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Nr. 179.

Politische Uebersicht.

Deutschland

— Von der Nordlandsfahrt des Kaisers wird aus Drontheim berichtet, daß der Monarch an den letzten Tagen Ausflüge machte und den Dom besichtigte. Das Wetter ist trübe.— Die Meldung, daß der Kaiser dem­nächst Posen besuchen werde, entbehrt der Begründung, ebensowenig ist für später ein Besuch schon jetzt in Aus­sicht genommen.— Für die Ueberschwemmten in Bran­denburg, für die vom preußischen Finanzminister zunächst 50000 Mk. geschenkweise bereitgestellt wurden, spendete der Kaiser 2000 Mk.— Die Kaiserin verbleibt bis zur Rückkehr ihres Gemahls in Kadinen.

Die Reichseinnahmen an Zöllen und Verbrauchs­steuern betrugen in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 194,6 Mill. Mk. oder 17,3 Mill. mehr. Die Zölle weisen eine Zunahme um 8,9 Mill. auf, die Zuckersteuer ergab sogar 10,5 Mill. mehr. Den größten Ausfall hatte die Maischbottichsteuer mit 6,5 Millionen.

— Gut deutsch! Die Alldeutschen Blätter schreiben: Vor uns liegt die Visitenkarte unseres früheren Botschaf­ters in Washington mit der allgemeinen Aufschrift:„Le baron de Holleben, verwandt als Besuchskarte in den Vereinigten Staaten. Es ist wirklich reizend: der frühere amtliche Vertreter des Deutschen Reichs führt sich fran­zösisch ein— empfahl sich ja wohl auch französisch? Der jetzige Botschafter redet bei festlichen Anlässen, denen er amtlich beiwohnt, englisch und dabei werden unsere deutsch=amerikanischen Landsleute von hoher und höchster Stelle nachdrücklich auf den Wert ihrer deutschen Mutter­sprache hingewiesen und ermahnt, treu an ihr festzu­halten!

— Ueber die charakteristische Aeußerung eines Polen

berichtet der Graud. Gesellige: Bei einem Uhrmacher in Marienwerder(Westpreußen) kaufte sich vor kurzem ein anscheinend bescheidenes Männchen vom Lande eine Nickelkette. Nicht wenig überrascht war der Geschäfts­inhaber, als dieser Tage der Käufer wieder im Laden erschien und im aufgeregten Ton den Umtausch der Kette verlangte. Auf Befragen zeigte der Käufer auf ein Ver­bindungsglied, auf dem sich das Bildnis des Kaisers be­sand, und sprach voller Erregung:„Braucht sich keinen deutschen Kaiser, bin ich Pole!" Der Geschäftsinhaber tauschte die Kette nicht um, setzte vielmehr den Polen, der immer unangenehmer wurde, an die frische Luft.

Warum immer hoch zu Roß?

Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraft.

Schwerte, Montag, den 3. August 1903.

Stein und Bronze verewigt werden. Wildenbruch be­zeichnet die Formel„Könige und Herrscher gehören auf's Pferd" als Schablonenweisheit, die den Individualitä=, ten der Denkmalhelden Gewalt antut. Er weist auf die prächtigen Denkmäler des Großen Kurfürsten und Fried­rich des Großen in Berlin.„Beide,“ sagte er,„sind be­ritten, beide Männer gehören aufs Pferd, denn sie leben in unserem Bewußtsein als Kriegshelden und große Staatslenker. Da haben wir ferner Friedrich Wil­helm III. in doppelter Gestalt, einmal im Tiergarten, unberitten, in schlichter, stehender Figur, ein zweites Mal im Lustgaren hoch zu Roß, in voller Uniform, den Drei­master auf dem Kopf. Jenes eine edle, echte, aus der unmittelbaren Nachwirkung der dahingegangenen Per­sönlichkeiten des bürgerlichen Königs entquollene indivi­duelle Wiedergabe, dieses ein kaltes, leeres Werk, dem jede Vermittelung mit unserem menschlichen und geschicht­lichen Empfinden fehlt. Von der Statue des genannten Königs in der Siegesallee schweige ich. Gehen wir wei­ter, so erblicken wir auf der Höhe der Freitreppe der Na­tionalgalerie in voller Generalsuniform, auf springen­dem Roß, Friedrich Wilhelm IV. Kaum glaublich, aber wahr. Was— so fragt man sich— hat der General dort oben vor der Eingangspforte des Kunsttempels zu tun? Was hat diesen König, der alles andere eher als

ein Freund halsbrecherischer Kavalkaden war, vermocht, die steilen Granitstufen hinaufzureiten und seinem Roß dort oben die Sporen zu geben, daß es im nächsten Au­genblick mit ihm in den Abgrund stürzen muß? Vielleicht soll das Ganze nur eine symbolische Darstellung dafür sein, daß hier der Gipfel des künstlerisch Unmoglichen er­reicht ist." Jetzt soll Karl Alexander ein Reiterstandbild erhalten, wie für Karl August eines errichtet worden. Aber, wie Wildenbruch ausführt, paßt diese Darstellungs­weise für den einen, während sie, angewendet auf den anderen, Unnatur ist. Zuletzt wirft Wildenbruch die Frage auf, ob man am Ende gar eine Zurücksetzung gegen den Vorfahren darin sehe, wenn Karl Alexander nicht als Reiter verewigt würde?„Dann, meint er,„würde dies zu der Schlußfolgerung zwingen, daß der berittene Mensch mehr wert ist als der auf seinen Füßen stehende, daß die Würde des Menschen ohne Pferd nicht voll zur Anschauung gelangt. Eine solche Auffassung widerspräche doch wohl nicht nur künstlerischen, sondern ganz allge­meinen Kulturbegriffen.

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36. Jahrgang.

25jähriges Jubiläum der freiw. Feuerwehr Schwerte

Kleine Hindernisse sind oft gefährlicher als große; den letzteren kann man aus dem Wege gehen, über die kleinen stolpert man.

*

Wer für andere immer mit gutem Rat zur Hand ist, ist in eigenen Angelegenheiten häufig ratlos.

*

Eine Null am rechten Platze kann auch zur Größe werden.

*

Ein Gramm Tat

Ist mehr als hundert Kilo Rat.

*

Der Kopf eines Müßiggängers ist wie ein Platz, auf welchem, Strolchen gleich, unnütze Gedanken herum lungern.

Kapitan Zänder.

Roman von F. Klinck=Lütetsburg.

(37. Fortsetzung.)

Indem Mynheer van der Straaten noch darüber nachdachte, klopfte es— der Diener meldete Herrn Jo­hann Theden.

Der alte Herr gab nicht gleich eine Antwort. Einer ersten Eingebung folgend, wollte er den Angemeldeten abweisen. Er fühlte eine förmliche Abneigung, diesen Mann bei sich zu empfangen, den er so grenzenlos verach­tete. Trotzdem gab er dem Diener Anweisung, den Herrn hereinzuführen.

Gleich darauf trat Johann Theden ein, und Myn­heer van der Straaten warf einen überraschten Blick auf ihn. Er hatte Johann seit jenem Tage, an welchem

er mit seiner jungen und schönen Braut ihm und seiner Tochter einen Besuch gemacht, nicht mehr gesehen. Als er daran dachte, war es ihm unmöglich, dem Eingtrete­nen entgegenzugehen, um ihn zu begrüßen.

Johann Theden hatte sich stark verändert. Er war, wie Mynheer van der Straaten sich sagte, kaum wieder­zuerkennen. Sein rotes, aufgedunsenes Gesicht erschien grau, Schläfen und Wangen waren eingefallen. Auch seine Haltung hatte etwas Schlaffes, der freche Ausdruck seines Gesichtes trat weniger auffallend hervor. Mit unsicherem Blick begegneten seine Augen denjenigen des alten Herrn, in denen wohl etwas von den Empfindun­gen zum Ausdruck gelangen mochte, die beim Anblick die­ses Schuldigen in ihm aufßiegen.

Mitleid war in Mynheer van der Straatens durch­dringend scharfen Blicken nicht wahrzunehmen. Johann Theden war ganz recht geschehen, an dieser Ueberzeugung ließ sich nicht rütteln noch rühren. Man konnte sich nur über zweierlei wundern: daß die Mühlen Gottes so schnell gemahlen hatten und daß dieser Mann, dem Menschen­glück und Menschenleben nichts gegolten, durch sie hatte erreicht werden können. Ein Höhegrad des Erstaunens drückte sich in des Rheders Blicken aus.

„Sie wünschen, Herr Theden?" fragte Mynheer van der Straaten, da sein Besuch noch immer schwieg, als erwarte er eine Anrede.

Johan Theden trat näher, indem er sich aufrichtete. Es galt vor allem, nicht den Kopf zu verlieren.

„Eine kleine Geschäftsangelegenheit, Mynheer van der Straaten,“ entgegnete Johann mit dem Versuch, einen leichten Ton anzuschlagen.„Ich brauche momentan et­was Geld.“

Mynher van der Straaten war nicht überrascht, er hatte etwas derartiges vermutet. Dennoch kam ein Ausdruck der Verwunderung über seine Lippen. Sein Gesicht nahm einen sorgenvollen Ausdruck an, der ihn

mit dem Worte„Willkommen“ aufwies, zeigte am Sonn­tag morgen am Ausgange der Hüsingstraße dem vom Bahnhofe kommenden Besucher, daß in Schwerte etwas besonderes„los“ sein mußte, denn für irgend eine xbelie­bige Vereinsfestlichkeit baut man in Schwerte keine Ehrenbogen, dafür sind die Zeiten zu schlecht. Betrachtete nun der erstaunte Besucher den Ehrenbogen von der Stadtseite aus, so leuchtete ihm das Wort:„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!" stolz entgegen und er wußte, daß es sich um ein Feuerwehrfest handelte, und konnte nun von den Umstehenden dazu erfahren, daß die Schwerter Freiwillige Feuerwehr das Jubiläum ihres 25jährigen Daseins feierte. 25 Jahre sind im Leben des Menschen eine lange Zeit, noch mehr aber im Leben eines Vereins, auch wenn derselbe einen so gemeinnützigen und idealen Zweck verfolgt, wie die Feuerwehr, die auf ihr Panier die stolzen Worte:„Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr" und„Einer für alle, alle für eine“ mit Fug und Recht schreiben kann. Darum ist die Freude über das Jubiläum groß in den Kreisen der Wehr und der ganzen Bürgerschaft und sie kommt zum Ausdruck in der einmütigen prächtigen Ausschmückung der ganzen Stadt. Die Straßen haben ein Festkleid angelegt, wie wir selten es gesehen hatten, schier überladen mit Laub­grün, Flaggen und Fähnchen stehen die Häuser da und zeugen somit davon, wie reiche Sympatien die Freiw. Feuerwehr in der Bürgerschaft hat und daß man ihre Arbeit und ihre Leistungen für das Gemeinwohl zu wür­digen weiß. Das muß die Wehr mit gerechtem Stolze erfüllen, gleichzeitig ihr aber auch ein Ansporn sein, unter Hintansetzung aller inneren, kleinlichen Streitigkeiten immer das eine, das einzigste Ziel ihres Strebens im Auge behalten:„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Wir wünschen der Wehr, nachdem sie nunmehr ein Viertel­jahrhundert hindurch gezeigt hat, daß sie die Kinder­krankheiten überwunden hat, nachdem sie gezeigt hat, daß sie fest im Sattel sitzt, eine gute Fortentwickelung auf ge­sunder Basis; sie möge blühen, wachsen und immer mehr innerlich erstarken, mögen auch die Bürger unserer Stadt mehr wie bisher aktiv sich an der Wehr beteiligen und zu der Ueberzeugung kommen, daß der Rock des Feuer­wehrmannes ein Ehrenrock ist, den anzuziehen kein Bür­ger sich zu schämen braucht. Und nun wollen wir zum eigentlichen Festbericht übergehen.

Das 25jährige Jubelfest der Freiw. Feuerwehr Schwerte begann am Samstag abend mit einem Zapfen­streich, der sich abends 8 Uhr unter Vorantritt der Ha­gener Stadtkapelle durch die Straßen bewegte. Anschlie­ßend an ihn fand ein Kommers im Kaisersaal des„Westf. Hofes" statt, dessen Vorsitz Herr Bürgermeister Rohr­mann führte. Sehr gut gespielte Konzertstücke der Ha­gener Kapelle wechselten mit Gesangvorträgen des„Sän­

seltsam kleidete, weil man bei ihm einen solchen nicht ge­

wöhnt war.

(Leld— Herr heden!“

„Sie können denken, Mynheer van der Straaten, daß es sich nur um eine vorübergehende Verlegenheit handelt, fügte Johann, der ein Gefühl der Unsicherheit zu überwinden begann, hinzu.„Es ist eine verfluchte Geschichte mit dem Raps gewesen. Sie müssen wissen, es ist eine kleine Differenz zu bezahlen, und das hat nicht viel Zeit. Es handelt sich um 60000 Mark auf vier bis sechs Wochen— nur um Zeit zu gewinnen— damit wir die beiden Windmühlen, die„Frau Wilhelmintje" und „Johannamöe“ nicht unter Preis zu verkaufen brauchen. Wenn die Leute erst merken, daß man Geld braucht, müß­ten wir die Grundstücke verschleudern.“

Johann las bereits in den Zügen des ehemaligen Geschäftsfreundes seines Vaters, daß er bei ihm mit sei­nem Anliegen schwerlich Glück haben würde. Derselbe ließ auch nicht lange mit der Antwort auf sich warten.

„Ich bedaure, Ihren Wunch nicht erfüllen zu kön nen, Herr Theden," versetzte er in seiner gemessenen Art, die von vornherein jede Aussicht auf erfolgreiche Fortsetz ung der Verhandlungen ausschloß.„Ich behelfe mich nicht mit einer Lüge, indem ich sage, daß ich nicht im Be­sitz des Geldes bin. Wenn ich dies sagte, so würden Sie mir auch nicht glauben. Ich gebe aber mein Geld zum Decken von Differenzen im Terminhandel nicht her! Wer solcher Art Gott versucht, der mag auch die Folgen tra­gen, als eine gerechte Strafe. Nehmen Sie mir das nicht übel.“

Johann Theden verfärbte sich. Es war ihm nicht leicht geworden, mit seinem Anliegen zu Mynheer van der Straaten zu gehen; nur die letzte Not hatte ihn end­lich bestimmt, dieser letzen Hoffnung Raum zu geben. Am folgenden Tage sollte er für seine Person 100000 Mark bezahlen, und erst 40000 Mark waren zusam­

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