Volks=Zeitung

Ausgabe A für den rheinisch=westfälischen Industriebezirk 63. Jahrgang

Bochumer Volkszeitung T. Bochumer Stadtanzeiger

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Nr. 232

Samslag/ Sonnlag, den 6./7. Oklober(Bruno)

1934

Doumergue fordert Aulorität, nicht Diktatur

Zweile Rundfunkrede des französischen Ministerpräsidenten zur Staatsreform

für eilige seser

Die Tagung der Reichs= und Gauleiter, mit der das Treffen der 300 dienstältesten Politischen Leiter verbunden ist, nahm am Donnerstagabend im Dresdner Schauspielhaus ihren Anfang. In seiner Ansprache betonte der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, daß die alten Kämpfer der Bewegung nicht vergessen werden würden.

Die Pariser Bätter setzen sich eingehend mit der Vertagung der Romreise Barthous auseinander. Allgemein vermutet man, daß die französisch­italienischen Vorverhandlungen noch nicht weit genug gediehen seien. Einige Blätter wollen auch von Schwierigkeiten wissen, die bei der Be­sprechung über die mitteleuropäische Lage ent­standen seien.

Durch österreichische Zeitungen ist in den ersten Oktobertagen die Nachricht gegangen, daß Dr. Wächter im Flugzeug aus Deutschland kommend in Südslawien eingetroffen sei, um die Organi­sierung der dortigen österreichischen Flüchtlinge zu übernehmen. Dr. Wächter erklärt, daß die Meldung in keiner Form den Tatsachen ent­spreche.

Wie das Reichskontor der Nordischen Gesellschaft in Lübeck mitteilt, wählte der Große Rat der Gesellschaft zum Nachfolger des Reichsstatthalters Friedrich Hildehrandt den Oberpräsidenten Gan­leiter Lohsee=Kiel zum Leiter der Nordischen Gesellschaft.

Die Verletzungen des französischen Botschafters in Bern, Graf Clandel, der, wie berichtet, in der Nähe von Tavannes im Berner Jura mit seinem Kraftwagen verunglückte, sind nach ärztlicher Untersuchung nur leichter Art.

Allerheiligen bleibt in katholischen Gegenden Festlag

München. Das Fest Allerheiligen wird, einem Beschluß des bayerischen Gesamtministeriums zufolge, im Jahr 1934 in den bayerische Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung, soweit in diesen Gemeinden Allerheiligen nach bisherigem Brauch Festtag mit Arbeitsruhe für den ganzen Tag war, staatlich geschützt.

Belgischer Damrfer an der holländischen Küste gekentert

Cuxhaven, 5. Okt. An der holländischen Küste kenterte am Donnerstagabend der belgische Dampfer„Charles José“ aus Antwerpen etwa vier Seemeilen westlich vom Haak Feuerschiff. Ein Ret­tungsboot mit dem Kapitän und einem Mann der Besatzung an Bord ist von dem deutschen Dampfer „Wildenfeld“ von der Hansa=Linie aufgefischt wor­den. Der Dampfer„Charles José“ ist 554 Tonnen groß.

Wie zu dem Unglück ergänzend bekannt wird bestand die Besatzung dieses Schiffes vermutlich aus zehn Mann. Das Schiff war manövrierunfähig ge­worden. Die Besatzung gab von etwa 20 Uhr bis gegen Mitternacht andauernd Notsignale mit roten Leuchtraketen. Darauf liesen aus Helder ein Motor­Rettungsboot und ein Schleppdampfer zur Hilfe leistung aus. Bevor sie aber die große Entfernung zur Unfallstelle zurückgelegt hatten, war das belgische -nnt bereits in den Wellen der See verschwunden, so daß sie am frühen Morgen unverrichteter Sache nach Helder zurückkehren mußten.

Wirbelsturm in einer englischen Stadt

DNB Lendon, 5. Okt. Die Stadt Llanhilleth in der an Wales grenzenden Grafschaft Monmouth erlebte am Donnerstag einen Sturm von außerordentlicher Heftigkeit, der ganz unerwartet losbrach und nach drei Minuten zu Ende war. Der plötzlich einsetzende Wirbelwind, der von wolhenbruchartigen Regengüssen begleitet war. warf Fußgänger zu Boden, zerriß Tele­son= und Telegraphenleitungen, zerschlug Fensterschei­ben und richtete großen Schaden an den Hausdächern an. Zwei Hausdächer stürzten ein, doch waren infolge eines merkwürdigen Zufalls die Bewohner der ober­sten Stockwerke in beiden Fällen in Krankenhäusern, um dort liegende Angehörige zu besuchen. Ein son­derbarer Umstand war, daß der Sturmwind nur einige Leile der Stadt traf, während andere Stadtteile unbe­rührt blieben. Die Einwohner behaupten, daß während des Unwetters ein kurzer Erdstoß zu verspüren war

Das Lissaboner Königsschloß niedergebrannt

Lissabon, 5. Okt. Das historische Königsschlof Queluz, das man das„Versailles von Portugal“ ge­nannt hat, ist am Donnerstagabend von einem Groß­euer bis auf die Grundmauern zerstört worden. Die Ursache des Brandes ist noch enicht bekannt. Man fürchtet, daß die graße Sammlung von Edelsteinen, mälden und Skulpturen völlig zerstört wurde,

Paris, 5. Oktober. Am Donnerstagabend sprach Ministerpräsident Doumergue erneut im Rundfunk zum französischen Volk. Er bezeichnete sich eingangs als ergebenen Verteidiger der freien französischen Institutionen, kündigte jedoch Reformen an, die diese Institutionen durch die Schaffung einer

Regierung mit genügend Autorität

vervollständigen sollen, so daß die Regierung gewiß sei, zur Erfüllung ihrer Aufgabe lange genug leben zu können. Die Erfahrung habe bewiesen, daß die französischen Regierungen diese Autorität nicht mehr gehabt hätten. Wenn ein Land soweit gekommen sei, dann trete Unordnung ein, und auf sie folge Anarchie. Die Anarchie ziehe unvermeidlich die Diktatur entweder eines Mannes oder einiger Männer oder eines siegreichen Landes nach sich.

DNB. Madrid, 5. Okt. In der Nacht zum Freitag ist von den marxistischen Gewerkschaften der General streik erklärt worden als Antwort darauf, daß der Staatspräsident den Weg für eine Entwicklung nach rechts und für eine antimarxistische Regierung frei­gemacht hat. Madrid gleicht gegenwärtig einer toten Stadt. Es verkehren weder Autobusse noch Straßenbahnen, noch Untergrundbahnen; man be­fürchtet, daß die lebenswichtigen Be­triebe im Laufe der nächsten Stunden ebenfalls stillgelegt werden. Auch die Telephonver­bindungen in das Ausland sind außer­ordentlich erschwert. Ferner ist damit zu rechnen, daß die Zeitungen nicht mehr erscheinen.

In Madrid kam es am Freitag an mehreren Stel­len zu heftigen Schießereien zwischen Streikenden und der Polizei. Die wenigen Straßenbahnen, die von der Polizei bewacht, den Verkehr aufzunehmen ver­suchten, wurden von Arbeitergruppen beschossen und mit Steinen beworfen. Bis jetzt sind über 20 Ver­wundete festgestellt.

Besonders ernste Formen hat der Generalstreik in Asturien angenommen, wo die Grubenarbei­ter allerlei Gewaltakte verüben. Unter anderem wurden mehrere Ueberfälle von Syndikalisten auf Polizeiposten durchgeführt, wobei bis jetzt Jünf

Er, Doumergue, wolle Frankreich ein solches Schick­sal ersparen. Sicherlich müßten infolge kleiner Aenderungen, die er für die politische Verfassung vorschlagen werde, die Parlamente die Initiative ergreifen. Die von ihm geplanten Bestimmungen würden die Institution des Parlaments, die von verschiedenen Seiten sichtlich bedroht sei, festigen. Seine Absicht gehe dahin, eine Mi­nisterprasidentschaft zu schaffen, die über ein ständiges Büro und ein ausgesuchtes Per­sonal verfüge. Außer dem Statistischen Amt würde der Ministerpräsidentschaft das Generalsekretariat des Obersten Rates der Landesverteidigung und der neu zu organisierende Wirtschaftsrat an gegliedert werden. Dieser Wirtschaftsrat werde aus von der Regierung bestimmten qualifizierten Ver­tretern der Wirtschaft des Landes zusammengesetzt

wundet gemeldet sind. Mehrere Arbeiter sollen getötet und verwundet sein. In Sevilla und Barce­lona ist der Generalstreik ausgerufen worden. Ein­zelheiten fehlen, da die telephonischen Leitungen zum größten Teil zerstört sind.

Die Regierung hat, nachdem die ernsten Nach­richten ans Asturien eingetroffen sind, den Arieasznstand über diese Provinz verhängt. Wie verlantet, sollen mehrere Flugzeuggesch oader von Madrid aus dorthin unterwegs sein. In Eil­bar stürmten die Marxisten eine Waffenfabrik. Auch von dort fehlen Einzelheiten.

Der den Linksbürgerlichen angehörende Präsident des Staatsgerichtshofes ist aus Protest gegen die neue Regierung zurückgetreten.

Die Lage ist außerordentlich ernst. Man befürch­tet, daß sich der Generalstreik zum revolutionären An­griff des Marxismus auf den Staat entwickelt.

Die Generalstreikbewegung scheint weiter um sich zu greifen. Insbesondere in Asturien hat sich die Laae bedeutend verschlechtert. Auch aus Valledolid werden Gewaltakte gemeldet. Eine marxistische Bande überfiel dort eine Polizeikaserne, wobei zwei Offi­ziere getötet wurden.

Der französische Ministerpräsident Doumergue

sein. Er werde nur beratende Befugnis haben. Zur Verstärkung des nationalen Wirtschaftsrates werde eine Anzahl regionaler Wirtschaftsräte geschaffen werden. Die Tatsache, daß das Fehlen der Verant­wortung zum System erhoben worden sei, habe alle Ressorts verfälscht und die Autorität vermindert, ja mitunter überhaupt beseitigt. Doumerque betonte dann die Notwendigkeit der unbedingten

Trennung der politischen und der richterlichen Gewalt Er versprach Vorkehrungen zur Bekämpfung der Getreide=, Wein= und Aröeitslosenkrise.

Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Die Aufrechterhaltung des Friedens bedingt unsere ganze Außenpolitik. Frankreich hege keine Nach­sucht gegen ein anderes Land. Es werde sich stets gern zu allen Ententen bereit finden, deren auf­richtiges Ziel die Aufrechterhaltung des Friedens sein werde, selbstverständlich unter der Bedingung, daß keine dieser Ententen Frankreich verpflichte, auf etwas zu verzichten, was es für seine Sicher heit als unerläßlich ansehe. Diejenigen, die wirk­lich den Frieden wollten, seien nicht die, die sich damit begnügten,„Frieden zu blöken“ und die Arme zu verschränken. Jene beschwörten, wie er gern zugeben wolle, unbewußt eines Tages den Krieg über ihr Land herauf. Die Leute, die die Gefahr abwenden wollten, hielten ihr Land in dem Zustand einer guten Verteidigung für den Fall, daß es angegriffen werden sollte. Der Bürger­krieg im Februar hätte binnen kurzer Zeit Krieg mit dem Auslande bedeutet.

Ein Bürgerkrieg morgen wäre Krieg mit dem Ansland beinahe unmittelber darauf,

und zwar würde er dann noch sicherer folgen, als er im Februar auf einen Bürgerkrieg gefolgt wäre. Deshalb hätte er die Regierungsgewalt erhalten, als er gesehen habe, wie sich unter dem Namen„Gemeinsame Front“ die gestern noch feindlichen Brüder vereinigten, die sich infolge ihrer Programme logischerweise unter dem koin­munistischen Banner hätten verschmelzen müssen.

Das Programm, das die Gemeinsame Front in Falle ihres Erfolges anwenden würde, wäre: Abschaf fung der Legalität und der Souveränität des Volkes Einführung der Diktatur einiger bevorrechtigter Füh rer, Einführung der Gewalt, d. h. Bürgerkrieg und seine Folgen, Beseitigung der Freiheit, vor allem der Meinungsfreiheit, Beseitigung des Privateigentum­und eines jeden Eigentumsrechts, ein Recht, das da­Jahr 1789 unseren Vätern gegeben habe. Doumergu­beleuchtete dann die Unaufrichtigkeit und Zweideutig keit des kommunistischen Programms.

Daß kommunistische Lehrsätze in Ländern angenom men und angemandt werden könnten, die sich durc ihr Temperament, ihre Geschichte, ihre Denkart und ihre Bestrebung von Frankreich unterscheiden, sei mög­lich. Daß andere Länder, umn sich der Entwicklung die­ser Lehre hei sich zu widersetzen, zu etwas harten Mitteln gegriffen hätten, sei sicher. Frankreich mische sich in die Innenpolitik anderer Länder nichi=1a. Aber Tatsachen seien Tat­sachen. Frankreich habe das Recht, sie zu beobachten und daraus Lehren zu ziehen. Um jede Gefahr der Diktatur zu nermeiden, müsse man der gemeinsamen kommunistisch-sozialistischen Front die

gemeinsame Front der Freiheit und des Vaterlandes

entgegenstellen.

Alsdann widmete Ministerpräsident Doumergue der französischen Jugend einige aufmunternde Worte Seine Rede klang in einen Aufruf zur Einigkeit aus

Zweifaches Echo

Die Rundfunkrede Doumerques finde in der Pari­er Presse ein lautes Echo. Die Rechtsblätter lassen ihrer Freude freien Lauf, die marxistischen Organe antworten mit verstärktem Haß, wahrend die radikal soziale Presse offensichtlich betreten ist

„Scho de Paris“ freut sich besonders über die Er Uarung Doumergues, daß ein Burgerkrieg zwang

Polizisten getötet, vier als schwer ver­

Winters Einzug in das sonnige Kalifornien

Einwohner der Stadt Truckee wurden von einem anßerordentlich schweren Schreefall überrascht, der den Ort in eine Schneedecke hüllte, die bis 40 Zentimeter auswies. Das Bild zeigt eine Straßen­lzene in Truckee in Kalifornien im Oktober 1934.

Kriegszustand über Spanien verhängl

Der Generalstreik nimmt blutige Formen an— Angriffe des Marxismus

auf den Staat