Dolks

Ausgabe A

Bochumer Volkszeitung

für den rheinisch=westfälischen Industriebezirk

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Westfälische Volks-Seitung

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Bochumer Stadtanzeiger

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Nr. 203

Montag, den 3. September(Mansuetus)

1934

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ger Führer hat an Reichsbauernführer Darré ein Schreiben gerichtet, in dem er den Millionen deut scher Bauern für ihre am 19. August bewiesene Treue dankt.

der Reichsminister für Ernährung und Landwirt schaft hat den Landarbeiter Helmut Reinke, Mit glied des Reichstages, zum Reichskommissar für Landarbeiterfragen bestellt.

Jer amerikanische Haushaltsdirektor Douglas is zurückgetreten, weil nach seiner Ansicht das Not programm der Regierung mit dem Haushaltsaus gleich nicht in Einklang zu bringen sei.

Sci einem Eisenbahnung ück im Pariser Ostbahnhof wurden 31 Personen verlent.

Schüsse in eine Geburtstags­gesellschaft

Folgen einer zerrütteten Ehe— Ein Toter zwei Verletzte

Berlin, 2. Sept. Eine furchtbare Familientragodie pelte sich Freitagabend in Charlottenburg ab. Der Jahre alte Rudolf H., der im Hause Tauroggener Strahe 43 wohnt, ging um diese Zeit in das gegen­üerliegende Haus, in dem seine von ihm getrennt ebende Ehefrau Brunhilde H. ihren Geburtstag seierte verlangte seinen Schwiegervater, Ernst D., zu chen und wurde auch von diesem empfangen. Beide snaten ein Vorzimmer und es kam zu einer Aus­Schließlich verlangte H. noch einmal seinen inffahrigen Sohn zu sehen. Der Schwiegervater ging genüberliegende Zimmer, wo die Ehefrau des dste Geburtstagsgäste bewirtete.

laum hatte er aber die Tür geöffnet, als H., der nachgeeilt war, ihn plötzlich in das Zimmer hinein­einen Revolver zog und, während er die Gaste der Waffe in Schach hielt, nach seiner Frau luchte. senbar hatte er die Absicht, seine Frau zu erschießen 6 dann Selbstmord zu begehen, wie es auch aus demn spater aufgefundenen Brief des H. hervorgeht. 1.s er seine Frau nicht anwesend fand, da diese er den geöffneten Türflügel geflüchtet war, schoß blindlings in die Geburtstagsgesellschaft *n und traf dabei zuerst seinen Schwiegervater. det ihn vergeblich aus dem Zimmer herauszudrängen Ttucht hatte. Sodann verletzte er seinen Schwager orst D. und traf schließlich noch eine Freundin seiner kau. einer Fräulein Hertha K. Es entstand eine tanik. Ein Gast ritz die Balkontür auf und schrie um e, worauf Passanten das Ueberfallkommando alar= mierten.

Bevor dieses eintreffen konnte, entriß ein Gast dem den H. die Waffe und verhinderte dadurch seinen Selbstmond. Das dann eintreffende Ueberfallkom­mando nahm H. fest. Die Verletzten wurden in das stanhenhaus Westend eingeliefert. Dort ist Ernst D. seinen Verletzungen erlegen.

Eisenbahnunglück im Pariser Ostbahnhof

51 Verletzte— Lokomotive ohne Führer und Heizer gesahren

2. Sept. Am Sonntagmittag gegen 12 Uhr ml sich im Pariser Ostbahnhof ein Eisenbahnunglück eigneie, bei dem 51 Personen mehr oder weniger eder verletzt worden sind. Eine Rangierlokomo­vorar auf einen in der Bahnhofshalle stehenden honug aufgefahren. Von den 30 aus Holz ge mnen Waggons ist ein großer Teil eingedrückt und worden, besonders die Wagen, die sich .. Kopfe des Zuges befanden. Zum Glück war noch nicht stark besetzt. 34 Personen wurden sechins Krankenhaus eingeliefert. Davon sollen echs schwer verwundet sein.

auter Teil Leichtverwundeter wurde auf dem selbst verbunden und konnte sich dann nach eingleeben. Eine Untersuchung ist mittlerweile eitet worden. Bisher hat man festgestellt, daß langierlokomotive, die auf den Vorortzug auf­ahren ist, im Rückwartsgang ohne Hei­sek und Führer gefahren ist.

Französisches Flugzeug fliegt gegen einen Baum

Ein Fliegerleutnant, der nach den Manovern über Paris mit seinem Jagd­nach Lyon zurückkehren wollte, flog in der mare Ourour(Rhone) gegen einen Baum. Die saschine wurde vollig zertrummert. Der Pilot ar sofort tot.

„Tiroler Landesschützen Dr. Dollfuß“

ra“. 2. Sept. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg

in Innsbruck ein Nach Ab ansezen einer Ehrenkompagnie hielt er eine kurze sehensche, in der er mitteilte, daß ein in Innsbruck Alpenfäger=Regiment die alte Traditions enung„Tiroler Landesschützen" mit dem In ernamen„Dr. Dollfuß“ erhalten werde.

Frankreich steht Pale bei Rußlands Aufnahme in den Völkerbund

Zögernde Haltung Englands- Die Schweiz entschieden gegen die Aufnahme

DNB. Paris, 2. Sept. Der von der französischen Außenpolitik unter Leitung Barthous betriebene Ein tritt Rußlands in den Völkerbund soll französischen Wunschen entsprechend auch von England befürwortet werden. Der außenpolitische Leitartikel des nationa lkstischen Jour weist aber darauf hin, daß England wie in anderen Fragen so auch hier eine zögernde Haltung zeige. In letzter Zeit habe sich eine merk­liche Entspannung der englisch-japa nischen Beziehungen gezeigt und England denke nicht daran, sich für den Fall eines fernostlichen Konfliktes in das franzosisch russische System einbe ziehen zu lassen. Was nun den polnischen Stand­

punkt in der gleichen Frage angeht, so sei zwar nicht mit dem Austritt Polens aus dem Völkerbund für den Fall der Aufnahme Rußlands zu rechnen. Sollte aber Rußland einen ständigen Ratssitz erhalten, so werde Polen wohl austreten.— In einem weiteren Artikel wendet sich Jour gleichfalls gegen die soge­nannte französisch russische Herzlichkeit und warnt Frankreich davor, bei der Versöhnung des Volker bundes mit der Sowjetunion Pate zu stehen, zumal die Schweiz erkläre, das sie lieber die Versammlung verlasse, als sich neben Litwinow zu setzen.„Die Schweiz sieht klarer als wir," schreibt der Direktor des Jour, Léon Bailby.

„Die Bauern sind nun einmal überall die besten Planer“

Warrens Plan für Planwirtschaft— Abschluß der Agrarkonferenz

DNB. Bad Eilsen, 1. Sept. Zum Abschluß der Internationalen Konserenz für Agrarwirtschaft in Bad Eilsen faßte der amerikanische Prasident War ren, der bekannte Roosevelt Berater, die Aussprache der Vertreter aus 28 Staaten aller Erdteile dahin zusammen, daß es leichter sei, ein Gebaude niederzu reißen, als es wieder aufzubauen. Heute befinde sich die Welt noch im Zustand des großen Vernichtens. Bis zur nächsten Konserenz im Jahre 1936 müßten aber Ergebnisse der notwendigen Zusammenarbeit vorliegen. Den Volkswirtschaftlern der Welt legte Professor Warren den folgenden„Plin für Planwirtschaft“ vor:

1. Wir wollen jede Gelegenheit zu einer unab­hängigen und ehrenwerten Untersuchung in der wissenschaftlichen Forschung benutzen.

2. Wenn wir gelernt haben, was wir noch nicht wissen, wollen wir die Bauern unterrichten, ehrlich und ohne eigenen Gewinn, damit sie selbst planen können. Die Bauern sind nun einmal uberall die besten Planer.

3. Wir wollen Männer für die Regierungsplanung erziehen, damit sie besser als bisher wissen, was die Ergebnisse ihrer Handlungen sein werden.

Adolf Hiller

dankt den deuischen Bauern

Der Führer an den Reichsbauernführer Darré

Berlin, 2. Sept. Der Führer hat, wie der „Völkische Beobachter“ meldet, an den Reichsbauern­führer Darré folgendes Schreiben gerichtet:

Berlin, 29. August 1934.

Lieber Parteigenosse Darré!

Die Wahl vom 19. Anaust hat erneut bewiesen, daß das deutsche Bauerntum in seiner überwältigen­den Mehrheit einmütig zum nationalsozialistischn Staat steht. Dies ist mit in erster Linie Ihrer Arbeit zuzuschreiben.

Indem ich Ihnen dafür danke, danke ich den Mil­lionen deutscher Bauern, die nicht nur sich, sondern der ganzen Nation durch ihre Treue und Standhaftie­keit eine bessere Zukunft sichern helfen.

Mit deutschem Gruß

Ihr(gez.) Adolf Hitler.

Zu dem Dank des Führers an das deutsche Bauerntum veröffentlicht der Reichsbauernführer R. Walter Darré nachfolgende Erklärung:

„Ein Jahrtausend hat das deutsche Bauerntum darum gestritten und gelitten, daß ein Deutscher Reich werde, welches den deutschen Bauern anerkennt, und in welchem deutsches Blut und deutscher Geist die Führung haben. Adolf Hitler hat diese alt Sehnsucht verwirklicht. Da wollen wir unseren Dank an ihn nicht in einem Lippenbekenntnis erschöpfen, aber wiederholen, was wir schon öfter den Gegnern unseres Führers gesagt:

Wir sind entschlossen, unsere Treue zu üben, da­durch zu beweisen, daß wir lieber als freie Bauern mit Adolf Hitler fur seine Staatsidee fallen, als du den wollen, daß nochmals undeutsche Kräfte uns Bauern zu Knechten eines artfremden Herrschafts­systems in Deutschland machen.

Dieses Gelobnis sei unser Dank an den Führer für seine Anerkennung.“

Neuer Bürgermeister für Bad Honnef

Bad Honnef, 2. Sept. Der Regierungspräsident zu Köln hat mit sofortiger Wirkung den Regierungerat Wittich aus Grevenbrolch zum neuen Staate

kommissar und k. Burgermeister der Stadt Honnef

bestellt.

Professor Sering(Berlin) betonte in seinen Dankesworten an die Auslander, daß die Konferenz fruchtbar gewesen sei, weil sie sich nicht auf Agrar­fragen beschrankt, sondern die Gesamtheit der Ele­mente behandelt habe, die das Gedeihen und das Mißgeschick der Welt bestimmten. Man habe lebhaft den Gedanken in sich aufgenommen, daß alle Ver­suche der Planung scheitern müßten, wenn nicht die allgemeinen Grundlagen erhalten blieben oder ge­schaffen würden, auf denen ein Zusammenleben der Völker nach gewissen ethischen Grundsätzen möglich sei. Unsere Arbeit müsse scheitern, wenn große Kul­turvölker in Verarmung versänken. Unter der Nach­wirkung des Krieges und der Friedensverträge sei Deutschland und das ganze Zwischeneuropa in Ver armuna gefallen. Die Menschheit könne nicht in die Höhe kommen, bevor dieser Unrubekompler beiseite­geschafft und ebe nicht der internationale Schulden­druck beseitigt sei, ehe nicht der Geist des fair play überall eingegangen sei. Die Konferenz möge im Willen zu gegenseitiger Achtung auf ein besseres Verstehen unter den Völkern hinwirken und auf die Beseitigung der bösen Reste, die die Völ ker noch in feindlicher Spannung hielten.

Der einzige Weg. die Streikposten zu passieren

Kinderbeförderung„durch Boten“

Die fünfjährige Mamie Hood(links) und die vierjährige Evan Hedge werden vom Postamt in Alcoa(Amerika) als„Postsendungen durch Boten“ in die Fabrik der Aluminium Company of America

Der„Lehrfilm“ von Saarbrücken

DNB Saarbrücken, 1. Sept. Im Verlaufe der letzten Tage hatte im Saargebiet die Tatigkeit einer ausländischen Filmgesellschaft erhebliches Aufsehen erregt, die u. a. Aufnahmen der Saarbrücker Polizei im Dienste vornahm. Ohne ersichtlichen Grund mußte sich die hiesige Polizei dazu hergeben, nur zum Zwecke der Verfilmung einen Ueberfall vorzu­täuschen und das Ausrücken eines Bereitschafts­wagens vorzuführen. Besondere Unruhe hatte her­vorgerufen, daß einzelne dieser Szenen auf belebten Straßen gefilmt wurden, die nur aus diesem Grunde abgesperrt wurden.

Die„Saarbrücker Zeitung“ hatte diese reichlich befremdend wirkenden Kurbelszenen zum Anlaß ge­nommen, einige bestimmte Fragen an die Regie­rungskommission zu richten. In der Bevölkerung war der Verdacht aufgetaucht, daß die Saarbrücker Polizeibeamten zu französischen Propagandazwecken Filmstatisten spielen mußten. Die Regierungskom­mission hat nunmehr heute auf diese Anfragen der „Saarbrücker Zeitung“ geantwortet und erklärt, daß es sich bei den Filmaufnahmen der Saarbrücker Be­reitschaftspolizei um die Saarfilm=Reportage einer amerikanischen Filmgesellschaft handele, die einen Ausschnitt aus der Tätigkeit der blauen Po­lizei unter Leitung des Inspekteurs der gesamten saarländischen Polizeikräfte gefilmt habe. Die Film­aufnahmen seien zu„Lehrzwecken“ erfolgt, wie dies in vielen Ländern üblich sei. Die Regierungskom­mission fügte hinzu, daß ihr die Filmgesellschaft ent­gegenkommenderweise den Film kostenlos zur Ver­fügung gestellt habe. Sie erklärt, daß der Film öfsentlich nicht vorgeführt werde.

Wenn auch nicht ganz ersichtlich ist, aus welchem Grunde gerade im gegenwärtigen Augenblick der­artige Verfilmungen im Saargebiet vorgenommen werden müssen, wird wenigstens die Versicherung allgemein begrüßt, daß von öffentlichen Vorführun­gen des Bildberichtes über die Tätigkeit der Saar­brücker Polizei abgesehen werden soll. Hoffentlich wird nicht eines Tages an anderer Stelle mit dem Filmstreifen Mißbrauch getrieben. Der beunruhi­gende Eindruck in der Bevölkerung hätte leicht ver­mieden werden können, wenn die Reaierungskommis­sion überhaupt auf derartige„Lehrfilme“ verzichtet oder zum mindest eine sofortige, unaufgeforderte Aufklärung über den Zweck der Filmaufnahmen ge­geben hätte.

Ein ilalienisches Dementi

DNB. Rom, 2. Sept. Zu der Meldung des Dailn Telegraph über die beabsichtigte Bildung eines „sozialistischen Flügels“ innerhalb der faschistischen Partei verbreitet die Agentur Stefani folgendes De­menti:„Die von dem Mailänder Berichterstatter des Daily Telegraph verbreiteten Nachrichten über die früheren Sozialisten in Mailand entbehren jeder Grundlage.“

Barthou als ehrlicher Makler

DNB Paris, 2. Sept. Wladimir d'Ormesson, der im Figaro ein Programm der endgültigen Festlegung der Unabhängigkeit Oesterreichs vertritt und zu die­sem Zweck die Kleine Entente, Italien und sogar Ungarn zu freundschaftlicher Zusammenarbeit be­wegen möchte, führt in seinem Sonntagsartikel aus, Frankreich sei der Freund der Kleinen Entente und der Freund Italiens, d. h. Frankreich müsse die Dienste eines ehrlichen Maklers in der Annäherung zwischen Italien und der Kleinen Entente überneh­men. Niemand eigne sich besser für diese Aufgabe als Barthon, dessen Verbundenheit mit der Kleinen Entente ofsen zutage liege.

Eine italienische Militärabordnung in Moskau

DNB Moskan, 2. Sept. Eine italienische Mili­tärabordnung mit General Grazioli an der Spitze ist am Sonntag in Moskau eingetroffen.

Kardinal van Roey über wunderbare Visionen

Kardinal van Roen, Erzbischof von Mecheln, hat eine Verordnung veröffentlicht, in der er Klerus und Gläubige vor den Uebertreibungen gewisser, angeblich wunderbarer Offenbarungen und Visionen warnt. Diese Verwarnung bezieht sich vor allem auf Ereignisse, die sich in der letzten Zeit in den belgischen Ortschaften Lokeren Naast­veld, Berchem Anvers und Wilruck zugetragen haben. Der Besuch dieser Orte wird dem Klerus wie den Gläubigen verboten und den Visionen und Offenbarungen, die mit dortigen Bewohnern in Verbindung stehen, wird ein übernatürlicher Charakter abgesprochen.

befördert, um ihre Väter dort zu besuchen. Dies ist die einzige Methode, um gefahrlos die bewaff neten Posten der Streikenden zu passieren, die das Fabrikgebände umstellen. Als„Legitimation“ tragen die Kinder eine postalische Anschrift um den Hals.

Vom Ami suspendiert

Neuwied, 2. Sept. Durch Verfügung des Konsisto­riume der Rheinprovinz ist. wie die Neuwieder Zei­tung berichtet, gegen den Pfarrer der Enangelischen Gemeinde Neumich wärchen. das Disziplinarver­fahren eröffnet worden. Pfarrer Mörchen wurde vor­läufig von seinem Amt sulpendiert. Eine Klarung der Rechtslage muß noch abgewartet wenden.