhüten. Jetzt hat sich Oberst Schiel von neuem über diese für das deutsche Korps so verhängnisvolle Schlacht geäußert. Wir entnehmen darüber folgendes:

Meine nächste Frage galt dem Gefecht bei Elandslaagte, in dem Oberst Schiel als Kommandeur des deutschen Korps bekanntlich schwer verwundet wurde. An der Niederlage hat nach Erklärung Schiels ein gewisser Feldkornet Pinnar Schuld, der den linken Flügel befehligte und sich mit einer Abteilung Leute den Portugiesen ergab, indem er einfach über die Grenze ging. Dieser linke Flügel hat sich beim Angriff, der eigenen Sicherheit halber, zu früh rückwärts konzentriert, d. h. offen gesprochen— er ist„ausgekniffen". Dadurch wurde unsere linke Flanke frei und die Engländer bewerkstelligten sofort eine geschickt ausgeführte Umgehung. Und doch war bis zu diesem Momente das Gefecht für die Buren überaus glücklich; denn ein bekannter englischer Militärschriftsteller schreibt ausdrücklich in einem vor kurzer Zeit erschienenen Buch The great bur war, daß auf englischer Seite schon zum Rückzug geblasen worden sei, was auch von englischen Offizieren, die ich darüber sprach, anerkannt wurde. In dem Buche wird ferner behauptet, daß wir eine Patrouille in den Rücken der Engländer gesandt und die englischen Signale gefälscht hätten. Da wir aber keinen einzigen Trompeter bei uns hatten, war eine solche Kriegslist ganz unmöglich. Damit also bewiesen, daß die Rückzugssignale auf englischer Seite begeben worden sind, und nur dem schneidigen Vorgehen Etntiger englischer Offiziere, die ihre bereits flüchtig gewordenen Teute mit der Waffe in der Hand zur Umkehr zwangen, haben die Briten den Sieg bei Elandslaagte zu verdanken.“

Auf eine Bemerkung, wie groß wäre wohl der moralische Eindruck gewesen, wenn die Buren bei Elandslaagte den Sieg Lavongetragen hätten, antwortete Oberst Schiel, er könne sich dieser Ansicht nicht anschließen. Das Gefecht bei Elandslaagte sei nutzlos und gegen die Instruktion gewesen. Schiel fuhr

sodann wörtlich fort:„Ich glaube, die Niederlage bei Elands­laagte beweist deutlich genug, daß starken Rekognoszierungs­patrouillen großer Truppenmassen absolut nicht der Wert bei­zumessen ist, den man ihnen gewöhnlich zuschreibt; die Führer lassen sich zu leicht verleiten, aus eigener Initiative und gegen die Instruktion zu handeln.“— Oberst Schiel wird übrigens seine Erlebnisse in Südafrika demnächst bei Brockhaus in Leipzig in Buchform unter dem Titel„23 Jahre Sturmwind und Sonnenschein in Süd=Afrika" erscheinen lassen.

Zur Tagesgeschichte.

Deutschland.

In Potsdamer Hofkreisen ist es aufgefallen, daß die Prinzessin Alice von Großbritannien, die Tochter der Herzogin von Albany und Schwester des jugendlichen Herzogs von Coburg=Gotha, ein sehr gern ge­sehener Gast am kaiserlichen Hofe ist. Es besteht das aller­dings unbestätigte Gerücht, daß Prinzessin Alice zur künftigen Braut des Kronprinzen ausersehen sei. Die Prin­zessin ist 19 Jahre alt.

Die Posener Kaiserreden, und zwar die Antwort des Kaisers auf die Begrüßungs­ansprache des Oberbürgermeisters und die Rede im Landes­hause, sollen auf bronzenen Tafeln am Rathause in Posen angebracht werden.

Der„Panther“ in den haitianischen Gewässern Der Kommandant des deutschen Kanonenbootes„Panther“ meldet den glücklichen Verlauf der ersten Rundreise des Schiffes in haitianischen Gewässern. Die deutschen Interessen in Kap Haitien erforderten zunächst kein längeres dortiges Verweilen des Schiffes. Das Kanonenboot erwartet jetzt in Port au Prince weitere Verwendungsbefehle.

Sozialdemokratischer Parteitag.

In München hält jetzt die sozialdemokratische Partei einen Parteitag ab; dabei gab es bereits wieder recht heftige De­batten. Gestern nahm der Parteitag auch eine Resolution der Genossin Rosa Luxemburg an, welche die endgiltige Trennung der Partei von der polnisch=sozialistischen Partei fordert, die als Sondergruppe eigene Reichstagskandidaturen in Ober­schlesien aufgestellt habe. Zusammen mit der Resolution wurde ein Amendement Bebel angenommen, wonach noch einmal eine Verständigung versucht werden soll. Im Laufe der Debatte verurteilte Bebel das Vorgehen der polnischen Gruppe scharf.

Die Stimmung unter den Burenführern.

Aus Amsterdam wird gemeldet, daß der Bruch zwischen Krüger, Reitz und Leyds sowie den Burengeneralen sich derart vertieft habe, daß diese entschlossen sind, ihren europäischen Aufenthalt abzukürzen und alsbald nach Afrika zurückzukehren, wo das Burenvolk wegen ihres bisherigen, sowie ferneren Verhaltens selbst urteilen solle. Die Generale haben mit ihnen keinerlei Fühlung mehr. Reitz erklärte, er unterscheide sich von den Burengeneralen darin, daß er nicht schweigend die Winkelzüge der englischen Politik hinnehme, son­dern die Wahrheit sage. Die Generale wurden erneut von der holländischen Regierung angehalten, in den bisherigen Bahnen zu verharren und unter keinen Umständen sich in Gegensatz zu England zu bringen. Die nächste Zeit müsse die Entscheidung bringen, ob das Burenvolk sich zur Richtung Krügers oder Bothas bekenne.

Aus Südafrika.

Aus Barkly East wird gemeldet: Der ganze Bezirk ist als von der Rinderpest verseucht erklärt worden. Da kein Vieh aus dem Bezirk entfernt werden darf, befinden sich Farmer in großer Bedrängnis.

: Von den Boxern.

Der Londoner„Standard" bringt aus Schanghai die Meldung, in Chengtufu, die Hauptstadt der Provinz Szechuen, sei am 15. d. M. ein Haufen bewaffneter Boxer eingedrungen. Mehrere davon wurden in den Straßen getötet oder gefangen. Die Läden wurden geschlossen, die Truppen patrouillieren. Die Lage wird als ernst geschildert. Wie eine weitere Meldung besagt, sind diese Boxer Mitglieder der Lanternen=Verbindung; ihr Kriegsruf ist:„Stützet die Dynastie, rottet die Kirche und alle Fremden aus!“„300— 1000 chinesische Christen sollen getötet worden sein.

Herforder Kreisnachrichten.

Herford, 17. September 1902. □ Die neueste Orthographie. Nachstehend bringen wir eine sehr übersichtliche Zusammenstellung der deutschen Wörter, die durch die neueste Orthographie eine Aenderung erfahren haben resp. in anderer Weise geschrieben werden. Es wird sich lohnen, das Nachstehende auszuschneiden und aufzu­

bewahren:

Früher. abends, Arzenei Abwechslung im Begriff sein Bertha, Berthold in betreff Betttuch Brennessel Drechsler, Epheu zu einander giebst, giebt, gieb zu Grunde richten Günther zu gute Kammmacher bei Leibe nicht Leihkauf liniieren das erste Mal Missethat Missethäter mittags mitternachts morgens zu Mute sein nachmittags nachts

Namens(mit Namen) namens(im Namen) zu nichte, mit nichten nergeln

von nöten sein zu nutze machen zu Schanden

Schiffahrt Schnellläufer zu Schulden

Schmimmmeister Stadtthor zu stande kommen im stande sein in stand setzen zu statten kommen

von statten gehen Stillleben Sündflut zu Tage treten tags zuvor zu teil werden Thal, Thalfahrt thalwärts Thaler

That, Thäter

thätig, thätlich, bethätigen

Thon, thönern, Töpferthon

Thor der, Thorheit, thöricht,

Thor das, Stadtthor bethören

Thran, thranicht, thranig

Thräne

tot schlagen

thun, thust, thut

thunlich

Thür

Unbedeutendheit und Unbe­

Unterthan sdeutenheit

vormittags

Dalcher

du wäscht

Wechsler

Wettturnen

Wiederhall

Wohlthat

Jetzt.

abends u. Abends, Arzuei Abwechslung

in Begriff u. inbegriff sein Berta, Bertold in Betreff u. in betreff Bettuch u. Betttuch Brennessel u. Brennnessel Drechsler, Eseu zueinander

gibst, gibt, gib sgrunde richten zu Grunde, zu grunde u. zu­Günter u. Günther zu gute u. zugute Kammacher u. Kammmacher bei Leibe u. beileibe nicht Leikauf

liniieren u. linieren

das erste Mal u. das erstemal

Missetat

Missetäter

Mittags u. mittags Mitternachts u. mitternachts Morgens u. morgens zu Mute u. zumute sein Nachmittags u. nachmittags Nachts u. nachts namens(mit und im Namen) u. mitnichten zu nichte, u. zunichte, mit nichten nergeln u. nörgeln von nöten u. vonnöten zu nutze u. zunutze machen zu Schanden, zu schanden u. zuschanden

Schiffahrt u. Schifffahrt Schnelläufer u. Schnellläufer zu Schulden, zu schulden u. zuschulden

Schwimmeister u. Schwimm­Stadthor[meister

zu stande u. zustande kommen im stande u. imstande sein in stand setzen u. instand setzen zu statten kommen u. zustatten kommen(gehen

von statten gehen u. vonstatten Stilleben u. Stillleben Sündflut u. Sintflut Zu Tage u. zutage treten Tags und tags zuvor zu teil u. zuteil werden Tal, Talfahrt talwärts Taler Tat, Täter

tätig, tätlich, betätigen Ton, tönern, Töpferton Tor der, Torheit, töricht, be­

Tor das, Stadttor stören

Tran, tranicht, tranig Träne

tot schlagen u. totschlagen tun, tust, tut

tunlich u. tulich

Tür

Unbedeutenheit

Untertan

Vormittags u. vormittags Walther u. Walter du wäschst Wechsler

Wetturnen u. Wettturnen Widerhall Wohltat

.<space> D i e<space> n e u e<space> R e c h t s c h r e i b u n g<space> s o l l<space> b e k a n n t l i c h<space> a m<space> 1.<space> J a n u a r<space> 1903 von den Beamten aller Behörden angewandt werden.

Hierzu Unterhaltungsbeilage.