Wil Amtliches Rreisbial m für den Rleis Berch! Fernsbprech=Anschluh Braus, Schverte=Rubr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verbindliche Kraft. Nr. 280. Schwerte. Montag den 50. November 1903 Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., excl. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“ 36. Politische Uebersicht. — Ueber die Behörden und das Handwerk berichtet, wie aus Breslau verlautet, der Wortführer der Hogshlessen; der Schlossermeister, Sgiegezsten füre denr Hald in Schlesien: In Koblenz waren die arbeiten für een Bau des Regierungsgebäudes zu vergeben. Fürjgg 0g gpte Baugeschäfte, die in den letzten drei Jahren 40.000 Mk. Arbeitslohn ausgezahlt haben, bewarben sich um den Bau. Die Grundarbeiten erhielt eine Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M., obgleich sie 40000 Mk. teurer war als die fünf Koblenzer Baumeister. Was nützen, fragt Seifert, alle Rundschreiben der Handwerkerkammern an die Magistrate, wenn sie nicht beachtet werden? Ist es unter solchen Umständen nicht jammerschade um die Millionen, welche die Handwerksmeister jährlich für die Handwerkerkammern aufbringen müssen? Was helfen, wenn die Dinge so liegen, Buchfuhrungskurse, die Errungenschaften der modernen Technik, Meistertitel, Forthähungs. und Fachschulen? Nichts, rein gar nichts! Terhalt kufe ich allen Kollegen immer wieder zu: Scharet euch zusam; men, deutsche Handwerksmeister und seid einig! Laß. uns einen Bund der Handwerrer errichten. — Männerklöster. Nach reichsl. en hat die Regierung die Errichtung eines weiteren Männerklosters genehmigt. Es kandelt sich um eine neue Niederlassung der„Väter vom heil. Geist.“ zu Neuscheuern bei Saargemünd. Jene Blätter glauben, daß diese Väter vom heil. Geist“, die kürzlich aus Frankreich vertrieben worden sind, als deutsche Untertanen kraft des Berliner Vertrages von 1878 unter deutschem Schutze unbehelligt in den französischen Missionen wirken dürfen. Elsaß=Lothringen besitzt jetzt 12 Männertloster, die mit einer Ausnahme im abgelaufenen Jahrzehnt gegrünAnknüpfend an den Bilse=Prozeß schreibt der „Reichsbote":„Kein Tag vergeht, ohne daß man Einblicke in den traurigen sittlichen Niedergang in der gebildeten Jugend erhält. Bekannt sind die Enthüllungen des Prozesses Bilse, wo ein Leutnant behauptete, wie er, so hätten fast alle Leutnants Beziehungen zu Dirnen. Wir wollen ja hoffen, daß das eine große Uebertreibung ist; aber heute wird uns mitgeteilt, daß auch unter der Jugend unserer Marine, namentlich unter den Kadetten und Fähnrichen, in dieser Beziehung sehr bedenkliche Zustände herrschen, so daß manchmal bis zu 20 Prozent auf der Fahrt an Geschlechtskrankheiten behandelt werden müsten; sie würden dann in fremden Hafenstädten ans Land gesetzt und den dortigen Spitälern übergeben. So weh es einem auch tut, so darf die christliche Prase, folche Dinge, wenn sie von vertrauenswürdiger Seite ungeteilt werden, nicht verschweigen. Fürs neue Kirchenjahr. Gottes Namen neu geglaubet Mit fester, froher Zuversicht! Sein Wort ist unsres Fußes Leuchte, Sein Wort bleibt unsers Weges Licht. In Gottes Namen neu geliebet Und liebend Freund und Feind gedient! Daran wird jedermann erkennen, wir des Heilands Jünger sind. In Gottes Namen neu gekämpfet, Umgürtet mit Gerechtigkeit, Das Schwert des Geistes in den Händen, Den Glaubensschild zur Seligkeit. In Gottes Namen neu getragen Geduldig auch das Kreuz des Herrn; An seiner Gnade uns genüget, Wir tragen mit ihm still und gern. In Gottes Namen neu gehoffet In dieser bösen, trüben Zeit; Wir wissen: er führt seine Kirche Durch Sturm und Drang zur Herrlichkeit. Rußland. = Neuer Notstand. Wie in Westsibirien ist auch in den zentralen Gouvernements der Roggen meist ausgewachsen, so daß sich viel Mutterkorn fand. Bei der primitiven Reinigungsweise des Getreides und dem Notstande der Bauern wird das Mutterkorn trotz aller ärztlichen Warnungen zu Brot verbacken, so daß zahlreiche Erkrankungen vorkommen. Noch schlimmer wird es im Winter und Frühjahr werden, wenn die Bauern noch mehr Not leiden als jetzt. Schon wird angeregt, daß die Regierung den Bauern, die bedürftig sind— und das sind ja fast alle — Getreide liefern solle, damit einem Umsichgreifen de Erkrankungen gesteuert werden kann. Balkan. = Boris Sarafow, der kürzlich seinen feierlichen Einzug in Sofia gehalten hat, womit der Aufstand gewissermaßen einen effektvollen Abschluß erhielt, sitzt nun, so berichtet man aus Sofia wieder, wie vordem, allabendlich gemütlich beim Biertische im Gesthofe, zum „Roten Krebs“ in Sofia, in Gesellschaft des Pon##### fekten und anderer Funktionäre und erzählt von seinen Taten in Mazedonien. Bezeichnend für die rein persönliche und auf Selbstzwecke lossteuernde Auffassung der Leiter der mazedonischen Bewegung ist der Umstand, daß trotz angeblicher Aussöhnung der beiden Fraktionen Zontschef und Sarafow Oberst Zontschew bestrebt ist, di Volkstümlichkeit Sarafows zu untergraben, indem er nachzuweisen sucht, daß der immer legendärer gewordene oft verschwundene, nie zu fassende Sarafow, der angeblich stets im Herzen Mazedoniens, im Vilajet Monastir, befehligte, fast während des ganzen Aufstandes gar nicht auf türkischem Boden war, sondern sich im Ausland mit mazedonischem Gelde inkognito gütlich tat. Nachklänge zum Kwileckiprozeß. Der„Reichsbote“ schreibt: Die Kosten des Prozesses sollen sich auf 150000 Mk. belaufen, sie sind der Staatskass, aufgebürdet worden. Dos itgtgatsanwalt— die der Vertreter des Staates— der Staal.#— die Anklage aus der Hand des eigentlichen Klägers, des Grafen Hektor Kwilecki genommen und als Staatssache behandelt hat; aber ob man dem letzteren nicht doch emnen Teil der Kosten hätte auferlegen können, da dir Prozeo doch eigentlich in seinem Interesse lag— denn wenn der junge Graf für ein untergeschobenes Kind, wie der Graf Hektor behauptete, erklärt worden wäre, so fiel ihm das Majorat Wroblewo zu— lassen wir dahingestellt, jedenfalls ist es bitter, daß die Staatskasse, also die Snuerzahler, diesen widerwärtigen Prozeß, der ein Schauspiel polnisch=aristokratischer Verkommenheit darstellt, bezahlen muß. Zum Kwileckiprozeß schreibt die„Freis. Ztg.“, nachdem sie die Auszüge der Berliner Blätter über die Freisprechung des Grafenpaares wiedergegeben hat, sehr richtig:„Soweit die Blütenlese, aus der hervorgeht, in welchem Maße ein großer Teil der Presse bemüht ist, dem gräflichen Ehepaar von Wroblewo den Lorbeerkranz edler Dulder ums Haupt zu winden. Wir überlassen es der Einsicht unserer Leser, zu beurteilen, wie weit dies berechtigt ist. Ob die Geschworenen mit ihrem Urteil das Rechte getroffen haben, das zu entscheiden getrauen wir uns nicht. Aber selbst wenn die Kwieleckis unschuldig sind, so ist das wahrhaftig kein Grund, sie romantisch=sentimental mit einer Gloriole zu umgeben. Eine Gräfin, die ihren Mann in Gegenwart der Dienerschaft mit„Schweinehund",„Lumpensack" und anderen Koseworten traktiert, ein Graf, der den Ehebruch für etwas ganz natürliches hält und verwundert fragt:„Warum soll ich kein Verhältnis haben“— das sind, um von allem anderen zu schweigen, gewiß keine Personen, denen man„Adel“ oder „Vornehmheit" nachrühmen sollte. — Meldungen über Schiffsunfälle während des letzten Sturms laufen noch immer ein. In den dänischen Gewässern mögen im ganzen mehr als vierzig Menschen umgekommen sein. Auch die Nordsee hat viele Opfer gefordert. Ergreifend sind die näheren Mitteilungen über das Strandungsdrama bei Bovbjerg, das die norwegische Bark„Capella" betraf und bei dem die gesamte Mannschaft von 15 Köpfen unterging. Als man das Schiff gewahrte, bediente man sich von der hohen Küste aus sofort der Raketenapparate und schleuderte im Augenblick sieben oder acht Leinen hinüber, ohne jedoch des Dunkels wegen beobachten zu können, ob man das Schiff erreichte. An Bord der Bark geschah jedenfalls nichts, die Taue zu befestigen, woraus man schloß, daß die Mannschaft infolge längerer Leiden arbeitsunfähig geworden war oder schon in einem Boote das Wrack verlassen habe. Es gilt jetzt als sicher, daß die ganze Mannschaft bei dem Versuch der Rettung untergegangen ist. Geichzeitig spielte sich bei Stavanger eine StrandungsSzene ab, die zum Untergang des Dampfers„Vikoria“ führte. Von den 21 Menschen am Bord des Schiffes sind 16 untergegangen, während fünf sich notdürftig zu retten vermochten. Infolge des starken Sturmes war es unmöglich, das Schiff zu erreichen. Mehrere Leute hingen in der Takelage.— Der französische Viermaster „Alexandra“ ging auf der Fahrt nach England verloren. An Bord waren 38 Mann Besatzung. Eine reizende Wohnung war es, die das junge Mülverlangt männlichen, frischen Zügen und lebhaft blinkenden Augen, sie zierlich, nicht gerade hübsch, aber mit einem jener lieben, mädchenhaften Frauengesichter begnadet, über denen heiterer Sinn, klarer Verstand und Herzensgüte ihren Zauber ausgebreitet haben. Nichts trübte die Harmonie des Verkehrs beider Teile; gemeinsame Interessen des Geistes und des Herzens hießen sie die gleichn Aber dennach zeige sich ab und zu ein Wöstcheg gn Himmel der kleinen Häuslichkeit, ein Wölkchen, Dasein von ihm zunächst gar nicht bemerkt, Rruen nicht einmal geahnt, von ihr aber als ein leichter Scharten wahrgenommen wurde. Heinrich hatte nämlich die Gewohnheit, nach beendigter Vormittags=Bureauzeit, zum Frühschoppen zu gehen. Zum Frühschoppen? ist denn das etwas so schlimmes, aber das arme Frauchen muß, wenn der Mann die Freunde gar zu unterhaltend findet, oft halbe Stunden oder noch länger mit dem Essen warten, und angenehm ist das nicht, das wird jede Hausfrau bestätigen. Aber Mariechen war liebenswürdia genug, me etwas zu fagen, leichiam neckend: nun3 klang; nur ab und zu fragte sie, gleichsal nruehb: nun: war es wieder so sehr interessant? worauf sie stets nur eine halbe, leicht entschuldigende Antwort erhiett. Eines Tages war Heinrich nicht zum Frühschoppen gegangen, und kam sogar schon etwas vor der Essenszeit nach Hause; nun aber war Mariechen nicht da! „Wo ist denn meine Frau?“ fragte Heinrich die Köchin, fast erstaunt.„Weiß nicht Herr Müller; sie ist aus gegangen, antwortete gedehnt die etwas mürrische KöHeinrich wartete mit einiger Ungeduld, ja er fragte wartet haben? Endlich ist sie da.„Wo warst du denn, Mariechen?“ fragt er dennoch fast vorwurfsvoll.„Beim Frühschoppen, gestrenger Herr Gemahl," erwiderte sie lachend mit neckischem Knicks;„aber nun komm zu Tisch!“— Damit war das Kapitel erledigt. Du wirst immer pünktlich sein, denkt Heinrich, und am nächsten Tage kommt er auch wirklich zeitig, aber gerade, als Mariechen im Begriff ist, in Hut und Mantel fortzugehen.„Noch vor Tische fort?“ fragt er freundlich.„Nur einen Augenblick, Heinrich, ich bin gleich wieder da!“—„Was hast du da denn unter dem Mantel?“ fragt er. Sie will ihm lächelnd ohne Antwort entwischen, aber dabei schlägt der Mantel auseinander und es kommt ein Körbchen zum Vorschein; er faßt es an, es ist schwer.—„Ein Körbchen?“ sagt er,„was hast du denn darin und wohin soll es, wenn ich es wissen darf?“ O gewiß, Heinrich, erwiderte sie eilig,„ich wollte meiner Schneidersfrau etwas Essen bringen; sie hat ein Kindchen, und es geht ihr so ärmlich!“— willst es hintragen?“ gibt er zurück.„Ach ja, lieber Mann, unsere Köchin ist so unfreundlich, ich fürchte, möchte die arme Frau irgendwie kränken!"— Indem sie das sagte, erglühte ihr liebes Gesichtchen in flammendem Rot, wie eine frisch aufgeblühte Rose.—„Die Rosen der heiligen Elisabeth!“„jetzt erst verstehe ich die reizende Legende! Geh' in Gottes Namen, mein Liebling, ich wart gern, und wenn es Stunden wären!" Aber Mariechen ist bald wieder zurück; das Rot auf ihren Wangen blüht noch immer, aber es ist das Rot freudiger Erregung, erfrischt durch einen Tautropfen, die aus den himmelblauen Augen über die Wangen gerollt sind, wo der frische Frühlingswind sie schmeichelnd weggeküßt hat. „Sonderbar!“, sagten die Freunde,„der Heinrich läßt sich gar nicht mehr beim Frühschoppen sehen. Kleine Chronik. Berlin, 28. Nov. In der gestrigen VormittagZiehung der Preußischen Klassenlotterie fiel der Hauptgewinn von 500000 Mark auf die Nummer Berlin, 28. Nov. Bei den heutigen Ersatzwahlen von 16 Stadtverordneten der dritten Abeilung sind. gewählt 12 Sozialdemokraten, 2 Freisinnige. In= Bezirren kommen die Freisinnigen in Stichwahl mit den Sozialdemokraten bezw. bürgerlichen Parteilern. Die Frei#### nigen verloren 5 Bezirke an die Sozialdemokraten. + 450000 Weihnachtsbäume trafen in Berlin ein. Die Edeltannen sin sehr teuer, da die Zufuhr hierin sehr In Warschau wird gegen 32 Personen, darunter mehrere Bankiers, verhandelt, die angeklagt sind, lange Zeit hindurch 500=, 25= u. 5 Rubelscheine gefälscht u. ver“ Ein Koffer mit der Auschrift„Frisches Wild“ traf dieser Tage bei einer Spediteurfirma in Kraßnowodsk (Südrußland) ein. Als man ihn öffnete, bot sich ein schrecklicher Anblick dar: man fand die zerstückelte Teiche einer älteren Frau. Daneben lagen zwei Kleidungsstücke, Schuhe und Patronen. + Rotterdam, 28. Nov. An Bord der„Caleoonia“ die im hiesigen Hafen ankert, ereignete sich eine Benzinexplosion. Drei Matrosen wurden getötet und 4 tötlich verletzt. Das Schiff erlitt erhebliche Beschädigungen. Die Ladung mit Benzinfässern ist augenblicklich noch ge4 Belgrad, 28. Nov. In der Sparkasse einer Abteilung für Versicherungswesen wurde eine Unterschlagung von 60000 Franks entdeckt. Beschuldigt werden drei Be(006“. Er Lokales. Schwerte, 30 November 1903. **(Evangelisation.) Mit dem gestrigen Tage begann in den beiden evang. Gemeinden unserer Stadt die bereits angekündigte Evangelisation durch den Prediger Dannert. Die schöne geräumige Kirche der größeren Gemeinde war schon am ersten Tage abends 8½ Uhr gut besucht. Herr Prediger Dannert(übrigens nicht Pastor, wie wir vor einigen Tagen schrieben), sprach über Offenb. Joh. 3, 7 und 8 und zeigte im Anschlug un vieses Wort den Hörern verschiedene Schlüssel Gottes und Riegel der Menschen. Die Kirche war prächtig erleuchtet und gut geheizt. Heute nachmittag 4½ Uhr findet in der reformierten Kirche Bibelstunde, heute abend 8½ Uhr in der großen Kirche Evangelisation statt und so fort 14 Tage hindurch. Das Thema für heute lautet: Lässige Hände: Die Besucher haben mit einer Stunde Zeit zu rechnen, da pünktlich angefangen und pünktlich aufgehört wird. Wir verweisen auf das Inserat in heutiger Nummer. ***(Abschiedsessen.) Zu Ehren des am 1. Dezember von Schwerte scheidenden Bahnmeisters Herrn Erzberger hatten die Beamten der hiesigen Station am Samstag abend in den Räumen der Bahnhofsrestauration ein Abschiedsessen veranstaltet, welches einen anregenden, gemütlichen Verlauf nahm. Küche und Keller des Herrn Ottlinghaus bewährten auch diesmal ihren guten Ruf. *** In unserem Artikel über den Straßenbahn=Unfall in Nr. 273 unserer Zeitung lief eine abfällige Notiz über einen städtischen Beamten unter, welche, wenn nicht auf persönlichem Jagdneid, so doch mindestens, auf grobem Irrtum beruht, weil jener Beamter arerhaupt nicht in dem Straßenbahnwagen war, vielmehr seine rege Tätigkeit innerhalb seines Berufes nachweisen kann. **(Gegen 234 Wehrpflichtige,) die sich des Militärdienstes entzogen haben, wird in der letzten Nummer des Regierungs=Amtsblattes der Steckbrief erneuert. Auch ein bosez(Recht pslegelhaft) benahmen sich gestern abend auf der Hörderstraße zwei Gymnasiasten, deren Namen wir diesmal noch nicht nennen wollen. Sie suchten mit einigen hiesigen Lehrlingen, Söhnen achtbarer Bürgersleute, Streit anzufangen und drohten mit einem Tesching, schossen auch, als die Bedrohten ruhig ihres Weges weiter gingen, mit diesem gefährlichen Spielzeug. In der H singstraße sahen die angerempelten jungen Leute die be den Teschinghelden wieder und meldeten nun sofort einem zufällig anwesenden Polizeibeamten den Vorfall in der Hohenzollernstraße. Die beiden Schüler leugneten, ein Tesching bei sich zu führen, doch fand der Beamte bald die Waffe bei ihnen und konfiszierte sie. **(Der deutsch=evangel. Frauenbund) ruft mit dem 1. Januar die längst gewunschte Stellenvermittelung für weibliches Personal ins Leben. Es wird dadurch den Mädchen erleichtert, eine Stelle zu finden, indem sie jederzeit erfahren können, wo Stellen frei sind und auch den Mädchen die Stellen(bis auf einige Groschen Einschreibegeld) kostenlos vermittelt. Ebenso werden Kindergärtnerinnen, Haushälterinnen, Stützen usw. Stellen bear(Konzert.) Der Gesangverein„Cäcilia“ beabsichtigt nach Neujahr ein Konzert zu veranstalten, dessen Reinertrag zum Besten des kath. Kirchenbaues bestimmt **(Die Meisterkurse) an der Handwerkskammer Dortmund beginnen, wie uns mitgeteilt wird, am 11. Januar 1904 für Schuhmacher und Schneider. Erforderlich Anmeldung ist die Einsendung eines Aertu *(Nette Aussichten für den Winter.) Nach de „Allgemeinen Fleischerzeitung“ ist eine beträchtliche Steigerung der Preise für Rind=, Kalb= und Hammelfleisch in Gicht. Der Berliner Viehmarkt hat innerhalb fünf Tagen eine Steigerung von 17 Proz. bei Rindern, 11 Proz. bei Schafen und 30 Proz. bei Kälbern gezeigt. **(Ein Chor=Appell) der ehemaligen 131er Rheinland=Weftfalens findet am 16. Juni n. J. in Witten statt. Als Ehrengast ist der Generaloberst Graf Haeseler, von Soldaten und dem Volksmunde der„lange Heinrich“ genannt, eingeladen worden. Graf Haeseler hat die Einladung angenommen mit dem Wunsche, daß dem Appell ein gutes Gelingen beschieden sei. **(Ist die Milch gefälscht?) Fogende einfache Methoden gibt es, um Milch zu prüfen, ob sie verfälscht sei oder nicht. Man steike eine blanke Stricknadel in die Milch und ziehe sie senkrecht wieder heraus; bleibt etwas Milch an der Nadel hängen, so ist sie ungemischt, andernfalls aber gefälscht. Ferner: bringt man einen Tropfen Milch auf den Daumennagel, so darf jener nicht auseinanderfließen, sondern muß eine gewölbte Gestalt behalten; zerfließt er dagegen, so ist Wasser in der Milch. ** Geisecke, 30. Nov. Der M.=G.=V.„Germania“ hält am 17. Januar seine Weihnachtsfeier, verbunden mit Kaisersgeburtstagsfeier, im Saale des Herrn Eichmann ab. Verschiedene Liedervorträge, abwechselnd mit einigen Theaterstücken, werden zur Aufführung gelangen. Aus Westfalen und Rheinland. ** Dortmund, 28. Nov. Der Etat der Dortmunder Berufsfeuerwehr wird im nächsten Jahre wieder bedeutend steigen. Die Zahl der Feuerwehrleute, soll um einige vermehrt, eine besondere Schreibkraft soll angestellt und für den Branddirektor ein besonderes Gespann mit Wagen angeschafft werden, damit der Branddirektor ebenso schnell an der Brandstätte eintreffen kann, wie die Wehr selbst. Wenn die Stadtverordneten die Ausgaben bewilligen, wächst der Etat der Berufsfeuerwehr von 89000 Mk. auf über 100000 Mk. jährlich. * Iserlohn, 28. Nov.(Unglücksfall.) Am Diensag vormittag stürzte aus der 3. Etage des Hauses Querstraße Nr. 4 das 1½jährige Kind des Fabrikarbeiters H. Siebert und erlitt einen doppelten Schädelbruch. Das Kind ist inzwischen gestorben. * Witten, 28. Nov. Das zur Ehrung Louis Vergers auf dem Hohenstein bei Witten errichtete Denkmal steht vollendet da. Turm und Terrassen, im vorigen Jahre nach einem Entwurfe des Architekten Paul Baumgarten in Berlin erbaut, finden allgemeinen Beifall. An einer Außenseite des Turmes ist das von dem Bildhauer Arnold Künne in Berlin geschaffene, in Kupfer getriebene Bildnis Bergers angebracht. Da dieses erst vor kurzem geliefert wurde, war es nicht möglich, noch im sommer, wie geplant, die Feier der Einweihung des Denkmals stattfinden zu lassen. Der ungünstigen Jahreszeit wegen mußte diese jetzt darauf beschränkt werden, daß gestern in Gegenwart der Familie Berger und der Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses die Enthüllung des Bildnisses geschah. Unter diesem steht die Inschrift:„Dem treuen Freunde des Volkes und mutigen Verfechter seiner Rechte, dem allzeit hülfsbereiten Manne errichtet von Freunden und Verehrern." Es ist beabsichtigt, im nächsten Sommer eine ErinnerungsNach Aussage der Ueberlebenden hat die Kammeradschaft angenommen, daß sämtliche Schüsse zur Entladung gekommen seien; wahrscheinlich ist aber ein Schuß zurückgeblieben, der später durch Aufschlagen mit der Hacke zur Entladung gekommen ist. * Milspe, 28. Nov.. Durch eigenes Verschulden hat sich die Fabrikarbeiterin Emma H, die in der hiesigen Holzschraubenfabrik mit Messerschleifen beschäftigt ist, für ihr Leben unglücklich gemacht. Sie warf im Zorn einige Messer zur Erde. Eines von diesen sprang zurück und traf die H. ins Auge. Auf Anordnung des Arztes erfolgte die Ueberführung in die Augenklinik nach Hagen, doch dürfte das Auge nicht mehr zu retten sein. Elberfeld, 28. Nov. Die Strafkammer verurteilte 51 Militärpflichtige aus Solingen, Remscheid und Elberfeld, welche, um nicht Soldat werden, zu müssen, ausgewandert sind, wegen Entziehung der Wehrpflicht„in iontumatiam“ zu je 160 Mk. Geldstrafe eventl. 16 Tagen 2 Ohligs, 28. Nov.(Durchgekrannt.) Der Postassistent F. von hier ist seit Dienstag abend verschwunden. Ob Unterschlagungen vorliegen, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. F. lebte auf großem Fuße. Kurz vor seiner Abreise hat er noch auf verschiedenen Stellen Anleihen gemacht. Köln, 28. Nov.(Fünfzig Aerzte gesucht!) Der Konflikt zwischen Aerzten und Krankenkassen veranlaßt den Verband der Orts= Betriebs= und Innungskrankenkassen zur Veröffentlichung eines Inserats, in dem es heißt:„Gesucht zirka fünfzig Kassenarzte für Köln für 38 Krankenkassen(62 300 Versicherte). Durchschnittliches Jahresgehalt ca. 6000 Mark, davon ein Drittel Fixum. Fünfjähriger Vertrag. Privatpraxis gestattet. Diskretion zugesichert. Feier an Berger bei dem Denkmal zu veranstalten. * Witten, 27. Nov. Der„Verein für Orts= und Heimatkunde in der Grafschaft Mark“ wird hierselbst ein Museumsgebäude errichten, für welches er bereits einen sehr schönen Bauplatz an der Blücherstraße besitzt. Pläne für den Bau hat der Königl. Baurat Herr Professor Stier=Hannover entworfen; sie sind vor einigen Tagen beim Vorstande hierselbst eingetroffen. Herne, 28. Nov.(Unglücksfall.) Vorgestern morgen verunglückte auf der Zeche Shamrock 1 und 2 der Förderaufseher Heinrich Bause dadurch tötlich, daß ihm, als er an der Anschlagsohle eines blinden Schachtes stand, ein Stü ckStein von der doppelten Größe einer Faust aus dem Schacht heraus auf den Kopf fiel. Die Schädeldecke wurde durschlagen, sodaß B. noch während des Transportes in der Grube starb. B. hinterläßt eine Familie, bestehend aus seiner Frau, zwei Kindern und der bei ihm wohnenden Mutter.. 81 Tt * H a t t i n g e n, 2 8. N o v. D e r f r u h e r e G e n v a r m F u h r mann von hier, der in dem Verdacht steht, einen Geldschrank auf der Henrichshütte erbrochen und um„ Mark bestohlen zu haben, hat sich dieserhalb am 12. Tez. zu verantworten. * Aus dem Sauerlande, 27. Nov. Eine heitere Geschichte passierte dieser Tage einem Schulinspektor. Der gestrenge Herr ging vom Bahnhofe zu der etwa zwanzig Minuten entfernten Schule. Unterwegs überholte er einen chulbuben. Auf seiner Frage:„Wohin gehst Du denn, mein Keiner?" erhielt er prompt zur Antwort:„Dat kannst Du doch wuall sein!“(Er zeigte auf seinen Schulranzen.) Verblüfft sieht ihn der wohlwollende Herr an und meint:„Du könntest doch wohl ein wenig freundlicher sein. Weißt Du denn noch nicht, wer ich bin?“ Ebenso prompt wie zuerst erfolgt die treffende Antwort bis de knurrige Schaulrot; owwer wachte, mik kriste dün ag nitt.“ Sprach's und verschwand und ließ sich an dem age in der Schule nicht blicken. ** Münster, 28. Nov. In dem Postetat sind unter anderem ausgeworfen für ein Oberpostdirektionsgebäude in Münster(Westf.) 100000 Mk., für Minden (Westf.) 300000 Mk. * Münster, 28. Nov.(Ein seltsamer Farl. Passanten des Neuplatzes wurden auf einen etwa zehnjährigen Jungen aufmerksam, der laut schreiend mit dem Rufe:„Ich habe ein Messer im Kopf!“ besinnungslos zu Boden stürzte. Ein Herr trug den Jungen sofort in das Garnison=Lazaret, wo man letzterem ein dolchartiges Messer, das etwa vier Zentimeter tief in der Schädeldecke stat, entfernte. Gleich darauf erholte sich der Junge, und nachdem ihm ein Verband angelegt war, entfernte er sich ganz munter. Er gab an, daß ein anderer Junge ihm beim Spielen(!) das Messer in den Kopf gestoßen habe. — Das sonderbare Spiel hat einen wunderbar glücklichen Ausgang genommen. * Sterkrade, 28. Nov. Gestern abend 10½ Uhr sind auf dem dern Gesellschaft Gutehoffnungshütte gehörigen Schacht Sterkrade bei Sterkrade wahrscheinlich durch sen 2 sich im Querschlagbetriebe des Unternehmers Meyer. stimmt. Freudenberg, 27 Nov.(Ein sonderbarer Eisenbahnunfall.) Recht schlimm hat das hier am Samstag Abend herrschende Unwetter, das von onner und Hagel begleitet war, einem Eisenbahnpassagier mitgespielt, der auf der Strecke Kirchen=Freudenberg nach Asdorf fahren wollte. In der Nähe der genannten Station bemerkte der Lokomotivführer auf dem Geleise vier Tannen liegen, die der Sturm umgeweht hatte. Er brachte den Zug, der dicht am Asdorfer Weiher vorbeifuhr, zum Stehen; in der Meinung, der Zug halte auf der Station, öffnete ein Fahrgast die Tür und sprang hinaus— ins Wasser. Laute Hilferufe riefen das Fahrpersonal herbei, das sich an die Rettung des Sinkenden machte. Diese gestaltete sich nun insofern schwierig, als der starke Sturm und die Dunkelheit ein sicheres Eingreifen verhinderten. Als es endlich gelungen war, den bereits leblosen Körper ans Land zu bringen, bedurfte es der energischsten Wiederbelebungsversuche, um das fast entschwundene Leben wieder anzufachen. * Wesel, 28. Nov.(Selbstmord.) Leutnant Berger hat sich gestern nachmittag erschossen. Der Beweggrund der Tat ist unbekannt. Der Verstorbene lebte anscheinend in geordneten Verhältnissen. *** Krefeld, 27. Nov. In der Beleidigungsklage des Verlegers der„Kref. Zeitg., Karl Kramer, gegen den Verleger Karl Hotes und den verantworlichen Redakteur Hubert Weyers der„Kref. Bürgerzeitg., sprach heute das Schöffengericht das Urteil. Die„Bürgerzeitung" war von der„Krefelder eZitung" beschuldigt, Telegramme der„Kref. Ztg. ohne Quellenangabe nachgedruckt zu haben, worauf das letztere Blatt diese Beschuldigung mit beleidigenden Aeußerungen, die sie gegen den Verleger Karl Kramr richteten, zurückwies mit der gleichzeitigen Erklärung, bei Ueberführung des Diebstahls 2000 Mark für das geplante Kaiser=Friedrich=Denkmal stiften zu wollen. In der anhängig gemachten Beleidigungsklage wurde heute vor dem hiesigen Schöffengericht das in der Bürgerschaft mit Spannung erwartete Urteil gesprochen. Nach dem Erkenntnis wurde Karl Hotes(Verleger der Bürgerztg.") zu 525 Mark und Hubert Weyers(Redakteur der„Bürgerztg.“) zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Sämtliche Kosten wurden den Verurteilten zur Last gelegt und den Beleidigten das Recht zugesprochen, das Urteil in den vier Tagesblättern zu veröffentlichen. Das Gericht erkannte an, daß die„Krefelder Bürgerztg. Depeschen der„Krefelder Ztg. ohne Quellenangabe nachgedruckt hat. Das Ergebnis des beim Landgericht in Düsseldorf gegen die„Bürgerztg. anhängig gemachten Verfahrens auf Zahlung der 2000 Mark für das Kaiser=Friedrich=Denkmal dürfte nach Vorstehendem nicht zweifelhaft sein. Naumburg, 26. Nov. Wie mitgeteilt, wurde in der Weimarer Lotterie der Hauptgewinn von 60000 Mk. auf Nr. 76271 gezogen, zu dem sich noch kein Abnehmer gefunden hat. Ein hiesiger armer Schuhmachermeister W. hatte von einem Kolporteur das Los mit genannter Nummer gekauft und die Nummer sofort in ein Notizbuch geschrieben. Das Los legte er in die Kommode. Als ihm jetzt die frohe Botschaft von dem Gewinne zu Ohren kommt, kann er das Los trotz allen Suchens nicht wiederfinden, worüber er samt seiner Familie ganz kopflos geworden ist. Im Buche steht die Nummer, aber das Los fehlt; vermutlich haben es seine Kinder zum Spielen mit auf die Straße genommen. (Die Hunde des Südpolarschiffes„Gauß“) in Kiel an Land gebracht worden. Es gab kein Halten mehr an Bord und die Tiere stimmten ein wahres Freudengeheul an. Mit einer Ausnahme waren alle Hunde (20 ausgewachsene, 21 junge) wolfartig, aber in verschiedenen Schattierungen, in Wolfsfarbe, schwarz, weiß und scheckig. Die Tiere haben sich während der Fahrt in der Eisgegend ausgezeichnet bewährt, zeitweilig war ein Höchstbestand von 105 Hunden zu verzeichnen. Emn großer Teil wurde beim Antritt der Heimreise erschossen, weil die Ueberführung nach Deutschland zu umständlich war. Der ganze *(Ein bewegtes Leben) Aus Kassel wird geschrieben: Im Elisabeth=Hospitale erlag hier einem Gallensteinleiden Otto Engelbert Freiherr v. Brackel, ein Mann von bewegter, fast abenteuerlicher Vergangenheit. Er gehörte als Offizier der papstlichen Garde an, trat in Napoleonische Dienste und ging dann mit der französischen Expedition nach Mexiko; wo er später in die Dienste des Kaisers Maximilian trat und bis zum Oberstleutnant aufrückte. Zahlreiche Siege hat er gegenüber den Aufständischen erfechten helfen, bis schließlich mit dem Sturze und Tode seines Kaisers auch seine Offizierslaufbahn ein jähes Ende fand. Er wurde dann Sprachlehrer und Journalist in Mexiko; bekannt wurde er durch seine zahlreichen Artikel über Kaiser Maximilians Hinrichtung, deren Augenzeuge zu sein er gezwungen war, sowie über die mexikanische Kaiserperiode im allgemeinen. Als er älter wurde, kehrte er nach Deutschland zurück, wo er sich mit belletristischen und kulturhistorischen Arbeiten befaßte. Mit besonderem Stolze nannte sich der alte Herr einen Frrund des Präsidenten Diaz von Mexiko, der den Deutschen bekanntlich großes Wohlwollen entgegen*(Wegen Ermordung seines Freundes) wurde in München der Arbeiter Kanamüller zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Ermordete namens Neumann lebte in glücklichster Ehe, bis K. zu ihm zog. Da begann er seine Frau zu mißhandeln, so daß die Scheidung erfolgte. K. übte auch fernerhin auf N. den unheilvollsten Einfluß aus. Er machte ihn zum Trunkenbold und zwang ihn, in den Bierlokalen zu musizieren, das Geld aber steckte er ein. Eines Abends erschlug er den Freund mit einem Beile. Er gab vor Gericht an, in der Notwehr gehandelt zu haben, im übrigen bereute er die Tat nicht. Selbsttäuschung. Junger Dichter:„Es ist doch großartig, was jetzt die Post leistet. Heute morgen hab ich meine Gedichte an die Redaktion geschickt und abends waren sie schon wieder zurück!“ Büchertisch. Was ist das Konversations=Lexikon? Eine„Eselsbrücke"? So hieß es vor 107 Jahren, als die erste Auflage des Brockhaus erschien. Und vielleicht mit Recht, denn auf dem Titel stand„Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung vorkommenden Gegenstände.“ Auch heute noch ist es eine bequeme Eselsbrücke für alle, die sich nur oberflächlich orientieren wollen— ohne daß sie deshalb Anspruch auf den ehrabschneiderischen Titel eines Esels erheben! Sein merkwürdiger Name deckt aber heute etwas ganz anderes als damals, der Brockhaus umfaßt jetzt, man kann sagen, die ganze Welt.. Er ist ein Schatzkästlein voller köstlicher Aufklärung, eine Medizin gegen Langeweile wie gegen Wissensnot, ein Handwerkszeug für den Gebildeten wie für den nach Weiterbildung Strebenden; er ist für den Kulturmenschen: das notwendige Buch. Jede seiner 14 Auflagen spiegelt getreu ihre Zeit und behält ihren literarischen Wert für die dargestellte Periode; die ersten fünf Auflagen spiegeln die Zeit um 1813, die nächsten vier Auflagen die Zeit bis zum Revolutionsjahr 1848, die folgenden drei schließen ab mit der großen Epoche von 1870, die 13. Auflage mit dem Ende des 19. Jahrhunderts und die 14. Auflage hält fest für alle Ewigkeit die köstliche Aufklärung, die wir erleben dürfen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Viel Licht und freilich auch tiefer Schatten zeigt sich dem Nachschlagenden. Wie wirs so herrlich weit gebracht— auf manchen Gebieten, wie wir noch tief in Aberglauben und Unkenntnis stecken in andern. Wer seine, wer unsere Zeit verstehen will, sei er Regierter sei er Professor oder Handwerker, sei er Meister oder Schüler auf einem Gebiete, der kann in unserem Zeitalter der Mittätigkeit bei Stadt= und Gemeindeverwaltung, bei Innungen und Krankenkassen, bei Vereinen und Gesellschaften, als Vater eines Gymnasiasten, eines Realschülers oder einer „höheren Tochter“, den Brockhaus nicht entbehren. Wir können nicht alles selbst wissen und kennen, aber eins müssen wir wissen: wo wir nachzuschlagen haben, um uns zu orientieren; und das ist im Brockhaus und immer wieder im Brochaus!... g. 99.35. Jetzt ist es Zeit ihn anzuschaffen und ihn zu Weihnachten zu verschenken, denn soeben sind seine stattlichen 16 Bände mit ihren Hunderttausenden von Stichworten und Bildern und Karten komplett erschienen von Und was kostet der Brockhaus, ist er erschwinglich auch für schwache Geldbeutel? Wir haben ausgerechnet, daß die von 300 hervorragenden Sachverständigen verfaßten ca. 18000 Seiten zeilenweise nebeneinandergelegt eine Länge von 160 Kilometern Wissenschaft ergeben. Würde das Wissen wie Schnittwaren verkauft, so kosteten 8 laufende Meter Bildung nur einen Pfennig! 10 Gebote für Hausgenossen. 1. Man sei stets nachgibig, ohne sich gerade alles gefallen zu lassen. möglich den näheren Verkehr. 3. Man lasse sich nie über die Mitbewohner von den dienstmädchen 2c. erzählen... 9em 4. Man halte nie dieselbe Waschfrau, Nayerin 2c. 5. Man nehme nie ein Mädchen, das schon im Hause 1886s. Elich 7. Man unterlasse das gegenseitige Entleynen; kommt es aber doch einmal vor, so gebe man das Geliehene bald mit Dank zurück. S6.. 7. Hat man auf der Treppe oder im Hausgang etwas verstreut oder ausgegossen, so lasse man es sofort sauber beseitigen.... P. Zicht auf die nehan uher 8. Man nehme stets Rucsicht auf die neven, über oder unter sich Wohnenden durch Vermeidung alles unnützen Lärms, Getrampels und besonders Mißhandlung des Klaviers; unterlasse das Ausschütteln von Teppichen, Vorlagen 2c. aus den Fenstern, sowie das Uebergießen der Blumen und Fenstergesimsen, 9. Hört man einen Wortwechsel, so schließe man seine Fenster und entferne sich, um nichts davon zu verstehen. 10. Man bilde sich niemals ein, die gesittesten und bravsten Kinder zu haben, und lehre sie neben den zehn Geboten Gottes auch die vorstehenden frühzeitig kennen. Eigener Depeschendienst der„Schwerter Berlin, 29. Nov. An der Elbemündung sind, wie aus Hamburg gemeldet wird, fünf Fischerkutter mit 15 Mann Besatzung verschollen. Berlin, 29. Nov. Der vorgestern auf die Nr. 135 927 entfallene Hauptgewinn der preußischen Klassen=Lotterie ist in Berlin geblieben und auch die mit der Nr. 102 968 gezogene Prämie von 300000 Mk. ist in den Besitz von Spielern in der Provinz Brandenburg gelangt. Berlin, 29. Nov. Die„Nat. Ztg.“ berichtet aus Forbach, daß von den Offizieren des lothringischen TrainBataillons Nr. 16 gegenwärtig nur drei Dienst tun und zwar der Rittmeister Hägele, Oberleutnant Habenicht und Leutnant von Flemming. Die anderen Offiziere des Bataillons sind teils krank, teils beurlaubt. Eisenach, 29. Nov. Der Einjährige Clausen aus Hamburg von der 6. Kompagnie des 94. Regiments erschoß sich gestern abend. Die Gründe sind anscheinend nicht dienstlicher Natur. München, 29 Nov. Gestern nachmittag griffen im Schleißheimer Revier zwei Gensdarmen zwei Wilderer auf. Der eine der Wilderer, der auf einen Gensdarmen angelegt hatte, wurde von diesem durch einen Schuß in den Kopf sehr schwer verletzt, der zweite wurde festgenommen und in die Fronfeste nach München eingeliefert. Petersburg, 29. Nov. Alle Behörden der westlichen Provinzen erhielten strikten Befehl, umfassende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, da sich neuerdings eine heftige sozialistische, regierungsfeindliche Bewegung unter der Arbeiterbevölkerung dieser Provinzen bemerkbar mache. — Die Enthebung des Generalgouverneurs der Weichselprovinz Czertkow von seinem Posten steht unmittelbar bevor.„„ E. Oran, 29. Nov. Eine 65jährige Frau, welche als Marketenderin am deutsch=französischen Kriege 1870/71 teilgenommen hatte, wurde von zwei hiesigen Einwohnern überfallen, ermordet und ihrer Ersparnisse in Höhe von 6000 Franks beraubt. sich stets freundlich, meide aber wo Verantwortlich für den redaktionellen Teil Wilh. Shade. Beste Qualität! Hd Berlin, 30. Nov. Eines der verschollenen Finkenwärder Fischerboote ist jetzt gerettet in Cuxhaven eingetroffen. Ein Mann der Besatzung ist ertrunken, ebenso die Besatzungen der vier als verschollen gemeldeten Boote. Hd Berlin, 30. Nov. Wie aus Teplitz gemeldet wird, ist der 12 Meter hohe Aussichtsturm bei Hauska vom Sturm umgeworfen worden. Hd Berlin, 30. Nov. Nach einer Meldung aus Trier erklärt die„Trier. Landes=Ztg." die Meldung, Bischof Korum wolle abdanken, für falsch. Hd Worms, 30. Nov. Der hier 6½ Uhr abends ankommende Personenzug von Monaheim ist bei der Station auf den das Einfahrtssignal erwartenden Arbeiterzug aufgefahren. Drei Wagen des Arbeiterzuges wurden demoliert und die beiden letzten Wagen des Personenzuges entgleisten. Menschen wurden nicht verletzt. Wien, 29. Nov. Nach einer Meldung aus Budapest hat der gestrige erfolgreiche Versuch der Niederringung der Obstruktion allgemein die Ueberzeugung wach gerufen, daß innerhalb kurzer Zeit die Rekrutenvorlage und die Indemnität votiert werden wird. In Regierungskreisen ist man der Ansicht, daß die Obstruktion erst im Abgeordnetenhause beseitigt werden muß und dann unter dem Eindruck dieses Erfolges, der auf die Wählerschaft seine Wirkung nicht verfehlen wird, die Neuwahlen ausgeschrieben werden sollen. Wetterbericht. 1. Dez.: Wärmer, meist bedeckt, Niederschläge. 30. Novbr. Heute nachmittag 4½ Uhr: Größte Auswahl! Willigste(Küsingstr. 16 Carl Schumacher. 90 Weizenmehl 000 garant. weiß= u hochbackend per Pfd. 10½ Pfg. Roggenmehl, gebeuteltes, Stampfzucker Würfelzucker Rosinen ohne Steine Korinten Apfelringe„„ 35 bei Abnahme von 5 Pfd. per Pfd. 8 Hühnerfutter„„ 7 Braune Seife per Pfd. 13 u. 15 Silberseife„„ 17 Petroleum„ Liter 17 Süßrahmbutter in ½ u. 1 Pfund=Stücken per Pfd. 1,20 Mk. bei Julius Boecker, Hagenerstr. 8. Schwerte. Hagenerstr. 8. Fernsprecher 76. MOikereisurtel (anerkannt feine Qualität) per Pfd. 1,30 Mk. Carl Trog. 30. Novbr. Sanitäts-Bazar Pr. K. Adamkiewich, Dortmund, Westenhellweg 126. 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