Fernsprech=Anschluß Nr. 62.„gmerte, gu.. Telegr=Adresse

Sesdtse äbe a nch e.

Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verbindliche Krait.

Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 g., exel.

42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.“

190.

(1. Blatt.) Schwerte, Samstag,

36. Jahrgang.

König Peter in den Händen der Konigsmorder.

Belgrad, 10. Aug. 1903. Von einer mit den Königsmördern

„König Peter ist nur pro forma König, sagen pie ren, sictzatzn,

bs seoe bos er getrofen, in wichtigen Dingen war immer der

des Prinzen Peter Korog= gus, Haß, wenn er König würde, den

und dem jetzigen Minister Gyoka Genesies organisiert. Ein enge­und Verbannung wäre nicht zweckentspechend, weil ihre Ainhänger

so eioe Sprossen ausrotten. Diesen Plan teilte der jetzige

geschützt werden so llten. Der Ausschuß in Belgrad wollte sich mit diesem Versprechen begnügen, aber die verschworenen Offiziere hatten Bedenken und wünschten, daß Prinz Peter Karageorgen../0 Me bindende Erklärung schriftlich ausstellen möge. Einstimmig wurde beschlossen, Gencsics neuerdings nach Genf zu entsenden. Er kehrte triumphierend von dort zurück, denn er brachte ein eigenhändiges Schreiben des Prinzen. Peter Karageorgewitsch, in welchem der jetzige König Peter verspricht, daß er kein einziges Mitglier der Verschwörung gegen König Alexander und Königin Draga jemals verfolgen oder bestrafen werde. Das hat die Verschwörer beruhigt und auch ermutigt Darin liegt aber auch die Erklärung, wieso es kommt, daß der Wille der Verschwörer heute in Serbien maß­gebend ist. Der Brief König Peters ist der Draht, an dem man den König zieht; er ist in ihrer Macht. Der Brief ist von dem Haupt der Verschwörung, Oberst Maschin, in Verwahrung genom­men und er wird ihn wohl so sorglich aufgehoben haben, daß. es

surückbekommen dv wothgager in Gerdien Periode vergalten. Die

lungen hervorrufen, und wenn König Peter die tatsächliche Macht in die Hand bekommen will, dann wird ihm das einen harten und gefährlichen Kampf kosten.

Politische Uebersicht.

Deutschland.

— Am Kaiserhofe ward Freitag der 41. Geburts­tag des Prinzen Heinrich von Preußen, des Bruders des Kaisers, begangen.— Der Kaiser kam Donnerstag vor­mittag von Potsdam nach Berlin, hatte eine kurze Be­sprechung mit dem Reichskanzler, der sodann die schon

seit voriger Woche angekündigte Kronratssitzung im Ber­

Graf Bülow, Frhr. v. Rheinbaben, stedt, v. Podbielski, Budde, v. Einem, der bisherige Ver­treter des Kriegsministers. Die Sitzung dauerte andert­halb Stunden und zeitigte definitve Beschlüsse in den Hochwasser=Angelegenheiten. Außerdem fand ein Mein­ungsaustausch über die innere Politik statt, und endlich wurde der definitive Wechsel im preußischen Ministerium verkündet.

— General von Einem ist anstelle des schon seit län­gerer Zeit auf Urlaub befindlichen Generals von Goßler Kriegsminister geworden. Die Ernennung ist bereits im Reichsanzeiger verkündet.

— Ein neues Wort des Kaisers. Im Berliner Dom wird bekanntlich Bismarck als alter deutscher Ritter im Eisenpanzer dargestellt, eine Idee des Kaisers. Dombau­meister Geh. Rat Reschdorff war über diesen Entwurf be­geistert und meinte, Bismarck sei gewissermaßen als Hü­ter der Hohenzollern dargestellt. Darauf antwortete der Kaiser, nach der Vossischen Zeitung:„Ach was, wir Ho­henzollern brauchen keinen Hüter, wir hüten uns selbst!

— Dem Wirken des verstorbenen einstigen Reichs­tagspräsidenten von Levetzow zollt jetzt auch der„Vor­wärts“ Anerkennung. Das Blatt schreibt:„Er war kei­neswegs ein überragender Kopf, aber ein pflichteifriger, ernsthafter Vertreter der konservativen Sache und frei von den persönlichen Unarten, die den konservativen Feu­dalherren anhaften. Er war auch niemals einer von der Fronde gegen die Regierung, sondern das Muster eines

Regierungskonservativen. Durch einfaches, schlichtes We­sen gewann er in seiner Heimat wie in weiten Kreisen viel Zuneigung, und als Präsident des Reichstags bewies er in hohem Maße Takt und Unparteilichteit.

— Es ist ganz unverkennbar, daß die englische Re­

gierung und erst recht ihre Kolonien darauf hinausgehen,

nach nordamerikanischem Vorbild die

derung aus allerhand Gründen zu unterbinden. Bei uns kann sich bekanntlich jeder Ausländer, wenn er sonst ein ehrlicher Mensch ist, niederlassen und darin wird auch gewiß keine Aenderung eintreten. Ebenso wenig hat ja Deutschland darauf geantwortet, daß unsere nach Eng­land und Nordamerika ausgeführten Industrieprodukte die Bezeichnung„Made in Germany" tragen Aber fangen die Herren an, brave deutsche Handwerker und Industrie=Arbeiter zu„zwiebeln“, na, dann können wir ja mitmachen. Wenn wir z. B. die englisch=amerika­nische Artisten=Garde, sogenannte Artisten, mit ihren fast blödsinnigen Dummheiten abwiesen, es schadete gar

868.

— Die Nationalsozialen und das Berliner Tageotalt

sind jetzt bekanntlich ein Herz und eine Seele. das Berliner Tageblatt war es, das die Fusion der beien Parteien mit Jubelhymnus als den Ansatz zur„großen liberalen Partei der Zukunft" begrüßte. Etwas malitiös, aber sehr interessant ist es nun, wie die„Freisinnige Ztg.“

Eugen Richters, die bekanntlich auf das B. T. nicht gut zu sprechen ist, und ihm im letzten Winter einmal die Lie­benswürdigkeit sagte, es stehe an politischer Bedeutung noch unter dem„Lokalanzeiger“, mit sichtlichem Vergnu­gen aus der„Württemb. Volksztg. abdruckt, was Herr v. Gerlach, bekanntlich der einzige in den Reichstag ge­wählte„nationalsoziale“ Abgeordnete, vor noch fünf Jah­ren über das Berliner Tageblatt, das jetzt sein„Partei­blatt ist, geschrieben hat:

Der Typus eines vom Judentum mit all seinen Vorzügen und all seinen Schattenseiten stark beeinflußten Blattes ist das Berliner Tageblatt. Es ist nur ein ver­hältnismäßig unbedeutender Bestandteil des riesigen Zeit­ungs= und Annoncenunternehmens, das seinen Inhaber, Herrn Rudolf Mosse, zum Besitzer des teuersten Palastes Berlins, zum Herrn eines der schönsten Adelssitze der Mark und nebenbei zu einem wer weiß wie vielfachen Millionär in bar gemacht hat. Herr Mosse würde es jedenfalls für eine Beleidigung halten, wenn wir von ihm behaupteten, das Geschäft sei ihm nicht die Haupt­sache. Er hat in Herrn Arthur Levysohn einen Chefredak­teur gefunden, der es meisterhaft versteht, die freisinnige Politik so zu betreiben, daß das Geschäft des Herrn Mosse nicht darunter leidet, im Gegenteil! Das Blatt ist frei­sinnig. Gewiß, etwa so freisinnig wie die Oberbürger­meister von Berlin, die es fertig bringen, trotz„unent­wegten“ Freisinns niemals„oben“ anzustoßen. Wenn man nun im Leitartikel eine scharfe Oppositionsklinge schlagen sieht, so daß man sich ganz erschrocken fragt:

Was wird wohl Frhr. v. Mirbach dazu sagen?“, so kann man gewiß im lokalen Teil dafür ein reizendes Prinzen­geschichtchen oder ein Wort warmer Teilnahme für das Werk des evangelischen Kirchenbauvereins lesen. O ja, man muß es nur verstehen, Byzantinismus und ein bis chen Opposition können ganz gut zusammengehen. In entscheidenden Fragen, da darf man natürlich keine Oppo­sition machen. Immer deckte sich die politische Haltung des Blattes mit dem geschäftlich Vernünftigen.

Frankreich.

Der Humbertprozeß schleppt sich weiter bleiern hin. Die Reklame, welche die Pariser Journalisten von der großen Therese gemacht, schrumpft kläglich zusammen, ihre Renommistereien verfangen ebenso wenig, wie die Ausreden ihres Mannes und ihrer Brüder. Freilich blei­ben auch die Zeugen ziemlich zurückhaltend, sie werden nicht eher warm werden, bis nicht der Verteidiger Labori vorgeht. Allerdings sagen die Pariser Zeitungen, Labori, der einstige Verteidiger von Dreyfus, der mit seinem Klienten hinterher in Zwiespalt geriet, habe kein Glück mehr. Jedenfalls ist der Humbertprozeß die erwartete Sensationsgeschichte absolut nicht geworden und wird sie auch niemals herbeiführen.

England.

= England vermantscht für seine Flotte gewaltige Geldsummen, wie, laut Köln. Ztg., das englische Parla­mentsglied Lord Brassey ausführt. Lord Brassey berech net Englands Flotten=Ausgaben für das laufen auf volle 39 Millionen Pfund Sterling= 780 Millionen Mark, während Frankreich, Rußland und Deutschland zu sammen nur wenig über 34 Millionen= 680 Millionen Mark ausgäben. Bei Englands Vorteilen und Erfahrun­

gen in Sachen des Schiffsbaues müßte man mit weniger auskommen, wenn die Sache richtig angefaßt werde. Auf der anderen Seite aber lasse die englische Regierung die Flotten=Reserve darben. Während England in seiner ganzen Flotten=Reserve nur 41 540 Mann aufzuweisen habe, führe Frankreich volle 100000 Mann auf den stammrollen, auch Rußland habe schwere Ziffern aufzu­weisen. England, meint Lord Brassey, wende gewaltiges Geld auf, aber es leiste wenig praktisch Nutzbares. Wenn ein Engländer das selbst sagt, können wir es uns merken. Zum zweiten Male werden wir uns dann keine deutschen Postdampfer kapern lassen, wie s. Z. in Ost=Afrika.

Amerika.

= Eine gräßliche Statistik. Es ist nicht unzeitgemäß, sagt die„Köln. Ztg.“, einmal die amtliche Statistik her­vorzuholen und nachzusehen, wieviel Lynchmorde in den Vereinigten Staaten von den Behörden in Jahren haben gebucht werden müssen. Von 1885 bis 1900 sind nicht weniger als 2516 Lynchmorde vorgekom­men, denen 1678 Neger, 801 Weiße, 21 Indianer, 9 Chi­nesen und 7 Mexikaner zum Opfer fielen. Unter den Er­mordeten befanden sich 50

der Union sind die vier Staaten Massachusetts, New­hampshire, Rhode Island und Utah die einzigen, die sich von den Greueltaten reingehalten haben. In diesem Jahre sind seit dem 1. Januar bereits 45 Lynchmorde ge­zählt worden. Bekanntlich wird beim Lynchen mit der ausgesuchtesten Grausamkeit verfahren. Von mehreren Fällen aus der letzten Zeit ist bekannt, daß die grmen Opfer langsam über einem Petroleumfeuer zu röstet wurden, während eine johlende Menge von Män­nern, Weibern und Kindern sich um sie drängte. In Delaware zählte man kürzlich über 2000 Zuschauer. Das Bild dieser Statistik ist so gräßlich, daß man es zusam­men mit den jüngst von uns mitgeteilten amerikanischen Grausamkeiten nie vergessen sollte, wenn von dem schritt“ der Kultur in den Vereinigten Staaten die Rede

ist.

Mache, Intrigue

oder Dummheit!

Schon oft haben wir Gelegenheit gehabt, auf die un­rühmliche Rolle hinzuweisen, die mitunter ein Teil der deutsche Presse spielt. Die Presse läßt sich gern eine Großmacht nennen und ist von ihrer Bedeutung außerordentlich überzeugt. Ins­besondere gilt dies von der Presse des Liberalismus. Dap die Presse eine hohe Aufgabe hat, ist richtig. Aber mit diese hohen Aufgabe ist eine gleich hohe Verantwortung verbunden, die leider nicht überall genügend empfunden wird. Wenn von manchen Seiten die Presse nicht nach Gebühr gewürdigt wird, wenn man ihr unwürdige Zumutungen macht, so trägt sie einen Teil der Schuld, weil ihr Gebahren nicht immer vereinbar ist mit der Würde, auf die sie Anspruch zu machen ein gewisses Recht hat.

Wir erinnern nur an die subalterne und manchmar be­dientenhafte Art, mit der Blätter, die sonst den Männerstolz vor Königsthronen recht gut zu posieren verstehen, allerhand Hintertreppengeschichten, Klatsch und Tratsch weitertragen. Sie bemühen sich, durch die Schlüssellöcher zu spähen, um etwas zu erschauen, oder horchen mit spitzen Ohren an den Hintertüren, um etwas zu erlauschen. Wenn sie dann er­gattert zu haben glauben, was ein maßgebender Herr gesagt, wie ein Minister sich geräuspert hat, dann tragen sie das mit

einer lächerlichen Gespreiztheit zu Marktre,„ichtz ufägliges

ein Kronrat angekündigt, der an sich 9or, zelhstverständt.

hat, sondern dessen Zusammentreten eigentlich sett—.. gandlich ist, da wird gehorcht und gezischelt, da werden die kleinsten Kleinigkeiten ausgebauscht und den Lesern als ganz besondere Delikatessen vorgesetzt. Daß diese Art von Mache nicht dazu beiträgt, das Ansehen in der Presse zu erhöhen, liegt auf der Hand. Sie ist aber wenigstens nicht gefährlich.

Gefährlicher ist eine andere Art. Wenn es sonst nichts Juteressantes zu berichten giebt, so gefallen sich einige Blätter in allerhand Andentungen über dunkle Machenschaften, die gegen den oder jenen Staatsmann gerichtet sein sollen. Man zählt die Tage der amtierenden Minister, läßt Geheimräte als kommende Männer auf der Bildfläche er­

nur höchsteigene Mache der Herren von der 7. Großmacht, mit der sie dem staunenden Leser beweisen wollen, wie kundig

und wie fndig sie sind.

Dann und wann kommt freilich die Intligue hinzu. Irgend ein strebsamer Herr, der da weiß, wie lakaienhaft dankbar eine gewisse Presse für sogenannte Informatianen ist, benutzt sie, um so oder so Stimmung zu machen, um zu putschen und zu intriguieren, oder um sich selbst oder an kommenden Männern die Bohr dat ge sich selbst von Leuten

ihr sonst feindlich gegenüberstehen.