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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraitt.

Nr.

Schwerte, Donnerstag den 24. September 1903.

Zum Rücktritt des englischen Kolonialministers Chamverlain.

Der urplötzliche Rücktritt des Ministers Chamberlain und seiner Kollegen Ritchie und Lord Hamilton hat be­kanntlich großes Aussehen erregt und ist überall auf das lebhafteste besprochen worden. Die Grundtendenz der Er­örterungen lautete jedoch fast übereinstimmend überall dahin, daß der Rücktritt des Mannes, der der großbritani­schen Politik wie kein zweiter vor ihm, seinen Stempel aufgedrückt hat, nicht mit einer politischen Niederlage des­selben gleichbedeutend sei. Nachdem er in der britischen Politik in außerordentlichem Grade die Stärkung der bri­tischen Weltmachtstellung auf kolonialem Gebiete hervor­gehoben hat, geht er seinem zweiten Ziele, Herstellung einer engeren wirtschaftspolitischen Verbindung der Kolo­nien mit dem Mutterlande und Aenderung des britischen

Zollsystems zu diesem Zweck, mit Energie entgegen. Schon am Tage nach seinem Rücktritt hat er ein Schreiben an den Vorsitzenden der schutzzöllnerischen Tarifreformliga gerichtet, in dem er die ihn leitenden Gesichtspunkte klar­stellt. Er fordert: 1. eine engere Verbindung mit den Kolonien durch Vorzugstarife und das Bestreben, das Reich, was die Nahrungsmittelversorgung anbelangt, auf eigene Füße zu stellen; 2. die Anwendung des Tarifs als Waffe, um von andern Nationen größere Gegenseitigkeit zu erlangen, und um, wo ein solches Uebereinkommen nicht erreicht wird, Vergeltungsmaßnahmen anzuwenden. Jedenfalls wird man Chamberlain in nicht ferner Zeit an dem entsprechenden ihm zusagenden Platze in der Re­gierung wiederfinden.

Sozialdemokratische Kritik des Parteitages.

Der„Volkswille“ in Hannover schreibt:„Die De­batten, die bis jetzt auf dem Parteitag gepflogen worden

sind, müssen geradezu niederdrückend auf die Masse der Parteigenossen wirken.“ So könne das nicht weiter gehen. „Wir bedauern nur die Genossen, die mühselig, oftmals mit Einsetzung ihrer ganzen Existenz, die harte Kleinarbeit machen und die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen jene „großen Geister“ auf dem Parteitage eingebrockt haben.

Unendlich traurig nach Form und Inhalt nennt die „Frankfurter Volksstimme“ die Debatten über die Mitar­

Glück erkennt man nicht, drinnen man geboren,

Glück erkennt man erst, wenn man's hat verloren.

*

Mitleid hab’ mit allen,

Mit Mensch und Tier—

Nur eines lasse fallen:

Mitleid mit dir.

*

Sich selbst bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg, Sich selbst besiegen, ist der allerschönste Sieg.

Roman von F. Arnefeld.

(29. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten)

Willibalds Gesicht rötete sich. Er winkte mit der

„Ich habe Ahrweiler einen Eid geleistet, nach seinem Tode Josefine Leonhard und ihrer Mutter die Millionen zufließen zu lassen, ohne daß sie wissen, von wannen sie

„Wie hättest Du das ausführen sollen?“ fragte Willi­

„Das weiß ich noch nicht, aber es würde sich haben bewerkstelligen lassen und wird zu machen sein, wenn ich in den Besitz des Geldes gelangen sollte. Der Gedanke hat mir aber keine Ruhe gelassen, Du könntest das Geld für

unser Eigentum halten und—“

„Du weißt, Vater, daß die Auszahlung nicht eher er­folgt, bis die Untersuchung zu Ende ist,“ unterhrach, ih: Willibald,„selbst Ahrweilers Verwandte erhaulen oren Anteil nicht eher.

beit sozialistischer Schriftsteller an der bürgerlichen Presse. Auch die„Bremer Bürger=Ztg.“ spricht unter der Ueber­schrift„So kann es nicht weiter gehen“ Entrüstung über die persönlichen Debatten aus.— Ob die Leutchen nun wohl so vernünftig sein werden und ziehen die nötigen Konsequenzen daraus?

Politische Uebersicht.

Deutschland.

— Hüssener=Prozeß. Nach einer Meldung aus Kiel

begann dort gestern vormittag die erneute Verhandlung im Hüssener=Prozeß. Erschienen waren 16 Zeugen und Sachverständige. Der Andrang des Publikums war ein

„Du darfst aber damit auch nicht rechnen, versprich mir das, der Gedanke quält mich zu sekz.g te##

„Ich verspreche es Dir," sagte Willivald etwas zogerno und legte seine Hand in die ausgestreckte des Vaters.„Aber

hast Du dem.—. gI, schnit ihm 9i.

Ein Klopfen an der Tur schna##ym die Rede ab. Der Gefängniswärter trat ein und erklärte, die für die Unter­redung bewilligte Zeit sei bereits überschritten. Willibald mußte sich von seinem Vater verabschieden, ohne die Frage, die er auf den Lippen gehabt, an ihn gestellt zu haben.

14. Kapitel.

Der nächste Tag war ein Sonntag und Willibald Dornedden, welcher schon mit dem Nachtzuge am Sonn­abend nach Landeshut hatte zurückkehren wollen, entschloß sich infolge der Eröffnungen, die ihm der Vater gemacht, seinen Aufenthalt in Berlin zu verlängern. Er sandte sei­ner Mutter ein Telegramm, daß er erst am Montag oder

Dienstag zurückkehren würde.

„Es ist gut, daß wir unterbrochen wurden,“ mur­melte er, während er das Gefängnis verließ und den Weg nach der Haltestelle der Pferebahn, die ihn nach Berlin zurückbringen sollte, einschlug.„Hätte ich ihn gefragt, ob er die Verabredung mit Ahrweiler dem Untersuchungs­richter mitgeteilt hat, so würde ich mir die Hände gebunden haben. Nach allem, was ich von ihm erfahren habe, hat er es nicht getan und würde es mir in seiner übertriebenen Pietät gegen den toten Freund auch verboten haben. Es ist nicht geschehen und ich darf die Sache ausnutzen. Der Umstand spricht so sehr zu seinen Gunsten, daß es eine Art Selbstmord wäre, falls er es nicht zu seiner Verteidigung anführen wollte. Ich will den von ihm begangenen

Aber auch in Willibald lebte viel von der Rücksicht und Peinlichkeit, die er an seinem Vater kennen gelernt hatte; es dünkte ihn doch nicht recht, daß Frau, Leonhard und ihre Tochter durch seine vor Gericht abgegevene Erklärung die

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erheblich geringerer. Die Zeugenaussagen ergaben wenig Neues. Hüssener erklärte auf Befragen des Vertreters der Anklage, er hätte den Stich nicht geführt, wenn ihm der Gedanke gekommen wäre, er könnte damit Hartmann töten oder lebensgefährlich verletzen. Keiner der Augenzeugen hat den tätlichen Angriff Hartmanns auf Hüssener be­obachtet. Auf die Aussagen von vier Zeugen verzichtete der Gerichtshof. Das Urteil lautete, wie wir bereits gestern abend durch Extrablatt mitteilten, auf 2 Jahre 7 Tage Festung. Der öffentliche Ankläger hatte 4 Jahre 7 Tage Gefängnis und Degradation beantragt.

— Ueber die wirtschaftliche Lage sagte dieser Tage Eisenbahnminister Budde bei der Eröffnung des neuen Hafens zu Leer in Ostfriesland: Die fortwährende Steige­rung der Eisenbahnverkehrseinnahmen und die günstigen Nachrichten aus der Industrie= und Handelswelt weisen den erhöhten Bedarf des Inlandes infolge der kangsam fortschreitenden Gesundung der innerwirtschaftlichen Lage nach. Diese Besserung der Wirtschaftslage müsse als be­stehend anerkannt werden, wenn man auch nach den ge­machten Erfahrungen keine übertriebene Hoffnungen da­ran knüpfen dürfe. Für das Zutrauen zur weiteren Besse­rung der Verhältnisse sei durchaus die bevorstehende Er­neuerung des Kohlensyndikats ein Beweis.

— Die Ausdehnung der Zwangsversicherung auf die

selbständigen Handwerker ist vor der Hand noch nicht be­absichtigt. Der letzte Handwerkskammertag hat sich zwar für die Einführung der Zwangsversicherung erklärt; dieser Beschluß ist indessen mit so schwacher Majorität gefaßt worden, daß die Reichsregierung ihre Bedenken gegen die in Rede stehende Ausdehnung der Zwangsversicherung nicht hat aufgeben können. Die selbstandigen Meister, die ein oder zwei Gehilfen beschäftigen, empfinden es aber als etwas beschämendes, sozialpolitisch auf das Niveau des Arbeiters gestellt zu werden. Jedenfalls bedarf die An­gelegenheit noch weiterer Klärung, ehe sie spruchreif wird. Es werden daher unter Umständen noch Jahre vergehen, ehe man ihr gesetzgeberisch näher tritt. Wie die Dinge heute stehen, ist mit der Einbeziehung der selbständigen Handwerker in die Zwangsversicherung in absehbarer Zeit überhaupt nicht zu rechnen.

— Beißend schreibt die„Freis. Ztg.“ zum sozial­demokratischen Parteitage:„Wir unsererseits müssen Ab­bitte leisten gegenüber der Sozialdemokratie in betreff un­serer Klagen über die Art und Weise, wie sie während des Wahlkampfes die Führer und Kandidaten der Freisinni­gen Volkspartei beschimpft hat. Jene Beschimpfungsart reichte nicht entfernt heran an die herabwürdigende Ton­art, mit der die Genossen sich untereinander traktierten.“

— Die Wenden. Nach den Ergebnissen der letzten

Volkszählung betrug die Gesamtzahl der Gemeinden des Königreichs Sachsen, in denen noch Wenden wohnen, 297,

Nachricht erhalten und durch gehässige Angriffe der Ver­wandten des Erblassers unliebsam überrascht werden soll­ten. Er richtete deshalb seine Schritte nach der Nettelbeck­straße, und das Glück war ihm günstig. Er traf die vom Neuen See heimkehrende Josefine vor der Tür des von ihr bewohnten Hauses und erhielt die Erlaubnis, sie und ihre

Mutter am anderen Tage zu besuchen.——

In der Kaiser=Wilhelm=Gedächtniskirche am Augusta­Viktoria=Platz war der Vormittagsgottesdienst beendet; unter den Klängen der Orgel strömten die recht zahl­reichen Kirchenbesucher ins Freie und zerstreuten sich nach allen Seiten.

Frau Sanitätsrat Leonhard und ihre Tochter waren ebenfalls in der Kirche gewesen und schickten sich an, den nicht allzu weiten Weg nach ihrer Wohnung zu Fuß zu­rückzulegen. Josefine schlug dabei eine so schnelle Gang­art an, daß die Mutter sie verwundert fragte, weshalb sie denn so eile; das Mittagessen werde ja durch das Mäd­chen ganz ordentlich besorgt und das Gehen in dem hellen Sonnenschein des schönen, klaren Wintertages sei doch ein

Das von der frischen, kalten Luft gerötete Gesicht des jungen Mädchens ward wie mit Blut übergossen, während sie ihre Schritte mäßigte und sich bei der Mutter wegen ihrer unbedachten Eile entschuldigte. Nicht um die Welt hätte sie eingestehen mögen, daß der Gedanke sie vorwärts getrieben habe, Willibald Dornedden könne während ihrer Abwesenheit vorgesprochen und ohne sie angetroffen zu haben, wieder fortgegangen sein. Zu Hause angelangt, war denn auch ihre erste Frage, ob jemand dagewesen sei; als dies durch das Mädchen verneint ward, atmete sie er­leichtert auf, brachte ihren Anzug vor dem Spiegel in ihrem Zimmer mit besonderer Sorgfalt zurecht und ord­nete dann in der sehr sauberen, behaglich erwämten Woh­nung allerlei, um die innere Unruhe zu verbergen.

Der still und fein beobachtenden Mutter entging der

Amriches Nresolait