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zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeil­40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr.

Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraft.

Es erscheint dringend erwünscht, dafür zu sorgen, daß in unzweideutiger Weise über allgemein interessie­rende Einzelheiten vom Kaiserlichen Hofe Mit­teilungen an einer Stelle gemacht werden, die jedes Miß­verständnis ausschließt. Die Krankheit des Kaisers woran man ist. Da soll kein unberufener Mund sich da­der vor acht Tagen erfolgten offiziellen Mitteilung nicht mehr ausgegeben, da die Heilung der Operationswunde in befriedigender Weise fortschreitet, mithin waren solche Veröffentlichungen, von den Aerzten unterzeichnet, auch nicht mehr nötig. Diese Unterlassung darf aber nicht dazu führen, daß sich nunmehr die Verbreiter von aller­lei Komibnationen in die Brust werfen und die öffentliche Meinung mit Sensations=Nachrichten erfüllen können. Bei der tiefen Anhänglichteit, welche die deutsche Nation dem Kaiser entgegenbringt, wird derartiges nicht gern ge­sehen, man will in der Bevölkerung zuverlässig wissen, woran man ist. Da soll kein unberuiener Mund sich da­zwischen drängen.

So war es mit dem plötzlichen Auftauchen privater Nachrichten, der Kaiser werde einen Teil des Winters im Süden verbringen. Ganz zweifellos war hierbei der Wunsch schlauer Hotelbesitzer in mehreren südlich gelege­nen Orten der Urheber der Meldung, denn wo sich ein Gast einstellt, wie es der deutsche Kaiser ist, da kommt das Geld ins Rollen, weil dem hohen Herrn Tausende Fremden folgen. Durch die Aufnahme solcher Nachrich­ten in die Presse sollte die Aufmerksamkeit des Kaisers auf solche Orte gelenkt werden, welche sich auf den Besuch wünschten. Von San Remo aus fing man an, dann ka­men Kurplätze in Südtirol, hierauf wieder italieni­sche u. s. w. Für alle diese Orte war die Nichricht nur Spekulations=Objekt, und es ist erfreulich, daß dem in der deutschen Presse entgegengetreten, die Geschichte als das bezeichnet wurde, was sie in Wirklichkeit wert war.

Nun sind die ersten Mitteilungen durch andere, aus deutscher Quelle stammende ergänzt, die es zwar nicht als gewiß, aber doch als möglich hinsteuen, daß der kaiserliche Herr nach Weihnachten eine Erholungsreise nach dem den unternehmen werde. Das ist durchaus nichts Außer­gewöhnliches, die kaiserliche Familie hat schon mehr als einmal gegen das Frühjahr hin Ausflüge nach lien und Sizilien, sowie nach Abbazia unternommen. Aber weil das Polyp=Leiden jetzt in Betracht kommt, so fällt diese Reise=Möglichkeit doch auf. Sie hat mit der entfern­ten Neubildung rein gar nichts zu tuen, sie wäre auch kaum beachtet, wenn sofort von authentischer Stelle hier­über Auslassungen erfolgt wären; damit war dann die Erörterung abgeschlossen. Jetzt, wo eine Privat­meldung diese, die andere jene Einzelheit e##hält, die zu­meist auf Vermutungen beruhen, nimmt die Diskussion

= Sinnsprüche.

Der Sturm sprach einst: Ich kenne Die Welt, denn ich zerpflücke sie;

Da sprach der Reif: Ich kenne Sie näher, ich erdrücke sie; Die Sonne lacht: Ich kenne Sie besser, ich beglücke sie!

Carmen Sylva.

kein Ende. Wird bei uns ganz selbstverständlich der na­türliche Takt bewahrt, so vergehen sich doch ausländische Zeitungen in Auslassungen, die zum Allermindesten sehr uberflüssig sind.

Als die Operation des Kaisers erfolgt und die ent­fernte Neubildung als vollkommen gutartig erkannt war, hieß es auch in verschiedenen Zeitungen, die Heilung der Operationswunde werde in acht Tagen, längstens in zwei Wochen erfolgen. Daß es so schnell auf den Tag gehen würde, konnte natürlich kein Arzt, am allerwenigsten ein Laie bestimmt voraussagen, und die Heilung dauert auch etwas länger. Ebensowenig konnte der volle, kräftige Sprachgebrauch so hastig wieder gestattet werden; der Kaiser würde es sich sonst sicher nicht haben nehmen lassen, der Rekruten=Vereidigung in Berlin und Potsdam beizu­wohnen und an die Mannschaften die gewohnte Ansprache zu richten. Das führt dann wieder zu allerlei Erzähl­ungen, obwohl hierzu kein Grund, auch der leiseste nicht, vorhanden ist. Aus allem ist aber ersichtlich, wie erwünscht es ist, unnötigen oder falschen Auslassungen sofort mit einigen Worten entgegenzutreten, bevor daraus allerlei ganz unzutreffende Mutmaßungen gezogen werden kön­nen.

Politische Uebersicht.

— Der einst so berühmte Silberbergbau im sächsischen

Erzgebirge beschränkt sich schon seit Jahren auf die Frei­berger Gruben, da die bergmännische Gewinnung des Sil­bers bei dessen jetzigem Preise die Kosten nicht mehr deckt. Und nun steht dieser Produktionszweig auch in und um Freiberg vor dem gänzlichen Erlöschen. In zehn Jahren soll die völlige Abrüstung des Freiberger Silberbergbaues vollzogen sein.

— Der„Prozeß Bilse“ hat einem vielseitig erfah­renen Offizier, dem Generalmajor z. D. Grafen Pfeil, Anlaß zu einigen Ausführungen im„Tag“ gegeben, die Beherzigung verdienen. Der General schreibt: Der Train ist keine Waffengattung wie Infanterie, Kavallerie oder Artillerie, sondern eine technische Truppe, etwa wie die Verkehrstruppen. Sein Offizierskorps ergänzt sich zum geringsten Teil aus dem üblichen Offizierersatz. Zum überwiegend größten Teil ist das Offizierkorps des Trains

kaum auf ihren Wunsch zum Train ver

werden. Welche Aussicht steht ihnen dort bevor? Einige wenige werden Trambataillons=Kommandeure; ganz sel­tene Ausnahmen können es zu Traindirektoren zum Range eines Regimentskommandeurs bringen! Wo soll da, trotz des besten Willen und Geistes, in den Train­

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offizierskorps Dienst= und Lebensfreudigkeit herkom­men, gar noch in elenden Grenzstandorten: Meines Er­achtens sollte das Offizierkorps des Trains kein stetiges, sondern ein Durchgangsoffizierkorps sein, wie bei den Verkehrstruppen. Es müßten besonders gut empfohlene Offiziere aller Waffen in den Train versetzt werden, wo­bei man zugleich die Gelegenheit fände, Vorpatentierungen stattfinden zu lassen; diesen Offizieren müßte gleichfalls die Laufbahn im Generalstab, der höheren Adjutantur und schließlich zu den höchsten Stellen offenstehen. Für den Kriegsfall hätte man dann die Möglichkeit, die wich­tigen Stellen mit vortrefflichen Offizieren zu besetzen. Durch eine solche einschneidende Neuerung wurde Lust und Liebe in den Traindienst kommen, zum Vorteil des Dien­stes sowohl wie des Offizierkors.

Italien.

= Skandale im Skandalprozeß. Der italienische Marineminister prozessiert gegen den„Avanti“, der ihn beschuldigt, in finanziellen Beziehungen zu Armeelieferan­ten zu stehen. Die Verhandlungen, die seit Freitag im Gange sind und natürlich eine Sensation für Rom dar stellen, nehmen einen geradezu skandalösen Verlauf. Im Laufe der Verhandlungen am Sonnabend spielten sich un­erfreuliche Szenen ab. Die Advokaten des Abgeordneten Ferri protestierten in heftiger Weise gegen die Verleum­dung der Gegenadvokaten. Es flogen Kosenamen wie „Schwein",„Schuft“ und dergleichen hin und her, und schließlich warf der junge Advokat Vettori, der zugleich Redakteur des konservativen Blattes„Giornale d'Italia“ ist, einem der Anwälte der Gegenpartei, dem republika­nischen Abgeordneten Comandini, das Tintenfaß ins Ge­sicht. Der Wurf war so wuchtig, daß der schönste Vorder­zahn des ehrenwerten Comandini zerschmettert wurde und eine Flut von Tinte und Blut sich über das Antlitz und die Toga ergoß. Dies war die Losung zu einem all­gemeinen Bombardement mit Tintenfässern, das die samtlichen zwanzig Advokaten der beiden Parteien bin­nen fünf Minuten in die Tintenbuben des Struwelpeters verwandelte; auch der Advokat Vettori erhielt ein Tin­tenfaß auf die Nase und ward von oben bis unten mit Tinte begossen. Die ganze Kampfszene vollzog sich unter großem Geheul des Publikums und einem durchbohren­den, rythmischen Rufen des Angeklagten Ferri:„Schmeißt die Rowdies hinaus! Schmeißt sie hinaus!“ Schließ­lich stürzten zahlreiche Polizeikommissare in den Saal und trennten die Kämpfenden, während sich der Gerichtshof „unter Protest" zurückzog. Als der angeklagte Sozialist Ferri und seine Verteidiger das Gerichtsgebäude verließen, wurden sie von der Volksmenge lebhaft beklatscht.

Amerika.

= Eine Siegesnachricht, die zu denken gibt, ist den Amerikanern von den Philippinen zugegangen. Dort

Sturm.

Novelle von E. Fahrow.

(27. Fortsetzung.)

Die elektrische Beleuchtung des Orts warf ihre Strahlen auf ein immer bewegter werdendes Bild.

Eine Militärkapelle spielte für die Kurgäste an der Promenade, während ein kunstloses aber kreuzfideles Orchester für die Bauern aufspielte.

Ein hübscher Bursch mit einem unternehmend auf­gezwirbeten Schnurrbärtchen in dem lachenden Gesicht machte seinen Kratzfuß und eine einladende Armbewe­

gung vor Therese.

„Servus! Belieben's a Länderl?

Therese beliebte.— Sie ließ sich von ihrem ver­gnügten Tänzer manierlich herumdrehen, indem sie nach ländlicher Art ihre beiden Hände auf seine Schultern

Auch Bill ward jetzt lebhafter. Er forderte Erna zum Tanz auf, allein diese dankte zunächst.

„Ländler ist kein flotter Tanz, Herr von Deisen.

Aberer sieß nicht abschrecken. Ganz lese bat er, b bichte hitt Sie, Fräslein Ernal Nur diesen einen Tanz! Wir nehmen Walzerschritte auf die Musik, das

geht. Nicht wahr, Sie sagen sich nicht nein? Erna, liebe Erna!“

Sie schloß eine Sekunde die Augen. Sein Ton über­rieselt sie warm und wohlig, und sie konnte der Bitte nicht widerstehen, mit der er„Erna“ gesagt.

Ein ungewisses, zaghaftes Lächeln umspielte ihren Mund, während sie sich jetzt willig von Bills Arm um­

schlingen ließ.... Bbuth

Fort schwebten sie in wiegendem Rhhthmus.

Der Professor fand, daß die elektrische Spannung inin der Luft zunehme, und entfernte sich von dem Tanz­

Bill hielt sonst aufs Srengste die Regeln der Etiket­te ein. Er wußte„es war nicht guter Ton, während des Tanzes zu sprechen, aber heute mußte er es tun, die Ver­suchung war zu groß.

„Mein Lieb!“ flüsterte er, die Lippen ihrem lockigen

Haar nähernd.

Er fühlte, wie sie ervevte, wie die ganze, schlanke Gestalt in seinen Armen matter ward, weicher.

„Mein Lieb!“ wiederholte er,„mein süßes Lieb! Erna hörte die liebe, zärtliche Stimme über sich raunen, wie im Traum.

Sie wehrte sich nicht, aber sie war auch unfähig, etwas, zu erwidern.„ g. v M.5

Nur dasselbe holde, halbe Tachem lag noch auf ihren Lippen und die dunklen Wimpern sanken wieder tief auf

die blassen Wangen herab.

„Erna, klang die Stimme durch den Walzertatt weiter,„sage mir, daß Du mein bist!“

„Oh!“ flüsterte sie schwach mit einem kaum merkli­

chen Versuch innezuhalten.„

„Nein, nein, nicht aufhoren: bat er weiter. könntest mir nocheinmal entfliehen. Sage mir, daß Du mir gut bist— nur ein einziges, kleines Wörtchen. In Erna sauste und brauste es. Das war auch ein

Sturm! Aber ein herrlicher, wundervoller, befreiender Frühlingssturm. Kein Verderber und Verwüster wie der andere, nun überstandene.

Da sie noch immer nicht antwortete, fühlte er eine grausame, wehe Kälte in sein Herz kommen.

„Erna!“ bat er noch einmal, aber ganz zaghaft,

leise.

Da schlug sie die Augen zu ihm auf,— dicht vor ihm leuchteten plötzlich diese geliebten, reinen Sterne— und lächelte verheißungsvoll.

„Bill!“ flüsterten ihre Lippen.

Er stieß einen schwachen Freudenlaut aus, wie ein unterdrücktes Jauchzen. Und jetzt fühlte sich Erna von den beiden starken Armen fester umfangen, näher an diese breite Brust gezogen.

„Du bist mir gut?“ stieß er heraus.

„Ja!“ sagte sie. Und diesmal war ihre Stimme fest.

Er hörte mit zwei langen, gleitenden Schritten auf zu tanzen; zog ihren Arm fest durch den seinen; eilte mit ihr durch das Volksgewimmel von dannen, dem Walde zu und lachte, als sie widerstrebte.

„Still, still— wir müssen uns sprechen— unge­stört.“

„Herr von Deisen!“

„Herr von Deisen!“ widerholte er fröhlich.„Wie das spielt! Ist mir gut und sagt Herr von Deisen! Sage Bill, auf der Stelle!"

Und da sie, angesteckt von seinem seligen Lachen, mitlachte, aber schwieg, stand er mit ihr still und beugte sich vor:

„Sage„Bill“, sonst gibt es hier auf dem Fleck Strafe und da sind noch Leute.“ Eine Purpurwelle schlug ihr in die Wangen. Sie hatte wieder den feinen Brombeerduft von seinem Schnurrbärtchen gespürt und bangte vor einem Kuß— vor den Vorüberwandelnden.