12. Jahrgang

12. Jahrgang.

Teleph. Anschl,

le Herford Engersadde.?

N 83

Teleph. Anschl.

N 124

Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages.

Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu.

Freitag, 30. Mai.

Inserate werden bis Preis der einspaltigen Vet Oeynhausen und Amt

testens vorm. 11 Uhr erbeten.

seile für Stadt und Kreis Herford, 1902

Amtliche Anzeigen

für, den Kreis Herford.

Handels-Vlegister des Königlichen Amtsgerichts in Herford.

Bei Nr 38 des Handelsregisters Abt. A ist am 28. Mai 1902 eingetragen:

Die bisherige Firma M. Schulz in Herford ist ge ändert und lautet: jetzt„M. Schulz, Inh. Hermann

Landwehrmann in Herford“. Inhaber derselben ist der Kaufmann Hermann Landwehrmann zu Herford. 643e

Handels=Register des Königlichen Amtsgerichts zu Herford. 642e

In unser Handels=Register Abt. A. ist unter Nr. 364 die Firma: Bictoriawerke, Minna Friedrichs in Herford und als deren Inhaberin die Ehefrau Fabrikant Eduard Friedrichs, Minna geb. Klein zu Herford am 28. Mai 1902 eingetragen.

Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts

zu Herford. 641e

Bei Nr. 8 des Handelsregisters, Abt. B.(Firma Beton­Werke Westfalia, Gesellschaft mit beschränkter Hafttung in Herford) ist am 28. Mai 1902 eingetragen:

Die Vertretungsmacht der stellvertretenden Geschäfts­führerin Ehefrau Eduard Wilhelm Friedrichs,[Minna geb. Klein zu Herford ist erloschen.

Deutsche Interessen in Persien.

Der Schah von Persien holt in diesem Jahre den Besuch in Berlin nach, auf den er vor zwei Jahren, eingeschüchtert durch das bekannte Pariser Attentat, verzichtet hat. Der Anwesenheit Muzafer=Edins in Deutschland wohnt natürlich nicht dieselbe politische Bedeutung inne, wie seinen Besuchen in London und Petersburg, wir beteiligen uns nicht an dem heißen Konkurrenzkampf, den Rußland und England in Persien und am Persischen Golf ausfechten; immerhin aber dürfen wir nicht mit verschränkten Armen diesem Gegenspiel zu­schauen; wir können es nicht darauf ankommen lassen, daß der britische oder der russische Einfluß oder auch der der beiden Mächte zusammen im Reiche des Schahs der allein herrschende wird und der wirtschaftlichen Bethätigung Deutsch­lands die Thore verschließt. Ueber das, was von deutscher Seite aus zu geschehen hat, schreibt man dem H. K.:

Gegenwärtig haben wir nur zwei Konsulate in ganz Persien: das von der Gesandtschaft mit versehene General­konsulat zu Teheran und das Konsulat zu Buschir. Von unserem durch Staatsvertrag erworbenen Rechte auch in Tabris ein Konsulat zu errichten, ist bisher noch kein Ge­brauch gemacht worden. Leider entspricht dem auch ungefähr die geringe Intensität unserer Handelsbeziehungen zu Persien, tweil die Meinung vorwaltet, Persien sei ausschließlich russisch­englische Interessensphäre, innerhalb derer es für Angehörige anderer Nationen keinen Platz gebe. Thatsächlich sind aber weder Rußland noch England gegenwärtig und vielleicht noch in geraumer Zeit in der Lage, durch das Unternehmerkapital und wirtschaftlich=verkantile Leistungsfähigkeit ihren Präten­tionen den nötigen materiellen Nachdruck zu geben. Nur in wenigen Landesteilen hat Rußland vermöge seiner Eisenbahnen das Uebergewicht, im übrigen aber dürfte die deutsche Kon­kurrenz ebenso durch ihre Anpassungsfähigkeit an die Be­dürfnisse des persischen Marktes wie durch die so vielfach auf dem Weltmarkte bewährte Ueberlegenheit der deutschen Waren in Qualität und Preis über englische und zumal über russische Waren in vieler Hinsicht den Sieg davontragen. Daß die geplante Verlängerung der russischen Eisenbahnen und Chausseen in Persien die russische Machtsphäre sehr bald stark erweitert, ist in Anbetracht der russischen Finanzverhältnisse auch nicht zu fürchten.(In diesem Punkte teilen wir den Optimismus unseres Korrespondenten nicht. Die Red. d.„H. K.“) Jedenfalls aber sind die russischen Exporteure den west­europäischen bei weitem nicht gewachsen— trotz der be­deutenden indirekten und direkten Exportprämien, die der Staat an sie bezahlt.

Die wichtigsten persischen Ausfuhrartikel sind Opium, Perlen, Gummi, Teppiche und Früchte; eingeführt werden vornehmlich baumwollene Gewebe, Tuche, seidene und halb­seidene Waren, Eisenartikel, Waffen, Glaswaren, billige Bijouterien. Selbst wenn man den nördlichen Teil Persiens als russische Sphäre außer Betracht läßt, beträgt der allein über die Häfen des Golfes gehende Handel Persiens, Einfuhr und Ausfuhr zusammen, 75 Millionen Mark. Der deutsche Import beträgt davon nur kaum eine Million Mark, und der

Export aus Persien ist noch geringfügiger. Von deutscher

Seite sollte zunächst mindestens das Terrain geschickt sondiert werden, und die Anwesenheit des Schahs bietet vielleicht günstige Gelegenheit in dieser Beziehung, namentlich insoweit staatliche vorbereitende, schützende und fördernde Maßnahmen möglich sind.

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Potsdam, 29. Mai. Der Schah von Persien traf heute nachmittag 6 Uhr hier ein und wurde vom Kaiser, den Prinzen und der Generalität und dem Staatssekretär des Auswärtigen empfangen. Die Ehrenwache bildete eine Kom­pagnie Gardejäger, deren Musik die persische Nationalhymne spielte. Der Kaiser, in der Uniform des 1. Garde=Regiments, und der Schah in persischer Uniform mit dem Bande zum Großkreuz des Roten Adlerordens, schüttelten sich wiederholt die Hand und begaben sich nach Abschreiten der Ehrenkom­pagnie im offeven Wagen nach der Orangerie, wo beim Ein­treffen des Schahs die persische Reichsstandarte gehißt wurde. Eine Kompagnie des 1. Garde=Regiments bildete die Ehren­wache. Nach Vorstellung der beiderseitigen Gefolge kehrte der Kaiser nach dem Neuen Palais zurück. Der Schah besuchte um 7 Uhr das Mausoleum und legte am Grabe des Kaisers und der Kaiserin Friedrich Kränze nieder.

Neues Palais, 29. Mai. Der Kaiser empfing heute abend 7 Uhr den Gegenbesuch des Schahs und überreichte demselben eigenhändig den Schwarzen Adlerorden. Der Schah überreichte hierauf dem Kaiser die hohe persische Ordensauszeichnung. Zur Abendtafel waren geladen: der vormittags in Potsdam eingetroffene Kronprinz von Siam, Prinz Paribatra von Siam und das Prinzenpaar Friedrich August von Sachsen.

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Potsdam, 29. Mai. Der Kronprinz von Siam legte heute nachmittag am Sarkophage des Kaisers Friedrich im Mausoleum an der Friedenskirche einen Kranz mit rot­weißer Schleife nieder. Der siamesische Gesandte und die Mitglieder der Gesandtschaft waren zugegen. Darauf stattete der Kronprinz den in und bei Potsdam wohnenden Fürstlich­keiten Besuche ab.

Zur Tagesgeschichte.

Deutschland

Zu der Ernennung des Reichstagsabgeord­neten Baron de Schmid zum Rittmeister berichtet die„Gazette de Lorain", daß Herr de Schmid am 21. Mai zum Abendessen beim Kaiser einge­laden wurde. Er saß dabei rechts von dem Monarchen. Beim Dessert teilte ihm der Kaiser seine Ernennung zum Ritt­meister mit und trank gleichzeitig auf die Gesundheit des neuen Rittmeisters. Nach dem Diner führte der Kaiser den Baron in sein Privatgemach und schrieb eigenhändig eine Depesche an Frau de Schmid, um sie von dem Gunstbeweis, der ihrem Gatten zu teil geworden, persönlich zu benachrichtigen.

Zum Aufenthalt der holländischen Königin in Deutschland.

Schloß Schaumburg im Lahnthal, wo die Königin Wil­helmina demnächst längeren Aufenthalt nehmen wird, wurde 1850 von dem damaligen Inhaber der Grafschaft Schaum­burg, dem Erzherzog Stephan von Oesterreich, der den Titel Fürst von Schaumburg annahm, auf einem Berge im Süd­westen von Diez erbaut. Das Schloß ist von herrlichem Hochwald und Gartenanlagen umgeben. Nach dem Tode des Erzherzogs Stephan fielen beide Grafschaften an den Prinzen Georg Ludwig von Oldenburg. Jetzt gehören die Grafschaften sowohl wie die Schaumburg dem Fürsten von Waldeck, dem Bruder der Königin=Mutter der Niederlande, der einen Prozeß gegen den Prinzen von Oldenburg anstrengte, welcher 1887 zu seinen Gunsten entschieden wurde.

Neuuniformierung unserer

Ende vorigen Jahres war in Berlin eine gemischte Kommission, bestehend aus Offizieren von allen deutschen Kontingenten zusammengetreten mit der Aufgabe, die im Chinakriege gemachten Erfahrungen zu sammeln und über die Nutzbarmachung derselben für die deutsche Armee und speziell für die in China zurückgelassenen Besatzungstruppen Vor­schläge zu machen. Als Grundlage hierzu dienten die von den ostasiatischen höheren Kommandostellen und auch vom Oberkommando eingereichten Berichte. Die Berechnungen er­streckten sich hauptsächlich auf die Uniformfrage, wobei un­streitig die meisten Erfahrungen gesammelt worden sind und sich mancherlei Verbesserungen als notwendig ergeben haben. Wertvolles Material für Verbesserungsvorschläge auf diesem Gebiet lieferte auch besonders der unmittelbare Vergleich unserer Hierzu eine Beilage.

Bekleidung mit derjenigen der fremdländischen Truppen. Das

Resultat dieser Beratungen scheint jetzt vorzuliegen und zu einem Beschluß geführt zu haben. Denn wie mitgeteilt wird, soll die Uniform des ostasiatischen Besatzungskorps von Grund aus umgestaltet werden.

Weder die Sommer= noch die Winteruniform hat sich in China besonders bewährt. Namentlich hält es auch schwer, die seinerzeit in Zehntausenden von Stücken für die China­krieger bestellten Katzenpelze vor Mottenschaden und Einflüssen des Klimas zu bewahren. Aber auch die anderen Bekleidungs­stücke, namentlich Fußbekleidung und Rock, sind für die ost­asiatischen Verhältnisse nicht besonders praktisch. Die deutsche Heeresleitung ist zu der Ansicht gelangt, daß die Ausrüftung der englisch=indischen Truppen für den Dienst in Asien sehr zweckmäßig ist. Das Kriegsministerium hat daher bei der indischen Regierung je eine Garnitur der Sommer= und Winterausrüstung der indischen Kavallerie und Infanterie be­stellt. Falls diese Ausrüstung den Beifall der militärischen Sachverständigen findet, dürfte in absehbarer Zeit mit der Neuuniformierung, bei der natürlich alle deutschen Abzeichen gewahrt bleiben, begonnen werden. Selbstverständlich werden bei den Lieferungen nur deutsche Firmen berücksichtigt werden.

Damit dürften wir der Aufstellung einer besonderen Kolonialtruppe einen Schritt näher gerückt sein

N

Zwischenfall an der deutsch=franzlösisschen Grenze.

Wie die„Lothr. Nachr.“ aus Diedenhofen melden, hat sich neuerdings wieder in Deutsch=Oth ein Grenzzwischenfall ereignet. Ein luxemburgischer Staatsangehöriger namens Goury aus Villerupt wurde bei dem Versuch, die französische Grenze auf Umwegen, wahrscheinlich wegen Schmuggels, zu überschreiten, von französischen Grenzwächtern auf deutschem Boden festgenommen und mißhandelt, am folgenden Tage aber gegen 500 Frks. Kaution freigelassen. Das Amtsgericht Diedenhofen hat den Thatbestand an Ort und Stelle auf­genommen.

Die Friedensverhandlungen im Burenkriege.

U. a. liegen heute folgende Nachrichten vor:

Pretoria, 29. Mai. Die hiesige Konferenz ist gestern geschlossen worden. Abends reisten die Burendelegierten nach Vereeniging ab.

London, 29. Mai. Das„Reutersche Büreau" erfährt, die vorhandenen Anzeichen deuten auf einen befriedigenden Ausgang der gestern abgeschlossenen Verhandlungen hin.

Der Kabinettsrat, der noch gestern abend eiligst einberufen wurde, trat heute morgen zu einer Sitzung zu­sammen. Auch Chamberlain war anwesend, obwohl er an einem Gichtanfall leidet.

Balfour erklärte im Unterhaus, er hoffe, am Montag das Ergebnis der jüngsten Besprechungen in Südafrika mit­zuteilen, er könne aber nicht versichern, daß er in der Lage sein werde, dies zu thun.

Herforder Kreisnachrichten.

(Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.)

Herford, 30. Mai 1902.

□ Unwetter. Gestern nachmittag gegen 5½ Uhr stieg hier ein Gewitter herauf, das aber weiter zog; als der Donner noch vernehmbar war, setzte leichter Regen ein, derselbe ließ aber bald wieder nach. Gegen 7 Uhr begann es von neuem zu donnern; dieses Gewitter war auch von starkem Regen begleitet. In der Stadt wie auch in einzelnen Gemeinden des Kreises, so in Sundern, Oetinghausen, Enger, sind beide Gewitter sehr gnädig aufgetreten; in anderen Bezirken der Umgegend sowohl als namentlich auch im Lippischen hat es dagegen stark gehagelt.

Es sind uns hierzu folgende Nachrichten zugegangen:

Das gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr niedergehende Gewitter brachte ein machtiges Hagelschauer. Von der Egge ab in nordwestlicher Richtung wurden die Bewohner eines großen Teils von Schwarzenmoor(die Hofe) be­sonders stark davon betroffen. Hier waren die niedersausenden Schlossen größer als Hühnereier. Sie lagen noch stundenlang trotz des heftigen nachfolgenden Regens im Grase. Ein großer Teil der Halmfrüchte ist vernichtet.

Im Waldfrieden erreichten die Schlossen die Stärke von Taubeneiern.

·0 Löhne, 30. Mai. Gestern abend ging hier mit einem Gewitter ein heftiger Hagelschlag nieder, der an den