Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech=Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adren# Braus, Schwerte=Ruhr. Nr. 179. Politische Uebersicht. Deutschland — Von der Nordlandsfahrt des Kaisers wird aus Drontheim berichtet, daß der Monarch an den letzten Tagen Ausflüge machte und den Dom besichtigte. Das Wetter ist trübe.— Die Meldung, daß der Kaiser demnächst Posen besuchen werde, entbehrt der Begründung, ebensowenig ist für später ein Besuch schon jetzt in Aussicht genommen.— Für die Ueberschwemmten in Brandenburg, für die vom preußischen Finanzminister zunächst 50000 Mk. geschenkweise bereitgestellt wurden, spendete der Kaiser 2000 Mk.— Die Kaiserin verbleibt bis zur Rückkehr ihres Gemahls in Kadinen. Die Reichseinnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern betrugen in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 194,6 Mill. Mk. oder 17,3 Mill. mehr. Die Zölle weisen eine Zunahme um 8,9 Mill. auf, die Zuckersteuer ergab sogar 10,5 Mill. mehr. Den größten Ausfall hatte die Maischbottichsteuer mit 6,5 Millionen. — Gut deutsch! Die Alldeutschen Blätter schreiben: Vor uns liegt die Visitenkarte unseres früheren Botschafters in Washington mit der allgemeinen Aufschrift:„Le baron de Holleben, verwandt als Besuchskarte in den Vereinigten Staaten. Es ist wirklich reizend: der frühere amtliche Vertreter des Deutschen Reichs führt sich französisch ein— empfahl sich ja wohl auch französisch? Der jetzige Botschafter redet bei festlichen Anlässen, denen er amtlich beiwohnt, englisch und dabei werden unsere deutsch=amerikanischen Landsleute von hoher und höchster Stelle nachdrücklich auf den Wert ihrer deutschen Muttersprache hingewiesen und ermahnt, treu an ihr festzuhalten! — Ueber die charakteristische Aeußerung eines Polen berichtet der Graud. Gesellige: Bei einem Uhrmacher in Marienwerder(Westpreußen) kaufte sich vor kurzem ein anscheinend bescheidenes Männchen vom Lande eine Nickelkette. Nicht wenig überrascht war der Geschäftsinhaber, als dieser Tage der Käufer wieder im Laden erschien und im aufgeregten Ton den Umtausch der Kette verlangte. Auf Befragen zeigte der Käufer auf ein Verbindungsglied, auf dem sich das Bildnis des Kaisers besand, und sprach voller Erregung:„Braucht sich keinen deutschen Kaiser, bin ich Pole!" Der Geschäftsinhaber tauschte die Kette nicht um, setzte vielmehr den Polen, der immer unangenehmer wurde, an die frische Luft. Warum immer hoch zu Roß? Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Schwerte, Montag, den 3. August 1903. Stein und Bronze verewigt werden. Wildenbruch bezeichnet die Formel„Könige und Herrscher gehören auf's Pferd" als Schablonenweisheit, die den Individualitä=, ten der Denkmalhelden Gewalt antut. Er weist auf die prächtigen Denkmäler des Großen Kurfürsten und Friedrich des Großen in Berlin.„Beide,“ sagte er,„sind beritten, beide Männer gehören aufs Pferd, denn sie leben in unserem Bewußtsein als Kriegshelden und große Staatslenker. Da haben wir ferner Friedrich Wilhelm III. in doppelter Gestalt, einmal im Tiergarten, unberitten, in schlichter, stehender Figur, ein zweites Mal im Lustgaren hoch zu Roß, in voller Uniform, den Dreimaster auf dem Kopf. Jenes eine edle, echte, aus der unmittelbaren Nachwirkung der dahingegangenen Persönlichkeiten des bürgerlichen Königs entquollene individuelle Wiedergabe, dieses ein kaltes, leeres Werk, dem jede Vermittelung mit unserem menschlichen und geschichtlichen Empfinden fehlt. Von der Statue des genannten Königs in der Siegesallee schweige ich. Gehen wir weiter, so erblicken wir auf der Höhe der Freitreppe der Nationalgalerie in voller Generalsuniform, auf springendem Roß, Friedrich Wilhelm IV. Kaum glaublich, aber wahr. Was— so fragt man sich— hat der General dort oben vor der Eingangspforte des Kunsttempels zu tun? Was hat diesen König, der alles andere eher als ein Freund halsbrecherischer Kavalkaden war, vermocht, die steilen Granitstufen hinaufzureiten und seinem Roß dort oben die Sporen zu geben, daß es im nächsten Augenblick mit ihm in den Abgrund stürzen muß? Vielleicht soll das Ganze nur eine symbolische Darstellung dafür sein, daß hier der Gipfel des künstlerisch Unmoglichen erreicht ist." Jetzt soll Karl Alexander ein Reiterstandbild erhalten, wie für Karl August eines errichtet worden. Aber, wie Wildenbruch ausführt, paßt diese Darstellungsweise für den einen, während sie, angewendet auf den anderen, Unnatur ist. Zuletzt wirft Wildenbruch die Frage auf, ob man am Ende gar eine Zurücksetzung gegen den Vorfahren darin sehe, wenn Karl Alexander nicht als Reiter verewigt würde?„Dann, meint er,„würde dies zu der Schlußfolgerung zwingen, daß der berittene Mensch mehr wert ist als der auf seinen Füßen stehende, daß die Würde des Menschen ohne Pferd nicht voll zur Anschauung gelangt. Eine solche Auffassung widerspräche doch wohl nicht nur künstlerischen, sondern ganz allgemeinen Kulturbegriffen. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 g., exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierten Familienfreund.“ 36. Jahrgang. 25jähriges Jubiläum der freiw. Feuerwehr Schwerte Kleine Hindernisse sind oft gefährlicher als große; den letzteren kann man aus dem Wege gehen, über die kleinen stolpert man. * Wer für andere immer mit gutem Rat zur Hand ist, ist in eigenen Angelegenheiten häufig ratlos. * Eine Null am rechten Platze kann auch zur Größe werden. * Ein Gramm Tat Ist mehr als hundert Kilo Rat. * Der Kopf eines Müßiggängers ist wie ein Platz, auf welchem, Strolchen gleich, unnütze Gedanken herum lungern. Kapitan Zänder. Roman von F. Klinck=Lütetsburg. (37. Fortsetzung.) Indem Mynheer van der Straaten noch darüber nachdachte, klopfte es— der Diener meldete Herrn Johann Theden. Der alte Herr gab nicht gleich eine Antwort. Einer ersten Eingebung folgend, wollte er den Angemeldeten abweisen. Er fühlte eine förmliche Abneigung, diesen Mann bei sich zu empfangen, den er so grenzenlos verachtete. Trotzdem gab er dem Diener Anweisung, den Herrn hereinzuführen. Gleich darauf trat Johann Theden ein, und Mynheer van der Straaten warf einen überraschten Blick auf ihn. Er hatte Johann seit jenem Tage, an welchem er mit seiner jungen und schönen Braut ihm und seiner Tochter einen Besuch gemacht, nicht mehr gesehen. Als er daran dachte, war es ihm unmöglich, dem Eingtretenen entgegenzugehen, um ihn zu begrüßen. Johann Theden hatte sich stark verändert. Er war, wie Mynheer van der Straaten sich sagte, kaum wiederzuerkennen. Sein rotes, aufgedunsenes Gesicht erschien grau, Schläfen und Wangen waren eingefallen. Auch seine Haltung hatte etwas Schlaffes, der freche Ausdruck seines Gesichtes trat weniger auffallend hervor. Mit unsicherem Blick begegneten seine Augen denjenigen des alten Herrn, in denen wohl etwas von den Empfindungen zum Ausdruck gelangen mochte, die beim Anblick dieses Schuldigen in ihm aufßiegen. Mitleid war in Mynheer van der Straatens durchdringend scharfen Blicken nicht wahrzunehmen. Johann Theden war ganz recht geschehen, an dieser Ueberzeugung ließ sich nicht rütteln noch rühren. Man konnte sich nur über zweierlei wundern: daß die Mühlen Gottes so schnell gemahlen hatten und daß dieser Mann, dem Menschenglück und Menschenleben nichts gegolten, durch sie hatte erreicht werden können. Ein Höhegrad des Erstaunens drückte sich in des Rheders Blicken aus. „Sie wünschen, Herr Theden?" fragte Mynheer van der Straaten, da sein Besuch noch immer schwieg, als erwarte er eine Anrede. Johan Theden trat näher, indem er sich aufrichtete. Es galt vor allem, nicht den Kopf zu verlieren. „Eine kleine Geschäftsangelegenheit, Mynheer van der Straaten,“ entgegnete Johann mit dem Versuch, einen leichten Ton anzuschlagen.„Ich brauche momentan etwas Geld.“ Mynher van der Straaten war nicht überrascht, er hatte etwas derartiges vermutet. Dennoch kam ein Ausdruck der Verwunderung über seine Lippen. Sein Gesicht nahm einen sorgenvollen Ausdruck an, der ihn mit dem Worte„Willkommen“ aufwies, zeigte am Sonntag morgen am Ausgange der Hüsingstraße dem vom Bahnhofe kommenden Besucher, daß in Schwerte etwas besonderes„los“ sein mußte, denn für irgend eine xbeliebige Vereinsfestlichkeit baut man in Schwerte keine Ehrenbogen, dafür sind die Zeiten zu schlecht. Betrachtete nun der erstaunte Besucher den Ehrenbogen von der Stadtseite aus, so leuchtete ihm das Wort:„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!" stolz entgegen und er wußte, daß es sich um ein Feuerwehrfest handelte, und konnte nun von den Umstehenden dazu erfahren, daß die Schwerter Freiwillige Feuerwehr das Jubiläum ihres 25jährigen Daseins feierte. 25 Jahre sind im Leben des Menschen eine lange Zeit, noch mehr aber im Leben eines Vereins, auch wenn derselbe einen so gemeinnützigen und idealen Zweck verfolgt, wie die Feuerwehr, die auf ihr Panier die stolzen Worte:„Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr" und„Einer für alle, alle für eine“ mit Fug und Recht schreiben kann. Darum ist die Freude über das Jubiläum groß in den Kreisen der Wehr und der ganzen Bürgerschaft und sie kommt zum Ausdruck in der einmütigen prächtigen Ausschmückung der ganzen Stadt. Die Straßen haben ein Festkleid angelegt, wie wir selten es gesehen hatten, schier überladen mit Laubgrün, Flaggen und Fähnchen stehen die Häuser da und zeugen somit davon, wie reiche Sympatien die Freiw. Feuerwehr in der Bürgerschaft hat und daß man ihre Arbeit und ihre Leistungen für das Gemeinwohl zu würdigen weiß. Das muß die Wehr mit gerechtem Stolze erfüllen, gleichzeitig ihr aber auch ein Ansporn sein, unter Hintansetzung aller inneren, kleinlichen Streitigkeiten immer das eine, das einzigste Ziel ihres Strebens im Auge behalten:„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Wir wünschen der Wehr, nachdem sie nunmehr ein Vierteljahrhundert hindurch gezeigt hat, daß sie die Kinderkrankheiten überwunden hat, nachdem sie gezeigt hat, daß sie fest im Sattel sitzt, eine gute Fortentwickelung auf gesunder Basis; sie möge blühen, wachsen und immer mehr innerlich erstarken, mögen auch die Bürger unserer Stadt mehr wie bisher aktiv sich an der Wehr beteiligen und zu der Ueberzeugung kommen, daß der Rock des Feuerwehrmannes ein Ehrenrock ist, den anzuziehen kein Bürger sich zu schämen braucht. Und nun wollen wir zum eigentlichen Festbericht übergehen. Das 25jährige Jubelfest der Freiw. Feuerwehr Schwerte begann am Samstag abend mit einem Zapfenstreich, der sich abends 8 Uhr unter Vorantritt der Hagener Stadtkapelle durch die Straßen bewegte. Anschließend an ihn fand ein Kommers im Kaisersaal des„Westf. Hofes" statt, dessen Vorsitz Herr Bürgermeister Rohrmann führte. Sehr gut gespielte Konzertstücke der Hagener Kapelle wechselten mit Gesangvorträgen des„Sänseltsam kleidete, weil man bei ihm einen solchen nicht gewöhnt war. (Leld— Herr heden!“ „Sie können denken, Mynheer van der Straaten, daß es sich nur um eine vorübergehende Verlegenheit handelt, fügte Johann, der ein Gefühl der Unsicherheit zu überwinden begann, hinzu.„Es ist eine verfluchte Geschichte mit dem Raps gewesen. Sie müssen wissen, es ist eine kleine Differenz zu bezahlen, und das hat nicht viel Zeit. Es handelt sich um 60000 Mark auf vier bis sechs Wochen— nur um Zeit zu gewinnen— damit wir die beiden Windmühlen, die„Frau Wilhelmintje" und „Johannamöe“ nicht unter Preis zu verkaufen brauchen. Wenn die Leute erst merken, daß man Geld braucht, müßten wir die Grundstücke verschleudern.“ Johann las bereits in den Zügen des ehemaligen Geschäftsfreundes seines Vaters, daß er bei ihm mit seinem Anliegen schwerlich Glück haben würde. Derselbe ließ auch nicht lange mit der Antwort auf sich warten. „Ich bedaure, Ihren Wunch nicht erfüllen zu kön nen, Herr Theden," versetzte er in seiner gemessenen Art, die von vornherein jede Aussicht auf erfolgreiche Fortsetz ung der Verhandlungen ausschloß.„Ich behelfe mich nicht mit einer Lüge, indem ich sage, daß ich nicht im Besitz des Geldes bin. Wenn ich dies sagte, so würden Sie mir auch nicht glauben. Ich gebe aber mein Geld zum Decken von Differenzen im Terminhandel nicht her! Wer solcher Art Gott versucht, der mag auch die Folgen tragen, als eine gerechte Strafe. Nehmen Sie mir das nicht übel.“ Johann Theden verfärbte sich. Es war ihm nicht leicht geworden, mit seinem Anliegen zu Mynheer van der Straaten zu gehen; nur die letzte Not hatte ihn endlich bestimmt, dieser letzen Hoffnung Raum zu geben. Am folgenden Tage sollte er für seine Person 100000 Mark bezahlen, und erst 40000 Mark waren zusam4 Lokales. *e Schwerte, 3. August 1903. wiehr ausgegeben worden nar. 1810. Fremdherrschaft, fuhr der Herr Redner fort, wurden 18 Franks für Löschwesen ausgegeben. Doch sei die jetzige Ausgabe von etwa 1000 Mark keine hohe, wenn das Budget der Stadt von damals mit dem von vergleiche. Im Jahre 1600 betrugen die gesamten Ar bscde s bnde, zu Betagen de Batab fer Ghoan sehien Sturmanges genachz hate zud muit, fie aanpfichter Ketreten. es eaue bueuug, aeaene zge ee ie asechensden e aun cderdie gange atanltun iu. hasenescheung u, Ktesee leitet wurde. Do 1878 zur Gründung Jubiläum wir weut 903. ru) hat. en Miling gegeder Ben hinzuAm 1. „Reichsh=Westfän statt. des hieRichtigPütter 3. Minute) bis 120 ung über Mitglied n, wo er us diesem Hoffentß der geungskreis allverehr= m großen ar in Hezem dem settstreites, Man sieht reisrichterr Welt der mer mehr gebietende otigt, wie Linterhalbisch=westfägen, Weitingeln und Is., morauf dem le Freunde m Ringen tlichen Uebdestens 20 settturnplatz inger und freier Zungestellten.) stellten in Bekanntm vorstellig ierung der ehe, jedoch ert und eine vorgenomin Eisenach reichung des =, Alters=, stellten stattter definiert Ende Sepu versendener gewählten Versicherung Werkmeister, virtschaftliche stigten Angelen in den inland. rgessener sion erschien ier, der s. Z. tung der Miich aber dann Er wurde n ausgehoben nsinniges tag Passanten einer Ursache alle Bemühblieben erfolgNetzgerwagens hr mißtrauisch ies. Die Ver, beantwortete es Automobils en Wagen flott eßlich die liebe sche gestellt und bstfahrer“ an nd doch este ane Leute en des haben. ihlreiche nicht, * Bottrop, 2. Aug.(Tollwutanfall.) noch erinnerlich sein wird, wurde in der Woche nach Pfingsten der Briefträger B. von einem tollwütigen Hunde gebissen. B. fand gleich darauf Aufnahme im Pasteur'schen Institut zu Berlin. Nach drei Wochen wurde er als geheilt entlassen. Gestern mitatg nun bekam der Briefträger verschiedene Tollwutanfälle. Nur mit größter Anstrengung konnte man den Aermsten fesseln. Er wurde im hiesigen Krankenhause untergebracht, wo ihm leider die Zwangsjacke angelegt werden mußte. B. verheiratet und Vater von fünf Kindern. Lüdenscheid, 1. Aug. Von einem bedauerlichen Erfolge“ sozialdemokratischer Agitation weiß der soeben erschienene Jahresbericht der Handelskammer zu Lüdenscheid zu berichten. Die Kammer hatte zur Förderung des Sparsinns unter dem heranwachsenden Arbeiterstande im Jahre 1882 eine Schulsparkasse für die Schüler der damals in Lüdenscheid bestehenden Fabrikenschule gegründet, die sie dann vier Jahre später zu einer Sparkasse jugendlicher Fabrikarbeiter erweiterte. Schon 1889 zählte die Kasse 1320 Sparer, fast ausschließlich im Alter von 12 bis 18 Jahren; aus 49 Fabriken der Stadt Lüdenscheid wurden ihr regelmäßig alle vierzehn Tage unmittelbar nach dem Auslöhnen namhafte Spareinlagen zugeführt, die sich am 1. April 1900 auf 31 627 Mark beliefen. Diese Einrichtung ermöglichte zahlreichen Arbeiterinnen bei ihrer Verheiratung die Beschaffung eines Teiles ihrer Aussteuer; nach den Kassenbüchern ließen sich im Jahre 1893 23 Sparer, die ihrer Militärpflicht genügten, regelmäßig monatlich 5—10 Mk. von ihrem Sparguthaben durch den Rendanten der Kasse zuschicken. Allein trotz dieses Aufblühens der Kasse in den ersten Jahren ihres Bestehens hat sich der allmähliche Verfall derselben nicht aufhalten lassen; heute ist die Zahl der Sparer auf 164, die Sparsumme auf 16 107 Mark zusammengeschmolzen. Der Rückgang der Kasse ist, wie der Bericht hervorhebt, hauptsächlich auf eine Agitation zurückzuführen, welche die von dem Kassenvorstande getroffenen Einrichtungen, namentlich bezüglich der Rückzahlung der Einlagen, als einen„unberechtigten Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Arbeiters über sein Eigentum“ und eine„unwürdige Bevormundung des Arbeiters" bezeichnete. * Essen, 1. Aug. Seit dem Tode des Geheimrats Krupp wird mit den rein repräsentativen Posten auf den Krupp'schen Werken energisch aufgeräumt. In Kürze werden drei Herren, ein Oberstleutnant a. D., ein Kapitän a. D. und ein Oberst a. D. aus dem Dienste der Firma scheiden. Die Herren bezogen ein Gehalt von zusammen 60.000 Mark. * S t e r k r a d e, 1. A u g.( E i n S o n v e r l i n g.) Vor geraumer Zeit starb hierselbst der frühere evangelische Küster Friedrich B. Derselbe, ein alter Junggeselle, lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen; da derselbe sogar bei Festlichkeiten als Kellner fungierte, nahm man allgemein an, daß er nicht begütert sei. Nach Eröffnung des Testamentes stellte sich nun zur allgemeiner Ueberraschung heraus, daß B. ein Vermögen von 90000 Mk. hinterlassen hat, welches verschiedenen Neffen zufällt. Die lachenden Erben hatten nicht die geringste Ahnung, daß sie einen so reichen Onkel besaßen. * Meiderich, 1. Aug. Eine schandliche Tat hält hier die Gemüter gegenwärtig in großer Aufregung. Der Totengräber der evangelischen Gemeinde hat nämlich vor etwa 4 Wochen, nachdem ein kirchlicher Beerdigungsakt vollzogen war, sich mehrere Sargteile(wohl für den späteren Verkauf) angeeignet. Es ist unzweifelhaft, daß diese Manipulation von dem Totengräber schon lange Zeit betrieben wurde, denn in letzter Zeit wurde vom naheliegenden Kaiser Wilhelm=Krankenhause aus wiederholt nächtliches Treiben auf dem Friedhofe beobachtet. Durch diese eulenhafte Nachtarbeit aufmerksam gemacht, führten zwei Männer eine Kontrolle aus, welche denselben schon nach dem ersten Begräbnis den vermuteten Beweis lieferte. Der Totengräber wurde bei frischer Tat zur Rede gestellt und für den einen Fall zur Ablegung eines Geständnisses genötigt. Der Vorfall ist sofort zur polizeilichen Anzeige gelangt und haben auch schon mehrere Verhandlungen stattgefunden, über welche bis jetzt noch strengste Diskretion beobachtet worden ist. Mehrere Bürger, besonders solche, die schon Tote in wertvollen Metall=Särgen bestatten ließen, beabsichtigen ihre Gräber öffnen zu lassen. Man ist gespannt, was derartige Offenlegungen von Gräbern für ein Resultat zeitigen werden. dem Sauerlande hineingefallenen vertrockneten Beeren ihre sehr beliebte Nahrung. Die Beeren bilden einen beliebten Handelsartikel; anstatt daß der Waldbesitzer und die Dorfbewohner Nutzen davon ziehen, kommen die müßigen Städter in ganzen Scharen oft weither, geberden sich wie Herren und holen mit sogenannten Waldbeerkämmen den Nächstberechtigten die Beeren vor der Nase weg. Wo diese Karawanen rasten und„futtern“, sieht es aus wie auf dem Marktplatz nach der Kirmes. Oft wird Feuer angemacht, um sich Kaffee zu wärmen und zu kochen. raucht auch jung und alt, aber eine Flut von„Ehrentiteln, ergießt sich über den Förster oder Besitzer, der ihnen das mit Fug und Recht verbietet. Ein Waldbrand aber ist ein empfindlicher Schaden, den lange Jahre nicht wieder einbringen. Dazu kommt der Schaden an dem Aufwuchs des Waldes. An offenen Plätzen keimt zwischen dem Waldbeergestrüpp sehr gern der Buchenaufschlag, den die Beerensucher achtungslos niedertreten. Ein adeliger Großgrundbesitzer, welcher der Industriebevölkerung in seiner Nähe seinen großartigen Park frei zur Verfügung stellt, damit sie sich Sonntags darin ergehen kann, die also mehr davon hat, als der Besitzer selbst, de allein die Kosten der Unterhaltung und den häufigen Aerger über mutwillige Schädigungen in den Kauf nehmen muß, hatte eine viele Morgen große Fichtenfläche abgetrieben und sobald als möglich wieder mit jungen Fichten auf 4 Fuß im Verbande aufgeforstet. Dazwischen sproßten nun wie gewöhnlich Fingerhut, Weidenröschen und Waldhimbeeren in üppiger Fülle auf. Ganze Eimer voll Himbeeren trugen die Arbeiterfrauet heim, ganze Traglasten von Himbeersträuchern nahmen die Kinder mit, was ja auch weiter kein Schaden ist, da bei der Himbeere das Fruchtholz von diesem im nächste Jahre vertrocknet. Dabei aber wurden, obschon in dem Zwischenraume von 4 Fuß nach allen Seiten selbst die dickste Dame Platz genug fand, sich frei zu bewegen, die jungen Fichten zwischen dem Gestrüpp jahraus jahrein schonungslos in den Boden getreten. Als der Besitzer notgedrungen den Schlag absperrte, gab es großes schimpfe gegen denselben und über die daran ganz unschuldigen Förster, die Einzäunung wurde zertrümmert, die Schilder demoliert, und in einer dafür zugänglichen Zeitung erschien ein fulminanter Artikel über die Bedrückung von armen, Beeren suchenden Witwen und Waisen" der einem roten Blatte alle Ehre gemacht hätte.— So sieht man: jedes Ding hat zwei Seiten und: wie man in den Wald ruft, tönt es wieder heraus. Man hegt im Gegenteil das Zutrauen zu den Waldbesitzern des Sauerlandes, daß sie stille und vernünftige Beerensucher nicht ohne Not und Grund an der Einsammlung der von der Mutter Natur für alle hervorgebrachten köstlichen Waldfrüchte behindern werden. §(Moderner Maßstab.)„Bist denn jetzt bei'ner feinen Herrschaft?“—„Das will ich meinen: Er ist'n Geschiedener und sie ne Geborne!“ Depeschendienst der„Schwerter Zeitung.“ IId London, 3. August. In Perth stürzte gestern nachmittag während eines Cricket=Matches eine Tribüne mit 1200 Personen ein. Hunderte wälzten sich unter den Trümmern, der Anblick der Verstümmelten und ihr Geschrei war entsetzlich. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, gegen 100 erheblich Verletzte aus den Trümmern zu befreien.— Bei dem Bahnhofe Preston kollidierte gestern abend ein Kurierzug mit einem im Bahnhofe stehenden Zuge. Gegen 20 Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Hd Rom, 3. August. Ueber die Papstwahl wird gemeldet: Auch der 2. Wahlgang verlief resultatlos. Als kurz nach 6 Uhr aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle Rauch aufstieg und zufällig wegen des Peterfestes die Glocken läuteten, glaubte man, der Papst sei bereits gewählt. Aber bald merkte man, daß man sich getäuscht hatte. Aus dem abermaligen negativen Resultate zieht man den Schluß, daß im Konklave scharfe Gegensätze bestehen, man bezweifelt sogar, ob heute oder morgen eine Wahl zustande kommt. Gerüchtweise verlautet, Rampolla habe bei der ersten Abstimmung 20 Stimmen erhalten; auch der Nachmittagswahlgang habe ein ähnliches Resultat gehabt. Hd Belgrad, 3. August. Das Blatt„Novi List“ fährt fort, die Königsmörder schonungslos anzugreifen. Die jetzige Regierung herrsche verfassungswidrig. Das Blatt fragt, ob die Schreckensnacht deshalb notwendig geworden sei, daß Anarchie im ganzen Reiche herrsche und niemand mehr wisse, wo er sein Recht zu suchen habe. Wetterbericht. 4. August: Kühler, wolkig mit Sonnenschein, strichweise Regen und Gewitter. Wer kennt nicht die Schutzmarke„Kaffee=Onkel"? Dieselbe schützt die vortreffliche Pfeiffer& Diller’s Kaffee-Essenz in Dosen. Ein Versuch wird Sie hochbefriedigen. Vermischtes. wird geschrieben: In mehreren Blättern befindet sich eine kleine Notiz über das Sammeln der Waldberen— Schwarzbeeren, Heidelbeeren und Blaubeeren gibt es im Sauerlande nicht. Daran ist die Bemerkung geknüpft:„Es ist nur schade, daß man an manchen Stellen die Waldbeeren namentlich den armen Leuten nicht zu gönnen scheint.“ Dazu sind einige Aufklärungen wohl am Platze. Zunächst sei bemerkt, daß ich den sog.„Beeren= und Pilzparagraphen“ für einen bedauerlichen gesetzgeberischen Mißgriff halte und mich freue, daß derselbe nur den drohenden Stock einer Vogelscheuche darstellt, der nicht dreinhaut: er steht auf dem Papier und wird nur selten angewandt. Wenn aber die Beerensucher oft nicht gerne gesehen werden, so ist es meistens deren eigene Schuld. Anstatt still und ruhig die Beeren zu pflücken, zieht groß und klein scharenweise unter großem Lärm, Schreien und Ausgelassenheit in den Wald und fügt den Jagdpächtern und Jagdbesitzern durch Verscheuchen und„Vergrämen" des Wildes großen Schaden zu. Anstatt die reifen Beeren in Geschirre zu pflücken, reißt man die ganzen Sträucher aus Faulheit mit den reifen und unreifen Beeren und der zweiten Blüte ab, preßt sie in Stöcke und trägt ganze Traglasten davon heim. Dadurch schädigt man die diesjährige Ernte und macht eine neue Ernte an der betreffenden Stelle auf lange Jahre unmöglich. Das Gestrüpp hält das Laub fest, bindet die Feuchtigkeit an den Waldboden und finden darin im Winter Vögel und Wild an den (Der lachkranke Yankee.) Der Newyorker Bürger William Reilly war von einer merkwürdigen.7 ergriffen worden. Wie andere, wenn sie ihr ge###### Gleichgewicht verlieren, in tiefe Schwermut verfallen und weinen, so war er, als ihm die Schraube im Gehirn losging, plötzlich von unbändiger Lachwut erfaßt worden. Er lachte bei Tage, er lachte bei Nacht. Was er, was er trieb, wo er ging und wo er stand,— aus seinem Mund erscholl ein ausgelassenes, zwerchfellerschütterndes Gelächter. Fünf Tage und Nächte hatte das schon so angedauert. Er raubte seinen Nachbarn alle Ruhe: sie konnten nicht mehr arbeiten, nicht mehr schlafen wegen des ewigen„Hahaha! Hahaha!“ William Reillys. Verzweifelt schickten sie zur Polizei und baten um Rettung vor dem Lachteufel. Zwei Policemen kamen und drangen in die Wohnung Reillys. Sie fanden ihn im Lehnstuhl sitzen, sich den Leib vor Lachen haltend. Sie redeten ihn an, stellten Fragen an ihn—„Hahaha! Hahaha! war alle Antwort, die sie erhielten. Lachen steckt an. Die Polizisten begannen zuerst das Gesicht zu verziehen — nicht lange, so lachten sie mit dem Lacher aus vollem Halse mit.„Hahaha!“ tönte es jetzt im Dreiklang. Je mehr die Policemen lachten, desto mehr lachte William Reilly, und je lauter William Reilly lachte, desto lauter wieherten“ die Policemen mit. Es fehlte nicht viel, so hätten sich alle drei auf dem Boden gewälzt. Nachbarn, über den Höllenlärm empört, kamen herbeigestürzt. Wie sie das Trio erblickten, stimmten sie ihrerseits in die Lachsalven ein. Ein ganzer Chor von Lachern brüllte jetzt im Zimmer, daß die Wände dröhnten. Schließlich, da allgemein Erschöpfung eingetreten war, konnte man den Lachunhold, der selbst mit ungeschwächten Kräften mitlachte, überwältigen, in einen Krautenwagen schaffen und nach dem Spital spedieren. Dort begann der Tanz von neuem. So sehr sich der dirigierende Arzt auch bemühte, ein ernstes Gesicht zu bewahren, es half ihm nichts, er wurde von Reilly angesteckt und lachte bald, trotz seiner 70 Jahre, mit. Ebenso erging es den Assistenten. Das Konsultationszimmer wurde um Tollhaus. Alles wand sich in Lachkrämpfen. Man brachte Reilly in den Krankensaal. Er war noch keine fünf Minuten dort, als sämtliche Patienten in ihren Betten vor Lachen fast umherrollten. Man mußte, um Unglück zu verhindern, Reilly so schnell wie möglich nach dem nächsten Irrenhaus schaffen. s(Ein Pessimist.)„Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?“—„O ja, meine Gnädige! Denn sonst, wenn man sich die Sache näher betrachten wollte, würde man sich nicht so leicht verlieben! §(Offen.) Freier:„Herr Goldmann, ich habe es mir ausgerechnet— ich kann ohne Ihre Tochter wirklich nicht leben.“ §(Ein Literaturfreund.) Nach einer Mitteilung der„Buchhändlerwarte“ erhielt jüngst eine Buchhandlung folgendes Bestellschreiben:„Ich benötige zur Füllung eines Schränkchens 50 Zentimeter französische Literatur, gebunden, für ein von denen das einzelne Buch nicht höher als 15 Zentimeter sein darf. Der Preis kommt weniger in Frage, Hauptsache ist richtige Größe und schöne Einbände. Statt besonderer Anzeige! Selma Kocherscheidt Albert Kreikebaum Verlobte. Werdohl und Schwerte, den 2. August 1903. 8 Statt jeder besonderen Anzeige. Emilie Becker Dietrich Kockelke Verlobte. Hengsen und Schwerte, im August 1903. Die Jagd auf den in den Gemeinden Villigst, Schwerte, Geisecke, Hengsen und Hennen belegenen Weiden und Wäldern des städt. Wasserwerks soll vom 15. August d. I. an auf 3 Jahre öffentlich verpachtet werden. Termin zur Verpachtung wird hierdurch auf Montag, den 10. August d.. nachmittags 5½ Uhr, in dem Lokale des Wirtes Exsternbrink am Wehre bei Geisecke, Bahnstation der Ruhrthalbahn, anberaumt. Die Jagd wird zunächst in drei Losen ausgesetzt, nämlich: Los I. Bestehend aus ca. 680 Morgen Weideland und 47 Morgen Eichenhochwald auf der rechten Ruhrseite, von dem Wehre bei Geisecke an stromaufwärts geLos II. Ca. 340 Morgen Weideland auf dem linken Ruhrufer, größtenteils den Grundstücken Los I gegenüberLos III. Ca. 400 Morgen auf beiden Ruhrufern liegend, anfangend an der Grenze der Gemeinde Wandhofen und endigend an dem Wehre bei Geisecke. Nach Ausbietung der einzelnen Lose erfolgt noch eine Verpachtung im Ganzen. Pläne und Bedingungen werden im Termine bekannt gegeben. Dortmund, den 1. August 1903. Die Verwaltung des städt. Wasserwerks: MaODUG P 1 e Aueue u u# p## Thand und Ruxkin Kleiderston-Seidt, Kattüne, Weisswaren, Bettbarchend und Bul werden zu enorm billigen Preisen ausverkauft. Reste auf extra Tischen ausgelegt. Sehaufenster worin sämtliche Sorten ausgestellt sind, herausgegeben. s bd e un denr Beasuer, uerin Andiche Grten ungentelt dnt, benungsten. Jeier Nodt rich berdteitios und dun Bouanangest.vo Dortmund, Steinplatz— Steinstrasse 1—3, Zimmerstrasse 2. *— en ausgestellt sind, herausgege Gündher! Dortmund, Steinplatt— Steinstrasse 1—3, Zimmerstrasse 2. Am Mittwoch, den 12. d. Nts., abends 8½ Uhr, findet im Saale des Wirts L. mann(Im Reiche des Wasers) 8 Hemer. 64 Generalversumutung FEXRXXKRRRRAA statt. Tages= Ordnung: 1. Aerzte=Wahl. 2. Wahl einer Kommission zwecks Aenderung der Statuten in der Fassung des Gesetzes vom 25. 5. 1903. 3. Verschiedenes. Der Vorsitzende: Staat. Kötten zu kaufen gesucht. Suche einen Kotten mit 6—10 Morgen Ackerland und Wiesen nebst Wohnhaus und Stallung (wenn Wohnhaus auch klein) auf einem kleinen Dorfe oder auch einzeln liegend, zu kaufen. Schriftliche Angebote nebst Preis oder auch mündliche Angabe befördert die Geschäftstelle d. Ztg. Neue heringe, Dtzd. 55 Pfg. serdach. Schiuken Pfd. 65 Pfg. Banburger Maronhau, 26. Butenuth, Hagenerstr. 1. OSEBESESE SEBEBESEE Zahn-Institut g von 5 # Mll. 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