Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus, Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Nr. 227 Die Forderungen der Bauhandwerter. Schon seit verschiedenen Jahren sind im deutschen Reichstage aus den betreffenden gewerblichen Kreisen unterstützte Wünsche laut geworden, welche auf einen besseren Schutz der Forderungen der Bauhandwerker und verwandter Berufsleute an das oft recht wenig rücksichtsvolle Unternehmertum abzielen. Diese Wünsche haben sich zu bestimmten Forderungen verdichtet, seitdem handgreiflich nachgewiesen ist, welche kolossale Summen ehrlichen Arbeitsverdienstes alljährlich der skrupellosen Bauspekulation zum Opfer gefallen sind. Die Reichsregierung hat ziemlich lange gezögert, bevor sie den an sie herangetretenen Gesuchen entsprach; verschiedene Male ward in der deutschen Volksvertretung betont, daß man sehr behutsam vorgehen müsse, um mit den Auswüchsen des Spekulantentums nicht die eigentliche Unternehmungslust zu treffen. Diese Schonung der Baulust hat gewiß manches für sich; aber ebenso wie für Aktiengesellschaften und andere Vereinigungen gemessene gesetzgeberische Bestimmungen bestehen, die tunlichst verhüten sollen, daß mit dem Gelde des Publikums Mißbrauch getrieben werde, kann auch die Bauspekulation nicht nach ihrem Ermessen über Treu und Glauben verfügen. Wenn nun dem neuen Reichstage ein entsprechendes Gesetz unterbreitet werden soll, so können wir nur wünschen, daß es ebenso den Forderungen von Treu und Glauben, wie praktischen Gesichtspunkten Rechnung trägt. Es kann eben im Baugewerbe nicht alles in einen Topf geworfen werden, ebensowenig, wie anderswo. Wir haben beim Bau=Unternehmertum ziemlich scharf zu unterscheiden zwischen denjenigen Gewerbetreibenden, die im Besitz vollwichtiger Kapitalien für eigene oder fremde Rechnung Bau=Aufträge übernehmen, und zwischen den Elementen, die aus dem Bau nur eine große Mausefalle für andere machen; die oft gar kein Vermögen haben, mitunter auch den Offenbarungseid leisteten, nach dem alten Berliner Witzwort recht wohl sieben Häuser besitzen können, ohne eine Schlafstelle ihr eigen nennen zu dürfen. In der modernen großstädtischen Spekulation gibt es ja ein geflügeltes Wort, daß dem kapitalistischen Hintermann, dem Geldgeber, derjenige Bauunternehmer am liebsten sei, der überhaupt nichts mehr verlieren könne. Das sind traurige Verhältnisse, die sich aber meist mit einem solchen Raffinement verbinden, daß trotz großer Vorsicht wieder und wieder Bauhandwerker auf das Schmählichste betrogen wurden. Die Bauspekulation, die sich oft mit dem Grundstückswucher verbindet, ist ein Berliner Kind, wie es denn selbstverständlich ist, daß sie hauptsächlich in den Großstädten zu verzeichnen ist. Demgemäß beschwinMontag den 28. September 1903. det dies Krebs=Leiden des unreellen Bau=Unternehmertums um so mehr, je mehr sich die Bevölkerungs=Bewegung in normalen Bahnen hält; es fällt ganz fort da, wo das Angebot von Häusern und Wohnungen größer ist, wie die Nachfrage. Hier, wie überall da, wo nur eine streng solide Bautätigkeit in Betracht kommt, wo die Bauhandwerker oft zugleich Bau=Unternehmer sind, werden die betreffenden Gewerbetreibenden, wie die privaten Bau=Unternehmer nicht das Geringste dagegen einzuwenden haben, daß dem ganzen Geschäft ein streng solider Charakter gegeben wird; aber sie müssen betonen, daß der wirklich vorhandenen Solidität denn auch Entgegenkommen gezeigt wird. Gerade das Baugewerbe ist kein leichtes Metier; neben vielem Aerger, der leicht aus allerlei Streitigkeiten entstehen kann, kommt auch noch mancherlei Verdruß von einer anderen Seite, welche diejenigen, die die Gesetze ausarbeiten, am besten kennen, nämlich vom grünen Tische her. Also im Prinzip: Bekämpfung des Bauschwindels, aber Schutz und Förderung dem soliden Baugewerbe, das in seiner Tätigkeit doch immer ein wichtiger Gradmesser für den Stand unseres wirtschaftlichen Wohlbehagens ist. Zu umgehen ist der Schutz der Forderungen der Bauhandwerker, wenn er in der Hauptsache gleich zumeist großstädtische Verhältnisse betrifft, nicht. Würde an dieser Stelle nichts geschehen, so würde dieses Spekulanten=Unternehmertum der unerfreulichen Art immer weitere Kreise ziehen, denn man weiß ja: Böse Beispiele verderben gute Sitten! Und mit Einwendungen, bei genügender Vorsicht könnte kein Bauhandwerker geschädigt werden, ist auch nichts gesagt, denn die Schliche sind so fein, daß ihnen selbst von juristischer Seite nicht immer beizukommen ist. Darum muß Treu und Glauben wieder hergestellt werden! Politische Uebersicht. Deutschland — Vom Aufenthalt des Kaisers in Rominten berichtet man der„Nat.=Ztg.": Der Kaiser besuchte das Kinderheim und äußerte zur Schwester:„Die Kaiserin läßt schön grüßen, sie kommt diesmal nicht. Sehr gut gefielen ihm das stramme Exerzieren und die tadellosen Griffe der Dorfjugend.„Das ist hier ja die reine Kompagnievorstellung gewesen, äußerte er nach der Besichtigung. Der Kaiser nahm auch die Arbeiterhäuser, die das Hofmarschallamt erbauen läßt, in Augenschein und zeigte sich sehr befriedigt. — Die Kaiserschloß=Skizze des„Vorwärts". Ueber den Kaiserschloßentwurf des„Vorwärts“ wird aus Berlin depeschiert: Die Legende entpuppt sich als eine frivole Sensationsmacherei. Die veröffentlichte Skizze ist Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 g., exct. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund. 8cb. Sohrggneg einem Farbendruck des letzten Heftes der„Architektonischen Rundschau" entnommen und rührt von einem süddeutschen, jetzt in Berlin lebenden Architekten Emil Hoeck her. Derselbe bekam erst jetzt die Skizze zu Gesicht. Er hat dem„Vorwärts“ sofort eine Berichtigung zugeschickt, die aber nicht aufgenommen wurde. Die Skizze Ideal=Entwurf des genannten Künstlers. Einen tatsächlichen, mit irgend welchen Plänen des Kaisers in Verbindung stehenden Hintergrund hat sie absolut nicht. Der Kaiser kennt den Architekten gar nicht, und dieser sagt, bei der Skizze habe ihm eine süddeutsche Landschaft vorgeschwebt.— Wieder ein Zeichen sozialdemokratischer „Ehrlchkeit"; aber zum Zwecke der Verhetzung ist den Leuten eben jedes auch das verwerflichste Mittel recht. Hardens Antwort an den soz.=dem. Parteitag. Es war zu erwarten, daß Maximilian Harden, Herausgeber der Zukunft, die schweren Angriffe nicht unerwidert lassen werde, die auf dem Dresdener Parteitage gegen seine persönliche Ehre wie gegen seine schriftstellerische Tätigkeit erhoben worden sind, in der gestern erschinenen Nummer seiner Zeitschrift setzt er sich denn auch in der ihm eigenen prägnanten Weise zur Wehr. Harden schreibt: Drei Tage lang hat der Parteitag, die höchste Instanz der deutschen Sozialdemokratie, von der ich nie etwas verlangt, die ich nie gesucht, der ich mich nie mit dem leisesten Wunsch genähert habe, mich beschimpft, den Namen, die Lebensarbeit des Abwesenden ohne eine Schamregung besudelt. In dieser ehrenwerten Volksversammlung saßen mindestens acht Menschen, die mich kennen, mich umworben, Gefälligkeiten jeglicher Art von mir erbettelt und mich, aus Dank für nahrhaftere Speise, die sie bei mir fanden, mit Bewunderung bewirtet haben. Die Hälfte hat feig geschwiegen, die andere Hälfte hat mitgeogen und mitgeschimpft. Bebel beherrscht die stärkste Partei Deutschlands mit der unbeschränkten Macht eines asiatischen Despoten. Sein Wille geschieht, er ist Zensor, Richter, Oberfeldherr, König, Gott, er unterbricht jeden Redner, der ihm nicht behagt, mit rohen Schimpfworten und perfider Verdächtigung, er behandelt in der eigenen Partei die Gegner, gebildete Leute, die seit Jahrzehnten für die sozialdemokratische Sache arbeiten, wie eine abgefaßte Gaunerbande, in besserer Laune wie unartige Schulbuben, die der Magister übers Knie legt: und die Abgestraften winseln höchstens ein bischen, greinen zwei Sekunden über ungerechten Tadel und versichern dem Mann mit dem Bakel dann ihrer unbegrenzten VerInteressant ist es nun zu sehen, wie August Bebel sich gegen die Angriffe Hardens verantwortet. Der Parverhäugutsvolle Ertschaft. Roman von F. Arnefeld. (31. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten) Tief niedergeschlagen verließ Willibald den Amtsrichter und trat noch an demselben Abend die Rückreise nach Landeshut an, wo er seiner Mutter umständlichen Bericht vom Verlaufe seines Aufenthaltes in Berlin erstattete. „Es ist leider vergeblich gewesen!“ fügte er feufzend hinzu. „Doch nicht!“ entgegnete Frau Dornedden mit ihrem schönen Lächeln.„Du hast den Vater gesehen, hast ihm Nachricht von uns gebracht und bringst uns Nachricht von ihm und hast endlich erfahren, was das rätselhafte Testament des Verstorbenen zu bedeuten hat. Wollen die Juristen davon nichts wissen, so ist für uns doch viel gewonnen. Oder erachtest Du die Wiederanknüpfung der Beziehungen zu Leonhards nicht für einen Gewinn?" fragte sie mit liebenswürdiger Schelmerei und strich mit ihren kühlen, schlanken Fingern dem Sohn sanft über das erglühende Gesicht. 15. Kapitel. Der Mord in der Uhlandstraße hatte eine recht seltsame Freundschaft zuwege gebracht. Der Kriminalkommissar Müseler sprach häufig in der Wohnung des Portiers Köhne vor und lud auch das sich dadurch im hohen Grade geschmeichelt fühlende Ehepaar von Zeit zu Zeit ein, in einem Restaurant seine Gäste zu sein. Sohn und Tochter waren in diese Einladung stets mit inbegriffen, aber nur Marie machte davon Gebrauch. Wilhelm wußte sie immer unter irgend einem Vorwande abzulehnen und machte gegen seine Eltern kein Hehl daraus, daß er sich von Müseler nicht frei halten lassen möge, und daß es ihm auch nicht passend erscheine, daß sie es täten. Er hatte weder bei ihnen, noch bei der Schwester ein Verständnis für seine Auffassung gefunden. Alle drei hatten ihm im Gegenteil; Vorwürfe gemacht, daß er ihnen das Vergnügen, mit einem Herrn wie der Kriminalkommissar auszugehen und auf seine Kosten zu zehren, mißgönne, zumal es ihnen jetzt wo die Einnahmen bei Ahrweiler weggefallen, nicht möglich sei, dies aus eingenen Mitteln zu tun. Es blieb ihm infolgedessen nichts übrig, als den Dingen ihren Lauf zu lassen. An Wilhelms Steue fand sich oagegen ein anberer Teilnehmer an den durch Müseler veranstalteten Vergnügungpartien ein. Es war dies ein junger Bursche von 20 bis 22 Jahren, von gelbem, südländischen Teint, scharf geschnittenen und trotz seiner Jugend schon verlebten Zügen, schwarzen, fast unheimlich brennenden Augen und tiefschwarzem Haar, das er in langen wallenden Locken trug. Auch sei Anzug, der Sammetrock, die bunte Kravatte, in der ein großer Stein funkelte, der b reite Schlapphut hatten etwas fremdartiges, und nicht zum wenigsten war dies mit dem Namen der Fall. Der Jüngling, den Marie in einem der Tanzkränzchen, die sie besuchte, kennen gelernt und bei den Eltern eingeführt hatte, nannte sich Alfonso da Fonseca und gab an, er entstamme einer alten, sehr vornehmen portugiesischen Familie; seine Großeltern wären aber nach Brasilien ausgewandert und hätten dort große Besitzungen erworben, die jetzt von seinen Eltern bewirtschaftet würden. Er sei ihr einziger Sohn und Erbe, die Liebe zur Kunst habe ihn aber nach Europa getrieben. Er wolle sich in Deutschland, Frankreich, Italien in der Musik ausbilden und als vollendeter Künstler nach Amerika zurückkehren. Es sei indes auch nicht ausgeschlossen, fügte er hinzu, daß er dauernd in Deutschland bliebe, wo es ihm sehr gut gefalle, und daß seine Eltern ihm dahin folgten.„„„ Köhnes glauvten seinen Erzahlungen aufs Wort und wünschten lebhaft, er möge in Deutschland bleiben, denn sie sahen in ihm ihren künftigen, vornehmen und reichen Schwiegersohn und hätten Marie nicht gern mit über das Meer ziehen lassen. Müseler bestärkte sie in ihrer Auffassung und legte für den jungen Mann eine große Vorliebe an den Tag, Wilhelm war aber auch hier anderer Ansicht. Er nannte Fonseca einen Windbeutel und Abenteurer, warnte die Eltern und die Schwester vor dem Verkehr mit ihm und hatte alle drei gegen sich. Die Verhältnisse im Hause fingen an, sich für den jungen Mann recht unerquicklich zu gestalten, und leise stieg ihm der Gedanke auf, ob er sich nicht eine eigene Wohnung mieten solle, wozu sein reichlicher Verdienst ihm mehr als ausreichend die Mittel gab.—„ An demselben Sonntag, an dem Willibald Vornedden seinen Besuch bei der Frau Sanitätsrat Leonhard und deren Tochter gemacht, hatte Müseler die Familie Köhne mit Einschluß Wilhelms und Alfonso da Fonsecas wieder eingeladen. Letzterer hatte mit überschwänglichen Dankesworten angenommen, ersterer wieder ziemlich kühl abgelehnt; Müseler aber hatte sich dadurch nicht abschrecken lassen, sondern in seinem gemütlichen Ton gesagt: „Sie sollten uns diesmal nicht verschmähen, Herr Köhne. Wir gehen ins Alexanderplatz=Theater, wo höchst interessante Spezialitäten zu sehen sind. Vorher trinken wir ein Glas Bier bei Büchsel in der Königstraße; Sie finden uns dort bis gegen sieben Uhr, wenn Sie sich vielleicht doch noch eines besseren besinnen und mitkommen Eine gefällige Nachbarin hatte für die Nachmittagsund Abendstunden des Sonntags die Beaufsichtigung des Hauses in der Uhlandstraße übernommen, und der Kriminalkommissar war mit dem Ehepaar Köhne und Marie mit der Pferdebahn in das Zentrum der Stadt gefahren und zunächst in das Wilhelm bezeichnete Restaurant gegangen, wo man bei Bier, Kaffee und Kuchen Alfonso da Fonsecas Ankunft erwarten wollte. (Fortsetzung folgt.) teihäuptling schreibt nämlich in seinem üblichen vornehmen Tone: Herr Maximilian Witkowski Harden hat, wie vorauszusehen war, auf die Debatte des Dresdener Parteitages geantwortet. In seinem, in einem Anfalle von Raserei geschriebenen Arteikel versuchte er unter anderm auch mir einen Kübel von den übelriechendsten Ingredinzien über den Kopf zu schütten. Ich erachte es selbstverständlich unter meiner Würde, sowohl auf die kleinlichen Glossen als auf die boshaften Angriffe zu antworten, die Herr Maximilian Witkowski Harden gegen meine Person richtet. Auch den Rattenkönig von schamlosen Fälschungen, maßlosen Uebertreibun gen und Unwahrheiten und Widersprüchen zu entwirren, mit dem er meine öffentliche Tätigkeit zu verknüpfen sucht. Mir ist sowohl meine Zeit, wie der Raum des Vorwärts zu wertvoll, um auch nur eine Zeile der Erwiderung den Schimpfereien des Herrn Maximilian Witkowski Harden zu widmen, der nebenbei bemerkt, allem Anscheine nach an komplettem Größenwahn leidet. Außerdem, meine Feinde überzeuge ich nicht und für meine Freunde habe ich eine Widerlegung nicht nötig.— Wir teilen diese sogenannte Widerlegung nur deshalb mit, weil sie ihres Tones wegen und als Zeichen Bebel'scher Bildung vorbildlich ist. Kleine Chronik. + 189 Kilometer in der Stunde. Auf der elektrischen Schnellbahn Berlin=Zossen ist jetzt eine Geschwindigkeit von 189 Km. in der Stunde erreicht worden. An dem bei den Versuchen gesteckten Ziel(200 Km.) fehlt also nur noch wenig. Vorläufig tritt aber eine Unterbrechung ein, um Wagen und Oberbau zu prüfen. + Freiburg(Schweiz), 26. Sept. Der sozialdemokratische Rechtsanwalt Naine aus Chaux=de=Fonds, welcher der schweizerischen Armee als Trainsoldat angehört und sich gelegentlich des jüngst abgehaltenen Manövers geweigert hatte, dem Marschbefehl zu gehorchen, wurde zu drei Monaten Gefängnis, Degradierung und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. - Danzig, 26. Sept. Vereitelter Betrug. Der Kontorist Nowakowski versuchte auf Grund einer gefälschten Quittung einer hiesigen Aktiengesellschaft, wo er früher angestellt war, bei der Norddeutschen Kreditanstalt 40 000 Mark zu erheben. Der Kassierer deckte durch Anfrage den Betrug auf. N. wurde verhaftet. Ludwig Richter. Zum heutigen 100jährigen Geburtstage. Am 28. September jährt sich zum 100. Male der Tag, an dem Adrian Ludwig Richter das Licht der Welt erblickte. Richter, dieser berühmte Zeichner und Illustrator, dessen Verdienste um die Bildung des Volkes und namentlich um die Kinderwelt wohl bekannt sind, entstammte einer alten Kupferstecherfamilie und erhielt auch bei seinem Vater die ersten Anleitungen für seinen künstlerischen Beruf. Indirekt wurde dann Chodowicki sein eigentlicher Lehrmeister, indem dessen Radierungen Richter ein Vorbild wurden. Reisen in Frankreich und Italien brachten das Talent Richters zu schneller Reife und führten ihn auf eine ganz neue Bahn. Er wurde der deutsche Illustrator, der uns die Märchen, die Gedichte unserer literarischen Größen bildlich gestaltet hat. Seine Holzschnitte in den damaligen Zeitschriften waren der Leserwelt ebenso vertraut, wie die Bilder aus der Umgegend von Dresden, seiner Vaterstadt deren Zahl an 70 heranreicht, ihm einen Namen machten. Richter hat ein Alter von nicht ganz 81 Jahren erreicht. Er liegt in Loschwitz bei Dresden begraben.— Die Münchener„Jugend“ widmet seinem Andenken eine„Ludwig RichterNummer“, in der wir folgendes prächtige Gedicht finden: An Ludwig Richter. Zum 100. Geburtstag. So oft auch zu Geburts= und Jubel=Feiern Er in die Saiten seiner Harfe fiel— Noch nie, auf Ehre, war es Biedermeiern So heilig ernst mit diesem Saitenspiel! Merksprüche. Wenig große Lieder bleiben, Mag ihr Ruhm auch stolzer sein, Doch die kleinen Sprüche schreiben Sich in's Herz des Volkes ein; Schlagen Wurzel, treiben Blüte, Tragen Frucht und wirken fort. Wunder wirkt oft im Gemüte Ein geweihtes Dichterwort. Bodenstedt. * Nimm guten Rat, mach' ihn zur Tat! * Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben; willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz. Schiller. Es gibt Menschen, die ihr Gleiches aufsuchen und lieben, und wieder solche, die ihr Gegenteil lieben und diesem nachgehen. Goethe. Die bevorstehende Eröffnung des Dampffährenbetriebs zwischen Warnemünde und Gjedser bedeutet einen neuen Abschnitt für diesen Verkehrsweg. Von Berlin nach Kopenhagen beträgt der Weg über Jütland 807 Kilometer, über Warnemünde=Gjedser nur 442 Kilometer. Zwischen Hamburg und Kopenhagen läuft über Jütland ein Weg von 521 Kilometern. Der kürzeste Weg führt somit über Warnemünde. Nach Berlin gehen zwei große Zufahrtswege, einer von Wien über Dresden, der andere Denn Du, Poet des Griffels, bist unfraglich Der beste Sohn der Biedermeierzeit, Wo alles ruhvoll, freundlich und behaglich Sich ausgelebt in schöner Häuslichkeit! Das war ein Dasein ohne Angst und Hasten: Da war der Hausrat proper und adrett, Und nach Lavendel dufteten die Kasten Und Mullgardinen hingen überm Bett! Die Urgroßmutter in der Fensternische, Sie wußte Märchen viel und wunderbar Und überm blauen Flämmchen auf dem Tische Sang zur Begleitung ihr der Samowar! Der treue Spitz in seiner Ecke knurrte, Wenn je ein Wagen drauß' vorüberfuhr, Die Kinder lauschten und das Kätzchen schnurrte, Mit leisem Ticken ging die Schwarzwalduhr. Die Mutter strickte und die Mägde spannen Und kicherten und raunten allerlei, Auf samt'nen Sohlen schlich die Zeit von dannen Heut' rattert im Expreßzug sie vorbei! Da galt noch edle Anmut der Bewegung, Da ward die Rede zierlich noch gesetzt; Da ward man wegen jeder weichen Regung Noch nicht sofort als Schwachkopf eingeschätzt. Und alles das, was lieb und schön gewesen Und was das Leben damals froh erhellt, Kann man gerührt aus tausend Bildern lesen, Die du entwarfst aus jener stillen Welt! Ja, unvergänglich wird dein Name glänzen, So lang noch Kinderherzen dankbar sind— Drum laß mich heut dem liebes Bild bekränzen, Du deutschester der Maler neben Schwind! Lokales. von Italien über München. Von Frankreich und Belgien her nimmt der Verkehr nach Warnemünde den Weg über Hamburg. Im Norden setzt sich der Wirkungsbereich der Warnemünde=Gjedser Linie nach Schweden und Norwegen fort. Wir haben bereits in der Samstagsnummer die zwischen Warnemünde und Gjedser zur Verwendung gelangenden Fährdapfer eingehend besprochen und führen heute unseren Lesern so ein Schiff im Bilde vor. Ende von dazumal. Eine Erinnerung von Peter Rosegger. (2. Fortsetzung.) Als die Nacht vorüber war, hatte der trübdämmernde Morgen keinen einzigen Bewohner des Waldbauernhauses im Bette gefunden. Sie lehnten so in den Winkeln umher. Die Weibsleute hätten noch gern geweint, aber es ging nicht mehr. Der Simon hatte sich eine Pfeife angezündet, aber sieschmeckte nicht. Die Mutter ging verloren umher und verstopfte die eingeschlagenen Fenster mit Lappen: Der Vater schritt ums Haus herum. Die Erde war besät mit Dachsplittern. Auf den weiten Feldern lag das schwere Eis. Aus dem Engtale stieg langsam ein brauner, brenzeSchwerte, 28. September 1903. **(Ist die Speisekarte eines Restaurants eine Urkunde?) Diese Frage wird demnächst zur gerichtlichen Entscheidung gelangen. Ein Stammgast eines größeren Restaurants hatte sich den Scherz erlaubt, eine der im Lokale auf den Tischen ausliegenden Speisekarten derliger Rauch herauf. Als das die Mutter durch ein Fenster sah, rief sie gellend aus:„Das Gasthäusel ist auch hin! Der Vater wußte anderes:„Das Gasthäusel steht, aber in die Mühl' hat's eingeschlagen. Raucht nur mehr die Brandstatt.“ 16 Als es ganz licht geworden war und die Verwustung offen dalag, sagte der Knecht Poldel:„So schön, jetzt ersparen wir uns die Arbeit.“ „Und das Essen," setzte der Knecht Simon bei, dann versuchte er es wieder mit der Pfeife; sie begann zu schmecken. 41.: H.s cumt stabt m. ch Der Haltervub verichtete.„Das Kraur stehr noch! Und das war merkwürdig. Wie der Hagel schon mitunter seine schmalen Streifen nimmt: so sehr abwärts alles vernichtet war, vom Hause aufwärts war wenig zu spüren, außer daß die Kohlköpfe ihre äußeren Blätter verloren hatten. Der Vater war den ganzen Tag wortlos herumgegangen, um nach schwerem Arbeitsjahre diese„Ernte“ zu betrachten. Am Abende, als wir bei der Milchsuppe saßen, alles schweigsam und verdrossen, sagte er plötzlich mit frischer Stimme:„Verhungern werden wir nit. Wir haben noch die zwei Kühe, wir haben die Sau, wir haben die Erdäpfel und das Kraut. Wir fretten uns durch und nächst Jahr wird's wieder besser sein.“ Die Dienstboten machten dazu saure Gesichter und mochten sich denken, drüben in Fischbach und in Trabach hat's nicht gehagelt. Brauchen auch dort Leute.— Der Vater sagte:„Wie es jetzt ausschaut ums Haus herum, ich brauch' nötig Arbeitsleut'. Aber wer fortgehen will, aufhalten mag ich keinen.“ Der einäugige Simon stemmte den Beinlöffel auf den Tisch:„Ich bin im guten Jahr geblieben und bleib' auch im schlechten. Und keines sagte etwas vom Fortgehen. Als die Gläubiger in Fischbach, in Krieglach, in gestalt zu verbessern, daß er unbemerkt und im unaufsälliger Weise die Preise für die einzelnen Speisen bedeutend herabsetzte. Der Zufall wollte es, daß ein Gast nach dieser„revidierten“ Speisenkarte sich ein opulentes Mahl bestellte, welches nach normalen Preisen 2,50 Mk., so aber nur 90 Pfg. kostete. Der Irrtum trat beim Bezahlen natürlich sofort zu tage. Vergebens waren alle Vorstellungen des bedienenden Kellners, der Gast bestand auf seiner Speisenkarte und zahlte nicht mehr als 90 Pfg. Nun verlangte der Kellner, welcher die Speisen in der Küche voll bezahlt hatte, vom Wirte den Fehlbetrag zurück. Dieser verweigerte indessen die Zahlung. Dasselbe tat der bald ermittelte Stammgast, der Verüber des Scherzes, als er schadenersatzpflichtig gemacht wurde. Der Kellner hat nun den Wirt auf Zahlung von 1,60 Mark verklagt und gleichzeitig den Stammgast bei der Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung zur Anzeige gebracht. Man ist nun gespannt, ob die Anklage wegen Urkundenfälschung oder Betruges oder nur wegen„groben Unfugs“ erfolgen wird. Ein ordentlicher Denkzettel für diesen törichten Scherz kann gar nichts schaden. **(Herr Pfarrer Terberger) konnte am Freitag die 25jährige Wiederkehr des Tages feiern, an dem er in das Pfarramt eingetreten ist. Den weitaus größten Teil dieses Vierteljahrhunderts im Dienste des Herrn hat Herr Terberger in unserem Schwerte zugebacht; er ist hier seit dem Jahre 1883, also rund 20 Jahre tätig. Die Kirchenvertretung brachte ihm ihre Glückwünsche dar und überreichte ihm ein Geschenk. (Die Zeit ist da,) daß unsere gefiederten Freunde, die Sänger in Feld und Wald uns verlassen. Spaziergänger konnten gestern nachmittag auf der Chaussee nach Westhofen ein interessantes Bild beobachten. In den großen Bäumen des Gartens der Villa Berckemeyer und beim Elektrizitätswerk saßen ungezählte Mengen Staare und zwitscherten wie auf einem polnischen Landtage alle durcheinander. Es galt sicher, für die große Reise in das ferne Land die letzten Bestimmungen und Anordnungen zu treffen, Ordonnanzen flogen zwischen den einzelnen Bäumen hin und her und das Ganze war ein echtes Bild des scheidenden Sommers. **(Die Beckestraße) wird sich demnächst in einem Langenwang gehört, dem Waldbauern hätte der Hagel alles niedergedroschen, trachteten sie nach ihrer Sache. Denn wenn der Hof auf die Gant kommt, hätten sie das Nachsehen. Soll auch im Steueramt viel schuldig sein. Einem schimpfenden Mehlhändler in Mitterdorf, der uns in früheren Mißjahren vor Hungersnot gerettet, hatte mein Vater nun mit dem Kalb den Mund gestopft, wie der Poldel sagte. Der Bader von Fischbach hatte zwei Männer gesandt, um das Paar Ochsen fortzutreiben. Da mußte der Waldbauer lachen. Die Armut ist stärker als der Reichtum, der Armut kann man nichts nehmen. Die Ochsen gehörten nicht ihm, sondern einem Nachbarn, der sie„auf Zag und Zucht“ hergeliehen hatte. Auch andere Aerzte begannen zu drängen. Die hatten sich für ihre Medizinen und Krankenbesuche jahrlang vertrösten lassen auf bessere Zeiten, jetzt, da die schlechtesten da waren, streckten sie hart ihre Hände aus. Eine Kuh wurde fortgetrieben und am nächsten Tage das Schwein. Meine Mutter rang buchstäblich mit den Treibern, aber sie wurde an die Wand geschupft. Der Vater hatten den „Räubern“, wie er die amtlichen Pfänderknechte nannte, ein Scheit nachgeschleudert, aber schon während es flog, schrie er zum Himmel, daß es nicht treffe. Dann wurde er nachdenklich.„Mich wird Gott noch ganz verlassen, sagte er zu mir,„ich habe keine Geduld im Unglück. Du sollst mir wohl wieder einmal was aus einem geistlichen Buch vorlesen.“ Er selber hatte nie einen Buchstaben lesen oder schreiben gelernt. Ich meinte, es wäre halt gut, wenn man jetzt„das Leben=Christi=Buch“ hätte. Eines Morgens, es lag schon Herbstreif auf dem kurzen Grase, kam der Halterbub, der die einzige Kuh auf den Anger geführt hatte und berichtete, beim Kraut wäre der Hirsch gewesen. Am oberen Rand des Gartens seien alle Kohlköpfe zerfressen. „Das auch noch,“ sagte der Vater gelassen. (Fortsetzung folgt.) verbesserten Gewande präsentieren. Große Kleinschlagmengen sind schon angefahren und mit den Arbeiten wird in nachster Zeit begonnen werden. **(Die Kriegsfestspiele) haben auch am Samstag und Sonntag ihre Anziehungskraft bewahrt und bei allen Vorstellungen ein volles Haus gebracht. Wir haben die Festspiele in mehreren eingehenden Artikeln besprochen heute, Montag, abend, die unwiderruflich letzte Aufund wollen heute nur darauf aufmerksam machen, daß führung stattfindet. Wer die Festspiele noch nicht gesehen hat, oder sie nochmals sehen möchte, der versäume diese letzte Vorstellung nicht. **(M.=G.=V. Sängerbund.) Dadurch, daß er die Pflege des deutschen Liedes und des deutschen Männergesanges ernst nimmt, und durch ein reges Interesse der Mitglieder an allen Vereinsangelegenheiten hat sich der Männergesangverein„Sängerbund“ von jeher ausgezeichnet. Seit Kurzem steht der Verein unter der Leitung des Herrn Rummeld=Hörde, der als Dirigent sehr beachtenswerte Erfolge aufzuweisen hat und mit dessen Wahl der Verein, auf gut deutsch gesagt, einen guten Griff getan hat. Welch großer Sympathien sich der Verein in weitesten Kreisen der Bürgerschaft erfreut, beweist am besten das lebhafte Interesse, welches man seinen Veranstaltungen stets entgegenbringt. Es wird daher alle Freunde des„Sängerbundes“ interessieren, daß der Verein in seiner letzten Versammlung beschlossen hat, am Sonntag, den 18. Oktober wieder eins seiner mit Recht so beliebten Familienfeste zu feiern. Gesang= und humoristische Vorträge werden einander ablösen und auch Gelegenheit zur Huldigung der Göttin Terpsichore geboten. Die Vorarbeiten zu dem Feste sind in guten Händen und einige frohe, genußreiche und schöne Stunden stehen allen Besuchern in Aussicht. **(Unfall.) Im Begriff, die Treppe zu ihrer im zweiten Stockwerke befindlichen Wohnung hinaufzusteigen, tat eine junge Frau in der Beckestraße einen Fehltritt, sie stürzte die Treppe hinunter und erlitt einen Bruch des linken Handgelenkes sowie Kopfverletzungen. *(Unsere Einquartierung,) eine Eskadron der Paderborner Husaren, hat uns heute morgen 8 Uhr wieder verlassen und den Heimmarsch fortgesetzt. **(Ein Stempel ist keine Unterschrift.) Der Gastwirt Philipp Krämer in Frankfurt wurde im Juli vom Schöffengericht wegen Uebertretung der Polizeistunde zu zehn Mark Geldstrafe verurteilt. Hiergegen legte er schriftlich Berufung bei der Strafkammer ein. Diese Berufseinlegung unterzeichnete er nicht mit seinem Namen, sondern versah sie mit seinem Geschäftsstempel. Die Strafkammer wies die Berufung als unzulässig zurück, da nach dem Gesetz eine Unterstempelung keine Unterschrift ist. Die Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts wurde somit ohne weiteres verworfen, ohne daß man überhaupt auf die Materie selbst einging. ** Hombruch, 26. Sept.(Unglücksfall im Bergbau.) Auf Schacht Giesbert der Zeche GlückaufTiefbau kam heute Morgen der Bergmann Wilh. Mennes durch Steinfall zu Tode. Desgleichen kamen auf Zeche Holthausen, Schacht Kaiser Friedrich, die Bergleute Joh. Romshausen, Wilhelmstraße hierselbst wohnhaft, und Löbe aus Eichlinghofen durch Verschüttung aus dem Hangenden zu Tode. Löbe ist bis jetzt noch nicht zu Tage gefördert. Ans Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 26. Sept. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den Bergmann Kroll aus Lütgendortmund zu 100 Mark Geldstrafe, weil er den Lehrer Schneider auf offener Straße geohrfeigt hatte. Schneider hatte ein Kind von Kroll beim Unterrichte wegen forgesetzter Unaufmerksamkeit gezüchtigt. Der Amtsanwalt hatte zwei Monate Gefängnis beantragt. * Münster, 26. Sept. Vor der staatlichen Prüfungskommission fand hier in diesen Tagen die Prüfung für Rektoren und Mittelschullehrer statt. Das Ergebnis war wenig günstig, da von 48 Bewerbern nur 26 das vorgesteckte Ziel erreichten. * Düsseldorf, 26. Sept. Ein Kurpfuscher der allerschlimmsten Art hatte sich vor dem Schöffengericht Rattingen heute in der Person des Naturheilkundigen Reinhold Klein aus Haspe zu verantworten. Der im 24. Lebensjahre stehende Angeklagte wurde von einem erkrankten Fabrikarbeiter aus Rat konsultiert. Er sandte dem Kranken, ohne daß er ihn untersucht oder auch nur gesehen hatte, 2 Schächtelchen mit Pulver, die der Kranke mit 6,60 Mk. bezahlen mußte; später stellte sich heraus, daß der Inhalt gewöhnlicher Milchzucker zum Preise von etwa 10 Pfg. war. Weiter kurierte der Wunderdoktor seine Kranken durch Gesundbeten, indem er„allabendlich ein inbrünstiges Gebet zum Himmel sende", währenddessen die Patienten an ihn denken und einen wohltätigen Strom verspüren sollten. Geholfen haben den Kranken alle diese Mittel natürlich nichts. Das Gericht verurteilte den Angeklagten in Rücksicht darauf, daß er bisher noch unbestraft ist, zu 100 Mark Geldstrafe. * Köln, 26. Sept. Das Kriegsgericht verurteilte den Major a. D. Ziermann aus Aachen wegen fahrlässiger Tötung seines Küchenmädchens zu einem Monat Festung. Die Fahrläsgkeit wurde darin erblickt, daß Ziermann ein geladenes Gewehr, woraus der tötliche Schuß gefallen war, dem Burschen zum Reinigen übergeben hatte, ohne zu sagen, daß die Waffe noch geladen war. Der Bursche wurde von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen. * Duisburg, 26. Sept Auf dem vorgestrigen Wochenmarkte auf dem Dellplatz wurde, laut der„Köln. Vztg.“, ein Reservist plötzlich tobsüchtig. Der Mann würgte zunächst eine Frau, stürzte sich alsdann auf ein Pferd und gebärdete sich in einer Weise, daß die Marktbesucher angstlich fortliefen. Sechs Polizeibeamten gelang es, den Mann in einen Torweg zu sperren, woselbst er eine Stange aus dem eisernen Gitter riß. Später wurde der Tobsüchtige auf einer Karre gefesselt zum Krankenhause gebracht. Ein Ehedrama im Krankenhaus. Aus Brescia wird geschrieben: Der Mechaniker Monico, ein Führer der Sozialdemokraten Brescias, hat eine auffallend schöne Frau, eine Venezianerin, mit Namen Elisa. Sie ist 25 Jahre alt und nennt auch ein liebliches vierjähriges Kind ihr eigen. Vor einigen Tagen mußte sie sich ins städtische Krankenhaus begeben, wo sie sich einer Operation unterwerfen wollte. In ihrer Abwesenheit kam ihr Mann auf den verhängnisvollen Gedanken, in ihren Briefen herumzustöbern. Dabei fand er einen halbvollendeten Brief seiner Frau, aus dem hervorging, daß sie ein Liebesverhältnis mit einem anderen sozialdemokratischen Führer, einem Rechtsanwalt, unterhalte. Der betrogene Ehemann lieh sich von einem Genossen einen Revolver und suchte nunmehr seine Frau im Krankenhause auf. In dem Saale, in dem die Signora Elisa untergebracht war, standen im ganzen 28 Betten, alle mit kranken Frauen und Mädchen. Es waren noch viele andere Besucher anwesend. Mit den Krankenpflegerinnen mochten etwa 100 Personen im Saale sein. Monico ging kaltblütig aus Bett seiner Frau, zog den Revolver und gab auf die Unglückliche zwei Schüsse ab. Im Saale entstand ein furchtbares Durcheinander. Die Signora Elisa, deren Wunden nicht tötlich waren, sprang aus dem Bette und flüchtete laut schreiend nach der Tür. Auch die übrigen Kranken wurden von panischem Schrecken ergriffen. Sie warfen allesamt die Bettdecken von sich und liefen wie wahnsinnig, nach Hülfe rufend, in dem Saal umher. Die Krankenbesucher verloren ebenfalls den Kopf. An den Türen entstand ein furchtbares Gedränge. Die Nonnen schrieen und jammerten. Der Mörder lief mit dem Revolver in der Hand hinter seiner Frau her und feuerte noch drei Schüsse auf sie ab, bis sie blutüberströmt zusammenbrach. Da endlich faßten ein paar Männer Mut, entwaffneten den Rasenden und schleppten ihn in ein benachbartes Zimmer, wo ihn dann die Polizei in Empfang nahm. Durch die Mordszene wurde ein junges Mädchen namens Cecillia Taliano auf wunderbare Weise von einer Hüftverrenkung geheilt. Sie lag schon seit drei Wochen im Krankenhause, unfähig, sich zu bewegen. Als neben ihr die Revolverschüsse krachten, wurde sie von einem so furchtbaren Schrecken erfaßt, daß sie mit einem Male den Gebrauch ihrer Glieder wiedergewann und wie der Wind aus dem Krankensaale fort war. Die Signora Elisa lebt noch, doch zweifeln die Aerzte an ihrem Aufkommen. Bekanntmachung. Die Urwählerlisten der sämtlichen Gemeinden des Amtsbezirks Wellinghofen zur Wahlmännerwahl behufs Neubildung des Abgeordnetenhauses liegen am 1., 2. und 3. Oktober er. zur Einsicht bei den Herren Vorstehern offen. Innerhalb 8 Tage nach dieser Bekanntmachung steht es jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Listen seine Einwendungen bei den betreffenden Vorstehern schriftlich anzuzeigen oder zu Protokoll zu geben. Wellinghofen, den 25. September 1908. Der Amtmann: Hartung. Bekanntmachung. Der Verkauf der von der Landwirtschaftskammer eingeführten Fohlen und Stuten nach Belgier Art findet am 6. Oktober, vormittags 11 Uhr, auf dem großen Exerzierplatz in Hamm statt. Verkaufsbedingungen versendet die Geschäftsstelle der Landwirtschaftskammer Münster, Frie=Vendtstraße 16. Münster, den 22. September 1903. Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer der gez Freiherr von Landsberg. Landwirtschaftliche Winterschule Dortmund. Beginn des nächsten Wintersemesters Donnerstag, den 29. Oktober, vorm. 9 Uhr. Anmeldungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt gern Der Direktor: Dr. Müller, Sounenstraße 100. Meiner geehrten Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich mein Mandsattur= und vom Sonnabend, den 26. Septbr., ab in das Haus DE Nr. 3 am Marht verlege. Frau MI. Grobbel. 1 K jener Depeschendienst § Berlin, 27. Sept. Das Kriegsgericht der 18. Division verurteilte, wie aus Kiel gemeldet wird, den Musketier Wellendorf vom Kieler Bataillon des InfanterieRegiments„Herzog von Holstein“ wegen tätlichen Angriffs auf einen Patrouillenführer zu 5 Jahren und 1 Monat Gefängnis, sowie Ausstoßung aus dem Heere. § Wien, 27. Sept. Das Abgeordnetenhaus nahm mit großer Mehrheit das Rekrutengesetz an. § Paris, 27. Sept. Der in Rouen gegenwärtig tagende Friedenskongreß hat gestern seine Arbeiten beendet. Es wurde ein Antrag angenommen, welcher sich mit der elsässisch=lothringischen Frage befaßt. Man einigte sich dahin, diese Frage dem nächsten Kongreß zu unterbreiten, der außerhalb der beiden interessierten Länder im Jahre 1904 in den Vereinigten Staaten tagen soll. § Paris, 27. Sept. Aus Madagaskar werden Goldfunde gemeldet. Die Kolonialgruppe in den Kammern hat die Regierung bereits veranlaßt, Konzessionen zur Ausbeutung der Minen nur französischen Gesellschaften zu erteilen. Englische Gesellschaften sind bereits abgewiesen worden. § Paris, 27. Sept. Ein Redakteur des„Journal" ist gestern plötzlich vom Wahnsinn befallen worden. Er glaubte sich von Dieben verfolgt und gab auf der Straße Revolverschüsse ab; er wurde in eine Heilanstalt gebracht. § Lissabon, 27. Sept. An der portugisischen Küste kenterte ein auf den Sardinenfang ausfahrendes Fischerboot. Von den 32 Mann der Besatzung sind 10 Mann tot, eine Anzahl wurde schwer verletzt. § Saloniki, 27. Sept. Die Verwaltung der Bahn Konstantinopel=Saloniki erhielt den Befehl sich auf den Transport von 16 Bataillonen nach Djuma vorzubereiten, weil dort die Insurgenten mit der größten Kühnheit auftreten. Hd Belgrad, 27. Sept. Der Deputierte Geljakowics und der Abgeordnete Philipporics wurden ermordet. Hd Laurahütte, 28. Sept. Von den bei einem Grubenbrande im Ficimuschachte Verunglückten sind bis jetzt 27 in das Lazarett eingeliefert. Unter ihnen befinden sich mehrere Steiger und Grubenbeamte. 3 Arbeiter sind tot. Ungefähr die Hälfte der Verunglückten ist durch Einatmung von Kohlenoxydgas erkrankt, die andere Hälfte ist leicht verwundet. Da bei der Entstehung des Grubenunglücks Schichtwechsel stattfand, läßt sich die Zahl der noch Vermißten nicht genau feststellen. Man vermutet in der Grube außer dem Bergverwalter Sandig noch 5—6 Mann, die man für tot hält. Wetterbericht. Selweizerkass (echten Emmenthaler) per Pfd. 1,00 Mk. Carl Trog. N 88 Tranksurter Wärsichen stets frisch bei 500000000 Scach-Wannsveraner 5 der über die Vorgänge in Stadt und Provinz Hannover und Nordwestdeutschland informiert bleiben will, sei der täglich erscheinende s Hannoversche Anzeiger als gelesenste Tageszeitung Hannovers und Nordwestdeutschlands empfohlen. Wöchentliche Gratisbeilagen: „Hannoversches Familienblatt“ „Der lustige Hannoveraner“ „Frauensorgen“ „Jugendzellung“ Auflage 75,000. Erstes Insertionsorgan für Stadt und Provinz Hannover. Abonnementspreis: vierteljährlich 2 Mk., mit Bestellgeld 2.42 Mk. monatlich 67 Pfg resp. 81 Pfg. — Postzeitungsliste 3335.— Probenummern versendet gratis und franko die Expedition, Hannover, Schillerstrasse 11. Patent-Bureau Ad. 29. Sept.: Wärmer, sonnig mit Wolken, früh Nebel. s=s 30. Sept.: Vielfach heiter bei Wolkenzug. Tags ange=[Hochzeits-Einladungen nehm, nachts kalt.„„ Aue 89.— Fernsor. 1579. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. liefert schnell und oillig Carl Braus, Buchdruckerei, Schwerte. S e Adele Andree e e e Emil Stolle Verlobte. 95 Schwerte Hohenlimburg September 1903. S Bekunntmachung. Diejenigen Eingesessenen des hiesigen Amtsbezirks, welche für das Jahr 1903 einen Wandergewerbeschein oder zum Aufsuchen von Warenbestellungen eine Legitimationskarte zu haben wünschen, wollen sich bis zum 15. Ortooer ds. Is. auf dem hiesigen Amtsbüro melden.. Westhofen, 26. Sepror. 1903. Der Amtmann: Graf Haslingen. Oeffentlicher Verraus. Im Auftrage des Konkursverwalters über das Vermögen der Firma I. Egen zu Schwerte soll am Mittwoch, den 30. ds. Mts., vorm von 10 Uhr an, am Bahnhof: eine Partie Bauund Brennholz, Bretter, Wellblech, Säcke, Mühlensteine. 1Geldschrank,1 Ofen und 4 Schreibpulte gegen Barzahlung versteigert werden. Müller, Ger.=Vollz. kr. A. in Schwerte, Ruhrstr. 2. 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