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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" recht verböndtiche straft.

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Familienfreund.“

Nr. 115

Politische Uebersicht.

Deutschland.

— Das Kaiserpaar reist am Dienstag abend von Urville nach Potsdam zurück. Am Sonnabend begab der Kaiser sich nach Metz und besichtigte das Königsregiment auf dem Uebungsplatz Frescaty, worauf ein Vorheimarsch der inzwischen allarmierten gesamten Garnison stathanr. An der Spitze der Fahnen kehrte der Monarch, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, in die Stadt zurück, um im Kreise der Offiziere zu frühstücken. Vor der Rückfahrt nach Schloß Urville besuchte der Kaiser den kranken Ge­neralobersten Grafen Häseler, die alte Templerkapelle und das römische Amphitheater. Auch die Kaiserin war nach Metz gekommen; sie machte Besuche in einer Anstalt zur Pflege armer Mütter und in einer Haushaltungsschule.

— Kronprinz Wilhelm benutzt, wie Potsdamer Blätter berichten, fast täglich die dienstfreie Zeit, um sich im dortigen Lustgarten im sogenannten Tandemfahren mit einem Zweispänner zu üben. Das Gefährt ist mit zwei hintereinander laufende Braunen bespannt.

— Der Nachfolger Häselers. Es wird bestätigt, daß

der Gouverneur von Metz, Generalleutnant Stötzer, zum kommandierenden General des XVI. Armee=Korps an Stelle des Grafen Häseler designiert ist. Im allgemeinen werden zu Gouverneuren und Kommandanten ernannte Generäle nicht wieder mit Kommandos in der Armee be­auftragt; die Stellen in Metz und Straßburg machen hier­bei jedoch eine Ausnahme, wie denn auch bereits früher der Gauverneur von Straßburg, General v. d. Burg, spä­ter das II. Korps erhielt.

— Die Ernennung des Generalleutnants von Einem

zum Stellvertreter des auf drei Monate beurlaubten Kriegsministers v. Goßler ist nunmehr amtlich kund­gegeben, gleichzeitig ist die Genehmigung des Abschieds­jesuchs des Generalleutnants von Villbaum amtlich be­kannt gemacht worden. Herr von Einem ist also nunmehr der rangälteste Offizier im Kriegsministerium und seine Ernennung zum Minister nach Ablauf des dreimonatigen Urlatbs des Herrn v. Goßler ist so sicher, wie menschliche (Dinge im voraus überhaupt nur als sicher bezeichnet wer­den können.

— Der Kölner Erzbischof D. Fischer sonl, wie die

„Köln. Volksztg. bestätigt, im nächsten Konsistorium zum Kardinal ernannt werden.

— Der weitere Fortgang der Wahlbewegung bestärkt

die„Nordd. Allg. Ztg.“ in der Besorgnis, daß die Sozial­demokratie aus der bevorstehenden Wahl zum Feichstage mit großen Erfolgen hervorgehen werde. Die daß in letzter Stunde doch noch bei den bürgerlichen#ur teien die Erkenntnis energisch zum Durchbruch gelangen

werde, daß es notwendig sei, gegenüber einer alle Par­teien in gleicher Weise bedrohenden Gefahr die Reihen zu schließen und eine feste Kampffront zu bilden, scheine mehr und mehr zu schwinden. Selbst in Wahlkreisen, in welchen die Einigung der bürgerlichen Parteien als gesichert ange­sehen wurde, geht jetzt der Zusammenhalt in die Brüche. Die Parteipolitik im schlimmsten Sinne des Worte. do­miniere, und das Demagogentum nehme überhand. Auch bei den Stichwahlen wird es kaum noch möglich sein, die begangenen Fehler wieder gut zu machen.

— Der Chef des kaiserlichen Militärkabinetts Ge­neral Graf Hülsen=Häseler erlitt einen Schlaganfall, und zwar während der Parade über die Metzer Garnison. In­zwischen soll sich sein Befinden gebessert haben.

— Auf der Generalversammlung des deutschen Zen­

tralkomitees zur Errichtung von Heilstätten für Lungen­kranke am Sonnabend in Berlin hielt Staatssekretär Graf Posadowsky eine Rede, in der er betonte, daß das große Werk wieder wesentliche Fortschritte gemacht habe.

Mit der Bevölkerung wachse aber auch die Aufgabe. Ar der Ausbreitung der Schwindsucht hätten nicht zuletzt

auch die mangelhaften Wohnungsverhältnisse. Schuld. Die Gemeinden sollten Grund und Boden in der ungev­ung der Städte erwerben und gegen billigen Erbbauzins abgeben. Der Staatssekretär hoffte, daß wir das große Uebel im Laufe der Jahrzehnte ebenso überwinden wer­den, wie die Seuchen des Mittelalters.

— Das sogenannte Wreschener Komitee, dessen Mit­

glieder wegen Begünstigung der Flucht mehrerer Ange­klagten im Wreschener Schulprozeß angeklagt sind, lö sich nach einer Meldung aus Posen auf und sandte die Gelder, gegen 200000 Mk., nach Krakau. Dort bildete sich ein neues Komitee.

—„Der Junge ist gut!“. Im anhaltischen Landlage spielte sich laut„Bernb. Ztg. folgende Episode ab: Abg. Dr. Cohn(Freisinn).... Jemand, der eine Mi hat, kann nach meiner Ansicht ganz ruhig 500000 Mr. für die Allgemeinheit abgeben, dann behält er immer noch genug, um üppig zu leben, wie es einem solchen Manne zusteht.— Abg. Päus(Sozialdemokrat)... Nun,

meine Herren, habe ich mich aber insbesondere über die ungemeine Entwicklung des Herrn Abg. Dr. Cohn gefreut. Er hat schon jetzt Forderungen aufgestellt, die man ge­wöhnlich nur in sozialdemokratischen Bezchamrzhgggg hört. Denn, wenn man von einer Million schen eer 000 Mk. hergeben soll, so lasse ich mir das gefallen. Dann werden ihm unsere Parteigenossen zujubeln:„Der Junge ist gut!“(Andauernde Heiterkeit.)

Balkan.

= Gegen die Albanesen. Während die bulgarischen Banden in Mazedonien ihre Kraft verpufft haben und die

Demission des Kabinetts in Sofia wohl als der Schlußakt dieses Trauerspiels angesehen werden kann, halten die Albanesen ihren Widerstand gegen die Pforte aufrecht. Gegen die Albanesen, deren Blutrache die Türkei ebenso fürchtet wie sie deren Treue schätzt, ist die Pforte bisher mit großer Nachsicht vorgegangen, wozu allerdings au der Mangel an Kasse zur Bestreitung einer ausreichenden Expedition hinzukam; jetzt aber soll auch gegen die Alba­nesen grnst gemacht werden. Der Vormarsch, gegen die Stadt Ipek wurde von einer sehr starten kltischen Streit­macht von zwei Seiten her unternommen, so daß das Schicksal der Stadt von vornherein besiegelt war. Die Erfolge der Türken vor Ipek sollen die Albanesen übri­gens bereits zur Aufgabe ihres Widerstandes gegen die Reformen bewegt haben.

Portugal.

= Die Königin Donna Amelia, die sich augenblicklich in Paris befindet, hat sich geweigert, den ihr angekün­digten Besuch des Präsidenten Loubet zu empfangen. Sie ist bekanntlich die Schwester des Herzogs von Orleans und gilt als die stärkste Stütze der klerikalen Partei Por­tugals; darin sucht man den Grund ihres Verhaltens. Die Weigerung ist natürlich in möglichst höflicher Form ge­schehen, sie erregt aber dennoch den Unwillen der Liberalen Portugals. Besonders auffällig ist es, daß das halbamt­liche Blatt„Novidades“ erklärt hat, daß die Königin nicht mehr eine Prinzessin von Orleans, sondern die Königin von Portugal ist und daß, wenn sie den Präsidenten nicht empfangen wollte, sie lieber hätte zu Hause bleiben sollen.

Lokales.

Schwerte, 18. Mai. 1903.

**(Kirchenchronik.) Aus der Geschichte der größe­ren evangelischen Gemeinde in Schwerte finden sich in der Chronik“ folgende interessante Angaben:„Zur Zeit des 30jährigen Krieges, 1618—1648, hat zweimg. Lepr

dahier zahlreiche Opfer gefordert. Zuerst m ven##n 1620 und 1621. In diesen beiden Jahren starben auein n unserer lutherischen Kirchen=Gemeinde 900 Menschen. Darauf kam die Pest im Jahre 1626 hier wieder zum Ausbruch. Es starben diesmal 400 Personen. Wie dünn nach diesen Pestjahren die Bevölkerung der Gemeinde geworden, geht unter anderem daraus hervor, daß im Jahre 1637 nur 29, im Jahre 1638 ebenfalls 29, im Jahre 1639 nur 20, im Jahre 1640 nur 14, im Jahre 1641 nur 16, im Jahre 1645 gar nur 11 Personen in der Gemeinde gestorben sind. Es müßte interessant sein, wenn man erfahren könnte, wie sich's in den genannten Jahren mit den Geburtsfällen in der Gemeinde verhal­ten habe. Leider können wir das aber nicht mehr fest­stellen. Iu Tauftragster der Geaneäüide fündet sich.

Sine

Roman von L. Haidheim.

(45. Fortsetzung.)

Anna lag noch immer in ihrem Stuhl, wie Ulla sie verlassen; neben ihr auf dem Tischchen befand sich die verhängnisvolle Zeitung; aber sie blickte so ruhig in den blauen Aether, daß Ullas Herz sich sofort erleichtert

fühlte.

Noch hatte sie nichts gelesen.... Hir Ban­

Du bliebst lange, Ullal Ab, Du haft zmagege ie kauft? Wohl Entdeckungsreisen im Dorf gema, nef ihr Anna freundlich entgegen.

Ulla zwang sich zu einer heiteren Schilderung de „Bazar“ und Anna lachte darüber, wurde aber gleich

darauf wieder ernst.„„ 125t 11ss8

„Ich habe unterdes viel an Hans gebacht, au, erzählte sie.„Mir war heute zu Mute, als müßte ich ihm sagen, daß ich ihm alles vergeben habe, daß ich seiner und Hildes wie Gestorbener gedenke, denen man nichts mehr nachträgt. Es kam so über mich— ganz seltsam— als möchte ich sie wissen lassen, daß ich ihnen nichts Böses wünsche— nur Gutes. Nein, nein, Ulla, ich rege mich nicht auf, es ist mir lieb, von alledem zu sprechen. Komm, es ist so schön, die Sonne geht unter— laß uns ein wenig

Uilla und Anna wandten sich den Wiesen zu, durch welche ein breiter Pfad nach einer tieferliegenden Mühle führte. Ein köstlicher Maiabend senkte sich herab. Anna sprach wieder von Hans und Hilde und erzühlle, daß Dok­tor Wernward, ihr Anstaltsarzt, ebenso wohl auch ein Seelsorger gewesen sei.„Er lehrte mich, das Denken an die beiden nie zu vermeiden, ich solle ihrer nicht in Laß und Rache gedenken, sondern versuchen, sie zu verstehen und mir klar zu machen, wie das alles gekommen. Id mußte ihm oft von meiner Verlobung und dem glücklichen

Brautstand erzählen, unserm Haus in Berlin und Hilde zu uns gekommen, nachdem sie uns so lange gemie­den. Und so wurde mir's. plötzlich klar: sie liebten sich schon damals, sie wollten ehrlich einander fliehen— ich — ich selbst war es, die sie zu einander zwang, die ihren Vorsätzen meinen törichten Egoismus entgegensetzte. Alles verstehen, heißt alles verzeihen, Ulla! Je mehr ich meinem lieben alten Doktor erzählte, desto klarer legte er mir die Fäden auseinander, die das Gewebe meines 1 glücks bildeten. Ich hatte selbst fleißig daran mitgespon nen und in meiner blinden Seelbstliebe nicht sehen wollen, daß die beiden miteinander sympatisieren mußten, daß ich in meiner Weise Hans ewig fremd bleiben würde. O, wenn man erst gelernt hat, sich selbst zu erkennen, wie klar werden dann die Augen!“

Und während sie sprach— ohne zu ahnen, daß Hans und Hilde ihr so nahe waren— kam Ulla sich vor, wie eine der Erinnyen, welche die Unglücklichen aufjagte von ihrem Ruheplatz:„Fort mit Euch! Geht weiter— es gaibt keine Rast vor mir!"„

„Täuschest Du Dich nicht, Anna. fragte sie ganz

zaghaft und bedrückt.„Könntest Du Hans wiedersehen?

O nein, nein!“ wehrte diese ganz entsetzt ab.„Nein — er ist tot und die Toten kommen nicht wieder. Aber Frieden möge er haben!“

Des Krämers klappriges Wägelchen hielt vor der Tür, man lud die Koffer, die man vorgestern so vergnüßt ins Haus geschafft, wieder auf; fröstelnd bestiegen die bleiche Frau und der finstere Mann das Fuhrwerk, das Kind wurde ihnen hinaufgereicht und das Kindermädchen kletterte unbeholfen zu dem Kutscher.

So ging die Reise weiter— eigentlich war's fast eine Flucht zu nennen, dachten Mann und Frau bitter. Sie wußten nicht einmal wohin! Der Bädeker erwähnte ein paar Stunden weiter einen schönen, noch wenig bekann­

ten See— dahin also ließen sie sich fahren. Billig sollte dort auch sein— das war ja eine Hauptsache und Hans hatte vom See näher zur Eisenbahn, sodaß die Kosten nicht erheblich höher wuchsen durch diesen Wohnortswech­

Das alles hatten sie, die jeden Pfennig berechnen mußten, gestern abend in ihrer Aufregung doch noch be­sprochen. Jetzt hingen sie erschauernd in der kalten Mor­genluft schweigend ihren trüben Gedanken nach, die ihnen diesen ersten, ersehnten Ausflug vergällten. Wäre das kleine, holde Töchterchen nicht gewesen, das immer lustiger in seiner noch sehr unverständlichen Sprache Papa und Mama zum Spielen zu veranlassen suchte, sie waren wohl den ganzen Weg so in ihre unerfreulichen Grübeleien ver­

Nun streckte es aus seiner warmen Umhüllung die

Händchen dem Vater entgegen, um ihn zu liebkosen.

„Du Sonnenstrahl!“ sagte er, plötzlich sehr weich

werdend, und küßte das Kind.

Und dann wandte er sich zu Hilde, die ihre heiß stro­menden Tränen verstohlen trocknen wollte.

Wirst Du es mite immer haß ich, sch nicht glüäcklich

unergründlichen Liebe, Hilde,

machen kann, wie ich es so gern möchte?".

Laß uns nur so einig bleiben, Hans! Wenn wir ein­ander lieb behalten, läßt sich alles ertragen und— es ist ja unsere Strafe! Einmal werden wir doch genug gebüßt haben!“ erwiderte sie, zitternd vor Gemütserregung und er nahm ihre eiskalten Hände wärmend in die seinigen.

So fuhren sie dahin. Die Sonne zerstreute den Ne­bel, der Morgenwind trug die leichten Schleierwölkchen an den Bergen hin, in den Tälern wogten und wallten sie in schwereren Massen, bis plötzlich alle zerstoben waren und strahlendes Sonnenlicht über der ganzen Gebirgswelt lag. Sie kamen aus der reizlosen Ehene, in welcher das Auge meilenweit nicht viel anveres sieht, als Felder von