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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraft.

Nr. 227

Die Forderungen der

Bauhandwerter.

Schon seit verschiedenen Jahren sind im deutschen Reichstage aus den betreffenden gewerblichen Kreisen un­terstützte Wünsche laut geworden, welche auf einen besse­ren Schutz der Forderungen der Bauhandwerker und verwandter Berufsleute an das oft recht wenig rücksichts­volle Unternehmertum abzielen. Diese Wünsche haben sich zu bestimmten Forderungen verdichtet, seitdem hand­greiflich nachgewiesen ist, welche kolossale Summen ehr­lichen Arbeitsverdienstes alljährlich der skrupellosen Bauspekulation zum Opfer gefallen sind. Die Reichs­regierung hat ziemlich lange gezögert, bevor sie den an sie herangetretenen Gesuchen entsprach; verschiedene Male ward in der deutschen Volksvertretung betont, daß man sehr behutsam vorgehen müsse, um mit den Auswüchsen des Spekulantentums nicht die eigentliche Unternehm­ungslust zu treffen. Diese Schonung der Baulust hat gewiß manches für sich; aber ebenso wie für Aktienge­sellschaften und andere Vereinigungen gemessene gesetz­geberische Bestimmungen bestehen, die tunlichst verhüten sollen, daß mit dem Gelde des Publikums Mißbrauch ge­trieben werde, kann auch die Bauspekulation nicht nach ihrem Ermessen über Treu und Glauben verfügen. Wenn nun dem neuen Reichstage ein entsprechendes Gesetz un­terbreitet werden soll, so können wir nur wünschen, daß es ebenso den Forderungen von Treu und Glauben, wie praktischen Gesichtspunkten Rechnung trägt. Es kann eben im Baugewerbe nicht alles in einen Topf geworfen werden, ebensowenig, wie anderswo.

Wir haben beim Bau=Unternehmertum ziemlich scharf zu unterscheiden zwischen denjenigen Gewerbe­treibenden, die im Besitz vollwichtiger Kapitalien für eigene oder fremde Rechnung Bau=Aufträge übernehmen, und zwischen den Elementen, die aus dem Bau nur eine große Mausefalle für andere machen; die oft gar kein Vermögen haben, mitunter auch den Offenbarungseid leisteten, nach dem alten Berliner Witzwort recht wohl sieben Häuser besitzen können, ohne eine Schlafstelle ihr eigen nennen zu dürfen. In der modernen großstädtischen Spekulation gibt es ja ein geflügeltes Wort, daß dem kapitalistischen Hintermann, dem Geldgeber, derjenige Bauunternehmer am liebsten sei, der überhaupt nichts mehr verlieren könne. Das sind traurige Verhältnisse, die sich aber meist mit einem solchen Raffinement verbinden, daß trotz großer Vorsicht wieder und wieder Bauhand­werker auf das Schmählichste betrogen wurden.

Die Bauspekulation, die sich oft mit dem Grund­stückswucher verbindet, ist ein Berliner Kind, wie es denn selbstverständlich ist, daß sie hauptsächlich in den Groß­städten zu verzeichnen ist. Demgemäß beschwin­

Montag den 28. September 1903.

det dies Krebs=Leiden des unreellen Bau=Unternehmer­tums um so mehr, je mehr sich die Bevölkerungs=Beweg­ung in normalen Bahnen hält; es fällt ganz fort da, wo das Angebot von Häusern und Wohnungen größer ist, wie die Nachfrage. Hier, wie überall da, wo nur eine streng solide Bautätigkeit in Betracht kommt, wo die Bauhandwerker oft zugleich Bau=Unternehmer sind, wer­den die betreffenden Gewerbetreibenden, wie die privaten Bau=Unternehmer nicht das Geringste dagegen einzu­wenden haben, daß dem ganzen Geschäft ein streng soli­der Charakter gegeben wird; aber sie müssen betonen, daß der wirklich vorhandenen Solidität denn auch Entgegen­kommen gezeigt wird. Gerade das Baugewerbe ist kein leichtes Metier; neben vielem Aerger, der leicht aus aller­lei Streitigkeiten entstehen kann, kommt auch noch man­cherlei Verdruß von einer anderen Seite, welche diejeni­gen, die die Gesetze ausarbeiten, am besten kennen, näm­lich vom grünen Tische her. Also im Prinzip: Bekämpf­ung des Bauschwindels, aber Schutz und Förderung dem soliden Baugewerbe, das in seiner Tätigkeit doch immer ein wichtiger Gradmesser für den Stand unseres wirt­schaftlichen Wohlbehagens ist.

Zu umgehen ist der Schutz der Forderungen der Bau­

handwerker, wenn er in der Hauptsache gleich zumeist großstädtische Verhältnisse betrifft, nicht. Würde an dieser Stelle nichts geschehen, so würde dieses Spekulanten=Un­

ternehmertum der unerfreulichen Art immer weitere Kreise ziehen, denn man weiß ja: Böse Beispiele verderben gute Sitten! Und mit Einwendungen, bei genügender Vorsicht könnte kein Bauhandwerker geschädigt werden, ist auch nichts gesagt, denn die Schliche sind so fein, daß ihnen selbst von juristischer Seite nicht immer beizukom­men ist. Darum muß Treu und Glauben wieder herge­stellt werden!

Politische Uebersicht.

Deutschland

— Vom Aufenthalt des Kaisers in Rominten be­

richtet man der„Nat.=Ztg.": Der Kaiser besuchte das Kinderheim und äußerte zur Schwester:„Die Kaiserin läßt schön grüßen, sie kommt diesmal nicht. Sehr gut gefielen ihm das stramme Exerzieren und die tadellosen Griffe der Dorfjugend.„Das ist hier ja die reine Kom­pagnievorstellung gewesen, äußerte er nach der Be­sichtigung. Der Kaiser nahm auch die Arbeiterhäuser, die das Hofmarschallamt erbauen läßt, in Augenschein und zeigte sich sehr befriedigt.

— Die Kaiserschloß=Skizze des„Vorwärts". Ueber den Kaiserschloßentwurf des„Vorwärts“ wird aus Ber­lin depeschiert: Die Legende entpuppt sich als eine fri­vole Sensationsmacherei. Die veröffentlichte Skizze ist

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42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.

8cb. Sohrggneg

einem Farbendruck des letzten Heftes der„Architektoni­schen Rundschau" entnommen und rührt von einem süd­deutschen, jetzt in Berlin lebenden Architekten Emil Hoeck her. Derselbe bekam erst jetzt die Skizze zu Gesicht. Er hat dem„Vorwärts“ sofort eine Berichtigung zugeschickt, die aber nicht aufgenommen wurde. Die Skizze Ideal=Entwurf des genannten Künstlers. Einen tatsäch­lichen, mit irgend welchen Plänen des Kaisers in Verbin­dung stehenden Hintergrund hat sie absolut nicht. Der Kaiser kennt den Architekten gar nicht, und dieser sagt, bei der Skizze habe ihm eine süddeutsche Landschaft vor­geschwebt.— Wieder ein Zeichen sozialdemokratischer „Ehrlchkeit"; aber zum Zwecke der Verhetzung ist den Leuten eben jedes auch das verwerflichste Mittel recht.

Hardens Antwort an den soz.=dem. Parteitag.

Es war zu erwarten, daß Maximilian Harden, Her­ausgeber der Zukunft, die schweren Angriffe nicht un­erwidert lassen werde, die auf dem Dresdener Parteitage gegen seine persönliche Ehre wie gegen seine schriftstelle­rische Tätigkeit erhoben worden sind, in der gestern er­schinenen Nummer seiner Zeitschrift setzt er sich denn auch in der ihm eigenen prägnanten Weise zur Wehr. Harden schreibt: Drei Tage lang hat der Parteitag, die höchste Instanz der deutschen Sozialdemokratie, von der ich nie etwas verlangt, die ich nie gesucht, der ich mich nie mit dem leisesten Wunsch genähert habe, mich beschimpft, den Namen, die Lebensarbeit des Abwesenden ohne eine Schamregung besudelt. In dieser ehrenwerten Volksversammlung sa­ßen mindestens acht Menschen, die mich kennen, mich um­worben, Gefälligkeiten jeglicher Art von mir erbettelt und mich, aus Dank für nahrhaftere Speise, die sie bei mir fanden, mit Bewunderung bewirtet haben. Die Hälfte hat feig geschwiegen, die andere Hälfte hat mitgeogen und mitgeschimpft. Bebel beherrscht die stärkste Par­tei Deutschlands mit der unbeschränkten Macht eines asia­tischen Despoten. Sein Wille geschieht, er ist Zensor, Richter, Oberfeldherr, König, Gott, er unterbricht jeden Redner, der ihm nicht behagt, mit rohen Schimpfworten und perfider Verdächtigung, er behandelt in der eigenen Partei die Gegner, gebildete Leute, die seit Jahrzehnten für die sozialdemokratische Sache arbeiten, wie eine ab­gefaßte Gaunerbande, in besserer Laune wie unartige Schulbuben, die der Magister übers Knie legt: und die Abgestraften winseln höchstens ein bischen, greinen zwei Sekunden über ungerechten Tadel und versichern dem Mann mit dem Bakel dann ihrer unbegrenzten Ver­

Interessant ist es nun zu sehen, wie August Bebel sich gegen die Angriffe Hardens verantwortet. Der Par­

verhäugutsvolle Ertschaft.

Roman von F. Arnefeld.

(31. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten)

Tief niedergeschlagen verließ Willibald den Amts­richter und trat noch an demselben Abend die Rückreise nach Landeshut an, wo er seiner Mutter umständlichen Bericht vom Verlaufe seines Aufenthaltes in Berlin erstattete.

„Es ist leider vergeblich gewesen!“ fügte er feufzend hinzu.

„Doch nicht!“ entgegnete Frau Dornedden mit ihrem schönen Lächeln.„Du hast den Vater gesehen, hast ihm Nachricht von uns gebracht und bringst uns Nachricht von ihm und hast endlich erfahren, was das rätselhafte Testa­ment des Verstorbenen zu bedeuten hat. Wollen die Ju­risten davon nichts wissen, so ist für uns doch viel ge­wonnen. Oder erachtest Du die Wiederanknüpfung der Beziehungen zu Leonhards nicht für einen Gewinn?" fragte sie mit liebenswürdiger Schelmerei und strich mit ihren kühlen, schlanken Fingern dem Sohn sanft über das erglühende Gesicht.

15. Kapitel.

Der Mord in der Uhlandstraße hatte eine recht selt­same Freundschaft zuwege gebracht. Der Kriminal­kommissar Müseler sprach häufig in der Wohnung des Portiers Köhne vor und lud auch das sich dadurch im hohen Grade geschmeichelt fühlende Ehepaar von Zeit zu Zeit ein, in einem Restaurant seine Gäste zu sein. Sohn und Tochter waren in diese Einladung stets mit inbegriffen, aber nur Marie machte davon Gebrauch. Wilhelm wußte sie immer unter irgend einem Vorwande abzulehnen und machte gegen seine Eltern kein Hehl daraus, daß er sich von Müseler nicht frei halten lassen möge, und daß es ihm auch nicht passend erscheine, daß sie es täten. Er hatte weder bei ihnen, noch bei der Schwester ein Verständnis für seine

Auffassung gefunden. Alle drei hatten ihm im Gegenteil; Vorwürfe gemacht, daß er ihnen das Vergnügen, mit einem Herrn wie der Kriminalkommissar auszugehen und auf seine Kosten zu zehren, mißgönne, zumal es ihnen jetzt wo die Einnahmen bei Ahrweiler weggefallen, nicht mög­lich sei, dies aus eingenen Mitteln zu tun. Es blieb ihm infolgedessen nichts übrig, als den Dingen ihren Lauf zu

lassen.

An Wilhelms Steue fand sich oagegen ein anberer Teilnehmer an den durch Müseler veranstalteten Ver­gnügungpartien ein. Es war dies ein junger Bursche von 20 bis 22 Jahren, von gelbem, südländischen Teint, scharf geschnittenen und trotz seiner Jugend schon verlebten Zügen, schwarzen, fast unheimlich brennenden Augen und tiefschwarzem Haar, das er in langen wallenden Locken trug. Auch sei Anzug, der Sammetrock, die bunte Kra­vatte, in der ein großer Stein funkelte, der b reite Schlapp­hut hatten etwas fremdartiges, und nicht zum wenigsten war dies mit dem Namen der Fall. Der Jüngling, den Marie in einem der Tanzkränzchen, die sie besuchte, kennen gelernt und bei den Eltern eingeführt hatte, nannte sich Alfonso da Fonseca und gab an, er entstamme einer alten, sehr vornehmen portugiesischen Familie; seine Großeltern wären aber nach Brasilien ausgewandert und hätten dort große Besitzungen erworben, die jetzt von seinen Eltern be­wirtschaftet würden. Er sei ihr einziger Sohn und Erbe, die Liebe zur Kunst habe ihn aber nach Europa getrieben. Er wolle sich in Deutschland, Frankreich, Italien in der Musik ausbilden und als vollendeter Künstler nach Ame­rika zurückkehren. Es sei indes auch nicht ausgeschlossen, fügte er hinzu, daß er dauernd in Deutschland bliebe, wo es ihm sehr gut gefalle, und daß seine Eltern ihm dahin

folgten.„„„

Köhnes glauvten seinen Erzahlungen aufs Wort und wünschten lebhaft, er möge in Deutschland bleiben, denn sie sahen in ihm ihren künftigen, vornehmen und reichen

Schwiegersohn und hätten Marie nicht gern mit über das Meer ziehen lassen. Müseler bestärkte sie in ihrer Auf­fassung und legte für den jungen Mann eine große Vor­liebe an den Tag, Wilhelm war aber auch hier anderer An­sicht. Er nannte Fonseca einen Windbeutel und Aben­teurer, warnte die Eltern und die Schwester vor dem Ver­kehr mit ihm und hatte alle drei gegen sich. Die Verhält­nisse im Hause fingen an, sich für den jungen Mann recht unerquicklich zu gestalten, und leise stieg ihm der Gedanke auf, ob er sich nicht eine eigene Wohnung mieten solle, wozu sein reichlicher Verdienst ihm mehr als ausreichend

die Mittel gab.—„

An demselben Sonntag, an dem Willibald Vornedden seinen Besuch bei der Frau Sanitätsrat Leonhard und deren Tochter gemacht, hatte Müseler die Familie Köhne mit Einschluß Wilhelms und Alfonso da Fonsecas wieder eingeladen. Letzterer hatte mit überschwänglichen Dankes­worten angenommen, ersterer wieder ziemlich kühl abge­lehnt; Müseler aber hatte sich dadurch nicht abschrecken lassen, sondern in seinem gemütlichen Ton gesagt:

„Sie sollten uns diesmal nicht verschmähen, Herr Köhne. Wir gehen ins Alexanderplatz=Theater, wo höchst interessante Spezialitäten zu sehen sind. Vorher trinken wir ein Glas Bier bei Büchsel in der Königstraße; Sie fin­den uns dort bis gegen sieben Uhr, wenn Sie sich vielleicht doch noch eines besseren besinnen und mitkommen

Eine gefällige Nachbarin hatte für die Nachmittags­und Abendstunden des Sonntags die Beaufsichtigung des Hauses in der Uhlandstraße übernommen, und der Krimi­nalkommissar war mit dem Ehepaar Köhne und Marie mit der Pferdebahn in das Zentrum der Stadt gefahren und zunächst in das Wilhelm bezeichnete Restaurant ge­gangen, wo man bei Bier, Kaffee und Kuchen Alfonso da Fonsecas Ankunft erwarten wollte.

(Fortsetzung folgt.)