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Volks=Zeilung

Bochumer Volkszeitung

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Zentralorgan für den rheinisch-westfälischen Industriebezirk

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Bochumer Stadtanzeiger

61. Johrgang

Nr. 6

Samslag-Sonnlag, den 9. und 10. Januar(Julian Fest der hl. Familie)

1932

Briand bietel seine Demission an.

Sein Gesundheilszustand wird als Grund vorgeschoben.

Politische Wandlung in Frankreich?

Was gibt es heute Neues?

Rücklrilt des Kabinelts Laval?

Umbildung auf breiterer Basis?- Aber wenig Reigung bei den

Parteien.

Paris, 8. Jan.(Drahtber.) Wie die Agen­tur Havas mitteilt, wird versichert, daß Briand im Laufe des gestrigen Tages den Ministerprasiden­ten in Kenntnis gesetzt hat, er glaube. infolge seines schonungsbedürftigen Gesundheitszustandes sein Miniservortelentiie alo Anhenmini. ster dem Ministerpräsidenten zur Verfügung stellen zu mussen, damit dieser es neu besene.

Den ersten Anstoh zu diesem Schritt gab der Tod des Rriegsministers Maainot. Schon am Donnerstag vormittag hatte sich der Auhenminister mit Laval telephonisch in Verbin­dung gesetzt und ihm erklärt, dah er

die Stunde seines Rucktritts nunmehrfurgekommenhalte.

Er sei krank und es müsse daher Vorsorge für eine in jeder Hinsicht leistungsfahige Vertretung Frank­reichs auf den Konserenzen actrossen werden Eo erweist sich jerner, dah Briand nicht wegen seiner Kraniheii. sondern vielmehr wegen leines Rüc= trittsentschlusses nicht mehr am leuten Minister­rat teilgenommen hat.

die Nachsolgeschaft anbelangt, so lahte sich vor Annahme des Rücktrittegesuches durch den Ministerprasidenten nichte Zuverlaisiges sagen. Die großte Wahrscheinlichkeit spricht jedoch dasur, dan

Lavalselbstdie Anßenpolitik übernehmen und das Innen­ministerium abtreten wird.

*

Petit Parisien glaubt, Laval werde spä­

festens am kommenden Mittwoch die Gesamt­

demission des Kabinetts dem Präsidenten

der Republik anbieten. Es liege kurz vor der Konferenz von Lausanne und Genf im offensichtlichen Interesse Frankreichs, das Ministe­rium auf eine breitere Grundlage zu stellen und möglichst eine nationale Einheitsfront sämtlicher Parteien zu schaffen. Briand habe in letzter Zeit wiederbolt dem Ministerprä­sidenten zu verstehen gegeben, wie beschwerlich für ihn die mit der Konferenz verbundenen Mühen sein würden.

Ebenso sehen viele andere Blätter in der Ge samtdemission des Kabinetts die wahrscheinliche Lösung, zu der sich Laval entschließen werde. Sie verkleinern dabei aber nicht

die Schwierigkeiten einer Neubildung de­Kabinette für Lapal.

Wenn Laval tatsächlich daran gedacht kaben sollte, ein Ministerium dernationalen Einheits­front nur unter Einschluß der Sozia­listen zu bilden, dann müßte die Antwort, die ihm der sozialistische Fopulaire" in einem Artikel des Abgeordneten Frossard gibt, ge­nügen, um Laval zum Verzicht auf dieses Projekt zu bewegen. Das Blatt schreibt nämlich: Wenn Laval mit dieser Idee spielt, die in Franklin Bouillon ihren geistigen Vater bat, und wenn deutlich wird, welchen Empfang er damit bei den Sozialisten findet, dann geschieht dies alles doch nur, um zu versuchen, die Radikalen in die er­weiterte Mehrheit hineinzubekommen. Diese Ove­ration scheint

aber wenig Aussicht auf Erfolg

zu machen. Wir stehen drei Monate vor den Wap­len.

Politische Bedingungen?

Hat Hiller Forderungen gemacht?

Die Frage der Amlsverlängerung noch nicht geklärk.

(Drahtbericht unseres Berliner Vertreters.) Berlin, 9. Jan. Das Eingreifen des Reichs­kanzlers in der Frage der Reichspräsiden­tenwabl stellt sich immer mehr als ein Er­Linnis von größter politischer Be­beutung heraus. Die Verlängerung der Amts­beriode des Reichspräsidenten durch einen ein­mütigen Beschluß des Reichstages soll gewissermaßen das Symbol der nationalen Geschlossenheit des deutschen Volkes sein,

um die Stellung der Reichsregierung bei den bevorstehenden außenpolitischen Ver­handlungen zu starken.

Die Reichsregierung gibt mit ihrer Anregung zu erlennen, daß sie die Lage in Deutschland bis in alle Einzelheiten vor den außenpolitischen Entscheidungen klären will. Die Bespre­chung, die Reichskanzler Dr. Brüning am Donnerstag mit Hitler gehabt hat, hat eine endgültige Klärung noch nicht gebracht. Es lie­gen eine ganze Unzahl von sich widersprechenden Meldungen über das Ergebnis dieser ersten Unter­redung vor. Völlige Klarheit läßt sich aus ihnen nicht gewinnen. Jedenfalls werden im Laufe des Samstags noch Besprechungen sowohl zwischen der Reichsregierung und den Parteivertretern als auch zwischen den Führern der sogenannten Harzburger Front stattfinden. Es scheint, als ob man bei den Deutschnationalen verschnupft daruber ist. daß die Reichsregierung Hitler Herrn Bugenberg vorgezogen hat. Im übrigen scheinen bei den Deutschnationalen die Auffassungen auseinanderzugehen. Während Hu­enberg und sein engerer Anbang sich ab­eonend verhalten sollen, soll der Abgeordnete von Oldenburg=Januschau sich füreine Perlangerung der Amtszeit ausgesprochen haben. Stark umstritten ist die Frage, ob Hitler bei seiner Unterredung mit dem Reichskanzler Bedingungen gestellt hat oder nicht.

Auch hier gehen die Darstellungen auseinander

Aber darauf kommt es letzten Endes gar nicht an. denn es ist bekannt, daß der Reichspräsident von Hindenburg die Zustimmung zu seiner Amts­verlängerung

nur dann zu geben gesinnt ist, wenn an sie keinerlei politische Bindung geknüpft wird

Das ist durchaus verständlich, denn eine Verstän­digung wäre von vornherein aussichtslos, wenn die Nationalsozialisten tatsächlich Bedingungen stellen würden, die etwa ihre Beteiligung an der Reichsregierung oder die Auflösung des Reiche­tages oder eine Garantie für die Preußenwablen darstellen sollten. Diese letzte Forderung ist übri­gens hinfällig, da die preußische Regierung nicht daran denkt, den verfassungsmäßig vorgeschriebe­nen Termin der preußischen Landtagswahlen hin­auszuzögern. Die Sozialdemokraten, die ihre Zustimmung zur Verlängerung der Amts­periode des Reichspräsidenten ohne weiteres zu ge­ben bereit sind, wollen es jedoch nur tun, wenn keine politischen Bedingungen daran geknüpft wer den. Soviel steht jedenfalls fest

daß, falls dienatinnale Oposition ihre Zu­stimmung zur Amtsverlängerung des Reiche­präsidenten an Bedingungen knüpft, der Versuch schon jetzt als gescheitert anzusehen ist

Dann wird eben zum verfassungsmäßigen Termin die Wahl des Reichspräsidenten stattfinden müs­sen, und es besteht kein Zweifel, daß der Reichs­präsident von Hindenburg mit großer Mehrbeit wieder gewablt wird. voraus­gesetzt, daß er sich in diesem Falle zur Wabl stellt. Den Nationalsozialisten und ins besondere den Deutschnationalen dürfte ihre endgültige Entscheidung nicht allzuleicht fallen.

Verweigern sie jetzt ihre bedingungslose Zu­stimmung, dann durften sie ihre Wahler sehr schwer dazu gewinnen können, bei der bevor­

Briand hat den französischen Ministerprä sidenten Laval gebeten, ihn von seinem Amteals Außenmininer zuentbinden.

*

Auf den Kaiser von Napan ist von einem Koreaner, der Kommunist sein soll, ein Bombenattentat verübt worden, bei dem je­doch niemand verletzt wurde.

*

Die japanische Regierung ist im Zu­sammenhang mit dem Attentat zurück­getreten

Die amerikanische Regierung hat der ja­panischen in einer Note zum Ausdruck ge­bracht, daß sie keinem Abkommen ihre Zu­stimmung geben werde, das eine Verletzung des Kellogg=Paktes bedeuten würde.

*

Nach einer amtlichen Mitteilung der Staats­regierung werden die Preußenwahlen auf jeden Fall Anfang Mai stattfinden.

*

In Anhalt ist die am Dienstag gestürzte Regierung Deist wiedegewahlt worden.

stehenden Reichsprasidentenwahl einer an­deren Persönlichkeit ihre Stimme zu geben.

Wir sind überzeugt, daß es einer großen Zahl von Mitgliedern und Wählern dieser Parteien nicht zweifelhaft sein kann, daß sie ihre Stimme nur dem gegenwärtigen Reichspräsidenten von Hin­denburg geben können, der nicht nur das Ver­trauen der Mehrheit des deutschen Volkes besitzt, sondern auch im Auslande ein solches Ansehen ge­nießt, daß jeder deutsche Staatsbürger, der seine Stimme einem anderen Kandidaten geben wollte, sich am Volksganzen verfündigen würde.

Ueber die Vorgeschichte des Schrittes

verlautet in politischen Kreisen, daß führende Po­litiker schon seit langem bemüht waren, eine solche Lösung herbeizuführen Schon vor Weibnachten war deshalb Fühlung mit den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen gesucht und gefunden worden. Bei den Nationalsozialisten war der Mittelsmann der Abgeordnete Görina bei den Deutschnationalen der Abgeordnete von Oldenbura=Januschau. Die Schwie­rigkeit lag zunächst darin, den Reichspräsi­denten, der sich bei seinem hohen Alter verständ­licherweise nach Rube sehnt, für eine neue Kan­didatur zu gewinnen. Dies gelang, als man den Reichspräsidenten davon überzeugen konnte, daß gerade im vaterländischen Interesse seine erneute Kandidatur ein Gebot der Stunde und überhaupt die einzige Möglichkeit sei, das deutsche Volk in meiterem Sinne zu einen. Der Reichspräsident seinerseits hat Wert darauf gelegt, daß eine wirklich große Mehr­heit möglichst aller Reichstagsfraktionen, mit Ausnahme natürlich der Kommunisten, sein Amt verlängert zu erhalten. Der Reichspräsident hat dann aber nicht unerwähnt gelassen, daß die An, nahme eines entsprechenden Gesetzentwurfes durch den Reichstag obne jeden politischen ubhandel erfolgen müsse

Im Querschnitt des Tages.

Eine schwierige Frage für Laval.

. H. Mit dem Tode Maginots ist für Frankreich die Frage der Umbildung des Kabinetts Laval aktuell geworden. Wie es scheint, ist die Pariser Presse nicht gerade betrübt darüber. Der Kriegsminister hatte die Augen noch nicht ganz geschlossen, als auch schon die Diskussion mit echt französischer Leidenschaftlichkeit aufge­griffen wurde. Dabei sind die Motive, welche die Presse leiten, recht verschieden. Die Rechtspresse benutzt die Gelegenheit, um Stimmung für eine Ausschiffung Briands zu machen, der ihr seit langem im Wege ist, während die Linke ihrer Abneigung gegen Laval, den sie für die außen­politische Isolierung Frankreichs verantwortlich macht, Ausdruck gibt. Laval selbst scheint sich ernsthaft mit dem Gedanken einer Umbildung be­freundet zu haben. Ihm schwebt offenbar der Plan vor, die Basis, auf der sein Kabinett steht, zu erweitern durch Hereinnahme einiger Männer aus den Linksfraktionen. Ein Vorbild hätte er an dem Konzentrationskabinett, das Poincaré z. Zt. des Frankenverfalls bilden konnte. Laval ist indes nicht Poincaré, und da­mals war die Situation für Frankreich zweifellos viel ungemütlicher als heute, und die Parteien waren damals infolgedessen auch viel eber geneigt, was sie trennte zurückzustellen, um eine nationale Katastrophe dem Lande zu ersparen. Heute dürfte aber recht wenig Neigung bei den Parteien sein, sich von Laval vor seinen Karren spannen zu lassen angesichts der Tatsache, daß die Kammer­wahlen vor der Türe stehen. Die Linke ist seit dem Mißerfolg, den sich Laval in Washington ge­holt hat, in einer sehr günstigen Position, die sie sich sicherlich nicht dadurch verderben lassen wird. daß sie sich für die bisher von ihr so sehr be­kampfte Regierungspolitik hergibt. Es fragt sich

Zum vierten Male

Altentat auf den Kaiser von Japan.

Ein kommunistischer Anschlag?- Der Täter verhaftet.- Der Kaiser

unverletzl.

TII. Tokio, 9. Jan.(Funkspr.) Auf den Kaiser von Japan ist gestern ein Bom benanschlag verübt worden. Der Täter, ein koreanischer Kommunist, wurde festge nommen. Der Kaiser ist unverlent ge blieben, obgleich die Bombe unmittelbar binter seinem Wagen explodierte. Der Korcaner führte eine zweite Bombe mit sich, die er jedoch nicht mehr werfen konnte. Die Polizei hatte alle Mühe, den Korcaner vor den erregten Menschen massen zu schunen.

Zu dem Anschlag teilt die Polizei mit, daß der Tater

ein koreanischer Kommunist sei, der von der Kommunistischen Par tei Koreas zu dem Anschlag an gestifiet worden sei.

Die Polizei habe eine umfangreiche Unter suchung eingeleitet, die bereits greifbare Ergeb nisse gezeitigt habe

In Japan hat der Anschlag großes Aufsehen erregt. Die diplomatischen Vertretungen haben sofort der Regierung ihre Gluckwünsche über den glücklichen Ausgang ausgesprochen. Auch von der Bevölkerung laufen bei der Regierung und im Schloß des Kaisers fortwährend Glückwünsche und Anfragen nach dem Befinden des Kaisers ein.

Der Bombenanschlag wurde verübt, als der Kaiser gerade in das berühmte Tor Sakuragamon

seines Palastes einfahren wollte. Durch die Erplo­sion der Bombe wurde nur ein Pferd der Ula­nenabteilung, die unmittelbar der kaiserlichen Staatskarosse folgte, getötet.

Der Attentater ist ein 32jahriger Korcaner.

Die Polizei fand in seinen Taschen eine zweite Bombe und brachte ihn in ein in der Nähe ge­legenes Polizeigebäude. Er hat in Japan unter einem japanischen Namen gelebt. Das Motiv zur Tat ist zur Zeit noch nicht bekannt. Man glaubt. daß er

Mitglied einer korcanischen Geheim organisation

ist. Die ausländischen Diplomaten hatten an der Parade teilgenommen, befanden sich jedoch nicht an der Stelle, wo das Attentat verübt wurde. Der Kaiser hat während des Attentats seine Ruhe nicht verloren. Die Polizeibehörde erließ sofort ein Verbot, Angaben über das Attentat zu ver­offentlichen. Eine Zeitung hatte jedoch bereits eine Sonderausgabe herausgebracht. Die Bombe war mit Metallstücken geladen. Zahlreiche Per­sonen sind sofort verhaftet worden.

Der Platz des Attentats wurde abgesperrt, so daß man die Einzelheiten genau untersuchen kann. Dieses ist der vierte Angriff auf das Leben des Kaisers, der noch ein junger Mann von etwa 30 Johren ist