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„etwas auf sich hält“ genannt— der halbe Staat Sao Paulo mit dem besten Kaffeeboden Trotz seiner märchenhaften Reichtümer blieb Schmidt bis zu seinem Tode der einfache Mensch als der er seinerzeit ins Land kam.

Aus Czernowitz in der ehemaligen Buko­wina kam ein armer jüdischer Händler. Mai Glücksmann, nach Argentinien. Für Kaufleute bot sich in einem Lande, das vornehmlich Bauern brauchte, wenig Aussicht. Gleichwohl ge­lang es dem gewandten Glücksmann, ein klei­nes photographisches Atelier und ein Geschäft in Pbotoartikeln zu gründen und beide so zu führen, daß er bald eine Reihe Zweigstellen in dem sich rasch ausbreitenden Buenos Aires be­saß, ja schließlich geradezu eine Art Monopol inne hatte. Als das Kino in Argentinien sei­nen Einzug hielt, erkannte der geschäftstüchtige Photograph die sich ihm hier bietenden Mög­lichkeiten. Er operierte so geschickt, daß er schließlich auch auf diesem Gebiete den Markt beherrschte und alle Lichtspieltheater nicht nur in Argentinien, sondern auch in den Nachbar­ländern Chile, Bolivien und Paraguay kontrol= lierte. In der Pampa, wohin Theatertruppen nur selten kommen, bedeutet das Kino etwas anderes als in der Großstadt, wo es gegen den Wettbewerb der Oper und des Schauspiels zu kämpfen hat. Es dauerte auf diese Weise nicht lange, bis Glücksmann— nomen est omen— es zum vielfachen Millionär gebracht hatte; heute reist der ehemalige Handlungsgehilfe im eigenen Salonwagen mit Bad und allem erdenklichen Luxus.

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Ein Engländer über Engländer

Besitzer gewechselt. Die Landaristokratie steht auf dem Aussterbeetat und ihre großen Häu­ser verwandeln sich in Familienhotels, Clubs, Schulen und Krankenhauser.. Cariyle meinte, die Aristokratie müsse wegen ihrer guten Manieren erhalten bleiben. Er war der Ansicht, daß sie aus diesem Grunde auch die Führung behalten müsse. Die guten Ma­nieren sind vorhanden und wir müssen zuge­ben, daß sie nationalen Wert besitzen.“

Sehr aufschlußreich ist dann allerdings, was der Verfasser über die Herkunft dieser guten Manieren und über die Art sagt, wie man sie zu ungunsten des gründlichen Bildungsganges bevorzugt, webei allerdings sportliche Leistun­gen im England von heute doch noch höher bewertet werden, als gute Manieren. Die Züchtungsstätte des Gentleman ist die Univer­sität. Allein„hier ist der Lerneifer ein selte­nes Ding; an den älteren und reicheren Schu­len wird er verachtet und der Streber, der sich etwa als Schüler auszeichnen wurde, könnte seine Kaste verlieren, gerade wie wenn er ge­stohlen hätte. Und doch werden diese Jungen zu tüchtigen Beamten, besonders in den Kolo­nien, nachdem sie mit Hilfe der Einpauker ihre Prüfungen bestanden haben... der ei­gentliche Gentleman ohne Grundbesitz ist der im Ausland am besten bekannte Engländer, weil er leidenschaftlicher Weltreisender ist und es liebt, seine Ferien mit Bergsteigen und dem Besuch von historischen Stätten und Kunst­sammlungen auszufüllen. Ausgestattet mit der höchsten Bildung, die England geben kann, , spricht er selten eine menschliche Sprache au­ßer seiner eigenen, obwohl sich gelegentlich ein Kellner findet, der sein sogenanntes Fran­zösisch versteht...“

eine Charaktereigenschaft des ganzen engli­schen Volkes: Haß und Rachsucht liegen ihm

fern.“

Was das Bild der heutigen englischen Ge­samtkultur betrifft, so glaubt der Verfasser die Interessen der Engländer kategorisch fol­gendermaßen gliedern zu können: erst kommt der Sport, der abgesehen von den menschlichen Elementartrieben der Ernährung und des Se­xus das bei weitem engste Band zwischen den Volksgenossen bildet, dann kommt die Politik dann die Religion und ganz zuletzt erst Künste und Wissenschaften. Trotz der Aus­breitung des Skeptizismus ist das Volk doch in seiner großen Mehrheit religiös und christ­lich gesinnt. Den Glauben hat auch der Krieg nicht ausgerottet, der den Glauben an eine Vorsehung stark erschütterte... Der Unter­schied zwischen Staatskirche und Sekten ist heutzutage mehr ein sozialer, als ein konfes­sioneller. Die Staatskirche gilt gegenwärtig als die Kirche der oberen Zehntausend.“ Aber die allmählich sich bildende Meinung, daß sie wieder nach Rom tendiere, tut ihr Abbruch... ille anderen Völker beschuldigen die Englän­der der Heuchelei. Der Vorwurf beruht auf einem Mißverständnis des englischen Charak­ters. Man kann nicht verallgemeinern, weil eben unter den Engländern so viele sich wie­derstrebende Ansichten herrschen und weil Ansichten herrschen und selbst der Ein­zelne oft mit sich selbst uneins ist und es ihm jedenfalls widerstreben würde, ein für allemal auf seine Meinung festgena­gelt zu werden und dadurch der Freiheit ver­lustig zu gehen, sein Urteil im gegebenen Fal­le zu revidieren.

Einen recht fesselnden Einblick in das eng­lische Leben der Gegenwart, wie es einem ge­bildeten Engländer erscheint, vermittelt ein kürzlich in London erschienenes Heftchen einer Serie von Schriften zur Einführung ins mo­derne Leben. Das Wesentliche ist dabei, daß der Verfasser sehr ausgiebig die Werke aus­ländischer Beobachter verwandt hat und deren Urteile kritisch zu beleuchten versteht.„Zu unserer Bequemlichkeit— so sagt er— haben wir uns daran gewöhnt, mit dem Namen Franzose, Russe, Deutscher, Spanier usw, eine typische Figur zu verbinden. Ebenso müssen wir es den Ausländern gestatten, uns zu ty­pisieren. Wir kennen uns aus den Karikatu­cen des Auslandes, den Engländer mit der langen Nase, die Engländerin mit den vorste­henden Zähnen, beide mit unförmlich großen Füßen, in entsetzlichen Kostümen und schreck­lich unmanierlich. Wir sehen solche Vorstel­lungen nicht als zutreffend an, aber wir ha­ben ja selbst unseren John Bull. geschaffen, der gleichfalls ein falsches Bild gibt.“ Der Verfasser verweist dann auf die außerordent­lich starke Vermischung von verschiedensten Völkerschaften, die in England stattgefunden hat und kommt dann auf Verfassungsfragen, wobei er über die monarchistische Einstellung des Engländers sagt:

Seit 90 Jahren hat England mit der Mo­narchie außergewöhnliches Glück gehabt. Als Nachfolgerin eines Geisteskranken, eines un­gesunden Wüstlings und eines gänzlich unbe­deutenden Menschen stellte die junge Königin Victoria die schwindende Achtung wieder her. Durch ihre Unschuld, ihr anständiges Leben, ihren gesunden Verstand, ihr gelegentlich sehr geistreiches Wesen und durch ihren Kinder­reichtum... Ihr Nachfolger wurde kürzlich von einem bekannten deutschen Schriftsteller (gemeint ist wohl W. H. Edwards) gepriesen als ein Mann, desse. große Begabung zu spät in seinem Leben zur Geltung gekommen sei. Bis zu welchem Grade seine energische Be­tätigung auf dem Gebiet der kontinentalen Diplomatie den Frieden Europas förderte, oder den Weltkrieg herbeiführen half, kann hier nicht erörtert werden. Jedenfalls machte sich Eduard 7. bei einem großen Teil der Bevötkerung ganz einfach dadurch beliebt, daß er die Exklusivität seiner Mutter aufgab. Den oberen Schichten gefiel er als Lebemann, dessen Beispiel man leicht nacheifern konnte .... Von seinem Sohn, unserem jetzigen König, kann man nur sagen, daß er die Pflich­ten seines Amtes stets mit überlegener Si­cherheit und vorbildlichem Fleiß erfullt hat.“ Sehr interessant ist, was der Verfasser über die Wirkungen des Krieges und der Nach­kriegszeit auf die Repräsentanten der oberen Schicht sagt. Er teilt diese Schicht in drei Klassen ein, diejenige des alten Adels mit Großgrundbesitz, die des neuen Adels mit Kleingrundbesitz und die des„Gentleman“ schlechthin.„Durch den Verlust seiner Söhne im Krieg, durch schwere Erbschaftssteuern und vermehrte Besteuerung des Einkommens ist der Grundbesitz hart getroffen worden. Gro­

Sehr bemerkenswert und scheinbar diktiert von einem beinahe schon Shaw'schen Ressen­timent gegen das Bürgertum sind die Aus­führungen des Verfassers über die Mittel= und Unterklassen.„Die Mittelklassen zerfällen ebenso wie die oberen in verschiedene Grup­pen, wenn es auch schwer ist, eine scharfe Grenze zu ziehen. Die obere Mittelklasse unterscheidet sich vom Gentleman dadurch, daß ihre Vertreter meistens reicher, dafür aber weniger gebildet sind. Von der unte­ren Mittelklasse unterscheidet sich diese obere Mittelklasse dadurch, daß diese weniger reich, aber gleich ungebildet ist. Bis vor 50 oder 60 Jahren nannte man die obere Mittelklasse das „Rückgrat Englands“, sie war die Säule des ganzen Gebäudes... Die„Taily News“, ihr Hauptorgan, behauptete, alles Große und Gute verdanke England ihrem Genie und ih­rer Tatkraft. Dann klagt der Verfasser dar­über, daß die großen Pioniere des Handels und der Industrie infolge der Umwandlung der Betriebe in Aktiengesellschaften verschwin­den oder daß sie jedenfalls als Direktoren solcher Aktiengesellschaften entarten.„Ich behaupte geradezu, daß die tüchtigsten Direk­toren während des Krieges und seiner Nach­wehen zu Kriegsgewinniern und Schiebern geworden sind.“ Zur unteren Mittelklasse rechnet der Verfasser die Massen von Ange­stellten und niederen Beamten, dazu Volks­

schullehrer, kleine Geschäftsinhaber, kurz alle, die man in England als„Gehrockproletarier“ zu bezeichnen pflegt.„Zu ihnen gehört auch das allmählich entstandene Heer weiblicher Angestellter... Diese Klasse bewohnt die langen Reihen einförmiger Häuser in den ein­tönigen Straßen unserer Vororte... Es ist schwer, mit ihnen bekannt zu werden, denn in echt englischer Abgeschlossenheit wünschen sie unter sich zu bleiben... Soweit sie es sich leisten können, sorgen sie für die Erweiterung ihrer Bildung. Grammophon, Radio und Ki­no haben für diese Klassen vielleicht am al­lermeisten eine Erhöhung der Lebensfreude und eine Erweiterung ihrer Lebensinteressen bedeutet.“

Die Arbeiter endlich teilt der Verfasser wie­der in drei Gruppen, nämlich Bauern, See­leute und Fischer, Industriearbeiter.„Aus­länder mögen uns nach den Typen, die sie draußen sehen, beurteilen, oder nach unseren Politikern; wir Engländer müssen die Arbei­ter als den eigentlichen Volkskörper anse­hen.“ Die Zeit, wo die einzige Erholung des Arbeiters der Trunk war,„weil das der kür­zeste Weg heraus aus Whitechapel ist“ ist längst vorüber. Die meisten Arbeiter lesen Zeitungen, benutzen die Volksbüchereien, be­schäftigen sich mit Politik, einige Wenige auch mit Religion.“ Die Gewerkschaften haben ihnen nicht nur Macht, sondern auch Selbst­achtung gegeben und der Krieg gab ihnen das Gefühl der Gleichberechtigung mit den ande­ren Klassen. Sie haben eine Eigenschaft, die sie mit den deutschen Arbeitern in besonderem Maße teilen: Gutmütigkeit und schnelles Ver­

S)

Ein Baum, der die Straßen spritzt.

Auf Ceylon wächst ein ursprünglich aus Süd­amerika stammender Baum, den die Eingevo­renen als„Regenbaum“ bezeichnen, weil es unter diesem Baum tatsächlich jeden Morgen regnet, auch wenn weit und breit kein Tropsen Regen fällt. Der zu den Hülsenfrüchtlern ge­hörende Regenbaum, der mit seinen weit aus­ladenden Aesten eine sehr schöne Gestalt besitzt, ist dadurch eigentümlich, daß seine Bältter wäh­rend der Nacht Feuchtigkeit aufnehmen und Wasser in sich sammeln, das am nächsten Mor­gen in großen Tropfen zur Erde fällt. Da die Regenbäume gewöhnlich dicht belaubt sind, kommt es immer zu einem ganz ergiebigen „Regenfall“, weshalb man die Regenbäume denn auch gern an den Straßen anpflanzt, die auf diese Weise täglich leicht mit Wasser be­sprengt werden.

Unter Kollegen.

Zu Liebermann kam in strömendem Regen und bei Schlackerschnee ein Maler expressionistischer schule.

„Ist das ein Dreckwetter draußen!“ sagte er beim Eintritt.

Und Liebermann:„A propos Dreck: Ham se wieder wat jemalt"?

Licht.

Das elektrische Licht, das aus hunderttaufend Lampen auf uns herabstrahlt, feiert in diesem Jahr ein Doppeljubiläum. 75 Jahre ist es her, daß der Deutsche Heinrich Goebel die erste Glühlampe konstruierte, vor 50 Jahren gelang es Th. A. Edison, elektrische„Birnen“ jabrik­mäßig herzustellen. Im neuen Heft der„Ko­ralle“ spricht über diese beiden großen Tech­niker und über den Werdegang der gesamten Lichtwirtschaft Willy Meinoardt, Direktor der Osram=Werke, Prof.# rödinger, Naa olger Planks an der Universität Berlin enthüllt oas Rätsel des Lichts. Nicht im„Gelehrtenstil“, mit deutlichen Worten und einfachen Beispielen wird manche Erscheinung der Umwelt„ins Licht“ gerückt und liegt auch dem Laien klar vor Augen. Die übrigen Aufsätze dieses beion­ders gelungenen Heftes gruppieren sich um den gleichen Gegenstand, wobei aber jeder für sich ein anderes Teilgebiet nahe bringt. In der neuen aktuellen Rubrik„Was ging vor?“ wird weiter an dem Versuch gearbeitet, in knapper Form vom Neuesten das Wissenswerte zu er­zählen.

de Landgüter sind aufgeteilt und haben den gessen von Widerwärtigkeiten. Und das ist

Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Sank. Altena.

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Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung

Mittwoch, 23. Oktober

1929

Eine Herbstfahrt an

und Glan

Von Hans Schaack=Koblenz.

I.

An der Nahe.

Vor mehr denn 50 Jahren— man hatte da­mals noch mehr Sinn dafür als in unserer ha­stenden und jagenden Zeit— erzählte in einem Dorfe, nicht allzuweit von der Blies entfernt, der alte Lehrer seinen Kindern das Märchen von der Nahe und Blies, dem sie immer ge­spannt lauschten. Beide Flüßchen haben be­kanntlich ihre Quelle an der preußisch=birken­feldschen Grenze, die Nahe entspringt am Fuße des Eckersberges bei Selbach, und die Blies am Mommerichwalde, den ein Hunnenwall krönt. Eines schönen Tages verabredeten die Nahe und die Blies sich in der Frühe des näch­sten Morgens auf den Weg zum Vater Rhein zu machen. Die Blies wurde zuerst wach und schlich sich mitten in der Nacht schon davon ohne ihrer Schwester etwas zu sagen weil sie hoffte, so als erste den Rhein zu erreichen. Als die Sonne bereits am Himmel stand, schlug auch die Nahe die Augen auf und bemerkte zu ihrem Schrecken, daß sich die Blies schon lange auf den Weg gemacht hatte. Sie sann und sann, wie sie den Vorsprung der Schwester ein­holen könne und nahm schließlich kurzerhand ihren Lauf nach Osten durch Berge und Wäl­der und bahnte sich einen direkten Weg zum Rhein. Daher kommt es, daß die Blies den Lauf durch weniger reizvolle Gegenden nimmt, während die Nahe so wild und romantisch durch die Felsen schäumt. Und sie erreicht, was das wichtigste ist, den Vater Rhein lange vor der Blies, deren Weg durch die Saar und Mo­sel auf weiten Umwegen zum Rheine führte.

Und in der Tat! Mit allen Kindern, die vom Schwarzwalde und von den Vogesen bis zur Tiefebene hinter Köln dem Vater Rhein ihr Wasser zuführen, kann die Nahe sich an Schön­heit messen. Wenn auch keine mächtigen Dome sich in ihren Wellen spiegeln, so krönen doch auch die Berge an der Nahe die Burgen und Klosterruinen, und es wächst an ihren Usern ein Wein, der sich im Laufe der Jahrzehnte einen guten Namen erworben hat. Und kaum ein anderer deutscher Fluß nimmt so viele Seiten­flüsse auf, die an Naturschönheiten mit dem Hauptflussé wetteifern, wie die Nahe sie mit dem Glan, der Alsenz und Lauter, um nur einige zu nennen, aufzuweisen bat. Gerade in den letzten Oktoberwochen, da die linde Herbst­sonne den Trauben die letzte Reife gibt, da das Lied der„Herbstschmooke“, wie man an der Nahe die Winzerinnen nennt, in das Tal hinab­klingt, lohnt sich wohl eine Fahrt an die Nahe und ihr Gebiet.

Nicht weit von der Nahequelle, beim Dorfe Otzenhausen, reizt der größte und am besten er­haltene Ringwall des Rheinlandes, der soge­nannte Hunnenring zu einem Besuche. Der Hauptwall hat einen Umfang von 1360 Meter und übertrifft den des Altkönigs im Taunus um 210 Meter und der Vorwall mißt noch 850 Meter im Umfange. Von hier fährt man mit der Hunsrückbahn, die von Trier über Her­meskeil zur Nahe führt, zur Station Türkis= mühle, wo die Grenze des Saargebietes sich hinzieht und wo der Lauf der Nahe romantisch zu werden beginnt. An dem schön gelegenen Orte Nobfelden vorbei, das von den Ruinen der gleichnamigen Burg überragt wird, wandern wir durch das liebliche Steinautal nach Birken­feld, der Hauptstadt des oldenburgischen Lan­desteiles, der einst dem weitentfernten nord­

deutschen Staate zugeteilt wurde. Von der Burg Birkenfeld, in deren Räumen eine prachtvolle Jugendherberge eingerichtet ist, hat man einen weiten Rundblick in die Berge und Täler des Hochwaldes und Hunsrücks und hinüber nach dem Pfälzer Lande. Von hier er­reichen wir bei dem großen Dorfe Hoppstädten wieder die Nahe und kurz darauf beginnt bei der Station Heimbach, von der eine Sachbahn nach der hochgelegenen Kreisstadt Baumholder führt, der wildromantische Teil des Nahetales, der bis nach Oberstein sich erstreckt. Auf dieser Strecke von 13 Kilometern überschreitet die Bahn auf nicht weniger als 14 Brücken den Fluß und fährt durch 7 Tunnels. Hohe Felsen und prächtige Wälder begleiten den Fluß über Nohen und Kronweiler und bevor wir die sich gegenüber liegenden Dörfer Sonnenberg und Frauenberg erreichen, grüßen aus einem Sei­tentale die Ruinen der Frauenburg, die die Gräfin Lauretta von Sponheim=Starkenburg vor 600 Jahren aus dem Lösegelde erbaute, das ihr der von ihr gefangene streitbare Kurfürst Balduin von Trier entrichten mußte.

Ueber Hammerstein kommen wir nach Ober­stein, der Stadt der Achate und Uhrketten. die von der sehenswerten und vor kurzem wieder­hergestellten Felsenkirche und von den Trüm­mern zweier Burgen überragt wird. In dem hier mündenden lieblichen Idarbache ist seit Jahrhunderten die Diamantschleiferei zuhause in Idar und Tiefenstein, von wo aus die Rui­nen der Wildenburg erreicht werden, von de­nen man einen großartigen Rundblick vom Erbeskopf, dem höchsten Berge der Rheinpro­vinz, bis zum Donnersberg dem höchsten Berge der Pfalz, genießt. Hinter Oberstein treten die Berge etwas zurück, bis zwischen Kirn mit den Trümmern der Kyrburg und Martinstein mit dem alten Kirchlein auf stei­lem Felsen das romantische Bild sich erneuert. Von Martinstein lohnt sich eine kurze Wan­derung durch das Simmer= und Kellenbachtal nach dem Schlosse Dhaun, von dem man eben­falls einen malerischen Ausblick hat.

Bei Martinstein öffnet sich das Tal der Nahe breit und fruchtbar und wird von hier ab auf der Nordseite von Rebenhügeln begleitet, die den Fluß bis zu seiner Mündung in den Rhein nicht mehr verlassen. Ueber Staudernheim ragt der Disibodenberg auf, auf dem Jahrhun­derte lang eines der größten und schönsten deutschen Klöster stand, von dem jetzt nur noch wenige Reste vorhanden sind. In dem alten Städtchen Sobernheim haben die Heilanstalten des Pastors Felke ihren Hauptsitz. Bei Böckel­heim thront auf steilem Felsen das gleichnamige Schloß und von Niederhausen aus lohnt sich eine Besteigung des in der Pfalz liegenden Lembergs und der Ruine Montfort. Und noch einmal muß die Nahe bei Münster am Stein die harten Porphyrfelsen durchbrechen, bevor sie hinter Bad Kreuznach in breiter Ebene, um­kränzt von Rebenhugeln, bei Bingen mit sei­ner Burg Klopp und der Rochuskapelle und uralten Drususbrücke im Angesichte des Nie­derwalddenkmals dem Vater Rhein in die Arme eilen kann. Und gerade bei dem letzten Durchbruch zeigt das Tal der Nahe sein schön­stes romantisches Gesicht. Steil fallen der Rheingrafenstein, die Gans und der Rotenfels ins Tal, über dem Einfluß der Alsenz grüßen auf pfälzischem Gebiete die Trümmer der Ebernburg, der Herberge der Gerechtigkeit, zu der Franz von Sickingen sie gemacht hatte. Weltbekannt aber sind die Heilquellen der Bäder Münster am Stein und Kreuznach und ziehen im kommenden Jahre, wenn die fremde Besatzung abgezogen sein wird, hoffentlich Kranke und Gesunde## vielfacher Zahl wieder

Aus den Rheinischen Rotwein­baugebieten

Unwillkürlich denkt man an Aßmannshau­sen, wenn man von rheinischem Rotwein spricht. In der weltberühmten„Krone“ ist er zu Hause und bringt nicht allzuviele Rheinson­nengrüße" in halben Flaschen" in's Deutsche Reich hinein, obgleich dieser würzige„Aß­mannshäuser“ viel herzlicher und viel treudeut­scher in die Seelen unserer Landsleute ein­gehen würde, als der immer wieder massen­heise importierte ausländische.

Doch außer dieser gesegneten deutschen Rot­weinecke um Aßmannsbausen herum gibt es noch ein anderes sehr bedeutendes Rotwein­baugebiet im Rheinland. Alle deutschen Rot­spontrinker sollten es kennen dieses roman­tische Land der Burgunderreben an der Ahr. Von Bodendorf aus zieht es sich über die Landskrone hinauf an der Bunten Kuh vorbei, fast bis zum Nürburgring und es dürfte im Durchschnitt so etwa 1500 Fuder edelster Kreszenzen jährlich hervorbringen. 120000 Li­ter davon bringt allein der Ahrweiler Winzer­verein auf, in dessen Hallen der 1929er jetzt über die Maische vergoren wird. Da gluckst und kocht und brodelt es jetzt in Dutzenden von Fässern in denen der diesmal recht Feurige blutigrot herum rumort. Denn bald ist die Lese beendet in den Ahrbergen. Die fröbliche bunte Bewegung der Winzerinnen im grünen Rebenlaub der Bergterrassen hat bald aufge­hört. Der Most fließt schon aus den Karaffen und heuer ist er ziemlich süß. Der Walporz= heimer, der Ahrweiler=Silverberger, Daubhau­ser und Rosenthaler hat in diesem Jahre ein gutes Gewicht und der Dernauer Hardtberger, sowie der Mayschosser Münchberger stehen ihnen nicht nach. Teilweise sind zwar die Bur­gunder Trauben noch„glöhnig“, d. h. noch nicht durchgefärbt, noch nicht tiefblau reif. Die Win­zer konnten noch Sonne gebrauchen, denn mehr als um ein durchschnittliches Mitteljahr han­delt es sich nicht 1929. Die Qualität kann jedoch jetzt schon als eine sehr gute bezeichnet werden. Trotz allem aber liegt ein Druck auf der gesamten Ahrwinzerschaft. Der Absatz wird geringer von Jahr zu Jahr. Die Preise werden derart gedrückt, daß die Selbstkosten kaum gedeckt werden und so liegt hier die Tat­sache vor, daß die Produktion bezw. das Ange­bot, die Nachfrage übersteigt. Diese Nachfrage nach Ahr= bezw. Rhein=Rotwein ist aber des­halb so gering, weil dem Deutschen Publikum zunächst ausländische Weine vorgesetzt werden. Kein Mensch denkt daran, daß dadurch die Le­benshaltung der gesamten rheinisch= deutschen Ahrwinzerschaft gedrückt und die der ausländi­schen Firmen gehoben wird! Hier gilt es des­halb wiederum an das landsmannschaftliche Verbundenheitsgefühl der Deutschen zu appel­lieren. Hier heißt es der Bewohnerschaft der be setzten Gebiete, hier heißt es der Ahrwinzer­schaft Kameradschaft zu halten. Und weil der Ahr=Rotspon, wie das in Bad Neuenahr fach­särztlich nachgewiesen wurde, ein hervorragen­der Heilfaktor für Zuckerkranke ist, weil das würzige, aus Kern und Schale der Traube herausgekelterte kräftige Aroma dieses heimi­schen Rotweins ihm sogar den Namen„Ahr­doktor“ eingetragen hat, deshalb ist er nicht nur Genuß= sondern auch Genesungsmittel, der in keinem deutschen Krankenhause fehlen soll. Viele haben Aßmannshausen, viele haben die Ahr im verflossenen Sommer besucht. Nur wenigen ist es beschieden eine Herbsttour zum Mosttrinken an die Ahr machen zu können. Jeder Deutsche aber, sofern er noch das Glück hat, sich eine Flasche Rotspon erlauben zu kön­

an, damit sie sich von der Iot der letzten 11nen. kann die ganze Herrlichkeit der Ahrland­

Jahre erbolen können.

schaft in konzentriertester Form genießen.