Volks=Seitung

ausgabe A für den rheinisch=westfälischen Industriebezirk 66. Jahrgang

Bochumer Volkszeitung

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Nr. 158

Freitag, den 9. Juli(Kath. u. Evg. Cyrillus)

1937

Ernster japanisch-chinesischer Zwischenfall!

Blutige Feuergefechte in Peiping

Zahlreiche Todesopfer auf beiden Seiten, auf chinesischer mindestens 200— Nach mehr­maligen Waffenstillständen immer neues Aufflackern der Kämpfe— Die Japaner ziehen Verstärkungen heran— Die chinesische Regierung verhängt den Belagerung zustand

NB Tobio, 8. Juli.(Ostasiendienst des 99B) Die japanische Telegrasenagentur Domei meldet einen ernsten Zusammenstoßz zwischen sapani­chen und chinesischen Truppen, der sich in der Nacht zum Donnerslag in den nördlichen Vor= orten Peipings ereignete. Danach stießen Telle der japanischen Garnison bei einer Nachtübung in Lugouchiau mit chinesischen Truppen der 29. Armee Sungcheyuans zusammen. Das in Lugouchiau stationierte 209. Regiment der 29. Armee

eröffnete unvermittelt Feuer au die sapanischen Truppen.

Sofort herbeieilende Verstärkungen, bestehend aus Teilen der nordchinesischen Garnisonen, wurden er­neut von den chinesischen Abteilungen beschossen. In den Morgenstunden des Donnerstags nahm das Ge­secht derartigen Amfang an, daß in den Stadtbezirken Peipings lebhastes Maschinengewehr­seuer zu hören war. Die Gesechtshandlungen dehn­ten sich auch auf benachbarte Orte und die dort statio­nierten sapanischen und chinesischen Truppenteile aus. In Lungwangmiau wurden

bereits Feldgeschütze eingesetzt.

Angaben über Verluste liegen bisher noch nicht vor.

Die Agentur Domei bezeichnet die Zusammen­stöße als

die weitaus ernstestes der letzten Zeit.

In politischen Kreisen wird die Lage mit Rücksicht auf die zunehmende antijapanische Stimmung in Nordchina und die kürzlichen Maßnahmen der Nan­king=Regierung, die selbständige Verwaltung Peipings in stärkere Abhängigkeit von der Zentralregierung zu bringen äußerst ernst beurteilt.

Die Kommission für militärische Angelegenheiten in Ranking, deren Vorsitzender Marschall Tschi­anakailcheck ist, hat von den chinesischen Mili­tärbehörden einen Bericht über die blutigen Zu­sammenstöße erhalten. Nach dieser Darstellung

haben die sapannischen Truppen auf chinesische

Posten das Feuer eröffnet, das von chinesischer Seite erwidert wurde.

Die Kommission hat nach Entgegennahme des Berichtes den General Tschangtschitschung, den Kommandeur der in die Vorgänge verwichelten Dinision angewielen, alles zu tun, um die Zwischen­fölle nach Möglichkeit zu begrenzen.

Nach weiteren Meldungen aus Peiping hielt der innonendonner, der auf den Wällen der alten Kaiser­stadt deutlich zu hören mar, bis 9 Uhr morgens (Ortezeit) an. Das sapanische Kauptquartier in Pei­ving meldet, daß

ein sapanischer Offizier gefallen und mehrere sapanische Soldaten verwundet

sind. Der erste Zusammenstoß am Mittwoch abend sei durch Vermittlung chinesischer und sapanischer Offi­ziere zunächst beigelegt worden. Die Japaner hätten dann aber mehrere hundert Mann ihrer Gelandt­schaftsmache zur Verstärkung herangezogen, und am Donnerstag morgen gegen 4 Uhr lei es zu einem neuen Zmilchenfall gekommen, aus dem sich das blutige Gefecht entwichelte Um 10 Uhr morgens set

ein zweistündiger Waffenstillstand erklärt porden. Die Japaner hätten Linwangmiau und Lugouchiau besetzt und die dortigen chinesi­schen Truppen entwaffnet. Die Ortschaft Wang­pina lei von iapanischen Truppen beschossen wor­den. Dabei seien

mehr als 20 chincsische Soldaten gefallen und

mindestene 10 Zivilisten getötet und verwundet worden.

Die chmesischen Truppen hatten sich schließlich unter

schweren Verlusten über den Suntingfluß zurüchge­zogen, auf dem zahlreiche Leichen abwärts trieben. Die Kampfhandlungen spieiten sich in dem Winkel zwischen den Eisenbahnstrecken Peiping—Hankau und Peiving— Tientsin ab.

Kurz vor Ablauf des vereinbarten zweistündigen Waffenstillsandes

kündigte schwerer Kanonendonner, der in der Peipinger Innenstadt deutlich zu hören war. die Erfolglosigkeit der in Duanping an der Peiping=Honghau=Bahn geführten chinesisch­japanischen Verhandlungen und gleichzeitig die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen an

Die Zulammenstöße werden von japanischer Seite als die schwersten seit den Kämpfen in der Provinz Jehol bezeichnet. Der chinesische Hopei=Tschachar=Rat gibt die chinesischen Verluste mit mehr als 200 Toten an. Von Tungtschau zur Ver­stärkung herangeholte sapanische Truppen wurden auf Befehl des Hopei=Tschachar=Rates durch Schließung des Tschangyingtores am Einmarsch nach Peiping verhindert.

Waffenstillstand und Gefechte wechseln sich ab

Anrüchen sapanischer Verstärhungen.

ONB Schanabai. 8. Juli.(Ostahendienst des ORB.) Nachdem die japanischen Truppen mittage über den Bunting=Fluß übergesetzt und auf dem rechten Flußuser Schützengräben ausge­hoben hatten, wurden die Kampfhandlungn aber­mals eingestellt und erneut Verhandlungen ausgenommen. Nanking meidet neue Kämpfe an der Bahnlinie Peiping—Hankau. Man schließt daraus, daß die Japaner mit ihren Forderungen nicht durchdrangen. Die amtlichen Kreise Rankings sehen die Lage als sehrernst an.

Wie weiter gemeldet wird, sind acht Feld­geschütze, zwölf Tands und eine größere An­zahl Lastkraftwagen mit japanischen Solda­ten von Tientsin nach Fengtai unterwegs. Vorher wurde eine Tankdemonstration in der Chinesenstadt

Tientsin durchgeführt, über der zwei japanische Flugzeuge kreisen.

Abflauen der Kämpfe an der Peiping-Nankau-Bahn

DNB Schanghai, 8. Juli.(Ostasiendienst des DNB) Aus Tientsin sind weitere sapanische Ver­stärbungen nach gengtat abgegangen. Am Abend verließen 20 Lastkraftwagen mit 500 japani­schen Soldaten die Stadt.

Inzwischen verlautet, daß Teile der 29. chine­ischen Armee den Flugplatz Nanyuan üdlich von Peiping besetzten

Die Kämpfe ar der Bahnstreche Peiping Hankau flauten mit zunehmender Dunkelheit ab.

Belagerungszustand verhängt

ONB Schanahai. 8 Juli.(Ostasiendienst des HRB.) Ueber Peipina wurde Donnerstagabend der Belagerungszustand verhängt.

Die Situation hatte nämlich durch die Entsendung eines sopanischen Sonderzuges mit tausend Mann. 16 Tanks und 20 Geschutzen eine plötzliche Verschärfung erfahren. Die sapanischen Verstärkungen sind von Tientsin nach Fengtai unterwegs. Sie wollen anscheinend den Marsch auf die Marhor=Polo=Brücke antreten.

Vor der japanischen Botschaft in Peiping und vor den wichtigiten japanischen Geschäftshäusern wurden Barrihaden aus Sandsächen errichtet und mit Maschinengewehren versehen.

Die chinesischen Behörden haben jeden Straßen­nerkehr nach Einbruch der Dämmerung verboten. Der Eisenbahnverkehr von Peiping nach Hankau wurde eingestellt.

China lehnt die Verantwortung ab

DNB Schanahai. 8. Juli.(Ostasiendienst des HRB.) Der stellvertretende japanische Militär­attaché in Nanking Oberst Okido, sprach Don­nerstag in der asiatischen Abteilung des chinesüchen

Das französische Kabinett bei der Geldbeschaffung

Preis=, Zoll= und Gebühren­erhöhung

Zigaretten, Streichholzer, Briefe und Ferngespräche werden teurer!

SMB Paris, 8. Juli.(Drahtb.) Die französischen Minister traten Donnerstag zu einem Kabinetis­rat zulammen, um Gesetzeserlasse zur Beschaf­fung von Geld zu prüfen. Die Sitzung war sehr ausgedehnt, jedoch ist über ihren Verlauf keine amt­liche Verlautbarung ausgegeben worden. Am Abend um 21 Uhr traten die Minister erneut unter dem Vorsitz des Staateprasidenten zulammen, um ihm die am Vormittag ausgearbeiteten Gesetzesentwürfe zur Unterzeichnung zu unterbreiten.

Obgleich man in amtlichen Kreisen vorläufig noch strengstes Stillschweigen über die beab­sichtigten Maßnahmen der Regierung bewahrt, ver­lautet in sonst gut unterrichteten Kreisen, daß u. a beabsichtigt ist.

die Tabakpreise um 20 v. H. heraufzusetzen, ebenso Streichhölzer und Zölle auf Feuerzeuge.

Die Brennstoffpreise sollen um 10 v. H. her­ausgesetzt werden, Steuermarken um 20 v. H., die Postgebuhren für den Inlandobrief von 50

auf 70 Centimes und die Telegramm= und Telesongebühren um 20 v. H.

Ferner beabsichtigt die Regierung, wie man weiter hört, die direkten Steuern für Ver­mögen von über 80000 Francsweseni­lich zuerhohen.

Sommerferien der französischen Parlamenle

D9B Paris, 8. Juli.(Drahtb.) Die fran­zösische Kammer und der Senat haben nach einer Naßtsitzung die sich bis in die Morgenstunden ausdehnte, ihre Arbeiten beendet und sind in die Sommerferien gegangen. Der Wieder­zsammentritt des Parlaments ist noch nicht fest gesetzt dürfte aber kaum vor Ende Oktober oder Anfang Novemper erfolgen. Solort zu Be ginn der neuen Sitzungspeiode werden sich Kam­mer und Senat mit der Ratifizierung der bis dahin auf Grund des Ermächtigungsgesetzes ge­troffenen Erlasse beschaftigen.

Was wird heute?

England und Frankreich komplizieren die spanische Lösung

Mit der Note, die der Staatschef der spanischen Nationalregierung, General Franco, soeben an die Machte gerichtet hat, ist das Thema für die Freitagsitzung des Londoner Nicht­einmischungsausschusses klipp und klar gestellt worden: Franco fordert für das nationale Spanien die Anerkennung als krieg­führende Partei.

Mit diesem Anspruch, der sich auf der Linie der deutsch=italienischen Vorschläge bewegt, wird sich der Ausschuß nun also beschäftigen müssen. Es gibt kein Ausweichen. Die diplomatischen Ver­handlungen, in denen zur Zeit wohl der Schwer­punkt zu suchen ist, bewegen sich auch, wenigstens soweit sie von England ausgehen, durchaus auf dieser Linie. Man wird am Freitag zwar sowohl den englisch=französischen Vorschlag der Ueber­nahme der gesamten Seekontrolle durch England und Frankreich wie den deutsch=italienischen Vor­schlag der völligen Aufhebung der Seekontrolle unter Zubilligung der Eigenschaft kriegführender Mächte an beide spanische Parteien zur Erörte­rung stellen. Aber es ist noch ungewiß, ob eine Entscheidung in der Freitagsitzung fallen wird. Es siebt nicht so aus als ob die zwischen den Kabinetten laufenden Verbandlungen bis dahin schon zu einem Ergebnis geführt haben wer­den. Sicher ist nur eins, daß über keinen der beiden Vorschläge eine Uebereinstimmung zwischen den beteiligten 27 Machten zu erzielen sein wird.

Englands Bemühungen gehen im Angenblick ganz unverkennbar auf ein Kompro­miß. Man ist in London seit den Francoerfolgen im Baskenlande nicht mehr so ganz ablehnend gegen die Francoschen Forderungen. Ganz ge­wiß nicht etwa deshalb weil Eden plötzlich von der moralischen Berechtigung des nationalspani­schen Kampfes gegen die roten Bolschewisten von Valencia überzeugt wäre. Aber nachdem Bilbao in die Hand Francos gefallen ist verfügt er nicht nur über die Kupfererze von Rio Tinto, sondern auch über die baskischen Eisenerzgruben und beide Produktionsstätten sind für die britische Auf­rüstung von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es sieht nach dem Fortgang der Kriegshandlungen

Außenamtes wegen des Zwischenfalles in Nordching vor.

Das Auswärtige Amt hielt ihm gegenüber am Standpunkt fest. daß China für die Vor­kommnisse nicht verantwortlich sei. In China bedauere man die Ereignisse ganz besonders jetzt, wo man große Hoffnungen auf eine allgemeine Vereinigung der chinesisch=sapanischen Beziehungen gehabt habe. Ranking betrachte eine Ans­klärung über den Sachverhalt als eine notwendige Voraussetzung für die Beilegung des Konfliktes.

Man macht in politischen Kreisen aus dem Ernst der Lage kein Hehl, weil die Möglichkeit weiterer Verwicklungen durchaus gegeben ist

Nonking für friedliche Heilegung

SNB Schanahai. 8. Juli.(Ostasiendienst des OMB.) Im Sommerkurort Kuling trat eine Re­gierungskonserenz zusammen, um über die Maßnahmen schlüssig zu werden, die im Zusammen­hang mit den Ereignissen in Vordchina getroffen werden sollten. An der Konfernz nahmen Tschiang­halschek sowie der Generalstabschef und hohe Re­gierungsbeamte teil. Es wurde beschlossen, die Zwischenfälle mit Japan friedlich zu regeln. An den Kommandeur der 29. Armee erging die Weilung, den Streitfall zu lobalisieren. An die sapanischen Militärbehörden wurde das Erluchen gerichtet, die militärischen Operationen in Nordchina einzustellen.

Der chinesische Außenminister reiste von Kuling nach Nanking ab, um Verhandlungen mit der sapa­nischen Botschaft aufzunehmen.

die Stellyngnahme des japanischen Kriegsministers

ANB Tokio, 8. Juli.(Ostasiendienst des DNB.) Mno sapanische Kriegeministerium gab im Laufe der Nacht eine Erk Irung über due Gefecht bei Pewping aus, derzufolge eine friedliche Bei­

legung des Zwischenfalles bisher durch die cnne­sche Bartnächigkeit perhendert worden sei. Die janinische Armee sei auch jetzt noch bereit, einer fried­lichen Regelung zuzustimmen. Wenn aber die chine­sische Armee nicht ebenfalle eine umgehende Verstän­digung anstrebe. werde Japan zu ernsteict Maßnahmen schreiten müssen.