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Nr. 291

Donnerstag, den 16. Dezember

(Kath. Adelheid, Evg. Ananias)

1937

Eden vor dem Unterhaus

Im Auerschnitt des Tages

Verjüngung der britischen Armeeleitung

Erklärung zur Lage im Fernen Östen

Der Wortlaut der japanischen Note an England.— Die britische Mitteilung wird erst heute veröffentlicht!

DNB London, 15. Dez.(Drahtb.) Im Unter­haus gab Eden am Mittwoch auf eine Anfrage des Führers der Opposition, Attlee, hin eine weitere Erklärung zur Lage im Fernen Osten. Eden erinnerte da. Haus daran, daß so­fort nach dem Angriff auf britische Schiffe auf dem Hangtse der britische Botschafter in Tokio die schärfsten Vorstellungen bei der japanischen Regierung erboben

habe. Dann verlas er den Wortlaut der Note, die der japanische Außenminister am Dienstag an den englischen Borschafter in Tokio gerichtet hatte. Der Text dieser Note lautet:

„Eure Exzellenz! Die kaiserlich=japanische Re­gierung bedauert aufs tiefste die Zwischenfälle, bei denen die britischen Kriegeschiffe„Lady Bird“ „Bee",„Cricket“ und„Scarab“ zufälligerweise am 12. Dezember in der Nähe von Wuhu bei Nanking bombardiert worden sind. Ich spreche hiermit im Namen der Regierung

mein tiefstes Bedauern aus. Jch habe die Ehre, Eure Eexzellenz darüber zu informieren, daß taiserliche Regierung sofort die notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, um eine Wieder­holung derartiger Zwischenfalle zu verhindern, und küge hinzu, daß sie sich mit denen, die für die Zwischenfalle verantwortlich sind, sofort nach Abschluß der Nachprufung entprechend auseinandersetzen wird, ebenso wie die Regie­rung bereit ist, den notwendigen Schadenersat an England zu zahlen.

Die kaiserliche Regierung hofft ernstlich, daß diese bedauerlichen Zwischenfälle die traditionelle Freundschaft zwischen den beiden Ländern nicht beeintrachtigen werden.“

Eden gab dann bekannt, die englische Regie­rung werde der japanischen heute eine Mittei­luna übersenden, in der sie

den Empfang dieser Not bestätigen und gleich zeitig ihre Einstellung gegenüber der ganzen Serie von Zwischenfallen befinieren werde. Dahei lege sie besonderen Nachdruck auf den Ernst der Situation, die so entstanden sei, und auf die erforderlichen Folgerungen, die sim ihrer Meinung nach hieraus ergaben.

Die englische Regierung lenke weiter die Aufmerk­samkeit auf gewisse Seiten der jungsten Zwischenfälle, die in der Note der japanischen Regierung nicht erwähnt worden seien. Im einzelnen wünsche die englische Regierung die An­sicherung einer Aktion, die es endgültig sicherstelle, daß sich derartige Zwischenfalle nicht wieder­bolten, die, wie die sapanische Regierung selbst erkenne, die Beziebungen zwischen den Ländern beeinträchtigen müßten. Der Text dieser.

lokalen Militär= und Marinekommandostellen be­achtet werden sollen. Die britische Regierung werde

nicht nur„strikteste Maßnahmen zur Verhin derung der neuerlichen Irrtümer, sondern auch Wiedergutmachung“ verlangen.

Die Note werde jedoch keinen Bezug auf den Kaiser von Japan nehmen, wie das die amerika­nische Note getan habe.

Die amerikanische Protestnote

DNB Wasbington, 15. Dez.(Funkspr.) Im Auf­traae Roosevelts sandte Staatssekretär Hull eine Protestnote an den Botschafter in Tokio zur Uebermittlung an Außenminister Hirota. In der Note wird einleitend auf frühere Zwischen­fälle hingewiesen, denen amerikanische Staatsange­hörige bezw. amerikanische Interessen in China zum Opfer gefallen seien. Unter Hinweis auf den neuen Zwischenfall

erwarte die amerikanische Regierung einen for= mell zu Protokoll gebrachten Ausdruck des Be. dauerng„völlige und umfassende Entschädigung, sowie bestimmte Zusicherungen, wonach von japa­nischer Seite Maßnahmen getroffen würden, die fortan Angriffe auf amerikanische Staate­bürger und amerikanische Interessen verhinder= ten, ebenso unbefugte Einmischungen seitens sapanischer Behörden oder irgendwelcher ande rer Stellen.

Keine Verstärkung des britischen Ostasiengeschwaders

MNB London, 15. Dez.(Drabtb.) Im Verlaufe der Mittwochssitzung des englischen Kabinetts wurde. we verlautet, auch die Frage der Stärke der britischen Flotte in den fernöstlichen Ge­wässern erörtert. Dabei ist man. wie angenommen wird, zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Ver

Ein neuer tschechischer Wilkürakt!

starkung des Fernost=Geschwaders im gegenwär­tigen Augenblick nicht in Froge komme.

Neue chinesische Widerstandslinie

Auch eine neue Hangtse=Eperre in Vorbereitung

Tokio, 15. Dez.(Ostafiendienst des DNB.) Wie die Agentur Domei aus Schanghai meldet, ziehen sich die chinesischen Truppen nach ihrem Rückzug aus Nanking nunmehr in Ankina, der Hauptstadt der Proving Anhui, und in Pengpu, einer anderen bedeutenden Stadt dieser Provinz, erneut zu­sammen. Wie verlautet, wollen die chinesischen Militärbehörden

mit Anking alt Mittelpunkt eine neue Wider. standolinie

errichten, die sich auch über die Provinzen Kiang­si und Tschekiang erstrecken soll. Ferner soll der Hangtse zwischen Anting und Kiukiang wiederum blockiert und mit einer Minensperre ver­sehen werden.

Berichten aus Schanghai eufolge baben japa­nische Flieger am Mittwoch früh die Befestigungen der Snesischen Stadt Schumtschun, die etwa drei Kilometer von der britischen Kronkolonie Hongkong entfernt ist, mit Bomben belegt.

Die Deutschen in Nanking wohlauf

Eine Mitteilung der japanischen Botschaft.

Schanahai, 15. Dez.(Ostasiendienst des Die japanische Botschaft teilt mit. daß sämtliche 27 Auslärder. die sich innerhalb des Stadtkernes von Nanking aufhalten, woblanf sind. Unter ibnen befinden sich sechs Deutsche. 18 Amerikaner. ferner ein Engländer und zwei Russen. Diplomatische Vertreter fremder Mächte halten sich nicht mehr in Nanking auf. In der Sicherheitszone befinden sich noch 150000 Chinesen.

Verschärfung des

Parteiauflösungsgesetzes!

Allen praktischen Friedensbemühungen der Weg in bedenklicher Weise verbaut!

Note

werde erst am Donnerstag veröffentlicht wer­den, wenn er in den Händen der japanischen Regierung sei.

Einen Wunsch Attlees an den Premiermini­ster, vor der Weihnachtsvertagung noch einen Tag zur Erörterung auswärtiger Angelegenheiten zur Verfügung zu stellen, versprach Chamberlain zu berücksichtigen.

Eine Anfrage des Labourabgeordneten Flet­cher, ov es nicht ratsam sei,

das Chinageschwader zu verstärken,

insbesondere einige Großschlachtschiffe in die fern­östlichen Gewässer zu entsenden, beantwortete Chamberlain nur kurz, indem er betonte, der Schutz britischer Interessen im Fernen Osten be­schäftige die Regierung dauernd. Eine weitere Er­klärung habe er dazu nicht abzugeben. Er ließ sich auch auf keine weiteren Zwischenfragene in.

In autunterrichteen Kreisen erwartet man, daß die britische Protestnote in schärferem Tone gehalten sein wird, ass diejenige, die nach der Verwundung des bri. schen Botschafters in China an Japan ge­richtet wurde

Großbritannien werde„klarumrissene Versicherun

gen für die Sicherheit der britischen Schiffahrt in er Kriegszone“ verlangen und wahrscheinlich ein Uekereinkommen mit der japanischen Regierung zu erreichen suchen, daß deren Anweisungen von

DNB. Berlin, 15. Dez.(Drahtb.) Die tsche­chische Regierung hat am Dienstag im Prager Parlament eine Novelle zum Parteiauflosungs­gesetz vom Jahre 1933 vorgelegt, die heute durch­beraten und morgen verabschiedet werden soll. Als Neuerung ist vorgesehen, daß gegenüber dem bis­herigen Verfahren, welches ein Parteiverbot von einem Regierungsbeschluß abhängig machte, nunmehr der Landesbehörde die Befugnis ein­geräumt wird, auf dem Verordnungswege nach freiem Ermessen und in jedem beliebigen Ausmaß, d. b. sowohl in gebietsmäßiger wie in personeller Hinsicht, Gliederungen bestimm ter Parteiorganisationen aufzulösen.

Der Zweck dieses neuen Gesetzes ist kein anderer als der, die den verschiedenen Volksgruppen m tschechischen Nationalitätenstaat noch offengelassenen Möglichkeiten, für ihre Gleichberechtigung einzu­treten und sich organisatorisch zu behaupten wei­ter zu beschneiden.

Daß dieses Gesetz in einem Augenblick vorgelegt wird und durchgepeitscht werden soll, in dem sich in Eurova manche Hoffnungen regen, daß auch die Tschechoslowaki ihren längst fälligen Beitrag zur Entspannung liefern möge, läßt die tschechsche Aktion besonders schwerwiegend erscheinen. Zwar scheut man sich infolge des bestehenden Interesses im Aussand, dem Chauvinismus den Frontalan­griff gegen die für die Belange ihres Volkstums entschlossen eintretenden und darum von einer überwältigenden Mehrheit getragenen nationalen Parteien freizugeben.

Dafür glaubt man, mit den Mitteln örtlicher Maßnahmen, d. h. der Auflösung einzelner lo­kaler Gliederungen an entscheidenden Stellen, also mit Mitteln, die mit„Demokratie“ nichte mehr zu tun haben, am Ende den gleichen Effekt zu erzielen und dem Verteibigungskampf der Volkegruppen gegen das behördlich mit allen Mitteln gestützte Sustem tschechischer Verdrebungspolitik das Rückgrat zu brechen

Herr Delbos wird also gerade in einem Augenblick in Prag eintreffen, wo im Schatten der Bündnisse ein weiteres Glied einer Politik ange­fügt wird, die unter Außerachtlassung sowohl der eingegangenen Verpflichtungen wie der Menschen­rechte den Kampf gegen die Gleichberechtigung der Volksgruppen im Staat führt. Diese Politik kann nicht einmal für sich in Anspruch nebmen, als eine „Politik des Status auo“ im Sinne der restlosen Konservierung der Friedensverträge bezeichnet zu werden; denn sie. zielt in unverbüllter Form darauf ab

noch über Versailles, Trianon und St. Ger­main hinaus die Stellung der Tschechen unter Mißachtung der verbürgten Lebensrechte für andere Nationalitäten und unter Anwendung „genügender Mittel“ auszubreiten Diese Dinge mit Sorge zu beobachten und war­nend auf sie hinzuweisen, ist im„nblick auf alle hiermit zwangsläufig verbundenen Beunzuhigun­gen und Spannungen wahrlich alles andere ale „Einmischung". Gerade der Umstand, daß man in

Vor kurzem ist das Oberkommando der englischen Armee durch die Abberufung eini­ger Persönlichkeiten und ihrer Ersetzung durch neue Männer einer vollkommenen Umbildung un­terzogen worden. Ihr hervorstechendes Merkmal ist die durchgreifende Verjüngung in den lei­tenden Stellen. Selbstverständlich steht sie in Zu­sammenhang mit den neuen Aufgaben, die dem Oberkommando der englischen Armee im Zuge der im Gange befindlichen Aufrüstungsaktion zufal­len. Kriegsminister Leslie Hoare=Belisha gilt als außerordentlich aktiv und er hat wohl ge­glaubt, seine umfassenden Reformpläne mit den alten Männern nicht mit der nötigen Tatkraft durchführen zu können. Sein nächster Mitarbeiter ist Lord Gort als Reichegeneralstabschef und Vorsitzender des Armeerates, gleichzeitig Anwär­ter für den Posten des nächsten britischen Feld­marschalls, geworden. Er ist erst 51 Jahre alt, jün­ger als jemals einer seiner Vorgänger in diese Aemter kam. Durch und durch Soldat ist er im Heere seit jeher beliebt, der britischen Oeffentlich­keit aber bisher wenig bekannt. Er war drei Jahre lang Kommandant der Militärakademie von Camberley. In allen möglichen Sportarten ge­wandt und erprobt, verdankt er seiner sportlichen Betätigung auch die nähere Bekanntschaft mit Hoare=Belisha. Vor einigen Jahren traf er mit ihm in der Schweiz beim Skilaufen zusammen. Als Hoare=Belisha dann das Kriegsministerium übernahm, berief er Lord Gort als seinen persön­lichen Berater und Militärsekretär ins War Of­fice. Gort, der wahrend des Krieges eine Reibe von höchsten Auszeichnungen erward, blieb nach der Demobilisierung bei der Armee, legte auch noch die Pilotenprüfung ab und hat sich durch künne Fahrten mit seiner Segelyacht obendrein auch bei der Marine beliebt gemacht. Er wird in der neuen Stellung. in die er jetzt gelangt ist, die gesamte technische und strategische Schulung des Heeres leiten. An Wichtigkeit seinem Amte gleich ist das des Generals Liddell, der mit ihm zusammen ins Oberkommando berufen wurde. England hat Schwierigkeiten in der Rekrutenanwer­bung. Ihm wird es obliegen, sie neu zu organi­sieren. Der Vorgänger von Hoare=Belisha, Duff Coover, ist sich klar darüber, daß nur ein be­sonders tüchtiger und energischer Mann diese Auf­gabe lösen kann. General Liddell, so hofft man, wird das tun. Er ist 54 Jahre alt, aber damit immer noch zehn Jahre jünger als sein Vorgan­ger Sir Harry Knox. Schließlich ist mit Lord Gort zusammen Admiral Sir Harolo Brown berufen worden. Er war lange Zeit Chefingenieur der Admiralität und gilt als besonders erfahren in allen technischen Fragen der Kriegsführung. Auf diesem Gebiet soll ihm niemand von den an­deren führenden Persönlichkeiten der Armee gleich­kommen. Ihm wird die Sorge um die Organisa­tion der Munitionsversongung des Heeres und um die Waffenausrüstung zufallen. Mit den jetzi­gen Ernennungen hat sich Hoare=Belisha im Ar­meerat eine Mehrheit geschaffen, die geschlossen für seine fortschrittlichen Ideen eintritt. Er bat bisher mit erheblichen Widerständen zu kampfen gehabt und sah sich dadurch mehr oder weniger lahmgelegt. Im übrigen glaubt man in London, daß der jetzige Offiziersschub nur der Anfang zu weiteren äbnlichen Maßnahmen, vor allem auch in der Leitung der Marine und der Luftstreitkräfte, sein wird.

Kriegserklärung seit zweieinhalb Jahrhunderten unmodern.

Japan und China sind nun won seit Monaten in einen Waffengang miteinander verwickelt, ohne daß offiziell der Krieg erklärt wäre. Man braucht aber nicht zu glauben, daß das eine Besonderheit ist. In den letzten zweieinhalb Jahrbunderten sind mehr als 100 Konflikte mit Waffen ausgetragen worden ohne Kriegserklärung Erinnern wir uns

Prag in keiner Weise im unklaren darüber ist, welche friedenstörende Wirkung die bisberige Na­tionalitätenpolitik ausgelöst hat, läßt in der Tat berechtigten Zweifel aufkommen

in wieweit überhaupt die tschechische Politik Beitäge zur Entspannung zu leisten wünscht, In Prag weiß mian genau, daß eine Verstän­digungspolitik mit dem Reich über das Schicksal

der sudetendeutschen Vosksgenossen hinweg unter keinen Umständen in Rrac- lammt. Deree kann

der Erfolg einer Politik. wie sie sent in der Tschchef akei uts neue wieder in Erscheinung

tritt. nur barin bestehen, daß allen braktischen Friedensbemübungen der Wea in behenklicher Weise verbaut wird.