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Der Paradicsapfel
Eine Erzählung Von
Erich Sieburg=Herne
Im dritten Jahrhundert nach Christi Geburt lebte in Alerandrien ein Geschlecht jüdischer Kaufleute. Sie entsandten alljährlich ihre mit Getreide beladenen Seg ler nach Ostia, unterhielten außerdem einen lebhaften Karawanenhandel mit dem ägyptischen und lybischen Hinterlande und erfreuten sich bei dem ihnen mehr und mehr zuwachsenden Reichtum im Umgang mit dem griechisch=römischen Geldadel jener öffentlichen Wertschätzung die ihre Glaubensgenossen zum Teil vergeblich an strebten oder auch als hochmütige Eiserer von sich wiesen wenn man ihnen entgegen kam. Dabei gehorchten sie dem Gesetz. hielten die Speisegebote, zündeten am Sab bat die Lampen an und erzogen ihre Kinder im Hofsen auf das messianische Reich.
Da erfuhr die heilere Gelassenheit, die die Väter den Söhnen ale besten Besitz zu vererben pflegten. eine jähe Erschütterung. Das war in den Tagen, als der Araber Philippus mit Ducius um die Herrschaft kämpfte und Leben und Kaisertum an ihn verlor. Ein fremder Rabbi, weit berühmt wegen der gewaltigen Kraft seiner Rede, war nach Alexandrien gekommen und hatte. ein hochgeehrter Gast der Kaufmannosamilie. in der auf den Versöhnungstag folgenden Woche jeden Abend die Besten der ägyptischen Judenschaft in der großen Synagoge um sich versammelt. Mochte nun der durch den Meister veranlaßte Zuzug aus den benachbarten Küsten. orten daran schuld sein oder ein tückischer Zufall mitspielen, noch hatte der fremde Lehrer die Stadt nicht verlassen, als eine Pest ausbrach, die von den jüdischen Bezirken auf andere Stadteile übergriff. Unter den Opsern besand sich auch der Rabbi, der auf dem Heimwege aus der Synagoge den Steinwürfen der verhetzten Menge erlag, die ihn in abergläubischer Verblendung der Schuld an dem Unglück bezichtigte. Zu spät rückte der römische Zenturio an, die Tobenden zu zerstreuen. Sie waren bereits in das Haus der Gastfreunde gelangt, vor dessen Tür der Unglückliche soeben zusammenbrach. Vergebens versuchte es der Hausherr mit be schwörenden Vorstellungen, während Frau und Tochter in wildem Entsetzen vor den Eindringlingen sich auf das Dach zu retten suchten, von dem sie sich, da man ihnen auch hierbin gefolgt war, eng verschlungen herab stürzten. Das Gesinde stob feige auseinander, und der numidische Hausverwalter, ein kräftiger Neger. der vom Garten her das Furchtbare angesehen hatte. kam zu spät. Er fand seinen Herrn bereits tot. den Kopf mit der klassenden Stirnwunde im Wasserbehälter des Pe ristyls, in das die Mörder mit ihrem Opser vor den nachdrängenden Ledionären geslüchtet waren. Von den Soldaten alsbald in Fesseln gelegt. saben sie sich In ihren Absichten auf Raub und Plünderung zwar behin dert, aber mit keinem Wort dankte Narcissus, der in der Nacht von einer Handelsfahrt heimlehrende Sohn des Hauses, für d endurch eine starte Schutzwache gesicherten väterlichen Besitz und die auch den Glaubensbrüdern gezeigte Fürsorge.
Die Nacht hindurch raste der Unglückliche und rang mit dem treuen Nubier. der ihn, damit er nicht gegen sich selber wüte, nicht aus den Armen ließ. Am Tage schlief er den Schlaf des Erschöpften. Betäubten. während man Vater. Mutter und Schwester hinaustrug. Als man ihm sagte, alles sei voruber, nickte er die Antwort des Erebenen. Und immer wieder gab er lolchen Bescheid Bochen hindurch. Monate oder Jahre. Die Zeit stand ihm still, und über dem in die Ewigkeit sich Träumenden verweste die Fülle des Reichtums.
Der Knecht trauerte um den Versall. soßte sich ein Herz und ging zu den Maklern in den Markthallen als ob sein Herr ihn schicke, und kaufte und verkaufte indem er auf Vollmachten hinwies, die er nicht besaß. und man sprach in Alexandtien wieder von dem Juden Narcissue und lobte ihn wegen seinere Umsicht, und in seinem Volke pries man seinen Reichtum, denn au b darin hielt es der Verwalter mit den alten Bräuche### des Hauses.
Narcissus lobte seine Freigebigkeit.„Gib“, sagte er.„verschwende, schütte aus! Mit ward Kunde von einem Reich, das nicht von dieser Welt ist.“
„Das Reich der Christen,“ lagte der Knecht miß billigend.
Er war beschnitteu um seiner Herren willen und eifrig im Gesetz.
Narcissus aber lächelte in gütigem Spott, lächelte nach langer Zeit sein erstes Lächeln,
„Meines Vaters Reich und das Reich meiner Mutter und der Schwester. Hieße es nicht Gott lästern, wollte ich zweiseln, daß er sie zu seiner Herrlichkeit erhöhte? Ich fluchte ihm. er aber segnete mich mit dem Glauben an den letzten Tag.“
Der Getreue verstand ihn nicht, und als er von anderem reden wollte. nahm Narcissus die Schriftrolle. in der er gelesen, und winkte ihm zu gehen.
Und er suchte nach einem Schriftwort von jenem Reich. von dem der christliche Gastfreund in Ostia ihm esagt hatte, daß es geschaut sei in den Gesichtern der ropheten. Und er las des Daniel Verkündung der lebenzig Wochen, die vergehen müßten die zum Erscheinen des Gesalbten, und er zählte und rechnete und erschrak über die vielen Jahre, die schon vergangen waren, seit die Zeiten sich erfüllt hatten.
gen erging ein Befehl des Decius, die lItäre der Götter zu schleppen und vor des Kaisers, und wer sich weigere zu opfern, der solle sterden. Und Nercislue mischte sich unter die Menge in den Gerichtshäusern; es verlangte ihn nach Zeugnissen, gewichtigeren ale die Weissagungen der Seher es waren, nach blutbesiegelten Bekenntnissen. Und er wurde irre. Mußten nicht alle zeugen. die an jenes Reich glaubten?
Da ward auch Porphyrius vor den Prätor gebracht der Freund seiner ersten Jünglingsjahre, mit dem er in der Akademie des Plotlnus disputiert hatte. Wie hatte der Frühreife. der Schwärmer, es verstanden zu verachten und von sich zu weisen alles, was vom Fleische kam und zum Fleische führte. Auch Handel und Schifffahrt seien nur um des Fleisches willen und nicht Sache
derer, die Gott berufen, ewig in seinem Geiste zu le
143.—
„So reden die Christen,“ hatte Narcissus ihn demals angeschrien.
„Dann din ich also ein Christ,“ erwiderte Porphy rius, derselhe, der dem Richter jetzt die Schrift überreichte. in der er bewiesen hatte, daß ein Freund der Philosophie kein Nazarener sein könne
Der Richter entließ den Abtrünnigen unter vielen Gutschuldigungen. und Narcissus, nunmehr ganzlin ere an der ihm aufdammernden neuen Erkenntnis. wollte betrübt von dannen gehen, als ein Mann aus der
In diesen Tager Christen vor die 2 die Standbilder de
Menge hervortrat und den Lästerer zu widerlegen sich
erbot.
Narcissus erkannte in ihm den Rdetor Julianu## den vor wenigen Jahren noch in Mode stehenden Lehrer der vornehmen Jugend, in dessen Hörsaal auch er einige Male zu Gast gewelen war. Heute bedürfe es keiner Probe seiner Kunst, bedeutete der Richter dem Eiserer. er ei schon zufrieden, seiner Gesinnung sich zu versichern uund wies auf die vor der Bildsäule des Kaisers alim mernde Kohlenpsanne. Aber Julianus ließ die Welh rauchkörner, die man ihm in die Hand zwangte, zu Boden fallen.
In diesem Augenblick brach ein Mädchen aus dem Schwarm der Gasser und umklammerte aufschreiend seine
Knie.
„Ein lieblich Kind hast du, Julianus.“ sagte der Prätor. und winkte. ihm die Schale mit den Körnern noch einmal zu reichen, und als Julianus die Rechte wie segnend auf den Scheitel des Mädchens, nur flehend zum Himmel blickte, zuckte der Prätor, wie in Mitleid mit dem Verblendeten und seiner Tochter, die Schultern und befahl. ihn hinauszuführen.
Narcissus aber folgte ihnen, und die Gewißheit, nach der er sich verzehrte, ward ihm auf diesem Todesgang Was der Blutzeuge hineinsprach in das Geschrei der Mädchens, verstand er nicht. Nur die letzten Worte des bereits dem Holzstoß Zugewandten erreichten ihn.
„Nun gehe ich zur Krone. und Du fürchtest Dich Laß ab Hero, wir gehen fröhlich hineln!“
Die Henker stießen sie zurück und hörten nicht auf ihre Beteuerungen. ihr Vater zähle zu den Gutgesinnten und des Richters Spruch sei ungerecht. Und Narcissus hielt die Ohnmächtige in den Armen.
Der Rhetor Julianus zählte unter die letzten Opfer die zu Alexandrien der Wut des Docius versielen: bald kam die Nachricht. Decius sei im Kampf mit den Zeinden des Reiches umgekommen, und ein Ausatmen ging durch die christlichen Gemeinden: denn. sagte man sich es sei keine Sünde, das Leben zu lieben und seine: Güter sich zu erfreuen. Auch sie kämen sa von Gott. Und auch Narcissus jetzt unter den alerandrinischen Christen der Angesehensten einer verbrachte seine Tage wieder geschäftig wie ehedem, und es mehrte sich sein Reichtum und sein Glück.
„Den Erwählten“ nannten sie ihn in der Gemeinde Und wahrlich! Hatte er nicht leiden müssen. Vater Mutter und Schwester hingeben müssen. weil Gott ihn erwählt hatte? Und ihm wurde fröhliche Gewißheit aus seinem Schmerz. wenn er an die Toten dachte die Fltern und die Schwester.... und an Julianus. Wies nicht auch dessen Hingang auf seine Erwählung?
Wohl raunte, wenn er im Erinnern an den Gerichtetag den elsenheinernen Leib der bewußtlosen Hero an einer Brust fühlte. eine Stimme. es sei das die Erwählung des Fleisches, und sie komme vom Bösen. Aber eine andere Stimme höhnte darwischen. rede Gatt durch das Fleisch etwa nicht? Und sich selbst scheltend wegen seiner törichten Bedenklichkeit, machte Narcissus sich dann allemal auf nach dem kleinen Hause der Hero. sich dor! um ihre grämliche Mutter zu bemühen und deren Klazen, wie sie es doch schwer hätten, seit Julianus sie im Elend zursckgelassen, durch immer reichlicher gespendete Gaben zum Schweigen zu bringen. Und dazwischen Ktritt er mit den gelehrten Freunden des Hauses. Schülern des Bintzeugen, und solchen die sich der Freundschaft des troßen Lehrers Origines rühmten von dem man erzählte, er habe sich seiner Männlichkeit begeben, um unangefochten vom Weide Gatt zu dienen. Aber der selbe Meister hatte ja auch von der Welt der Sinne ge snrochen, dem Läuterungsfeuer, durch das fir von Ewig keit her aus Gott geborene. von ihm abgefallene Seele hindurch müßte, um zu ihm zurück zu finden.
Um solcherlei Weisheit stritt man im Hause der Hero, und manchmal gab es gerötete Köpfe und heisere Stimmen Das Mädchen aver kauerte. während die Gelehrten sich anschrien und sich wohl auch in die Bärte fuhren. in seinem Winkel, die Arme um die hochgeiogenen Kniee. schlätrig blinzelnd. und vergebens suchte Nar cissus. wenn er etwas Kluges gesagt hatte. nach einem ermunternden Blick und einem Zeichen, daß sle ihm beipflichte
Es waren aber auch Abende, da sie das Haus vor den eifernden Heißspornen verschlossen, an denen sie nur dem Narcissus euftaten. Dann empfing ihn die mür rische Alte und wies ihn wortlos nach dem oderen Stock werk. unr immer wiederholte sich zwischen ihm und dem Mädchen das Spiel. von dem sie gelesen halten, daß de: Dichter es mit der Geliebten spiele, wenn sie sich hin übergeträumt aus der Glut des Nachmittags in das Dämmern des Abends und in die Kühle der Mondnacht Sanft löste er vom Ruhebett das Haupt der Schlasenden und während er das Nosengewinde darum legte, erwachte sie und hängte sich an seinen Hals. Ihre Augen suchten dabei das Geschenk. mit dem er. während sie ruhte, sein Kommen anzeigte: Das elfenbeinfüßige Tischchen aus Citrusholz, das er dann zu ihr hineinbringen ließ, den Trinkbecher aus Bergkristall oder den in Babylon gestickten Teppich.
Einmal hatte er eine fruchtgefüllte Schale aus korinthischer Bronze geschickt. Hero griff nach dem Apsel der odenauf lag.
„Was ist das? Solch Obst gedeiht nicht in Aegypten.“
„Es ist aus dem Garten Gottes.“ sagte Narcissus.
„Vom Baume der Erkenntnis?" lachte sie und biß
hinein.
„Koste, wie füß!"
Und Narcissus aß.
A#ber er wurde nicht sehend. Nur als er dann bei der Mahlzeit, die die Mutter inzwischen aus erlesenen Dingen gerichtet hatte, aus dem Polster lag und Here ihm den Wein herzutrug und das dargereichte Gefäß im neckischen Spiel immer wieder zurückzog, war ihm als kühre eine eisige Hand seinen danach ausgestreckten Aom; aber edenso schnell zerann auch die seinem verschleierten Blick entgegendrohende Gestalt des Julianus. und im Gekicher der Leichtfertigen verhallte das war: nende Wort.
Es währte nicht lange, und die weisen Freunde fanden Abend für Abend die Türe des toten Julianus verschlossen, denn Abend für Abend hatte dort Naxcissus. der Gewählte, der Stolz der Alexandrinischen Christen ein Stelldichein mit seinem Mädchen. Und nicht nur dort. Schon lange hatte ihm Hero in den Ohren gelegen. sie wollte sein Haus sehen und die Wunder, die man in der Stadt danon erzählte, sehen.
Immer neue Ausreden suchte Nareissus; denn wie konnte er der Genossin seiner Freuden die Halle auftun die seines Vaters Blut getrunken, die den Todesschrei der Mutter und der Schwester gehört!
Lie kam uneingeladen. Der Hausderr war in Geschaften fort, und den Nubier machte sie mit einem Lächeln gefügig, daß er ihr helfe, don Tisch dereiton und
Lichter und Blumenschmus herrichten. Doch ratlos sah der Heimgekehrte auf den festlichen Empfang.———
„Wie wußte doch Hero den Traurigen zu trösten, den Suchenden zu führen. Ist mir nicht, da sie mich an ihre festliche Tafel zerrt, als reiße sie mich zum Pfuhl?“
Die Schlaue sah seine bösen Gedanken und ging ihm um den Bart mit Schmeicheln und Schmollen und tat weise, als komme auch sie als Schülerin vom großen Lehrer Ortgines. der nichte wisse von Hölle und Verdammnis. und vom Plato. der seine beste Weisheit bei Wein und Gastmahl gespendet habe. Und sie tran! ihm zu und neckte ihn wie sonst, daß die trühen Bilder e#rrannen und er zu schwatzen begann von dem Hause das er wieder auftun wolle nach Art seiner Väter. und von den Großen der Stadt, die darin aus= und eingehen würden. Und Hero klatschte in die Hände, denn sie sah sich gefeiert und gerühmt als des weisen Narcissus
Freundin und——— Gattin——— Ach nein! Nar
cissus, der große Kaufmann, würde eines Tages die Hand nach einer Mitgift ausstrecken, und er würde, wenn er es noch nicht wußte, eines Tages erfahren, daß man
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un Uümentilhinummulsh:
1 Sperrmauer einer Talsperre
Von Josef Voh(Buer)
Sie bat den Leib von Berg zu Berg gebogen Und sich talein geklemmst, in Murwärtsbrang Und Niedersturz von gleichem Ueberschwang. Und hei voll Gier aus hartem Feisgebein Urelten, dunken Ttotz in sich gesogen.
Schon brandei Ewigleit von ihrem Stein.
In Duft und Vogelruf war ich versengen Und hörte noch des Woldee Herzschlog gehn De ist vor ihres Alems grobem Wehn,
Als mir ihr Steingesicht entgegenschwoll,
Der süde Traum verdorrt und säh vergangen. Ich sauchzte auf, des neuen Wunders vo#:
Daß diese Meuer, die in einer Racht Als Vision aufstieg em Dimmelsrand. Hinsank in eines Menschen Schöpferhand, Von ihm errechnet und vorausgedacht.
Er bei ein Ornament von schienten Bogen Vor idrer Stirn fleglechend bingezogen,
Auf bed sie es wwie eine Rette irtige
Und ewig demulvonl sich seinem Willen füge.
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sle. des Märtyrers Julianus Kind, die Hetäre nannte konst aber kam es. wie es wollte. Gelächter und Deusik erfüllte das Haus. und eine edle Gesellschaft schmauste an den Tischen. Pylades, der Wagenlenker. Bathyllus der Kitharöde und Paris. der große. berühmte Panio mime. Undekehrte zumeist, die Gäste des Christen. aber hatte nicht auch der Nazarener mit Heiden gespeist und seine Füße salben lassen von einer Sünderin?
(Fortsetzung folgt.)
Vom Regen in die Traufe
Elwas Naturgeschichtliche:
Von
Oskar Lendzian=Marl
Unsagbarer Weltenschmerz ersatzte mich neulich. Ich par sertig mit der Welt. fertig mit der Menschheit, be sondere mit dein weiblichen Geschlecht. Ich zitierte Karl Reor.„Menschen. Menschen, heuchlerische Kroko dilenbrut„!“. Richts mehr wollte ich von allen wissen Aber de das dumme Heri doch etwas für sich verlangt so flüchtete ich an den Busen der Natur.„Im Wald da ist Liden“ murmelte ich leise. nahm Hut und Wan derstab und pilgerte hinaus in den herrlichen grünen Wald. um dier Entschädigung zu suchen. für das enttäuschte Herz.
Als ich den Waldessaum betrat, rauschten mir die knorrigen Eichen, die stolze Buche und die seiden umsponnene Birke ein herzliches Willkommen entgegen und ich fühle mich veranlaßt, eine ebensolche Begrüßung vom Stapel zu lassen:
„Ich grüße euch. ihr stolzen Waldesbäume!“ rief ich ihnen zu.„Bei euch ist Kraft und Ehrlichkeit. ihr wiß nichts von Lua. ihr kennt keinen Trug. Aufrecht und ohne Falsch steht ihr de. An euch, ihr starken, soll mein geknicktes Herz sich wieder aufrichten.“
Eine verlegene Pause entstand in dem stolzen Rau schen und etwae verwundert ob dieser olönlichen Verlegenheit schaue ich sie mißtrauisch an.— Da schlägt ein dünnes Stimmchen an mein Oohr:
„Hihldi.“ kicherte es aus unsicht barem Munde.„Ehre wem Ehre gedührt. Wäre ich nicht da, das wässerige fardlose und unsichtdare Pilzgeslecht, das dem verrottenden Laube die Nährstoffe entzieht und sie den großen stolzen Bäumen übermittelt, dann ware es schlecht bestellt um deine stolzen Waldesdäume. Hungrig und mager, klein und krumm würden sie vor dir stehen. Ich bitte alse. de mir diese hohen Bäume soviel verdanken. auch meine Wenigkeit in der Begrüßungsrede zu er wähnen, denn:„Ehre, wem Ehre gedührt". schloß er gekränkt.
Mit verwurfsvollem Bsick mustere ich die hohen Bäume, deren Wipfel verlegen im Schein der Abend sonne erröten und wende ihnen verächtlich den Rücken
Auch hier Lua und Betrug! So muß ich denn etwaanderes für meln sehnendes Herz suchen. Da ich mi den Großen so üdle Erfahrungen gemacht habe, versuche ich es mal mit den Kleinen.
Da z. B. der Aronstab, der neben dem herrliche Streußzfarn steht. Er in gewiß ohne Falsch, denn die dunkelpurperne Bracht der Blütentraube läßzt jeden Schwindel ausgeschlossen erscheinen. Ich lege mich der Länge nach in den fildernen Epheuteopich, um dieses selisame Kraut des Waldes recht nahe in Augenschein zu nehmen.
Plötzlich gibt es in einer der Biüten einen Mords
als wäre in einer Wietschaft eine solenne Keilere ausgebrochen. Gleich darauf erscheint an dem oberen Rande der trichterförmig sich nach unten verengenden BIüte, der dicke Kopf eines kleinen Kälers, der prustend und schnaubend die steile Billienwand heraufgskrabbe!! lommt.
„De eine Gemeinheit“, schnaubis er wütend.„Ein
ganz elander Gauner int dieser Azonstad! Ladet uns
da zu einem soliden Freitrunk in seiner gemütlichen. pupurnen Wirtsstude; und hat man des Guten etwas zu viel genossen und will nach Hause zu Weib und Kind. da versperrt er einem den Ausgang durch lauter solch niederträchtige Borsten. von denen man beim Hineingehen garnichts gemerkt hat. War das ein Getrample und Gesluche in der engen Bude! Freiheitsberaubung st das! Eine Gemeinheit, die nach dem Staatsanwalt schreit! Na. ich bin nur froh, daß ich glücklich heraus bin. und will nun eilen heimzukommen. Frau und Kinder werden durch mein langes Ausbleiben schon bennruhigt sein und eine schöne Gardinenpredigt wird es absetzen.“ Eilig kletterte er hinab und bald war er in dem Gewirt des Waldbodens verschwunden.
Das helle Blut steigt dem Aronstabe bei dieser Anschuldigung ins Gesicht so daß er jetzt glüht wie eine Bessemer Stahldirne. Und verlegen die protzigen Blätter hin und her schlenkernd gesteht er zögernd. daß er das Getrampele der angeheiterten Gäste zur Befruchtung seiner Blüten benötige. Ist diese mit Hilfe der luchenden Gäste durchgeführt, dann fallen die den Weg versperrenden Vorsten, die wie die Stacheln in einer Nausefalle nach unten zeigen, ab. und der Weg in die Freiheit ist offen. Erst aber müssen die Göste arbeiten. d. h. durch ihr Getrampele und Taumeln die Blüte befruchten.
Also der Nötigung, der quallfizierten Nötigung machst du dich schuldig. du heuchlerischer Aronstab! Fort mit dir. hinaus aus meinem Herzen, du salscher Geselle! Nicht mehr ansehen will ich dich, ich suche mir andere Freunde.
Da lobe ich mir hier den Kuhwachtelweizen. Mit einen gelben Blüten und den himmelblauen Deckblättern darüber steht er so ehrlich und vertrauenerweckend aus, daß ich hoffen darf, es läßt sich besser mit ihm umgehen.
Aber wer schon mit der Ehrlichkeit protzt. dem ist in der Regel garnscht zu trauen. Und richtig entpuppt er sich auch bald als ein ganz gefährlicher Schwindelmeier, der mit Schwindelplakaten und und Vorspiegelungen salscher Tatsachen arbeitet. Denn warum hat er die Deckblätter seiner Blüten, die von Rechts= und den Naturgesetzen wegen doch grün sein sollten, so blau jefärbt? Doch nur. um solche Bienen anzulocken, die an 5laue Blüten fliegen. Dabei sind seine gelb wie Butter.
Nee. alter Freund. auch du kannst mir gestohlen werden! Für solche Bekanntschaften danke ich.
Hier der Osterluzei und dem Pseisenstrauche würdige ich erst gar keines Blickes, denn ihre Blüten handeln genau so hinterlistig, wie die des Aronstades.
Langsam schlendere ich weiter und denke über die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und die der Pflanzenwelt im Besonderen nach. Aber als ich am Schlusse meines Nachdenkens den Vergleich zwischen den Kindern der Flora und den Menschen ziehe, fällt er immer noch zu Gunsten der ersteren aus. Wird auch hier mancher kleine Geschäftskniff und manch kleine Betrügerei angewandt. so vermisse ich zwei ganz gefährliche Subsekte unter ihnen, und zwar den Mörder und
den Wucherer.
Diese Tatsache erfreute mich so. daß ein zehnfach widerhallender Juchzer über meine Lippen quillt.
Aber nicht zu früh gesubell, alter Knabe: denn dort die Nesselseide, die mit wirrem. rosenrotem Geranke die Brennestel umgarnt. Is ein Wucherer übelsler Sorte.
Erst keim: sie ganz bescheiden, wie jede anständige Pflonze zu Füßen der Nessel. Dann rankt sie daran empor, heftet sich mit vielen Saugnäpsen fest und gibt ihren Zusammenhang mit dem Erdboden auf. Nun lebt sie ganz und gar von der fleißigen Nessel. die ganz verwunderte Augen macht, daß ihre Brennhaare in diesem Falle garnicht wirken, um den ungebelenen Gast vom Leide zu halten.
Weiter, nur weiter, der Quellschlucht unten zu. In der Nähe des spiegelblanken Walddächleins kann keine Schlechtigkeit gedeihen. kein Unheil lauern.
Aber hier finde ich erst den richtigen. den Schuppenwurz Ein ganz gefährlicher Schmarotzer und Mörder In einer Person.
Erst zwingt er die Haselstrauchwurzel sie dick und fett zu füttern. und dann lockt er auch noch mit irgend einer Tunke allerlei harmloses Getter an seine schuppigen Wurzeln und frißt sie einsach auf. Und das Feldkraut dort auf der Wiese ist auch ein Mörder. Mit seinen Gummiarabicum=Blättern, die aussehen, als gäbe es dort ganz was Besonderes zum Schmausen, lockt er allerlei Insekten an. Ist eins so dumm und setzt sich drauf. so bleidt es unweigerlich kleben und wird bei lebendigem Leide verdaut. Also Mord gepaart mit Grausamkeit!— Berr.— mir läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken und ich mache, daß ich weiter komme.
Aber hier scheine ich ins richtige Mörderviertel hineingeraten zu sein. Denn dort stehen unjählige Pechnelken, an deren Beinringen sich halbtote Ameisen zu Tode zappeln. und hier murkst das Geisblatt kaltlächelnd eine junge Buche ab. Nicht mehr ansehen kann ich das! Also die Beine lang, eine Wendung nach rechts, zwei nach links und dann geradeaus, damit ich aus dem be rüchtigten Viertel herauskomme.
Aber wo ich auch hineile. Schwindel überall. Da hängt der Ephen schwer an der knorrigen Eiche und schwindelt die anderen Sträucher vor. wenn er nicht die Eiche festhielte, wäre sie längst umgefallen. Ist sowas wohl erlaubt?
Allmählich ringt sich in mir die Erkenntnis durch, daß ich aus dem Regen in die Traufe geraten din.
Mit den Menschen bin ich fertig die Kinder der Flora sind mir auch verleidet,— was iun?
Ich lege den rechten Zeigefinger an die Nasenwurzel und denke: Hm“— und dann breite ich die Arme aus und ruse:„Kommt her ihr Menschen.— auch die weiblschen Geschlechts—, kommt her ihr Kinder der Flora. wir wollen uns wieder vertragen....“
WEERMMISUEHDGEER
Ruman 6na. In mm nmmie gumm zse enzunmrnzame mnnmmmnmr tznmtisnm mmmrr, anmzgmmmma