Volks=Seitung
ausgabe A für den rheinisch=westfälischen Industriebezirk 66. Jahrgang
Bochumer Volkszeitung
D.9n9.pr.16: nonatlich NA 1.16 eder haldmonatlic nR 1.08 einschl Botenlohn. Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahung des Begugspreises Anzeigenpreise: Gesamtauflage 6 Pig. Ausgabe A 6 0fg, Aus. orde B 2% Big. Ausgabe O 8 Vig. Texiangeigen: Ausgabe A 60 Via, Ausgaben B u. C 26 Vig se mm. Cültig: Vreislist= 9
Westfälische Volks-Seitung
verbunden mit den Bezirksausgaben B und C für Ellen=Steele=Hattingen und Wattenscheid Geschäftsstelle u. Schriftleitung: Bochum. Rühlenstr. 12-14/ Fernruf 64746-64748
Bochumer Stadtanzeiger
Geschäftsstellen. Bochum. Mühlenstraßze 12=16, Gernruf 647 44. Vosticheckkonto Dorim 6146: Hattingen, Biktor=Luhe=Ste 12. Fernruf 2095. Postscheckkonio Essen 1960; Essen=Steele, Nestfalenstr 302 Hernr. 582 30, Bostscheckkonto Tortmund 198 66: Mattenscheid Breiheitste 15. Fernr 1876. Vostscheckk Dortm 80430 Deuc und Rerlac: Stürmann 4 Claaaes Bochum
Nr. 158
Freitag, den 9. Juli(Kath. u. Evg. Cyrillus)
1937
Ernster japanisch-chinesischer Zwischenfall!
Blutige Feuergefechte in Peiping
Zahlreiche Todesopfer auf beiden Seiten, auf chinesischer mindestens 200— Nach mehrmaligen Waffenstillständen immer neues Aufflackern der Kämpfe— Die Japaner ziehen Verstärkungen heran— Die chinesische Regierung verhängt den Belagerung zustand
NB Tobio, 8. Juli.(Ostasiendienst des 99B) Die japanische Telegrasenagentur Domei meldet einen ernsten Zusammenstoßz zwischen sapanichen und chinesischen Truppen, der sich in der Nacht zum Donnerslag in den nördlichen Vor= orten Peipings ereignete. Danach stießen Telle der japanischen Garnison bei einer Nachtübung in Lugouchiau mit chinesischen Truppen der 29. Armee Sungcheyuans zusammen. Das in Lugouchiau stationierte 209. Regiment der 29. Armee
eröffnete unvermittelt Feuer au die sapanischen Truppen.
Sofort herbeieilende Verstärkungen, bestehend aus Teilen der nordchinesischen Garnisonen, wurden erneut von den chinesischen Abteilungen beschossen. In den Morgenstunden des Donnerstags nahm das Gesecht derartigen Amfang an, daß in den Stadtbezirken Peipings lebhastes Maschinengewehrseuer zu hören war. Die Gesechtshandlungen dehnten sich auch auf benachbarte Orte und die dort stationierten sapanischen und chinesischen Truppenteile aus. In Lungwangmiau wurden
bereits Feldgeschütze eingesetzt.
Angaben über Verluste liegen bisher noch nicht vor.
Die Agentur Domei bezeichnet die Zusammenstöße als
die weitaus ernstestes der letzten Zeit.
In politischen Kreisen wird die Lage mit Rücksicht auf die zunehmende antijapanische Stimmung in Nordchina und die kürzlichen Maßnahmen der Nanking=Regierung, die selbständige Verwaltung Peipings in stärkere Abhängigkeit von der Zentralregierung zu bringen äußerst ernst beurteilt.
Die Kommission für militärische Angelegenheiten in Ranking, deren Vorsitzender Marschall Tschianakailcheck ist, hat von den chinesischen Militärbehörden einen Bericht über die blutigen Zusammenstöße erhalten. Nach dieser Darstellung
haben die sapannischen Truppen auf chinesische
Posten das Feuer eröffnet, das von chinesischer Seite erwidert wurde.
Die Kommission hat nach Entgegennahme des Berichtes den General Tschangtschitschung, den Kommandeur der in die Vorgänge verwichelten Dinision angewielen, alles zu tun, um die Zwischenfölle nach Möglichkeit zu begrenzen.
Nach weiteren Meldungen aus Peiping hielt der innonendonner, der auf den Wällen der alten Kaiserstadt deutlich zu hören mar, bis 9 Uhr morgens (Ortezeit) an. Das sapanische Kauptquartier in Peiving meldet, daß
ein sapanischer Offizier gefallen und mehrere sapanische Soldaten verwundet
sind. Der erste Zusammenstoß am Mittwoch abend sei durch Vermittlung chinesischer und sapanischer Offiziere zunächst beigelegt worden. Die Japaner hätten dann aber mehrere hundert Mann ihrer Gelandtschaftsmache zur Verstärkung herangezogen, und am Donnerstag morgen gegen 4 Uhr lei es zu einem neuen Zmilchenfall gekommen, aus dem sich das blutige Gefecht entwichelte Um 10 Uhr morgens set
ein zweistündiger Waffenstillstand erklärt porden. Die Japaner hätten Linwangmiau und Lugouchiau besetzt und die dortigen chinesischen Truppen entwaffnet. Die Ortschaft Wangpina lei von iapanischen Truppen beschossen worden. Dabei seien
mehr als 20 chincsische Soldaten gefallen und
mindestene 10 Zivilisten getötet und verwundet worden.
Die chmesischen Truppen hatten sich schließlich unter
schweren Verlusten über den Suntingfluß zurüchgezogen, auf dem zahlreiche Leichen abwärts trieben. Die Kampfhandlungen spieiten sich in dem Winkel zwischen den Eisenbahnstrecken Peiping—Hankau und Peiving— Tientsin ab.
Kurz vor Ablauf des vereinbarten zweistündigen Waffenstillsandes
kündigte schwerer Kanonendonner, der in der Peipinger Innenstadt deutlich zu hören war. die Erfolglosigkeit der in Duanping an der Peiping=Honghau=Bahn geführten chinesischjapanischen Verhandlungen und gleichzeitig die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen an
Die Zulammenstöße werden von japanischer Seite als die schwersten seit den Kämpfen in der Provinz Jehol bezeichnet. Der chinesische Hopei=Tschachar=Rat gibt die chinesischen Verluste mit mehr als 200 Toten an. Von Tungtschau zur Verstärkung herangeholte sapanische Truppen wurden auf Befehl des Hopei=Tschachar=Rates durch Schließung des Tschangyingtores am Einmarsch nach Peiping verhindert.
Waffenstillstand und Gefechte wechseln sich ab
Anrüchen sapanischer Verstärhungen.
ONB Schanabai. 8. Juli.(Ostahendienst des ORB.) Nachdem die japanischen Truppen mittage über den Bunting=Fluß übergesetzt und auf dem rechten Flußuser Schützengräben ausgehoben hatten, wurden die Kampfhandlungn abermals eingestellt und erneut Verhandlungen ausgenommen. Nanking meidet neue Kämpfe an der Bahnlinie Peiping—Hankau. Man schließt daraus, daß die Japaner mit ihren Forderungen nicht durchdrangen. Die amtlichen Kreise Rankings sehen die Lage als sehrernst an.
Wie weiter gemeldet wird, sind acht Feldgeschütze, zwölf Tands und eine größere Anzahl Lastkraftwagen mit japanischen Soldaten von Tientsin nach Fengtai unterwegs. Vorher wurde eine Tankdemonstration in der Chinesenstadt
Tientsin durchgeführt, über der zwei japanische Flugzeuge kreisen.
Abflauen der Kämpfe an der Peiping-Nankau-Bahn
DNB Schanghai, 8. Juli.(Ostasiendienst des DNB) Aus Tientsin sind weitere sapanische Verstärbungen nach gengtat abgegangen. Am Abend verließen 20 Lastkraftwagen mit 500 japanischen Soldaten die Stadt.
Inzwischen verlautet, daß Teile der 29. chineischen Armee den Flugplatz Nanyuan üdlich von Peiping besetzten
Die Kämpfe ar der Bahnstreche Peiping Hankau flauten mit zunehmender Dunkelheit ab.
Belagerungszustand verhängt
ONB Schanahai. 8 Juli.(Ostasiendienst des HRB.) Ueber Peipina wurde Donnerstagabend der Belagerungszustand verhängt.
Die Situation hatte nämlich durch die Entsendung eines sopanischen Sonderzuges mit tausend Mann. 16 Tanks und 20 Geschutzen eine plötzliche Verschärfung erfahren. Die sapanischen Verstärkungen sind von Tientsin nach Fengtai unterwegs. Sie wollen anscheinend den Marsch auf die Marhor=Polo=Brücke antreten.
Vor der japanischen Botschaft in Peiping und vor den wichtigiten japanischen Geschäftshäusern wurden Barrihaden aus Sandsächen errichtet und mit Maschinengewehren versehen.
Die chinesischen Behörden haben jeden Straßennerkehr nach Einbruch der Dämmerung verboten. Der Eisenbahnverkehr von Peiping nach Hankau wurde eingestellt.
China lehnt die Verantwortung ab
DNB Schanahai. 8. Juli.(Ostasiendienst des HRB.) Der stellvertretende japanische Militärattaché in Nanking Oberst Okido, sprach Donnerstag in der asiatischen Abteilung des chinesüchen
Das französische Kabinett bei der Geldbeschaffung
Preis=, Zoll= und Gebührenerhöhung
Zigaretten, Streichholzer, Briefe und Ferngespräche werden teurer!
SMB Paris, 8. Juli.(Drahtb.) Die französischen Minister traten Donnerstag zu einem Kabinetisrat zulammen, um Gesetzeserlasse zur Beschaffung von Geld zu prüfen. Die Sitzung war sehr ausgedehnt, jedoch ist über ihren Verlauf keine amtliche Verlautbarung ausgegeben worden. Am Abend um 21 Uhr traten die Minister erneut unter dem Vorsitz des Staateprasidenten zulammen, um ihm die am Vormittag ausgearbeiteten Gesetzesentwürfe zur Unterzeichnung zu unterbreiten.
Obgleich man in amtlichen Kreisen vorläufig noch strengstes Stillschweigen über die beabsichtigten Maßnahmen der Regierung bewahrt, verlautet in sonst gut unterrichteten Kreisen, daß u. a beabsichtigt ist.
die Tabakpreise um 20 v. H. heraufzusetzen, ebenso Streichhölzer und Zölle auf Feuerzeuge.
Die Brennstoffpreise sollen um 10 v. H. herausgesetzt werden, Steuermarken um 20 v. H., die Postgebuhren für den Inlandobrief von 50
auf 70 Centimes und die Telegramm= und Telesongebühren um 20 v. H.
Ferner beabsichtigt die Regierung, wie man weiter hört, die direkten Steuern für Vermögen von über 80000 Francswesenilich zuerhohen.
Sommerferien der französischen Parlamenle
D9B Paris, 8. Juli.(Drahtb.) Die französische Kammer und der Senat haben nach einer Naßtsitzung die sich bis in die Morgenstunden ausdehnte, ihre Arbeiten beendet und sind in die Sommerferien gegangen. Der Wiederzsammentritt des Parlaments ist noch nicht fest gesetzt dürfte aber kaum vor Ende Oktober oder Anfang Novemper erfolgen. Solort zu Be ginn der neuen Sitzungspeiode werden sich Kammer und Senat mit der Ratifizierung der bis dahin auf Grund des Ermächtigungsgesetzes getroffenen Erlasse beschaftigen.
Was wird heute?
England und Frankreich komplizieren die spanische Lösung
Mit der Note, die der Staatschef der spanischen Nationalregierung, General Franco, soeben an die Machte gerichtet hat, ist das Thema für die Freitagsitzung des Londoner Nichteinmischungsausschusses klipp und klar gestellt worden: Franco fordert für das nationale Spanien die Anerkennung als kriegführende Partei.
Mit diesem Anspruch, der sich auf der Linie der deutsch=italienischen Vorschläge bewegt, wird sich der Ausschuß nun also beschäftigen müssen. Es gibt kein Ausweichen. Die diplomatischen Verhandlungen, in denen zur Zeit wohl der Schwerpunkt zu suchen ist, bewegen sich auch, wenigstens soweit sie von England ausgehen, durchaus auf dieser Linie. Man wird am Freitag zwar sowohl den englisch=französischen Vorschlag der Uebernahme der gesamten Seekontrolle durch England und Frankreich wie den deutsch=italienischen Vorschlag der völligen Aufhebung der Seekontrolle unter Zubilligung der Eigenschaft kriegführender Mächte an beide spanische Parteien zur Erörterung stellen. Aber es ist noch ungewiß, ob eine Entscheidung in der Freitagsitzung fallen wird. Es siebt nicht so aus als ob die zwischen den Kabinetten laufenden Verbandlungen bis dahin schon zu einem Ergebnis geführt haben werden. Sicher ist nur eins, daß über keinen der beiden Vorschläge eine Uebereinstimmung zwischen den beteiligten 27 Machten zu erzielen sein wird.
Englands Bemühungen gehen im Angenblick ganz unverkennbar auf ein Kompromiß. Man ist in London seit den Francoerfolgen im Baskenlande nicht mehr so ganz ablehnend gegen die Francoschen Forderungen. Ganz gewiß nicht etwa deshalb weil Eden plötzlich von der moralischen Berechtigung des nationalspanischen Kampfes gegen die roten Bolschewisten von Valencia überzeugt wäre. Aber nachdem Bilbao in die Hand Francos gefallen ist verfügt er nicht nur über die Kupfererze von Rio Tinto, sondern auch über die baskischen Eisenerzgruben und beide Produktionsstätten sind für die britische Aufrüstung von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es sieht nach dem Fortgang der Kriegshandlungen
Außenamtes wegen des Zwischenfalles in Nordching vor.
Das Auswärtige Amt hielt ihm gegenüber am Standpunkt fest. daß China für die Vorkommnisse nicht verantwortlich sei. In China bedauere man die Ereignisse ganz besonders jetzt, wo man große Hoffnungen auf eine allgemeine Vereinigung der chinesisch=sapanischen Beziehungen gehabt habe. Ranking betrachte eine Ansklärung über den Sachverhalt als eine notwendige Voraussetzung für die Beilegung des Konfliktes.
Man macht in politischen Kreisen aus dem Ernst der Lage kein Hehl, weil die Möglichkeit weiterer Verwicklungen durchaus gegeben ist
Nonking für friedliche Heilegung
SNB Schanahai. 8. Juli.(Ostasiendienst des OMB.) Im Sommerkurort Kuling trat eine Regierungskonserenz zusammen, um über die Maßnahmen schlüssig zu werden, die im Zusammenhang mit den Ereignissen in Vordchina getroffen werden sollten. An der Konfernz nahmen Tschianghalschek sowie der Generalstabschef und hohe Regierungsbeamte teil. Es wurde beschlossen, die Zwischenfälle mit Japan friedlich zu regeln. An den Kommandeur der 29. Armee erging die Weilung, den Streitfall zu lobalisieren. An die sapanischen Militärbehörden wurde das Erluchen gerichtet, die militärischen Operationen in Nordchina einzustellen.
Der chinesische Außenminister reiste von Kuling nach Nanking ab, um Verhandlungen mit der sapanischen Botschaft aufzunehmen.
die Stellyngnahme des japanischen Kriegsministers
ANB Tokio, 8. Juli.(Ostasiendienst des DNB.) Mno sapanische Kriegeministerium gab im Laufe der Nacht eine Erk Irung über due Gefecht bei Pewping aus, derzufolge eine friedliche Bei
legung des Zwischenfalles bisher durch die cnnesche Bartnächigkeit perhendert worden sei. Die janinische Armee sei auch jetzt noch bereit, einer friedlichen Regelung zuzustimmen. Wenn aber die chinesische Armee nicht ebenfalle eine umgehende Verständigung anstrebe. werde Japan zu ernsteict Maßnahmen schreiten müssen.