Nr. 299. Siegen, Samstag, den 22. Dezember 1900 12. Jahrgang. Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei der Post(vom 1. Januar 1901 Reichs=Ausgabe Nr. 7580a oder Lokal=Ausgabe Nr. 7580 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen. Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschästsstelle entgegen. Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1,25 frei ins Haus 40 Pig mehr, für alle Postabonnenten M. 1,35 frei ins Haus 42 Pfg mehr. Die Wirren in China. Die fremden Gesandten in Peking haben am Mittwoch abend wieder eine gemeinsame Sitzung abgehalten in welcher über alle Punkte einschließlich der britischen Abänderungen eine Einigung erzielt worden ist. Die Gesandten lehnen es jedoch ab über den Inhalt des Abkommens sich zu äußern da sie der Meinung sind, daß ihre Regierungen denselben veröffentlichen werden Die Scheuter apostolische Missionsanstalt in Brüssel erhielt gestern ein Telegramm des apostolischen Vikars der Ostmongolei datiert aus Wladiwostok vom 18 d. worin gemeldet wird, daß der Fichtendistrikt völlig zerstört sei. Der Bischof 19 belgische Missionare, vier chinesische Priester und 3000 Christen wurden von den russischen Truppen unter General Terpitzky gerettet. Siegen, 21. Dezember. — Die Wahlen in Württemberg. Durch die Stichwahlen fielen der demokratischen Volkspartei 18 Mandate zu. Die Züsammensetzung der neuen Kammer ist folgende: Volkspartei 26 Sitze Centrum 20 Sitze deutsche Partei 11 Sitze, Sozialisten 5 Sitze und der Bund der Landwirte 4 Sitze. Dazu treten 23 Privilegierte Mithin wird an den Mehrheitsverhältnissen in der Kammer nichts Wesentliches geändert Unter den gewählten Sozialdemokraten befindet sich der unglückliche Pfarrer Blumhardt von Bad Voll ein früher gläubiger, dann aber leider erst dem Zweifel und später auch den politischen Irrlehren verfallener Mann. —„Stellet euch nicht dieser Welt gleich.“ Ein freundlicher Leser schreibt uus: Unter der Ueberschrift„Stellet euch nicht dieser Welt gleich findet sich in dem bekannten, im übrigen trefflich redigierten veligtösen Sonntagsblatt Der Stadtmissionar", das zu Emden in einer Auflage von über 100000 Exemplaren erscheint ein sehr wenig erbaulicher Artikel gegen die Bestrebungen der christlich=sozialen Arbeitervereine. In demselben heißt es u. a.#un ihr Lieben prüft euch genau Besonders die Gläubigen im Arbeiterverein gehören nach meiner Ueberzeugung nicht ins Wirtshaus. Man macht Gemeinschaft mit den Kindern der Welt, man bildet einen Verein nennt ihn christlich=sozialer Arbeiterverein, um sich auflehnen zu können gegen die Besitzenden und bestehenden Ordnungen Ich möchte ernstlich davor warnen.— Ihr werdet nun sagen: Wir wollen weiter nicht als unsere Arbeit nach Recht bezahlt haben. Es will mir wohl manchmal scheinen, als wenn's mehr sein könnte, doch glaube ich ganz bestimmt sagen zu müssen, daß ein jeder gläubige Ehrist verpflichtet ist, seine Arbeit treu, ehrlich und fleißig zu verrichten, und es dann dem auheimzustellen der da recht richtet.“ Gegen die in vorstehenden Worten vertreteue Auschauung von„Christentum und Welt“ mich zu äußern halte ich nicht für notwendig. Unser verehrter Parteifreund D. v. Oertzen hat in seinem vortrefflichen Vortrage„Christentum Politik, Weltpolitik, die Frage wie der Ehrist sich im öffentlichen Leben zu verhalten hat unter eingehender Würdigung aller in Betracht kommenden Einwände so gründlich nach allen Seiten hiu erörtert daß ich einfach auf denselben hinweisen kann. Der betreffende Vortr#g ist in Unserm neuen christlich=sozialen Handbuche abgedruckt und sollte von jedem Varteigenossen gelesen und— zugleich mit dem neuen Handbuch— eifrig verbreitet werden Zu beziehen durch Dr. Burckhardt=Godesberg. Ists aber nicht— gelinde gesagt— doch etwas stark, wenn ein Blatt wie„Der Stadtmissionar Rfentlich die Arbeiter vor dem Eintritt in einen christlichesoziglen Verein warnt und den christlich=sozialen Arbeitervereinen den Vorwurf macht sie lehnten sich auf gegen die bestehenden Ordnungen Der Stadtmissionar wird in unseren christlich=sozialen Wahlkreisen in Tausenden von Exemplaren verbreitet und auch in sehr zahlreichen christlich=sozialen Häusern gelesen Dürfen wir aber ein Blatt verbreiten das unsere Bestrebungen öffentlich herabsetzt und die Leute vor uns warnt? Nein wir müssen in solchem Falle Ersatz zu schaffen suchen und Blätter halten, die gediegenen christlichen Stüff bringen und uns Christlich=Soziale nicht herabsetzen Es giebt ja deren eine große Anzahl. Soweit der Herr Einsender dem wir voll und gans Austimmen Derartige Artikel sind Wasser auf die Müchlen der Sozialdemokratte welche den Arbeitern vorzureden sucht: Die Kirche und christlichen Blätter ständen im Dienst des Kapitals und der besitzenden Klassen Solange den christlichen Arbeitervereinen keine Vereinshäuser zur Verfügung stehen sind sie gezwungen die Wirtshaussäle zu benutzen Uebrigens hat kein Mitglied irgendwelche Verpflichtung, alkoholische Geträuke oder soust etwas zu verzehren. der (Von unserem Berliner Mitarbeiter.) Berlin, 20. Dez. In den freihändlerischen Kreisen welche noch in elster Stunde alles daran setzen den Vornz### um jeden Preis zu hindern oder herabzusetzen, hat man noch einmal mobil gemacht Zunächst hat Herr Bueck in dem hiesigen Hauptorgan der Großindustrie einen langen Aufsatz veröffentlicht wörin er die undankbare Mitwelt von der Verkennung der Verdienste des Centralverbands der Industriellen zu kurieren sucht. Der Inhalt des Aussatzes läßt sich in den Vers zusammenfassen„Dies Kind kein Engel ist so rein, laßts Eurer Huld empfohlen sein Merkwürdig ist, daß Herr Bueck einen besonderen Raum in seinen Ausführungen der Klage zuweist, daß Graf Posadowsky in seiner nenlichen Rede sich so wenig rücksichtsvoll geäußert und sogar erklärt habe, er sehe die Einladungen des Verbandes gar nicht gern Herrn Bueck kommt die Frankfurter Zeitung Si Schriftleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 15, Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Redaktion: NW Klopstorkstraße zu Hilfe, die noch einmal den Grafen Posadowsky herabzusetzen sucht, und ihm vorwirft, daß er hinter Herrn v. Woedtke Deckung gesucht habe während er der eigentlich schuldige Teil sei. Das Blatt verwahrt sich zwar dagegen, daß es Minister stürzen wolle. Aber diese Versicherungen finden viele Zweifler. 3. B glaubt die„Allgemeine Zeitung" absolut nicht an den reinen Tugendeifer des demokratischen Blatts Das demokratische Organ versichert zwar, daß es nach dem Skalp des Grafen Posadowsky kein Verlangen trage, wie die„Kreuzzeitung annehme, man überschätze bei einer solchen Unterstellung den Wert dieses Skalps; wenn jedoch die Absicht den Staatssekretär von seinem Platz fortzudrangsalieren und fortzuärgern nicht vorläge, dann wäre der erneute heftige Vorstoß gegen seine Person vollkommen unbegreiflich. Nur zu dem Zweck, in politisch etwas stillerer Zeit die Leser zu unterhalten, hat die„Fraukf. Zig den scharfen Angriff doch nicht unternommen. Die Kreuzzeitung beschäftigt sich besonders mit Herrn Bueck: Die Darstellung des Herrn Bueck ist dazu angethan, denjenigen, die an dem Sturze des Grafen Posadowsky so eifrig arbeiten, Vorschub zu leisten. Das erhellt aus ihrem ganzen Tone. Sie bewegt sich nämlich der Hauptsache nach in einer Beschwerde darüber, daß Graf Posadowsky dem Führer der Sozialdemokratie sein Entgegenkommen bewies indem er von dem Centralverbande und der ihm vertretenen Industrie abrückte. Wir wollen nun die Möglichkeit zugeben, daß Graf Posadowsky bei der Schilderung der Stellung des Centralverbaudes zur sozialpolitischen Gesetzgebung sich einmal im Ausdrucke vergriffen hat, und wir würden es verstehen, wenn Heir Bueck die in diesem Punkte vielleicht irrige Darstellung mit kurzen Worten berichtigt hätte. Aber wir verstehen es nicht, daß er jetzt mit einer Erklärung hervortritt, die den Anschein erwecken muß als ob es auch ihm darauf ankomme, die Stellung des Staatssekretäts nach Möglichkeit zu erschweren. Viel eher hätten wir es verstanden, wenn uns Herr Bueck erklärt hätte wie der bekannte Brier an die sozialdemokratische nigen Volks=Beitung gelaugt ist oder wenn er wenigstens über seine hierauf bezüglichen Vermutungen etwas mitgeteilt hätte. Mit dieser Forderung hat die Kreuz=Ztg sehr recht Vielen liberalen Gegnern des Grafen Posadowsky ist es offenbar nicht um die Rettung der Tugend, sordern um die Hinderung der Getreidezölle zu thun. Wenn aber die Kreuz=Zig dann die 12.000=Mark=Sache für eine an sich höchst unbedenkliche Angelegenheit erklärt, so sind wir durchaus entgegengesetzter Ansicht, und fürchten doch, daß das große konservative Organ hier in genau denselben Fehler verfällt, dem die Liberalen in entgegengesetzter Richtung erliegen sähmlich das Parteiinteresse den dringendsten Forderungen politischer Moral voranzustelen Nach einer Drahtnachricht aus Königsberg i. Pr soll Graf Klinckowstrom auf einer konservativen Versammlung erklärt haben, die Agrarier könnten dem Zolltarif zuversichtlich entgegensehen, die Aararier uind Graf Bü#m seien enng mehr dürfe er nicht sagen. Diese Nachricht stimmt mit Mitteilungen überein, die man sich in parlamentarischen Kreisen schon länger erzählt Das B.T behauptet nun ferner Graf Klinckowström habe sich als Vertreter der Konservativen, die nicht den extremen Anschauungen des streng agrarischen Flügels huldigen mit der Regierung über einen Getreidezoll von 6 oder 7 M. verständigt Während dasselbe Blatt behauptet, diesem Komp##miß sollten bereits das Centrum und die Freikonservativen, sowie ein Teil der Nationalliberalen, die Möller=Gruppe beigetreten sein wird dies von der„Nat.=LibKorr bezüglich der Nationalliberalen bestritten Letztere Korrespondenz behauptet, seit der Sitzung des Centralvorstandes der Partei am I. November in der diese Frage noch in der Schwebe gelassen wurde, sei in dem Stande der Dinge keine Veränderung eingetreten Immerhin ist die Verstäudigung wenn sie noch nicht da ist, mit Sicherheit zu er156278 Unsere Vermutung, daß den ersten Bankbrüchen jetzt beisinkender Geschäftslage weiterer Krach folgen werde, hat sich schnell bestätigt. Der Zusammenbruch der Pfandbrief=Banken zieht immer weitere Kreise die zuletzt bekannt gegebenen vorläufigen Ergebnisse der verschiedenen Revisionskommisionen enhüllen ein kaum glaubliches Bild von Schiebungen wirtschaft u. w. bei den einzelnen Instituten. Es wird wohl noch geraume Zeit währen bis das ganze Material von den beauftragten Revisoren der Aktionäre und der Pfandbriefinhaber gesichtet und bearbeitet ist, und die wirr durcheinander laufenden Fäden der Beziehungen der einzelnen Institute unterund Zueinander eingermaßen entwirrt sind Jetzt ist eine neue„Komplikation eingetreten. Das hiesige alte angesehene seit bestehende Baukhaus Anhal& Wagner Nachs. hat infolge seiner engen Beziehungen zu den sog SpielhagenBanken seine Gläubiger zusmenuen müssen, um von ihnen Stundung der Zahlungsverpflichtungen zu erbitten. Anhalt u. Wagner galten im Gegensatz zu den jüdischen Geschäften als„christliche Bank. Daher sollen denn auch Kirchenbaugelder unter dem Patronat des Oberhofmeisters Frhr. b. Mitbach durch den jungsten Krach arg gefährdet sein. Der haber der Firma Anhalta Wagnen welche ihre Zahlungen eingestellt hat ist Höfbankier der Kaisenin. Im„Bi ein Schreiben des Vizeadminals #D Livonius an den bekaunten Militärschriftsteller Hauptmann a. D. Hbenig mitgeteilt. Darin wird zunächst ein Urteil über die Gneisenau=Katastrophe vorläufig abgelehnt nur wird die Notwendigkeit hervorgehoben auf der Rhede von Malaga bei zunehmendem Wind stets sofort alle Vorbereitungen zu treffen, um in See zu gehen. Wichtiger ist der zweite Teil des Briefes worin es heißt. Aus den beiliegend mitgesandten Drucksachen— einer Durch die Zeitung„Das finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Vom 1. Januar 1901 Preis der 5 gespaltenen Petitzeile oder deren Raum für die Lokal= Ausgabe 10 Pfg.; für Reichs=Ausgabe 25 Pfg. Bei mehrfachem Abdruck tritt entsprechende Ermäßigung ein. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Vermittelungs=Geschäft zu erteilen. schrift und drei Patentschriften wollen Sie ersehen, daß ich aus besonderem Anlaß verschiedene Vorschläge im Laufe des Sommers gemacht habe, um den Verlust an Menschenleben bei Unfällen auf See herabzumindern. Drei dieser Vorschläge habe ich mir patentieren lassen, nämlich: 1. Einrichtung zur Rettung der Insassen von gekenterten BookenE 2. Einrichtung zur Rettung der Schiffskommandanten, deren Pflicht sie bis zum Versinken des Schiffes auf der Schiffsbrücke festhält; 3. Einrichtung zur Rettung aller derjenigen Personen, welche keine Unterkunft in den Booten gefunden haben. Alle diese Einrichtungen sind äußerst einfach, auf den ersten Blick zu verstehen und verursachen kaum irgendwelche in Betracht zu ziehenden Kosten oder sonstige Unbequemlichkeiten. Admiral Livonius meint, daß, wenn diese Einrichtungen an Bord der nach dem Mittelmeer entsendeten Schulschiffe angebracht worden wären(wenige Tage hätten dazu genügt), bei dem„Gneisenau"=Unglück manch Einer gerettet worden wäre. Er fährt dann fort: Aber nun hören Sie weiter! Ich lasse meine patentierten Vorschläge an die zunächst zuständige Stelle in verbindlichster Form einreichen man weist sie kühl zurück. Nicht etwa, daß man gesagt hätte:„Wir wollen Versuche anstellen, und falls sich solche bewähren werden wir auf die Sache zurückkommen", das leidet ja der Büreaukratismus nicht und die Technik setzt sich natürlich aufs hohe Pferd, daß sie bisher den Wald vor Bäumen nicht gesehen hat. Da ich nun aber so unbescheiden bin, mir ebensoviel seemännisches Verständnis über den praktischen Wert meiner Vorschläge zuzutrauen wie jene die sich ablehnend gegen dieselben verhalten, so werde ich trotzdem darauf bedacht bleiben, meine Vorschläge zu allgemeinerer Einführung zu bringen und ich rechne dabei auf das Publikum, für das es doch auf alle Fälle eine große Beruhigung ist, zu wissen, daß die von mir empfohlenen Einrichtungen sich an Bord befinden Stellt das Publikum, das sich auf das Wasser begiebt an die Rhedereien die Anforderung, daß für den Fall einer Katastrophe die von mir vorgesehenen Einrichtungen zur Stelle sind so wird man sich schon dazu bequemen müssen durch unparteiische Versuche den praktischen Wert derselben festzustellen. Man wird abwarten müssen, was von der andern Seite auf diese Beschwerde erwidert wird. Aus dem Berlin, 20. Dezember. — Die wiederholt in Aussicht gestellte Gleichstellung der Oberlehrer an den höheren Lehranstalten mit den Richtern in der Besoldung wird, wie das Korrespondenzblatt für die Philologenvereine aus zuverlässiger Quelle erfährt, zu Ostern 1901 von der Regierung gefordert werden. — Schiffsbeweaung. S. M. S.„Wörth“, Kommandaut Kapitän z. S. Borckenhagen, ist am 19 ds. von Nagasal nach Tsingtan in See gegangen. S. M. S. Tiger“, Kommandant Korvetten=Kapitän v Mittelstädt, ist am 19. ds. in Weihatwei eingetroffen und an demselben Tage wieder von dort in See gegangen. Kie 20. Des. Die aus China zurückgekehrten Marinemannschaften haben soweit sie nicht zur Entlassung gelangt sind heute den ihnen bewilligten 45 tägigen Heimatsurlaub angetreten Potsdam 20. Dez. Der Direktor der Preußischen ypothekenaktienbant Kommerzienrat Sanden, wurde übergeführt Außer den Kommerzienrat Sanden sind auch die Direktoren der Preußischen Hypotheken=Aktienbank und Grundschuldbank Heinrich Schmidt Paul Puchmüller und Wassiesl verhaftet worden. Wermar 20 Dez. Dem weimarischen Landtag wird nach seinem Wiederzusammentritt eine Vorlage über teilweise Uebernahme nenzuerrichtender Bahnlinien in preußische Verwaltung zugehen. Darmstadt 20. Dez. Die Zweite Kammer der Hessischen Stände beschloß in namentlicher Abstimmung mit 19 gegen 16 Stimmen auf Antrag des Abgeordneten Ulrich, die Großherzögliche Regierung um Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen Uebernahme der gesamten Schullasten auf den Staat zu ersuchen Dagegen lehnte die Kammer die weiteren Anträge auf Einführung der obligatorischen Volksschule und die Unentgeltlichkei der Lehrmittel in der Volksschule sowie die Unterstützung befähigter Kinder unbemittelter Eltern zum Besuche höherer Bildungsanstalten bis zum Abschlusse des Studiums mit 23 gegen 11 resp 19 gegen 14 Stimmen ab.— Ein dringlicher Antrag des Abgeordneten Köhle= Langsdorf den Vertreter der bessischen Regierung im Bundesrate anzuweisen auf die Einsetzung eines Schiedsgerichts daseikanischen Kriege hinzuwirken wurde auf Beschluß des Hauses auf die morgige Tagesordnung gesetzt. Lotales. □ Siegen, 21. Dez. Der königliche Kreisphysikus, Herr Sauitätsrat Dr. Hensgen, erläßt in der„Siegener Zeitung folgende Bekanntmachuna die wir unsern Lesern zur Beachtung empfehlen: Bei der großen Verbreitung, welche die Masern in hiesiger Stadt und die Diphtherie in Weidenau momentan angenommen haben, muß darauf hingewiesen werden, daß diese Krankheiten stets durch Uebertragung teils direkt teils durch Mittelspersonen sich weiter sortpflanzen Hieraus ergiebt sich die Notwendigkeit, daß derjenige, der sich resp seine Kinder schützen will jeglichen Verkehr mit solchen Häusern in denen diese Krankheiten aufgetreten sind absolut meiden muß Gefährlich ist es auch, aus solchen Häusern Nahrungsmittel namentlich Milch zu beziehen, da erfahningsgemäß dieselben sehr leicht geeignet sind, die Träger der Krankheitskeime zu bilden. Wollen die Haushaltungsvorstände, in deren Häusern die Krankheiten aufgetreten sind, ihre kranken Angehörigen nicht den vorhandenen Krankenhäusern überweisen, so muß für thunlichste Abtrennung des Kranken selbst und für eine sich möglichst abgeschlossen haltende Pflegeperson gesorgt werden. Nach abgelaufener Krankheit ist der Genesende zu baden und falls es sich um ein Schulkind delt, mit reiner Wäsche und gereinigter Kleidung versehen, zur Schule zu schicken. Krankenzimmer nebst Inhalt sind gründlich zu desinsizieren. Im übrigen wird bezüglich der Diphtherie auf die genaue Durchführung der Anordnungen hingewiesen, welche im September dieses Jahres durch die Königliche Regierung erlassen worden sind und von denen ein Abdruck seitens der Ortspolizeibehörde auf die nie zu unterlassende Anzeige hin den Haushaltungsvorständen zugestellt wird. Siegen, 21. Dez. In der gestrigen Sitzung der Königlichen Strafkammer wurde weiter verhandelt 13. gegen die Arbeiter Franz Hücker und Joseph Womelsdorf aus Oberelspe. Dieselben sind der Körperverletzung, begangen an dem Joh. Ramm, Herm. Ramm und Anton Kruß aus Altenflape angeklagt. Am 14. Oktober d. I. befanden sich die Angeklagten in einer Wirtschaft in Oberelspe, hier entspann sich ein Streit, bei welchem Johann Ramm und Kruß geschlagen und mit Biergläsern und Streichholzständern geworfen wurden. Auch nachdem beide Parteien die Wirtschaft verlassen hatten, setzte sich der Streit auf der Chaussee nach Altenflape hin fort. Inzwischen hatte der Vater des Johann Ramm gehört, daß sein Sohn in Oberelspe Streit bekommen habe und eilte, mit einem Kartoffelstößer als Waffe versehen, nach dort. Unterwegs traf er auf die Burschen, die noch fortwährend im Wortwechsel lagen und wurde sofort von Hücker angegriffen. Letzterer warf ihn zu Boden und versetzte ihm verschiedene Stiche in den Rücken, den Oberarm, die Stirn und die Hüfte. Einige der Wunden waren nicht ganz ungefährlich und haben vier Wochen zu ihrer Heilung bedurst. Auch Kruß und Ramm jun hatten verschiedene Wunden davongetragen. Das Urteil lautet gegen Hücker auf 1 Jahr und 1 Woche Haft, gegen Womelsdorf auf 6 Monate Gefängnis.— Die folgende 14. Sache führte den Metzger W Heimes aus Dreisbach auf die Anklagebank. H. hat sich der Urkundenfälschung schuldig gemacht, indem er einen Wechsel, lautend auf 400 Mark, ausfertigte, den Namen des Metzger K. Ruben aus Weidenau als Acceptanten daruntersetzte und denselben sodann diskontierte. Mit dem erhobenen Betrag wurde der Angeklagte sodann flüchtig. Den übrig gebliebenen Rest von 325 Mark sei dem Angeklagten in Amsterdam gestohlen worden, weshalb er sich genötigt sah, sich der Polizeibehörde in Emmerich zu stellen. Wegen schwerer Urkundenfälschung wird der bisher noch unbestrafte Angeklagte zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. 15. Der Zuschläger Fr.#otz arbeitete im Laufe dieses Jahres im hiesigen Königl Eisenbahn=Güterschuppen, woselbst er das Aus= und Einladen der Stückgüter zu besorgen hatte. P. soll nun bei dieser Gelegenheit einen Diebstahl begangen haben, indem er eine Kiste erbrach und aus derselben zwei Regenschirme entnahm. Der Angeklagte bestreitet die ihm zur Last gelegte Strafthat. Die fragliche Kiste sei beim Transport dermaßen beschädigt, daß die Schirme von selbst herausgefallen seien. Wenngleich das Gericht diesen Angaben wenig Glauben schenkte, so mußte es doch auf Freisprechung erkennen, da die Beweismittel eine Verurteilung nicht rechtfertigen. Sodann wurde die Verhandlung gegen den Bäcker und Wirt Jung aus Marienborn fortgesetzt. Die Beweisaufnahme fiel zu Ungunsten des Angeklagten aus. Das Urteil lautete auf 1000 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate Gefängnis und 500 M. Geldstrafe beantragt. Düsseldorf, 20. Dez. Am Mittwoch versammelte sich im Sitzungssaale der Ausstellung der Arbeitsausschuß der Ausstellung für 1902 zu einer Sitzung behufs Erledigung einer Reihe wichtiger Geschäfte. Der Vorsitzende Herr Geheimrat H. Lueg leitete die Verhandlungen mit einer Reihe von geschäftlichen Mitteilungen ein. Aus denselben ist hervorzuheben, daß die größten Bauten, die Maschinenhalle und der Kunstpalast sehr weit gefördert sind, jedenfalls ist mit Sicherheit zu erwarten, daß alle Bauten zur rechten Zeit fertiggestellt sein werden. Von besonderem Interesse war die Mitteilung, daß das Projekt der Marineschauspiele gesichert ist und daß auch Aussicht vorhanden ist, einen Fesselballon auf die Ausstellung zu bekommen. Verschiedene Panoramen sind ebenfalls gesichert. Wegen Veranstaltung von hervorragenden Feuerwerken steht die Ausstellungsleitung mit einer Weltfirma in Verhandlungen, die dem Abschluß nahe sind. Mit der Ausstellung wird voraussichtlich eine Lotterie verbunden sein, bei welcher die Preise aus Ausstellungsgegenständen bestehen sollen. Herr Oberbürgermeister a. D. Haumann trägt alsdann den neuen Etat vor, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 6700000 M. balanciert. Alles in allem ergab diese letzte diesjährige Sitzung des Arbeitsausschusses, daß dieses große Unternehmen, das dazu bestimmt ist, den alten Ruhm der rheinisch=westfälischen Industrie und des Gewerbes der Schwesterprovinzen zu mehren und ihre Leistungsfähigkeit aller Welt vor Augen zu führen, soweit gefördert ist, daß man seiner glanzvollen Vollendung mit Vertrauen entgegensehen darf. Großherzogtum # Aus dem Kreise Lauterbach 20 Dez. Den Bemühungen des Herrn Stadtpfarrers Schmidt zu Schlitz ist es gelungen, einen Jünglingsverein daselbst zu gründen. Der Verein zählt etwa 70 Mitglieder, und ist dies gewiß ein schöner Anfang. Möge dieser neue Verein, welcher zugleich der erste im Kreise Lauterbach ist, christliches Leben fördern und pflegen, auch wäre es wünschenswert, wenn sich die anderen Herren Geistlichen unseres Dekanats mehr der Jünglingsvereinssache annehmen. Unsere Jugend, welche vielsach den Versuchungen der Welt ausgesetzt ist, wird durch die Jünglingsvereine davor bewahrt. Letzte Nachrichten und Telegramme. Berlin, 21. Dez. Die nationalliberale Korrespondenz meldet: Die Beratungen der Behörden über die Reform der Kriminalpolizei, wobei auch die Unterstellung unter das Justizministerium in Frage kommt, seien soweit gediehen, daß dem Landtage bald eine diesbezügliche Vorlage zugehen werde. Berlin, 21. Dez. Der„Lokal=Anzeiger“ meldet aus Königsmusterhausen: In Eichwalde wurde ein Schlächtergeselle unter dem dringenden Verdachte verhoftet, die Schiffersfrau Grasznik ermordet zu haben, die seiner Zeit bei Zeuthen mit durchschnittener Kehle aufgefunden wurde. Berlin, 21. Dez. Staatsanwaltschaftsrat Schweizzer wurde nach einer Meldung der„Kreuz=Zeitung" zum 1. Staatsanwalt in Konitz ernannt. Berlin, 21 Dez. In dem Prozeß Sternberg beantragte der Staatsanwalt gegen Sternberg 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen die Wender 6 Monate Gesängnis, gegen die Scheding 3 Wochen Gesängnis, gegen Luppa Aussetzung des Verfahrens, weil Idealkonkurrenz mit noch andern Vergehen bezu Verbrechen vorliegt. Der erste Verteidiger Rechtsanwalt Fuchs I tritt in langer Rede für die Freisprechung Sternbergs ein. Wenn das Gericht sich die Frage vorlegt, od und was geschehen ist, so kann es nur zu dem Schluß kommen: Ignoramus! Der Gerichtshof habe den Menschen zu beurteilen, seine Moral könne man verdammen; aber der Verteidiger hoffe, daß der Gerichtshof bei der Prüsung der Frage, od Sternberg der ihm zur Last gelegten Strafthaten überführt sei, zu einem„Nein kommen würde. In dem Schmutz in dem die Callis, die Schnörwange und die Ehlert lebten, sei nichts mehr zu verderben Verderben könne nur der, der da heruntersteige. Die Einbuße die der Moral dadurch zugefügt werde, würde das deutsche Volk leicht verwinden; es würde aber nicht überwinden, wenn es sich nicht mehr darauf verlassen könne, daß Gerechtigkeit das Fundament des Staatslebens sei. Die Plädoyers werden heute fortgesetzt. Petersburg, 21. Dez. Bei dem Brande einer Dampfsägemühle sind 5 Arbeiter ums Leben gekommen. Malaga, 21. Dez. Die sowimmende Leiche des Schiffsjungen Becker ist gestern aufgefischt worden; sie zeigt eine große Kopfwunde. Andere Leichen sollen, laut Angaben von Fischern, in der Richtung gegen Gibraltar treiben. Der englische Kreuzer Pioneer ist hier eingelaufen. Der Krieg in Südafrika. London, 20. Dez. Ein Telegramm Lord Kitcheners meldet aus Pretoria vom 19.d.: Eine Burenabteilung. 500 bis 800 Mann stark, ging bei Rhenosterhoek über den Oranjefluß eine zweite Abteilung soll denselben in der Nähe von Sanddrift überschritten haben. Britische Truppen folgen ihnen. Lord Kitchener sandte eine beträchtliche Abteilung Berittener ab, welche sie zu umzingeln sucht. Den von Rhenosterhoek kommenden Buren folgten britische Truppen bis Venterstadt dicht aus dem Fuße Die Buren verließen Venterstadt gestern nachmittag 3 Uhr in der Richtung auf Steiinsburg. Die wichtigsten Punkte der Bahnlinie in der Nähe dieses Platzes werden sorgfältig bewacht. Lord Kitchener hofft, daß die Burenabteilungen bald wieder nach dem Norden zurückgetrieben werden. Kapstadt, 20. Dez. Tausend Mann sind gestern abend nach dem Norden abgesandt. Standerton, 20 Dez. Die Buren plünderten eine Farm im hiesigen Distritt und erbeuteten dabei 200 Stück Vieh. Es verlautet, ein starkes feindliches Kommando lagere bei Robertsdrist in einer Entfernung von 14 Meilen Ein kleiner Burentrupp wurde bei einer anderen Farm, vier Meilen nördlich, gesehen; zwei Granatschüsse verscheuchten dieselben Die Familien der Buren, die sich ergeben haben, sind aus einem Umkreis von wenigen Meilen in die Stadt gebracht. London, 21. Dez. Aus Kapstadt wird gemeldet: Die Lage in der Katzkolonie wird allgemein als sehr ernst bezeichnet. 2000 Buren drangen über den Oranjefluß in die Kapkolonie ein. Es wird ernstlich befürchtet, daß die holländischen Burenfreunde sich ihnen anschließen werden. Ein allgemeiner Aufstand steht unmittelbar bevor Mehrere Blätter verlangen, daß sofort alle verfügbaren Truppen nach Südafrika eingeschifft werden. London, 21. Dez. Reuters Bureau meldet aus Kapstadt vom 20. Dez. Eine Kundgebung der Kavregie= rung besagt: Die Buren, welche die Grenze der Kapkolonie überschritten haben, können sich nur mit großer Schwierigkeit bewegen, da sie überall aufgehalten werden. Die Zahl der Buren, welche die Grenze überschritten hat beläuft sich auf etwa 2000. Bisher kam es nur zu kleineren Plänkeleien, da die Buren den britischen Truppen möglichst ausweichen. In mehreren Distrikten wurde das Standrecht proklamiert. Um die Bestellung der zum Jahresschluß nach Bertin gerichteten Briefe zu erleichtern und zu beschleunigen, empfiehlt es sich, in der Briefaufschrift neben der genauen Angabe der Wohnung nach Straße, Nummer und Stockwerk den Postbezirk(C., W., NW 2c) und wenn thunlich auch die Nummer der BestellPostanstalt deutlich und zutreffend anzugeben, z B. C. 22, W. 9, NW. 52. Dortmund, 17. Dezember 1900. Kaiserl. Ober=Postdirektion. Paschen. Am Sonntag, den 23. Dezember werden der Post=Annahme= und Ausgabesowie der Telegraphendienst und die OrtsPaketbestellung in der für die Werktage festgesetzten Ausdehnung wahrgenommen werden. Siegen, 18. Dezember 1900. Kaiserliches Postamt. Königliche Oberförsteret Siegen verkaust am Montag, den 31. Dezember 1900 vormittags 11 Uhr beim Gastwirt Kaleisch in Kreuzthal aus den Distrikten 104 a und 112a(Langewald) des Schutzbezirks Kreuzthal öffentlich meistbietend: Eichen 27 ri Reiser III. A., 162 rm Reiser IV. Kl., Hainbuchen 56 rm Reiser II. Kl., 20 rm Reiser III. Kl., Birken 200 Stangen IV. Kl.(Schaufelstiele, 10 rin Knüppel, 605 rm Reiser II. Kl., 749 rm Reiser III. K. 54 rm Reiser IV. Kl. Erlen 1 rm Knuppel, Fichten 3 rm Kloben und Knüppel. Die Erben der verlebten Eheleute Eberhard Schäfer iu Feuersbach beabsichtigen teilungshalber ihr sämtliches Mobiliar bestehend in Haus= und Ackergerätschaften, darunter ein Wagen, eine Karre, Eggen, Pflug u. s w., eine sette Kuh, eine schwere tragbare Fahrkuh zwei tragbare Rinder und ein noch nicht tragbares Rind, ferner Roggen, Hafer, Kartoffeln Heu, Grummer, Roggen= und Haferstroh am Freitag, den 28. Dezhr er., worgens 10 Uhr anfangend, in ihrer Wohnung öffentlich im Meistgebot gegen Zahlungsausstand zu verkaufen wozy einladet Leyz, Auktionator. Jemgarteichen den 18 Dezbr. 1900. Tugssssseramn Französisch Um das Honorar für den einzelnen ermäßigen zu können eröffne ich Anfang Januar einen Kursus zum Erlernen der fran##sischen Sprache. Gebe 2 auch noch einige Privatstunden. Wunsch Vorlesen stz. Schriftsteller und Dichter. Anmeld. er X beten Kornmarkt 20. Siegen. Gaston Dirheimer. französ. Lehrer aus Nancy. Evangelischer Gottesdienst in der Gemeinde Siegen. Sonntag, den 23. Dezember 1900. 4. Advent. Vorm. 8 Uhr: Pfr. Achenbach. „ 9½ Uhr: Pfr. Winterhager. Nachm. 2 Uhr Pfr. Vorländer. (Vorbereitung zum heiligen Abendmahle.) Dienstag, den 25. Dezember 1900. 1. Weihnachtstag. Vorm 8 Uhr: Pfr. Kühn. 5% Uhr: Pfr. Achenbach. (Abendmahlsfeier.) Nachm. 2 Uhr Pfr. Vorländer. Mittwoch, den 26. Dezember 1900. 2. Weihnachtstag. Vorm 8 Uhr: Pfr. Vorländer. „ 9½ Uhr: Pfr. Winterhager. Nachm. 2 Uhr: Vikar Hartog. Kollekte für den Jerusalem=Verein und das Syrische Waisenhaus. Siegen, Sandstraße 34. Am Sonntag, den 23. d. Mis, nachm. 3 religiöse Versamalung. Nachmittags 5 Uhr: Am 1. Weihnachtsfesttag abends 8¼ Uhr Redner: Prediger G. Nagel. Jedermann ist freundlichst eingeladen. Siegen, Sandstraße 34. Mechodisten=Geneinde, Sandstraße 55. Sonntag, den 23. Dezember. Morgens ½10 Uhr: Pred. F. Brändle. Abends 8 Uhr Derselbe. Am heil. Christfest: Morgens#10 Uhr Pred. F. Brändle. Nachm 4 Uhr Weihnachtsfeier der Sanntugsschule Am 2. Christfest: Morgens10 Uhr: Hilfsprediger##. 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Falsch swäre indessen die Auffassung, daß sich für diese Arbeit nur gewisse amerikanische Nähmaschinen eigneten, welchen Glauben die Agenten einer amerikanischen Nähmaschinenfabrik beim Publikum zu erwecken suchen. In ganz hervorragender Weise eignet sich hierzu wegen ihrer besonderen Konstruttion die Bisns-Wähmaschine, welche schon im ahre 1887 in Bielefeld und 1888 in München zum Sticken ausgestellt war, wo sie viel Aufsehen erregte. Auch ist die Phönix=Nähmaschine mit einem Knopflöcher=Apparat versehen. Unterricht in Sticken, Knopflochnahen, Stopfen und Nähen wird Käufern von Jaunar 1901 ab kostenlos erteilt. Freudenberg empfiehlt sein reichhaltiges Lager in: kurzen und langen Pfeifen aller Arten, echte Meerschaum- u. Bernstein- Cigarrenspitzen, Stöcke, Mundharmonikas. Große Auswahl in Messern, Scheeren, Portemonnaies, Cigarren-Etais, Regenschirmen und Broschen in allen Preislagen, sowie sämmtliche Bürsten, Parfümerien und Kammwaaren. 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Volk“ erscheint täglich in mindestens anderthalb mittelgroßen Druckbogen, Sonntags mindestens zwei Bogen, auch in der Woche Extra Beilagen nach Bedarf. Volk“ hat durch seine eigene Agentur in Berlin eine unmittelbare Berichterstattung aus der Volk bringt stets wörtlich die Reden des Reichstagsabgeordneten Stöcker, unterrichtet über alle wichtigen Vorkommnisse im Reich und in den Provinzen. Das Volk“ bringt Lokal=Nachrichten aus Rheinland=Westfalen, Hessen=Nassau und Großherzogtum Hessen. „Das Volk“ enthält die vollständigen Ziehungslisten der Königlich Preußischen Staatslotterie. Der Abonnementspreis beträgt trotz dieser Reichhaltigkeit für die Mark 25 durch den Boten frei ins Haus 40 Pfg. mehr für alle Postabonnenten Mark 35 Pfeunig durch den Briesträger srei ins Haus 42 Pfg. mehr. Volk“ ist in christlichem Geiste redigiert, der Unterhaltungsteil so, daß das Blatt in jeder Familie mit Interesse gelesen wird. „Das Volk“ will nur das Wohl des ganzen aller Stände, keine einseitige Interessenpolitik, es will den sozialen Frieden herbeizuführen mitwirken. Unsere Freunde bitten wir aber herzlich, uns durch Zuweisung von Inseraten, Drucksachen und Werbung von neuen Abonneuten zu unterstützen. Wir bitten rechtzeitig zu bestellen, damit in der Zustellung der Zeitung keine Verzögerung eintritt und die vielen Nachbestellungen vermieden werden. Probenummern überallhin kostenfrei. Geschäftsstelle des„Potses, Siegen, Sandstraße 18. Christlich=soziale Vereinigung für Pommern ladet zu dem öffentlichen Vortrage des Herrn Hofprediger Stöcker über„Schäden am körver und ihre Heilung" im evangelischen Vereinshause zu Stettin am Donnerstag, den 3. Januar, abends 8 Uhr, ergebenst ein. P. Baumann, Vorsitzender. Reichstagrrede am 13. Dezember 1900. (Fortsetzung der ersten Beratung des Etats.) III. Nun möchte ich die Maßstabe der materiellen Juteressen und des christlichen Geistes noch auf die sogenannte Weltpolitik anwenden. Ich habe vor wenigen Tagen aus dem Briefe eines der berufensten Chinakenner folgendes entnommen. Jemand, der im Palast des Kaisers von China war, fand auf seinem Tische ein Neues Testament und nahm es als Andenken mit. In den Kreisen der Kundigen aber erzählt man, der Im nächsten Quarta erschein im eine spannende Erzählung: „Die Heimatlosen. Sostalpolitische Nouelle von Dietrich von Oerten. Dar alte Kaufmannshaus. Erzählung von E. 5(Nachdr verboten.) Der Mann war höchst solide und suchte durch Privatschreibereien des Abends noch nebenher zu verdienen, aber die beständig sitzende Lebensweise war ihm bei seiner kleinen. gedrungenen Gestalt durchaus nicht zuträglich er klagte oft über Asthma. Nach Jahr und Tag merkte ich wohl, daß er ausing mich mit andern Augen zu betrachten und wenn es mir auch bisher gelungen war, einer Aussprache seiner Gedanken auszuweichen so konnte das nicht weiter gehen, wenn nicht schließlich doch das gute Einvernehmen zwischen uns gefährdet werden sollte. Ich hielt es deshalb für notwendig, ihn über meine Vergangenheit etwas aufzuklären, indem ich ihm bei passender Gelegenheit mitteilte, daß mein Gatte in Deutschland noch lebe ich aber durch traurige Vorkommnisse von ihm sei. Ich merkte wohl, daß es ihm nahe ging er wurde sehr bleich und sagte kein Wort Viel Reden war überhaupt nicht seine Art. Etliche Tage ging er mir aus dem Wege, doch allmählich stellte sich das alte Verhältnis wieder her Bei seiner Schweigsamkei kam ich auch nicht darüber recht ins Klare, wie es mit seinem Glauben stand, es war damit in jener Zeit hier durchweg schlean bestellt, er legte mit jedoch nichts in den Weg, wenn ich mit den Kindern betete und sie Gottes Wort lesen ließ und es kam mir vor, als ober selbst hinhorchte So gingen wieder Jahre hin ich hatte ihm später einmal gesagt, wenn er eine gute Frau wüßte und sich wieder verheiraten wolle, solle er sich ja nicht an mich gebunden halten, er aber hatte mich mit einem sonderbaren Blicke angesehen und den Kopf geschüttelt.— So blieb es beim Alten. Das älteste Mädchen war der Schule entwachsen und bei Verwandten auf dem Lande um etwas zu verdienen, da trugen sie den Mann eines Tages leblos von der Kanzlei ins Haus, der Schlag hatte ihn gerührt wesentliche Grund, weshalb die Kaiserin Prinz Tuan und ihre Leute dem regierenden Kaiser von China so feindlich gesinnt seien, liege darin, daß dieser dem Christentum zuneigt. Ich möchte das besonders Herrn Bebel sagen, weil er die China=Verwickelung aus gänzlich anderen Ursachen herleitet. Denn es zeigt— gewiß sehr zum Aerger der Sozialdemokraten,— daß das Christentum mit seinem Rufe: Ehre sei Gott in der Höhe!— doch in der Weltgeschichte eine ganz andere Bedeutung hat, als die Herren meinen. Nach diesem Christentum, das so viele verachten und auch die eigenen Anhänger oft nicht genug befolgen, wird die Weltgeschichte entschieden. Sie mogen sagen, was Sie wollen, das Evangelium geht seinen Gang durch die Lande und Jahrhunderte, auch durch die Kämpfe und Streitigkeiten der Welt. Natürlich muß es unser Wunsch sein, daß die Weltpolitik, in der wir stehen nach christlichen Gesichtspunkten getrieben wird. Wir sprechen soviel von christlichen Großmächten Zuruf links) christlicher Politik christlicher Kultur, damit erklären und begründen wir die Welteroberuug. Aber es kann doch niemand leugnen, daß das Bild welches die Politik der sogenannten christlichen Großmächte seit Jahren bietet, sehr wenig von christlichem Geist merken läßt. (Sehr richtig!) Darin ist nun auch die Beunruhigung begründet, die heute bei der Abweisung des Besuchs von Präsident Krüger die Herzen so tief bewegt. Christentum bedeutet aber in der Auffassung unserer Zeit nicht mehr eine Anzahl von Lehrsätzen. Die bloße tote Orthodoxie, die nichts ist als Buchstabendienst, hat für niemand Wert sehr gut!) hinter dem christlichen Glauben muß die christliche Sittlichkeit stehen Gerechtigkeit und Liebe auch in der großen Politik. Nun wird niemand behaupten können, daß das, was heute morgen in den Zeitungen von dem amerikanischen General Ehaffee gegenüber unserem Oberstkommandierenden in China berichtet wird, irgend etwas vom Christentum spüren läßt. (Sehr richtig! Diese vielfach nuchristliche Art und Weise, wie sich die Großmächte aus Selbstsucht in China benehmen, kann den Chinesen nur Mut machen, in ihrem Wesen fortzufahren. So war es aber in der letzten Zeit immer. Wenn ich einige Jahre zurückdenke, so kann ich nicht anders, als noch immer die großen Blutflecke in Kleinasten und Armenien sehen. Was haben denn da die christlichen Großmächte gethan? Hunderttausend armenische Christen sind abgeschlachtet eher mehr als weniger. Eine blühende Provinz ist verhunderttausend Menschen in ihrem Lande hingeschlachtet wurden, steht einzig in der Geschichte da. Und man kann nicht leugnen, daß wir in Deutschland mit dem Sultan am freundlichsten thaten. (Heiterkeit. Sehr richtig! Die Empfindungen von damals wirken noch heute nach. Die Burensache wird darum von dem Volksgemüt so bitter aufgenommen, weil die Erinnerung an jene Greuel noch lebendig ist. Als ich ein Knabe war, hatten wir im„Kinderfreund“ eine Fabel, in der jeder Vers mit dem Reim endete:„Ich bin groß und du bist klein." Da wird eine Fliege vom Vogel gefressen, der Vogel vom Sperber, der Sperber vom Geier dieser wird zuletzt vom Jäger getötet. Wenn sich nun die sterbenden Tiere beklagten, dann hieß es: „Ich bin groß und du bist klein". Das ist heute der Lauf der Welt, im Geschäftsleben wie im Verkehr der Staaten: die Großen machen die Kleinen tot. Wenn über dem neuesten Warenhaus von Berlin eine Weltkugel steht (Heiterkeit links), und auf der Weltkugel der Name des Warenhausbesitzers, so ist das eigentlich ein treffendes Symbol unserer Lage. Die Welt ist ein Warenhaus geworden. Der alte Goethe sagt: Am Golde hängt, Nach Golde drängt Doch alles. Wir sind darin seitdem viel weiter gekommen. Und wenn Graf Strachwitz einmal im jugendlichen Uebermut sagt: Hat darum sieben Tage Müh Einem Gott gekostet die Erde, Daß sie für Lump und Kompagnie Eine Aktienbörse werde? (Heiterkeit) so sind wir vielfach nicht weit von diesem Zustand entfernt. Darin sehe ich den Grund der ungeheuren Unbehaglichkeit unserer Verhältnisse. Dieses Gefühl spielt auch in die Beurteilung der Burensache mit hinein zehnte lang wird die Fiedergetrerene Bepolterug, dechtet leiden. Ich frage woch einmal was haben die chriftlichen Großmächte gethene Nichts haben sie gethan. Es geschah das Unbegreifliche, daß wir beinahe ein Jahr lang von den Freveln nichts erfuhren, und daß dann nachher hie und da schwache Aeußerungen des Unwillens fielen Aber irgen#em mächtiger Ausdruck christlichen Geistes oder eine strenge Verurteilung dieser Greuel kam nicht Ich erinnere dabei an den himmelschreienden Gegensatz, daß die armenischen Greuel kaum beachtet wurden während um dieselbe Zeit über den einen Mann Dreysus zwei Jahre hindurch Tag für Tag die Zeitungen weitläufig berichteten Sehr gut! Was ist das für eine Zeit und Welt? (Sehr richtig rechts.) Ich bin überzeugt, es lag daran, daß Dreyfus ein Jude war. (Sehr richtig rechts. Wäre irgend ein Christ so behandelt wie er dann hätte kein Hahn danach gekräht. Ja, hünderttausend Christen sund ermordet und man hat sich kaum darum gekümmert. Das doch eine Schande Ich bedaure, daß man einen Unschuldigen zu Unrecht verurteilt hatte. Aber wie oft kommt das vor Dagenen das Kirche, Schule und Mission. Eine Weihnachtszeit voll Bangen durchleben viele neu erstandene evangelische Gemeinden in Oesterreich. Von der Machl des Evangeliums ergriffen haben sie die römische Zwangsherrschaft freudigen Herzens abgeschüttelt. Die„Los=von Rom"=Bewegung wurde ihnen eine Hin=zum=Evangelium"=Bewegung. Die Anfeindungen um ihres Uebertritts willen haben sie ruhig ertragen aber nun kommen so viele Sorgen äußerer Art eine Kirche soll gebaut ihre Kinder sollen unterrichtet, die geistlichen Hilfskräfte besoldet werden. Die eigenen Mittel sind bei ihrer großen Armut und Opferfreudigkeit längst erschöpft und die Gaben aus Deutschland werden immer geringer Ein trauriges Weihnachtsfest für unsere epangelischen Glaubensgenossen Wer von unseren Lesern will ihnen einen Christbaum anzunden? Wer ihre Sorgen mittragen? Gaben der Liebe für die„Los=von=Rom"=Bewegung nimmt jederzeu enttgegen die Hauptkasse des Evangelischen Bundes in Halle a. S. Domplatz 1.—i Westfalen. Hamm, 20. Dez. In nicht mehr langer Zeit werden hier in Hamm auch Steinkohlenzechen errichtet werden. Die ganze Umgegend ist von mehreren Bohrgesellschaften abgebohrt worden überall hat man das Kohlengebirge angetroffen sogar inmitten der Stadtist die Kohlensuche von Erfolg gewesen Eine auswärtige Gesellschaft hat an der westlichen Stadtgrenze, nach Wiescherhöfen Peltzum zu in den letzten Tagen etwa 180 Morgen Land erworben. Schon im nächsten Jahre durften die Arbeiten zum Abteusen der Schächte beginnen sodaß über zwei Jahre auch Hamm in die Zahl der kohlenfördernden Städte aufgenommen sein dürfte. Damit wäre der Anfang zu einem Lippeköhlenbezirk gemacht. Schwelm, 19. Dez. Gelegentlich der Revision der hiesigen Herbergen wurde ein Mann verhaftet, der sich im Besitze Er klagte schon langer über eingenommenen Kopf, achtete das aber bei seiner rastlosen Thätigkeit nicht weiter Er schlug nur noch einmal die Augen auf sah auf seine Kinder dann auf mich mit innig dankbarem Blick und es war aus mit ihm. Die Verwandten aus der Provinz kamen und nachdem der Mann bestattet war, verkauften sie den Hausrat und nahmen den Knaben und das jungste Mädchen mit sich Das war wieder ein schwerer Abschied. Die Kinder liebten mich mehr, als ihre eigene Mutter, die wegen ihrer Kränklichkeit oft reizbar und verstimmt gewesen, und ich hätte das kleine Mädchen besonders ein stilles, siuniges Kind, gar zu gern bei mir behalten. Wie sollte ich setzt die Einsamkeit wieder ertragen lernen. Aber ich durfte das Kind, welches bei seinen Verwandten gut aufgehoben war, nicht an meine unsichere Existenz knüpfen und ich sah bald ein, daß ich recht gethan hatte Nach kurzer Zeit mertte ich schon, daß meine Gesundheit nicht mehr so fest war, wie ehedem, es war immerhin ein anstrengendes Leben gewesen, das der letzten Jahre Die Ausgaben des Familienvaters mehrten sich mit dem Heranwachsen der Kinder der Junge, fleißig und gut beanlagt, wollte gern etwas Tüchtiges lernen, ich wußte wvie schwer es dem Vaten wurde seinte Facintilte, durchzubringen so nahm ich bald kein Gehalt mehr von ihm an und suchte den Versall durch verdoppelten Fleiß einzubringen denn ich wollte so ungern meinen kleinen Notpfennig schon angreifen, und mußte mich doch rechtlich und reinlich kleiden, so weitig Luxus ich dabei anwandte. Ich arbeitete längst wieder für mein Geschäft und da s bei Tage wenig schaffte, mauchmal die halbe=Nacht durch Zuweilen war das Zimmer schon recht abgekühlt, sodaß ich trotz allen Einhüllens meine Finger schließlich nicht Nieb hren Müe Hatte ich mich dabei erkältet, war es Ansteckung von der seligen Frau, genug, ich litt seitdem an auftoßendem Hüsten. Fur wen hatte mein Leben nun auch noch Wertje eher es ablief je besser für mich Denn in der Einsamkeit jetzt, wachte der alte Gram mit doppelter Heftigkeit wieder auf, ach nur einen Wunsch noch hatte ich für diese Welt, noch einmal von Mann und Kind zu hören und oft nahm ich die Feder zur Hand, mich um Auskunft über sie an meine Geschwister zu wenden. Doch ich überwand diese Versuchung jedesmal siegreich und will alles auch ferner Gott anheimstellen Ein Jahr später Meine Krankheit hatte schnellere Fortschritte gemacht, als ich dachte meine Krafte nehmen von Tag zu Tag ab, es wird nicht lange mehr dauern, ehe schemend aecher Sendmarkscheine da ist der faure Lauf vollendet, da ist der schwere Kampf beendet“. Gott helfe mir. Der Geistliche siehl oft nach mir und hat mir eine barmherzige Klosterschwester gesendet, die am Tage mehrmals zu mir kommt, aber ich bedarf wenig; doch ist es mir ein Troft jemand zu haben, der mir die Augen zudrückt Ich werde an diesen Aufzeichnungen nicht mehr schreiben können weiß auch nichts mehr hinzuzufügen, als ein letztes Lebewohl. Die Blätter waren zu Ende, Elisabeth faltete sie weinend zusammen und schob alles wieder sorgfältig in die Umhüllung Die Großmuttter wischte sich wieder und wieder die Augen dann sagte sie„Die Schweres verschuldet— Nun tes erduldet— Nun sind sie gekront!“ Mit welcher unendlichen Freude wird der gute Vater seine geliebte Johanna da droben empfangen haben. Wir fühlen ihnen das schwere Leid noch nach aber Gott hat tängst abgewischt alle Thränen von ihren Augen. Ich habe nun nicht mehr viel zu erzahlen, fuhr sie nach einer kleinen Pause fort; ich sagte Euch schon, daß mein lieber Mann ein süchtiger sehr kluger Mann war, das Geschaft nahm unter seiner Leitung, bei großer Reellität, einen ungemeinen Aufschwung Daneben aber vergaß er seine lieben Biicher nicht und mein schönstes Vergnügen wan wenn er mir allabendlich vorlas, ja selbst seine lateinischen Klassiter holte er wieder hervor und suchte auch meine Kenntnisse, die bei den Frauen jener Zeit selbst in den besseren Ständen nur mangelhaft waren, zu bereichern. Hat mitr nichts geschadet Klarchen, glaub es mir, daß ich selbst etliche lateinische Brocken aufschnappte, bin darum doch eine gute Hausfrau und Mutter geblieben, und hat mich niemand einen Blaustrumpf geheißen Den Namen haben etliche alberne Frauenzimmer aufgebracht, die von Gelehrsamkeit aufgeblasen den ersten und wichtigsten Beruf der Frau vernachlassigten, ja sich gar zu gut dazu und zu Höherem berufen hielten. Habe selbst so eine gekannt, hier auf dem Lande Eine entfernte Verwandte meines Seligen, noch dazu eine Pfarrersfrau, die über dem Diskutieren und Disputieren mit gelehrten Heiren Haus und Kinder vergaß Diese trieben sich verweile in zerrissenem Zeuge auf der Dorfgasse umher und sind verkommen Eine Tochter heiratete einen verschuldeten Müller, ihre Kinder sind Tagelöhner geworden, aber auc meistens Nichtsnutze, die den angesehenen Verwandten stets auf der Tasche lagen Fortsetzung folgt.) befand. Nach den Papieren, die er bei sich führte, heißt er Heinrich von der Mark und ist in Amsterdam im Jahre 1857 geboren. In der That handelt es sich aber um einen berüchtigten Gauner, er soll Joseph Schäfer heißen und aus Münster gebürtig sein. Lüdenscheid, 20 Dez. Die Kreis=Altenaer Schmalspurbahngesellschaft trägt sich mit verschiedenen Plänen, um die vorhandenen Bahnlinien auszubauen und weiterzuführen. So beabsichtigt sie eine Weiterführung der Schmalspurbahn Werdohl=Augustenthal über Lüdenscheid nach Brügge, gleichzeitig will sie diese Linie mit dem Lüdenscheider Schmalspurbahnhof und diesen mit dem Staatsbahnhof verbinden, um so einerseits ihr rollendes Material besser ausnutzen und andrerseits durch Anwendung des Rollbocksystems die Frachten ermäßigen zu können. Bei den Neubauten hofft sie jedenfalls von der Stadt Lüdenscheid beim Grunderwerb ein weitgehendes Entgegenkommen zu finden. Dies dürfte sich jedoch so schreibt die„Rheinisch=Westfälische Zeitung", taum verwirklichen, da die Stadt in viel höherem Maße an dem Zustandekommen einer Vollbahnverbindung Lüdenscheid=Köln interessiert ist. Für diese Strecke hat sich neben der Handelskammer auch die Kreisverwaltung sowie die Stadt Köln zu wiederholten Malen sehr warm verwandt. Die Bahn, die von Oberbrügge aus über Helver=Wipperfürth=Bergisch=Gladbach nach Köln führen soll, würde den Weg Lüdenscheid=Köln um ein Drittel abkürzen, für die hiesige Industrie von allergrößter Bedeutung sein, sowie ein landwirtschaftlich wie industriell hoch entwickeltes Hinterland erschließen. Wie verlautet sind die Aussichten für das Zustandekommen dieser Linie zur Zeit sehr günstig. Rheinprovinz. Düsseldorf, 19. Dez. Mit Rücksicht auf die wiederholten polizeilichen Mißgriffe in der jüngsten Zeit und mit Rücksicht auf die eigenartigen und schwierigen Verhältnisse des Regierungsbezirks plant der Herr Regierungspräsident die Errichtung einer Schutzmannsschul ür den Regierungsbezirk Düsseldorf M.=Gladbach, 19. Dez. In der Hauptversammlung des hiesigen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke wurde beschlossen, eine Volksbücherei und Lesehalle hierselbst zu errichten. Zur Ausführung der erforderlichen Vorarbeiten wurde ein Ausschuß gewählt. Sodann wurde der Beitritt des Ortsvereins zum Rheinischen Provinzialverbande gegen Mißbrauch geistiger Getränke einstimmig beschlossen. Das hiesige Volkskaffee= und Speisehaus des Vereins hat fortgesetzt sehr günstige Betriebsergebnisse. Darmstadt 20. Dez Vor einem dichtgedrängten Publikum aus den verschiedensten Kreisen hielt am Montag abend Herr Reichstagsabgeordneter Liebermann von Sonnenberg einen politischen Vortrag Die Versammlung im Kaisersaal wurde durch den Vorsitzenden der hiesigen Deutschen Reformpartei, Kaufmann Jost nach kurzer Darlegung der Parteiziele mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl Hoheit den Großherzog eröffnet In seinen etwa zweistündigen lebhaften Ausführungen— wir folgen einem Berichte der„Darmstädter Zeitung— beleuchtete Redner des näheren den Prozeß Sternberg sowie die Konitzer Vorgänge Im weiteren kam er auf gewisse Verhältnisse in Ostafrika zu sprechen. Der gewandte Redner erntete für seine aktuellen Ausführungen reichen Beifall. Zu einer Diskussion kam es nicht; ein Landwirt Georg Pfeiffer teilte eine Reihe seiner Erfahrungen aus bäuerlichen Verhältnissen mit Herr Liebermann ließ in seinem Schlußwort das Vaterland leben, worauf der allgemeine Gesang„Deutschland über Alles“ folgte. Ein Hoch des Herrn Bormet auf den Redner schloß den ohne Zwischenfall verlaufenen Abend um 11 Uhr. Alten=Buseck(Kreis Gießen) 20. Dez. In hiesiger Gegend hat sich unter dem Namen„Molkerei Busecker Thal“ eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung gebildet Gegen stand des Unternehmens ist der Betrieb einer Molkerei au der in der Nähe unseres Ortes belegenen Mittelstmühle. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 25.000 Mark. Geschä chrer ist Herr Hermann Nies zu Lollar. eschäftsWashington, 20. Dez. Die Polizei erhielt Kenntnis von einem anarchistischen Komplott, welches bezweckte Rooseveldt und die Senatoren Hanna und Depew gelegentlich des neuen Amtsantritts MeKinleys durch Dynamit zu ermorden. 5 aus biringen und Sachsen, l9. Dez. Der aus dem Gefängnis zu Gera entsprungene Sträfling Prüßler ist in Aschaffenburg verhaftet worden.— In Friedrichsroda wurde Frau Rahn im Schilfwasser tot aufgefunden. Sie stand wegen übermäßigem Genuß geistiger Getränke auf der Säuferliste.— In Altdörrnfeld hat sich ein Dienstknecht wegen verschmähter Liebe erschossen, nachdem er versucht hatte, zuvor seine Geliebte zu töten.— Erdarbeiter fanden an der Chaussee bei Barleben beim Ausheben von Erdreich an einem Telegraphenpfal einen Lederhandschuh, der mit goldenen und silbernen Taschenuhren angefüllt war.— Die Leiche des seit Montag vermißten Stationsgehilfen Cohrs aus Niemberg wurde in einem Steinbruch mit aufgeschnittener Pulsader im Wasser gesunden.— Der Holzflößer Ferdinand Malsch aus Wernshausen sand bei dem hohen Wasserstande der Werra bei Ausübung seines Berufes den Tod bei Tiefenort. Räuber Kneißl bildet in München, wie in Bayern überhaupt, noch immer das Tagesgespräch. Ein großer Teil der Schutzmannschaft ist ständig auf der Streife. Der Prinzregent läßt sich täglich Bericht erstatten. Der unheimliche Räuber ssoll seinen Hauptanhang in Indersdorf und Umgebung haben. Dort ist die Aufregung und Angst so groß, daß die Leute auch bei Tage Thüren und Feusterläden fest geschlossen halten. Die Kriminalpolizei arbeitet mit allen Mitteln. Geheimpolizisten liegen in allen möglichen Verkleidungen ihrem Berufe ob. Einer besuchte als Kaminkeyrergehilfe die einzelnen Höfe, ein anderer bettelte als Handwerksbursche. Aus dem Gebirge sind Hilfsmannschaften zur Verstärkung eingstroffen Berittene Patrouillen streifen seit zwei Tagen durch das Dachauer Moos. Es ist unvermeidlich, daß auch irrtümliche Verhaftungen vorgenommen werden. Selbst in Unterfranken soll ein Psendo=Kneißl, der in Wirklichkeit ein harmloser Kolporteur war, abends im Wirtshause festgenommen worden sein. Auch ein Schlossergeselle und ein friedlicher Schneider wurden fälschlich verhaftet aber bald wieder freigelassen. Die Mutter des Kneißt ist Haushälterin bei einem adeligen Herrn in München. Vor einigen Wochen weilte Kneißl dort zu Besuch. Die beiden Brüder der Geliebten des Räubers sitzen wegen Eigentumsverbrechens im Zuchthause. Mit Einführung des neuen Reichsgesetzes über die Schlachtvieh und Fleischbeschau fällt die Beschau bei Privatschlachtungen weg nicht aber im allgemeinen die Trichinenund Finnenbeschau bei Schweinen. Wo das Gesetz eine Beschau überhaupt anordnet, da bleibt sie auch bei den Schweinen bestehen Nur bei Schlachtungen von Schweinen usw., deren Fleisch im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll, fällt die Untersuchung vor der Schlachtung fort, wenn sich keine Merkmale der Erkrankung des Tieres gezeigt haben, wodurch die Genußtauglichkeit des Fleisches ausgeschlossen wird und wenn sich bei der Schlachtung gleichfalls solche Merkmale nicht ergaben kann auch die Unterftichtug nach der Schlachtung unterbleiben. u M Sitterarischen Evängelinm vonl der Vergebung der Sünde.— Suche Jesum und sein Licht. Von K. Beckhaus, weil. Superint. Zwei Bände Predigten, Gütersloh, C. Bertelsmann, je 3,60 M., geb 4.50 M. Wir sind dem Pfarrer Burgbacher von Herzen dankbar daß er sich der Mühe unterzogen hat, aus Beckhaus Nachlaß zwe Jahrgänge Predigten, welche meist über die Evangelien handeln zusammen zu stellen. Diese Predigten haben in der evangelischen Erbauungslitteratur eine hervorragende Stellung #und sie werden dieselbe behalten. Sief und treffend zeigen sie unser sündliches Verderben, gewaltig rufen sie zur Buße und zum Glauben, herrlich preisen sie den Heiland. Du kannst den Deinigen keine bessere Gabe unter den Christbaum legen, als dieses BuchSistersso##MüerPater bidatenfahrten Von H. A. Köstlin, 2. Auflage. Freiburg i. B. J. C. B. Mohr ungeb. 1.20 M., geb. 2 M. Es ist eine leider nicht hiwegzuleugnende Thatsache, daß #n#estishen ungen Theologen, mächden sie Seüthe der Unibersittät ihre Kollegienheften gu auswendig gelepe haben, schon als fertig in ihrer theologischen Anschauung in das amt eintreten. Für solche ist es gut und heilsam, wenn sie ein Büchlein, wie das vorliegende lesen, in dem ein Professor der Theologie mit ergreifenden Worten die Seelenkämpfe eines nach Wahrheit und Klarheit ringenden und suchenden Kandidaten der Theologie schildert. Auch christlich gesinnte Laien werden dies Buch mit seinen feinen psychologischen Entwickelungen mit Freude lesen. Wir empfehlen es uusrem Leserkreis angelegentlichst. Hl. B. Goldschmidts Bibliothek für Haus und Reise Band 9#2. R. Ortmann: Geschwornenbank, Bergfried. Band 95. M. Widdar. Im Dokt#hause. à 50 Pfg. Es sind drei ganz nette Geschichten, die die beiden Bändchen darbieten Wenn sie auch gerade nicht vom christlichen Geist durchwehl sind so koumt in ihnen doch ein ernster Sinn zum 3 9 Inhalt Renaissance und Romantik; Ein Salon der Renaissance Giacomo Leopardi Robert Burus Thomas Carhyle; Jane Welsch Carlyle Satan und Prometheus Schwere Träume, Gabriele d'Annuncio. Verfasser ist ohne Zweifel ein seinsinniger Litteraturkenner und begabter Schriftsteller aber ein Vertreter des nackten Materialismus. Seine materialistische atheistische Wettanschauung tritt vornehmlich in dem„Satan und Prometheus“ überschriebenen Aussatze zu Tage der Vergleiche auftellt zwischen der griechischen Prometheus=Sage und der jüdischpfäffischen Sage vom Satan. Wir haben keine Veranlassung. auf Federns Werk näher einzugehen, dessen Geist ein total anderer ist, als der unsere. Angermünde Möbelhändler Rich Schulz Berlin Deutscher Molkereiverband Edelweiß, e. G. m b. H. Blaukenhain. Thür.: Karl Hartnann zu Kleinlohma. Breifach Landwitt Jos. Bauer und dessen Ehefrau Marie geb. Fröhner in Oberrimsingen Celle: Nachlaß des Stellmachers Heinr Harms zu Baedenbostel. Dresden: Kaufm. Alfr. Schneider in Leipa(Böhmen), Inh einer Niederlass. z. Betriebee. Getreidehandels in Dresden. Eschenbach Kaufm. Joh Kroher Essen: Witwe Wilh. Wegemann, geb. Bedder und Nachlaß ihres Ehem. Hagenau: Kaufm Heinr Feldmann. Lindau Schlosser Franz Weggenmann in Reutin, früher in Biberach. Mergentheim: Nachlaß des früh. Bäckers Joh. Georg Ehrmanz in Schäftersheim Mülhausen: E. Gemüsehändler Jos. Riegert. Nenrode Nachlaß des Häuslers Stephan Tilch aus Weitengrund. Oelsnitz i. V.: Bäcker Karl Louis Greim in Vogtsberg. Ortelsburg Kaufm Ad Zanger Pforzheim Kaufm Jak. Engel. Reichenbach Schänkwirt Emil Oehler in Oberreichenbach. berg Klempnermeister Wilh. Herm. Lenk in Niederschlema, Inh. der Firma W. H. Lenk in Oberschlema. Schnierlach(Els.=Lothr.): Ackerer Joh Pet. Pierré, Vater, in Rochure=Zell. Sinsheim: Nachlaß des Privatiers Wilh. Au. Sonneberg: Margar. Gerlach, F Margar Klara Gerlach, vorm Gust. Sichel. Straßburg: Spezerethändler Christ. Gönel Torgan Nachlaß des Bürstenmachers Karl Liebig, Halle a. S. Wormditt Bauuntern. Joh. Moster. Zwickan Glasermeister Herm. Alb. Wittig Schluß des redaktionellen Teils. Das städtische Technikum Limbach ist ein städtisches Unternehmen, wird von der Stadt verwaltet, vom Kgl. Sächsischen Ministerium beaussichtigt und von Professoren der Staatslehranstalten kontrolliert Am Technikum Limbach wird in Elektrotechnik, in Maschinenbau, in Hoch= und Tiefbau unterrichtet. Angestellt sind zur Zeit bei einem Besuch von 124 Schülern 10 ständige Ingenieure und 6 Hilfslehrer. Die Stadt Limbach selbst ist ein freundliches industrielles Landstädtchen mit über 12.000 Einwohner und hat Bahnverbindung mit 2 Hauptlinien sodaß Dresden und Leipzig in je 2½ Stunden und Chemnitz in ¾ Stunden zu erreichen sind. Schneesweisse Wäsche gnendung ion Lettermann's Salmiak-Terpentin- Fettlaugenmehl oder Lettermann's Wasch-Extract„Wasch-Bär“ unter grösster Schonung der Stoffe, a Packet 15 Pf. K Heimwärts! Adventsglocken klingen wieder durchs winterliche Land um weit und breit den Friedensfürsten den Heiland der Welt anzukünden. Wie soll ich Dich empfangen so klingts im frohen fröhlichen Kinderherzen so im Herzen der ernsten Alten. Ja den Friedensfürsten sollen wir empfangen, doch das kann der nur recht, der es glückselig sprechen gelernt hat: „Ich dein, du mein, süßer Jesu sprich du darauf dein Amen Vom Frieden singt der selige Advent, und doch lodert um uns her grausam die Kriegsfackel im fernen Afrikg und fernen China, da lodert sie in hellen Flammen und da singt ihr noch von Frieden, ja Frieden ist auch draußen auf den buntbewegten blutgetränkten Schlachtfeldern und da möchte ich den lieben„Volk=Lesern ein Friedeus= und Adventserlebnis von Chinas blutigem Schlachtfelde erzählen Meine lieben Frennde die Reisebriefschreiber hatten die Freundlichkeit, es mir für unser liebes„Volk zur Verfügung zu stellen, wie ich dann auch zuversichtlich hoffe, in der Folge mehr von der Arbeit unserer Freunde draußen mitteilen zu können. Bis Taku berichtet der letzte Reisebrief, dort wurden Kranke und Verwundete an Bord genommen und von dert aus fuhr die„Gera“ am 21. Oktober nachts 12 Uhr zu gleichem Zwecke nach Shanghaitwan, einem etwa 30 Seemeilen nördlich entfernten Vertragshafen. Hier liegen die stolzen deutschen Panzerschiffe der Kurfürstenklasse, der Kreuze Hela sowie einige andere englische französische italienische österreichische und russische Kriegsschiffe. Der Hasen ist stark befestigt, doch befinden sich die Forts sämtlich schon in Händen der Verbündeten. Auf allen Wällen wehen die Flaggen der verbündeten internationalen Truppen. Verschiedene Schwerkranke waren an Bord genommen, unter anderen auch ein ruhrkraufer Obermatrase M. Man sah es ihm an, daß seine Tage hier auf Erden gezählt waren. Furchtbar litt der junge Sotdat, kerperliche und Schmerzen spiegelten sich auf seinem Angesicht wieder Zu alledem kam noch die Sorge um seine betagte Mutter in hinzu. Wie hatte er sich auf das Wiedersehen mii dem Mütterchen gefreut, sollte er doch mit dem Ablösuingsdampfer „Köln die Heimreise antreten. 36 Monate war er schon unterwegs, außerhalb der heimischen Gewässer verschiedentlich hatte er im Feuer gestanden und war glücklich dem grausamen Sensenmann entronnen. Und nun jetzt sollte er, der beliebt bei seinen Kameraden geachtet von seinen Vorgesetzten zu allen Hoffnungen berechtet, sein kühles Grab infolge der tückischen Krankheit finden. Da nag er mm auf dem Krankenbette, das sein Sterbebett werden sollte und gedachte der fernen Lieben, der vergangenen Zeiten ja er dachte einer baldigen Genesung entgegen gehen zu dürsen. Doch Gott in Seiner Lieb und Mach hat anders es mit u bedacht. Vorbereitet, doch plötzlich und unerwartet ging der junge Mann ein zum ewigen Friedensreiche, es Mhe tagsstunde des 24 Oktober. Alle ärztliche Kunst, alle liebevolle Pflege war vergeblich gewesen, das entschwindende Leben zu retten. Gött holte ihn wie wir hoffen heim, und bereitete ihm in des Meeres tiefsten Gründen sein frühes Grab. Du lieber Freund liebe Freundin, kannst Du Dir das in dieser Zeit harrende hoffende, ia fast zum Zerspringen klopfende Mutterherz vorstellen. Er kommt, er kommt, sie hats in der Zeitung schon längst gelesen und Tag für Tag verfolgt, wo die„Mvin sich befindet und bald, bald ist er da mein Herzblatt Haus und Herzint geschmuckt für ihn das Beste was Küche und Keller bietet, bekommt er gewiß, Wieder und wieder flüsterts sie„Er kommte sie kanns nicht lassen getreutlich hebt sie betende Hände empor zu unserem himmlischen Vater er ist in seiner Hand führe Du ihn heim!— Ach, armes Mutterherz es ist ein Segen für Dich, daß Du beten kannst. Dein Sohn kommt hier in diesem Pilgerkleides nimmer wieder Heimmärts, dort oben im himmlischen Licht dort mußt Du ihn suchen liebes Mütterchen dort lebt er als Jesu Schäflein Verzweifle nicht verzage nicht: Ueber ein Kleines, und es schwindet Dein Schmerz Und es trochnet Dir Gott Deine Thränen. Ueber ein Kleines, und es jauchzet Dein Herz, Und es stillt Dir Dein Heiland weimn Sehnen! Eine ernste ergreifende Feier wars andern Tages auf der „Gera“, die zum Zweck des feierlichen Einsenkens der Leiche ins Meer einige Stunden weit ins offene Meer hinausdampfte. 6 Uhr 45 Min stand die ganze Besatzung, Sanitatsofsiziere, und alle irgendwie abkömmlichen freiwilligen Krankenpfleger in Parade=Unifern auf dem Promenadendech der„Gera Die Ftagge war Halbmast gehißt. Um Uhr kündete die Schiffsglocke das Nahen der Leiche dieselbe wurde auf einer Bahre von Unteroffizieren getragen ein Feldwebel mit gezogenen Degen voran Sobald die Bahre sichtber wurde kommandierte der Detachementsfeldwebel„Achtinng— Prcsentiert das Gewehr!— Zugleich stimmten auch die Posaunenbläser zwei Strophen des Chorals Jesus meine Zuversicht an Unterdessen war die Totenbahre auf den für sie bestimmten Platz augekommen. Die Leiche war nach Seemansbrauch in Segeltuch eingenäht über welchen die deutsche Reichsftagge##sgebreitet lag Ein Marinepfarrer vom Panzerschiff„Weißenburg hielt die Leichenrede und brachte so ziemlich alles zum Ausdruck was eines Christenher beim Anblick einer Leiche bewegt HErr lehre uns bedenten, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden(Pfalm 90 so begann der Geistliche Dann erzählte er einiges aus dem Leben des Verstorbenen, was ich oben erwähnte Und dann kam das, was ein Christenherz haben muß nämlich Troft. Er führte der Menschen Elend der Menschen Nichtigkeit in ihren Sünden vor Augen. Der Tod der Sünder Sold, die Bezahlung, aber die Gabe, das Geschenk Gottes, das ewige Leben Verstehen wir die Führungen unseres Gottes, die einen großen Trost in sich enthalten, lasset uns die Mahnung daraus nehmen, fest an Jesum zu bleiben. Dann können wir auch zuversichtlich dem künftigen Gericht entgegensehen, denn alles Volk wird gerichtet werden nach seinen Werken alles, auch die Toten des Meeres auch ihnen wird nach ihrer Werken die ewige Seligkeit werden. Darum selig, wer in dem HErrn entschlafen sie werden Gott schauen Werden auch ihre Leiber als Aussagt der Erde oder dem Meere gegeben, sie werden einer freudigen Ernte in der Kraft entgegen schlafen. Und herrlich werden Sie dann jubilieren und preisen mit allen Auserwählten:„Tod wo ist Dein Stachel Hölle wo ist Dein Sieg?„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben durch unsern HErrn Jesum Cheistum. Hierauf folgte ein kurzes inniges Gebei mit besonderer Fürbitte für die Mutter des Verstorbenen und seiner sonstigen Angehörigen mit nachfolgendem„Vaterunser und Segen„Was sterblich war an unserem verstorbenen Kameraden, das wollen wir jetzt dem Meere übergeben das waren die letzten Worte des Geistlichen Ein klagender langgezogener Pfiff der Bootsmannspfeise ertönte, als die entseelten Gebeine die Oberflache des Meeres berührten und dann waren sie verschwunden in den Fluten des Gelben Meeres dort dem Auferstehungsmorgen entgegenharrend.— Drei Ehrensalben frachten über das nasse Grab, so bewiesen die Kameraden dem Toten die letzte Ehre.— Die Hinterbliebenen aber standen unter dem Eindruck des Begräbnisliedes: Wer weiß wie nahe mir mein Ende, Hin geht die Zeit her kommt der Tod, Ach wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnot: Mein Gott mein Gott ich bitt durch Christi Blut Machs nur mit meinem Ende gutDie„Gera fuhr wieder nach Shanghaikwan zurück. Alle Schiffe, auch die der fremden Nationalitäten hatten Flaggenparade angelegt. Auch die„Gera denn die liebe deutsche Kaiserin hatte ja. Geburtstag. Festlich sollte er auch bei uns begangen werden, so schreibt mein lieber Freund, ist doch die hohe Frau Protektorm über sämtliche Bestrebungen, welche getroffen sind zum Besten krauker und verwundeter Krieger. Jedoch eine recht fröhliche Festesstimmung wollte nach der Totenfeier am Morgen nicht aufkommen Es ist doch eine gar ernste Sache um den Tod!— Ja lieber Freund, sist eine ernste Sache und eure Mitteilungen rufen auch uns zu! „Seid ihr fertig“" Und fertig sollen wir sein und daran erinnern uns immer und immer wieder die ersten Feier= und Friedensstunden an den Gräbemn Es geht heimwärts, auch uns erwärtet eine Mutten ein Vater, droben im ewigen LichtHeimwarts#in zu Jesu. Er segne Euch ihr Lieben im fernen Asten, wer beten kann, gedenke auch ihrer für19888 Für die Schriftleitung verantwortlich Ö. Beckmann Unterhaltungsteil: Dr. Burckherdi= Godesberg.— Anzeigen: Chr. Schkunz. Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt E. G. m. b. H. Siegen Sandstr. 18. 5 5 □ 6 B * □ 0 10 9— 558 S 9SS S2/ 8 58 SSgr 5. u S 2 8 6n — — 15 5 — 9 □ S S— SSTERSE n 8 GS S SiE 5 /8—„ c 9 n * S N er ee e S9 Ser S# S Sc —.— e — be 90 es □ — — — * — S SS— e 80 — 1 — — —— 8 n S □ —— S ** 9 2 — S • 5 8 5 50 6 2 S# 8— „ 99 5 —— 2 ——— —.— .— 9 # * — # S# —.— — 0 S S — □ — # — — 5 S 8 —— BerS— — 6 8— S S 85 e se S as — S 5 5— 95— an □ S 8 —— 9 1—— 8 —— — —.— —— B 8•5 de e e e i e 6 Ss — □ —— 5— 1 B #4 B — 95.— — □10 n □ .— ——. □ 8 78 —. — 2 —— — 8 # 2 08##00 —— 6— □ 95 Gaee 55 8## 2 —— — 85 — # 62 2 4u* • 8 2 S — 2 —— 8 5 # — — 2 1 —— S — G —.— — — S **— Nd u. e # 8 E — — — □ — * S S—— ee e — — #S 1— —— — 0 2 — 8 — — — —— — —. — — 20 — 0 SE 5 *— —.— .— — S — # # S 6#— • 8-— —— #— e S ac ese — 8 S S 8 —### □ # S 58 #S## 0 S