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P Krusch, Schwereskahr.

Nr. 159.

Politische Uebersicht.

Teutsaland

— Der Deutsche Evangelische Kirchenaus­

schuß ist am 13. Juni begründet worden in einer außerordent­lichen Tagung der Eisenacher Kirchenkonferenz. Damit ist ein wichtiges Werk zum Abschluß gebracht worden, welches der in so viele Landeskirchen zerfallenden, deutschen evargstesgeztzggez###

regimentlichen Rechte der Landesherren unberührt. Dagegen soll oden vog gußerdeutschen Kirchengemeinschaften und nicht

deutschen und unoe.—. zirchlichen Versorgung der

Seeleuten. Der Ausschuß besteht aus Vertretern der evangelischen

den, ob der ursbrüng Eig und der Präsident des preußischen

Evangelischen Oberkirchenrates der ständige Leiter dieses Kirchen­

ausschusses sein sollte.

:— Kapitalistischer und sozialdemokratischer Betrieb.

Der„Vorwärts“ leitartikelt wiederum über„christliche Arbeiterpflichten". Sonderbar, daß er über sozialdemo­kratische Arbeiterpflichten so schweigsam ist. Warum ge­ben die Gelehrten der Sozialdemokratie nicht endlich ein­mal einen Arbeiterkatechismus für die Genossen heraus, nach welchem die„Genossen“ sich auch in— sozialdemo­kratischen Betrieben zu richten haben und der für Inhaber sozialdemokratischer Betriebe, mag es sich nun um eine„rote“ Bäckerei oder um einen sozialdemokrati­schen Konsumverein handeln, verpflichtend ist? Inzwi­schen aber ist im Laufe der Jahre an unzähligen Bei­spielen festgestellt, wie gerade in sozialdemokratischen Be­trieben die Genossen vielfach schlechter, rücksichtsloser und brutaler behandelt werden, als in den bürgerlichen, sogen. kapitalistischen Betrieben. Wir wollen die Er###berung auf diese Bemerkungen dem„Vorwärts“ leicht machen: Er soll uns diejenigen sozialdemokratischen Betriebe nam­haft machen, die nach seiner Ansicht Musterbetriebe sind und die Pflichten gegen die Arbeiter in einer so muster­giltigen Weise erfüllen, daß alle„christliche Arbeiter= pflichten demgegenüber in den Hintergrund treten. Wenn der„Vorwärts“ uns diese Musterbetriebe nennt, so wollen wir zum Danke dafür alles aufbieten, dieselben mit ihren Einrichtungen kennen zu lernen, um sie als Musterbetriebe, wenn siedas wirklich sein sollten, zu Nachahmung zu empfehlen. Also heraus mit den Namen dieser sozialdemokratischen Musterbetriebe. die durch die Tat widerlegen könnten, was die Genossen selbst so viel­fach über die kapitalistische Ausbeutung in den„roten Betrieben zu bemängeln haben. Die Worte des„Vor­wärts“ sind in dieser Hinsicht ja keine Widerlegung

und kein Beweis.—

— Auf kaiserlichen Befehl soll das Gur Kavinen bei Elbing genau dieselben Pflichten und Lasten wie jedes andere Gut tragen, daher auch die Einquartierung.

— Vom deutschen Volksschulwesen) heißt es in dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich: Es gab im Jahre 1902 in Deutschland rund 58000 Volksschulen mit 12: Lehrern und über 22000 Lehrerinnen. Die Anzahl der Schüler betrug 8,8 Millionen. Die Aufwendungen bezifferten sich auf 412 Millionen Mark, davon 120 Millionen Mark aus Staatsmit­teln. In Preußen kamen durchschnittlich 63 Schüler auf einen Lehrer, in Lippe sogar 99, im ganzen Reich 61. Die Aufwend­ungen für jedes Schulkind bezifferten sich im Reichsdurchschnitt auf 47 Mark.

— Ein„zukunftsreiches“ Exempel. Kopenhagen, die dänische Hauptstadt, hat bekanntlich einen sozialdemo­kratischen Bürgermeister. Die Sozialdemokraten sind Herren im Rathaus. Es ist daher nicht ohne pikanten Beigeschmack, eine Meldung des„Berl. Tagebl.“ aus Ko­penhagen vom 2. Juni zu lesen, wonach die städtischen Unterbeamten, Feuerwehrleute und Gefängnisaufseher in einer großen Versammlung beschlossen,„sich andere Stellungen zu suchen", falls ihre Forderungen auf Lohn erhöhung und Pensionsverbesserung fortgesetzt abgewie­sen würden. Dazu wird noch bemerkt:„Dieser drohende Streik ist besonders durch die Beteiligung der Feuerwehr von Bedeutung. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt erlauben jedoch vorläufig kein oder nur ein geringes Entgegenkommen. Die sozialdemokratischen Führer sind also unter Umständen gar nicht zu beneiden, wenn sie ir­gendwo zur Herrschaft gelangen.

— Die gesamte Steuerlast des Reiches und der

Bundesstaaten beträgt auf den Kopf durchschnittlich 29,34 Mark. Am wenigsten belastet sind die Bewohner von Mecklenburg=Stre­litz mit 4,88 Mark. Von den größeren Staaten steht Preußen mit 7,38 Mark bei weitem am günstigsten da.

Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraft.

Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel, 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:

Familienfreund.

Schwerte, Freitag den 10. Juli 1903.

36. Jahrgang.

Der Papst auf dem Sterbelager.

Berlin, 10. Juli. Dem„Lok.=Anz.“ wird aus Rom telegraphiert: Professor Mazzoni sagt allen, die ihn fra­gen, der Papst habe sich, objektiv betrachtet, rüstiger als ein Dreißigjähriger erwiesen. Alle Lebensfunktionen seien ohne Ausnahme wieder normal. Wäre bei dem sinnverwirrenden Auf und Ab der letzten Tage ein logi­scher Schluß gestattet, so müßte man sagen:„Der Papst ist außer Gefahr. Natürlich dürfe man nie seine 94 Jahre vergessen.— Die guten Nachrichten über das Be­finden des Papstes werden allseitig bestätigt. Im Vati­kan spricht man heute weniger vom Papste, als von Mre. Volpini, der mit der Ernennung zum Sekretär des Kon­sistoriums den Kardinalpurpur sicher hatte. Gestern fuhr Volpini in den Vatikan und erließ an die Beamten der Kongregation das Breve zur Vorbereitung des Konklave. Er hatte kaum das Schriftstück unterzeichnet, als er vom Schlag getroffen zu Boden sank, um sich nicht wieder zu erheben.

Rom, 9. Juli. Der Papst verbrachte die Nacht an­dauernd gut. Um 5½ Uhr erwachte er und verließ das Bett. Mre. Mazzolini las im Innern des Gemaches die Messe und reichte ihm die Kommunion. Der Papst nahm darauf etwas Bouillon zu sich. Mazzoni erschien um 7 Uhr im Vatikan und verließ ihn eine Stunde später. Die Temperatur des Papstes schwankt zwischen 362 und 368. Der Puls ist ein wenig schwach. Die Cyanose an den Händen tritt allmählich zurück. Wenn keine Zwi­schenfälle eintreten, wird Professor Mazzoni erst abends

- Zu der jüngsten Erbschaft Bebels wird dem„B.

T.“ aus Ulm in Württemberg berichtet: Der Erblasser, der früher bayerische Leutnant Kollmann, war der Sohn eines Augsburger Buchhändlers. Er diente im Infan­terieleibregiment in München und hat den deutsch=franzö­sischen Feldzug mitgemacht. Die ersten Anzeichen einer geistigen Erkrankung scheinen sich bei ihm 1879 gezeigt zu haben; wegen verschiedener von ihm verursachter Skandale wurde damals eine militärische Untersuchung gegen ihn eingeleitet, die damit endete, daß er für unzu­rechnungsfähig erklärt wurde. Das Testament, durch das Kollmann Bebel nahezu 400000 Mark, die Hälfte des vonihm hinterlassenen Vermögens, vermachte, hat er während der Untersuchung, als er noch im Dienst stand, aufgesetzt. 1880 oder 81 entfloh er vor der drohenden Internierung in eine Irrenanstalt aus Bayern und nahm seinen Wohnsitz in Ulm. Auch hier fiel er bald durch seine Absonderlichkeiten auf. Am 31. Mai 1886 wurde K. auf Antrag der Ulmer Staatsanwaltschaft entmündigt und im gleichen Jahre in die Irrenanstalt in München eingeliefert, wo er noch volle 22 Jahre gelebt hat. Zwei Bruder Kollmanns, ein Oberleutnant und ein Ober­Ingenieur, haben ihren Wohnsitz in München; außerdem kommen als Erben noch eine Schwester und zwei Kinder einer verstorbenen Schwester in Betracht; diese natürlichen Erben haben das Testament angefochten.

Kleine Chronit.

+ Die Bibel in unseren Kolonien. In den meisten unserer Kolonien ist die Bibel in die Landessprache übersetzt oder sind wenigstens die Anfänge dazu gemacht. In Togg hat die, nord­

deutsche Mission das neue Testament bereits in 3. Fluge in zur Schriftsprache erhobenen Evhesprache herausgegeben. In

7½ Uhr wieder im Vatikan erscheinen. Die Funktion der Niere bessert sich weiter. Ein Konsilium der Aerzte wird nicht stattfinden. Die Nachricht, daß die Professoren Machiafava und Rossoni den Papst besucht hätten, ist unbegründet. Mre. Volpini ist verstorben. Sein Ab­leben wurde dem Papst nicht mitgeteilt und auch das Läuten der Glocken des St. Peter Domes unterblieb, um eine Beunruhigung des Kranken zu vermeiden. Der Zustand des gleichfalls schwer erkrankten Kardinals Mocenni hat sich wesentlich verschlimmert.

Rampolla nutzt die Lage aus. Rom, 9. Juli. Rampolla unterzeichnete gestern alle Dokumente, worin der Vatikan den französischen Forder­ungen betreffend die Ernennung der Bischöfe völlig nach­gibt. Bekanntlich hatte Leo XIII. erklärt, es sei dies eine Prinzipienfrage, worin er nicht nachgeben könne. Keine Romreise des Kaisers?

Der„Berl. Lok.=Anz.“ schreibt: Von einer Reihe Berliner Blätter wurde gestern abend die Nachricht ver­breitet, der Kaiser werde im Falle des Ablebens des Pap­stes seine Nordlandreise verschieben und an den Beisetz­ungsfeierlichkeiten teilnehmen. Wir werden hierzu von zuständigster Seite zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Meldungen absolut falsch sind. Der Kaiser und die Kai­ser werden des außergewöhnlich guten Wetters wegen noch einige Tage in den rügenschen Gewässern segeln. Dann wird der Kaiser die Nordlandreise programmmäßig 7868.

Kamerun hat der Basler Missionar Schuler eine neue Uebersetz­

setzung des neuen Testametns hergestellt, weil die alte, noch von der Baptistenmission herrührende Uebersetzung zu viele Mängel einer Erstlingsarbeit aufwies. In Deutsch=Südwestafrika ist das neue Testament mit den Psalmen in der Nama= und der sprache im Gebrauche. In Deutsch=Ostafrika ist für die Küsten­bevölkerung schon seit 1891 eine vollständige Bibelübersetzung in der Kisuahelisprache vorhanden. Von den Sprachen der vielen Negerstämme im Innern gilt nicht das gleiche. Nur im Scham­bala, in der Sprache des Kondelandes liegen bisher die Evangelien vor, bescheidene Anfänge sind im Kidschagga am Kilimandscharo gemacht. Samoa hat dank der Bemühungen englischer und ameri­kanischer Missionare, ebenso einige Inseln der Karolinen, die volle Bibel. Ein Erstlingsdruck des neuen Testaments ist neuerdings für den Bismarck=Archipel zustande gekommen. Dagegen liegt die Literatur in den Küstensprachen von Neuguinea noch in den ersten Anfängen, die Rheinischen und Neuendettelsauer Missionare be­mühen sich darum. Selbstverständlich rühren alle diese Arbeite nur von evangelischen Missionaren her.

Lokales.

** Schwerte, 10. Juli 1903.

***(Vom Bahnhofsumbau.) Mit unserem Bahn hofsumbau geht es rüstig voran. Seit einiger Zeit hat man auch im Westen unserer Stadt ganz energisch die Arbeiten gefördert. Die Arbeiten auf Wandhofener Gebiet machen auf den Passanten einen interessanten Ein druck, große Vorsprünge sind dort mit großem Geschick überwunden worden. Eine besondere Vergrößerung er­fährt auch der jetzt räumlich so sehr beschränkte Rangier­bahnhof. Vom jetzigen Rangierbahnhof aus hat man ein Geleis nach dem Wannbach gelegt, um Anschüttungs­material, welches die den Rosen vorgelagerten großen Halden liefern, dorthin schaffen zu können. Der direkt am Bahndamm liegende Weg ist nun etwa 40 Meter nach