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Amtüches Kreisbichl

frden Kreis Berck!

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Aiüle Kreick= und Lololpoltgrlichen Verorduungen zür den Pres börde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung"

verbindliche Kratt. 1

Adonnementährric vro Suartal 1 Mank 15 Jtg. 1rc.

42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“

Nr. 123

Preßstimmen zum Hüssener.

Nachdem wir gestern im Anschluß an den Verhand­

lungsbericht, den wir zum

Hüssener seitens der„Nationalzeitung“ mitteilten, lassen

Die„Deutsche Tagessetursezg, pistgetz re ge hgoben im

als gerecht zu bezeichnen und es it damit den algeneigen

Rechtsbewußtsein Genüge geschehen, wenn auch dus hn.

sein aufbrausendes, jedem Eindruck zugängliches Tempera­ment ihn zu allem anderen eher als zu einem militärisch

rogse eMat- Jta; beschäftigt sich nochmals mit dem

Prozeß Hüssener. Der Artikel schließt, wie folgt: Der

die Gewähr dafür, daß er ein Einzelfall bleibt und nicht

Nach dieser Richtung, die militärische Erziehung scharf zu kontrollieren und dafür zu sorgen, daß die an sich richtige Instruktion auch in ihrem richtigen Geiste in die jungen Leute übergehe, ist Aufgabe der Marineverwaltung, di sich, wie wir überzeugt sein dürfen, dem Eindruck des Kie­

ler Prozesses nicht entziehen wird.“

Das„Berl. Tagebl.“ erkennt an, daß die Marine­Verwaltung durch das Urteil keinen Zweifel gelassen habe, daß Hüssener sich schwer gegen Gesetz und Disziplin ver­

gangen hat, und das alles geschehen ist, um dem Volle E legenheit zu geben, sich selbst eine Meinung. J.

Das Blatt wirft dann die Frage auf, ob es wirklich ange­zeigt war, einen so zweifelhaften Karakter wie Hüssener übersaupt zu behalten, 128 stehe Her, Eindruck nicht lgs.

verschaffen müsse, daß er auch richtig verstanden sei. Un­ter allen Umständen sei der Gebrauch der Waffe Fliehende gesetzwidrig und auch ritterlichem Gefühle nicht entsprechend. Hüssener sei in Schuld und Unglück geführt worden durch eine unrichtige Auffassung seiner Pflichten und ein exaltiertes Ehrgefühl, das sich keinesfalls mit dem wahren Ehrgefühl des Soldatenstandes decke. Die„Berl. Neuest. Nachr.“ betonen, der Prozeß habe nur bestätigt, daß eine Generalisierung des Falles Hüssener, die Ver­dammung des ganzen Systems, unzulässig ger. Leute wie Hüssener würden kunftig wohl fruher aus der Offizierlauf­bahn ausgeschlossen werden. Im ähnlichen Sinne spreche sich die„Post“ und die„Deutsche Landeszeitung“ aus.

Die„Volks=Zeitung“ ist der Ansicht, daß das urteil den

e. en uu S.

brutale Verachtung der

Ehrenempfindungen zu Tage getreten, daß seine Schi durch einen Regen von Milderungsgründen nicht hinweg­

dlich die Vert. Jig, geset, werde vesch be

zweifelt werden, daß dus Str#fmaß der Tat entspricht.

Schon zur Abkühlung geistesverwandter junger Herren

im bunten Rock wäre eine härtere Strafe am Platze ge­wesen. Unser Militarismus sei sicherlich nicht frei von Schuld in diesem Falle und die militärischen Ehrbegriffe und Pflichtgesetze erforderten dringend eine Umformung die solche empörenden Erscheinungen wie die Hüssener'sche Bluttat möglichst verhindere.

Politische Uebersicht.

Deutschland.

— Der Kaiser, der am Dienstag abend in Danzig

dem Stapellauf des Linienschiffes„Elsaß" beiwohnte, nahm am Mittwoch die Parade über die Potsdamer Gar­nison ab. Die Parade sollte ursprünglich um 9 Uhr statt­finden, wurde aber vorläufig verschoben, da der Monarch erst gegen 8 Uhr morgens heimgekehrt war. In der zehn­ten Stunde überbrachte dann ein kaiserlicher Adjutant de Befehl zum Ausrücken der Truppen und mit schmetternden e iu behaten, Es siche fet, boh Husenrg, Ig. Fansaren gung es nach dem Lustgarten, Der Kaiseg,. der

daßer bié zuceinen gevisen Grade in gutem Glau. die Unsorm der Gardes du Corzs mitzhrarzsenz.

und das Orangeband des Schwarzen Adlerorvens teug, ritt die Fronten ab und befahl hierauf einen zweimaligen Vorbeimarsch. Als die Gardes du Corps antraten, sprengte Se. Majestät mit gezogenem Pallasch an die Spitze und führte das Regiment seiner Gemahlin vor, die

marsch war Kronprinz Wihelm im 1. Gardereginent ein­

ben gehandelt hat. Die Worte:„Wenn ich die Waffe ziehe, muß Blut fließen!“ klängen echt. Wenn Hüssener diesel­ben tatsächlich nicht gebraucht hat, so habe er doch danach

Jr der.-Se he ge.

und es könne daher wohl darauf, higgepiesen, perden, daß der Instruktionsgffizer hug moglicht die deverzengun.

den bayrischen Ministerzicährnegn e##heils, die beide

auch an der Festtafel teilnuhmen, evense wie Herzog Al­recht von Viu, gchleszwpig Hostein, Prinz Heinrich P FX. Prinz Albert zu Schleswig=Holstein, Prinz Heinri, XXX. Reuß, Generaloberst v. Hahnke, General v. Kessel u. a.

— An der Gefechtsübung des Gardekorps nahmen sämtliche kommandierende Generale und Inspekteure teil, mit Ausnahme des unpäßlichen Prinzregenten von Braun­schweig. Der Kaiser speist am heutigen Donnerstag mit den Offizieren der 2.Garde=Infanterie-Brigade und wohnt dann dem Zapfenstreich bei. Am Freitag steht das Korps unter dem Befehl des Kaisers, wahrend Prinz Friedrich Leopold von Preußen den markierten Gegner befehligt.

— Das Kriegsgericht in Mannheim verhandelte ges­tern gegen den Grenadier Walz aus Mannheim wegen Körperverletzung mit tötlichem Ausgange. Walz soll in der

Nacht vom ersten zum zweiten

Max Berger aus Mannheim außer verschiedenen Verletz­ungen am Kopfe auch einen Stich mit seinem Seitenge­wehr in den Unterleib beigebracht haben, welch letztere den Tod Bergers zur Folge hatte. Walz bestritz, Berger gestochen zu haben, gab indessen zu, infolge wieberholter Angriffe seitens des letzteren mit seinem Seitengewehr ge­schlagen zu haben. Der Vertreter der Anklage ließ selbst die Anklage wegen des tötlichen Stichs fallen, da Berger auch selbst in das Seitengewehr gerannt sein könne und beantragte nur Bestrafung wegen Mißbrauchs der Dienst­waffe. Der Verteidiger des Angeklagten plaidierte auf Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte vemgemäß. Das Urteil wurde vom Publikum mit Beifall aufgenommen.

— Der Kandidat der Polen für den Reichstagswahl­kreis Thorn=Kulm=Briesen, Chefredakteur Brekski, wurve, da er der Aufforderung zum Antritt einer wegen Beleidig­ung auferlegten zweimonatlichen Gefängnisstrafe nicht nachgekommen war, verhaftet und, wie aus Thorn gemel­det wird, dem Amtsgerichtsgefängnis zu Golleb zur Ver­büßung der Strafe zugefuhrt. Bretski war im Begriff,

e Die Wer hat die meisten Orden? Die Frage, wer von den preußischen Würdenträgern die meisten Orden hat, ist nicht ohne Interesse. Graf Bülow ist noch nicht der mit Orden am meisten besäete Beamte, obgleich er sich im­merhin schon mit 53 Orden schmücken kann. 3 Orden mehr hat der Generaloberst von Hahnke, er wird aber von dem Grafen Eulenburg(Oberhofmarschall), der in der Armee den Karakter eines Generalleutnants hat, um 12 Orden geschlagen. Der Chef des Militärkabinetts Graf Hülsen=Häseler hat bald 50 Orden und kann vielleicht den höchsten Rekord erreichen. Den Feldmarschall Grafen Waldersee und den Generaloberst Freiherrn v. Loé zieren 40 resp. 34 Orden; es ist selbstverständlich, daß, die, Begirt ian wesche steckt un den Kaster fnh,(her fthck.

Quäle, quäle, Liebe Seele,

Dich nicht länger.

Eng und enger gn u i

Füllt die Welt mit Rosen sich; Harre nur ein Weilchen,

Und es blüh'n die Veilchen Auch um Dich.

Wilh. Waetzoldt.

Eine Geldheirat.

Roman von L. Haidheim.

(53. Fortsetzung.)

Hans hatte solche als Regierungsrat bearbeitet, als

Schwiegersohn Wolzins sehr viel von diesem und in seinem Kreise darüber gehört und unbewußt gelernt. Jeyr, der langen geistigen Oede, in der er gelebt, war's plötzlich, als ob dies Gelernte sich in ihm fortentwickelt hätte. Das Gespräch erweiterte sich, denn der Herr, wel­cher bis vor kurzem geschlafen, beteiligte sich eifrig daran, interessante Punkte wurden berührt, Hans entwickelte, dank Wolzins häufiger Erörterungen über solche Angele­genheiten, eine genaue Kenntnis, die ihn selbst erstaunte und da der dritte Herr offenbar ein routinierter Fachmann war, so gerieten sie in einen stundenlangen lebhaften Ge­dankenaustausch.

Beinahe erschrocken sahen sie plötzlich, daß sich der Himmel im Osten rötete.„Jetzt schnell noch ein Stündchen schlafen— der morgende Tag will auch sein Recht,“ mahnte Graf Tassenhofen und jeder drückte sich in seine

Wagenecke.

Hans konnte nicht schlafen. Er hielt die Augen still auf die langsam sich entwickelnde Morgenröte gerichtet: sollte sie ihm als gutes Omen gelten?

Jetzt mußte er umsteigen. Seine Reisegefährten schlie­fen fest— er verließ sie ohne Abschied.

Und dann kam er bei grellem Mittagslicht in seinem Städtchen an, das ihm in dieser Beleuchtung herzbeklem­mend nüchtern und weltvergessen erschien. Alles so klein­lich, so um hundert Jahre zurück. Aber wie froh waren re und Hilde damals gewesen, daß sich ihnen dieser Unter­schlupf bot! Mit einigen alt gekauften, hübschen Möbel­stücken, die den Kleinstädtern sehr elegant vorkamen, zo­gen sie damals ein und am ersten Abend rechneten sie mit tiefster Sorge ihren Geldvorrat zusammen, der höchstens noch für ein paar Wochen reichte. A5 11

Am anderen Tage machte der neue Burgermeister heimlich ein Päckchen zurecht und brachte es selbst zur Post— seine Frau ahnte nichts.

Ebenso tat die Frau Bürgermeisterin, ihr Mann

— Dem Geldbriefträger imponierte es aber gewaltig, daß er zweimal in den nächsten acht Tagen den neuen Bür­germeisters nicht unbeträchtliche Summen bringen mußte.

Mann und Frau aber lagen sich lachend und weinend in den Armen; er hatte seine sehr wertvolle Uhr und die schwere Kette verkauft, sie das Armband mit der Diamant­rosette— beides Geschenke von Wolzin.

Das alles ging dem heimkehrenden Hausherrn durch den Sinn, als er die einsamen Zimmer seines Häuschens durchschritt. Es war alles so tot, so leer ohne Hilde. Die Aufwärterin hockte in der Kuche und sah ihn dumm und ängstlich an. Nein, er hielt es nicht aus, er befahl der Al­ten, ihm die Zimmer behaglich zu machen und ging ins

Hotel um dort zu besen.„ Gastzimmer, die

O, und dort! Das einsame## Die neugie­

rige Wirtin, die ihm, während er aß, allerlei Stadtneuig­keiten verkündete. Nein, da hielt er's noch weniger aus. Großer Gott! Und wenn nicht ein Wunder geschah,

so mußten sie hier wer weiß wie lange noch— vielleicht das halbe Leben bleiben!

Gott sei Dank, daß Hilde wenigstens in den Bergen

1 So begann das Strohwitwerleben! Es war fast un­erträglich, die Tage schlichen ihm in bleierner Schwere hin. Wohl kamen der Doktor, der Forstmeister, der Amts­richter ihn zum Skat abzuholen, wohl waren die nächsten Mittage im Hotel mit dem Assessor und dem Oberlehrer

Nun, man gewöhnt sich, man horcht sogar nach und nach auf den kleinen Stadtklatsch.

Da eröffnete sich dem melancholischen Manne auf einmal ein ganz unerwarteter Quell geistiger Belebung. Graf Tassenhofen schrieb ihm und bat um sein Urteil ir einer Sache, welche die zu gründende Bank betraf; es hat­ten sich unter den Interessenten Meinungsverschiedenheiten

Mit umgehender Post sandte Hans eine lange aus­führliche Darlegung seiner Auffassung des Falles an den Grafen, und darauf begann eine für Hans außerordentlich anregende Korrespondenz, die ihn zu eifrigen juristischen

Graf Tassenhofens Dankbarkeit kannte keine Gren­zen.„Du hast keine Idee, wie schön ich mich mit den er­borgten Federn ausnehme. Ich habe zwar ehrlich be­kannt, daß ich mir die Meinung eines Freundes zu nutze mache, im Grunde denken aber alle meine Standesgenos­sen:„Ist der Tassenhofen ein bescheidener Kerl! Hat sich nie merken lassen, was für ein Licht in ihm steckt!“

Einmal erwähnte der Graf auch:„Ich soll Dich von

unserem damaligen Reisegefährten grüßen; er ist als Schiedsrichter hier gewesen— ist erster Direktor der H.'­

schen Vonk.(Fortsetzung folgt.)