Fernsprech=Anschluß P Krusch, Schwereskahr. Nr. 159. Politische Uebersicht. Teutsaland — Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß ist am 13. Juni begründet worden in einer außerordentlichen Tagung der Eisenacher Kirchenkonferenz. Damit ist ein wichtiges Werk zum Abschluß gebracht worden, welches der in so viele Landeskirchen zerfallenden, deutschen evargstesgeztzggez### regimentlichen Rechte der Landesherren unberührt. Dagegen soll oden vog gußerdeutschen Kirchengemeinschaften und nicht deutschen und unoe.—. zirchlichen Versorgung der Seeleuten. Der Ausschuß besteht aus Vertretern der evangelischen den, ob der ursbrüng Eig und der Präsident des preußischen Evangelischen Oberkirchenrates der ständige Leiter dieses Kirchenausschusses sein sollte. :— Kapitalistischer und sozialdemokratischer Betrieb. Der„Vorwärts“ leitartikelt wiederum über„christliche Arbeiterpflichten". Sonderbar, daß er über sozialdemokratische Arbeiterpflichten so schweigsam ist. Warum geben die Gelehrten der Sozialdemokratie nicht endlich einmal einen Arbeiterkatechismus für die Genossen heraus, nach welchem die„Genossen“ sich auch in— sozialdemokratischen Betrieben zu richten haben und der für Inhaber sozialdemokratischer Betriebe, mag es sich nun um eine„rote“ Bäckerei oder um einen sozialdemokratischen Konsumverein handeln, verpflichtend ist? Inzwischen aber ist im Laufe der Jahre an unzähligen Beispielen festgestellt, wie gerade in sozialdemokratischen Betrieben die Genossen vielfach schlechter, rücksichtsloser und brutaler behandelt werden, als in den bürgerlichen, sogen. kapitalistischen Betrieben. Wir wollen die Er###berung auf diese Bemerkungen dem„Vorwärts“ leicht machen: Er soll uns diejenigen sozialdemokratischen Betriebe namhaft machen, die nach seiner Ansicht Musterbetriebe sind und die Pflichten gegen die Arbeiter in einer so mustergiltigen Weise erfüllen, daß alle„christliche Arbeiter= pflichten demgegenüber in den Hintergrund treten. Wenn der„Vorwärts“ uns diese Musterbetriebe nennt, so wollen wir zum Danke dafür alles aufbieten, dieselben mit ihren Einrichtungen kennen zu lernen, um sie als Musterbetriebe, wenn siedas wirklich sein sollten, zu Nachahmung zu empfehlen. Also heraus mit den Namen dieser sozialdemokratischen Musterbetriebe. die durch die Tat widerlegen könnten, was die Genossen selbst so vielfach über die kapitalistische Ausbeutung in den„roten Betrieben zu bemängeln haben. Die Worte des„Vorwärts“ sind in dieser Hinsicht ja keine Widerlegung und kein Beweis.— — Auf kaiserlichen Befehl soll das Gur Kavinen bei Elbing genau dieselben Pflichten und Lasten wie jedes andere Gut tragen, daher auch die Einquartierung. — Vom deutschen Volksschulwesen) heißt es in dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich: Es gab im Jahre 1902 in Deutschland rund 58000 Volksschulen mit 12: Lehrern und über 22000 Lehrerinnen. Die Anzahl der Schüler betrug 8,8 Millionen. Die Aufwendungen bezifferten sich auf 412 Millionen Mark, davon 120 Millionen Mark aus Staatsmitteln. In Preußen kamen durchschnittlich 63 Schüler auf einen Lehrer, in Lippe sogar 99, im ganzen Reich 61. Die Aufwendungen für jedes Schulkind bezifferten sich im Reichsdurchschnitt auf 47 Mark. — Ein„zukunftsreiches“ Exempel. Kopenhagen, die dänische Hauptstadt, hat bekanntlich einen sozialdemokratischen Bürgermeister. Die Sozialdemokraten sind Herren im Rathaus. Es ist daher nicht ohne pikanten Beigeschmack, eine Meldung des„Berl. Tagebl.“ aus Kopenhagen vom 2. Juni zu lesen, wonach die städtischen Unterbeamten, Feuerwehrleute und Gefängnisaufseher in einer großen Versammlung beschlossen,„sich andere Stellungen zu suchen", falls ihre Forderungen auf Lohn erhöhung und Pensionsverbesserung fortgesetzt abgewiesen würden. Dazu wird noch bemerkt:„Dieser drohende Streik ist besonders durch die Beteiligung der Feuerwehr von Bedeutung. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt erlauben jedoch vorläufig kein oder nur ein geringes Entgegenkommen. Die sozialdemokratischen Führer sind also unter Umständen gar nicht zu beneiden, wenn sie irgendwo zur Herrschaft gelangen. — Die gesamte Steuerlast des Reiches und der Bundesstaaten beträgt auf den Kopf durchschnittlich 29,34 Mark. Am wenigsten belastet sind die Bewohner von Mecklenburg=Strelitz mit 4,88 Mark. Von den größeren Staaten steht Preußen mit 7,38 Mark bei weitem am günstigsten da. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft. Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg., exel, 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage: Familienfreund. Schwerte, Freitag den 10. Juli 1903. 36. Jahrgang. Der Papst auf dem Sterbelager. Berlin, 10. Juli. Dem„Lok.=Anz.“ wird aus Rom telegraphiert: Professor Mazzoni sagt allen, die ihn fragen, der Papst habe sich, objektiv betrachtet, rüstiger als ein Dreißigjähriger erwiesen. Alle Lebensfunktionen seien ohne Ausnahme wieder normal. Wäre bei dem sinnverwirrenden Auf und Ab der letzten Tage ein logischer Schluß gestattet, so müßte man sagen:„Der Papst ist außer Gefahr. Natürlich dürfe man nie seine 94 Jahre vergessen.— Die guten Nachrichten über das Befinden des Papstes werden allseitig bestätigt. Im Vatikan spricht man heute weniger vom Papste, als von Mre. Volpini, der mit der Ernennung zum Sekretär des Konsistoriums den Kardinalpurpur sicher hatte. Gestern fuhr Volpini in den Vatikan und erließ an die Beamten der Kongregation das Breve zur Vorbereitung des Konklave. Er hatte kaum das Schriftstück unterzeichnet, als er vom Schlag getroffen zu Boden sank, um sich nicht wieder zu erheben. Rom, 9. Juli. Der Papst verbrachte die Nacht andauernd gut. Um 5½ Uhr erwachte er und verließ das Bett. Mre. Mazzolini las im Innern des Gemaches die Messe und reichte ihm die Kommunion. Der Papst nahm darauf etwas Bouillon zu sich. Mazzoni erschien um 7 Uhr im Vatikan und verließ ihn eine Stunde später. Die Temperatur des Papstes schwankt zwischen 362 und 368. Der Puls ist ein wenig schwach. Die Cyanose an den Händen tritt allmählich zurück. Wenn keine Zwischenfälle eintreten, wird Professor Mazzoni erst abends - Zu der jüngsten Erbschaft Bebels wird dem„B. T.“ aus Ulm in Württemberg berichtet: Der Erblasser, der früher bayerische Leutnant Kollmann, war der Sohn eines Augsburger Buchhändlers. Er diente im Infanterieleibregiment in München und hat den deutsch=französischen Feldzug mitgemacht. Die ersten Anzeichen einer geistigen Erkrankung scheinen sich bei ihm 1879 gezeigt zu haben; wegen verschiedener von ihm verursachter Skandale wurde damals eine militärische Untersuchung gegen ihn eingeleitet, die damit endete, daß er für unzurechnungsfähig erklärt wurde. Das Testament, durch das Kollmann Bebel nahezu 400000 Mark, die Hälfte des vonihm hinterlassenen Vermögens, vermachte, hat er während der Untersuchung, als er noch im Dienst stand, aufgesetzt. 1880 oder 81 entfloh er vor der drohenden Internierung in eine Irrenanstalt aus Bayern und nahm seinen Wohnsitz in Ulm. Auch hier fiel er bald durch seine Absonderlichkeiten auf. Am 31. Mai 1886 wurde K. auf Antrag der Ulmer Staatsanwaltschaft entmündigt und im gleichen Jahre in die Irrenanstalt in München eingeliefert, wo er noch volle 22 Jahre gelebt hat. Zwei Bruder Kollmanns, ein Oberleutnant und ein OberIngenieur, haben ihren Wohnsitz in München; außerdem kommen als Erben noch eine Schwester und zwei Kinder einer verstorbenen Schwester in Betracht; diese natürlichen Erben haben das Testament angefochten. Kleine Chronit. + Die Bibel in unseren Kolonien. In den meisten unserer Kolonien ist die Bibel in die Landessprache übersetzt oder sind wenigstens die Anfänge dazu gemacht. In Togg hat die, norddeutsche Mission das neue Testament bereits in 3. Fluge in zur Schriftsprache erhobenen Evhesprache herausgegeben. In 7½ Uhr wieder im Vatikan erscheinen. Die Funktion der Niere bessert sich weiter. Ein Konsilium der Aerzte wird nicht stattfinden. Die Nachricht, daß die Professoren Machiafava und Rossoni den Papst besucht hätten, ist unbegründet. Mre. Volpini ist verstorben. Sein Ableben wurde dem Papst nicht mitgeteilt und auch das Läuten der Glocken des St. Peter Domes unterblieb, um eine Beunruhigung des Kranken zu vermeiden. Der Zustand des gleichfalls schwer erkrankten Kardinals Mocenni hat sich wesentlich verschlimmert. Rampolla nutzt die Lage aus. Rom, 9. Juli. Rampolla unterzeichnete gestern alle Dokumente, worin der Vatikan den französischen Forderungen betreffend die Ernennung der Bischöfe völlig nachgibt. Bekanntlich hatte Leo XIII. erklärt, es sei dies eine Prinzipienfrage, worin er nicht nachgeben könne. Keine Romreise des Kaisers? Der„Berl. Lok.=Anz.“ schreibt: Von einer Reihe Berliner Blätter wurde gestern abend die Nachricht verbreitet, der Kaiser werde im Falle des Ablebens des Papstes seine Nordlandreise verschieben und an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnehmen. Wir werden hierzu von zuständigster Seite zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Meldungen absolut falsch sind. Der Kaiser und die Kaiser werden des außergewöhnlich guten Wetters wegen noch einige Tage in den rügenschen Gewässern segeln. Dann wird der Kaiser die Nordlandreise programmmäßig 7868. Kamerun hat der Basler Missionar Schuler eine neue Uebersetzsetzung des neuen Testametns hergestellt, weil die alte, noch von der Baptistenmission herrührende Uebersetzung zu viele Mängel einer Erstlingsarbeit aufwies. In Deutsch=Südwestafrika ist das neue Testament mit den Psalmen in der Nama= und der sprache im Gebrauche. In Deutsch=Ostafrika ist für die Küstenbevölkerung schon seit 1891 eine vollständige Bibelübersetzung in der Kisuahelisprache vorhanden. Von den Sprachen der vielen Negerstämme im Innern gilt nicht das gleiche. Nur im Schambala, in der Sprache des Kondelandes liegen bisher die Evangelien vor, bescheidene Anfänge sind im Kidschagga am Kilimandscharo gemacht. Samoa hat dank der Bemühungen englischer und amerikanischer Missionare, ebenso einige Inseln der Karolinen, die volle Bibel. Ein Erstlingsdruck des neuen Testaments ist neuerdings für den Bismarck=Archipel zustande gekommen. Dagegen liegt die Literatur in den Küstensprachen von Neuguinea noch in den ersten Anfängen, die Rheinischen und Neuendettelsauer Missionare bemühen sich darum. Selbstverständlich rühren alle diese Arbeite nur von evangelischen Missionaren her. Lokales. ** Schwerte, 10. Juli 1903. ***(Vom Bahnhofsumbau.) Mit unserem Bahn hofsumbau geht es rüstig voran. Seit einiger Zeit hat man auch im Westen unserer Stadt ganz energisch die Arbeiten gefördert. Die Arbeiten auf Wandhofener Gebiet machen auf den Passanten einen interessanten Ein druck, große Vorsprünge sind dort mit großem Geschick überwunden worden. Eine besondere Vergrößerung erfährt auch der jetzt räumlich so sehr beschränkte Rangierbahnhof. Vom jetzigen Rangierbahnhof aus hat man ein Geleis nach dem Wannbach gelegt, um Anschüttungsmaterial, welches die den Rosen vorgelagerten großen Halden liefern, dorthin schaffen zu können. Der direkt am Bahndamm liegende Weg ist nun etwa 40 Meter nach rechts verlegt worden. Die große geplante Rangierstation kommt gegenüber Wandhofen zu liegen und das ganze zum neuen Bahnhof gehörende Terrain wird eine Gesamtlänge von einer halben deutschen Meile erhalten. Auch im Speckebruch schreiten die Arbeiten rüstig voran, besonders der Bau der großen am früher Otten'schen Hause vorbeiführenden Sperrmauer. Ein großes Barackenlager ist auf Wandhofer Feldmark am Wannebach entstanden. Dort hausen in recht primitiven Räumen zahlreiche der am Bahnhofsumbau beschäftigten fremdländischen Arbeiter. **(Bahnpersonalie.) Die Stelle eines Stationsein= nehmers, welche der Stationsassistent Herr Moning seit Jahresfrist verwaltete, ist nunmehr wieder ordnungsmäßig besetzt worden. Der neue Stationseinnehmer, Herr Groeschke, war bisher in gleicher Eigenschaft in Anrath bei Krefeld tätig. **(Unfall.) Einen Bruch des rechten Fußes unterhalb des Enkels erlitt der achtjährige Sohn des Schneidermeisters M. auf der Mühlenstraße, indem er von einer Mauer stürzte. Der Kleine hatte nach dem Fall erst längere Zeit hilflos dort gelegen, sodaß der verletzte Fuß schon ziemlich angeschwollen war. Später wurde er in ärztliche Behandlung gegeben. **(Kreisabgaben) wurden im Jahre 1902 folgende gezahlt: Schwerte 28 537,56 Mk., Amt Westhofen 11 563,20 Mk., Amt Wellinghofen 14 200 Mk., Stadt Hörde 78 263,09 Mk., Amt Kirchhörde 16 167,21 Mk., Amt Aplerbeck 36 353,04 Mk., Amt Annen 17 515,89Mk. ***(Die Bautätigkeit) war im Jahre 1902 in unserer Stadt eine recht rege. Es wurden vollendet 30 Wohnhäuser, 52 Anbauten, 18 sonstige Bauten; 2 waren am Jahresschlusse noch im Bau begriffen. Der durchschnittliche Tagelohn eines Bauhandwerkers betrug Mk. 3,80, eines Handlangers Mk. 3,00. **(Stier weggelaufen.) Ein Stier im Werte von mehr als 400 Mk. war am Montag dem Metzgermeister Carl Wilkes jr. weggelaufen. Der Stier wurde mit verbundenen Augen ganz vorschriftsmäßig geführt, als er in der Nähe der Gockel'schen Wirtschaft nicht weiter wollte. Um ihn zum Gehen zu bewegen, nahm der Treiber ihm die Maske ab und sofort ging er in großen Sätzen davon in den Schwerter Wald. Herr Wilkes ließ von einer ganzen Truppe Leute den Stier Tag und Nacht suchen, indeß ohne Erfolg. Das Wunderbarste an der Sache ist nun, daß das Tier sich gestern morgen ganz von selbst an der Stelle wieder einfand, von wo aus es seinen Ausflug in den schönen Schwerter Wald unternommen hatte. Es ließ sich willig einfangen und konnte nunmehr ohne Schwierigkeit nach Schwerte transportiert werden. **(Erhängt) hat sich gestern abend gegen 7 Uhr der in der Brückstraße wohnende Arbeiter Gövelmann auf dem Hausboden. Was den Mann zu der Tat getrieben hat, ist nicht recht klar. Er war verheiratet und Vater von 8 Kindern, von denen jedoch nur zwei bei den Eltern waren, während die andern sechs bei anderen Leuten untergebracht sind. **(Der Sturm,) der in letzter Zeit, besonders des Nachts wütete, hat in der Nähe der Tiemesmanns'schen Wirtschaft an der Hörderstraße zwei prächtige Lindenbäume durchgebrochen. ***(Klebt Marken.) Der„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker“ schreibt: Ein Bäckermeister in Hannover mußte seine Abneigung gegen das Kleben von Quittungskarten der Invalidenversicherung schwer büßen. Da er ein ganzes Jahr lang seinen Gesellen die Beiträge vom Lohne abzog, aber den Invalidenkarten keine Marken einverleibte, so wurde er zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. **(Durchgegangen) ist ein aus Posen stammender Arbeiter M. seiner Kostwirtin mit einer hinterlassenen Schuldenlast von ungefähr 75 Mk. Anzeige ist erstattet. **(Steuerermäßigung) wegen zahlreicher Familie oder sonstiger wirtschaftlicher Verhältnisse gewähren bekanntlich die§§ 18 und 19 des preußischen Einkommensteuergesetzes. Nach§ 18 darf bei einem Einkommen unter 3000 Mark die Herabsetzung des steuerpflichtigen Einkommens um 50 Mark für jedes Kind und bei mehr Das Seemanns-Haus in Wilhelmshaven Admiral Prinz Heinrich von Preußen hat neulich bei der Einweihung des Seemannshauses für die Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine in Wilhelmshaven eine Rede gehalten, in der es heißt:„Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß gerade der seemännische Beruf die meisten Beschwerden und Gefahren in sich birgt. Darum ist es begreiflich, daß der Mann Erholung sucht an Land. Wer lange gedient hat und Jahr für Jahr mit dem Manne Sorge, Ruhe und Arbeit durchlebt hat, der weiß auch wohl, wie sauer es dem Mann oft wird, der weiß auch wohl, daß dieser Mann erholungsbedürftig ist. Es ist nicht Zweck der Gesellschaft gewesen, den Wirtschaften Konkurrenz zu machen, wohl aber, den Mann, den wir wie unser eigenes Kind hüten, davor zu bewahren, das ihm in schlechten Lokalen physisches und moralisches Gift eingeimpft werde. Die Dankbarkeit gegen den dienenden Unteroffizier und als drei Kindern jedenfalls die Herabsetzung des steuerpflichtigen Einkommens um eine Steuerstufe gefordert werden. Nach§ 19 ist bei Einnahmen bis zu 9500 Mk. die Berücksichtigung besonderer, die Steuerkraft beeinträchtigender Verhältnisse zulässig, wobei ausdrücklich auch die Verpflichtung zur Unterhaltung nicht erwerbsfähiger Mitangehörigen erwähnt ist. Auf Grund des§ 18 wurden im Jahre 1901 269000 Hausväter vollkommen von der Einkommensteuer freigestellt, und 835 000 haben eine Ermäßigung in ihren Steuerstufen erfahren. Also im ganzen 1 110000 Zensiten, das heißt mehr als ein Drittel sämtlicher Zensiten mit einem Einkommen von weniger als 3000 Mark sind auf Grund des§ 18 des Einkommensteuergesetzes in ihren Steuerleistungen ermäßigt worden. Auf Grund des§ 19 wurden ferner in dem genannten Jahre weitere 139000 Zensiten ermäßigt. Der Ausfall an Steuern infolge der Ermäßigungen auf Grund der§§ 18 und 19 belief sich insgesamt auf 6531 000 Mk. Sölde, 10. Juli. Die hiesige Postanstalt nahm im Jahre 1902 an Porto= und Telegrammgebühren ein 10 734 Mk., es gingen an Empfänger im Bestellbezirke ein Briefe, Postkarten und Drucksachen 99 866, Pakete ohne Wertangabe 6749, mit Wertangabe 100, Briefe mit Wertangabe 96; im Orte aufgegeben wurden Briefe, Postkarten, Drucksachen 74 334, Pakete ohne Wertangabe 3163, mit Wertangabe 166, Briefe mit Wertangabe 252 der Betrag der eingezahlten Postanweisungen ist 491 048 Mark, der ausgezahlten 109 880 Mk., Telegramme wurden aufgegeben 529, gingen ein 538. ** Westhofen, 10. Juli.(Postalisches.) Die hiesige Postanstalt hat im Jahre 1902 an Porto= und Telegrammgebühren eingenommen Mk. 15 667, Briefe, Postkarten und Drucksachen gingen ein 134 654, Pakete ohne Wertangabe 7685, mit Wertangabe 21, Briefe mit Wertangabe 268. Im Orte aufgegeben wurden Briefe, Postkarten, Drucksachen 121 576, Pakete ohne Wertangabe den dienenden Mann, die Verehrung, die wir der dienenden Besatzung zollen, der hervorragende Heldenmut, den unsere Besatzung immer gezeigt hat, das sind die Gründe, die uns dazu bewogen haben, diese Gesellschaft zu gründen und dadurch diesen Mannschaften eine Erholungsstätte zu bieten. Es wäre dies nicht möglich gewesen, wenn nicht aus allen deutschen Gauen Beihilfen gesteuert wären, große und kleine Gaben von Gesellschaften, Vereinen und einzelnen Personen. Durch diese Opferwilligkeit von allen Seiten war es möglich, dieses Haus, wie es hier steht, vollendet seiner Bestimmung übergeben zu können. Allen diesen Gebern sei herzlich gedankt. Ich hege die Hoffnung: möge Kameradschaft, Frohsinn und Freudigkeit hier walten; mögen Zorn, Reibereiei und Trunksucht diesem Hause stets fern bleiben. Dies sind die Gedanken und Gefuhle, die mich beherrschen, und somit übergebe ich das Haus seiner Zukunft und Bestimmung. 4048, mit Wertangabe 120, Briefe mit Wertangabe 463. er Betrag der eingezahlten Postanweisungen ist: 497272 Mk., der ausgezahlten 259 881 Mk., Telegramme wurden aufgegeben 874, gingen ein 915. *** Westhofen, 10. Juli.(Statistisches.) Die Bautätigkeit war im Jahre 1902 ziemlich rege. Es wurden gebaut: 24 Wohnhäuser im Werte von 280000 Mk., Anbauten im Werte von 18000 Mk., 34 sonstige Bauten im Werte von 124000 Mark. Der durchschnittliche agelohn eines Bauhandwerkers betrug 4,50 Mk., eines Handlangers 3,50 Mk. Hohensyburg, 10. Juli. Die hiesige Postanstalt nahm im Jahre 1902 an Porto= und Telegrammgebühren 3769 Mk. ein, Briefe und Postkarten gingen ein 24440, Pakete ohne Wertangabe 940, mit Wertangabe 5, Briefe mit Wertangabe 5. Im Orte aufgegeben wurden Briefe und Postkarten 190060, Pakete ohne Wertangabe 489. Der Betrag der eingezahlten Postanweisungen ist 40 580 Mk., der ausgezahlten 15097 Mk., Telegramme wurden aufgegeben 154, gingen ein 113. Schüren, 9. Juli. Von herbem Mißgeschick wurde der Bierkutscher Sievers von hier betroffen. Beim Ausspannen scheuten seine Pferde, infolgedessen er unter die Räder seines eigenen Wagens geriet und überfahren wurde. Schwerverletzt mußte er nach Hause getragen werden. Berghofen, 9. Juli. Wieder eingefangen sind die am Sonntag aus der Arbeitsanstalt Hardenhausen entwichenen Zöglinge Röse, Mankowsky und Lünenschloß; dieselben wurden gestern im Bickefeld durch die Polizei verfolgt. Als erstere angehalten wurden, rissen sie durch die Roggenfelder aus, wurden aber durch den Gendarmen Schade und Polizeisergeanten Braun wieder eingeholt und festgenommen. Sie werden der betreffenden Anstalt wieder zugeführt werden. Sinnsprüche. Rege Dich in jungen Tagen In der Welt, sieh nach dem Rechten! Wer's nicht lernt, sich durchzuschlagen, Muß am Ende sich durchfechten. Sothis. Soll Dir das liebe schöne Leben Nicht allzu früh vergällt und verhaßt sein, Mußt Du kühn nach dem Höchsten streben Und dabei klug auf's Dümmste gefaßt sein. Hans Hopfen. * Glaube, Liebe, Hoffnung. Scheide, ach scheide Doch nur von Liebe nicht; Blüht Liebe gleich im Leide, Ist sie doch Lebenslicht. Scheide, ach scheide Dokch nur von Hoffnung nicht; Sie ist ein Stern im Leide, Ein Gottvergißmeinnicht! Scheide, ach scheide Doch nur vom Glauben nicht; Der sagt Dir:„Liebe, leide, Und hoff’ in meinem Licht!“ Scheide, ach scheide Doch nur vom Leide nicht; Wer nicht kennt Lieb' im Leide, Der kennt nicht Lieb’ im Licht! Kapitän Hander. Roman von F. Klinck=Lütetsburg. (19. Fortsetzung.) Wer ist Edward Bruns Brooke?“ fragte sie plötzlich unbermittelt. g 66 Was geht das Dich an? Das sind Veine Suchen nicht,“ schrie er mit lauter zusammenfahren ließ. „Was hast Du nur, Johann?“ Sie war unwillküreinen Schritt zurückgewichen. „Nichts habe ich. Deine Neugierde ärgert mich, weiter nichts. Weiber sind immer neugierig, und das ist eine Eigenschaft, die ich nicht leiden kann. Du mußt sie Dir abgewöhnen, wenn Du gut mit mir auskommen willst.“ Damit schien der eheliche Friede hergestellt. Johann zeigte sich noch eine Viertelstunde lang als liebenswürdiger Gatte, sagte dann, er habe noch eine Stunde zu tun, werde aber wiederkommen, um mit seiner jungen Frauden Rest des Tages zu verbringen. Wenige Minuten später verließ Johann Theden das Haus durch den Seitengang, um sich nach der Wallvorstadt zu begeben, in der Hoffnung, Zerlina wieder zu begegnen, die er vor wenigen Tagen dort gesehen. Sie hatte ein kleines Paket getragen, das sie vermutlich zu einer Kundin gebracht, denn sie war in dem Hause einer reichen alten Dame, die sich früher schon um sie gekümmert, verschwunden. Der Anblick Zerlinas hatte einen Eindruck auf Johann gemacht, den er sich nicht zu erklären wußte und der ihm deutlich sagte, daß er sie doch wirklich lieb gehabt und nur die Umstände den Bruch herbeigeführt hätten. Sie war ihm schöner denn je erschienen. Früher war sie stets in Arbeitskleidung mit bloßem Kopfe gegangen. Jetzt sah er sie, wenn auch einfach gekleidet, doch mit Hut und Mantel angetan, nicht anders als jedes junge Mädchen aus seinen Kreisen. Sie hatte es ja dazu, wie er sich voll Ingrimm sagte. Zeit ihres Lebens war sie versorgt, durch ihn, und trotzdem sollte er ihr für alle Zeiten fern bleiben. Der Gedanke hatte seine Fantasie förmlich erhitzt. Eine volle halbe Stunde hatte er gewartet, nur um sie noch einmal zu sehen. Dann war sie dicht an ihm vorübergekommen. Sie hatte ihn auch bemerkt, war aber wie an einem Fremden vorbeigeschritten. Johann Theden wunderte sich noch in diesem Augenblick, daß ue dach de ulig dalte gschechen dasten, var aber auch dei.— schlossen, eine solche Gelegenheit, Zerlina ein paar hämische Bemerkungen zu hören zu geben, nicht wieder zu versäumen. Er haßte sie, weil sie ihm so viel Aerger bereitet und in den Augen der Leute herabgesetzt hatte. Sich selber irgend welche Schuld beizumessen, daran dachte er gar nicht. Heute sah er sich zu einem ungleich längeren Warten verurteilt, ohne daß seine Wünsche Erfüllung gefunden hätten. Zerlina kam nicht. Obgleich dies Johann nicht befremden konnte, er sich vielmehr sagte, daß die Erwartete nicht alle Tage im Dodenschen Hause zu tun haben würde, fühlte er sich doch von einem maßlosen Zorn ergriffen, wie er ehemals ohne alle Ursache so häufig bei ihm zum Ausbruch gelangt war. Ohne Zweifel war es dieser Zorn, der ihn instruktiv den Weg einschlagen ließ, den er jetzt tat. Es beherrschte ihn ein Gefühl, das ihn antrieb, heute noch Zerlinas habhaft zu werden. Sie sollte wenigstens wissen, das zwischen ihnen nicht ein für allemal alles zu Ende war, wie sie sich wohl denken mochte. Die Sandersche Wohnung war ihm bekannt, lange genug war er täglich in ihr aus und ein gegangen. Sie lag zu ebener Erde, das niedrige Gitter des Vorgartens sollte ihn nicht abhalten, sich einen Blick in das Innere zu verschaffen. Er wartete die eintretende Dunkelheit ab. Das kleine Haus der Witwe Sander war mit einigen anderen gleicher Größe am Ufer des Flusses gelegen. Sie wurden ausnahmslos von Frauen bewohnt, deren Gatten auf der See waren oder ihren Tod als Schiffer gefunden hatten. An warmen Sommerabenden sah man die kleinen Vorgärten häufig bevölkert, in der gegenwärtigen Zeit lagen Häuser und Gärten in nächtlicher Dunkelheit. So konnte Johann Theden ungestört seinen Vorsatz zur Ausführung bringen. Er war vom Glück begünstigt. Im Wohnzimmer der Witwe Sander brannte Licht; zu beiden Seiten der weißen Rouleaux befand sich eine beträchtliche Spalte, die von dem Vorgarten aus einen freien Blick in das Innere gestattete. Johann schwang sich mit leichter Mühe über das Gitter und stand im nächsten Augenblick am Fenster, seinen Wunsch erfüllt sehend. Aus Westfalen und Rheinland * Dortmund, 9. Juli. Die Maurer bereiten hier einen Ausstand vor, der durch Arbeitseinstellung an eini gen Bauten bereits begonnen hat. Nach der Tremonia ist es nicht ausgeschlossen, daß die Unternehmer mit einer Aussperrung sämtlicher Bauhandwerker antworten. * Witten, 9. Juli.(Tötlicher Unfall beim Militär.) Ein Kind unserer Stadt, der 21jährige Sohn des Polizeisergeanten Stoer hierselbst, der als Freiwilliger im Feldartillerie=Regiment Wesel dient und sich zurzeit auf dem Truppenübungsplatz in der Senne bei Paderborn befand, machte dort beim Schwimmen den sogenannten Kopfsprung. Infolge des sehr; niedrigen Wasserstandes geriet er auf den Grund und schlug mit solcher Wucht mit dem Kopfe auf, daß er eine schwere Gehirnerschütterung, einen Bruch der Wirbelsäule und eine schlimme Quetschung des Brustkorbes erlitt. Er wurde sofort ins Garnison=Lazarett zu Paderborn geschafft, doch war alle ärztliche Hilfe vergebens. Gestern erhielten die betrübten Eltern die traurige Nachricht, daß ihr Sohn infolge der erlittenen Verletzungen gestorben sei. * Herne, 9. Juli.(Schweres Unglück.) In tiefe Trauer ist die Familie des Fuhrunternehmes Nordsiek versetzt worden. Ihr 27jähriger Sohn, ein durchaus gesunder und starker Mensch, wurde ihr durch einen schweren Unglücksfall plötzlich entrissen. Der junge Mann war mit einem Fuhrwerk unterwegs. Nahe der Zechenbahn bei„König Ludwig“ muß er, so schreibt die „H. Ztg.“, die Gewalt über die Pferde verloren haben, sie scheuten und liefen in den heranfahrenden Zechenzug hinein. Nordsiek wurde herabgeschleudert, überfahren und erlitt einen schweren Beinbruch und erhebliche innere Verletzungen. Auf dem Wege nach dem evangelischen Krankenhause trat bereits der Tod des jungen Mannes ein. * Heerdt, 9. Juli.(Ertrunken.) Vorgestern nachmittag ertrank unterhalb des Heerterloches im Rhein ein junger Mann aus Düsseldorf. Er war mit seinen Kameraden eine Wette eingegangen, daß er über den Rhein schwimme. In der Mitte des Rheines rief er um Hilfe, verschwand aber alsbald vor den Augen seiner Kameraden. M.=Gladbach, 9. Juli.(Gefährlicher Be ruf.) Gestern mittag mußte ein hiesiger Gerichtsvollzieher bei einem Fabrikarbeiter Breuer in Großheide eine Pfändung vornehmen. Als der Beamte das Haus verlassen wollte, verriegelte Breuer die Haustür. Der Gerichtsvollzieher wurde im Hausflur von den Hausbewohnern überfallen und gemißhandelt. Besonders tat sich hierbei die Ehefrau Breuer hervor, die mit einem Stocheisen auf ihn los hieb. Mit einer klaffenden Wunde am Kopfe gelang es dem Gerichtsvollzieher, das Haus zu verlassen und sich zu einem Arzte zu begeben, um sich verbinden zu lassen. Breuer, gegen den ein Haftbefehl erlassen ist, hält sich verborgen. Urteil im Prozeß Terlinden. Duisburg, den 9. Juli. Der Angeklagte Gerhard Terlinden wurde wegen Münzverbrechens,§ 146 des Strafgesetzbuchs(Fälschung von Aktien) zu 6 Jahren Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust verurteilt. 6 Monate wurden auf die Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Der Staatsanwalt hatte 10 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust beantragt. Terlinden erklärte, gegen das Urteil Revision einlegen zu wollen. Der Angeklagte Karl Kosbadt wurde wegen Beihilfe zur Aktienfälschung, Beihilfe zur Benutzung von falschen Stempeln, Beihilfe zur Urkundenfälschung in 2 Fällen und Beihilfe zum Betruge in 16 Fällen zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. 1 Jahr und 11 Monate wurden durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Der Staatsanwalt hatte 8 Jahre Gefängnis beantragt. Kosbadt erklärte, sich die Entscheidung über die Annahme der Strafe vorbehalten zu wollen. Frau Terlinden und Frau Kosbadt wurden nach dem Spruche der Geschworenen freigesprochen. Es war ein hübsches Bild, das sich den Blicken des Spähers bot. Johanns Herz klopfte so stürmisch, daß es ihm war, als höre er dessen Schlag. Zerlina saß am Tisch, ihren Knaben auf dem Schoß haltend. Das Licht einer Lampe fiel voll auf Mutter und Kind und so konnte Johann sehen, daß der Knabe— sein Knabe — sich zu einem gesunden, kräftigen Kinde entwickelt hatte. Damals, als er es zuerst gesehen, hatte er kaum einen Blick für den Kleinen gehabt, jetzt— Seine Fäuste krampften sich zusammen. Ihm kam mit einem Male ein Gefühl, als müsse er mit einem wuchtigen, gegen das Fenster geführten Schlag den heiligen Frieden da drinnen stören — aber damit war nichts geändert. Johann Theden stand noch eine Weile im Anschauen von Mutter und Kind versunken. Es war, als könne er sich von dem Anblick nicht losreißen, und sonderbare Gedanken bestürmten ihn. Wenn es sich nun in der Tat so verhielt, wie ihm neuerdings zu Ohren gekommen war und wie auch der Brief zu bestätigen schien? Wenn Zerlina wirklich eine reiche Erbin war— worauf die Erwähnung„Hunderte von Menschen“ hindeutete, daß Edward Burns Brooke, ihr Großvater, eine Menge Leute beschäftigt hatte. Mißgestimmt trat Johann Theden den Heimweg an. Es war lange nach 10 Uhr. Er fand seine junge Frau seiner wartend. Grete hatte geweint. „Warum bist Du nicht zu Bett gegangen?“ fragte er mit schlecht verhehltem Aerger. „Du wolltest doch wiederkommen,“ entgegnete sie mit leisem Vorwurf. „Das Aufbleiben, wenn ich nicht da bin, solltest Du lieber nicht anfangen, Grete. Das soll zwischen jungen Eheleuten immer den ersten Streit bringen. Und dem wollen wir doch aus dem Wege zu gehen suchen. Meinst Du nicht auch?“ Während des Sprechens hatte Johann seinen Ton sehr geändert. Begann er verdrießlich, so war der letzte Teil seiner Worte durchaus freundlich gesprochen und wirkte beruhigend auf die junge Frau. Bei Terlinden hat das Gericht die Höhe des entstandenen Schadens als strafschärfend erachtet und ausgesprochen, daß er bei Begehung der Straftaten eine ehrlose Gesinnung an den Tag gelegt habe. Bei Kosbadt wurde der Umstand, daß er vom Tage seiner Inhaftierung geständig gewesen ist, als strafmildernd berücksichtigt. Briefkasten. H. K. in Schwerte. Leider können wir Ihnen über das Programm des landwirtschaftlichen Festes am„Freischütz" nichts mitteilen, da wir auch weiter nichts wissen, als die kurzen gedrungenen Mitteilungen, die wir gelegentlich veröffentlicht haben. Aber nicht wir allein, sondern die sämtlichen Redaktionen in Schwerte, Hörde usw. sind recht stiefmütterlich behandelt worden. Wir haben weder ein Programm, noch sonst irgend etwas auf das Fest und die Ausstellung bezügliche erhalten und tappen ebenso im Dunkeln wie Sie. Soviel wir wissen, sind auch keine Anzeigen veröffentlicht worden. Allerdings hieß es am 16. Juni in einer Voranzeige des„Landwirtsch. Kreisvereins":„Alle übrigen Festveranstaltungen werden später bekannt gegeben!“ Wir haben aber später in keiner Zeitung wieder ein diesbezügliches Inserat gesehen. Vielleicht sehen Sie sich die in manchen Wirtschaften aushängenden Plakate einmal an, ob Sie dort etwas Näheres finden. Besten Gruß. Vermischtes. f(Folgende heitere Wahlepisode) teilt der „Frankfurter General=Anzeiger“ mit: Ein Wahlkommissar aus einem Innenstadtbezirk erzählt, wie einer seiner Bekannten, ein Schneidermeister, zur Wahl kam.„Gun Dach, meine Hänn. Ich wähl de Doktor Heyder!"—„Ei, des wolle mir ja gar net wisse, wähle Se doch, wen Se wolle,“ entgegnete man dem Wähler, der seinerseits gekränkt erwiderte:„Ich wähl en awwer doch!"— „No, ja, s’ is ja schon gut, da nemme Se Ihr Kuvert und duhn Se hinner dere Wand Ihren Zettel einei!"—„Is all' net nötig, sagte der kundige Wähler,„des hawwe mir all schon besorgt" und griff in seine Rocktasche, von wo er ein Geschäftskuvert hervorholte, in welches er seinen Wahlzettel bereits verpackt hatte. Mit Mühe machte man dem Herrn klar, wie die Sache zu machen sei, und schließlich fügte er sich dann. Aber am Abend war sein Zettel leider nicht giltig, denn es stand darauf zu lesen:„Dr. med. Heyder, gewählt von Herrn Schneidermeister X. Y. f(Ein ärgerlicher Regenmacher.) Der australische Doktor, der auf Staatskosten nach dem Brokenhilldistrikt geschickt wurde, um dort vermittels chemischer Dämpfe Regen herbeizuführen, hat seine Versuche als resultatlos aufgegeben. Es wirkt geradezu komisch, daß er jetzt erklärt, die Wetterverhältnisse wären für seine Versuche zu ungünstig gewesen. Eine englische Zeitung bemerkt dazu mit Recht, daß man Zauberer, die bei feuchtem Wetter Regen machen könnten, absolut nicht nötig habe. f(Wohin der Schnapsteufel) einen früher ordentlichen Menschen führen kann, bewies eine Verhandlung vor dem Berliner Schwurgericht. Angeklagt war ein Möbelpolier des versuchten Mordes an seiner Frau und seiner Tochter. Einst ein Musterarbeiter, wurde er zum Trinker, als er verunglückte; das Invalidengeld setzte er in Schnaps um und die Folge waren heftige Auftritte zu Hause. Eines Tages kaufte er einen Revolver und schoß damit auf seine Frau, ohne indes zu treffen, während ein vierter Schuß die Tochter, welche die Mutter decken wollte, lebensgefährlich verwundete. Der Angeklagte bestritt, die Tat mit Ueberlegung ausgeführt zu haben, vielmehr hätte er den Vorsatz gehabt, sich selbst zu erschießen. Die Geschworenen erkannten nur auf Schuldig der schweren Körperverletzung, so daß das Urteil gelinde auf 3 Jahre 6 Monate Gefängnis lautete. *(Ueber einen folgenschweren Irrtum) bei einem Nachtmanöver wird dem Wiener Fremdenblatt gemeldet: Während einer Nachtübung des in Steyr stationierten Jägerbataillons gab ein von einer Patrouille bei einem Bauernhause in Autenberg, Gemeinde Sierning aufgestellter Posten auf den Nachtwächter in Sierning, der die Runde machte, einen blinden Schuß ab. Einbrecher im Bauernhause vermutend, holte der Nachtwächter den Polizeidiener Woertner herbei, der, als ihm der Eintritt ins Bauernhaus verweigert wurde, mit dem Säbel gegen die Tür schlug, sodaß der Säbel abbrach, worauf er, da im Innern des Hauses drei Schüsse gefallen sein sollen, zwei Gendarmen holte, die kurz vor 1 Uhr in Autenberg anlangten. Da auf den Haltruf der Feldwache keine Antwort erfolgte, gab die Feldwache auf die Gendarmen einen blinden Schuß ab, worauf diese auf die vermeintlichen Einbrecher acht scharfe Schüsse abgaben, wodurch der Unterjäger Ignaz Seifenbacher aus Weidhofen an der Ybbs lebensgefährlich, der Jäger Ignaz Sauer aus Waidhofen an der Thaya an beiden Oberschenkeln schwer verwundet wurde. Nur der Geistesgegenwart des Einjährig=Freiwilligen Unterjägers Marschhofer, welcher schrie:„Nieder, die schießen ja scharf!“ ist es zu danken, daß nicht sämtliche sieben Mann der Feldwache erschossen wurden. „Ja, Johann, ich will nicht wieder aufbleiben, wenn Du es nicht willst. Ich sitze aber gern und warte auf Dich.“ Kaum fünf Wochen nach seiner Hochzeit mit Grete Brauns erzählte man sich offen, daß Thes ii von neuem hinter Zerlina her sei und man ihn finden könne, wo sie in der Nähe weile. Es handelte sich nicht umein bloßes Gerücht, sondern um eine Tatsache. Je unnahbarer Zerlina sich ihrem ehemaligen Gatten gegenüber verhielt, desto hartnäckiger verfolgte er sie. Wo sie ging und stand, sah sie sich von ihm begleitet, und weder ihre sichtlich zur Schau getragene Gleichgiltigkeit noch die verachtungsvollen Blicke, mit denen sie an ihm vorüberschritt, waren imstande, ihn zu verscheuchen. Die junge Frau Theden ahnte nichts von dem Schlage, der ihrem Glücke drohte, so wenig sie sich auch durch das ihr zu teil gewordene befriedigt fühlte. Ihre besten Absichten, durch Liebe und Geduld die Fehler ihres Gatten zu beseitigen, scheiterten an seinem Jähzorn und seiner Roheit, die sie in kurzer Zeit eingeschüchtert hatten. Sie fand kaum noch den Mut zu einem versöhnlichen und beruhigenden Wort, das selten von Wirkung war. Sie ging Johann aus dem Wege, wenn er„schlechte Laune“ hatte, wie sie sich jetzt oft, und besonders in den letzten beiden Wochen, bei ihm bemerkbar machte. Durch diese Vorsicht reizte sie ihn indessen nur noch mehr. Obwohl er niemals Veranlassung zur Unzufriedenheit hatte, indem sie allen seinen Wünschen zuvorzukommen suchte, gelang es ihr doch nicht, ihn freundlich gegen sie zu stimmen. Trotzdem fühlte sich die junge Frau nicht unglücklich. Sie liebte ihren Gatten mit einer Zärtlichkeit, wie nur eine so herbe und doch hingebende Natur zu lieben vermochte. Sie glaubte an einen edlen Kern in einer rauhen Schale. Es war ihm vollkommen gelungen, sie von dem Unglück zu überzeugen, in das eine unwürdige Zuneigung ihn gestürzt hatte; nicht der leiseste Zweifel an der Zuverlässigkeit seines Charakters war in ihr zurückgeblieben. Johann Theden hatte dem unerfahrenen Mädchen gegenüber seine Rolle meisterhaft gespielt. A(Fortsetzung folgt.) Eigener Depeschendienft IId Berlin, 10. Juli. Ein Antrag des in Kiel zu 2 Jahren 7 Tagen Festung verurteilten Fähnrichs zur See Hüssener auf Haftentlassung wurde abgelehnt.— Der junge Mann besitzt eine imponierende Dreistigkeit. Hd Elberfeld, 10. Juli. Das Schwurgericht verurteilte den Gattenmörder von der Schulenburg zu 17 Jahren Zuchthaus wegen Totschlags Hd Hannover, 10. Juli. Der Schlosser Schrader, welcher seinerzeit die unverehelichte Brunschild auf offener Straße niedergestochen hatte, wurde heute wegen Totschlages zu 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Chrverlust verurteilt. II4 Paris, 10. Juli. Bei einer gestern bei dem Anarchisten Permiggiani vorgenommenen Haussuchung wurden im Geldschrank Juwelen von großem Werte, und ferner eine Summe von über 100 000 Frks. in Banknoten und Gold vorgefunden. Bekanntlich wurden bereits bei einer früheren Haussuchung für über 1 Million Juwelen und sonstige Wertgegenstände beschlagnahmt. In Gerichtskreisen wird versichert, daß die Angelegenheit sensationelle Vorkomnisse zu Tage födern werde. Hd. Budapest, 10 Juli. Zwischen streikenden Erdarbeitern und Gendarmerie kam es in Egerly zu einem heftigen Zusammenstoße. Die Gendarmen machten von der Schußwafse Gebrauch. 6 Arbeiter wurden getötet. Hd Rom, 10. Juli. Nachmittags verschlimmerte sich das Befinden des wieder, er spukte viermal Blut, worauf sofort die Aerzte an das Krankenlager telephonisch zurückgerufen wurden. Die Aerzte wollten wieder Wasser aus der Brust lassen, mußten es aber wegen Erschöpfung des Patienten aufgeben. Der Papst siel kreidebleich zurück und rang nach Luft; hätte man ihm nicht Kognak und starken Wein eingeflößt, wäre der Tod schon eingetreten. Nach Aussage der Aerzte ist der Papst an der Grenze seines Widerstandes angelangt. Trotzdem hatte er sich gegen 8 Uhr wieder soweit erholt, daß er mit mehreren Kardiuälen sprechen konnte. Wetterbericht. 12. Juli: Ziemlich kühl, wolkig, vielfach sonnig, strichweise Gewitter. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. für alte deutsche Feuer=VersicherungsGesellschaft mit gleichzeitiger Uebertragung guter Hypothekenbank=Agentur. Offerten unter A. E. an die Geschäftsstelle d. Bl. 10 Millionen Mark bar betragen die Gesamtgewinne der staatlich garantierten neuesten Gerpen Geld Vollkrir. Hauptgewinne: Mark 500000, 300000, 200000, 100000, 80000, 70000, 60000 u. s. w. ber- Jedes zweite Los gewinnt. Erste Ziehung am 20., 21. und 22. Juli 1903. Original=Lose inkl. Deutscher Reichsstempelsteuer empfehle zum Planpreise 1/8 Mk. 3.00, ¼ Mk. 6.00, ½ Mk. 12.00, ½ Mk. 24.00. Prospekte, aus welchen alles Nähere ersichtlich, versende auf Wunsch im Voraus gratis. August Ahlers, Braunschweig. Gottesdienste Schwerte. Größere evangelische Gemeinde. Sonntag, 12. Juli 1903. Vormittags 8 Uhr: Frühgottesdienst. Pastor Wischnath. Vormittags ½10 Uhr: Hauptgottesdienst. Pastor Heinenberg. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Heinenberg Reformierte Kirche. Sonntag, den 12. Juli 1908. Vormittags ½10 Uhr: Predigt. Pastor Terberger. Ev. Stadtmission Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag, 12. Juli 1903. Vormittags 7¼ Uhr: Blaukreuzgebetstunde. Nachmitttags 5 Uhr: Bibelstunde. Abends 8 Uhr: Jünglingsverein. Gottesdienstordnung der kath. Pfarrkirche. Sonntag, den 12. Juli 1903. 6. Sonntag n. Pfingsten. Vormittags: 6½ Uhr: Stille hl. Messe. Pfarrer Schnurbns. 7½ Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. 7¾ Uhr: Stille hl Messe mit Predigt. Kaplan Rieke. 10 Uhr: Hochamt. Nachmittags: 2 Uhr: Andacht. 8 Uhr: Marien=Verein. Westhofen. Sonntag, den 12. Juli 1903. Vorm. 9½ Uhr: Predigtgottesdienst Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Pastor Falkenberg. 0 Kavallerie=Verein Schwerte. Sonntag, den 12. Juli, abends 8½ Uhr: Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Sterbekassenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Zwangsverkauf. Am Samstag, 11. Juli, vormittags 9½ Uhr anfangend, werde ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Bilder, 1 Kleiderschrank, 11 Sischle, 1 Füllosen, 1 Schreibtisch, 1 schrauk, 1Leinenschrank, 1 Regulgtor, 1 Kronleuchter, 1 Sopha, 1 Ver. 1 Spiegel mit Konsole, 3 Buchsen Lacke, 1 Schützenrock, 1 Gewehr, 1 Partie Kleidungsstücke, Wäsche gegen bar versteigern. Der Verkauf findet bestimmt stalt. Schwerte, den 9. Juli 1903. Morgenroth, Gerichisvollzieher. Warenhaus N. Lion& Coni Nicolaistrasse 6, DORTMUND. Balkenstr. 36—38, beim Bezirks-Kommando. Bekannt als veelles Verkaufshaus. Grösstes Geschäft dieser Art in Westfalen, empfiehlt zu billigen Preisen: Auswahl ca. 1000 Stück Knaben- und Kinder-Anzüge, Arbeiter-Garderobe, Schuhwaren, Hüte, Herren-Wäsche, Kravatten, Regenschirme. Krieger-Verein Schwerte. Sonntag, den 12. Juli 1903, abends 8 Uhr: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Berichterstattung über den Verbandstag in Witten. 4. Besprechung über Aufführung der Kriegs=Festspiele. 5. Austeilung der neuen Satzungen. 6. Verschiedenes Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Bekanntmachung. 80 hem Bieidlealeg, euntbücheniur Satnseut MIam un fa k turwaren Angebotsformulare und Bedingungen liegen auf Stadtbauamt zur Einsicht offen und können daselbst zu und mit entsprechender Auschrift versechene bsevten Sonnabend, den 18. Juli mittags 12 Uhr, ebendaselbst einzureichen. Schwerte, den 4. Juli 1903. StaatsEisenbahn-Verein Schwerte.(E. V.) Sonntag, den 12. Juli d. J., nachmittags 4½ Uhr, im Stadtkeller: JahresGeneral-Versammlung. Auf§ 5 der Satzungen wird hingewiesen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Der Landvirt Heinrich Hohenschwert zu Holzen ist als SchiedsmannsStellvertreter für den Schiedsmanns=Bezirk Gemeinde Holzen an Stelle des verstorbenen Lehrers August Wiebecke für die Amtsdauer von drei Jahren bestellt und vereidigt. Schwerte, 7. Juli 1903. Königliches Amtsgericht. Offeriere Pökelsleisch und gekochten Schinken. Fr. Nehring. Sa. R2ec-Motel halb= u. MACSPGTTS habe ich weit unter Herstellungspreis erworben und verkaufe, so lange Vorrat reicht: 6 Meter(1 Kleid) prima halb= und reinwollener nur Mk. 6 Meter(1 Kleid) prima reinwollener In der glänzen alle Messinggegenstände am schönsten, wenn dieselben mit Metallputz„Muzzi“ geputzt werden. Sobr ,gtacans elnr. nur Mk. Diese Ware hat einen Wert von 7 bis 10 Mk. für 6 Meter. 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