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Nr. 299.

Siegen, Samstag, den 22. Dezember 1900

12. Jahrgang.

Die Zeitung„Das Volk“

erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei der Post(vom 1. Januar 1901 Reichs=Ausgabe Nr. 7580a oder

Lokal=Ausgabe Nr. 7580 der Zeitungsliste) oder beim Landbrief­träger anzubringen. Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschästsstelle entgegen. Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1,25 frei ins Haus 40 Pig mehr, für alle Postabonnenten M. 1,35 frei ins Haus 42 Pfg mehr.

Die Wirren in China.

Die fremden Gesandten in Peking haben am Mittwoch abend wieder eine gemeinsame Sitzung abgehalten in welcher über alle Punkte einschließlich der britischen Abänderungen eine Einigung erzielt worden ist. Die Gesandten lehnen es jedoch ab über den Inhalt des Abkommens sich zu äußern da sie der Meinung sind, daß ihre Regierungen denselben veröffentlichen werden Die Scheuter apostolische Missions­anstalt in Brüssel erhielt gestern ein Telegramm des aposto­lischen Vikars der Ostmongolei datiert aus Wladiwostok vom 18 d. worin gemeldet wird, daß der Fichtendistrikt völlig zerstört sei. Der Bischof 19 belgische Missionare, vier chinesische Priester und 3000 Christen wurden von den russischen Truppen unter General Terpitzky gerettet.

Siegen, 21. Dezember.

— Die Wahlen in Württemberg. Durch die Stichwahlen

fielen der demokratischen Volkspartei 18 Mandate zu. Die Züsammensetzung der neuen Kammer ist folgende: Volkspartei 26 Sitze Centrum 20 Sitze deutsche Partei 11 Sitze,

Sozialisten 5 Sitze und der Bund der Landwirte 4 Sitze. Dazu treten 23 Privilegierte Mithin wird an den Mehr­heitsverhältnissen in der Kammer nichts Wesentliches geändert Unter den gewählten Sozialdemokraten befindet sich der un­glückliche Pfarrer Blumhardt von Bad Voll ein früher gläubiger, dann aber leider erst dem Zweifel und später auch den politischen Irrlehren verfallener Mann.

—„Stellet euch nicht dieser Welt gleich.“ Ein freund­licher Leser schreibt uus: Unter der Ueberschrift„Stellet euch nicht dieser Welt gleich findet sich in dem bekannten, im übrigen trefflich redigierten veligtösen Sonntagsblatt Der Stadtmissionar", das zu Emden in einer Auflage von über 100000 Exemplaren erscheint ein sehr wenig erbaulicher Artikel gegen die Bestrebungen der christlich=sozialen Arbeiter­vereine. In demselben heißt es u. a.#un ihr Lieben prüft euch genau Besonders die Gläubigen im Arbeiterverein gehören nach meiner Ueberzeugung nicht ins Wirtshaus. Man macht Gemeinschaft mit den Kindern der Welt, man bildet einen Verein nennt ihn christlich=sozialer Arbeiterverein, um sich auflehnen zu können gegen die Besitzenden und be­stehenden Ordnungen Ich möchte ernstlich davor warnen.— Ihr werdet nun sagen: Wir wollen weiter nicht als unsere Arbeit nach Recht bezahlt haben. Es will mir wohl manch­mal scheinen, als wenn's mehr sein könnte, doch glaube ich

ganz bestimmt sagen zu müssen, daß ein jeder gläubige Ehrist verpflichtet ist, seine Arbeit treu, ehrlich und fleißig zu ver­richten, und es dann dem auheimzustellen der da recht richtet.“ Gegen die in vorstehenden Worten vertreteue Auschauung von„Christentum und Welt“ mich zu äußern halte ich nicht für notwendig. Unser verehrter Parteifreund D. v. Oertzen hat in seinem vortrefflichen Vortrage„Christen­tum Politik, Weltpolitik, die Frage wie der Ehrist sich im öffentlichen Leben zu verhalten hat unter eingehender Würdi­gung aller in Betracht kommenden Einwände so gründlich nach allen Seiten hiu erörtert daß ich einfach auf denselben hinweisen kann. Der betreffende Vortr#g ist in Unserm neuen christlich=sozialen Handbuche abgedruckt und sollte von jedem Varteigenossen gelesen und— zugleich mit dem neuen Handbuch— eifrig verbreitet werden Zu beziehen durch Dr. Burckhardt=Godesberg. Ists aber nicht— gelinde

gesagt— doch etwas stark, wenn ein Blatt wie„Der Stadt­

missionar Rfentlich die Arbeiter vor dem Eintritt in einen christlichesoziglen Verein warnt und den christlich=sozialen Ar­beitervereinen den Vorwurf macht sie lehnten sich auf gegen die bestehenden Ordnungen Der Stadtmissionar wird in unseren christlich=sozialen Wahlkreisen in Tausenden von Exem­plaren verbreitet und auch in sehr zahlreichen christlich=sozialen Häusern gelesen Dürfen wir aber ein Blatt verbreiten das unsere Bestrebungen öffentlich herabsetzt und die Leute vor uns warnt? Nein wir müssen in solchem Falle Ersatz zu schaffen suchen und Blätter halten, die gediegenen christlichen Stüff bringen und uns Christlich=Soziale nicht herabsetzen Es giebt ja deren eine große Anzahl. Soweit der Herr Einsender dem wir voll und gans Austimmen Derartige Ar­tikel sind Wasser auf die Müchlen der Sozialdemokratte welche den Arbeitern vorzureden sucht: Die Kirche und christlichen Blätter ständen im Dienst des Kapitals und der besitzenden Klassen Solange den christlichen Arbeitervereinen keine Vereinshäuser zur Verfügung stehen sind sie gezwungen die Wirtshaussäle zu benutzen Uebrigens hat kein Mitglied irgendwelche Verpflichtung, alkoholische Geträuke oder soust etwas zu verzehren.

der

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Berlin, 20. Dez. In den freihändlerischen Kreisen welche noch in elster Stunde alles daran setzen den Vornz### um jeden Preis zu hindern oder herabzusetzen, hat man noch einmal mobil gemacht Zunächst hat Herr Bueck in dem hiesigen Hauptorgan der Großindustrie einen langen Aufsatz veröffentlicht wörin er die undankbare Mitwelt von der Verkennung der Verdienste des Centralverbands der In­dustriellen zu kurieren sucht. Der Inhalt des Aussatzes läßt sich in den Vers zusammenfassen„Dies Kind kein Engel ist so rein, laßts Eurer Huld empfohlen sein Merkwürdig ist, daß Herr Bueck einen besonderen Raum in seinen Aus­führungen der Klage zuweist, daß Graf Posadowsky in seiner nenlichen Rede sich so wenig rücksichtsvoll geäußert und sogar erklärt habe, er sehe die Einladungen des Verbandes gar nicht gern Herrn Bueck kommt die Frankfurter Zeitung

Si

Schriftleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 15, Fernsprech=Anschluß Nr. 205.

Redaktion: NW Klopstorkstraße

zu Hilfe, die noch einmal den Grafen Posadowsky herabzu­setzen sucht, und ihm vorwirft, daß er hinter Herrn v. Woedtke Deckung gesucht habe während er der eigentlich schuldige Teil sei. Das Blatt verwahrt sich zwar dagegen, daß es Minister stürzen wolle. Aber diese Versicherungen finden viele Zweifler. 3. B glaubt die„Allgemeine Zeitung" absolut nicht an den reinen Tugendeifer des demokratischen Blatts

Das demokratische Organ versichert zwar, daß es nach dem Skalp des Grafen Posadowsky kein Verlangen trage, wie die„Kreuzzeitung annehme, man überschätze bei einer solchen Unterstellung den Wert dieses Skalps; wenn jedoch die Absicht den Staatssekretär von seinem Platz fortzu­drangsalieren und fortzuärgern nicht vorläge, dann wäre der erneute heftige Vorstoß gegen seine Person vollkommen unbegreiflich. Nur zu dem Zweck, in politisch etwas stillerer Zeit die Leser zu unterhalten, hat die„Fraukf. Zig den scharfen Angriff doch nicht unternommen.

Die Kreuzzeitung beschäftigt sich besonders mit Herrn Bueck:

Die Darstellung des Herrn Bueck ist dazu angethan, denjenigen, die an dem Sturze des Grafen Posadowsky so eifrig arbeiten, Vorschub zu leisten. Das erhellt aus ihrem ganzen Tone. Sie bewegt sich nämlich der Hauptsache nach in einer Beschwerde darüber, daß Graf Posadowsky dem Führer der Sozialdemokratie sein Entgegenkommen bewies indem er von dem Centralverbande und der ihm vertretenen Industrie abrückte. Wir wollen nun die Möglichkeit zu­geben, daß Graf Posadowsky bei der Schilderung der Stellung des Centralverbaudes zur sozialpolitischen Gesetz­gebung sich einmal im Ausdrucke vergriffen hat, und wir würden es verstehen, wenn Heir Bueck die in diesem Punkte vielleicht irrige Darstellung mit kurzen Worten berichtigt hätte. Aber wir verstehen es nicht, daß er jetzt mit einer Erklärung hervortritt, die den Anschein erwecken muß als ob es auch ihm darauf ankomme, die Stellung des Staats­sekretäts nach Möglichkeit zu erschweren. Viel eher hätten wir es verstanden, wenn uns Herr Bueck erklärt hätte wie der bekannte Brier an die sozialdemokratische nigen Volks=Beitung gelaugt ist oder wenn er wenigstens über seine hierauf bezüglichen Vermutungen etwas mitgeteilt hätte.

Mit dieser Forderung hat die Kreuz=Ztg sehr recht Vielen liberalen Gegnern des Grafen Posadowsky ist es offen­bar nicht um die Rettung der Tugend, sordern um die Hin­derung der Getreidezölle zu thun. Wenn aber die Kreuz=Zig dann die 12.000=Mark=Sache für eine an sich höchst unbe­denkliche Angelegenheit erklärt, so sind wir durchaus ent­gegengesetzter Ansicht, und fürchten doch, daß das große kon­servative Organ hier in genau denselben Fehler verfällt, dem die Liberalen in entgegengesetzter Richtung erliegen sähmlich das Parteiinteresse den dringendsten Forderungen politischer Moral voranzustelen

Nach einer Drahtnachricht aus Königsberg i. Pr soll Graf Klinckowstrom auf einer konservativen Versamm­lung erklärt haben, die Agrarier könnten dem Zolltarif zu­versichtlich entgegensehen, die Aararier uind Graf Bü#m seien enng mehr dürfe er nicht sagen. Diese Nachricht stimmt mit Mitteilungen überein, die man sich in parlamen­tarischen Kreisen schon länger erzählt Das B.T behauptet nun ferner Graf Klinckowström habe sich als Vertreter der Konservativen, die nicht den extremen Anschauungen des streng agrarischen Flügels huldigen mit der Regierung über einen Getreidezoll von 6 oder 7 M. verständigt Während dasselbe Blatt behauptet, diesem Komp##miß sollten bereits das Cen­trum und die Freikonservativen, sowie ein Teil der National­liberalen, die Möller=Gruppe beigetreten sein wird dies von der„Nat.=LibKorr bezüglich der Nationalliberalen bestritten Letztere Korrespondenz behauptet, seit der Sitzung des Central­vorstandes der Partei am I. November in der diese Frage noch in der Schwebe gelassen wurde, sei in dem Stande der Dinge keine Veränderung eingetreten Immerhin ist die Ver­stäudigung wenn sie noch nicht da ist, mit Sicherheit zu er­156278

Unsere Vermutung, daß den ersten Bankbrüchen jetzt bei­sinkender Geschäftslage weiterer Krach folgen werde, hat sich schnell bestätigt. Der Zusammenbruch der Pfandbrief=Banken zieht immer weitere Kreise die zuletzt bekannt gegebenen vor­läufigen Ergebnisse der verschiedenen Revisionskommisionen enhüllen ein kaum glaubliches Bild von Schiebungen wirtschaft u. w. bei den einzelnen Instituten. Es wird wohl noch geraume Zeit währen bis das ganze Material von den beauftragten Revisoren der Aktionäre und der Pfandbrief­inhaber gesichtet und bearbeitet ist, und die wirr durcheinander laufenden Fäden der Beziehungen der einzelnen Institute unter­und Zueinander eingermaßen entwirrt sind Jetzt ist eine neue„Komplikation eingetreten. Das hiesige alte angesehene seit bestehende Baukhaus Anhal& Wagner Nachs. hat infolge seiner engen Beziehungen zu den sog Spielhagen­Banken seine Gläubiger zusmenuen müssen, um von ihnen Stundung der Zahlungsverpflichtungen zu erbitten. Anhalt u. Wagner galten im Gegensatz zu den jüdischen Geschäften als„christliche Bank. Daher sollen denn auch Kirchenbau­gelder unter dem Patronat des Oberhofmeisters Frhr. b. Mit­bach durch den jungsten Krach arg gefährdet sein. Der haber der Firma Anhalta Wagnen welche ihre Zahlungen eingestellt hat ist Höfbankier der Kaisenin.

Im„Bi ein Schreiben des Vizeadminals #D Livonius an den bekaunten Militärschriftsteller Haupt­mann a. D. Hbenig mitgeteilt. Darin wird zunächst ein Urteil über die Gneisenau=Katastrophe vorläufig abgelehnt nur wird die Notwendigkeit hervorgehoben auf der Rhede von Malaga bei zunehmendem Wind stets sofort alle Vorbereitungen zu treffen, um in See zu gehen. Wichtiger ist der zweite Teil des Briefes worin es heißt.

Aus den beiliegend mitgesandten Drucksachen— einer

Durch die Zeitung„Das

finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Vom 1. Januar 1901 Preis der 5 gespal­tenen Petitzeile oder deren Raum für die Lokal= Ausgabe 10 Pfg.; für Reichs=Ausgabe 25 Pfg. Bei mehrfachem Abdruck tritt entsprechende Ermäßigung ein. Aufträge sind gefälligst der Ge­schäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Vermittelungs=Geschäft zu erteilen.

schrift und drei Patentschriften wollen Sie ersehen, daß ich aus besonderem Anlaß verschiedene Vorschläge im Laufe des Sommers gemacht habe, um den Verlust an Menschenleben bei Unfällen auf See herabzumindern. Drei dieser Vorschläge habe ich mir patentieren lassen, nämlich:

1. Einrichtung zur Rettung der Insassen von gekenterten

BookenE

2. Einrichtung zur Rettung der Schiffskommandanten, deren Pflicht sie bis zum Versinken des Schiffes auf der Schiffsbrücke festhält;

3. Einrichtung zur Rettung aller derjenigen Personen, welche keine Unterkunft in den Booten gefunden haben.

Alle diese Einrichtungen sind äußerst einfach, auf den ersten Blick zu verstehen und verursachen kaum irgendwelche in Betracht zu ziehenden Kosten oder sonstige Unbequemlich­

keiten.

Admiral Livonius meint, daß, wenn diese Einrichtungen an Bord der nach dem Mittelmeer entsendeten Schulschiffe an­gebracht worden wären(wenige Tage hätten dazu genügt), bei dem„Gneisenau"=Unglück manch Einer gerettet worden wäre. Er fährt dann fort:

Aber nun hören Sie weiter! Ich lasse meine patentierten Vorschläge an die zunächst zuständige Stelle in verbindlichster Form einreichen man weist sie kühl zurück. Nicht etwa, daß man gesagt hätte:„Wir wollen Versuche anstellen, und falls sich solche bewähren werden wir auf die Sache zurückkommen", das leidet ja der Büreaukratismus nicht und die Technik setzt sich natürlich aufs hohe Pferd, daß sie bisher den Wald vor Bäumen nicht gesehen hat. Da ich nun aber so unbescheiden bin, mir ebensoviel seemännisches Verständnis über den prak­tischen Wert meiner Vorschläge zuzutrauen wie jene die sich ablehnend gegen dieselben verhalten, so werde ich trotzdem darauf bedacht bleiben, meine Vorschläge zu allgemeinerer Einführung zu bringen und ich rechne dabei auf das Publikum, für das es doch auf alle Fälle eine große Beruhigung ist, zu wissen, daß die von mir empfohlenen Einrichtungen sich an Bord befinden Stellt das Publikum, das sich auf das Wasser begiebt an die Rhedereien die Anforderung, daß für den Fall einer Katastrophe die von mir vorgesehenen Ein­richtungen zur Stelle sind so wird man sich schon dazu be­quemen müssen durch unparteiische Versuche den praktischen Wert derselben festzustellen.

Man wird abwarten müssen, was von der andern Seite auf diese Beschwerde erwidert wird.

Aus dem

Berlin, 20. Dezember.

— Die wiederholt in Aussicht gestellte Gleichstellung der Oberlehrer an den höheren Lehranstalten mit den Richtern in der Besoldung wird, wie das Korrespon­denzblatt für die Philologenvereine aus zuverlässiger Quelle erfährt, zu Ostern 1901 von der Regierung gefordert werden.

— Schiffsbeweaung. S. M. S.„Wörth“, Kom­mandaut Kapitän z. S. Borckenhagen, ist am 19 ds. von Naga­sal nach Tsingtan in See gegangen. S. M. S. Tiger“, Kommandant Korvetten=Kapitän v Mittelstädt, ist am 19. ds. in Weihatwei eingetroffen und an demselben Tage wieder von dort in See gegangen.

Kie 20. Des. Die aus China zurückgekehrten Marine­mannschaften haben soweit sie nicht zur Entlassung gelangt sind heute den ihnen bewilligten 45 tägigen Heimatsurlaub angetreten

Potsdam 20. Dez. Der Direktor der Preußischen ypothekenaktienbant Kommerzienrat Sanden, wurde

übergeführt Außer den Kommerzienrat Sanden sind auch die Direktoren der Preußischen Hypotheken=Aktienbank und Grund­schuldbank Heinrich Schmidt Paul Puchmüller und Wassiesl verhaftet worden.

Wermar 20 Dez. Dem weimarischen Landtag wird nach seinem Wiederzusammentritt eine Vorlage über teil­weise Uebernahme nenzuerrichtender Bahnlinien in preußische Verwaltung zugehen.

Darmstadt 20. Dez. Die Zweite Kammer der Hessischen Stände beschloß in namentlicher Abstimmung mit 19 gegen 16 Stimmen auf Antrag des Abgeordneten Ulrich, die Großherzögliche Regierung um Vorlage eines Gesetzent­wurfs wegen Uebernahme der gesamten Schullasten auf den Staat zu ersuchen Dagegen lehnte die Kammer die weiteren Anträge auf Einführung der obligatorischen Volks­schule und die Unentgeltlichkei der Lehrmittel in der Volks­schule sowie die Unterstützung befähigter Kinder unbemittelter Eltern zum Besuche höherer Bildungsanstalten bis zum Ab­schlusse des Studiums mit 23 gegen 11 resp 19 gegen 14 Stimmen ab.— Ein dringlicher Antrag des Abgeordneten Köhle= Langsdorf den Vertreter der bessischen Regierung im Bundesrate anzuweisen auf die Einsetzung eines Schieds­gerichts daseikanischen Kriege hinzuwirken wurde auf Beschluß des Hauses auf die morgige Tagesordnung gesetzt.

Lotales.

□ Siegen, 21. Dez. Der königliche Kreisphysikus, Herr Sauitäts­

rat Dr. Hensgen, erläßt in der„Siegener Zeitung folgende Bekanntmachuna die wir unsern Lesern zur Beachtung empfehlen: Bei der großen Verbreitung, welche die Masern in hiesiger Stadt und die Diphtherie in Weidenau momentan angenommen haben, muß darauf hingewiesen werden, daß diese Krankheiten stets durch Uebertragung teils direkt teils durch Mittelspersonen sich weiter sortpflanzen Hieraus ergiebt sich die Notwendigkeit, daß derjenige, der sich resp seine Kinder schützen will jeglichen Verkehr mit solchen Häusern in denen diese Krankheiten aufgetreten sind absolut meiden muß Gefährlich ist es auch, aus solchen Häusern Nahrungsmittel namentlich Milch zu beziehen, da erfahningsgemäß