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Dortmunder Zeitung

1828 – 1939

Bestandhaltende Institution

Institut für Zeitungsforschung, Dortmund

Geschichte und Entwicklung

Das 1828 gegründete „Dortmunder Wochenblatt“ entstand in der Tradition der Anzeige- oder Intelligenzblätter und entwickelte sich zu einer führenden westfälischen Zeitung des 19. Jahrhunderts. Dabei hatte es über viele Jahrzehnte Amtsblattcharakter.

Die erste Ausgabe des „Dortmunder Wochenblattes“ erschien am 4. Oktober 1828 im Quartformat im Umfang von acht Seiten, Gründer war der Buchhändler und -drucker Christian Leonhard Krüger (1801–1876). Der Inhalt bestand intelligenzblatttypisch aus obrigkeitlichen Bekanntmachungen (die nach wenigen Jahren an den Schluss des Blattes rückten), privaten und gewerblichen Inseraten sowie einer Mischung redaktioneller Beiträge, die Themen der gemeinnützigen (praktischen) Aufklärung, Miszellen zu wissenschaftlichen und historischen Fragen, unterhaltende und belehrende Texte umfassten. Brot-, Fleisch- und Biertaxen sowie Marktpreise in Dortmund, Herdecke und später auch Neuss ergänzten den Inhalt. Das Wochenblatt behandelte auch aktuelle „Tagesgegenstände“, das hieß bunte Nachrichten aus aller Welt. Lokalpolitisch relevante oder gar kontroverse Anmerkungen waren bis in die Zeit des Vormärz selten. Zudem enthielt das Wochenblatt vielbeachtete Theaterkritiken.

Ab dem 26. Mai 1847 erschien das Wochenblatt unter dem Titel „Dortmunder Anzeiger“ zweimal wöchentlich. In der Folge der 1848er-Revolution fiel der Intelligenzzwang, der Anzeiger wurde Kreisblatt (später amtliches Kreisblatt) und mit dem Ende der Zensur in eine politische Lokalzeitung umgewandelt. Krüger vergrößerte Format und Umfang des „Dortmunder Anzeigers“, „um tägliches Neue [!] möglichst vollständig mitzuteilen“ und dennoch alles bisher Wichtige beibehalten zu können (36/1848). Um mit den Neugründungen der Revolutionsjahre, besonders der in Dortmund verbreiteten und „entschieden demokratischen“ „Westfälischen Zeitung“ konkurrieren zu können, gründete Krüger 1855 eine eigene „Dortmunder Zeitung“. Der „Dortmunder Anzeiger“ wurde dieser Zeitung unter dem Titel „Dortmunder amtliches Kreisblatt. Beilage zur Dortmunder Zeitung“ beigelegt. Diese erste „Dortmunder Zeitung“ musste jedoch nach wenigen Monaten eingestellt werden. Das „Dortmunder amtliche Kreisblatt“ wurde wieder selbstständig und erschien ab Oktober 1855 dreimal wöchentlich, um aktueller zu sein und mit der aus Paderborn zugezogenen „Westfälischen Zeitung“ konkurrieren zu können. Nachdem Krügers Zeitung auch den Amtsblattcharakter verlor, änderte er den Titel 1857 in „Dortmunder Allgemeines Kreisblatt“ und 1860 wieder in „Dortmunder Anzeiger“. Das Blatt setzte mehr auf „provinzielle Interessen“ und einheimische Angelegenheiten als auf Aktualität, blieb jedoch als meistgenutztes Dortmunder Insertionsorgan konkurrenzfähig. Politisch war es „Wahrheit, Aufklärung und Volkswohl“ verpflichtet, ausgerichtet auf Freiheit, nationale Einheit und Fortschritt und begegnete der Politik Bismarcks mit einer gemäßigten Skepsis. Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 erschien das Kreisblatt vorübergehend täglich, um aktuell berichten zu können.

Zur Tageszeitung wurde das Blatt im Juli 1874 unter dem Titel „Dortmunder Zeitung“, zunächst im Untertitel „verbunden mit dem Dortmunder Anzeiger“. Verlag und Redaktion nutzten in den kommenden Jahrzehnten die neuesten technischen Entwicklungen der Nachrichtenübermittlung (Telegrafie, Telefon) sowie in Satz (Linotype) und Druck (Rotationsdruckmaschine). Ab dem 1. April 1886 kamen sogar zwei Ausgaben täglich heraus. 1893 erhielt die „Dortmunder Zeitung“ wieder Amtsblattcharakter.

Die stärkste Konkurrenz erwuchs der nationalliberalen Zeitung mit dem linksliberalen „General-Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen“ von Friedrich Wilhelm Ruhfus (1839–1936), gegründet 1888 als „Dortmunder Nachrichten. Zeitung für Stadt und Land“. Der Generalanzeiger sprach insbesondere die Bergarbeiterschaft an und wurde bis zum Zweiten Weltkrieg die größte deutsche Tageszeitung außerhalb Berlins. Dem Enkel des Wochenblatt-Gründers Gustav Krüger gelang es, durch die Gründung eines weiteren Konkurrenzblattes, der „Morgenpost [für Westfalen]“ (erschienen 1903–1905), eine Einigung zu erzwingen. Seit April 1905 erschienen „Dortmunder Zeitung“ und „General-Anzeiger“ bei getrennter Redaktion selbstständig nebeneinander im Verlag Krüger.

Während des Ersten Weltkrieges erschien die „Dortmunder Zeitung“ in reduziertem Umfang. In der Weimarer Zeit erregte sie bei verschiedenen Regierungen Anstoß. Erstmals wurde die „Dortmunder Zeitung“ ab dem 3. Februar 1920 für wenige Tage verboten, während der Ruhrbesetzung 1923 mehrmals und auch für mehrere Monate. Nachdem der „General-Anzeiger“ bereits am 21. April 1933 durch die NS-Regierung beschlagnahmt wurde, galt die Verlegerfamilie Krüger als politisch unzuverlässig und verlor 1935 durch Ausschluss aus der Reichspressekammer auch den Verlag der „Dortmunder Zeitung“. Der Nachfolger ging schließlich in Konkurs. Die letzte Ausgabe der Zeitung erschien am 30. April 1939.

Auflage

Die Auflage des „Dortmunder Wochenblattes“ betrug bei etwas über 6.000 Einwohnern anfangs 600 Exemplare, da Krüger sein Blatt geschickt vermarktet hatte: Die Dortmunder Bürgern bekamen es kostenlos ins Haus geliefert und wurden automatisch zu Abonnenten, wenn sie das Blatt nicht zurücksandten. 1863 zählte der Verlag 4.000 Abonnenten, 1871 betrug die Auflage mehr als 5.000, 1885 bereits 15.000 Exemplare. 1902 war die Auflage auf 22.000 Stück gestiegen, lag 1934 bei 20.400 und im letzten Jahr (1939) bei knapp 17.600.

Beilagen

Neben zahlreichen Werbeeinlagen für Veranstaltungen, Lotterien, Sonderverkäufe etc. legte Krüger dem Wochenblatt in den Anfangsjahren durchnummerierte „Bibliographische Anzeigen“ seiner Verlags-, Sortiments- und Musikalienhandlung bei. An weiteren Beilagen kamen hinzu: 1855 „Unterhaltung“ (unregelmäßig), 1880 „Für Haus und Hof“, 1897 „Illustriertes Unterhaltungsblatt“, 1904 „Mußestunden“, 1906 „Illustrierte Sonntagspost“, 1911 „Frauen-Rundschau“ (später: „Aus dem Reiche der Frau“), 1921 „Industrie- und Handelsblatt der Dortmunder Zeitung“, 1922 „Kunst, Wissenschaft und Leben“, 1924 „Technische Nachrichten“, „Automobil und Motorrad“, Bäder und Reise“, „Sportblatt“, „Der Rundfunk“, 1925 „Humor in Wort und Bild“

PD Dr. Astrid Blome, Institut für Zeitungsforschung

Quellen und Literatur

Piersig, W[alter]: Geschichte der Dortmunder Tagespresse, Dortmund 1915

Windgassen, Helga: 150 Jahre C. L. Krüger Dortmund. Eine Chronik, Dortmund 1978