Fernsprech=Anschluß Nr. 62.„gmerte, gu.. Telegr=Adresse Sesdtse äbe a nch e. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verbindliche Krait. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 g., exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.“ 190. (1. Blatt.) Schwerte, Samstag, 36. Jahrgang. König Peter in den Händen der Konigsmorder. Belgrad, 10. Aug. 1903. Von einer mit den Königsmördern „König Peter ist nur pro forma König, sagen pie ren, sictzatzn, bs seoe bos er getrofen, in wichtigen Dingen war immer der des Prinzen Peter Korog= gus, Haß, wenn er König würde, den und dem jetzigen Minister Gyoka Genesies organisiert. Ein engeund Verbannung wäre nicht zweckentspechend, weil ihre Ainhänger so eioe Sprossen ausrotten. Diesen Plan teilte der jetzige geschützt werden so llten. Der Ausschuß in Belgrad wollte sich mit diesem Versprechen begnügen, aber die verschworenen Offiziere hatten Bedenken und wünschten, daß Prinz Peter Karageorgen../0 Me bindende Erklärung schriftlich ausstellen möge. Einstimmig wurde beschlossen, Gencsics neuerdings nach Genf zu entsenden. Er kehrte triumphierend von dort zurück, denn er brachte ein eigenhändiges Schreiben des Prinzen. Peter Karageorgewitsch, in welchem der jetzige König Peter verspricht, daß er kein einziges Mitglier der Verschwörung gegen König Alexander und Königin Draga jemals verfolgen oder bestrafen werde. Das hat die Verschwörer beruhigt und auch ermutigt Darin liegt aber auch die Erklärung, wieso es kommt, daß der Wille der Verschwörer heute in Serbien maßgebend ist. Der Brief König Peters ist der Draht, an dem man den König zieht; er ist in ihrer Macht. Der Brief ist von dem Haupt der Verschwörung, Oberst Maschin, in Verwahrung genommen und er wird ihn wohl so sorglich aufgehoben haben, daß. es surückbekommen dv wothgager in Gerdien Periode vergalten. Die lungen hervorrufen, und wenn König Peter die tatsächliche Macht in die Hand bekommen will, dann wird ihm das einen harten und gefährlichen Kampf kosten. Politische Uebersicht. Deutschland. — Am Kaiserhofe ward Freitag der 41. Geburtstag des Prinzen Heinrich von Preußen, des Bruders des Kaisers, begangen.— Der Kaiser kam Donnerstag vormittag von Potsdam nach Berlin, hatte eine kurze Besprechung mit dem Reichskanzler, der sodann die schon seit voriger Woche angekündigte Kronratssitzung im BerGraf Bülow, Frhr. v. Rheinbaben, stedt, v. Podbielski, Budde, v. Einem, der bisherige Vertreter des Kriegsministers. Die Sitzung dauerte anderthalb Stunden und zeitigte definitve Beschlüsse in den Hochwasser=Angelegenheiten. Außerdem fand ein Meinungsaustausch über die innere Politik statt, und endlich wurde der definitive Wechsel im preußischen Ministerium verkündet. — General von Einem ist anstelle des schon seit längerer Zeit auf Urlaub befindlichen Generals von Goßler Kriegsminister geworden. Die Ernennung ist bereits im Reichsanzeiger verkündet. — Ein neues Wort des Kaisers. Im Berliner Dom wird bekanntlich Bismarck als alter deutscher Ritter im Eisenpanzer dargestellt, eine Idee des Kaisers. Dombaumeister Geh. Rat Reschdorff war über diesen Entwurf begeistert und meinte, Bismarck sei gewissermaßen als Hüter der Hohenzollern dargestellt. Darauf antwortete der Kaiser, nach der Vossischen Zeitung:„Ach was, wir Hohenzollern brauchen keinen Hüter, wir hüten uns selbst! — Dem Wirken des verstorbenen einstigen Reichstagspräsidenten von Levetzow zollt jetzt auch der„Vorwärts“ Anerkennung. Das Blatt schreibt:„Er war keineswegs ein überragender Kopf, aber ein pflichteifriger, ernsthafter Vertreter der konservativen Sache und frei von den persönlichen Unarten, die den konservativen Feudalherren anhaften. Er war auch niemals einer von der Fronde gegen die Regierung, sondern das Muster eines Regierungskonservativen. Durch einfaches, schlichtes Wesen gewann er in seiner Heimat wie in weiten Kreisen viel Zuneigung, und als Präsident des Reichstags bewies er in hohem Maße Takt und Unparteilichteit. — Es ist ganz unverkennbar, daß die englische Regierung und erst recht ihre Kolonien darauf hinausgehen, nach nordamerikanischem Vorbild die derung aus allerhand Gründen zu unterbinden. Bei uns kann sich bekanntlich jeder Ausländer, wenn er sonst ein ehrlicher Mensch ist, niederlassen und darin wird auch gewiß keine Aenderung eintreten. Ebenso wenig hat ja Deutschland darauf geantwortet, daß unsere nach England und Nordamerika ausgeführten Industrieprodukte die Bezeichnung„Made in Germany" tragen Aber fangen die Herren an, brave deutsche Handwerker und Industrie=Arbeiter zu„zwiebeln“, na, dann können wir ja mitmachen. Wenn wir z. B. die englisch=amerikanische Artisten=Garde, sogenannte Artisten, mit ihren fast blödsinnigen Dummheiten abwiesen, es schadete gar 868. — Die Nationalsozialen und das Berliner Tageotalt sind jetzt bekanntlich ein Herz und eine Seele. das Berliner Tageblatt war es, das die Fusion der beien Parteien mit Jubelhymnus als den Ansatz zur„großen liberalen Partei der Zukunft" begrüßte. Etwas malitiös, aber sehr interessant ist es nun, wie die„Freisinnige Ztg.“ Eugen Richters, die bekanntlich auf das B. T. nicht gut zu sprechen ist, und ihm im letzten Winter einmal die Liebenswürdigkeit sagte, es stehe an politischer Bedeutung noch unter dem„Lokalanzeiger“, mit sichtlichem Vergnugen aus der„Württemb. Volksztg. abdruckt, was Herr v. Gerlach, bekanntlich der einzige in den Reichstag gewählte„nationalsoziale“ Abgeordnete, vor noch fünf Jahren über das Berliner Tageblatt, das jetzt sein„Parteiblatt ist, geschrieben hat: Der Typus eines vom Judentum mit all seinen Vorzügen und all seinen Schattenseiten stark beeinflußten Blattes ist das Berliner Tageblatt. Es ist nur ein verhältnismäßig unbedeutender Bestandteil des riesigen Zeitungs= und Annoncenunternehmens, das seinen Inhaber, Herrn Rudolf Mosse, zum Besitzer des teuersten Palastes Berlins, zum Herrn eines der schönsten Adelssitze der Mark und nebenbei zu einem wer weiß wie vielfachen Millionär in bar gemacht hat. Herr Mosse würde es jedenfalls für eine Beleidigung halten, wenn wir von ihm behaupteten, das Geschäft sei ihm nicht die Hauptsache. Er hat in Herrn Arthur Levysohn einen Chefredakteur gefunden, der es meisterhaft versteht, die freisinnige Politik so zu betreiben, daß das Geschäft des Herrn Mosse nicht darunter leidet, im Gegenteil! Das Blatt ist freisinnig. Gewiß, etwa so freisinnig wie die Oberbürgermeister von Berlin, die es fertig bringen, trotz„unentwegten“ Freisinns niemals„oben“ anzustoßen. Wenn man nun im Leitartikel eine scharfe Oppositionsklinge schlagen sieht, so daß man sich ganz erschrocken fragt: Was wird wohl Frhr. v. Mirbach dazu sagen?“, so kann man gewiß im lokalen Teil dafür ein reizendes Prinzengeschichtchen oder ein Wort warmer Teilnahme für das Werk des evangelischen Kirchenbauvereins lesen. O ja, man muß es nur verstehen, Byzantinismus und ein bis chen Opposition können ganz gut zusammengehen. In entscheidenden Fragen, da darf man natürlich keine Opposition machen. Immer deckte sich die politische Haltung des Blattes mit dem geschäftlich Vernünftigen. Frankreich. Der Humbertprozeß schleppt sich weiter bleiern hin. Die Reklame, welche die Pariser Journalisten von der großen Therese gemacht, schrumpft kläglich zusammen, ihre Renommistereien verfangen ebenso wenig, wie die Ausreden ihres Mannes und ihrer Brüder. Freilich bleiben auch die Zeugen ziemlich zurückhaltend, sie werden nicht eher warm werden, bis nicht der Verteidiger Labori vorgeht. Allerdings sagen die Pariser Zeitungen, Labori, der einstige Verteidiger von Dreyfus, der mit seinem Klienten hinterher in Zwiespalt geriet, habe kein Glück mehr. Jedenfalls ist der Humbertprozeß die erwartete Sensationsgeschichte absolut nicht geworden und wird sie auch niemals herbeiführen. England. = England vermantscht für seine Flotte gewaltige Geldsummen, wie, laut Köln. Ztg., das englische Parlamentsglied Lord Brassey ausführt. Lord Brassey berech net Englands Flotten=Ausgaben für das laufen auf volle 39 Millionen Pfund Sterling= 780 Millionen Mark, während Frankreich, Rußland und Deutschland zu sammen nur wenig über 34 Millionen= 680 Millionen Mark ausgäben. Bei Englands Vorteilen und Erfahrungen in Sachen des Schiffsbaues müßte man mit weniger auskommen, wenn die Sache richtig angefaßt werde. Auf der anderen Seite aber lasse die englische Regierung die Flotten=Reserve darben. Während England in seiner ganzen Flotten=Reserve nur 41 540 Mann aufzuweisen habe, führe Frankreich volle 100000 Mann auf den stammrollen, auch Rußland habe schwere Ziffern aufzuweisen. England, meint Lord Brassey, wende gewaltiges Geld auf, aber es leiste wenig praktisch Nutzbares. Wenn ein Engländer das selbst sagt, können wir es uns merken. Zum zweiten Male werden wir uns dann keine deutschen Postdampfer kapern lassen, wie s. Z. in Ost=Afrika. Amerika. = Eine gräßliche Statistik. Es ist nicht unzeitgemäß, sagt die„Köln. Ztg.“, einmal die amtliche Statistik hervorzuholen und nachzusehen, wieviel Lynchmorde in den Vereinigten Staaten von den Behörden in Jahren haben gebucht werden müssen. Von 1885 bis 1900 sind nicht weniger als 2516 Lynchmorde vorgekommen, denen 1678 Neger, 801 Weiße, 21 Indianer, 9 Chinesen und 7 Mexikaner zum Opfer fielen. Unter den Ermordeten befanden sich 50 der Union sind die vier Staaten Massachusetts, Newhampshire, Rhode Island und Utah die einzigen, die sich von den Greueltaten reingehalten haben. In diesem Jahre sind seit dem 1. Januar bereits 45 Lynchmorde gezählt worden. Bekanntlich wird beim Lynchen mit der ausgesuchtesten Grausamkeit verfahren. Von mehreren Fällen aus der letzten Zeit ist bekannt, daß die grmen Opfer langsam über einem Petroleumfeuer zu röstet wurden, während eine johlende Menge von Männern, Weibern und Kindern sich um sie drängte. In Delaware zählte man kürzlich über 2000 Zuschauer. Das Bild dieser Statistik ist so gräßlich, daß man es zusammen mit den jüngst von uns mitgeteilten amerikanischen Grausamkeiten nie vergessen sollte, wenn von dem schritt“ der Kultur in den Vereinigten Staaten die Rede ist. Mache, Intrigue oder Dummheit! Schon oft haben wir Gelegenheit gehabt, auf die unrühmliche Rolle hinzuweisen, die mitunter ein Teil der deutsche Presse spielt. Die Presse läßt sich gern eine Großmacht nennen und ist von ihrer Bedeutung außerordentlich überzeugt. Insbesondere gilt dies von der Presse des Liberalismus. Dap die Presse eine hohe Aufgabe hat, ist richtig. Aber mit diese hohen Aufgabe ist eine gleich hohe Verantwortung verbunden, die leider nicht überall genügend empfunden wird. Wenn von manchen Seiten die Presse nicht nach Gebühr gewürdigt wird, wenn man ihr unwürdige Zumutungen macht, so trägt sie einen Teil der Schuld, weil ihr Gebahren nicht immer vereinbar ist mit der Würde, auf die sie Anspruch zu machen ein gewisses Recht hat. Wir erinnern nur an die subalterne und manchmar bedientenhafte Art, mit der Blätter, die sonst den Männerstolz vor Königsthronen recht gut zu posieren verstehen, allerhand Hintertreppengeschichten, Klatsch und Tratsch weitertragen. Sie bemühen sich, durch die Schlüssellöcher zu spähen, um etwas zu erschauen, oder horchen mit spitzen Ohren an den Hintertüren, um etwas zu erlauschen. Wenn sie dann ergattert zu haben glauben, was ein maßgebender Herr gesagt, wie ein Minister sich geräuspert hat, dann tragen sie das mit einer lächerlichen Gespreiztheit zu Marktre,„ichtz ufägliges ein Kronrat angekündigt, der an sich 9or, zelhstverständt. hat, sondern dessen Zusammentreten eigentlich sett—.. gandlich ist, da wird gehorcht und gezischelt, da werden die kleinsten Kleinigkeiten ausgebauscht und den Lesern als ganz besondere Delikatessen vorgesetzt. Daß diese Art von Mache nicht dazu beiträgt, das Ansehen in der Presse zu erhöhen, liegt auf der Hand. Sie ist aber wenigstens nicht gefährlich. Gefährlicher ist eine andere Art. Wenn es sonst nichts Juteressantes zu berichten giebt, so gefallen sich einige Blätter in allerhand Andentungen über dunkle Machenschaften, die gegen den oder jenen Staatsmann gerichtet sein sollen. Man zählt die Tage der amtierenden Minister, läßt Geheimräte als kommende Männer auf der Bildfläche ernur höchsteigene Mache der Herren von der 7. Großmacht, mit der sie dem staunenden Leser beweisen wollen, wie kundig und wie fndig sie sind. Dann und wann kommt freilich die Intligue hinzu. Irgend ein strebsamer Herr, der da weiß, wie lakaienhaft dankbar eine gewisse Presse für sogenannte Informatianen ist, benutzt sie, um so oder so Stimmung zu machen, um zu putschen und zu intriguieren, oder um sich selbst oder an kommenden Männern die Bohr dat ge sich selbst von Leuten ihr sonst feindlich gegenüberstehen. Wann endich wird die gesamte beutsche Wess erzcg e“ erniedrigen zu lassen? Im Grunde genommen ist edteue, r B e e. net Zeichen eigener oder ein Spekulieren auf die Dummheit der Lefer. Aus unseren Kolonien. = Ein englisches Urteil über Tsingtau(Kiautschou) utiot über Thngton Vemerklungen unter anderen gesagt wird:„Offizielle deutsche Gründlichkeit betätigt sich i., man die ursprüngliche chinesische Einwohnerdadurch, daß man die urseru schaft gründlich enteignet hat, Sorge getragen, die Niederlassung auf rein europäischem Fuß zu halten. So sind die ursprünglich auf dem Baugrund der neuen Stadt gelegenen Dörfer sämtlich niedergerissen worden, und d Eigentümer haben außer einer reichlichen Geldentschädigung neuen Baugrund in einiger Entfernung angewiesen erhalten, wo Wege und Kanalisterung auf Kosten der Regierung angelegt sind und sanitäre Maßregeing Kleincharakter, aber mit der Ausdehnung der Eisenbahn muß Tsingtau sowohl Haupteinfuhr= wie Ausfuhrhafen für die Provinz Schantung und möglicherweise auch fi Honau werden, zum Nachteil von Tschifu, so lange dieer bis foet biühende, Zunter hafesen Beim Verlasen Tsingtaus müissen wir nochmals unsere Bewunderung für Tag gelegten Geschmack und praktischen Blick Ausdruck geben. Die Architektur der öffentlichen Gebäude zeigt eine angenehme Abwechslung, und vom Altdeutsch bis zur modernsten Renaissance sind alle Stilarten vertreten, Eine weitere Ueberzeugung, die sich dem nach Tsingtau kommenden Besucher aufdrängt, ist, wie segensteich er wirkt, wenn man bei der Gründung einer Hanber####non, die gesunde und bequeme Verhältnisse für europäische Bewohner bieten soll, mit freier Hand und ungehindert durch chinesche Obstrukion schalten unmittelbare Ver während die Eingeborenen durch die unmittelrate wendung europäschen Kaptals Zaphurnterge Hentegegeieigenem Antriebe schaffen würden. In einer wichtigen Beziehung ist das neue Kolonialsystem Deutschlands uneigenen gerühmten System weit überlegen: Grundstücksspekulationen können nicht zur Geltung und ebensowenig die daraus entstehende verbunden mit unbefriedigenden sanitären Verhältnissen, wie sie zum Beispiel in Hongkong herrschen. Land wird nur zur sofortigen Bebauung verkauft, und scharfe Besimmungen besteh)- Lian dez(g.eHäi zie Art und die führung der zu errichteneen Straube. Kleine Chronik. e be.##. groß und alt wie das weltberühmte GotEs ist ebenso geeg unt all iie kür iintberühmte Gotstadschiff, das von der Universität Christiania aufbewahrt wird. Da die Jahreszeit jetzt ungünstig ist, wurde die Ausgrabung des Schiffes einstweilen eingestellt; sie soll im Frühling wieder ausgenommen werden. Das ausgegrabene Achterteil des Schiffes wird wieder sorgfältig zugedeckt werden. der Bestrafung. Jeder Bezirksamtmann ist ein absoluter Herrscher, gegen den praktisch keine Berufung möglich ist. Unter ihm stehen die europäischen Offiziere, welche die eingeborenen Truppen befehligen, und ebenso die Stationsleiter, die den Kautschuk, der hereinkommt, abzunehmen haben. Der Staat ist bekanntlich ein großes Handelsunternehmen; solche Betätigungen der Grausamkeit, wie die vorerwähnte, finden alltäglich statt, selbst ohne jeden Versuch einer Untersuchung. Meine Tätigkeit während sieben Monaten bestand darin, von Station zu Station zu ziehen und an jeder gegebenenfalls Befehle zur Verfolgung unbotmäßiger Eingeborener entgegenzunehmen. Dann wurde ich krank an Dysenterie, und als ich nun untauglich war, erhielt ich endlich diel tene Entlassung. Wenn man in Betracht zieht, daß die meisten eingeborenen Häuptlinge gezwungen werden, fa täglich zu den Stationen zu kommen und Befehle auf Lieferung von Lebensmitteln entgegenzunehmen; daß die Straßen angelegt, die Stationen gebaut, die eingerichtet werden durch zwangsweise herangeholte, unbezahlte Negerarbeiter, und daß Kautschuk und Elfenbein bei Todesstrafe ohne Aufhören geliefert werden müssen, sollte ich meinen, ist Sklaverei dafür ein sehr milder Ausdruck. Sklaverei,„gemildert“ durch Metzeleien, das ist das System des Kongostaates. Der Stationschef sendet Befehl in die umliegenden Dörfer, worin er die Ei geborenen beauftragt, jeden Samstag so und so viel Kautschuk oder Elfenbein heranzubringen; wenn diesem Befehl nicht in genügendem Maße nachgekommen wird, wird sofort eine Abteilung Soldaten ausgesandt und es beginnt eine richtige Menschenjagd. Die Soldaten erschießen jeden, Mann, Weib oder Kind, dessen sie habhaft werden, und begehen ungehindert alle Arten von Grausamkeiten, welche die Erfindungsgabe eines Eingeborenen ersinnen kann. Das ist es, was ich selbst auszuführen hatte. Das war die Arbeit, die ich„gehörig" zu richten den Befehl hatte. Ich kann Ihnen den eines mir bekannten belgischen Offiziers nennen, der, als ihm eines Tages ein Negerhäuptling 20 Kilogramm Kautschuk zu wenig sandte, mit seinen eingeborenen Soldaten auszog und 72 Männern die rechte Hand und 17 Weibern die Brüste abschneiden ließ. Einige dieser verstümmelten Männer und Weiber habe ich selbst gesehen." In diesem Falle wurde eine Untersuchung eingeleitet uno der Offizier wurde zu 20 Jahren Gefängnis durch den Kommandanten verurteilt. Aber ein intimer Freund dieses Kommandanten ermöglichte nicht nur die Flucht, sondern er brachte den Offizier sogar öffentlich durch die Straßen und half ihm auf den Weg. Indes: Es ist ja ein nominaler Betrag für die Bezahlung von Kautschuk und Elfenbein festgesetzt: 27 Centimes für das Kilogramm Kautschuk und 80 Centimes für das Kilogramm Elfenbein, aber für einen Wert von zwei Frank in Produkten erhält der Zubringer 5 Centimes Wert an Perlen oder anderen wertlosen Tand;— die Bezahlung ist also rein nominell. die Frage der Kanalisation im Speckebruch jetzt von der Bahn genau in dem vom Herrn Stadtverordneten Duisberg stets vertretenen Sinne wird durchgeführt werden. Die städtischerseits schon begonnenen Kanalisierungsarbeiten sind eingestellt worden; der Bahnfiskus baut nunmehr einen alle Forderungen der Speckebrucher erfüllenden Kanal und Weg. Die Greuelwirtschaft im Kongostaat. Ein neues Zeugnis über die Greuelwirtschaft im Kongostat veröffentlicht die Londoneg gfreaileg Feitäigpin einer Unterredung mit einem Herrn Sotrate# Jumopulos, der erst kürzlich aus dem Kongostaat, zr heßere sten er gestanden hat, zurückgekehrt ist. Er fuhrte.. aus:„Was ich bei meiner Ankunft in Boma über meine zukünftige Tätigkeit hörte, war genug, um mich auf meine Anstellung verzichten zu lassen, aber die Beamten weigerten sich, mein Entlassungsgesuch anzunehmen. Von Boma kam ich nach Leopoldsville. Ich wiederholte dor mein Gesuch um Entlassung, doch vergeblich. Im Bezirk Basoko fand ich mich alsdann als Befehlshaber über 248 eingeborene Soldaten wieder, mit denen ich die Befehle des Kommandanten auszuführen hatte, d. h. Land zu überwachen und Eingeborene niederzumetzeln. Es ist unnötig, mich zu fragen, warum ich das ven kur. Mein Gesuch um Entlassung war wieder abgelehnt worden; wenn ich mich geweigert hätte, den Befehlen zu gehorchen, würde ich nicht vor ein Kriegsgericht gestellt oder mit Strafe belegt worden sein, ich wäre einfgghg#t schwunden! Zwei oder drei meiner eigenen Soldaten würden einen Wink erhalten haben, mich während irgend eines Scharmützels zu erschießen! Das ist die Art, wie Differenzen im Kongo erledigt werden. Was die Zivilisationstheorie im Kongostaate betrifft, so Perrzige un zur Ausführung gebracht, indem Schulen errichter und Sklaverei und Dorfkriege abgeschafft werden, sondern auf folgende Art: Der zur Erziehung bestimmte Eingeborene wird mit dem Gesicht nach unten auf die Erde gelegt; zwei Mann sitzen auf seinen Beinen, einer hält seinen Kopf und ein vierter seine Schultern herunter; ein fünfter schwingt die Nilpferdpeitsche, die Chicotte, die mit dem Schlage Blut zieht, und wenn der Zögling bewußtlos und halbtot ist, ist die Lektion zu Ende. Für jedes Vergehen, selbst das kleinste, ist dies die anerkannte Art Lokales. ** Schwerte, 15. August 1903. **(Zur Bergarbeiterbewegung.) Mit der Lage der Bergarbeiter im Ruhrrevier beschäftigen sich jetzt auch die großen rheinischen Blätter, die die Aehnlichkeit der jetzigen Bewegung mit jener vom Jahre 1889 zugeben mussen. Ein allgemeiner Bergarbeiterstreik wie damals würde heute aber von noch weit verhängnisvolleren Folgen begleitet sein; denn zurzeit sind in den Ruhrgruben ungefähr 250000 Bergleute beschäftigt gegen 120 000 im Jahre 1889. Infolge der auch über die MontanIndustrie im Jahre 1900 hereingebrochenen Krisis sind die Löhne stark gefallen. Die„Deutsche BergarveuterZeitung“ schreibt:„Nach amtlicher Berechnung, die bekanntlich sich auf Unternehmerangaben stützt, ist 1902 das Einkommen der Ruhrbergleute 201 Mark niedriger gewesen wie 1900.“ Dabei sind die Mieten, Lebensmittel, Steuern usw. gestiegen. Den niedrigen Löhnen stehen die noch immer hoch gehaltenen Kohlenpreise, die angeblich verminderten Selbstkosten der Zechen und die ganz ansehnlichen Dividenden gegenüber. Dagegen behaupten die Zechen ihrerseits, daß die Selboksten anhaltend gestiegen nd noch nicht wieder gefallen seien. Zu dieser Lohnfrage treten noch einige Beschwerden, die hauptsächlich in dem Modus der Lohnfestsetzung und in dem Verfahren des Wagennullens bestehen; letzteres hat namentlich im Jahre 1889 die Erbitterung der Gemüter aufs höchste gesteigert. Schließlich kommt noch die unheimliche Seuche der Wurmkrankheit hinzu, nend alle Anstrengungen und Sorgfalt der Behörden wie einzelner Zechen machtlos gegenüber stehen. Denn eine Abnahme dieser Epidemie läßt sich noch nicht erkennen. Und diese Krankheit legt den Knappschaftskassen wie den Zechen, die jetzt wohl größtenteils sich dazu entschlossen haben, den erkrankten Arbeitern den vollen Schichtlohn zu zahlen, bedeutende Opfer auf, so daß eine Lohnerhöhung, je länger die Epidemie andauert, um so erheblicheren und wirklich bestehenden Schwierigkeiten begegnen muß. **(Die beiden evangelischen Gemeinden) unserer Stadt haben 9000 bezw. 2300 Gemeindeglieder, 336 bezw. 99 Taufen, 244 bezw. 52 Konfirmierte, 82 bezw. 20 Trauungen, 122 bezw. 29 Verstorbene und 2980 bezw. 709 Teilnehmer am Abendmahl. **(Die feierliche Grundsteinlegung) zum Bau der neuen kath. Kirche soll in etwa zwei Monaten erfolgen. Die Ausschachtungsarbeiten sind beendet und man hat mit dem Bau des Fundamentes bereits begonnen. **(Mit großer Zähigkeit) hat Herr Stadtv. Duisberg die Interessen der Anlieger des II. Speckebruch, oder wie es jetzt heißt, der Bergischen Straße, gegenüber dem Bahnfiskus und oft auch im Widerspruch zum Magistrat vertreten. Da wir selbst ihm seinerzeit dieserhalb zu Leibe gegangen sind, fühlen wir uns jetzt um so mehr verpflichtet, mitzuteilen, daß nunmehr der Bahnfiskus sämtliche Beschwerden des Herrn Duisberg und der Anlieger des Speckebruch voll und ganz anerkannt hat, und daß **(Der Mann hat recht). In Paris hielt kürzlich ein Pfarrer vor einer vornehmen Zuhörerschaft eine Predigt über Nächstenliebe, deren Schluß einen vielfach auch bei uns beklagten Uebelstand energisch rügte. leicht erwarten Sie nun, sagte er,„nachdem ta, so lange von der Nächstenliebe gesprochen habe, daß ich Sie um ein Almosen oder einen Beitrag zu einem wohltätigen Zwecke bitten werde. Keineswegs! Ich habe nur eine einfache Bitte an Sie: Bezahlen Sie pünktlich Ihre Schuster, der, Modistinnen und alle Handwerker, die für Sie arbeiten! Seine Rechnungen nicht bezahlen, meine Damen und Herren, heißt einen Diebstahl begehen. Da mag mancher betroffen auf seinen vornehmen äußeren Menschen sich einer oft so leicht genommenen Unterlassungssünde geziehen haben. **(Das Betrügen) wurde einem auswärtigen Gesellen sehr leicht gemacht. Ein hiesiger Dachdeckermeister nahm einen neuen Gesellen an; dieser bat nun sofort um 20 Mk. Vorschuß, um seine Sachen herbeizuschaffen und erhielt diese Summe auch. Mit dem Gelde schlug er sich dann seitwärts in die Büsche und ward nicht mehr gesehen. Der Meister aber hat gelobt, nie wieder so vertrauensselig sein zu wollen. **(Eine interessante Statistik)lüber unbestenbure sendungen hat das Bureau des Weltpostvereins in Bern veröffentlicht. Danach beziffern sich derartige Postsendungen in den Ländern des Weltpostvereins jährlich auf über 50 Millionen Stück. Wenn die Absender nicht ermittelt werden, so fallen die Sachen der Vernichtung anheim Die vernichteten Sendungen, also Briefe, Postkarten, belaufen sich jährlich auf 26 Millionen Stück. In Deutschland beanspruchen die unbestellbaren Postkarten die weitaus größte Zahl für sich, woraus hervorgeht, daß auf die Adressirung von Karten weniger Sorgfalt verwendet wird. Dagegen ist in England die Zahl der unbestellbaren Drucksachen viermal so groß wie die der Briefe und Postkarten. Dies kommt daher, weil dort unbestellbare Drucksachen nur auf ausdrücklichen Vermerk an den Absender zurackgehen, und weil für solche Rücksendung von neuem Porto erhoben wird. **(Wieder einer.) Mit nahezu 70 Mark Kostschulden ist der Fabrikarbeiter Römer seinem Quartierwirt durchgegangen. Er hatte seinen besten Anzug angezogen und seinen Wirtsleuten vorgelogen, er müsse zur Beerdigung eines Kollegen. Er ging und kehrte niemals wieder. * Sölde, 14. Aug.(Haldenbrand.) Die nördlich 200 Meter von der Wilhelmstraße belegene Halde, welche meist mit Waschberge angefüllt ist, hat sich im Innern entzündet. Zur Löschung derselben sind bereits Vorbereitungen getroffen. ** Holzen, 15. Aug. Herr Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher Kötter hierselbst, welchem infolge seines bei dem Straßenbahnunglück im vorigen Jahre erlittenen Unfalles, ein viermonatlicher Urlaub erteilt worden ist, hat sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, wie im vorigen Jahre, so auch jetzt nach Wiesbaden begeben. Seine Vertretung in den Amtsgeschäften ist seinem Stellvertreter, Herrn Gutsbesitzer Jacobs hierselbst über25 Westhofen, 15. Aug. Dem Amtmann Herrn Grafen von Haslingen hierselbst ist vom morgigen Tage ab ein 14tägiger Urlaub erteilt worden. Die Stellvertretung des Herrn Amtmanns hat Herr Amtsbeigeordneter Dieckerhoff übernommen. Schüren, 15. August.(Arg bestohlen) wurde der Landwirt Maas, der in der Gemeindeflur von Hörde Roggen angebaut hat. Von dem Roggen, der in Stiegen aufgestellt ist, wurden eine Menge solcher entwendet. Die Diebe sind erkannt und zur Anzeige gebracht. (Einiges vom Appetit.) Daß ein gesunder Magen, d. h. also eine geregelte Verdauung, die Grundlage des irdischen Wohlbefindens ist, wird niemand leugnen. Das Heer der Magenübel, von der leichten nervösen Verstimmung bis zum chronischen Magenkatarrh ist aber weitaus größer, als man gewöhnlich annimmt. Sicher ist der Magen dasjenige Organ, daß am unzweckmäßige Behandlung zu leiden hat. Viele Menschen verstehen überhaupt nicht richtig zu essen. Hi gergefühl und Appetit bilden die natürlichen Antriebe zu Nahrungsaufnahme. Der Hunger mahnt zur Aufnahme von Nahrung überhaupt, er ist also aufs allgemeine eingerichtet, der Appetit jedoch gilt uns als Wegweiser, welche Nahrungsmittel wir wählen sollen. Ohne.. so heißt es gewöhnlich, kann man doch nicht essen. Appetit ißt, bekommt mag im allgemeinen richtig sein, trifft aber durchaus nicht in allen Fällen zu. Es ist bei gewissen, Frggkhritz, zuständen recht wohl denkbar, daß wir auch ohn#ppetit essen konnen, ja sogar essen müssen.„ig van dem ZuVerlangen, welches nur zum kleinen Teite von den# stande des Magens beeinflußt wird, vielfach hängt es von Gewohnheit ab. Unser Appetit stellt sich zu gewissen, Fo geszeiten, vielleicht auch beim Anblick irgend wer leckerer Delikatessen oder auch im Zustande der Langewei# ein. Durch zahlreiche Untersuchungen ist nachgewiesen, daß trotz mangelnden Appetites die Verdauung eine ganz normale sein kann, und die tägliche Erfahrung„. daß Patienten, welche bei sonst gesundem Magen kei Appetit haben, sehr wohl auf Geheiß genossene Speisen vertragen. Die Appetitlosigkeit, die Abneigung gege Speisen schließt also keineswegs die Möglichkeit der Nahrungsaufnahme und die richtige Verdauung der genossene Nahrung aus. Deshalb ist auch eine etwa bestehen Appetitlosigkeit durchaus nicht immer ein Beweis dafür, daß der Magen krank ist, und ganz falsch ist der Grundsatz, daß Speisen, die man mit Widerwillen genießt, dem Körper schädlich sind. Gerade in denjenigen Fällen, wo! die Appetitlosigkeit nur von gewissen Vorstellungen, Gemütsbewegungen, von Gewohnheit, Ermüdung, oder was bei sehr überarbeiteten Leuten der Fall ist, von einer mangelhaften Zeiteinteilung abhängig ist— gerade in solchen Fällen muß man die Unlust zum Essen überwinden und Aufgabe des Arztes ist es, die Menge der Nahrungsaufnahme auch da zu regulieren, wo der Appetit zu gering ist, d. h. wo der Patient sichtlich abmagert, ohne etwa magenkrank zu sein. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 15. Aug. Auf Zeche Gottessegen kamen gestern die Bergleute Demtörder und Bolte infolge Bruches eines Bremsberges zu Tode. * Sprockhövel, 15. Aug.(Aus dem Zuge gesprungen.) Am Samstag starb in unserer Nachbargemeinde Holthausen der Landwirt Wilh. Er hatte am Dienstag voriger Woche eine Reise gemacht, war aber, anstatt in Steele aus= und in den Zug nach Hattingen einzusteigen, aus Versehen sitzen geblieben und nach Bochum weitergefahren. In Höntrop bemerkte er den Irrtum, öffnete die Coupétür und sprang aus dem fahrenden Zuge heraus. Er konnte zwar noch nach Hause gehen, erkrankte aber gleich darauf und ist nun nach vier Bielefeld, 14. Aug. Pastor v. Bodelschwingh in Bethel, der sich bekanntlich um die Sammlung von Beiträgen ur Errichtung von Waisenhäusern in Sudlebhaft bemüht hat, erhielt aus Springfontain, Brandfort und Bethulie Briefe, aus denen hervorgeht, daß die gesandten Beiträge bereits gute Früchte getragen haben, daß aber die immer noch vorhandene große Not in den Burenländren weitere Hilfe nötig mache. Aus den Briefen ist zu ersehen, daß in Transvaal bereits 6 Waisenhäuige fertig eingerichtet sind, und daß in Springfontau, Brandfort und anderen Orten Waisenhäuser im Bau begriffen sind, oder daß man sich vorläufig mit Mietshäusern behilft. Jedenfalls ist mit Hilfe des deutschen Goldes schon 2 Köln, 15. Aug. Eine Pilzvergiftung im benachbarten Mülheim=Rhein hat von den Bewohnern eines Hauses bereits 6 Opfer gefordert. Gestern ist ein 9 Jahre alter, heute ein 5 Jahre alter Knabe des Arbeiters Fleures und bald darauf die Ehefrau Fleures gestorben. Desgleichen ist die Familie Marquard schwer heimgesucht worden. Frau Marquard hatte infolge der Vergiftung eine Fehlgeburt und kämpft augenblicklich mit dem Tode; gestern starb der 4 ½ Jahre alte Sohn, nachts 12 Uhr ihr Gatte und 3 Stunden später ein Sohn von 11 ½ Jahren. Die 4 anderen Kinder dieser Famalie sind gleichfalls schwer erkrankt. und Landwirtschaft. (Die Zeit des Obstgenusses) steht vor der Türe. Wir möchten deshalb unsere Leser darauf aufmerksam machen, daß es von großem Vorteil ist, wenn man mit dem Obst zugleich Brot genießt. Dies gilt namentlich für Kinder, welche nach dem Genusse von Obst leicht Unterleibsbeschwerden erhalten. Allen Eltern also, welche ihre Kleinen gesund erhalten und namentlich vor Durchfall und Diarrhöe bewahren wollen, sei empfohlen, ihre Kinder von klein an daran zu gewöhnen, daß sie nur Obst mit Brot essen. Erwähnt sei hiebei, daß es in Frankreich z. B. als ungezogen gilt, Obst ohne gleichzeitigen Brotgenuß zu verzehren. „Smarte“ Geschäftsleute sind die Amerikaner. Die„Markthallenzeitung" beschäftigt sich in einem langen Artikel mit den kalifornischen Pflaumen und macht bei dieser Gelegenheit folgende interessante Mitteilung: „Unsere Ausführungen über die Lage des kalifornischen Pflaumenmarktes würden übrigens nicht erschöpfend sein, wenn wir nicht die Aufmerksamkeit der Käufer auf eine Manipulation lenken wollten, der die Pflaumen unterworfen werden. Diese Behandlung hat den Zweck, das Gewicht der Früchte zu vergrößern und ihnen im allgemeinen ein besseres Aussehen und eine gleichmäßige Farbe zu verleihen. Diese Behandlung besteht darin, daß man die getrockneten Pflaumen in eine warme Glykose=, Alaun= oder Glyzerinlösung bringt, der man einen passenden Farbstoff, sind, wird dadurch wieder einmal bewiesen. Ob die Zusätze, mit denen man die kalifornischen Pflaumen behandelt, tatsächlich nicht gesundheitsschädlich seien, mag zunächst dahingestellt bleiben. Das Reichsgesundheitsamt wird sicher, wenn es noch nicht geschehen sein sollte, Gelegenheit nehmen, sich die präparierten Pflaumen näher anzusehen. Ob aber der deutsche Konsument künftig noch Lust haben wird, Pflaumen zu essen, die in Alaun und Glyzerin gebadet und mit Blauholz gefärbt sind, müßte eigentlich sehr zweifelhaft erscheinen, wenn man nicht die sattsam bekannten Erfahrungen mit dem amerikanischen Aepfeln, den amerikanischen Würsten usw. gemacht hätte. der Alkohol spricht. Wollt Ihr Wunder und Zeichen schauen, Kommt zu mir, Ihr Männer und Frauen! Laßt mich nach meinem Willen nur handeln, So kann ich die ganze Welt Euch verwandeln. Arm mach ich die Reichen— krank die Gesunden, Aus Arbeitern schaff' ich Euch— Vagabuuden, Aus Frommen Spötter, aus Weisen Verwirrte, Aus Fleißigen Faule, aus Guten Aus züchtigen Jungfrauen schamlose Weiber, Aus tüchtigen Männern Diebe und Räuber, Aus häuslichem Glück Elend und Not, Aus Nahrung Gift, aus Leben Tod. Wie ich das kann? Folgt mir heran! Das Naß Im Faß Tut das Ins Glas, Dann an die Lippen Zum Kosten und Nippen Dann nur munter Hinunter! Nur mehr! Und wieder Hernieder! So nähr' ich das Feuer, Ihr trinkt und trinkt, Bis Euch der Abgrund der Hölle verschlingt! Vermischtes. (Schwalben im Spatzennest.) Daß ein Schwalbenpaar von dem frechen Proletarier Spatz aus seinem Nest vertrieben wird, ist allgemein bekannt und wohl auch von den meisten Lesern schon selber beobachtet worden. Sehr selten liegt wohl der umgekehrte Fall, und dem habe ich jetzt Gelegenheit gehabt, zu beobachten. Durch ich merkwürdigerweise gehört, daß die Eingeborenen sich über die Raublust der Elstern je beschwert hätten G. Häusliches Glück. Von F. Ottmer. 's war einer, dem fehlte das Glück im Haus, Da ging er es zu suchen aus. Er dachte: Auf den Bergen, den blauen, Da werde ich das Glück erschauen. Dort fand er es dort nicht und nicht im Tag, Er stieg empor zum Marmorsaal, Er ging in Hütten in Grün versteckt, Doch hat er niemals das Glück entdeckt. Da sagt er: Mich dünkt, daß in weitem Land Das Glück ein Obdach nirgend fand; So will ich selbst zu Gast es laden. Und er wanderte heim auf staubigen Pfaden In fröhlicher Geschäftigkeit Und öffnete seine Türe weit, Und deckte mit schimmernden Linnen auf, Und stellte duftende Rosen darauf, Und bat, zu sein zum Empfang bereit, Die Arbeit und die Genügsamkeit. Da kam das Glück durch die Tür gegangen Mit seinen lächelnden Rosenwangen, Mit goldenen Locken und Augen licht Und setzte an seine Seite sich dicht Und stieß ihn an mit dem Ellenbogen— Und niemals ist's wieder davongezogen. Vom sozialen Felde. Jena, 14. Aug. In der optischen Werkstatt von Karl Zeiß hier hat sich jetzt die Kündigung von 66 Optikern erfoderlich gemacht. Bei dieser Gelegenheit ist die von dem Begründer der Karl Zeiß=Stiftung, Professor Abbe, in deren Statuten niedergelegte Einrichtung einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit zum erstenmal praktisch nutzbar geworden, indem den Gekündigten die vorgesehene Abgangsentschädigung gezahlt wurde. Dieselbe beziffert sich für die 60 Ausscheidenden auf 26 000 Mk. Die Anteile der einzelnen betragen 270 bis 1175 Mk., entsprechend dem sechsten Teil der dem Werk geleisteten Dienstzeit, und zwar ist die im Statut vorgesehene Mindestdienstzeit von 3 Jahren auf ein halbes Jahr herabgesetzt worden, sodaß selbst jugendliche Arbeiter entsprechende Entschädigung behufs besseren Fortkommens erhielten. „Schwerter Zeitung.“ habe ich jett Gelegbet gchobt, vu bist ag dern Anbau Rd Verlin, 15. August. Dem„Verl. Tagebl.“ zu. und den Torpedoheizer Isbrand vom Linienschiff„Kaiser Friedrich“, wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 3 bezw. 2 Jahren Zuchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und Ausstoßung aus dem Heere. einige Minuten liegen läßt. Bade herausnimmt, dann hat man eine hübsche, schwellende, durch das Aufsaugen der Flüssigkeit schwer gewordene und leichter zu behandelnde Pflaume. Man richtet sie unmittelbar darauf für die Verpackung und die Spedition zu. Als Grund zur Erklärung der Tatsache, daß man die gedörrten Pflaumen einem solchen Bade, welches das Gewicht erschweren muß, unterzieht, wird der Umstand ins Feld geführt, daß sie sich nach einer solchen Behandlung viel leicher verpacken lassen und der Form der Kiste oder Schachtel, in welche sie gelegt werden, anpassen, wodurch gleichmäßig verhindert wird, daß die Zuckerkrystalle an die Overstäche der getrockneten Pflaume hervordringen. Und man beeilt sich hinzuzufügen, daß diese Art der Zubereitung durchaus nicht gegen die kaufmännische Ehrlichkeit und Ehrbarkeit verstößt, da sie in keiner Beziehung der Gesundheit gefährlich ist und die Lösung nichts Schädliches enthält; man verschweigt dabei allerdings, daß die Pflaume durch das Aufsaugen der Flüssigkeit an Gewicht zunimmt und daß sie dadurch desto schwerer wird, je größer und fleischiger sie ist. Diese Gewichtszunahme, die einen Reingewinn darstellt, ist außerdem nicht unbeträchtlich; sie schwankt zwischen 7—10 pCt. je nach Größe der Pflaume und ihrer Fähigkeit zur Aufnahme der Flüssigkeit.“ Daß die Herren Amerikaner gute Geschäftsleute der schon seit Jahren ein Spatzenpaar seinem Familienglück fröhnte. Auch in diesem Jahre haben Sperlinge schon einmal in diesem Neste gebrütet. Nachdem die ersten Spatzensprößlinge ausgeflogen waren und die Spatzen bald zur zweiten Brut schreiten wollten, zeigte sich an dem Nest auch ein Paar Rauchschwalben. Es gab Zänkereien und Beißereien um das Nest, und in diesen ziemlich heißen Kämpfen blieben die Schwalben Sieger. Jetzt sind junge Schwalben in dem alten Spatzennest, und die Alten liegen fleißig mit Futter zu den laut pipsenden jungen Schwälblein. Wenn doch der Kampf zwischen Schwalben und Spatzen um den Nistplatz immer einen so willkommenen Ausgang nähme! *(Die Gefahren der Röntgenstrahlen.) In einer Londer Zeitschrift veröffentlicht jetzt ein Arzt seine Ansicht über die Gefahr des Experimentierens mit Röngenstrahlen, das bekanntlich dem Erfinder Edison beinahe das Augenlicht und zweien seiner Assistenten und ebenso zwei Aerzten eines Londoner Hospitals Arme und Finger gekostet hat. Es heißt da, daß zunächst die direkte Untersuchung von Wunden und dergleichen mit Röntgenstrahlen aufgegeben ist. Man nimmt vielmehr jetzt mit den Strahlen nur Photographien auf, und die Aerzte arbeiten dann nach diesen. Dadurch wird das Arbeiten mit den Händen direkt unter den Strahlen vermieden. Man hat auch versucht, beim Arbeiten Handschuhe zu verwenden, in denen inwendig zum Schutz Blei angebracht wurde. es stellte sich aber bald heraus, daß dies die Bewegung der Hand sehr hindert. Das erste Symptom der Vergiftung durch Röntgenstrahlen ist eine starke Entzündung der Haut, dem ein allgemeines Uebelbefinden und Schlaflosigkeit folgen. Die Nägel werden ebenfalls bald angegriffen, sie sterben nach und nach ab. Es scheint demnach, daß die Wirkung der Strahlen erst eine gute ist, aber so bald man die Sache übertreibt, sehr gefährlich wird. Immerhin treten die schlimmen Wirkungen erst nach monatelangem Experimentieren ein, während irgend andre Aerzte allerdings hehaupten, daß trotzdem sie schon mehrere Monat dauernd mit den Röntgenstrahlen experimentiert haben, sie bisher noch keine üblen Folgen entdecken konnten. :( Vogelmord in Rußland.) Aus Moskau wird einem englischen Blatte geschrieben: Für die Elstern, die sich in der Umgegend Moskaus zahlreich finden, kommt eine schlechte Zeit. Eine Berliner Firma allein hat den Auftrag gegeben, sofort 80 000 Elsternbälge zu liefern, die als Schmuck für Damenhüte gebraucht werden. Rußland ist in der letzten Zeit unliebsam berühmt geworden wegen des Abschlachtens wilder Vögel zu Putzfedern. Archangel ist ein bekannter Mittelpunkt für den Export von Vogelflügeln und=Federn. Dort werden die Hälse von Tauchern in großen Mengen als Besatz für Mäntel, Muffen, Boas usw. verkauft. Die Flügel der meisten Schneehühner werden in großen Ladungen nach Archangel gebracht; eine solche Ladung beträgt gewöhnlich 10 Tons. Das weiße Gefieder des Schneehuhns hat die ungewöhnliche Eigenschaft, daß es beim Färben jede Farbe annimmt und dann als Hutschmuck gebraucht werden kann.— Das eigentliche Land der Elstern in Europa ist der Balkan. Geradezu ungeheuerlich ist die Zahl jener ebenso schönen, wie schädlichen Vögel, die in den Gärten jeder orientalischen Stadt nisten. Ein Unikum sondergleichen sind die Dugapässe in Montenegro. Zwischen Spaz und Danilogrod habe ich die Fruchtbäume z. B. in den Gärten der Dörfer derart mit Nestern besetzt gefunden, daß tatsächlich die Aeste si chbogen. Aber niemals habe s dem Heere. Hd Ems, 15. August. Unweit der hiesigen Station warf von einer Mauer aus eine Frau ihr 5jähriges Töchterchen und dann sich selbst vor die Lokomotive des Zuges 493 der Lahntalbahn. Das Kind wurde schwer verletzt, der Leichnam der Frau völlig zerstückelt. Hd Marburg, 15. August. Landgerichtssekretär Otto Florian aus Neustadt(Main=Weser=Bahn) wurde wegen Unredlichkeiten verhaftet und ins hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Seine Verpflichtungen sollen über 25000 Mark betragen. Gestern wurde das Konkursverfahren über sein Vermögen eröffnet. Florian stammt aus Schlesien. Ha Wien, 15. August. Der Fleischhauer Jakob Lampel, ein ehemaliger Millionär, der durch den Leichtsinn seines Sohnes gänzlich verarmte, erschoß in der vergangenen Nacht seinen Sohn und dann sich selbst. Hd Konstantinopel, 15. August. Der Sultan hat die Entschädigung für die Witwe des ermordeten russischen Konsuls in Monastir auf 400 000 Franks erhöht. Bisher ist beim hiesigen russischen Botschafter keine Entschließung des Zaren über die Satisfaktion für die Ermordung des Konsuls eingetroffen.. Me; 11.351aß wurhem 100 Hd Sofia, 15. August. Bei uesrueb wurden 400 Bulgaren von den Türken getötet.— Die Aufständischen nahmen mehrere Postwagen trotz starker Bedeckung weg und erbeuteten hierbei 11 900 Kronen. Hd London, 15. August. Auf dem Transportschiff „Dumera" wollten am Tage vor dem Eintreffen des Schiffes in Southampton 40 Gefangene aus Afrika, die an Bord völlige Freiheit genossen, Gepäckstücke anderer Passagiere versteigern. Als man ihnen das verbot, wehrten sie sich dagegen, schlugen auf die Schiffsmannschaft ein und konnten nur mit Gewalt in das Zwischendeck gedrängt werden. Das machte die Meuterer vollends wütend, die nun mit Messer und improvisierten Waffen um sich hieben. Es dauerte mehrere Stunden, bis es gelang, die Aufrührer hinter Schloß und Riegel zu setzen. Einzelheiten über die Meuterei, bei denen verschiedene Verletzungen durch Messerstiche erfolgten, werden geheim gehalten. 4 4 Hd Belgrad, 15. August. In Kruschewo, das die aufständischen Bulgaren besetzten, töteten sie zuerst den Bezirkshauptmann, dann sämtliche Beamten. Alle Türken bis auf zwei wurden niedergemacht. In Kitscheivo richteten die Türken ihrerseits ein Blutbad unter den Christen an. Auf dem Wege von Salonichi nach Ueskueb wurde eine Kiste mit 25 Bomben mit Beschlag belegt. Hd Paris, 15. August. Dem Blatte„La Presse" zufolge werde Frau Humbert in der nächsten Gerichtssitzung mitteilen, daß sie vor ihrer Flucht nach Madrid einem Freunde 87 Millionen in Verwahrung gegeben hat und daß sie den Namen des Betreffenden sofort nach Beendigung des Prozesses angeben werde, falls die Millionen nicht mehr vorhanden sein sollten. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Die Best-Restanas Sämtlicher Scnliner sst.. kurzer Zeit geräumt sein und werden daher zu jedem annehmbaren Preise verkauft. Damen-Hüte, Kinder-Hüte, Mousseline- und Battist-Käppchen, Capotten, Gerhierte bu Handschube, Sommer-Unterröcke, Strünpfe, ebe Bouen, Sonu.„Uuterzeuge, Socken, WaschHerrenBlousen Garde= und Landwehrverein Schwerte. Sonntag, den 16. Aug. cr., abends 8½ Uhr, im Vereinslokal General versammlung Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Bericht des Delegiertentags. 4. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Freiw. Schwerte. Sonntag, den 16. Aug., morgens 6½ Uhr: Aebung. Chef. Ev. Arbeiter= u. Bürger=Verein Schwerte. Monatsversammlung Sonntag, den 16. Aug., nachm. 5 Uhr, im Saale des Herrn Hagemann. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge und Sterbekasse. 2. Einführung neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Stengrassel. Veri. Schwerte. Dienstag, 18. Aug. er., abends 8½ Uhr, im Restaurant„Zur Glocke“ (C. Jungesbluth) General-Hersammlung. Der Vorstand. Der Graswuchs auf unseren nachstehend bezeichneten Weiden soll verkauft werden: I. Freitag, den 21. August vormittags 9 Uhr: Verkauf des Grases auf der früher Bimberg' schen Weide an der Fähre bei Drüpplingsen. II. Freitag, den 21. August cr., nachmittags 3 Uhr: des Grases auf dem oberen Ochsenkamp bei Lappenhausen.(Zusammenkunft ad I u. II an der Fähre bei Drüpplingsen.) III. Freitag, den 21. August cr., nachmittags 4½ des Grases auf der Weide am Kühl und der früher Cordes'schen Weiden.(Zusammenkunft ad III beim Wirt Exsternbrink, Wellenbad Geisecke.) Dortmund, den 14. August 1903. Die Verwaltung des städt. Wasserwerks. SSESESESE BESESSSEG G Im neu eröffneten g0 5 Kaufhaus 3 H. W. Recke, (5 Schwerte, Markt 9, f0 ( kausen Sie wirklich billig RI und gut: 55 Mitch, eitgen,g G Posterwaren, Betten, g6 lH komplette 10 0 Brautausstattungen, I Haus= und Arbeiterinnen, durchaus tüchlig und per#fekt in der Arbeit, sowie Tehrmädchen für die Damen=Schneiderei gesucht. J. Hecht Nacht., Schwerte, Ostenstr. 20. 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Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.“ Nr. 190. (2. Blatt.) Erntezeit. Mohnblüten schimmern im Aehrenfeld So herzblutrot. Nun grüße sterbend, Du Sommerwelt, Den Schnitter Tod. Der Sense Blitzen ans Leben greift Den Halmen schwank, Eh' noch die Sonne, die sie gereift, Im Westen sank. Doch trägt die Aehre im Erntelohn, Ihr unbewußt, Den Keim des künftigen Lebens schon In tiefster Brust. Im Jugendglanze wird ihr Geschlecht Den Frühling seh'n——, Nur die leere, stolze erwarb kein Recht Am Aufersteh'n. Kapitan Zänder. Roman von F. Klinck=Lütetsburg. (47. Fortsetzung.) Dann kleidete er sich rasch an. In der Hand eine kleine Tasche tragend, verließ er das Hotel und traf an der Landungsbrücke mit Klaas Däne zusammen, der ihn erwartete. Däne sah finster drein. Er hatte am letzten Abend noch genug in der Schänke gehört, um zu wissen, daß jeder geringfügige Zufall ihm verhängnisvoll werden konnte. Das hatte er Theden zu verdanken. Beide Männer bestiegen den Strandwagen, der sie bis an das Fährschiff bringen sollte. Das Wasser war unruhig, und bereits im Wagen hatte Johann ein Gefühl von Seekrankheit, wenigstens sagte er so. Auf dem Schiffe angelangt, bat er Däne, ihn zu stützen. Er setzte sich dann auf eine Bank und ließ den Kopf niederhängen. Etwa die Hälfte der zweistündigen Fahrt war zurückgelegt. Der Kapitän stand am Steuer, und der Matrose hatte an der Seite des Schiffes am Segel zu tun. Keiner von beiden gab acht auf die einzigen Passagiere, von denen der eine genug zu tun hatte, den anderen zu halten. „Schafft Klaas Däne aus der Luft,“ kam es mit einem Male heißer über Johann Thedens Lippen, laut genug, um von dem Kapitän gehört zu werden. Gleichzeitig gewahrte derselbe, wie der eine den anderen bei der Gurgel packte und ihn mit übermenschlicher Kraft über Bord drängen wollte. Ehe er hinzuspringen und den Matrosen durch Rufen hatte aufmerksam machen können, war das Unglaubliche auch schon geschehen: beide Männer waren über Bord geschlagen und— setzten im Wasser den Kampf auf Leben und Tod fort. Klaas Däne, der ungleich Stärkere, unterlag zuerst. Mit der Wut eines Tigers hatte ihn Theden an der Gurge zefaßt„sodaß Däne durch die Plötzlichkeit des Angriffs im ersten Augnblick auf den Versuch eines Widerstandes verzichtete. Unmittelbar darauf hatte er sich gefaßt und nun war er bemüht, sich von seinem Gegner zu befreien, aber schon versagte ihm die Kraft. Mit beiden Händen umkrallte Johann Theden den Hals seines Gegners, dessen eben über dem Wasser auftauchendes Gesicht bläulich gefärbt war unddessen verglaster Blick zeigte, daß das Leben zu verlöschen begann. Dann waren beide verschwunden und die nunmehr gemachten Versuche, sie lebend oder tot aufzufinden, erwiesen sich als vergebliche. Drei Wochen nach diesen letzten Ereignissen kehrte Heinrich Sander mit Ehren überhäuft in seine Vaterstadt zurück. In später Abendstunde war er gekommen, um einem ihm bereiteten großen Empfang aus dem Wege zu gehen. Nach dem Bekanntwerden aller Einzelheiten der überstandenen Gefahren, des Mutes und der Ausdauer die er in allen Lagen an den Tag gelegt, wollte jedermann ihm zeigen, wie man seine Verdienste anerkannte. Ja, der eine oder der andere erinnnerte sich wohl gar noch einer aburteilenden Aeußerung, die er über den„Mühlenschiff=Kapitän“gemacht und wünschte ein begangenes Unrecht auszugleichen. So kam es, daß jedermann im Lobe des Mannes überströmte, den man eines Tages, um unverschuldeten Unglücks willen, verspottet und verhöhnt hatte. Heinrich Sander hatte kein Verlangen gefühlt, dor hin zurückzukehren, wo niemand ihn vermißte und niemand Verlangen trug, ihn wiederzusehen. Geschäftliche Angelegenheiten nötigten ihn jedoch, Wünsche unberücksichtigt zu lassen, die einer unrühmlichen Schwäche seines Charakters entsprangen. Er war in seinen Bemühungen für Zerling erfolgreich gewesen, ohne daß es besonderer Schwerte, Samstag, den 15. August 1903. Anstrengungen seinerseits bedurft hätte. Alles war durch Johann Theden geordnet gewesen, so daß dem Antreten ihrer Erbschaft nur der Nachweis über den Tod des Vaers im Wege stehen würde. Daß derselbe aber lebte und daß er und der„Dünefex" eine Person waren, hatte Sander bereits durch Zerlina selbst erfahren, an die er von Hamburg aus geschrieben. Das kleine Haus am Flußufer, in dem er seine Kinderjahre verlebt hatte, stand zum Verkauf, und gerade in diesen Tagen war ein Angebot erfolgt, das er anzunehmen beabsichtigte. Der Bewerber aber wünschte noch wegen eines Seitengebäudes und darauf haftender Gerechtsame persönlich mit dem Besitzer zu verhandeln, und nur aus diesem Grunde hatte Kapitän Sander sich entschlossen, noch einmal die Vaterstadt aufzusuchen. Noch ein anderer Grund würde imstande gewesen ein, ihn heimzuführen, aber er hatte ihn nicht Gewalt über sich gewinnen lassen. Er war eines Tages zu tief in dem Hause verletzt worden, das sie bewohnte, an der er mit einer Liebe hing, die sich nur durch sein völliges Alleinstehen in der Welt erklären ließ. Marta van der Straaten war ihm einst eine Freundin, eine Schewster gewesen und später— er hatte nicht daran gedacht, sie zu gewinnen. Als ihn dann aber durch ihren Vater eine olche Möglichkeit nahe gerückt worden war, da wurde er sich auch alsbald der großen, leidenschaftlichen Liebe bewußt, die er schon lange für sie empfunden hatte. Jetzt, nachdem es ihm gelungen war, einen seiner Ehre anhafsenden Flecken abzuwaschen, war wohl der Gedanke in ihm lebendig geworden, zu Marta van der Straaten zu eilen, um ihr zu sagen, daß er sie liebe und imstande sei, ihr ein Heim anzubieten, aber er verwarf den Gedanken. Er hatte sich in einer bitteren Stunde gelobt, das Haus van der Straatens nicht wieder zu betreten. In dem Augenblick, als er den Vorgarten des kleinen Hauses betrat, das nun bald nicht mehr ihm gehören würde, erschrak er vor einem Lichtschimmer, der durch die geschlossenen Läden drang. Wer konnte in dem Hause sein? Zerlina war nicht heimgekehrt. Sie hatte ihm geschrieben, daß sie noch dort zu bleiben wünsche— um ihres Vaters und Kindes willen und— daß er sie auch nicht entbehren werde. Sander hatte den Sinn dieser Worte verstanden. Wie war es aber möglich, daß ein Fremder in dem Hause weilte, das nach Aussage des Anwaltes seit Monaten von keinem menschlichen Fuß betreten worden war? Die Haustür stand offen. Wie ein Träumender trat er in den erleuchteten Flur. In demselben Augenblick wurde die Stubentür geöffnet, und Mynheer van der Straatens behäbige Gestalt erschien im Rahmen derselben. 8 „Willkommen, Kapitan Sander. Ist der offizielle Empfang beendet? Dann werden Sie uns hoffentlich den Familienempfang gönnen. Wir haben mit Erlaubnis ihres Anwaltes das Haus wieder in bewohnbaren Zustand versetzt, damit Sie einstweilen wenigstens hier ausruhen können. Später— ich leugne nicht, daß ich mich freuen würde, wenn Sie mir das Grundstück verkaufen wollten. Ich reflektiere darauf.“ Einen Augenblick wollte sich in Heinrich Sander der Groll regen, mit welchem er lange des alten Rheders gedacht. Aber in der Stimmung des Mannes lag etwas, das beruhigend auf ihn wirkte und dann— langsam glitten seine Blicke durch das wohlbekannte Zimmer, das nur zum Teil durch die auf dem weißgedeckten Tisch stehende kleine Lampe erhellt wurde. Hinter dem Tisch stand Marta van der Straaten. Sie sah sehr blaß aus, und ihre Augen begegneten mit einem ängstlich forschenden Ausdruck dem Blick Heinrich Sanders. „Marta“. Er streckte ihr beide Hände entgegen und ging raschen Schrittes auf sie zu. „Heinrich!“ Als der Name über ihre Lippen kam, war auch mit einem Male alle Sorge und Unruhe der letzten Tage von ihr genommen und die Ueberzeugung, daß sie endlich das Glück finden werde, das sie schon als verloren betrachtet, hielt in ihrem Herzen seinen Einzug. „Gott sei Dank, daß Du heimgekehrt bist— so heimgekehrt!“ kam es über ihre Lippen, indem sie ihr errötendes Gesicht an seiner Brust barg. „Ja, Marta, das magst Du wohl sagen,“ warf Mynheer van der Straaten ein.„Wäre es ihm nicht geglückt, so ganz besonders geglückt, wir hätten den Dickkopf woh nie mehr zu Gesicht gekriegt.“ Ende. 36. Jeitgemaße Betrachtungen. (Nachdruck verboten.) „Frohe Hoffnung!“ Die Hoffnung ist der gute Stern, Er zeigt manch schönes Ziel von fern Und ziehn wir in die Weite, Gibt er uns das Geleite. Und geht es einmal wen'ger gut, Die Hoffnung gibt uns neuen Mut, Drum, was uns auch betroffen, Wir harren und wir hoffen! * Die Hoffnung macht das Leben süß Und weh dem Mann, den sie verließ, Ihm fehlt der Mut zum Streiten, So war es schon vor Zeiten; So ist's auch in der Gegenwart, Und ist das Schicksal rauh und hart, So hofft nach Müh' und Plage Der Mensch auf bessere Tage! * Der eine hat ein kleines Ziel, Der andere hofft dagegen viel, Das Hoffen ist hienieden Natürlich sehr verschieden. Der Schuldner, dessen Last sehr groß, Hofft heimlich auf das„große Los“, Es hoffen Millionäre Zu werden Milliardäre! Der Riese Morgan„hoffte“ auch, Doch ward sein Trust zu Schall und Rauch, Er war zu unbescheiden, Drum mußt er's eben leiden. Mit seinen Plänen fiel er rein, Jetzt möcht' ich nicht Herr Morgan sein, Es wird— das sagt er offen, Erfüllt nicht jedes Hoffen! * Das Hoffen ist noch steuerfrei, Drum wird gehofft so vielerlei, Man hofft von heut auf morgen Und bannt die alten Sorgen. Auf Zuwachs hofft der russ'sche Bär, Scharf ist er hinter Asien her, Bald hat er, wie vermessen, Die Mandschurei— gefressen! * John Bull sitzt im Somaliland, Er hofft dort auf die Oberhand, Doch oftmals muß er weichen Den unverhofften Streichen. Die Friedensliga unbeirrt— hofft, Daß bald abgerüstet wird, Indes an fernsten Küsten Sogar die Wilden rüsten! * Der Balkan hofft seit langer Zeit Auf Ruhe und auf Sicherheit, Der Sultan auf Gesundung Und Schulden=Zahlungs=Stundung. Auf eine Krone unverwandt Hofft noch Bulgariens Ferdinand, Er käme froher Weise Dann heim von seiner Reise! * Hier hofft man das, dort hofft man dies, Sogar Frau Humbert in Paris In Stimme und Geberde Hofft, daß ihr Freispruch werde. Vielleicht sehn die Geschwor'nen ein: Dies Kind, kein Engel ist so rein, Drum tun wir ihr nichts weiter! Doch Hoffnung trügt! Ernst Heiter. Wette 16. August: Sehr warm, heiter, strichweise Gewitter. 17. August: Wolkig mit Sonnenschein, schwül warm, meist trocken. 18. August:„Wolkig, teils heiter, schwül, vielfach Regen, windig, kühler. 19. Augusi: Kühler, windig, Regen, teils heiter. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Schwerte Hagenerstr. Nr. 1 empfiehlt ihr großerg Lager in Hüten und Tützen in nur neuesten Facons für Herren- u. Knaben, sowie Begen= und Touristenschirme. und Sonnenschirme für Damen. In Handschuhen und Kravatten, Hosenträgern und Wasche i-cer Scack-Gauen Naggonk..,, Mnan, werden zu noch nicht gekannt billigen Preisen verkauft. Fritz Neuwerth. Sstste Wohlschrtailcltere. Pohuns: P-, Zechungg Getchag.. Unter den Linden 3, Carl Heintze. empfiehlt und versendet auch gegen Machnähme eud u e Wohlfahrtsloose 1330 Wgr. 190,0uU Poto und tiote Schneidemunles„„ggger 10,000 neuned Perd en aen imn ianen acde Gertanlde. Sogeüindef 181?. Bestellungen sind nach untur den#1. L. Weinberg, Schwerte. Beste und billigste Bezugsquelle für sämtliche Kolonialwaren. Rüböl, hell und klar, per Liter 4#9 Pfg. 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