Insertionsgebühr für lokale Anzeigen, die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb 15, Reklame=Zeile 40 Pfg., Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte, Fernsprech= Anschluß Nr. 62. Amt Schwerte. Telegr.=Adresse Braus. Schwerte=Ruhr. Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts verbindliche Kraft. (1. Blatt.) Sonnabend 17. Januar Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg. exel. 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint an jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund. 36. Jahrgang. Die Ankunft des Kronprinzen in Petersburg. Berlin, 16. Jan. Der deutsche Kronprinz ist heute vormittag 10 Uhr in Petersburg eingetroffen. Ueber den Empfang daselbst verlautet, daß sich zur Begrüßung des Kronprinzen auf dem Bahnhofe in Zarskoje Sselo sämtliche Großfürsten eingefunden hatten, desgleichen samtliche Mitglieder der deutschen Botschaft, der Minister des Aeußern Graf Lambsdorff und verschiedene hoheMilitärs. In Vertretung des Zaren, der infolge einer leichten Erkältung zum Empfange nicht erscheinen konnte, war der Großfürst=Thronfolger erschienen. Als der Zug mit dem Kronprinzen in die Halle fuhr, intonierte die auf dem Bahnhofe aufgestellte Musik„Heil dir im Siegerkranz“. Der Kronprinz verließ, als der Zug hielt, rasch den Wagen, worauf zwischen den beiden Thronfolgern die herzlichste Begüßung stattfand. Nach Begrüßung der noch zum Empfange erschienen Persönlichkeiten schritt der Kronprinz die Ehrenkompagnie ab und bestieg dann mit dem russischen Thronfolger den Schlitten. Der Kronprinz fuhr zunächst durch die festlich geschmückte Stadt und von einer zahlreichen Menschenmenge mit lautem Jubel begrüßt nach dem Anitschkowpalais, um der Zarin=Mutter einen Besuch abzustatten. Später fuhr der Kronprinz nach dem Winterpalais zum Zarenpaare, wo er auch Wohnung nahm. Deutscher Reichstag. 239. Sitzung vom 16. Januar. 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung der zum Zolltarif gestellten Resolutionen, und zwar die von den Abgg. Heyl v. Herrnsheim und Speck beantragten, gegen das Meistbegünstigungsystem gerichteten beiden Resolutionen. 8.45111 Abg. v. Heyl(ntt.) empfiehlt seine Resolution. Jedermann, der den Vertrag mit Amerika studiert habe, müsse zu der Ueberzeugung kommen, daß dieses Abkommen gekündigt werden müsse.— Abg. Lucke(Bd. d. L.) plädiert für die Resolution v. Heyl. Was das Verhalten der Linken anlange, so handele es sich bei derselben hier um ein Rückzugsgefecht nach den schweren Niederlagen, welche sie vor Weihnachten erlitten habe.— Abg. Gothein (frs. Verg.) wendet sich gegen den Abg. v. Heyl, der vorhin gesprochen habe von den goldenen Ketten, die dem Handelsvertragsverein von der haute finance umgehängt seien. Eine solche Verdächtigung müsse er, Redner, auf das entschiedenste zurückweisen; er fordere den Abg. von Heyl auf, den Beweis für seine Verdächtigung zu erbringen. Redner geht dann auf die Resolutionen und die Meistbegünstigungsfrage sachlich ein. Seine Freunde erblickten in diesen Resolutionen eine Gefahr nicht nur für die Meistbegünstigungsklauseln, sondern für die Tarifverträge überhaupt. Abg. Fürst Bismarck(b. k. Fr.) ist erfreut darüber, daß Graf Posadowsky gestern die Hoffnung auf bessere Handelsverträge ausgesprochen habe. Der Vertrag mit Amerika habe Deutschland keineswegs die erforderliche Reziprozität gebracht. Für einen Rechtsbruch halte er es, wie die Vereinigten Staaten bei Gelegenheit des Dingleytarifs von den bis dahin herrschend gewesenen Meistbegünstigungsauffassung des alten Vertrages von 1828 abgegangen seien. Um einen Zollkrieg brauche Deutschland sich nicht allzusehr zu fürchten, aber er hege die Hoffnung, daß Deutschland baldmöglichst zu annehmbaren Handelsverträgen kommen würde(Beifall).— Abg. Heyl v. Herrnsheim(ntl.): Namens seiner Mitantragsteller erkläre er noch, daß er seine Resolution zugunsten der Resolution Speck zurückziehe. In namentlicher Abstimmung wird die Resolution Speck mit 141 gegen 67 Stimmen angenommen. Es folgt die Beratung der Resolution Albrecht (Soz.), durch ein Gesetz zu verbieten, daß die in Strafanstalten hergestellten gewerblichen Erzeugnisse für einen anderen als den eigenen Bedarf oder den Staats= oder Kommunalbedarf dienen. Oder, falls doch ein eVrkauf dieser Erzeugnisse stattfinde, soll derselbe keinesfalls unter dem Marktpreise erfolgen dürfen. Abg. Baudert(Soz.) empfiehlt diese Resolution.— Abg. Schlumberger(ntl.) findet in dieser von den Sozialdemokraten eingebrachten Resolution einen Widerspruch, denn gerade die Sozialdemokraten seien in der Zolltarifkommission stets mit ihren Zollfreiheitsanträgen für unbeschränkten Wettbewerb eingetreten.(Sehr richtig! rechts und in der Mitte). Geh. Rat Krohne legt ziffernmäßig dar, daß die Gefängnisarbeit für Unternehmer in Preußen andauernd zurückgegangen sei. In sehr absehbarer Zeit werde sie ganz verschwinden. Dagegen werde in großem Umfange gearbeitet für den Kriegs= und den Eisenbahnminister.— Abg. Gamp(frkons.) lehnt die Resolution ab, Abg. Schrader(frs. Verg.) stimmt derselben zu.— Abg. Schaedler(Ztr.) spricht wegen den ihn anhaftenden Mängel gegen die Resolution.— Die Resolution wird hierauf abgelehnt.— Morgen 1 Uhr: Interpellation Roesicke, dann Fortsetzung der Beratung von Resolutionen. Schluß gegen 6 Uhr. nur auf völlig sichere Art erfolgen darf, eine Förderung der von den Landschaften geäußerten Wünsche angängig erscheint. 9 Turkei. = Der Sultan erkennt in einem Jrade das Besitzrecht Engands auf das strittige Gebiet bei Yemen an. Vorgehen gegen Venezuela.] Richter Lynch in Frankreich. Lal, Paris 15. Jon. Gestern wurde der Fruenmi Ueber die Lage in Venezuela meldet man aus Guayra: Die Zwangsanleihe der Regierung erweist sich als ein Fehlschlag, da die Kaufleute zumeist verarmt sind. Die Regierung hat aber Geld nötig und plant nun eine Haussteuer gegen die Besitzer der Fremdenkolonie. In Carracas befürchtet man Gewaltmaßregeln, das Leben der Fremden hält man für sicher, ihren Besitz aber für gefährdet. Der deutsche Konsul Lanz wurde von einem Kaufmann in Carracas nach der Kontribution telephonisch angefragt, warum keine Truppen gelandet würden, zum wenigsten sei die Anwesenheit eines starken Landungskorps vor La Guayra erforderlich, damit die Fremden gegenüber Castro's Geldforderungen Rückgrat zeigen könnten. Die Revolution in Marokko. Zu den marokkanischen Wirren wird aus Tanger telegraphiert: Es bestätigt sich, daß das Vorgehen gegen die Kabylen auf Grund einer Kollektivnote der Mächte erfolgte. Die Situation ist bedenklich verschärft. Sämtliche Kabylenstämme der Umgegend sollen sich mit den Zurückgeschlagenen solidarisch erklärt und, 10000 Mann stark, Repressalien angedroht haben. Sie sind besonders erbittert durch die brutalen Plünderungen. Die hiesigen Soldaten sind absolut unzuverlässig. Sie gerieten über die Beute in Streit und verlangen dreifachen Sold. Man bewundert in der Kolonie das Phlegma der Mächte. Aus Tanger kommen unter dem 16. ds. Mts. noch folgende Meldungen: Nach einer Privatnachricht aus Fez erhielt der Sultan 13 deutsche Mitrailleusen. Am 10. Januar entsandte er 3000 Mann mit 2 Mitrailleusen, diese wurden vom Feinde nachts umringt und geschlagen, sie ließen alles zurück und flohen. Es verlautet, die spanische Gesandtschaft habe dies nach Madrid gemeldet.— Aus Fez wird gemeldet: Drei Stämme, die vergeblich den Sultan um Verzeihung baten, gingen zum Prätendenten über, dem sie 1000 Reiter zuführen. Der Prätendent feierte jüngst seine Hochzeit, die acht Tage dauerte. Drei Stämme in der Nähe von Mekinez schlossen sich dem Sultan an, welcher, wie der spanische Gesandte versichert, an der Zebubrücke mit 10000 Mann den Prätendenten angreifen will. Der Stamm der Fahs bei Tanger droht ein regierungstreues Dorf zu verbrennen, Truppen ziehen zum Schutze desselben aus. Es verlautet, daß morgen Truppen aus Fez eintreffen, um die Ordnung in Tanger aufrecht zu erhalten. Politische Uebersicht. Deutschland. — Vom Kaiserhofe. Das Kaiserpaar, bei dem abends vorher große Militärkur stattfand, empfing Freitag vormittag den Prinzen Max von Baden und dessen Gemahlin, eine Tochter des Herzogs von Cumberland und damit Enkelin des letzten Königs von Hannover. Nach einem Spaziergang mit der Kaiserin hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Richthofen. Nachmittags wurde eine Probe der für den heutigen Sonnabend bevorstehenden Feier des Schwarzen Adlerordens vorgenommen. Sonnabend mittag empfängt der Monarch die Präsidien des preußischen Landtages.„ — Generalkonsul Speck von Sternburg wird am Dienstag an Bord der„Auguste Viktoria“ die Reise nach Newyork antreten und voraussichtlich vorher vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Baron von Sternburg geht als„bevollmächtigter Gesandter in Spezialmission“ nach Washington, und dieser Ernennung wird sehr wahrscheinlich nach Erledigung gewisser Formalitäten diejenige zum Botschafter in einiger Zeit folgen. — Förderung des bäuerlichen Kredits. Der preußische Minister des Innern hat an den Vorstand des Deutschen Sparkassenverbandes eine Verfügung gerichtet, deren Schluß wir hier wiedergeben: Auch mir erscheint eine kräftige Mitwirkung der Gemeindesparkassen auf dem Gebiete der Förderung des bäuerlichen Kredits geboten, und ich würde es daher mit Dank erkennen, wenn der Vorstand nach Anhörung der provinziellen Sparkassenverbände sich näher darüber äußern wollte, ob und inwieweit unter strenger Aufrechterhaltung des unantastbaren Prinzips, wonach die zinsbare Belegung von Sparkassenbeständen P#r##, 15. Jan, Gestern wurde der Frau der Vidal in Aix zum Justizpalast gebracht, um dort oer Verlesung des Gnadenaktes des Präsideten Loubet beizuwohnen. Eine Menge von etwa 2000 Personen überwältigte die Gendarmen, welche Vidal führten, schlugen den letzteren zu Boden und mißhandelten ihn blutig. Der Staatsanwalt mußte eine Kompagnie Infanterie nach dem Justizpalast beordern, und mit großer Mühe konnte Vidal der Volkswut entzogen und in Sicherheit gebracht werden. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) **(Gut Schuß!) Wie aus dem Inseratenteil der Zeitung ersichtlich, findet am nächsten Sonntag, den 18. d. Mts., im Schützenhof hierselbst eine Besprechung behufs Gründung einer ständigen Schießgesellschaft statt. Es werden daher hiermit sämtliche Herren, welche gewillt sind, eine Schießgesellschaft ins Leben zu rufen bezw. einer solchen beizutreten, hierdurch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß es jetzt an der Zeit ist, die Sache mögichst bald zu unterstützen, damit mit Beginn der Schießsaison der Schieß=Verein bereits als bestehend gelten kann. Da wir hier am Platze bereits eine Anzahl guter Schützen haben, so wäre es wünschenswert, wenn diese Herren in ihren Bekanntenkreisen dahin wirkten, daß am kommenden Sonntage die Beteiligung eine äußerst rege wäre. In allen anderen Nachbarstädten finden wir die ständigen Schießvereine bereits auf ihrer Höhe, dies haben uns zur Genüge die fremden guten Schützen beim letzten Preisschießen bewiesen. Aber wir sind diesen Herren nicht über? Sehr einfach! es fehlt an ständiger, regelmäßiger Uebung. Dies zu erzielen, bedarf es unbedingt der Gründung einer ständigen Schießgesellschaft, in welcher alsdann ganz von selbst eine bessere Schußleistung erzielt wird. Es sei noch darauf hingewiesen, daß Mitglieder alsdann besonders zivile Preise für Schüsse usw. haben werden. Schreiber dieses schließt mit der Devise:„Ueb' Aug' und Hand für's Vaterland“ und bittet im Sinne dieses um rege Beteiligung. Lokales. Schwerte, 17. Januar 1903. **(Brieftauben=Ausstellung.) Die vom Brieftauben=Liebhaberverein„Blitz" veranstaltete allgemeine Militär=Brieftauben=Ausstellung ist eine überaus reichhaltige. Zu derselben sind außer einer Menge das Brieftaubenwesen betreffenden Gegenständen weit über 500 Tauben angekommen und zwar nicht allein aus Deutschland, sondern auch aus dem Auslande. Nachdem heute vormittag die Prämiierung stattgefunden, wird die Ausstellung nachmittags 4 Uhr offiziell eröffnet werden; ihre Dauer ist drei Tage(Schluß Montag abend 10 Uhr). Wie bereits mitgeteilt, findet die Ausstellung im Saale des Herrn Böhmer(Gasthof zum alten Rathaus) statt, woselbst auch die wertvollen an 100 Ehrenpreise ausgestellt sind. Die Freunde des Brieftaubenwesens mögen den Besuch dieser hochinteressanten, übrigens mit 10000 Mk. versicherten Ausstellung nicht versäumen. **(Brieftauben=Ausstellung.) Für die heute beginnende große allgemeine Militär=Brieftauben=Ausstellung sind als Preisrichter die Herren Hansen=Elberfeld, Häberlein=Elberfeld, Amtmann Neuhaus=Breckerfeld, PersynHagen und Schaffland=Gevelsberg gewonnen worden. **(Einen schweren Verlust) erlitt gestern der hiesige Fuhrunternehmer R. Er war mit seinem Gespann in Westhofen, als ein wertvoller Schimmel mit dem Hufe in einer festgefrorenen Wagenspur stecken blieb und den Fuß brach. Das Tier mußte sofort an Ort und Stelle abgeschlachtet werden.(S. auch Westhofen.) **(Ein Blaukreuzverein) hat sich in unserer Stadt nunmehr gebildet; möge er segensreich wirken. Das Vereinslokal befindet sich im Hause der Stadtmission, Kuhstraße 7. **(Ein unverbesserlicher Schwindler,) so wird aus Arnsberg geschrieben, ist der frühere Bureaugehilfe G. aus Schwerte, ein schon ergrauter Mann. Bereits vierzehnmal vorbestraft, darunter mit Zuchthaus verfertigte er sich Briefe an, in welchen er alle möglichen Leiden und seine große Not schilderte und fälschte diese Briefe dann mit der Namensunterschrift irgend eines Pfarrers. Da er schon bei dem zweiten Versuch abgefaßt wurde und der ganze Ertrag des Schwindels sich nur auf eine Mark belaufen hatte, kam er vor der Strafkammer mit 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis davon. Außerdem aber wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. **(Das größte Riesen=Rindvieh der Welt,) natürlich n vierbeiniges gemeint, ist im Lokale des Herrn Specht in der Wilhelmstraße zur Schau gestellt. Wir haben auch sichon manchen Ochsen u unserer Praxis gesehenzggn einen kapitalen Kerl wie diesen noch nicht; es verkenn sic, also wohl, sich dieses ungewöhnlich stattliche Hornvieh einmal anzusehen.. ** Ergste 16. Jan. Heute abend 7 Uhr gellten hier und im benachbarten Villigst die Feuerglocken durch den Winterabend. Aus biher nicht aufgeklärter Ursache war in einem Einwohnerhause auf Gut Halstenberg Feuer ausgekommen, welches rasch um sich griff, zumal die schnell herbeigeeilten Wehren durch die Kälte ziemlich in ihrer Arbeit behindert waren. Es gelang, das Vieh und sämtliches Mobilar zu retten, der Dachstuhl des Gebäudes brannte indessen vollständig nieder und auch von den stehen gebliebenen Resten soll wohl nicht mehr viel zu gebrauchen sein. Wie wir hören, war das Haus, wenigstens teilweise, vervte Ergste, 17. Jan. Der Personenstand der Gemeinde Ergste war am 31. Dezember 1902 folgender: Im verflossenen Jahre sind getauft: 56 Kinder, 29 Knaben und 27 Mädchen. Konfirmiert sind: 42 Kinder, 24 Knaben und 18 Mädchen. Beerdigt sind 34 Personen, 17 männlichen und 17 weiblichen Geschlechts. Getraut sind 16 Paare. Das heilige Abendmahl feierten 484 Personen, 242 männlichen und 242 weiblichen Geschlechts. ** Ergste, 17. Jan. In unserer Gemeinde hat sich vor kurzem ein evang. Frauenverein gebildet. Die evang. Frauenvereine wollen praktisches Christentum treiben und die christliche Liebe gegenüber den armen und bedrängten Mitmenschen in die Tat umsetzen. Die Gründung des Vereins ist also sehr sympathisch zu begrüßen.#uit ** Westhofen, 17. Jan. Infolge Statleises kam die hochbetagte Frau K. von hier zu Falle und erlitt einen Armbruch. 9 Das u. ** Westhofen, 11. Jan. Tas mit 3 Pferden bespannte und mit Steinen schwer beladene Fuhrwerk des Fuhrunternehmers R. von Schwerte erlitt gestern nachmittag einen Unfall. Das fragl. Fuhrwerk passierte den sehr abschüssigen Schloßweg. Der die Schraube des Wa gens bedienende Arbeiter drehte dieselbe statt an, los, die Pferde konnten infolgedessen den Wagen nicht halten und raste derselbe durch eine Hecke in den Garten der Frau H. Hierbei kam das erste Pferd zu Falle und zog sich einen Beinbruch zu, sodaß es auf der Stelle getötet werden mußte. Die beiden Stangenpferde erlitten ebenfalls an den Hinterfüßen bedeutende Verletzungen. Der Schaden ist nicht gering. Aus Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 16. Jan. Eine unangenehme Verwechselung passierte dem Gesellen des Pferdemetzgers Herrn Bisping, indem er statt eines Schlachtgaules das gute Pferd des Metzgermeisters Herrn Stölting aus dem Stalle des Schlachthofes holte. Das Tier war bereits geschlachtet, als der Irrtum bemerkt wurde. Um einem Prozeß aus dem Wege zu gehen, hat sich Herr Bisping bereit erklärt, den Schaden zu ersetzen. Jedenfalls ein teurer Sauerbraten, da der Gaul einen recht hohen Wert Hagen, 17. Jan.(An den Unrechten gekommen.) Drei Burschen, die in der Wirtschaft in der Donnerkuhle mit einem Landwirt aus Eppenhausen Zwist bekommen hatten, lauerten dem Mann auf dem Heimwege auf und drangen dann mit langen Messern auf ihn ein. Hierbei kamen sie aber an den Unrechten. Der Landwirt verholzte die drei so gründlich, daß sie ihren Kampfesmut völlig verloren. Nun kommt noch das gerichtliche Nachspiel. l * Letmathe, 15. Jan.(Rendant Emil Monl,) welcher sich, wie wir bereits mitteilten, selbst der Staatsanwaltschaft zu Hagen gestellt und großer Unterschleife bezichtigt hat, scheint an einer durch übermäßiges Arbeiten hervorgerufenen Nervenüberreizung zu leiden. Bisher hat nämlich die angestellte Untersuchung keinerlei Anhaltspunkte für die von Moll behaupteten Unterschlagungen gegeben, sodaß Molls Selbstbezichtigung vielleicht auf nervöse Störungen und Wahnideen zurückzuführen ist. * Unna, 17. Jan. Bei einer in den letzten Tagen hier vorgenommenen polizeilichen Revision der BierdruckApparate wurden in zwölf Wirtschaften die Bierleitungen nicht in vorschriftsmäßigem Zustande befunden. * Lütgendortmund, 15. Jan. Hier wurde gestern eine Frau verhaftet, die ihr Kind getötet und verbrannt hatte. Die Tat wurde von anderen Kindern aufgedeckt.„ E7 H# Mglinz ist * Reatinghausen, 15. Jan. Der Polizerit es endlich gelungen, die Mörder des Schlossers Vollmer zu verhaften. Es sind zwei mehrfach vorbestrafte Männer, denen auch die räuberischen Ueberfälle in den Waldungen bei Recklinghausen zur Last gelegt werden. * Ohligs, 15. Jan. Der Inhaber der im vorigen Jahre in Konkurs geratenen Firma Huebner& Co. von der Schulenberg erschoß heute abend 7½ Uhr seine Ehefrau nach einem vorangegangenen Zwiste. Er verbarrika dierte sich dann in einem Zimmer, wurde aber mit Gewalt herausgeholt und verhaftet. * Köln, 16. Jan. In dem Hotel Landsberg, Marzellenstraße Nr. 1, das augenblicklich einer Renovierung unterzogen wird, fand man gestern, als man den Fußboden unter dem Büffet aufriß, 25—30 Zentimeter tief im Schutt liegend zwei Skelette, ein männliches und ein weibliches, die schon etwa 25—30 Jahre dort gelegen zu haben scheinen. Das eine Skelett zeigte eine Durchlochung des Schädels, wie von einer Schußwunde. Die Angelegenheit beschäftigt die Kriminalpolizei. * Köln a. Rh., 16. Jan. Gestern abend wurden an der Schiffbrücke die mit einem Riemen zusammengebundeinen Leichen eines 18jährigen Mädchens und eines zwei Monate alten Kindes gelandet. Das Mädchen stammt aus Mütheim a. Rhein. Neueste 8 Berlin, 16. Jan. In der Jungfernheide wurde die Leiche eines etwa 20 Jahre alten Mädchens mit einer Schußwunde im Kopf aufgefunden. Anscheinend liegt eni Verbrechen vor. Die amtlichen Ermittelungen sind im § Berlin, 16. Jan. Der Klempnergeselle Karl Moser, der am 23 November v. Is. den Bankbeamten Salzwedel in dem in der Friedrichstraße belegenen Schwertfeger'schen Bank= und Wechselgeschäft zu ermorden versucht hatte, wurde heute vom Schwurgericht zu 15 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf 10 Jahre verurteilt. § Breslau, 16. Jan. Dem„B. G.=A.“ zufolge brach in der letzten Nacht in dem Hause Brüderstraße 13 ein Dachstuhlbrand aus, bei welchem 5 Personen in Lebensgefahr schwebten. Die Bewohner der ersten Etage, welchen wegen des furchtbaren Qualmes der Weg nach dem Treppenflur versperrt war, riefen zum Fenster hinaus um Hilfe, und so konnten sie von der schnell requirierten Feuerwehr noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der angerichtete Materialschaden ist bedeutend. Die behördliche Untersuchung ist im Gange, da das Feuer von böswilliger Hand angelegt worden ist. § Frankfurt a. M., 16. Jan. Wie der„Frkf. Ztg. aus Freiburg i. Br. berichtet wird, wurde der alleinstehende Handelsmann Fratheimer gestern abend in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. § Florenz, 16. Jan. Die Kirche von Valenzano ist in der vergangenen Nacht völlig ausgeraubt worden. Alle Gold= und Silbersachen im Werte von über 2000 Lire sind gestohlen. Von den Tätern fehlt jede Spur. § Chalons sur Marne, 16. Jan. Seit gestern herrscht hier und in der Umgebung heftiges Schneegestöber. Der Schnee liegt stellenweise 1 Meter hoch. Ein Personenzug blieb einige hundert Meter vor der Station Clayette im Schnee stecken und konnte nur mit großer Mühe ausgeschaufelt werden. uell mit tötlichem Ausgange. Berlin, 16. Jan. Nach dem„Lok.=Anz.“ fand heute früh zwischen einem Offizier der Schutztruppe und einem Leutnant im Grunewald ein Duell statt, wobei ersterer durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet wurde.— Der„Berl. Ztg. zufolge fand das Duell zwischen zwei Offizieren der Potsdamer Garnison statt, dem Hauptmann v. Leibziger vom 1. Garderegiment z. F. und einem jüngeren Offizier des Gardejägerbataillons. Nach dem genannten Blatte wurde der junge Offizier durch einen Schuß in den Kopf getötet. Leibziger nahm den getöteten Gegner in seinen Wagen und fuhr mit ihm zu dem Militär=Lazarett in der Scharnhorststraße. Dem Duell wohnten im ganzen 12 Offiziere bei. eine Sammlung für die Arbeitslosen eröffnet, die schon am ersten Tage 3000 Pf. St. ergab. IId Madrid, 17. Jan. In ganz Spanien ist starke Kälte, verbunden mit heftigen Schneestürmen, eingetreten. II4 Tanger, 17. Jan. Mehrere Kabylenstämme sind zum Sultan übergegangen, der Waffen und Munition in zahlreiche Mengen unter sie verteilen ließ. Die Armee des Sultans fährt fort, die strategisch wichtigen Punkte zu II4 Carracas, 17. Jan. Der General Valentin ist von den Revolutionären gefangen genommen worden. Für den redaktionellen Teil verantwortlich Wilh. Schade. Bekanntmachung. Behufs Abschätzung der zur Anlegung des Straßenzuges von der Chausseestraße bis an die herzustellende Straßenbrücke über die Beig= Märkische Eisenbahn zu Hörde in der Steuergemeinde Hörde zu enteignenden Grundflächen: 0,01 a. des Grundstücks Flur 1 Nr. 2185/363 0.09„ 0.49„ 0.02„ 0,01 „ 364/2 „ 2187/381 „ 2188/365 „ 2189/365 ist auf den 19. Januar d. Is., nachm. 3½ Uhr, an Ort und Stelle Termin anberaumt, zu dem ich die Beteiligten mit der Verwarnung lade, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung derselben verfügt werden wird. Arnsberg, den 13. Januar 1903. Enteignungs=Kommissar: Frhr. Quadt, Regierungs=Rat. Medgill. Pchousst Porte eidenstoffe von 75 l’ig. per Meter an. Muster portofrei Deutschlande grösetes Specinlgoschälls MICHELS& Cie BERLIN sw. 19 Leipzigerstrasse 43, Ecke Mark:rafen se Fabrik Orgeld Bei Einkauf von Knöterich-Thee u.-Bonbons achte man auf den Russen. Siehe heutige Annonce. Prämie 5000 Mk. Prämie 5000 Mk. Restaurant Specht, Schwerte. Der Riesen IId Berlin, 17. Jan. Der Leichenfund in der Jungfernheide ist nunmehr aufgeklärt. Es handelt sich um die 22jährige Martha Kersten, die mit dem 35 Jahre alten Kaufmann Hugo Noecker ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. Letzterer erschien vor einigen Tagen in einem hiesigen Krankenhaus mit 2 Schußwunden am Kopfe. Seinen Erzählungen von einer Liebestragödie schenkte man keinen Glauben, weil man ihn für irrsinnig hielt. Bei seiner ersten Vernehmung behauptete er, daß das Mädchen zuerst auf ihn geschossen habe. IId Berlin, 17. Jan. Die von den Anarchisten geplante Freie Gewerkschaft für Berlin und Umgegend beabsichtigte dieser Tage ihre erste konstituierende Versammlung abzuhalten, in der u. a. der Vorstand gewählt werden sollte. Die Versammlung wurde jedoch sofort nach Eröffnung von den überwachenden Polizeibeamten ohne Angabe von Gründen aufgelöst. IId Berlin, 17. Jan. Der bei dem gestrigen Duell im Grunewald getötete Offizier ist der Oberleutnant der Reserve im 1. Jägerbataillon Dr. Oye aus Flensburg. Er ist in seiner Heimat ein hochangesehener Rechtsanwalt, verheiratet und Vater von 5 Kindern. Die Persönlichkeit des zweiten Duellanten steht noch nicht fest. II4 Wien, 17. Jan. Die Tschechen setzen die Obstruktion im Abgeorductenhause fort. Gestern abend 6 Uhr begannen sich mit der Begründung ihrer Dringlichkeitsanträge, von denen noch über 20 vorliegen. Die Polen und Deutschen sind entschlossen, die Beratung der sämtlichen Anträge in einer einzigen Sitzung zu erzwingen. Es wird geplant, die Sitzung bis heute vormittag, eventuell bis heute abend dauern zu lassen. IId Paris, 17. Jan. Dr. Charkot, ein Sohn des bekannten Professors, bereitet gegenwärtig eine Expedition nach dem Nordpol, besonders nach dem St. JosefsGebiete vor. Die Abreise soll im Mai auf einem Zweimaster von 400 Tons Gehalt, welcher zur Zeit im Bau begriffen ist, erfolgen. Dies ist die erste seit 1836 nach dieser Gegend unternommene französische Expedition. IId Paris, 17. Jan. Mit den Versuchen, die Sahara mittelst Ballons zu durchqueren, ist nunmehr begonnen worden. Gestern abend 5 Uhr wurde ein Versuchsballon abgelassen, an welchen Briefe des tunesischen Generals Allegro, Gouverneur des Gebietes von Arad, an die großen Suarez=Führer befestigt wurden. Der Ballon ging in westlicher Richtung ab. II4 Rom, 17. Jan. Die Nachbargevaude des vem Einsturze nahen Palazzo Ducale sind auf polizeiliche Anordnung geräumt worden. Mit der Niederlegung eines Teiles des Gebäudes ist begonnen worden. Die Arbeiten werden unter Anwendung der größten Vorsichtsmaßregeln ausgeführt, da man jeden Augenblick einen teilweisen Einsturz des Palastes befürchtet. Hd London, 17. Jan. 5000 Arbeitslose durchzogen gestern die Straßen der Stadt und baten Vorübergehende um milde Gaben, zu deren Aufnahme sie Sammelbüchsen mit sich führten. Der„Daily Chroniele“ hat größter und schwerster Ochse der Welt, lebend zu sehen vom 15. bis inkl. 18. ds. Mts. Dieses Riesen=Exemplar ist ca 2 Meter hoch, 3 Meter 60 Zentimeter lang und wiegt ca. 35 Zentner. 5000 Mk. Prämie demjenigen, der ein gleiches Exemplar in ganz Deutschland nachweisen kann. Es ladet ergebenst ein Der Besitzer. Nur elnige. Trapfen der rühmlichst bekannten Uunge geben schwachen Suppen, Parze Saucen u. Gemüsen kräftigen Geschmack. Stets vorrätig bei L. Weinberg, Hüsingetrasse. Fensterglas, Roh-, Mousselin-, Mattglas, Ornament. und Cathedralglas, belegt und unbelegtes' Spiegelglas, nach jedem Maass geschnitten, empfiehlt Carl Trog, Schwerte. Kopfgrint geheill! Wein Sohn litt seit vier Jahren an einem bösen, ekelhaften Kopfgrind und Drüsengeschwülsten. Der ganze Kopf war bis zu den Ohren herab mit einer gelben, übelriechenden Borke bedeckt aus der von Zeit zu Zeit Blut und Eiter hervorquoll. Alles, was ich dagegen anwendete, war vergebens. Da hörte ich denn von den großartigen Heilerfolgen des Herrn I. Overmann, i. Westf., Kaiserstr. 4, dem ich denn auch mein krankes Kind in Behandlung gab, und siehe da, mein Sohn war in kurzer Zeit sowohl von seinem Ausschlag wie von den harten Drüsen vo ständig befreit. Nachdem nun seit der Heilung ungefähr 1 Jahr ist, fühle ich mich veranlaßt, Herrn Overmann für die so glücklich erfolgte Heilung öffentlich zu danken und ähnlich Leidenden auf dessen Heilmethode aufmerksam zu machen. Zu sprechen: Donnerstag= und Sonntags vormittag. in Dezenber 1902. Wigg, Standesamt Schwerte. Anmeldungnn vom 1. bis 15. Januar 1903. Geburten: 1 Sohn: Schlosser Wilhelm Goos. Fabrikarbeiter Karl Beste. Landwirt Wilhelm Klempt. Klempner Wilh. Weber. Fabrikarb Georg Helm. Fabrikarb. Wilh. Hangebrock. Fabrikarb. August Philipp. Fabrikarb. Peter Demgen. Bäcker Konditor Heinrich Krumme. Fabrikard. Wilhelm Figge— 1 Tochter: Gasarbeiter Wilhelm Stall. Brieke. Invalide Heinrich Brenne. Fabrikarb. Friedr. Fabrikarb. Daniel Flüshöh. Schneider Wilhelm Rogge Dreher Josef Strophff. Gerichtssekretär August Bach. Fabrikarb. Caspar Sierberat häuser, Henriette geb. Dreihaus, 57 J. Brauer Albin Steiner 33 J. Bahnwärter a. D. Theodor Brinker 73 J. Maschinist Friedrich Heierhoff 67 J. Schieferdecker Ludwig Ringeling 56 J. Friedrich Hageböck 4 J. Schneider Diedrich Schmidt 57 J. Antonie Breter 3 J. Tagelöhner Gottesdienste Schwerte. Gottesdienstordnung der kath. Pfarrkirche. Sonntag, den 18. Januar 1903. 2. Sonntag n. Erscheinung Vormittags: 6½ Uhr: Stille hl Messe. 7½ Uhr: Stille hl. Messe. 8¾ Uhr: Stille hl. Messe mit 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags: 2 Uhr: Andacht. 4½ Uhr: Sodalität. 6 Uhr: JosephsVerein. — — Preise und Qualitäten der von uns ausgelegten Warenposten werden überzeugend beweisen, dass die Leistungsfähigkeit der Firma Gebr. Alsberg an erster Stelle steht. Beispiele unserer hervorragenden Angebote: Küchentücher kräftige Qualität 58 X70 cm A6) gros jetzt p. St Pig. e M Damen-Hosen aus solid. Fancy mit Spitze jetzt p. St. Pfg. 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Indessen, die Periode des Ueberganges scheint erledigt: Der rechte Winter löste die Influenza=Temperatur ab, und die Zeit scheint nahe zu sein, wo es nicht allein zu zeigen gilt, was man möchte, sondern vornehmlich, was man kann. Jedwede burgerliche Tätigkeit läuft, wenn sie sonst eine streng solide sein soll, auf ein großes Rechen=Exempel hinaus, und mit einer Staatsverwaltung ist es am Ende nicht anders bestellt. Ob's im ungünstigen Falle beim Bürger nun Unterbilanz heißt, oder im Staate Defizit, das ist im Grunde genau dasselbe. Angenehm ist's hier, wie dort nicht, und der Rest heißt hier Schulden, dort Inanspruchnahme des Staatskredits. Tatsächlich ist's genau dasselbe. Und bei dem Punkte wären wir nun wieder einmal praktisch angelangt, nachdem teoretisch wir schon lange uns dort befunden haben. Das heißt: Herausgerechnet war das Defizit im Reiche, wie in Preußen und in manchem anderen Bundesstaate schon lange; nunmehr gilt es, für die Deckung zu sorgen!„..—. g.: Stall nochmals Es ist wohl üverflüssig, an dieser Stelle nochmals in allen Einzelheiten aufzuführen, daß das deutsche Reich nicht wenig über hundert Millionen Mark, das Königreich Preußen auch einen gehörigen Posten Unterbilanz hat, es ist mal so, und jeder Reichs= und Staatsbürger ist in dem Wunsche einig, daß ihm so wenig wie möglich Beiträge zur Deckung dieses Ausfalles zugemutet werden möchten. Andere Bevölkerungs=Kategorien, wie z. B. die Beamten, müssen an sich nicht unberechtigte Wünsche für eine Aufbesserung bei Seite stellen, wie denen das heimtückische und geheimnisvolle Ding, genannt ungünstige Finanzlage, manche Hoffnungen in den Schornstein schreiben heißt. Und hinzukommt, daß außer dem deutschen Reich, außer den einzelnen deutschen Bundesstaaten, auch die Verwaltung der engsten Heimat immer höhere finanzielle Ansprüche stellen muß. Die Karren rutschten in den guten Jahren mit den flott geschmierten Rädern zu schnell vorwärts, als daß es nun mit einem Male möglich wäre, ihn wieder zum Stillstand zu bringen. Und dabei muß, um der Wahrheit die Ehre zu geben, betont werden, daß keine einzige deutsche Verwaltung sich zu übergroßen Ausgaben hat fortreißen lassen, es geschah nur, was angesichts der recht veränderten Lebenshaltung und ihrer Unkosten geschehen mußte. Indessen nun will es nicht mehr, es müssen die Löcher der mangelnden Einnahmen fein säuberlich zugestopft werden. Dabei kann ja für manchen, der nicht daran denkt, ein kleiner Stich abfallen, der etwas schmerzt im Augenblick, aber wirkliche Wunden werden es nicht. Das in den guten Jahren gewonnene Fett des deutschen Nationalwohlstandes ist leider bei dem Umschlage der Konjunktur meist wieder fortgegangen, und das brauchte nicht zu sein. Aber da es nun mal in bekannter Weise, auf die hier nicht weiter eingegangen zu werden braucht, gesechehen ist, müssen wir daruber fortzukommen suchen. Und zwar in rechter Weise! Denn wir wollen doch auch bedenken, daß heute am lautesten nicht selten von denjenigen Stellen aus gestöhnt wird, welche den Vorteil der guten Konjunktur im vollen Umfange zu genießen bekamen, aber sich nicht vorsahen, während andere, die kaum zu kosten bekamen, heute seufzend schweigen. Das will besagen, daß vom Reiche aus die Aufbringung neuer Einnahmequellen nicht in Bausch und Bogen betrieben werden darf; wir haben im Deutschen Reiche auch ärmere Gegenden, ärmere Staaten, die wenig von der flotten Zeit hatten, denen daher auch nicht zugemutet werden kann, zu leisten, wo ihnen nicht geleistet ist. Es giebt noch Goldquellen im Deutschen Reiche, die gefahrlos angezapft werden können, wer sucht, der wird auch finden, ohne daß er zu befürchten braucht, im Dunkeln ins Wasser der Erfolglosigkeit zu fallen. Probieren geht über Studieren gerade in solcher Zeit. Der deutsche Kronprinz reiste auf Einladung des russischen Kaisers nach Petersburg, später wird eine Fahrt nach dem Orient und nach dem Mittelmeer folgen. Diese Ausflüge, welche zugleich den Abschluß der Bonner Studetenjahre des Erben der deutschen Kaiserkrone bedeuten, betätigen die guten Beziehungen des Deutschen Reiches zu Rußland und zu anderen Staaten, es liegt ihnen aber nicht der Gedanke inne, daß hiermit irgendwelche politische Ziele verbunden oder erreicht werden sollen. In wenig erfreulicher Weise dauern die Erörterungen über das Drama in der sächsischen Königsfamilie fort, ohne im geringsten etwas Neues aber zu bringen. Die ganze leidige Affäre beweist nur, daß im gleichen Maße, wie in unserer Zeit die egoistische Selbstsucht stieg, das arbeitsvolle Pflichtgefühl gesunken ist. Nichts tut jedwedem Menschen, in jedem Kreise, in jedem Stande heute nötiger, als eigene verantwortliche Tätigkeit in Beruf oder Familie. Es ist das beste Mittel zum Schutze gegen krause Ideen. Nicht mit Phrasen brillieren, sondern mit echten Taten! Für die letzteren ist eben niemand, niemand zu schade! Die Politik im Auslande nimmt gerade so, wie bei uns, überall einen Aufschwung, einesteils, weil die Parlamente zu arbeiten beginnen, zum andernteil, weil schon länger schwebende Fragen der Erledigung zudrängen. Im gewissen Sinne gilt das auch für die schöne VenezuelaGeschichte, deren Fahrzeug langsam, aber sicher in das Fahrwasser der schließlichen Erledigung einzulaufen beHaste Kchcst Galise mach uich Aischesict scte. im übrigen indessen braucht er nicht erst mürbe zu werden, sondern ist dies schon. Was ihn noch abhält, offen den Kopf zur Unterwerfung zu neigen, das ist der Umstand, daß er sich scheut, einzugestehen, wie die venezolanische Staatskasse so leer ist, wie eine von Mäusen ausgefressene Haferkiste. Und vom eigenen, was er sich so in seinen noch immer ziemlich jungen Jahren zusammengestohlen, will der Ehrenmann natürlich nichts herausgeben. Er wird schon Rat schaffen, er besitzt ja Uebung darin. Auch die Chinesen, die sich gesträubt haben, die fällige Kriegskostenration in gutem Gelde zu zahlen, weil sie auf die heimliche Unterstützung irgend einer Macht rechneten— am meisten der Nordamerikanischen Union oder Rußlands— besinnen sich. Es hätte aber überhaupt nicht so weit kommen sollen, die Herren Diplomaten konnten die ganze Hinterlist und Falschheit der Langzöpfe nachgerade doch kennen. Herr Chamberlain sucht in Südafrika von den einstigen Burenstaaten herauszuschlagen, was möglich. Edel ist's gerade nicht, die Finger in anderer Taschen zu stecken, freilich billiger, als in die eigenen. Und das entscheidet und entschied für diesen Herrn von je! Zeitgemäße Betrachtungen. „Die Einfachheit!“ Es sagt ein Sprüchlein schon aus alter Zeit: Der größte Reiz liegt in der Einfachheit! Die Einfachheit wird stets gelobt auf Erden, Wer übertreibt, wird leicht geschmacklos werden. Drum fort mit dem Geschnörkel und Gezier In Wert und Schrift, in Kleidung und Manier; Es soll der Mensch in seinem Tun und Treiben Vor allen Dingen möglichst einfach bleiben! * Wir alle sind der Mode untertan, Die Einfachheit bricht sich nur langsam Bahn, Vielleicht geschieht's trotzdem in künftgen Tagen, Daß unsre Frauen ein Reform=Kleid tragen. Vielleicht gilts später ganz und gar als Norm Daß sich die Refform einhüllt in Reform, Und ist verdrängt erst die Pariser Mode, Dann erst beginnt der Einfachheit Periode! Wir üben, was die Einfachheit betrifft, Dieselbe neuerdings in Wort und Schrift, Die Sparsamkeit gilt überall als brav Für Sparsamkeit ist selbst der Ortograph, Das„h“ macht ihm fortan nur wenig Qual, Er läßt es fort in Taler, wie in Tal, Des Töpfers Ton wird dadurch auch nicht länger Er wird so kurz und gleicht dem Ton vom Sänger! Sinnsprüche, Denksprüche, Sprichwörter 2c. Zufriedenheit ist große Kunst, Zufrieden scheinen großer Dunst, Zufrieden werden großes Glück, Zufrieden bleiben Meisterstück. Wer seine Zung' nicht zügeln kann Und übel red't von jedermann, Derselbig wiß zu dieser Frist, Daß ihm mein Haus verboten ist. Alte Inschrift. * Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort Der Frauen weit geführt. Goethe. Briefträgers Hannchen. Von Georg Paulsen. (Nachdruck verboten.) (16. Fortsetzung.) Die Beherrscher der Posthalterei waren mit den Jahren auch die des Heidenturms geworden. Was hatte das alte Gemäuer nicht durchgemacht? Ursprünglich hatte es wohl ein Grenzgraf des Frankenreiches erbauen lassen, der die über den Rennweg vordringenden heidnischen Scharen rechtzeitig beobachten wollte, um wirksame Abwehrmaßregeln treffen zu können. Später mochte sich ein wuchtiger, starker Herrensitz daran geschlossen haben, und die wehrhafte Burg hatte in mancher Fehde dem andringenden Gegner erfolgreich widerstanden. Dann hatte der Bau als Verließ gedient, zuerst des Landesherrn, dann als Gewahrsam der städtischen Verwaltung, und am Ende war er unter die Hand der Posthalter=Dynastie gekommen. Es klang ja komisch geradezu nach dieser großen Vergangenheit, aber es stimmte nun einmal, und die einstige Trutzwehr war heute— ja, es muß gesagt werden, ein Bierkeller geworden, in dessen mächtigem Kellergewölbe die Fässer aufgespeichert lagen, die mit dem guten„Posthalterstoff" gefüllt waren. Denn zur Posthalterei gehörte außer dem stattlichen landwirtschaftlichen Betrieb auch eine ansehnliche Brauerei, aus welcher eine ganze Reihe größerer und kleinerer Gastwirtschaften ihren Bedarf entnahmen. Es war ein einträgliches Anwesen, die große Posthalterei, und das Vermögen der gescheidten, sparsamen und nüchternen Inhaber hatte eine sehr beträchtliche Höhe erreicht. Witzbolde hatten mehr als einmal— im Hinblick auf den Spandauer Festungsturm, in dem der deutsche Reichskriegsschatz geborgen liegt, angeregt, ob der Posthalter von Sonnenfeld den Heidenturm sich nicht zu seinem PrivatJuliusturm ausbauen lassen wolle..“ Und Sebastian Grau, der sonst nicht gerade zu allerlei Späßen neigte, hatte dazu blos leicht gelacht. Der tüchtige Mann war nur darauf sein Lebtag stolz gewesen, daß er der eigenen Arbeitskraft und Schaffenskraft so viel verdankte. Den Gipfel des Turmes umlief eine hohe Brustwehr aus massivem Gestein. Im Schatten des Gemäuers liegt eine Steinbank; man konnte da oben in allem Frieden sitzen, ohne irgendwie gestört oder auch gesehen zu werden. In jüngeren Jahren hatte das Posthalterspaar an manchem Abend dort verweilt, denn sie hatten„auch ihre Stunden gehabt“, aber seit langem war die Plattform von ihnen nicht wieder betreten. Die Treppe nach oben war wenig bequem und dem ergrauten Manne, der sonst einen tiefen Sinn für die Natur hatte,„ging dabei die Luft aus.“ Die Frau Posthalterin meinte freilich, man hätte wichtigeres zu tun, als da oben dem Raubzeug zuzuschauen, das über dem Bergwald kreiste. Es war schön dort oben; die blauen Berge mit den sanften Kuppeln im Hintergrunde, zu Füßen dunkle Waldungen und weite grüne Matten, dazwischen die roten Dächer von Sonnenfeld. Ein helles Stück wohligen Friedens in dieser unruhigen Welt, deren Künder, die schnaubenden Eisenbahnzüge, nur durch einen schwachen Nauchireifen in der Ferne sich verrieten. Die Nacht war hereingebrochen, als sich Hannchen Hölder, dicht vermummt, der mit Eisen beschlagenen festen Turmtür näherte. Rund herum war kein Laut hörbar, nur von der Stadt herüber klang dann und wann Geräusch. Die Luft war mild, der Mond unsichtbar, aber die Sterne funkelten in der reinen, klaren Luft wie Silber. Das junge Mädchen hatte noch im letzten Augenblick geschwankt, ob sie den Weg unternehmen sollte; so viel war ganz gewiß: kam dieses Rendezvous den Leuten zu Ohren, dann hörten die Sonnenfelder so bald nicht wieder auf, davon zu erzählen. Und wenn sie noch darüber fortkam, aber was würde der Vater für Augen machen? Sie schwankte! Aber sie hatte es nun einmal versprochen, und so entfernte sie sich von Hause unter dem Vorwande, eine kranke Pate noch einmal besuchen zu wollen. „Daß Du aber nicht in die Nacht hineinbleibst!“ warnte die Mutter. Hannchen versprach es, ganz gewiß, sie wollte nicht länger, als ein kleines Stündchen fern sein. Hermann Grau saß auf den Stufen vor dem Turm. „Sei ganz ruhig, Hannchen,“ mit diesen Worten empfing er sie,„niemand zu sehen und zu hören. Komm' schnell.“ „Aber nicht länger als eine halbe Stunde!“ bedang sie sich. Er nickte. Er war so bewegt, daß ihm die Sprache einen Augenblick versagte. Gerauschlos öffnete der junge Mann die schwere Tür, die beiden schlüpften hinein, und ohne einen Laut fiel die Tür ins Schloß zurück. Tiefe Dunkelheit umgab die Jugendgespielen, sie meinten, das Pochen ihrer Herzen zu hören. „Ich möchte doch lieber wieder gehen——,“ begann Hannchen scheu, aber da nahm ihr Begleiter schon eine kleine Laterne aus der Tasche.„Sei ohne Furcht, Mädele!“ bat er mit seiner weichen Stimme,„ich bin ja bei Dir!“ Ich glaube, daß auf jeglichem Gebiet Die Einfachheit stets größere Kreise zieht Und will in Zukunft zemand depeschieren, So kann er's schließlich„ohne Draht" riskieren, Auch manch ein Wagen kommt uns einfach Ihn zieht kein Pferd, ihn treibt jetzt der Motor, Das Pferd wird seine„Zugkraft" noch verlieren Und schließlich ganz zum„Schlachtroß“ avanzieren! Zu dem neuesten Ehe=Zerwürfnis. vor Manch einer hat das Pferd zum„Essen“ gern Dies zeigten kürzlich viel' Berliner Herrn Dort im„Verein zum Tierschutz" ward beraten, Daß man sich gütlich tu' am Pferdebraten, Wenn drum das Rößlein nicht mehr ziehen kann, So nimmt der Tierfreund gern sich seiner an, In aller Einfachheit gespeist zu werden! Das ist das Los der Schönen hier auf Erden! Es ändert sich so vieles mit der Zeit, Das Beste aber bleibt die Einfachheit, Und immer wird es die Erfahrung lehren, Nur weise ist's, zu ihr zurückzukehren, Wer immer einfach bleibt, das liegt sehr nah, Der überschreitet niemals den Etat, Und die Zufriedenheit wird sein Begleiter In allen Erdentagen sein! Ernst Heiter. Nach einer Meldung aus Wien soll ein ernster Konflikt zwischen dem gräflichen Ehepaare Lonyay ausgebrochen sein, der zu einer Trennung führen werde. Wir geben deshalb unsern Lesern beistehend die Porträts der Genannten. Gräfin Lonyay, geborne Prinzessin Stefanie von Belgien, ist bekanntlich die zweite Tochter des Königs Leopold von Belgien; sie hatte sich mit 17 Jahren in Wien am 10. Mai 1881 mit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich vermählt, 11 Jahre nach dem Tode desselben war sie dann am 22. März 1900 eine zweite Ehe mit dem Grafen Elemer Lonyay eingegangen. Es verlautete schon seit längerer Zeit, daß diese Ehe keine glückliche sei. Kleine Chronik. Berlin, 15. Jan. Nach einer Meldung aus Nürnberg droht eine Zuschrift an den„Fränk. Kurier“ von einer dem toskanischen Hofe nahestehenden Seite mit der Veröffentlichung des aufgefangenen Briefwechsels, falls Giron auch ferner den jetzigen ruhigeren Gang der Ausgleichsverhandlungen durch seine Einwirkung auf die aufgeregte Kronprinzessin und durch unwahre Angaben in den ihm ergebenen Blättern störe. + Magdeburg, 15. Jan. Die Stadtverordnetenversammlung ging über einen von sozialdemokratischer Seite gestellten Antrag, für Notstandsarbeiten 100 000 Mark aus städtischen Mitteln zu bewilligen, nach längerer Debatte mit 37 gegen 17 Stimmen zur Tagesordnung über. Es wurde hervorgehoben, daß die Arbeitslosigkeit nicht derartig sei, um eine solche Vorlage zu rechtfertigen. Bei der letzten Arbeitslosenzählung seien nur 3000 Arbeitslose, einschließlich Frauen und Kinder, ermittelt worden. + Halle a. S., 15. Jan. Im benachbarten Zöschen ertranken drei Schulknaben, welche die noch nicht tragfähige Eiskruste des Teiches betreten hatten. + Metz, 14. Jan. Die Vereinsmeierei hat hierselbst eine eigentümliche Blüte getrieben. In einem hiesigen Blatte findet sich nämlich folgendes Inserat:„Achtung! Alle diejenigen Herren, welche sich für Gründung eines „Vereins für unglücklich Liebende“ interessieren, werden gebeten, sich am Samstag, den 10. d. Mts., abends 9 Uhr, im Restaurant„Café London“ in Montigny einzufinden. Mehrere Unglückliche. Ein Verein mit demselben Titel bestand in Dortmund schon vor 15 Jahren. Die Dortmunder sind den Herrschaften in der Garnisonstadt Metz demnach um viele Jahre voraus. + Paris, 15. Jan. Während des gestrigen Tages sind infolge der starken Kälte 10 Personen auf der Straße zusammengebrochen und mußten ins Hospital gebracht werden. In der letzten Nacht sank die Temperatur auf 18° unter Null. + Venedig, 15. Jan. Da die„Bibliotheca Marciana“ sowie die Säulen des Palazzo Ducale dem Einsturz nahe sind, wurde behördlich deren Räumung angeordnet und bereits damit begonnen. + Odessa, 15. Jan. Der in den letzten Tagen auf dem Schwarzen Meere wütende Sturm hatte zahlreiche Schiffsunfälle zur Folge, darunter auch den Untergang des griechischen Dampfers„Parthenon". Nur einem Teil der Besatzung, 7 Mann, gelang es, sich in ein Boot zu retten, das von einem Lloyddampfer ausgenommen wurde. + Newyork, 15. Jan. Der seit vier Tagen überfällige Dampfer der amerikanischen Linie St. Louis hat schadhafte Kessel. Die Zeitungen wundern sich, daß man ein solches Schiff überhaupt mit fast 300 Passagieren dem Meere anvertraut hat. sehr vermögenden Selbstreflektanten unter K. V. 527 an die Expedition der Voss. Ztg. f(Gefangen.)„Am letzten Sonntag,“ sagt der Prediger zu seiner Gemeinde,„warf jemand einen Knopf in den Klingelbeutel. Ich will keinen Namen nennen, ich will nur sagen, daß nur eine Person aus der Gemeinde dies tun konnte. Ich erwarte von diesem Gemeindemitglied, daß es nach dem Gottesdienst diesen Knopf durch eine Reichsmünze ersetzen wird." Nachdem der Gottesdienst beendet war, suchte ein wohlhabender, aber geiziger Mann den Prediger in der Sakristei auf.„Ich— hm, „muß mich entschuldigen, Herr Pastor, hm— wegen des — Knopfes. Ich kann Ihnen versichern, es war nur ein Zufall. Ich hatte zufällig den Knopf und ein Markstück Vermischtes. f(Ein edler Gemütsmensch) sucht wiederum in der bewußten Spalte der„Voss. Ztg.“ sein Geschäftchen zu machen. Neulich ein 50jähriger adeliger Junggeselle, der in einem schlechten Gedicht eine Lebensgefährtin„mit einigen 100000 Märker" sucht, weil das„die Liebe stärker“ macht,— heute gar ein Fürst. Er annonciert unter Klischee einer Fürstenkrone:„Zu einer fürstlichen Adoption mit Uebertragung des Titels wird junger Mann (nicht über 38 Jahre alt) gesucht. Zuschriften nur von Und als sie sich nun in die verhüllten Gesichter schauten, da brach der Jugendhumor wieder durch. Gar zu geheimnisvoll schauen wir drein, lachte Hannchen,„bald wie ein paar Spitzbuben oder ein paar Schatzaräber!“ hatgrader! „Bist auch ein Schatz, kostbarer als Gold,“ sagte er innig.„Liebes Hannchen!“ Und damit faßte er ihre Rechte. Siesah ihn von der Seite an, ließ ihm aber ihre Hand. Sie fürchtete den guten Jungen nicht, aber wenn sie hätte denken können, hier sollt's am Ende gar eine feierliche Liebeserklärung geben, dann wäre sie doch wohl nicht hergekommen. Und die Einleitung schien doch darnach. Sie eilte, wieder ins Freie zu kommen und stieg an seiner Hand hastig die Steinstufen der Treppe empor. „Vorsicht!“ rief Hermann, als man ziemlich oben war, dann löschte er die Laterne, und Hannchen stand tiefatmend still. Da, mit einem Male, als sie das Oeffnen des Plattform=Verschlusses erwartete, fühlte sie sich umfaßt, heiße Lippen preßten sich auf die ihrigen. Sie stand wie erstarrt. (Fortsetzung folgt.) mend und ihm den Knopf aushändigend.—„Aber,“ sagte der Mann,„ich begreife nicht, wie Sie wissen konnten, daß ich es war, der— nun der das bedauerliche Versehen beging.—„Ich wußte es auch nicht,“ erwiderte der Prediger.—„Sie wußten es nicht! Aber Sie sagten doch, Herr Pastor, daß nur eine Person in der Gemeinde es getan haben könnte.— Ganz recht, Sie werden begreifen, daß es kaum möglich ist, daß zwei Personen einen Knopf in den Klingelbeutel gelgt haben, nicht wahr?“ fragte der Perdiger mit mildem Lächeln. Es war für den Knopfspender leicher„adieu" zu sagen, als diese verwirrende Frage zu beantworten. Er verbeugte sich schweigend und zog sich schleunigst zurück. (Ueber einen fürchterlichen Racheakt) wird aus Newyork gemeldet:„In der Newyorker Vorstadt Mount Vernon trug sich ein erschütterndes Trauerspiel zu. Der hochangesehene Arzt und Stadtrat Dr. House hatte kürzlich seinen Kutscher, einen Schweden namens King, wegen fortwährender Trunkenheit entlassen müssen. Als dieser aber nach seiner Entlassung noch wiederholt ins Haus kam, um seine Geliebte, eines der Dienstmädchen, zu sehen, wurde der Mann schließlich mit Gewalt aus der Wohnung entfernt, wobei er furchtbare Rache schwor. Am nächsten Tage drang er wieder ins Haus ein, zu einer Zeit, wo der Doktor und seine Gattin abwesend waren, verlangte von dem Dienstmädchen, daß es mit ihm davonginge, und als dies rundweg abgeschlagen wurde, stürzte der wütende Mensch sich auf das im Zimmer schlafende einzige vier jährige Töchterchen des Doktor House, und schnitt ihm mit einem Rasiermesser den Kopf fast vollständig vom Rumpfe. Dann riß er einen Revolver aus der Tasche und zerschmetterte sich mit einem Schuß den Schädel. Der Mörder hat die grauenhafte Tat wahrscheinlich in einem Anfall von Säuferwahnsinn vollführt. ](Ein schwieriges Wort.) Wenn es schon in unserer Sprache nicht allzuleicht sein soll, einen wohlgebauten Vers zu schreiben, so ermesse man die Schwierigkeiten für den Eskimodichter, der mit wahren Wortungetümen zu kämpfen hat. Ein solches Wort teilt Dr. Wilfred Gresfell in„Toilers of the Deep“, dem Organ der englischen Mission für Tiefseefischer, mit:„Tssuniagijaujungnaenekarasuartsanainartuksaugalloarpaguelleajornietingnit.“ Für den Eskimo bedeutet dieses liebliche Wort,„daß wir uns tatsächlich immer bemühen müssen, damit uns unsere Sünden vergeben werden.“ (Das Geheimnis.) Unter dieser Spitzmarke wird der Oberschles. Volks=Ztg. aus Leobschütz erzählt: Eine Dame gab ihrem Manne morgens einen versiegelten Brief, bat aber, diesen erst im Bureau zu öffnen. Als er dort das Schreiben aufbrach, las er:„Schon über eine Woche war ich sicher, daß ich soweit würde getrieben werden, doch hielt ich mein Geheimnis in mir verschlossen bis heute: nun kann ich es nicht länger verbergen! Du darfst mir keine allzu bitteren Vorwürfe zu machen, ich hoffe sogar, daß Du Dich nicht zu sehr aufregen wirst." Der Gemahl, dem die Haare zu Berge standen, wandte das Blatt um und las weiter:„Der Kohlenvorat ist zu Ende, und ich bitte Dich, zu dem Kohlenhändler zu gehen. Ich dachte, dies wäre das beste Mittel, mich zu vergewissern, daß Du es nicht wieder vergissest!“. Und er vergaß es nicht! t(Einen erfolgreichen Ehestifter) nannte sich Gouverneur Leutwein von Deutsch=Südwestafrika in einem Vortrage, den er eben in der Kolonialgesellschaft zu Leipzig hielt. Und das mit Recht! Denn er hat bereits 90 Ehen vermittelt. Oberst Leutwein begrüßt es mit Ge nugtuung, daß deutsche Mädchen nach Südwestafrika auswanderten, und die Regierung fördere es mit allen Kräften, daß die deutschen Ansiedler auch deutsche Frauen heirateten. Jedes deutsche Mädchen, das in Swakopmund lande, habe Aussicht, bald unter die Haube zu kommen. Uebrigens verfolge England in Südafrika neuerdings dasselbe System, indem es englische Mädchen zur Auswanderung nach Südafrika ermuntere, um zu vermeiden, daß die englischen Soldaten Burenmädchen heirateten und so das Afrikandertum gestärkt werde.— Die Einwanderung von Buren in Deutsch=Südwestafrika sei hinter den Erwartungen weit zurückgeblieben oder, wenn man so wolle, hinter den Befürchtungen. Er, der Gouverneur, schätze die leistungsfähigen Buren sehr hoch, wenn er selbstverständlich auch auf ihren Farmen lieber deutsche Bauern sähe. (Daß eine Schwester gegen den Bruder) aus bloßer Habgier die Waffe erhebt, kommt gewiß nicht oft vor. In Mölln bei Lübeck galt die 34jährige Ehefrau Karoline Blasen bis zum Tode ihres Vaters als dessen alleinige Erbin. Der Erbe bestand in der Hauptsache aus einem Hause. Da die Tochter den kränklichen Vater sehr roh behandelte, änderte dieser kurz vor seinem Tode das Testament zugunsten des jüngeren Sohnes ab. Die Schwester erfaßte nun ein solcher Haß gegen den Bruder, daß sie beschloß, ihn zu töten. Sie kaufte sich einen Revolver, lauerte dem Bruder an einer einsamen Stelle der Chaussee auf und schoß auf ihn. Nur der Umstand, daß der erste in unmittelbarer Nähe abgegebene Schuß versagte, rettete sein Leben. Er flüchtete schnell, sodaß beim zweiten Schuß schon mehrere Schritte zwischen ihm und der Schwester lagen. Die Kugel pfiff dicht an seinem Kopfe vorbei. Die Geschworenen verurteilten die Angeklagte zu 9 Jahren Zuchthaus. Für den redaktionellen Teil verantwortlich: Wilh. Schade. Insertionszelle ode 10 Pfg. Fernsprech Durchgerungen. „Daß auch mir gerade so ewas passieren muß," polterte der Grünhofbauer, indem er mit der geballten Faust auf den Tisch schlug, daß das ganze Tischgerät in klirrende Bewegung geriet,„ich erlaub’ es einmal nicht; Ihr könnt anstellen, was Ihr wollt. Das sollt' mir gerade passen, für einen hergelaufenen Menschen, einen Habenichts, lange Jahre gearbeitet zu haben.—„Und einen anderen nehm' ich nicht,“ behauptete die Maria;„wenn Ihr nicht zugeben wollt, daß ich den Franzl heirat', nachher muß es ohne Eure Erlaubnis gehen. Um dem Hofe eines reichen Bauern zuzuführen, lasse ich mich nicht verschachern.—„Potz Blitz und Hagel! Drohen will mir das Mädel," fuhr der Bauer auf,„und von„Verschachern“ redet sie. Was sollen solche Worte? Wenn Du nicht mehr Stolz in Dir hast und um einen Haderlumpen Dein Erb’ aufs Spiel setzen magst, nachher kannst ja tun, was Dir beliebt.“— So hat denn die Maria auf Geld und Gut verzichtet und den Mann ihrer Liebe, den Franzl, geheiratet. Nichts als ihre gesunden Arme und ein paar Taler Gespartes haben sie mitgenommen, als sie die Gegend verließen. Aber es soll ihnen gut gehen, unverdient gut. Der Hof, den der Franzl sein eigen nenne, könne sich dreist mit den allerbesten, auch mit dem Grünhof, messen, behaupteten die Leute, welche von der Seeseite her kamen.— Der Grünhofbauer hörte wohl auch diese Reden, ging indessen achselzuckend darüber hinweg; er konnte nicht recht daran glauben, er wollte es auch nicht. Wie oft hatte er es sich ausgemalt, daß Maria, seine einzige Tochter, sein einziges Kind, abgehärmt und zugrunde gerichtet, eines Tages auf der Schwelle erscheinen und ihn flehentlich um Aufnahme bitten würde.— Er hätte ihr gewiß verziehen, sie und ihre Kinder aufgenommen; nur dem Friedensstörer, dem Franzl, konnte er unmöglich jemals gut sein, der sein Juwel hinab„in Unglück und Elend gezogen“. Und nun sollte seine ganze Sinnierung nicht zutreffen? Eine bösartige Epidemie suchte das abgelegene Dorf heim und warf auch den Grünhofbauer aufs Krankenlager. Lange schwebte er zwischen Leben und Tod, bis endlich seine kräftige Natur durchdrang. Die Rekonvaleszentenzeit dehnte sich lang aus; Gram und Kummer ließen den Mann nicht zu Kräften kommen, sodaß endlich der Doktor ein Machtwort sprach und den Franzl mit Weib und Kind herkommen ließ, um die Sehnsucht des Bauern, die sich in den Fantasien desselben während der Krankheit genügsam geoffenbart hatte, zu stillen. An einem schönen Sonntagmorgen war es, wo der Grünhofbauer im Schatten des alten Birnbaumes vor der Türe saß, als ein schmuckes Wägelchen vor dem Hofe hielt, und herein traten die Ersehnten. Nein, diese taten ihm keine Unehre an, er durfte stolz auf sie sein, stolz in allen Dingen. Die Versöhnung kam schnell zustande, und eines Herzens, eines Sinnes saß man bald um den großen Tisch in der Stube. Hin und her ging das Gespräch, von diesem und jenem wurde geredet, bis endlich der Bauer sich nicht enthalten konnte, zu fragen:„Wie habt Ihr's denn eigentlich gemacht, um so schnell empor zu kommen?"— Da lachte der Franz und antwortete:„Nur dadurch, daß wir rationell wirtschafteten und im Stalle regelmäßig das bekannte Milch= und Mastpulver„Bauernfreude", aus der Chemischen Fabrik der Firma Th. Lauser in Regensburg verwendeten. Ich erprobte dieses glänzende Präparat zuerst an meinem Vieh, und als ich seine einzige, unübertreffliche Wirkung erkannt, übernahm ich den Vertrieb für die ganze Gegend, schaffte mir dadurch einen hübschen Nebenverdienst, und heute— dafür garantiere ich— gibt es in der ganzen Gegend nicht einen Viehzüchter, der die „Bauernfreude", nicht verwendet.“ Glückselig lächelnd hörte der Grünhofbauer zu, und mit herzlicher Freude nahm er die Hände seines Schwiegersohnes in die seinigen und drückte sie ihm mit väterlichem Stolz.(Entnommen dem„Landw. Zeitgeist“(Straßburg). Kai Aufenth kein Zeic #laut Kro gramm helm vo seine Ar Große, der. I den„li KKronpr Prinze „Uaus abend russisch vom ziere d heutige Dessau kanzlei enthal haupte malen wunde gerste Hande äußer erst n gehen jetzt h Malz= (kons. Mülle seien brauch bestri. müsse noch (frs. Reiche Hand Fleise Sitzu mel unte hin fass Dic ger üb