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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts verbindliche Kraft.

(1. Blatt.)

Sonnabend 17. Januar

Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg. exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.

36. Jahrgang.

Die Ankunft des Kronprinzen in Petersburg.

Berlin, 16. Jan. Der deutsche Kronprinz ist heute vormittag 10 Uhr in Petersburg eingetroffen. Ueber den Empfang daselbst verlautet, daß sich zur Begrüßung des Kronprinzen auf dem Bahnhofe in Zarskoje Sselo sämt­liche Großfürsten eingefunden hatten, desgleichen samt­liche Mitglieder der deutschen Botschaft, der Minister des Aeußern Graf Lambsdorff und verschiedene hoheMilitärs.

In Vertretung des Zaren, der infolge einer leichten Er­kältung zum Empfange nicht erscheinen konnte, war der Großfürst=Thronfolger erschienen. Als der Zug mit dem Kronprinzen in die Halle fuhr, intonierte die auf dem Bahnhofe aufgestellte Musik„Heil dir im Siegerkranz“. Der Kronprinz verließ, als der Zug hielt, rasch den Wa­gen, worauf zwischen den beiden Thronfolgern die herz­lichste Begüßung stattfand. Nach Begrüßung der noch zum Empfange erschienen Persönlichkeiten schritt der Kron­prinz die Ehrenkompagnie ab und bestieg dann mit dem russischen Thronfolger den Schlitten. Der Kronprinz fuhr zunächst durch die festlich geschmückte Stadt und von einer zahlreichen Menschenmenge mit lautem Jubel begrüßt nach dem Anitschkowpalais, um der Zarin=Mutter einen Besuch abzustatten. Später fuhr der Kronprinz nach dem Winter­palais zum Zarenpaare, wo er auch Wohnung nahm.

Deutscher Reichstag.

239. Sitzung vom 16. Januar.

1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung der zum Zolltarif gestellten Resolutionen, und zwar die von den Abgg. Heyl v. Herrnsheim und Speck beantrag­ten, gegen das Meistbegünstigungsystem gerichteten beiden

Resolutionen. 8.45111

Abg. v. Heyl(ntt.) empfiehlt seine Resolution. Jedermann, der den Vertrag mit Amerika studiert habe, müsse zu der Ueberzeugung kommen, daß dieses Abkom­men gekündigt werden müsse.— Abg. Lucke(Bd. d. L.) plädiert für die Resolution v. Heyl. Was das Verhalten der Linken anlange, so handele es sich bei derselben hier um ein Rückzugsgefecht nach den schweren Niederlagen, welche sie vor Weihnachten erlitten habe.— Abg. Gothein (frs. Verg.) wendet sich gegen den Abg. v. Heyl, der vor­hin gesprochen habe von den goldenen Ketten, die dem Handelsvertragsverein von der haute finance umgehängt seien. Eine solche Verdächtigung müsse er, Redner, auf das entschiedenste zurückweisen; er fordere den Abg. von Heyl auf, den Beweis für seine Verdächtigung zu erbrin­gen. Redner geht dann auf die Resolutionen und die Meistbegünstigungsfrage sachlich ein. Seine Freunde er­blickten in diesen Resolutionen eine Gefahr nicht nur für die Meistbegünstigungsklauseln, sondern für die Tarifver­träge überhaupt.

Abg. Fürst Bismarck(b. k. Fr.) ist erfreut dar­über, daß Graf Posadowsky gestern die Hoffnung auf bessere Handelsverträge ausgesprochen habe. Der Vertrag mit Amerika habe Deutschland keineswegs die erforder­liche Reziprozität gebracht. Für einen Rechtsbruch halte er es, wie die Vereinigten Staaten bei Gelegenheit des Ding­leytarifs von den bis dahin herrschend gewesenen Meist­begünstigungsauffassung des alten Vertrages von 1828 abgegangen seien. Um einen Zollkrieg brauche Deutsch­land sich nicht allzusehr zu fürchten, aber er hege die Hoff­nung, daß Deutschland baldmöglichst zu annehmbaren Handelsverträgen kommen würde(Beifall).— Abg. Heyl v. Herrnsheim(ntl.): Namens seiner Mitantragsteller erkläre er noch, daß er seine Resolution zugunsten der Resolution Speck zurückziehe. In namentlicher Abstimm­ung wird die Resolution Speck mit 141 gegen 67 Stim­men angenommen.

Es folgt die Beratung der Resolution Albrecht (Soz.), durch ein Gesetz zu verbieten, daß die in Straf­anstalten hergestellten gewerblichen Erzeugnisse für einen anderen als den eigenen Bedarf oder den Staats= oder Kommunalbedarf dienen. Oder, falls doch ein eVrkauf dieser Erzeugnisse stattfinde, soll derselbe keinesfalls unter dem Marktpreise erfolgen dürfen.

Abg. Baudert(Soz.) empfiehlt diese Resolu­tion.— Abg. Schlumberger(ntl.) findet in dieser von den Sozialdemokraten eingebrachten Resolution einen Wi­derspruch, denn gerade die Sozialdemokraten seien in der Zolltarifkommission stets mit ihren Zollfreiheitsanträgen für unbeschränkten Wettbewerb eingetreten.(Sehr rich­tig! rechts und in der Mitte). Geh. Rat Krohne legt ziffernmäßig dar, daß die Gefängnisarbeit für Unterneh­mer in Preußen andauernd zurückgegangen sei. In sehr absehbarer Zeit werde sie ganz verschwinden. Dagegen werde in großem Umfange gearbeitet für den Kriegs= und den Eisenbahnminister.— Abg. Gamp(frkons.) lehnt die

Resolution ab, Abg. Schrader(frs. Verg.) stimmt dersel­ben zu.— Abg. Schaedler(Ztr.) spricht wegen den ihn anhaftenden Mängel gegen die Resolution.— Die Resolu­tion wird hierauf abgelehnt.— Morgen 1 Uhr: Inter­pellation Roesicke, dann Fortsetzung der Beratung von Resolutionen. Schluß gegen 6 Uhr.

nur auf völlig sichere Art erfolgen darf, eine Förderung der von den Landschaften geäußerten Wünsche angängig

erscheint. 9

Turkei.

= Der Sultan erkennt in einem Jrade das Besitzrecht Engands auf das strittige Gebiet bei Yemen an.

Vorgehen gegen Venezuela.] Richter Lynch in Frankreich.

Lal, Paris 15. Jon. Gestern wurde der Fruenmi

Ueber die Lage in Venezuela meldet man aus Guayra: Die Zwangsanleihe der Regierung erweist sich als ein Fehlschlag, da die Kaufleute zumeist verarmt sind. Die Regierung hat aber Geld nötig und plant nun eine Haussteuer gegen die Besitzer der Fremdenkolonie. In Carracas befürchtet man Gewaltmaßregeln, das Leben der Fremden hält man für sicher, ihren Besitz aber für ge­fährdet. Der deutsche Konsul Lanz wurde von einem Kaufmann in Carracas nach der Kontribution telephonisch angefragt, warum keine Truppen gelandet würden, zum wenigsten sei die Anwesenheit eines starken Landungs­korps vor La Guayra erforderlich, damit die Fremden gegenüber Castro's Geldforderungen Rückgrat zeigen könnten.

Die Revolution in Marokko.

Zu den marokkanischen Wirren wird aus Tanger tele­graphiert: Es bestätigt sich, daß das Vorgehen gegen die Kabylen auf Grund einer Kollektivnote der Mächte er­folgte. Die Situation ist bedenklich verschärft. Sämtliche Kabylenstämme der Umgegend sollen sich mit den Zurück­geschlagenen solidarisch erklärt und, 10000 Mann stark, Repressalien angedroht haben. Sie sind besonders erbit­tert durch die brutalen Plünderungen. Die hiesigen Sol­daten sind absolut unzuverlässig. Sie gerieten über die Beute in Streit und verlangen dreifachen Sold. Man be­wundert in der Kolonie das Phlegma der Mächte.

Aus Tanger kommen unter dem 16. ds. Mts. noch folgende Meldungen: Nach einer Privatnachricht aus Fez erhielt der Sultan 13 deutsche Mitrailleusen. Am 10. Ja­nuar entsandte er 3000 Mann mit 2 Mitrailleusen, diese wurden vom Feinde nachts umringt und geschlagen, sie lie­ßen alles zurück und flohen. Es verlautet, die spanische Gesandtschaft habe dies nach Madrid gemeldet.— Aus Fez wird gemeldet: Drei Stämme, die vergeblich den Sul­tan um Verzeihung baten, gingen zum Prätendenten über, dem sie 1000 Reiter zuführen. Der Prätendent feierte jüngst seine Hochzeit, die acht Tage dauerte. Drei Stämme in der Nähe von Mekinez schlossen sich dem Sultan an, welcher, wie der spanische Gesandte versichert, an der Zebubrücke mit 10000 Mann den Prätendenten angreifen will. Der Stamm der Fahs bei Tanger droht ein regier­ungstreues Dorf zu verbrennen, Truppen ziehen zum Schutze desselben aus. Es verlautet, daß morgen Trup­pen aus Fez eintreffen, um die Ordnung in Tanger auf­recht zu erhalten.

Politische Uebersicht.

Deutschland.

— Vom Kaiserhofe. Das Kaiserpaar, bei dem abends

vorher große Militärkur stattfand, empfing Freitag vor­mittag den Prinzen Max von Baden und dessen Gemah­lin, eine Tochter des Herzogs von Cumberland und damit Enkelin des letzten Königs von Hannover. Nach einem Spaziergang mit der Kaiserin hatte der Kaiser eine Be­sprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Richthofen. Nachmittags wurde eine Probe der für den heutigen Sonnabend bevorstehenden Feier des Schwar­zen Adlerordens vorgenommen. Sonnabend mittag em­pfängt der Monarch die Präsidien des preußischen Land­tages.„

— Generalkonsul Speck von Sternburg wird am Dienstag an Bord der„Auguste Viktoria“ die Reise nach Newyork antreten und voraussichtlich vorher vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Baron von Sternburg geht als„bevollmächtigter Gesandter in Spezialmission“ nach Washington, und dieser Ernennung wird sehr wahr­scheinlich nach Erledigung gewisser Formalitäten diejenige zum Botschafter in einiger Zeit folgen.

— Förderung des bäuerlichen Kredits. Der preu­ßische Minister des Innern hat an den Vorstand des Deut­schen Sparkassenverbandes eine Verfügung gerichtet, deren Schluß wir hier wiedergeben: Auch mir erscheint eine kräftige Mitwirkung der Gemeindesparkassen auf dem Ge­biete der Förderung des bäuerlichen Kredits geboten, und ich würde es daher mit Dank erkennen, wenn der Vorstand nach Anhörung der provinziellen Sparkassenverbände sich näher darüber äußern wollte, ob und inwieweit unter strenger Aufrechterhaltung des unantastbaren Prinzips, wonach die zinsbare Belegung von Sparkassenbeständen

P#r##, 15. Jan, Gestern wurde der Frau der Vidal in Aix zum Justizpalast gebracht, um dort oer Verlesung des Gnadenaktes des Präsideten Loubet beizu­wohnen. Eine Menge von etwa 2000 Personen über­wältigte die Gendarmen, welche Vidal führten, schlugen den letzteren zu Boden und mißhandelten ihn blutig. Der Staatsanwalt mußte eine Kompagnie Infanterie nach dem Justizpalast beordern, und mit großer Mühe konnte Vidal der Volkswut entzogen und in Sicherheit gebracht werden.

(Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.)

**(Gut Schuß!) Wie aus dem Inseratenteil der

Zeitung ersichtlich, findet am nächsten Sonntag, den 18. d. Mts., im Schützenhof hierselbst eine Besprechung behufs Gründung einer ständigen Schießgesellschaft statt. Es werden daher hiermit sämtliche Herren, welche gewillt sind, eine Schießgesellschaft ins Leben zu rufen bezw. einer solchen beizutreten, hierdurch besonders darauf aufmerk­sam gemacht, daß es jetzt an der Zeit ist, die Sache mög­ichst bald zu unterstützen, damit mit Beginn der Schieß­saison der Schieß=Verein bereits als bestehend gelten kann. Da wir hier am Platze bereits eine Anzahl guter Schützen haben, so wäre es wünschenswert, wenn diese Herren in ihren Bekanntenkreisen dahin wirkten, daß am kommenden Sonntage die Beteiligung eine äußerst rege wäre. In allen anderen Nachbarstädten finden wir die ständigen Schießvereine bereits auf ihrer Höhe, dies haben uns zur Genüge die fremden guten Schützen beim letzten Preisschießen bewiesen. Aber wir sind diesen Herren nicht über? Sehr einfach! es fehlt an ständiger, regelmäßiger Uebung. Dies zu erzielen, bedarf es unbedingt der Gründung einer ständigen Schießgesellschaft, in welcher alsdann ganz von selbst eine bessere Schußleistung erzielt wird. Es sei noch darauf hingewiesen, daß Mitglieder als­dann besonders zivile Preise für Schüsse usw. haben wer­den. Schreiber dieses schließt mit der Devise:„Ueb' Aug' und Hand für's Vaterland“ und bittet im Sinne dieses um rege Beteiligung.

Lokales.

Schwerte, 17. Januar 1903.

**(Brieftauben=Ausstellung.) Die vom Brieftau­ben=Liebhaberverein„Blitz" veranstaltete allgemeine Mili­tär=Brieftauben=Ausstellung ist eine überaus reichhaltige. Zu derselben sind außer einer Menge das Brieftauben­wesen betreffenden Gegenständen weit über 500 Tauben angekommen und zwar nicht allein aus Deutschland, sondern auch aus dem Auslande. Nachdem heute vormit­tag die Prämiierung stattgefunden, wird die Ausstellung nachmittags 4 Uhr offiziell eröffnet werden; ihre Dauer ist drei Tage(Schluß Montag abend 10 Uhr). Wie be­reits mitgeteilt, findet die Ausstellung im Saale des Herrn Böhmer(Gasthof zum alten Rathaus) statt, wo­selbst auch die wertvollen an 100 Ehrenpreise ausgestellt sind. Die Freunde des Brieftaubenwesens mögen den Be­such dieser hochinteressanten, übrigens mit 10000 Mk. ver­sicherten Ausstellung nicht versäumen.

**(Brieftauben=Ausstellung.) Für die heute begin­nende große allgemeine Militär=Brieftauben=Ausstellung sind als Preisrichter die Herren Hansen=Elberfeld, Häber­lein=Elberfeld, Amtmann Neuhaus=Breckerfeld, Persyn­Hagen und Schaffland=Gevelsberg gewonnen worden.

**(Einen schweren Verlust) erlitt gestern der hiesige Fuhrunternehmer R. Er war mit seinem Gespann in Westhofen, als ein wertvoller Schimmel mit dem Hufe in einer festgefrorenen Wagenspur stecken blieb und den Fuß brach. Das Tier mußte sofort an Ort und Stelle abge­schlachtet werden.(S. auch Westhofen.)

**(Ein Blaukreuzverein) hat sich in unserer Stadt nunmehr gebildet; möge er segensreich wirken. Das Ver­einslokal befindet sich im Hause der Stadtmission, Kuh­straße 7.

**(Ein unverbesserlicher Schwindler,) so wird aus Arnsberg geschrieben, ist der frühere Bureaugehilfe G. aus Schwerte, ein schon ergrauter Mann. Bereits vier­zehnmal vorbestraft, darunter mit Zuchthaus verfertigte

er sich Briefe an, in welchen er alle möglichen Leiden und seine große Not schilderte und fälschte diese Briefe dann