Zweites Blatt.

Morgen=Ausgabe## 211.

Drucker und Verleger:

C. L. Krüger(G. Krüger) in Dortmund

Zeitung

Sonnabend, den 27. April 1901.

Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Versen in Dortmund.

Amtliches Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Dortmund.

Provinzielles.

Dortmund, den 27. April.

v Nun endlich, wo der Mai beinahe schon zur Thür hineinschaut, kann man an den Fingern ab­zählen, wenn es endlich rechter, gruner wird. Die Tage seit Ostern, wenn sie auch nicht alle gleichmäßig freundlich waren, haben wacker geholfen, ein Konterfei des Lenz zu bilden, und uns freilich auch vor Augen gestellt, wieweit wir gegenüber Vor­jahren zurück sind. So ziemlich vier Wochen werden es im Durchschnitt sein, hier etwas weniger, da etwas mehr. Aber nun nicht mehr gar zu lange, und die Kastanien stecken ihre Lichter auf, die Obstbäume blühen, und dann, ja dann ist es wirklich Frühling. Etwas Geduld noch erforderlich, aber sie ist nicht all­zustark zu tragen, wo wir auf dem besten Wege sind Der Erdboden ist abgetrocknet und in Gärten und auf Feldern kann jetzt oder bald gepflanzt und bestellt werden, da, wo es von Berufes wegen geschehen muß, und auch da, wo mit der kleinen Ackerei eine ange­rehme Erleichterung zur Familienküche bezweckt wird. Wer daran festgehalten hat, der soll's getrost weiter thuen, wenn ihm ein Stückchen Acker= oder Garten­boden geblieben, das„Selbstgezogene“ schmeckt immer am Besten, es ist eine kleine Idylle in dem harten und oft rücksichtslosen Tagesleben. Eifrig hat der Garten­freund mit seinen Lieblingen zu thun, und hoffentlich rechnet er richtig, wenn er meint, daß dies Jahr die kalten Tage nicht nachkommen werden. Es waren ihrer genug da. Erleichtert seufzt auch die Hausfrau auf; nicht nur, daß die Sonne wieder warm in's Zimmer lacht, endlich der Ofen geschlossen werden konnte, es besteht auch die Gewißheit, daß nun bald für die Küche wieder bessere Tage kommen, die der größeren Abwechselung, wo man auch im bürgerlichen Haushalt nicht mehr lange„zu rathen braucht, was man kochen soll.“ Denn Eins ist sicher: Trotz der theureren Zeiten sind die Männer noch ebenso ver­wöhnt, wie früher.

* Zur Teilung des Regierungsbezirks Arnsberg

wird geschrieben: Die Angabe, bei einer Teilung des Regierungsbezirks Arnsberg solle derselbe in einen überwiegend industriellen und in einen überwiegend land­wirtschaftlichen Teil zerlegt werden, wird für nicht zutreffend erachtet, da der landwirtschaftliche Bezirk viel zu klein und der industrielle Bezirk Dortmund viel zu groß, der Zweck der Teilung bezüglich des letzteren also verfehlt sein würde. In einge­weihten Kreisen nimmt man an, daß bei Arnsberg außer den landwirtschaftlichen Kreisen Lippstadt, Meschede, Soest, Brilon, Wittgenstenstein und den halbindustriellen Olpe und Arnsberg auch das Sieger­land und die Sitze der Kleineisenindustrie Iserlohn, Altena, Hagen und Schwelm verbleiben sollen. Der Bezirk Dortmund— das eigentliche Kohlenrevier umfassend— würde dann immerhin an Einwohner­zahl Arnsberg noch bedeutend überragen.

** Die Brandwache wurde gestern nachmittag nach dem Hause Westenhellweg 68 gerufen, woselbst infolge Ueberkochens eines Teerkessels ein Brand ausgebrochen war. Verselbe wurde binnen kurzer Zeit von der Wache gelöscht.

0 Auf der Schäferstraße warfen sich einige Knaben mit Lehmklumpen. Ein unglücklicher Wurf zrgf den zehnjährigen Sohn des Rangirmeisters Wilhelm Plümpe, Union=Vorstadt,=Straße 26, an den Kopf, daß ihm das rechte Auge ausgeschlagen wurde.

— Sein 25jähriges Jubiläum als Angestellter hiesigen Eisenbahn=Zentralmaschinenwerkstätte

Der Ueberschuß der lebend geborenen Kinder über die Zahl der Sterbefälle beträgt 812.

pp Die unbeschränkte Schenkwirtschaft von Her­mann Tiemann, Heiligegartenstraße Nr. 29, ist dem Kellner Sailler von hier als Kastellan übertragen.

§§ Der Klempnermstr. Ranze, Gerberstraße Nr. 6 verkaufte seine erst kürzlich von der Konkursmasse L. Klapproth erworbene Besitzung, Körnebachstraße Nr. 59 zum Preise von 28000 Mark an den Zink­hüttenarbeiter Klau hierselbst.

s Bei einer diebstahlsverdächtigen Person wurde eine Anzahl Pfandscheine vorgefunden und rühren die nachbenannten, nur in biesigen Pfandleihanstalten versetzten Gegenstände wahrscheinlich aus Diebstählen her. Es sind versetzt worden: 1 schwarze Sammet­

jacke, 1 schwarzer Kinderanzug, 4 Kissen, 1 goldene

Brillef

Brille mit Etui, 1 Rest weißes Betttuch, 1 Rest graues Betttuch, 1 blauer Kleiderrock, 1 Regenmantel, 1 An­zug, 2 Hemden, 2 Unterröcke, 1 Hose, 1 Kleid, ein kleines Kinderkleid, 1 Kragen und 1 goldene Herren­uhr. Vorstehende Sachen sind meistenteils in den Monaten August und Oktober vor. Jahres, einige anfangs dieses Jahres versetzt.

s Aus dem Flur der essener Kreditanstalt wurde gestern morgen einem jungen Mann ein Fahrrad im Werte von etwa 180 Mark gestohlen. Das Rad trägt die Marke„Herkules“, hat schwarzen Rahmen, rote Felgen und etwas gebogene Lenkstange.— Am Mittwoch wurde einer auswärtigen Bergmannsfrau auf dem hiesigen Hauptwochenmarkte ein Portemonnaie mit 15 Mark Inhalt aus der Kleidtasche gestohlen. — Einer Anwohnerin der Wambelerstraße wurden in ihrer Wohnung aus einem Schranke 50 Mark ge­stohlen.

bb Beschlagnahmt wurde durch Dr. Neuhoff in einem kaufmännischen Geschäft im östlichen Stadtteile eine Quantät Fische, die sich in fortgeschrittener che­mischer Zersetzung befanden. Die Fische sollten gerade verkauft werden.

„. Bubenstreich. Am vorgestrigen Nachmittage gegen sechs Uhr wurde vom Papengarten bezw. der Gronauerstraße aus auf den vorbeifahrenden Per­sonenzug der Gronau=Enscheder Eisenbahn mit einem Stein geworfen und dadurch an dem Postwagen eine Oberlichtscheibe zertrümmert.

geraten, welcher schließlich zu Thätlichkeiten aus= Versammlung schloß sich, laut dem„W. Anz.“ die artete und beide Parteien bandgemein wurden. Bei Hauptversammlung der Sterbekasse für Lehrer und dieser Gelegenheit ergriff der Knecht eine im Stall Lehrerinnen, welcher 200 Mitglieder angehören. hinter der Futterkiste stehende Blatthacke und schlug Diese Kasse hatte im vergangenen Jahre eine Ein­mit diese seinem Gegner dreimal auf den Kopf, nahme von 829,61 Mark und eine Ausgabe von sadaß derselbe zur Erde stürzte und am Kopf erheb=1821.21 Mark und wurde die von den Rechnungs­iche Verletzungen erlitt. Der Knecht wurde kurzesprüfern beantragte Entlastung ebenfalls einstimmig Zeit darauf verhaftet.— Obdachlos aufgegriffen serteilt, ebenso die ausscheidenden Vorstandsmitglieder,

als aind als Leiche in der, Schirse mitz Lessalbe Sprahe gseszgcht, Ursprünglich var Hese als Hest.

te t eich van Stockum nach bier ver=sort in Aussicht genommen, doch ist diese Absicht aus

war auf dem Wege von Stockum nach vre, ve“ verschiedenen Gründen nicht durchzuführen; deshalb

„ her sei an Unna die Aufforderung zur Uebernahme des

Witten, 24. April. Etwas schreckliches ist bier dießjährigen Festes, ergangen. Wie Herr Rektor

größten Teil des Schadens trägt, so ist der Schaden für den Besitzer doch noch ein großer. Als Ersatz

worden, dieselben wurden

begebt heute Herr Hermann Tiefensee hierselbst. Die Eisenbahnverwaltung läßt es sich an solchen Tagen nicht nehmen, ihre treuen Arbeiter zu beglückwünschen und auch in anderer Weise auszuzeichnen. Der Ju­bilar erfreut sich einer großen Rüstigkeit, er ist wegen seines bescheidenen biederen Wesens bei seinen Vor­gesetzten und Mitarbeitern sehr beliebt. Hoffentlich ist es Herrn T. vergönnt, noch viele Jahre seinem Berufe nachzugehen. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß mehrere Arbeiter lange Jahre im Dienste der Eisenbahn stehen, demnächst wird sogar einer sein 50 jähriges Jubiläum feiern.

o In dem Hause Westerbleichstraße 68 entstand gestern ein Brand. Ein Dachdecker hatte im Keller Teer gekocht, wobei dieser in Brand geraten war, während der Mann sich schleunigst drückte. Das Löschen des Brandes nahm etwa eine Stunde in Anspruch.

Mitteilung des städt. statist. Amts. Die Zahl der Geburten im März betrug 601, darunter 8 Zwil­lings- und 13 Totgeburten. Die berechnete Verhält­niszahl der Geborenen auf 1000 Einwohner und auf 1 Jahr ist 48,7, gegen 23,2 zur Zahl der Sterbefälle.

Witten, 24 April. Etwas schreckliches## Vve, diesjährigen Festes, ergangen. Wie Herr Rektor passirt. Die sozialdemokratisch=, ungrzind=wag heun,#mitt=Unna mitteilt, haben die unnaer Lehrer je­berichtet darüber voller Entrüstung. Und was denn,,, doch infolge der vorgerückten Zeit und verschiedener Man lese und knirsche: Ein Einfahter###, lokaler Umstände einstimmig beschlossen, das Fest für „Hamburg“ hat sich mit de„HesP#zz.d dan vermale­ dieses Jahr abzulehnen, dagegen sich zur Uebernahme gers derselben Zeche— verlobt! Vn„atigle ggerz, für das nächste Jahr bereit zu erklären. Wie aus

deiten Einfahrer, der das fürchterliche soziale Tarrk, der Debatte hervorgeht, wird der Vorstand des mär­

legium begangen hat, nach freiem Geschmacke und nach kischen Lehrergesangvereins jedenfalls sein diesjäh­

freier Liebe seine Herzallerliebste zu erwanten Piefigep riges Fest ausfallen lassen. Sollte Unna für nächstes

mit derselben zu verloben, trotzdem ihr ungnag sgigr; Jahr als Festort bestimmt werden, so würde dann Vater— Fahristeiger mu, hat man nicht einmal sofor: ehansg, w. das erste Fest(1832) auch die Feier des

zum Teufel gejagt!. Wie die„Vergarbettersgszucg, 70jährigen Bestehens des Vereins in unseren Mauern

ausdrücklich feststellt,„fährt er noch, gprer, ig, grse abgehalten werden.

Mowdur ud Necht und im Namen der, freien Liebe, Herne, 25. Aprl. Prozeß Böser aufgehoben Mit Fug und Recht und im Ntamen. v. v. Li,„Berg, Der mit gewisser Spannung erwartete und auf Frei­

ie die Leigzingdpemo fog is. ve rkirt.er. 22:,. Ecerc, tag, den 26. April, in Essen zur Verhandlung kom­

da was findet(bezw. Strafen verhängt), wo sein zu= mende Prozeß ist, laut der„Herner Ztg.“, einer heute künftiger Schwiegervater amuirt?“ Wir stimmen, eingetroffenen telegraphischen Meldung zufolge, auf­schreibt das„W. Tabl.“, dem Blatte vollständig zu. gehoben.

Wenn erst der sozialdemokratische Zukungstsstagt, ein­geführt ist und alle Unternehmungen und Betriebe in

eins zusammengeschmolzen sind, dann darf dort über= Herrn Winzer hierselbst anlaßlich seines zum 1. Mal haupt keine— Heirat mehr stattfinden, weil sonst erfolgenden Ausscheidens aus dem Staatsdienste immer wieder Schwiegerväter und Schwiegersohne in von Sr. Majestät dem König der Charakter als wirk­gewissen Fällen in eine peinliche Klemme kommen licher geheimer Ober=Regierungsrat mit dem Range könnten. Wenn erst alle Einfahrer gezwungen sein der Räte erster Klasse verliehen worden. werden, bei Herrn Friedrich Langhorst in Rüttenscheid!] Lanstrop, 20. April. Die starken Stürme dieser zuvor anzufragen, ob und wen sie heiraten bursen, Taae richteten an dem Hause auf der Ziegelei des

dann wird das goldene Zeitalter hereingebrochen sein. Herrn Ostermann großen Schaden an. Das Dach

88 Schwerte, 26. April. Zwei hiesige Geschäfts= wurde abgedeckt und die zweite Etage arg zersaust. leute— Schlosser und Schreiner— welche sonst gute! Münster, 24. April. Die Denkschrift des Senate Freunde waren, kamen wegen Wechselangelegenhetten der töniglichen Akademie über die Erweiterung auf gespannten Fuß. Als nun der Schlosser baraui der westfälischen Hochschule ist soeben in zweitem, drang, die Sache ins Reine zu bringen und den durch einen Nachtrag vermehrten Abdruck, der die

Schreiner in seinerWohnung aufsuchte, lud letzterer den Ergebr##e der letzten Volkszählung sowie die Be­

Schlasser in ein besonderes Zimmer ein. Hier schloßl schlüsse de= westfälischen Provinzial=Landtages und

§ Wambel, 26. April. Die Rotzkrankheit hat unter dem Pferdebestande des Herrn Gutsbesitzers Hötter arge Verwüstungen angerichtet. Mußten gleich beim ersten Auftreten der Krankheit acht prächtige

geschlachtet werden, so ist nun auch noch durch den r die Thür ab und griff den Schlosser an. er er der Stadtverordneten=Versammlung in dieser?

Departements=Tierarzt von Arnsberg die Tötung der„#heitete ihn derart mit seinen Fäusten, daß er laut um legenheit noch mit berücksichtigt, neu ausgegeben übrigen Tiere, etwa 10 Stück, angeordnet worden.-##. ichris und Nachbarn herbeieilten, welche der## Die Rolkszählung meist für Westfalen ein

Herr Hötter hatte durchweg gute Tiere, teilweise so­gar Prachtexemplare. Wenn auch der Staat den

Schreiner in seiner Wohnung aufsuchte, luD 17# Ergebnisse der letzten Volkszählung sowie vie Be­

Schlosser in ein besonderes Zimmer ein. Hier 109 schlüsse des westfälischen Provinzial=Landtages und

er die Thür ab und griff den Schlosser an. Er be= der Stadtverordneten=Versammlung in dieser Ange­arheitete ihn derart mit seinen Fäusten, daß er laut um 17###, noch mit berücksichtigt, neu ausgegeben wor­

ind Zugochsen beschafft aus Waldeck bezogen.

§ Wambel, 26. April. Auf der benachbarten Zeche „Scharnhorst" verunglückte ein junger Arbeiter bei der Montage einer Halle durch Herabfallen.

s Annen, 26. April. In der unter dem Vorsitze des Hrn. Amtmanns Frieg abgehaltenen Gemeinderats­itzung wurde folgendes verhandelt: 1. Auf Grund des Gesetzes vom 16. September 1899 sind in den einzelnen Ortschaften Gesundheitskommissionen einzu­richten, in welche außer den ständigen Mitgliedern (Amtmann und Gemeindevorsteher) folgende Herren Sanitätsrat Dr. Reschor, Klempnermeister Siebert Brennereibesitzer Fr. Beckhoff, Armen= und Polizeiarzt Dr. Hügemeyer und Amtsbaumeister Hose auf eine 6jährige Dauer gewählt wurden. Das Amt ist ein Ehrenamt. 2. Dem Rektor für die Schule an der Roonstraße wird eine jährliche Gehaltszulage von 300 Mk. bewilligt. 3. Die Hausbaltungsschule, welche von dem Vaterländischen Frauenverein zu Hörde hier eingerichtet, ist auf den Gemeindeetat übernommen.

4. Die Besitzung des Bauunternehmers Heyer, welche öffentlich verkauft wird, soll nicht angekauft werden.

5. Der Antrag der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, einen Zuschuß zu den Kosten behufs Teilnahme an dem am., 7. und 8. Juni in Berlin stattfindenden Feuerwehr=Kongreß zu gewähren, wird allgemein an­erkannt, weshalb die Gemeinde=Vertretung dem Chef der Freiwilligen Feuerwehr, Herrn Amtsbaumeister Hose, und einem zweiten Feuerwehrmann je 100 Mk. bewilligte. 6. Gegen die Aufstellung von zwei Kanonen auf dem Marktplatz, auf beiden Seiten des Krieger­denkmals, fand sich nichts zu erinnern.

s Annen, 26. April. Eine tolle Schlägerei ent­stand am gestrigen Abend im Pferdestall des Stein­bruchbesitzers W. hierselbst. In demselben war der Pferdeknecht mit einem Schmied in Wortwechsel

arbeitete ihn derart mit seinen Fausten, daß er taut um legenheit noch mit berücksichtigt, neu ausgegeben wor­Hülfe schrie und Nachbarn herbeieilten, welche der den. Die Volkszählung weist für Westfalen eine ge­

Szene ein Ende machten.— Am hiesigen Proghm= waltige Vermehrung in den letzten fünf Jahren nach, nasium sind 40 neue Schüler aufgenommen, getzen die diejenige aller andern Provinzen weit übersteigt. 30 im Vorjahre. Die Gesamtzahl betragt 135.. Mit einer ortsanwesenden Bevölkerung von 3 188 000

der höheren Mädchenschule sind 20 Schulerinnen auf­ Seelen am 1. Dezember 1900 steht Westfalen in der

genommen. Gesamtzahl 5s. Reihenfolge der preußischen Provinzen an vierter

Unna, 24. April. Heute fand im Hotel Niemeyer! Stelle und wird nur von der Rheinprovinz, Schlesien bierselbst die alljährliche Hauptversammlung der und Brandenburg mit Berlin übertroffen; im Prozent­Schullehrerwitwen= und Waisenkasse für den Kreie satz der Volksvermehrung aber steht Westfalen am Hamm und die Ortschaften des früheren Amtes höchsten unter allen Propinzen; sie beträgt nämlich Avlerbeck statt, deren gut besuchte Verhandlungen 18.01 Prozent, während die Rheinprovinz um 12.79, von Herrn Schauwienold=Frömern geleitet wurden, die Stadt Berlin um 12.58 Prozent zugenommen Der genannte Herr erstattete zunächst den Jahres= vaven. Die Gesamtbevölkerung des preußischen bericht, aus welchem wir hervorheben wollen, daß der Staates ist um.20 Prozent gestiegen. Dieses fort­###. I 1e0 dllitalieher angehören, während 36huernde außerordentlich schnelle Anfsteigen der wirt­

bericht, aus welchem wir hervorheben wollen, daß der Staates ist um 8,20 Prozent gestiegen.,

Kasse jetzt 169 Mitglieder angehören, während 36 dauern##, außerordentlich schnelle Anfsteigen der wirt­Witwen zu unterstützen sind. Zwei der Mitglieder, schaftlichen Entwickelung Westfalens ist eine kräftige zu deren Andenken sich die Versammlung von den Stütze für die Forderung der Provinz nach Gleich­itzen erhob, sind verstorben. Ueber dis Jahres; berechtigung mit den anderen Provinzen des Staates

#nnin. Gns Marih

Sitzen erhob, sind verstorben.— Ueber die Jahler berechtigung mit den anderen Provinzen des rechnung berichtete Herr Barth=Hamm und betragt durch Errichtung einer vollen Universität, deren Not­die Einnahme im vergangenen Jahre 9955,35 Mark, wendigkeit nicht mehr geleugnet werden kann. welcher eine Ausgabe von 9713,38 Mark gegenüber­ 83 Rheinen, 25. April. Der Knecht Peter Piever­

steht, sodaß ein Bestand von 241.52 Mark vorhanden.— welcher sich seit längerer Zeit vagabondirend war. Das Gesamtvermögen der Kasse betragt ei umhertreibt und wegen Verdachts des Diebstahls erst

schließlich des Reservefonds annähernd 76000 Mart. kürzlich in Dortmund in Untersuchungshaft war, ist Die von Herrn Richter=Bergcamen namens der Rec)„on schwerter Gendarmen festgenommen, weil er sich nungsprüfer beantragte Entlastung des Kassirers und 5# Hausfriedensbruchs und Betrugs schuldig gemacht des Vorstandes wurde von der Versammlung ein=### und im Verdacht des Kleiderdiebstahls steht. stimmig genehmlgt. Der vom Vorstande für das ut uus

neue Geschäftsjahr aufgestellte Etat wurde ebensalls genehmigt; nach dem Entwurf soll auch im neuen Geschäftsjahr den Witwen die volle Pension in Höhe von 200 Mark gezahlt und eventuell der Fehlbetrag dem Reservefonds entnommen werden.— Die aus­scheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Bartho­lomäus=Hamm(zweiter Vorsitzender) und Siegler

Gemeinderats= Verhandlungen.

** Hörde, 26. April.

In der heute nachmittag hier abgehaltenen Stadtverordneten=Sitzung waren 13 Verordnete au­

*" □-IKET MIEIUP GRUS

lomäus=Hamm(zweiter Vorsitender) und Stegu., wesend, den Magistrat vertrat Herr Bürgermeister Camer(erster, Schriftführer) wurden durch„Zuruf#.—, zunächst wurden Kassenprüfungsergebnisse

einstimmig wiedergewählt, eben], die Gerk,— Der(mitgeteilt. Die Umsatzsteuer ist seinerzeit auf die Bergeamen und Schulze=Witteborg=Lerche.—. Besse,#“:. von 5 Jahren genehmigt worden; der Ma­Vorstand sprach schließlich den Herren Altena=Tesse, gistrat beantragt, die Ordnung auf unbestimmte Zeit

büren und Fels=Heeren fur die auf die Neubegr=) genehmigen. Der Herr Bürgermeister beiont, die

aus.— An diese Steuer habe gute, überraschend gue Ergebnisse ge­

RHMERK

E Strandgut.

12)

Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

„Gerda, meine teuere Gerda", flüsterte er und schlang den Arm fest um ihre Gestalt, die sich zärtlich an

„Ich bin in Deiner Liebe gesund geworden“, fuhr er leise fort,„auch wenn der Körper nie mehr die alt Gesundheit wieder erlangen sollte..“

Sie sah in leichtem Erschrecken zu ihm auf.„Sprich nicht so“, bat sie.„Du wirst wieder vollkommen ge­

sund werden."

„Würdest Du mich deshalb weniger lieben? Ein Schatten huschte über ihr Antlitz.„Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, daß Di durch meine Schuld Deine Gesundheit verloren...

„Du hast mir weit Besseres dafür gegeben, meine teure Gerda“, sagte er mit dankbarem Lächeln, indem er sie wieder in seine Arme zog.„„„„„

Sie duldete seine Liebkosung, aber in ihren stolzen Zugen stieg ein drückender, ängstlicher, beklemmender Gedanke empor, und ihr ehrgeiziges Auge sah ein häß­liches Zukunftsbild: sie selbst die stolze, schöne Gerda Brückner, an der Seite eines halbgelähmten Mannes — eines halben Krüppels!

Leise erschauerte sie, und wie von Furcht ergriffen, schmiegte sie sich fester in seine Arme. Er nahm dieses leise Erschauern für die zärtliche Regung ihres Herzens und küßte dankbar ihrer regungslosen Lippen, die sei­nen warmen, innigen Kuß nicht erwiderten.

10. Kapitel.

Die Verlobung Gerda mit Jobst von Windheim und die Ernennung Friedrich Brückners zum Kommerzienrat sollte durch ein großes Fest gefeiert werden. Die Villa Brückner erstrahlte im Glanz hunderter elektrischer Flammchen und die Hauptwege des Parkes erleuchteten tausend kleine bunte Lämpchen, während in den Ge­büschen an geeigneten Stellen farbige bengalische Feuer brannten, Feuerräder aufsprühten und glitzernde Springbrunnen ihre feurige Strahlen emporsandten, den dunklen Park zu einem feenhaften Märchengarten um­wandelnd.

In den großen Festsälen der Villa bewegte sich eine froh bewegte Menge auf das Reichste geschmückte Da­men, ordengezierte Herren und glänzende Offiziere. Bis in die Hofkreise binein erstreckten sich die Einladungen

und der alte Name des Bräutigams bewirkte, daß manche adelige Familie heute abend in den Festsälen der Villa Brückner vertreten war, wo sonst nur die Träger einfacher bürgerlicher Namen zu Gast gewesen

waren.„„

Der Kommerzienrat Brückner strahlte vor freudigem Stolz. Er schwebte auf dem Gipfel des Glücks, sein Ziel war erreicht, nach dem er Jahre hindurch gestrebt hatte. Er selbst Kommerzienrat mit der begründeten Aussicht,„demnächst" dekorirt zu werden, seine Tochter aber die Verlobte eines Offiziers, dessen Name den älte­sten und geehrtesten des Adels der Monarchie angehörte.

In freudiger Aufregung eilte er durch die Menge, hier einem alten Bekannten die Hand flüchtig schüttelnd, dort mit tiefer Verbeugung einen alten Geheimrat be­grüßend oder einen jungen Offizier zum Tanzen und Trinken ermunternd.

Am Büffet traf er mit seinen beiden Söhnen Wilhelm und Fritz zusammen. Wilhelm, der ältere der Brüder, war eine derbe, einfache Erscheinung. Man sah ihm den praktischen Geschäftsmann von weitem an; in der glän­zenden Gesellschaft bewegte er sich mit linkischer Ver­legenheit. Er hatte von früher Jugend auf in der Fa brik des Vaters gearbeitet, als diese noch nicht die her­vorragende Stellung einnahm und man noch mit klei nen Beträgen rechnen mußte. Ein arbeitsvolles Leben welches die Spuren in seinem Wesen hinterlassen hatte, lag hinter ihm.

Fritz, der um mehrere Jahre jüngere Bruder,

dagegen ganz die Allüren eines Weltmannes. Im In­teresse des Geschäfts hatte er große Reisen unternom­men, die sein Wesen abgeschliffen hatten. gend war in die Zeit des Aufblühens des Geschäftes ge fallen, er hatte sich von jeher als der Sohn des reichen Mannes gefühlt und genoß das Leben als Sohn eines Millionärs in vollen Zügen. Schon sein Aeußeres ver­riet den flotten Lebemann, während Wilhelm auch in seiner Kleidung den sparsamen, nüchternen Geschafts mann nicht verbergen konnte.

„Na, Jungens“, rief der Kommerzienrat froh ge launt,„was treibt Ihr Euch hier am Buffet herum, anstatt im Ballsaal bei den Damen zu weilen? „Erst das Vergnügen und dann das Geschäft, Papa“, lachte Fritz und schlürfte behaglich ein Glas Cham­

pagner.

„Du weißt, ich tanze nicht, helm, der an einem kleinen Tisch huhn verzehrte.

„Ihr müßt Euch aber den Damen widmen. Was sollen sie von meinen Söhnen denken! Ich glaube, Ihr habt noch nicht einmal mit den Baronessen von Wind­

„Brrl“ machte Fritz schaudernd,„laß mich mit diesen Hopfenstangen vom Lande in Ruh, Papa.

„Junge, ich sage Dir, laß Deine schlechten Scherze. Ich wünsche sehr, daß Du— gerade Du— Dich um

Aaatbe von Windheim bemühst.“. u Scuisge

„Papa, hast Du an einem freiherrlichen Schwieger. sohn noch nicht genug: Muß auch noch eine freiherrliche Schwiegertochter hinzukommen?“

„Das dürfte eine teuere Geschichte werden“, meinte Wilhelm Brückner trocken. 9 Iutee

„Ihr seid unausstehlich! Ihr habt kein Interesse

„Na, na, Papal“ entgegnete Fritz lachend.„Wann hast Du denn die Neigung zu dem„Höheren" bei Dir entdeckt?"„„

„Bei all dem Unsinn kommt nichts heraus", brummte Wilhelm.

Aergerlich wandte sich der Kommerzienrat ab. Doch sein Antlitz erhellte sich sofort wieder, als er den alten Baron von Windheim erblickte, der in Begleitung eines ordengeschmückten, stattlichen, vornehm blickenden Herrn das Büffetzimmer betrat.

„Da ist ja unser Kommerzienrat!“ rief der alte Baron.„Hier, mein lieber Brückner, habe ich die Ehre Ihnen meinen Vetter, den Geheimrat von Windheim. zuzuführen, der soeben eingetroffen ist.

„Herr Geheimrat, ich freue mich unendlich, ich glaubte schon, auf die Ehre Ihres Besuches verzichter

„Der Vortrag bei Exzellenz dem Minister hielt mich so lange zurück,— ich bitte deshalb um Entschuldigung, Herr Kommerzienrat. Aber da Sie jetzt zur Familie gehören, glaube ich, auch sans gene später erscheinen

Er reichte dem Kommerzienrat die schlanse, feine aristokratische Hand und lächelte ein wenig, wobei unter

Die beiden Herren begaben sich in den Ballsaal, wäh­rend der alte Baron an das Büffet trat und prüfende Umschau hielt.

„Trinken wir ein Glas Sekt zusammen, Herr Ba­ron?“ fragte Fritz Brückner.

„Mit Vergnügen, mein junger Freund.., habe einen furchtbaren Durst."

Der geheime Regierungsrat im landwirtschaftlichen Ministerium, Freiherr Ewald von Windheim, mochte einige vierzig Jahre zählen. Er hatte eine vorzügliche Karriere gemacht und hoffte noch höher emporzusteigen; in den parlamentarischen Kreisen bezeichnete man ihr. als den Nachfolger des Herrn Ministers. Mit einem ele­ganten Aeußeren verband er ein vornehmes Wesen und gediegene Kenntnisse, welche er jederzeit in das richtige Licht zu stellen bestrebt war.

Mit vornehmem Lächeln schritt er an der Seite des lebhaft plaudernden Kommerzienrats durch den Festsaal. Aber sein Auge schweifte überall umher, und seinem auf­merksamen Blick entging kein Vorgang, keine Persönlich­keit von irgend welcher Wichtigkeit.

Frau von Windheim, eine mittelgroße, hagere Ge­talt, deren verkümmertem Gesicht man die fortwäh­rende Forge ansah, die Ehre ihres alten Mannes wenig. stens äußerlich aufrecht zu erhalten, saß neben der im Glanz der Perlen und Brillanten strahlenden Kom­merzienrätin. Ihre Töchter Agathe und Erna, tanzten mit zwei jungen Gardeoffizieren. Hervorragende Schönheiten waren die beiden Fräulein von Windheim durchaus nicht. Auch in ihren Toiletten vermochten sie nicht mit den Töchtern der reichen Kaufleute ugd Va. brikanten zu wetteifern. Die ältere Schwester Agathe mochte bereits die Dreißig überschritten haben, und wenn sie auch die schlanke, vornehme Gestalt des Wind­heimschen Geschlechts geerbt hatte, so war doch die Sorge und manche Enttäuschung an ihren an sich nicht

cht, Papa“, entgegn­kisch saß und ein kal

nete Wil tes Reb

dem langen Schnurrbart große, schneeweiße Zähne sicht

„Aber ich bitte, Herr Geheimrat“— rief Brückner. Wie ists haben Sie unsere Damen schon begrüßt:

„Ich hatte noch nicht das Vergnügen...

„So gestatten Sie, daß ich Sie den Damen zuführe. „Ich bitte darum.“

oirge und manche Enttäuschung an ihren an sich nicht unschönen Gesicht nicht spurlos vorübergegangen. Ihre großen, blaßblauen Augen blickten müde und traurig; selbst ihr Lächeln besaß einen trüben Ausdruck, und um ihren Mund zuckte es oft wie in schmerzlicher Resig­nation.

Fortsetzung folgt.)