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Amtliches Rreisbial

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für den Rleis Berch!

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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verbindliche Kraft.

Nr. 280.

Schwerte. Montag den 50. November 1903

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36.

Politische Uebersicht.

— Ueber die Behörden und das Handwerk berichtet, wie aus Breslau verlautet, der Wortführer der Hogshlessen; der Schlossermeister, Sgiegezsten füre denr Hald in Schlesien: In Koblenz waren die arbeiten für een Bau des Regierungsgebäudes zu vergeben. Fürjgg 0g gpte

Baugeschäfte, die in den letzten drei Jahren 40.000 Mk. Arbeitslohn ausgezahlt haben, bewarben sich um den Bau. Die Grundarbeiten erhielt eine Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M., obgleich sie 40000 Mk. teurer war als die fünf Koblenzer Baumeister. Was nützen, fragt Seifert, alle Rundschreiben der Handwerkerkammern an die Magistrate, wenn sie nicht beachtet werden? Ist es unter solchen Umständen nicht jammerschade um die Milli­onen, welche die Handwerksmeister jährlich für die Hand­werkerkammern aufbringen müssen? Was helfen, wenn die Dinge so liegen, Buchfuhrungskurse, die Errungen­schaften der modernen Technik, Meistertitel, Forthähungs. und Fachschulen? Nichts, rein gar nichts! Terhalt kufe ich allen Kollegen immer wieder zu: Scharet euch zusam; men, deutsche Handwerksmeister und seid einig! Laß. uns einen Bund der Handwerrer errichten.

— Männerklöster. Nach reichsl. en hat die Regierung die Errichtung eines weiteren Män­nerklosters genehmigt. Es kandelt sich um eine neue Niederlassung der„Väter vom heil. Geist.“ zu Neuscheu­ern bei Saargemünd. Jene Blätter glauben, daß diese

Väter vom heil. Geist“, die kürzlich aus Frankreich ver­trieben worden sind, als deutsche Untertanen kraft des Berliner Vertrages von 1878 unter deutschem Schutze unbehelligt in den französischen Missionen wirken dür­fen. Elsaß=Lothringen besitzt jetzt 12 Männertloster, die mit einer Ausnahme im abgelaufenen Jahrzehnt gegrün­

Anknüpfend an den Bilse=Prozeß schreibt der „Reichsbote":„Kein Tag vergeht, ohne daß man Ein­blicke in den traurigen sittlichen Niedergang in der ge­bildeten Jugend erhält. Bekannt sind die Enthüllungen des Prozesses Bilse, wo ein Leutnant behauptete, wie er, so hätten fast alle Leutnants Beziehungen zu Dirnen. Wir wollen ja hoffen, daß das eine große Uebertreibung ist; aber heute wird uns mitgeteilt, daß auch unter der Jugend unserer Marine, namentlich unter den Kadetten und Fähnrichen, in dieser Beziehung sehr bedenkliche Zu­stände herrschen, so daß manchmal bis zu 20 Prozent auf der Fahrt an Geschlechtskrankheiten behandelt werden müsten; sie würden dann in fremden Hafenstädten ans Land gesetzt und den dortigen Spitälern übergeben. So weh es einem auch tut, so darf die christliche Prase, folche Dinge, wenn sie von vertrauenswürdiger Seite unge­teilt werden, nicht verschweigen.

Fürs neue Kirchenjahr.

Gottes Namen neu geglaubet Mit fester, froher Zuversicht!

Sein Wort ist unsres Fußes Leuchte,

Sein Wort bleibt unsers Weges Licht.

In Gottes Namen neu geliebet Und liebend Freund und Feind gedient! Daran wird jedermann erkennen, wir des Heilands Jünger sind.

In Gottes Namen neu gekämpfet,

Umgürtet mit Gerechtigkeit,

Das Schwert des Geistes in den Händen,

Den Glaubensschild zur Seligkeit.

In Gottes Namen neu getragen Geduldig auch das Kreuz des Herrn;

An seiner Gnade uns genüget, Wir tragen mit ihm still und gern.

In Gottes Namen neu gehoffet In dieser bösen, trüben Zeit;

Wir wissen: er führt seine Kirche Durch Sturm und Drang zur Herrlichkeit.

Rußland.

= Neuer Notstand. Wie in Westsibirien ist auch in den zentralen Gouvernements der Roggen meist ausge­wachsen, so daß sich viel Mutterkorn fand. Bei der primi­tiven Reinigungsweise des Getreides und dem Notstande der Bauern wird das Mutterkorn trotz aller ärztlichen Warnungen zu Brot verbacken, so daß zahlreiche Erkrank­ungen vorkommen. Noch schlimmer wird es im Winter und Frühjahr werden, wenn die Bauern noch mehr Not leiden als jetzt. Schon wird angeregt, daß die Regierung den Bauern, die bedürftig sind— und das sind ja fast alle

— Getreide liefern solle, damit einem Umsichgreifen de

Erkrankungen gesteuert werden kann.

Balkan.

= Boris Sarafow, der kürzlich seinen feierlichen Einzug in Sofia gehalten hat, womit der Aufstand ge­wissermaßen einen effektvollen Abschluß erhielt, sitzt nun, so berichtet man aus Sofia wieder, wie vordem, allabendlich gemütlich beim Biertische im Gesthofe, zum

„Roten Krebs“ in Sofia, in Gesellschaft des Pon##### fekten und anderer Funktionäre und erzählt von seinen Taten in Mazedonien. Bezeichnend für die rein persön­liche und auf Selbstzwecke lossteuernde Auffassung der Leiter der mazedonischen Bewegung ist der Umstand, daß trotz angeblicher Aussöhnung der beiden Fraktionen Zon­tschef und Sarafow Oberst Zontschew bestrebt ist, di Volkstümlichkeit Sarafows zu untergraben, indem er nachzuweisen sucht, daß der immer legendärer gewordene oft verschwundene, nie zu fassende Sarafow, der angeb­lich stets im Herzen Mazedoniens, im Vilajet Monastir, befehligte, fast während des ganzen Aufstandes gar nicht auf türkischem Boden war, sondern sich im Ausland mit mazedonischem Gelde inkognito gütlich tat.

Nachklänge zum Kwileckiprozeß.

Der„Reichsbote“ schreibt: Die Kosten des Prozesses sollen sich auf 150000 Mk. belaufen, sie sind der Staats­kass, aufgebürdet worden. Dos itgtgatsanwalt— die der Vertreter des Staates— der Staal.#— die Anklage aus der Hand des eigentlichen Klägers, des Gra­fen Hektor Kwilecki genommen und als Staatssache be­handelt hat; aber ob man dem letzteren nicht doch emnen Teil der Kosten hätte auferlegen können, da dir Prozeo doch eigentlich in seinem Interesse lag— denn wenn der junge Graf für ein untergeschobenes Kind, wie der Graf Hektor behauptete, erklärt worden wäre, so fiel ihm das Majorat Wroblewo zu— lassen wir dahingestellt, jeden­falls ist es bitter, daß die Staatskasse, also die Snuer­zahler, diesen widerwärtigen Prozeß, der ein Schauspiel polnisch=aristokratischer Verkommenheit darstellt, bezahlen

muß.

Zum Kwileckiprozeß schreibt die„Freis. Ztg.“, nach­dem sie die Auszüge der Berliner Blätter über die Frei­sprechung des Grafenpaares wiedergegeben hat, sehr rich­tig:„Soweit die Blütenlese, aus der hervorgeht, in wel­chem Maße ein großer Teil der Presse bemüht ist, dem gräflichen Ehepaar von Wroblewo den Lorbeerkranz ed­ler Dulder ums Haupt zu winden. Wir überlassen es der Einsicht unserer Leser, zu beurteilen, wie weit dies berech­tigt ist. Ob die Geschworenen mit ihrem Urteil das Rechte getroffen haben, das zu entscheiden getrauen wir uns nicht. Aber selbst wenn die Kwieleckis unschuldig sind, so ist das wahrhaftig kein Grund, sie romantisch=senti­mental mit einer Gloriole zu umgeben. Eine Gräfin, die ihren Mann in Gegenwart der Dienerschaft mit„Schwei­nehund",„Lumpensack" und anderen Koseworten trak­tiert, ein Graf, der den Ehebruch für etwas ganz natür­liches hält und verwundert fragt:„Warum soll ich kein Verhältnis haben“— das sind, um von allem anderen zu schweigen, gewiß keine Personen, denen man„Adel“ oder „Vornehmheit" nachrühmen sollte.

— Meldungen über Schiffsunfälle während des letzten Sturms laufen noch immer ein. In den dänischen Gewässern mögen im ganzen mehr als vierzig Menschen umgekommen sein. Auch die Nordsee hat viele Opfer gefordert. Ergreifend sind die näheren Mitteilungen über das Strandungsdrama bei Bovbjerg, das die norwe­gische Bark„Capella" betraf und bei dem die gesamte Mannschaft von 15 Köpfen unterging. Als man das Schiff gewahrte, bediente man sich von der hohen Küste aus sofort der Raketenapparate und schleuderte im Au­genblick sieben oder acht Leinen hinüber, ohne jedoch des Dunkels wegen beobachten zu können, ob man das Schiff erreichte. An Bord der Bark geschah jedenfalls nichts, die Taue zu befestigen, woraus man schloß, daß die Mannschaft infolge längerer Leiden arbeitsunfähig ge­worden war oder schon in einem Boote das Wrack ver­lassen habe. Es gilt jetzt als sicher, daß die ganze Mann­schaft bei dem Versuch der Rettung untergegangen ist. Geichzeitig spielte sich bei Stavanger eine Strandungs­Szene ab, die zum Untergang des Dampfers„Vikoria“ führte. Von den 21 Menschen am Bord des Schiffes sind 16 untergegangen, während fünf sich notdürftig zu retten vermochten. Infolge des starken Sturmes war es unmöglich, das Schiff zu erreichen. Mehrere Leute hin­gen in der Takelage.— Der französische Viermaster „Alexandra“ ging auf der Fahrt nach England verloren. An Bord waren 38 Mann Besatzung.

Eine reizende Wohnung war es, die das junge Mül­

verlangt

männlichen, frischen Zügen und lebhaft blinkenden Au­gen, sie zierlich, nicht gerade hübsch, aber mit einem jener lieben, mädchenhaften Frauengesichter begnadet, über denen heiterer Sinn, klarer Verstand und Herzensgüte ihren Zauber ausgebreitet haben. Nichts trübte die Har­monie des Verkehrs beider Teile; gemeinsame Interes­sen des Geistes und des Herzens hießen sie die gleichn

Aber dennach zeige sich ab und zu ein Wöstcheg gn

Himmel der kleinen Häuslichkeit, ein Wölkchen, Dasein von ihm zunächst gar nicht bemerkt, Rruen nicht einmal geahnt, von ihr aber als ein leichter Schar­ten wahrgenommen wurde. Heinrich hatte nämlich die Gewohnheit, nach beendigter Vormittags=Bureauzeit, zum Frühschoppen zu gehen. Zum Frühschoppen? ist

denn das etwas so schlimmes, aber das arme Frauchen muß, wenn der Mann die Freunde gar zu unterhaltend findet, oft halbe Stunden oder noch länger mit dem Es­sen warten, und angenehm ist das nicht, das wird jede Hausfrau bestätigen. Aber Mariechen war liebenswür­

dia genug, me etwas zu fagen, leichiam neckend: nun3

klang; nur ab und zu fragte sie, gleichsal nruehb: nun: war es wieder so sehr interessant? worauf sie stets nur eine halbe, leicht entschuldigende Antwort erhiett.

Eines Tages war Heinrich nicht zum Frühschoppen gegangen, und kam sogar schon etwas vor der Essens­zeit nach Hause; nun aber war Mariechen nicht da!

„Wo ist denn meine Frau?“ fragte Heinrich die Kö­

chin, fast erstaunt.„Weiß nicht Herr Müller; sie ist aus gegangen, antwortete gedehnt die etwas mürrische Kö­

Heinrich wartete mit einiger Ungeduld, ja er fragte

wartet haben? Endlich ist sie da.„Wo warst du denn, Mariechen?“ fragt er dennoch fast vorwurfsvoll.„Beim Frühschoppen, gestrenger Herr Gemahl," erwiderte sie lachend mit neckischem Knicks;„aber nun komm zu Tisch!“— Damit war das Kapitel erledigt.

Du wirst immer pünktlich sein, denkt Heinrich, und am nächsten Tage kommt er auch wirklich zeitig, aber ge­rade, als Mariechen im Begriff ist, in Hut und Mantel fortzugehen.„Noch vor Tische fort?“ fragt er freund­lich.„Nur einen Augenblick, Heinrich, ich bin gleich wie­der da!“—„Was hast du da denn unter dem Mantel?“ fragt er. Sie will ihm lächelnd ohne Antwort entwi­schen, aber dabei schlägt der Mantel auseinander und es kommt ein Körbchen zum Vorschein; er faßt es an, es ist schwer.—„Ein Körbchen?“ sagt er,„was hast du denn darin und wohin soll es, wenn ich es wissen darf?“ O gewiß, Heinrich, erwiderte sie eilig,„ich wollte mei­ner Schneidersfrau etwas Essen bringen; sie hat ein Kindchen, und es geht ihr so ärmlich!“—

willst es hintragen?“ gibt er zurück.„Ach ja, lieber Mann, unsere Köchin ist so unfreundlich, ich fürchte, möchte die arme Frau irgendwie kränken!"— Indem

sie das sagte, erglühte ihr liebes Gesichtchen in flammen­dem Rot, wie eine frisch aufgeblühte Rose.—„Die Ro­sen der heiligen Elisabeth!“„jetzt erst verstehe ich die rei­zende Legende! Geh' in Gottes Namen, mein Liebling, ich wart gern, und wenn es Stunden wären!" Aber Ma­riechen ist bald wieder zurück; das Rot auf ihren Wan­gen blüht noch immer, aber es ist das Rot freudiger Er­regung, erfrischt durch einen Tautropfen, die aus den himmelblauen Augen über die Wangen gerollt sind, wo der frische Frühlingswind sie schmeichelnd weggeküßt hat.

„Sonderbar!“, sagten die Freunde,„der Heinrich läßt sich gar nicht mehr beim Frühschoppen sehen.