S Sann 9 S 0.. SS 3Bg* Ser — 29 — S G * S 7 92 S 2 ——— * S 2e 5 7 *" 5 7 9. „ 2.2 „etwas auf sich hält“ genannt— der halbe Staat Sao Paulo mit dem besten Kaffeeboden Trotz seiner märchenhaften Reichtümer blieb Schmidt bis zu seinem Tode der einfache Mensch als der er seinerzeit ins Land kam. Aus Czernowitz in der ehemaligen Bukowina kam ein armer jüdischer Händler. Mai Glücksmann, nach Argentinien. Für Kaufleute bot sich in einem Lande, das vornehmlich Bauern brauchte, wenig Aussicht. Gleichwohl gelang es dem gewandten Glücksmann, ein kleines photographisches Atelier und ein Geschäft in Pbotoartikeln zu gründen und beide so zu führen, daß er bald eine Reihe Zweigstellen in dem sich rasch ausbreitenden Buenos Aires besaß, ja schließlich geradezu eine Art Monopol inne hatte. Als das Kino in Argentinien seinen Einzug hielt, erkannte der geschäftstüchtige Photograph die sich ihm hier bietenden Möglichkeiten. Er operierte so geschickt, daß er schließlich auch auf diesem Gebiete den Markt beherrschte und alle Lichtspieltheater nicht nur in Argentinien, sondern auch in den Nachbarländern Chile, Bolivien und Paraguay kontrol= lierte. In der Pampa, wohin Theatertruppen nur selten kommen, bedeutet das Kino etwas anderes als in der Großstadt, wo es gegen den Wettbewerb der Oper und des Schauspiels zu kämpfen hat. Es dauerte auf diese Weise nicht lange, bis Glücksmann— nomen est omen— es zum vielfachen Millionär gebracht hatte; heute reist der ehemalige Handlungsgehilfe im eigenen Salonwagen mit Bad und allem erdenklichen Luxus. -12 Ein Engländer über Engländer Besitzer gewechselt. Die Landaristokratie steht auf dem Aussterbeetat und ihre großen Häuser verwandeln sich in Familienhotels, Clubs, Schulen und Krankenhauser.. Cariyle meinte, die Aristokratie müsse wegen ihrer guten Manieren erhalten bleiben. Er war der Ansicht, daß sie aus diesem Grunde auch die Führung behalten müsse. Die guten Manieren sind vorhanden und wir müssen zugeben, daß sie nationalen Wert besitzen.“ Sehr aufschlußreich ist dann allerdings, was der Verfasser über die Herkunft dieser guten Manieren und über die Art sagt, wie man sie zu ungunsten des gründlichen Bildungsganges bevorzugt, webei allerdings sportliche Leistungen im England von heute doch noch höher bewertet werden, als gute Manieren. Die Züchtungsstätte des Gentleman ist die Universität. Allein„hier ist der Lerneifer ein seltenes Ding; an den älteren und reicheren Schulen wird er verachtet und der Streber, der sich etwa als Schüler auszeichnen wurde, könnte seine Kaste verlieren, gerade wie wenn er gestohlen hätte. Und doch werden diese Jungen zu tüchtigen Beamten, besonders in den Kolonien, nachdem sie mit Hilfe der Einpauker ihre Prüfungen bestanden haben... der eigentliche Gentleman ohne Grundbesitz ist der im Ausland am besten bekannte Engländer, weil er leidenschaftlicher Weltreisender ist und es liebt, seine Ferien mit Bergsteigen und dem Besuch von historischen Stätten und Kunstsammlungen auszufüllen. Ausgestattet mit der höchsten Bildung, die England geben kann, , spricht er selten eine menschliche Sprache außer seiner eigenen, obwohl sich gelegentlich ein Kellner findet, der sein sogenanntes Französisch versteht...“ eine Charaktereigenschaft des ganzen englischen Volkes: Haß und Rachsucht liegen ihm fern.“ Was das Bild der heutigen englischen Gesamtkultur betrifft, so glaubt der Verfasser die Interessen der Engländer kategorisch folgendermaßen gliedern zu können: erst kommt der Sport, der abgesehen von den menschlichen Elementartrieben der Ernährung und des Sexus das bei weitem engste Band zwischen den Volksgenossen bildet, dann kommt die Politik dann die Religion und ganz zuletzt erst Künste und Wissenschaften. Trotz der Ausbreitung des Skeptizismus ist das Volk doch in seiner großen Mehrheit religiös und christlich gesinnt. Den Glauben hat auch der Krieg nicht ausgerottet, der den Glauben an eine Vorsehung stark erschütterte... Der Unterschied zwischen Staatskirche und Sekten ist heutzutage mehr ein sozialer, als ein konfessioneller. Die Staatskirche gilt gegenwärtig als die Kirche der oberen Zehntausend.“ Aber die allmählich sich bildende Meinung, daß sie wieder nach Rom tendiere, tut ihr Abbruch... ille anderen Völker beschuldigen die Engländer der Heuchelei. Der Vorwurf beruht auf einem Mißverständnis des englischen Charakters. Man kann nicht verallgemeinern, weil eben unter den Engländern so viele sich wiederstrebende Ansichten herrschen und weil Ansichten herrschen und selbst der Einzelne oft mit sich selbst uneins ist und es ihm jedenfalls widerstreben würde, ein für allemal auf seine Meinung festgenagelt zu werden und dadurch der Freiheit verlustig zu gehen, sein Urteil im gegebenen Falle zu revidieren. Einen recht fesselnden Einblick in das englische Leben der Gegenwart, wie es einem gebildeten Engländer erscheint, vermittelt ein kürzlich in London erschienenes Heftchen einer Serie von Schriften zur Einführung ins moderne Leben. Das Wesentliche ist dabei, daß der Verfasser sehr ausgiebig die Werke ausländischer Beobachter verwandt hat und deren Urteile kritisch zu beleuchten versteht.„Zu unserer Bequemlichkeit— so sagt er— haben wir uns daran gewöhnt, mit dem Namen Franzose, Russe, Deutscher, Spanier usw, eine typische Figur zu verbinden. Ebenso müssen wir es den Ausländern gestatten, uns zu typisieren. Wir kennen uns aus den Karikatucen des Auslandes, den Engländer mit der langen Nase, die Engländerin mit den vorstehenden Zähnen, beide mit unförmlich großen Füßen, in entsetzlichen Kostümen und schrecklich unmanierlich. Wir sehen solche Vorstellungen nicht als zutreffend an, aber wir haben ja selbst unseren John Bull. geschaffen, der gleichfalls ein falsches Bild gibt.“ Der Verfasser verweist dann auf die außerordentlich starke Vermischung von verschiedensten Völkerschaften, die in England stattgefunden hat und kommt dann auf Verfassungsfragen, wobei er über die monarchistische Einstellung des Engländers sagt: Seit 90 Jahren hat England mit der Monarchie außergewöhnliches Glück gehabt. Als Nachfolgerin eines Geisteskranken, eines ungesunden Wüstlings und eines gänzlich unbedeutenden Menschen stellte die junge Königin Victoria die schwindende Achtung wieder her. Durch ihre Unschuld, ihr anständiges Leben, ihren gesunden Verstand, ihr gelegentlich sehr geistreiches Wesen und durch ihren Kinderreichtum... Ihr Nachfolger wurde kürzlich von einem bekannten deutschen Schriftsteller (gemeint ist wohl W. H. Edwards) gepriesen als ein Mann, desse. große Begabung zu spät in seinem Leben zur Geltung gekommen sei. Bis zu welchem Grade seine energische Betätigung auf dem Gebiet der kontinentalen Diplomatie den Frieden Europas förderte, oder den Weltkrieg herbeiführen half, kann hier nicht erörtert werden. Jedenfalls machte sich Eduard 7. bei einem großen Teil der Bevötkerung ganz einfach dadurch beliebt, daß er die Exklusivität seiner Mutter aufgab. Den oberen Schichten gefiel er als Lebemann, dessen Beispiel man leicht nacheifern konnte .... Von seinem Sohn, unserem jetzigen König, kann man nur sagen, daß er die Pflichten seines Amtes stets mit überlegener Sicherheit und vorbildlichem Fleiß erfullt hat.“ Sehr interessant ist, was der Verfasser über die Wirkungen des Krieges und der Nachkriegszeit auf die Repräsentanten der oberen Schicht sagt. Er teilt diese Schicht in drei Klassen ein, diejenige des alten Adels mit Großgrundbesitz, die des neuen Adels mit Kleingrundbesitz und die des„Gentleman“ schlechthin.„Durch den Verlust seiner Söhne im Krieg, durch schwere Erbschaftssteuern und vermehrte Besteuerung des Einkommens ist der Grundbesitz hart getroffen worden. GroSehr bemerkenswert und scheinbar diktiert von einem beinahe schon Shaw'schen Ressentiment gegen das Bürgertum sind die Ausführungen des Verfassers über die Mittel= und Unterklassen.„Die Mittelklassen zerfällen ebenso wie die oberen in verschiedene Gruppen, wenn es auch schwer ist, eine scharfe Grenze zu ziehen. Die obere Mittelklasse unterscheidet sich vom Gentleman dadurch, daß ihre Vertreter meistens reicher, dafür aber weniger gebildet sind. Von der unteren Mittelklasse unterscheidet sich diese obere Mittelklasse dadurch, daß diese weniger reich, aber gleich ungebildet ist. Bis vor 50 oder 60 Jahren nannte man die obere Mittelklasse das „Rückgrat Englands“, sie war die Säule des ganzen Gebäudes... Die„Taily News“, ihr Hauptorgan, behauptete, alles Große und Gute verdanke England ihrem Genie und ihrer Tatkraft. Dann klagt der Verfasser darüber, daß die großen Pioniere des Handels und der Industrie infolge der Umwandlung der Betriebe in Aktiengesellschaften verschwinden oder daß sie jedenfalls als Direktoren solcher Aktiengesellschaften entarten.„Ich behaupte geradezu, daß die tüchtigsten Direktoren während des Krieges und seiner Nachwehen zu Kriegsgewinniern und Schiebern geworden sind.“ Zur unteren Mittelklasse rechnet der Verfasser die Massen von Angestellten und niederen Beamten, dazu Volksschullehrer, kleine Geschäftsinhaber, kurz alle, die man in England als„Gehrockproletarier“ zu bezeichnen pflegt.„Zu ihnen gehört auch das allmählich entstandene Heer weiblicher Angestellter... Diese Klasse bewohnt die langen Reihen einförmiger Häuser in den eintönigen Straßen unserer Vororte... Es ist schwer, mit ihnen bekannt zu werden, denn in echt englischer Abgeschlossenheit wünschen sie unter sich zu bleiben... Soweit sie es sich leisten können, sorgen sie für die Erweiterung ihrer Bildung. Grammophon, Radio und Kino haben für diese Klassen vielleicht am allermeisten eine Erhöhung der Lebensfreude und eine Erweiterung ihrer Lebensinteressen bedeutet.“ Die Arbeiter endlich teilt der Verfasser wieder in drei Gruppen, nämlich Bauern, Seeleute und Fischer, Industriearbeiter.„Ausländer mögen uns nach den Typen, die sie draußen sehen, beurteilen, oder nach unseren Politikern; wir Engländer müssen die Arbeiter als den eigentlichen Volkskörper ansehen.“ Die Zeit, wo die einzige Erholung des Arbeiters der Trunk war,„weil das der kürzeste Weg heraus aus Whitechapel ist“ ist längst vorüber. Die meisten Arbeiter lesen Zeitungen, benutzen die Volksbüchereien, beschäftigen sich mit Politik, einige Wenige auch mit Religion.“ Die Gewerkschaften haben ihnen nicht nur Macht, sondern auch Selbstachtung gegeben und der Krieg gab ihnen das Gefühl der Gleichberechtigung mit den anderen Klassen. Sie haben eine Eigenschaft, die sie mit den deutschen Arbeitern in besonderem Maße teilen: Gutmütigkeit und schnelles VerS) Ein Baum, der die Straßen spritzt. Auf Ceylon wächst ein ursprünglich aus Südamerika stammender Baum, den die Eingevorenen als„Regenbaum“ bezeichnen, weil es unter diesem Baum tatsächlich jeden Morgen regnet, auch wenn weit und breit kein Tropsen Regen fällt. Der zu den Hülsenfrüchtlern gehörende Regenbaum, der mit seinen weit ausladenden Aesten eine sehr schöne Gestalt besitzt, ist dadurch eigentümlich, daß seine Bältter während der Nacht Feuchtigkeit aufnehmen und Wasser in sich sammeln, das am nächsten Morgen in großen Tropfen zur Erde fällt. Da die Regenbäume gewöhnlich dicht belaubt sind, kommt es immer zu einem ganz ergiebigen „Regenfall“, weshalb man die Regenbäume denn auch gern an den Straßen anpflanzt, die auf diese Weise täglich leicht mit Wasser besprengt werden. Unter Kollegen. Zu Liebermann kam in strömendem Regen und bei Schlackerschnee ein Maler expressionistischer schule. „Ist das ein Dreckwetter draußen!“ sagte er beim Eintritt. Und Liebermann:„A propos Dreck: Ham se wieder wat jemalt"? Licht. Das elektrische Licht, das aus hunderttaufend Lampen auf uns herabstrahlt, feiert in diesem Jahr ein Doppeljubiläum. 75 Jahre ist es her, daß der Deutsche Heinrich Goebel die erste Glühlampe konstruierte, vor 50 Jahren gelang es Th. A. Edison, elektrische„Birnen“ jabrikmäßig herzustellen. Im neuen Heft der„Koralle“ spricht über diese beiden großen Techniker und über den Werdegang der gesamten Lichtwirtschaft Willy Meinoardt, Direktor der Osram=Werke, Prof.# rödinger, Naa olger Planks an der Universität Berlin enthüllt oas Rätsel des Lichts. Nicht im„Gelehrtenstil“, mit deutlichen Worten und einfachen Beispielen wird manche Erscheinung der Umwelt„ins Licht“ gerückt und liegt auch dem Laien klar vor Augen. Die übrigen Aufsätze dieses beionders gelungenen Heftes gruppieren sich um den gleichen Gegenstand, wobei aber jeder für sich ein anderes Teilgebiet nahe bringt. In der neuen aktuellen Rubrik„Was ging vor?“ wird weiter an dem Versuch gearbeitet, in knapper Form vom Neuesten das Wissenswerte zu erzählen. de Landgüter sind aufgeteilt und haben den gessen von Widerwärtigkeiten. Und das ist Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Sank. Altena. — ######T Se. Bguscss S: COFYEUSENSEE Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Mittwoch, 23. Oktober 1929 Eine Herbstfahrt an und Glan Von Hans Schaack=Koblenz. I. An der Nahe. Vor mehr denn 50 Jahren— man hatte damals noch mehr Sinn dafür als in unserer hastenden und jagenden Zeit— erzählte in einem Dorfe, nicht allzuweit von der Blies entfernt, der alte Lehrer seinen Kindern das Märchen von der Nahe und Blies, dem sie immer gespannt lauschten. Beide Flüßchen haben bekanntlich ihre Quelle an der preußisch=birkenfeldschen Grenze, die Nahe entspringt am Fuße des Eckersberges bei Selbach, und die Blies am Mommerichwalde, den ein Hunnenwall krönt. Eines schönen Tages verabredeten die Nahe und die Blies sich in der Frühe des nächsten Morgens auf den Weg zum Vater Rhein zu machen. Die Blies wurde zuerst wach und schlich sich mitten in der Nacht schon davon ohne ihrer Schwester etwas zu sagen weil sie hoffte, so als erste den Rhein zu erreichen. Als die Sonne bereits am Himmel stand, schlug auch die Nahe die Augen auf und bemerkte zu ihrem Schrecken, daß sich die Blies schon lange auf den Weg gemacht hatte. Sie sann und sann, wie sie den Vorsprung der Schwester einholen könne und nahm schließlich kurzerhand ihren Lauf nach Osten durch Berge und Wälder und bahnte sich einen direkten Weg zum Rhein. Daher kommt es, daß die Blies den Lauf durch weniger reizvolle Gegenden nimmt, während die Nahe so wild und romantisch durch die Felsen schäumt. Und sie erreicht, was das wichtigste ist, den Vater Rhein lange vor der Blies, deren Weg durch die Saar und Mosel auf weiten Umwegen zum Rheine führte. Und in der Tat! Mit allen Kindern, die vom Schwarzwalde und von den Vogesen bis zur Tiefebene hinter Köln dem Vater Rhein ihr Wasser zuführen, kann die Nahe sich an Schönheit messen. Wenn auch keine mächtigen Dome sich in ihren Wellen spiegeln, so krönen doch auch die Berge an der Nahe die Burgen und Klosterruinen, und es wächst an ihren Usern ein Wein, der sich im Laufe der Jahrzehnte einen guten Namen erworben hat. Und kaum ein anderer deutscher Fluß nimmt so viele Seitenflüsse auf, die an Naturschönheiten mit dem Hauptflussé wetteifern, wie die Nahe sie mit dem Glan, der Alsenz und Lauter, um nur einige zu nennen, aufzuweisen bat. Gerade in den letzten Oktoberwochen, da die linde Herbstsonne den Trauben die letzte Reife gibt, da das Lied der„Herbstschmooke“, wie man an der Nahe die Winzerinnen nennt, in das Tal hinabklingt, lohnt sich wohl eine Fahrt an die Nahe und ihr Gebiet. Nicht weit von der Nahequelle, beim Dorfe Otzenhausen, reizt der größte und am besten erhaltene Ringwall des Rheinlandes, der sogenannte Hunnenring zu einem Besuche. Der Hauptwall hat einen Umfang von 1360 Meter und übertrifft den des Altkönigs im Taunus um 210 Meter und der Vorwall mißt noch 850 Meter im Umfange. Von hier fährt man mit der Hunsrückbahn, die von Trier über Hermeskeil zur Nahe führt, zur Station Türkis= mühle, wo die Grenze des Saargebietes sich hinzieht und wo der Lauf der Nahe romantisch zu werden beginnt. An dem schön gelegenen Orte Nobfelden vorbei, das von den Ruinen der gleichnamigen Burg überragt wird, wandern wir durch das liebliche Steinautal nach Birkenfeld, der Hauptstadt des oldenburgischen Landesteiles, der einst dem weitentfernten norddeutschen Staate zugeteilt wurde. Von der Burg Birkenfeld, in deren Räumen eine prachtvolle Jugendherberge eingerichtet ist, hat man einen weiten Rundblick in die Berge und Täler des Hochwaldes und Hunsrücks und hinüber nach dem Pfälzer Lande. Von hier erreichen wir bei dem großen Dorfe Hoppstädten wieder die Nahe und kurz darauf beginnt bei der Station Heimbach, von der eine Sachbahn nach der hochgelegenen Kreisstadt Baumholder führt, der wildromantische Teil des Nahetales, der bis nach Oberstein sich erstreckt. Auf dieser Strecke von 13 Kilometern überschreitet die Bahn auf nicht weniger als 14 Brücken den Fluß und fährt durch 7 Tunnels. Hohe Felsen und prächtige Wälder begleiten den Fluß über Nohen und Kronweiler und bevor wir die sich gegenüber liegenden Dörfer Sonnenberg und Frauenberg erreichen, grüßen aus einem Seitentale die Ruinen der Frauenburg, die die Gräfin Lauretta von Sponheim=Starkenburg vor 600 Jahren aus dem Lösegelde erbaute, das ihr der von ihr gefangene streitbare Kurfürst Balduin von Trier entrichten mußte. Ueber Hammerstein kommen wir nach Oberstein, der Stadt der Achate und Uhrketten. die von der sehenswerten und vor kurzem wiederhergestellten Felsenkirche und von den Trümmern zweier Burgen überragt wird. In dem hier mündenden lieblichen Idarbache ist seit Jahrhunderten die Diamantschleiferei zuhause in Idar und Tiefenstein, von wo aus die Ruinen der Wildenburg erreicht werden, von denen man einen großartigen Rundblick vom Erbeskopf, dem höchsten Berge der Rheinprovinz, bis zum Donnersberg dem höchsten Berge der Pfalz, genießt. Hinter Oberstein treten die Berge etwas zurück, bis zwischen Kirn mit den Trümmern der Kyrburg und Martinstein mit dem alten Kirchlein auf steilem Felsen das romantische Bild sich erneuert. Von Martinstein lohnt sich eine kurze Wanderung durch das Simmer= und Kellenbachtal nach dem Schlosse Dhaun, von dem man ebenfalls einen malerischen Ausblick hat. Bei Martinstein öffnet sich das Tal der Nahe breit und fruchtbar und wird von hier ab auf der Nordseite von Rebenhügeln begleitet, die den Fluß bis zu seiner Mündung in den Rhein nicht mehr verlassen. Ueber Staudernheim ragt der Disibodenberg auf, auf dem Jahrhunderte lang eines der größten und schönsten deutschen Klöster stand, von dem jetzt nur noch wenige Reste vorhanden sind. In dem alten Städtchen Sobernheim haben die Heilanstalten des Pastors Felke ihren Hauptsitz. Bei Böckelheim thront auf steilem Felsen das gleichnamige Schloß und von Niederhausen aus lohnt sich eine Besteigung des in der Pfalz liegenden Lembergs und der Ruine Montfort. Und noch einmal muß die Nahe bei Münster am Stein die harten Porphyrfelsen durchbrechen, bevor sie hinter Bad Kreuznach in breiter Ebene, umkränzt von Rebenhugeln, bei Bingen mit seiner Burg Klopp und der Rochuskapelle und uralten Drususbrücke im Angesichte des Niederwalddenkmals dem Vater Rhein in die Arme eilen kann. Und gerade bei dem letzten Durchbruch zeigt das Tal der Nahe sein schönstes romantisches Gesicht. Steil fallen der Rheingrafenstein, die Gans und der Rotenfels ins Tal, über dem Einfluß der Alsenz grüßen auf pfälzischem Gebiete die Trümmer der Ebernburg, der Herberge der Gerechtigkeit, zu der Franz von Sickingen sie gemacht hatte. Weltbekannt aber sind die Heilquellen der Bäder Münster am Stein und Kreuznach und ziehen im kommenden Jahre, wenn die fremde Besatzung abgezogen sein wird, hoffentlich Kranke und Gesunde## vielfacher Zahl wieder Aus den Rheinischen Rotweinbaugebieten Unwillkürlich denkt man an Aßmannshausen, wenn man von rheinischem Rotwein spricht. In der weltberühmten„Krone“ ist er zu Hause und bringt nicht allzuviele Rheinsonnengrüße" in halben Flaschen" in's Deutsche Reich hinein, obgleich dieser würzige„Aßmannshäuser“ viel herzlicher und viel treudeutscher in die Seelen unserer Landsleute eingehen würde, als der immer wieder massenheise importierte ausländische. Doch außer dieser gesegneten deutschen Rotweinecke um Aßmannsbausen herum gibt es noch ein anderes sehr bedeutendes Rotweinbaugebiet im Rheinland. Alle deutschen Rotspontrinker sollten es kennen dieses romantische Land der Burgunderreben an der Ahr. Von Bodendorf aus zieht es sich über die Landskrone hinauf an der Bunten Kuh vorbei, fast bis zum Nürburgring und es dürfte im Durchschnitt so etwa 1500 Fuder edelster Kreszenzen jährlich hervorbringen. 120000 Liter davon bringt allein der Ahrweiler Winzerverein auf, in dessen Hallen der 1929er jetzt über die Maische vergoren wird. Da gluckst und kocht und brodelt es jetzt in Dutzenden von Fässern in denen der diesmal recht Feurige blutigrot herum rumort. Denn bald ist die Lese beendet in den Ahrbergen. Die fröbliche bunte Bewegung der Winzerinnen im grünen Rebenlaub der Bergterrassen hat bald aufgehört. Der Most fließt schon aus den Karaffen und heuer ist er ziemlich süß. Der Walporz= heimer, der Ahrweiler=Silverberger, Daubhauser und Rosenthaler hat in diesem Jahre ein gutes Gewicht und der Dernauer Hardtberger, sowie der Mayschosser Münchberger stehen ihnen nicht nach. Teilweise sind zwar die Burgunder Trauben noch„glöhnig“, d. h. noch nicht durchgefärbt, noch nicht tiefblau reif. Die Winzer konnten noch Sonne gebrauchen, denn mehr als um ein durchschnittliches Mitteljahr handelt es sich nicht 1929. Die Qualität kann jedoch jetzt schon als eine sehr gute bezeichnet werden. Trotz allem aber liegt ein Druck auf der gesamten Ahrwinzerschaft. Der Absatz wird geringer von Jahr zu Jahr. Die Preise werden derart gedrückt, daß die Selbstkosten kaum gedeckt werden und so liegt hier die Tatsache vor, daß die Produktion bezw. das Angebot, die Nachfrage übersteigt. Diese Nachfrage nach Ahr= bezw. Rhein=Rotwein ist aber deshalb so gering, weil dem Deutschen Publikum zunächst ausländische Weine vorgesetzt werden. Kein Mensch denkt daran, daß dadurch die Lebenshaltung der gesamten rheinisch= deutschen Ahrwinzerschaft gedrückt und die der ausländischen Firmen gehoben wird! Hier gilt es deshalb wiederum an das landsmannschaftliche Verbundenheitsgefühl der Deutschen zu appellieren. Hier heißt es der Bewohnerschaft der be setzten Gebiete, hier heißt es der Ahrwinzerschaft Kameradschaft zu halten. Und weil der Ahr=Rotspon, wie das in Bad Neuenahr fachsärztlich nachgewiesen wurde, ein hervorragender Heilfaktor für Zuckerkranke ist, weil das würzige, aus Kern und Schale der Traube herausgekelterte kräftige Aroma dieses heimischen Rotweins ihm sogar den Namen„Ahrdoktor“ eingetragen hat, deshalb ist er nicht nur Genuß= sondern auch Genesungsmittel, der in keinem deutschen Krankenhause fehlen soll. Viele haben Aßmannshausen, viele haben die Ahr im verflossenen Sommer besucht. Nur wenigen ist es beschieden eine Herbsttour zum Mosttrinken an die Ahr machen zu können. Jeder Deutsche aber, sofern er noch das Glück hat, sich eine Flasche Rotspon erlauben zu könan, damit sie sich von der Iot der letzten 11nen. kann die ganze Herrlichkeit der AhrlandJahre erbolen können. schaft in konzentriertester Form genießen. * 2 8 LSUEES 5 S SSEESSSSSSSRSAS FRAEDUPENEnggaAAR AEEEE .9/ S LEES 7 8 2. B 2 S 12 Önen GaGOESUOR BOEBGRZEEE EEg — 9 6 SE E S S 55 50 32 S E □□ SE8E SöS 3 # So#s“PSSOE Pegab 6 0 R B DHESSRA2 S#S S S 8S G5SSLSLSESBE5 392 G5BSS LM- BESEES POEE.ERS LgE. EöxE # EEEGOET r FPPSSETEELEERE SSEECSSCLE OALg #% Pgng SBSSSOESSASASSAE 30 36 1— — wenn er sich ein Edelgewächs aus den großen Tellern der Winzervereine von Dernau=Ahrweiler Wanschaß usm v.“ 99 4 beller, Rühschog usw. in seinem Gasthaus scht. Es ist dies nicht nur Freude und Gewünse nuß, sondern gleichzeitig deutscher Volksdienst an der notleidenden hart verarmenden Rheinischen Winzerschaft. Der Kampf um die Eroberung der Arktis Entdeckungsreisen in alter und neuer Zeit. — Die Unzulänglichkeit früherer Expeditionen Radio als Hilfsmittel. Von Vilhjalmur Stefansson. arktischen Expeditionen die Hunde zu töten, um andere Hunde oder Menschen mit dem Fleisch zu sättigen. Man kam noch nicht auf den Gedanken, die Seehunde, die unter dem Eise leben, zu fangen. So war es natürlich, daß sich Nansen und sein Gefährte eines Tages völlig allein auf ihrem Marsch nach Franz Josephs Land befanden. (dem weltbekannten Nordpolfahrer und Forscher). Vorbemerkung der Schriftleitung: Angesichts der Frage, ob 1930— möglichst mit Hilfe des„Graf Zeppelin“— eine neue größere Nordpolexpedition erfolgen soll, dürften nachstehende Schilderungen eines der bedeutendsten Fachmänner besonderes Interesse erwecken. Es war am 24. Mai vorigen Jahres, als Umberto Nobile mit seinen Begleitern auf dem Packeis etwa dreißig Meilen vom nächsten Lande, nämlich Spitzbergen, trieb. Als sein Radio seine verzweifelte Lage in die Welt hinaus drahtete und die Position angab, nahm man allgemein an, die Leute müßten untergehen, wenn nicht Flugzeuge oder Luftschiffe zu ihrer Rettung sich aufmachten; man drang darauf, daß auch Eisbrecher bei der Hilfsaktion in Tätigkeit traten. Und wie man es sich gedacht hatte, so trug es sich auch zu. Welch ein Unterschied zu drei anderen, äußerlich ganz ähnlichen Fällen. Am 24. Mai 1895 befand sich Fridtjof Nansen mit seinem Begleiter Frederik Johanson auf der gleichen Art Packeis, auf dem Nobile mit seinen Leuten später landete, nur war Nansen 75 Meilen statt 30 vom Festlande entfernt. Vor vielen Monaten hatten sie ihr im Pacheis eingeschlossenes Schiff verlassen. Sie waren mit dem Besten, das im Jahre 1895 aufzutreiben war, versehen. Als Nansen und Johanson das Schiff verließen, hatten sie drei Hundeschlitten. Es war mitten im Winter, und die Temperatur sank häufig bis auf 40 Grad Kälte, so daß sich die beiden in dicke Pelze hüllen mußten. Während der Nacht schliefen sie in Zelten, denn damals war es noch eine unbekannte Kunst, die warmen und behaglichen Eskimoschneehütten zu bauen. Die beiden Forscher kannten kein Mittel, die Reifoder Eisbildung zu verhüten. Dieses Versahren wurde erst später herausgefunden und so vervollkommnet, daß man heute in den Regionen des hohen Nordens stets trockene Kleidung am Leibe trägt, es sei denn, man stürzt durch eine mit Wasser gefüllte EisVon Eisscholle zu Eisscholle. Im Mai begann es wärmer zu werden, und unter den Schollen machte sich stärkere Bewegung bemerkbar, so daß sich breitere Wasserstreifen zeigten. Immer häufiger sahen sich die beiden Wanderer zu großen Umwegen an dem gleichen Tage, da Nobile 30 Meilen vom Festlande auf dem Eise niederging. Wilkins. gezwungen, um von einer Scholle zur anderen, Am 29. März 1927 flogen George Hubert Wilkins und Carl Ben Eielson in einem einmotorigen Eindecker über die Eisflächen des unerforschten Nordens von Alaska. Der Brennstoff fehlte, und die beiden mußten ebenso wie Nobile plötzlich landen. Es gelang ihnen, unversehrt den Boden zu erreichen, und sie befanden sich 80 Meilen vom Lande, eine Entfernung, welche die beiden in 13 Tagen zurücklegten. Auch diese beiden unerschrockenen Flieger kannten die Methoden, die man in zu gelangen. Mitunter mußten sie auch auf einer Scholle warten, bis sie an eine andere herantrieben, auf die sie dann hinüber springen konnten. Später wurden die Spalten Tauende Kleider. Ransen schreibt in seinem Buch„Im höchsten Norden", Band 2, Seite 145:„Sobald Johanson die Hunde besorgt hatte, breiteten wir die Schlafsäcke sorgfältig aus, schlossen den Zeltvorhang und krochen in die Säcke, um unsere Kleider aufzutauen. Das war keineswegs eine angenehme Arbeit. Während des Tages war die Ausdünstung des Körpers allmählich in den äußeren Kleidern kondensiert worden und bildete jetzt durch die Kälte eine richtige Eisrüstung. Die Kleidung war so steif, daß sie bei jedem Schritt, den wir taten, horbar klirrte. Die Aermel meines Mantels waren so hart, daßt sich tatsächlich wunde Stellen an meinen Gelenken bildeten. Eine davon an der rechten Hand bekam Frost, und ich trage noch heute die Narbe. Sobald wir des Abends in unseren Schlafsäcken lagen, begannen die Kleider aufzutauen. Wir lagen fest eingewikkelt, während unsere Zähne aufeinanderschlugen, und erst nach einer oder anderthalb Stunden wurden wir etwas wärmer, was uns ja so dringend nottat. Endlich wurden unsere Kleider feucht und weich,— nur um nach ein paar Minuten wieder steif zu frieren, wenn wir am Morgen aus den Säcken krochen. Es war nicht möglich, die Kleider jemale auf der Reise zu trocknen.“ Nansens drei Schlitten waren mit Lebensmitteln beladen, doch Hunde und Männer verzehrten viel, und so verschwand bald eine Ladung. Darauf töteten sie die Schlittenhunde und fütterten die anderen Hunde damit. In Jahre 1895 und selbst noch manches Jahr dargut hielt man es für unaowendbar, bei immer breiter, so daß die Forscher ihre Segetuchboote benutzen mußten, um von Scholle zu Scholle zu paddeln. Die beiden Männer hatten eine schwere Zeit durchzumachen. Doch blieben sie gesundheitlich auf der Höhe und waren stets frohen Muts. Am 15. August 1895 landeten sie auf dem damals gänzlich unbewohnten Franz Josephs Land. Sie verbrachten den Winter dort und gelangten dann wieder unter Menschen. Am 24. Mai 1914, also 19 Jahre nach Nansen und 14 Jahre vor Nobile, befanden sich drei Teilnehmer der dritten Stefansson Expedition, Ole Andreasen, Storke Storkerson und ich ebenfalls auf treibendem Packeis, und zwar mehr als 100 Meilen vom Lande entfernt. Mit einem Schlitten und sechs Hunden hatten wir uns zwei Monate vorher auf den Weg gemacht und eine Reise von über 700 Meilen auf dem Packeis geplant. Die Temperaturen waren die gleichen wie jene, mit denen Nansen zu kämpfen hatte, aber dank der Fortschritte von Technik und Wissenschaft konnte man mit den arktischen Verhältnissen fertig werden. Die Forscher hatten inzwischen den Bau von Schneehäusern gelernt, und diese wurden allabendlich gebaut. Gewöhnlich fror es gar nicht in unserem Hause, wenn auch draußen eine Kälte von 40 Grad herrschte. Wir hatten außerdem von den Eskimos gelernt, das Auftauen von Reif in unseren Kleidern zu vermeiden, und so waren wir stets trocken, ob wir nun marschierten oder schliefen. Auch töteten wir unsere Hunde nicht, denn wir wußten, daß es Seehunde fast überall unter dem Eise gab, und wir kannten die Methode, sie zu finden. Stets hatten wir reichlich Fleisch, mager und fett, für Menschen und Hunde, und außerdem noch Seehundsfett, um im Schneehaus ein Feuer anzuzünden und Licht zu machen. Tauwetter. Doch wie bei Nansen, nahmen auch unsere Schwierigkeiten bei Beginn des Sommers zu. Mit dem 24. Mai wurde es zu warm für Schneehäuser, und wir errichteten Zelte. Später begann es zu regnen, und Tauwasser bildete sich auf dem Eise. Manchmal wateten wir bis an die Hüften in diesem Wasser. Die Risse zwischen den Schollen wurden häufiger und weiter. Einmal mußten wir vor einer zehn Meilen breiten, offenen Stelle Halt machen und wurden elf Tage dadurch aufgehalten. In dieser Zeit schwamm unsere Eisscholle 90 Meilen zurück. Das bedeutete eher Verlängerung der Reise und Vermehrung der Gefahren. Da wir die Methoden kannten, die man bei der Jagd anwenden mußte, so hätten wir den Sommer auf dem Eise verbringen können, um dann, sobald die Kälte einsetzte und das Wasser gefrieren ließ, den Weg fortzusetzen. Aber das war nicht nötig, und so erreichten wir am 26. Juli Land, zusammen mit unseren Hunden, die wie gemästete Ferkel aussahen. Am 24. Mai 1918 befanden sich fünf Leute meiner Expedition unter Führung Stoker Storkersons 200 Meilen vom Lande entfernt auf Treibeis. Dieser Fall war insofern etwas anders, als sie keine Eile zur Rückkehr hatten Sie wollten acht Monate auf dem Eise verbringen, um sich treiben zu lassen und dabei die Liefenverhältnisse durch Schallmessungen während der Fahrt festzustellen. Die Eisscholle, auf der die Männer hausten, hatte einen Durchmesser von fünf Meilen und trug sie während sechs Monaten über 450 Meilen. Als dann im Oktober die Spalten und Risse zufroren, machten sich die Fünf nach dem Festlande auf, und nachdem sie etwa 300 Meilen von Scholle zu Scholle gezogen waren, landeten sie im November in Alaska. Die Küste war bewohnt. In den drei Fällen hatten sich die Reisenden 75, 100 und 200 Meilen vom Lande entfernt defunden und zwar hohem Norden zur Selbsterhaltung anzuwenden hatte Sie schliefen bequem in den Schneehütten. Die Schlitten verfertigten sie aus den zerbrochenen Teilen des Flugzeuges. Nicht immer hatten sie Glück, denn Wilkins stürzte zweimal in eine Spalte und wurde völlig durchnäßt, aber er wußte, wie er die Kleidung trocknen konnte. Noch in anderer Beziehung ähnelt der Fall Wilkins dem Nobiles. Wilkins führte einen Sender mit sich und gab seine Position an, aber es war niemand an der Küste Alaskas, der Hilfe hätte bringen können. Außerdem hatte Wilkins Befehl gegeben, keine Rettungs=Expeditionen zu unternehmen, da er glaubte, im Notfalle marschieren zu können, bis er das Land erreichte. Nobile hat das nicht getan. Beide Landungen waren Notlandungen, und beide Male konnten aus den Trümmern der Flugzeuge brauchbare Gegenstände hergestellt werden. Beide Parteien wußten, wie weit sie vom Lande entfernt waren. Wilkins durch mathematische Berechnungen und Nobile außerdem noch durch den Augenschein, denn er befand sich so nahe am Lande, daß er es sehen konnte. Der größte Unterschied aber liegt in einer Tatsache, die nie erwähnt wurde, nämlich in uns selbst. Wie leben in der Aera des Rundfunks und des Flugzeuges. Nansen kannte kein Radio, als er auszog. Er war entschlossen, sich nur auf sich selbst zu verlassen, und wir erwarteten auf seiner Seite Klugheit und Vorbedacht. Das gleiche trifft auf die anderen Expeditionen zu, einschließlich Wilkins, der einen Radiosender besaß. Aber dieser Forscher gehörte zur alten Schule und vertraute allein auf seine Tüchtigkeit. Und so marschierte er 80 Meilen über die Eisschollen. Mit Nobile war es etwas anderes. Einige unter der Mannschaft glaubten wohl, sie müßten nach der Notlandung marschieren und Land erreichen und die Kranken dabei mittragen. Die Mehrzahl aber war der Ansicht, sie müßten alle auf der Scholle bleiben und ihr Vertrauen auf den Radioapparat setzen. Und diese Ansicht wurde von der Welt im großen und ganzen geteilt. Und so begann das Suchen, und die Hilfsexpeditionen setzten ein. Das war das Zeichen der Zeit. Als wir hörten, daß Nobile Kranke bei sich habe, waren wir nur von dem Gedanken beseelt, sofort zu helfen. Im Jahre 1928 schien es uns ganz einleuchtend, daß Nobile keinen Marsch beginnen konnte, weil einer seiner Leute ein gebrochenes Bein hatte. Wir wollen damit nur andeuten, daß jene alten Zeiten des Selbstvertrauens, der Selbsthilfe bei arktischen Expeditionen sich in eine Zeit der Notsionale und Notrufe gewandelt haben, wo es Rettungsexpeditionen in Fülle gibt, und dies ist in erster Linie das Ergebnis unserer technischen „Eroberungen“ der Luft und des Aethers durch Flugzeug und Rundfunk. —fe.Familienleben im modernen China Die chinesische Auffassung von der Ehe.— Gleichberechtigung der Geschlechter im Fernen Osten. Von Dr. Schang Ling Fu (bekannte Autorität in Fragen des chinesischen Volkslebens). Innerhalb der chinesischen Gesellschaft bildet die Familie die Einheit. Seit undenklichen Zeiten war es nicht anders. Heute aber muß die soziale Ordnung eine Wandlung durchmachen, und die Familie steht am Scheidewege. Es entstehen Verwirrungen und Konflikte. Natürlich aber muß die Familie auch die Brundlage des sozialen Wiederaufbaues sein, denn sie ist alt und stark genug, um das Gute in unseren Einrichtungen zu bewahren, und elastisch genug. 1— um sich den Forderungen der modernen Gesellschaft anzupassen. Unser soziales System ist auf den Kovf gestellt worden, weil es nicht fähig ist, mit den Veränderungen der Lebensbedingungen und mit dem Konflikt zwischen Familienkommunismus und modernem Kapitalismus Schritt zu halten. Der Puls des öffentlichen Moralgefühls hat zu schlagen aufgehört. Politische Wissenschaftler versuchen umsonst, eine wahre Demokratie aufzubauen; politische Wirtschaftler aus der Schule Karl Marxs haben es versäumt, die Wichtigkeit chinesischen Familienlebens gebührend einzuschätzen. Keine soziale Reform aber wird gelingen, wenn sie nicht von der Einheit innerhalb der chinesischen Gesellschaftsordnung ausgeht, eben von der Familie. Das chinesische Familienleben wird mehr oder weniger durch die jüngere buddhistische Religion beeinflußt. Der Konfuzianismus ist nur eine Art ethischer Lehre, um den Menschen zu bessern, doch nicht eine Religion an sich. Deshalb besteht eine aus der menschlichen Natur heraus verständliche Sehnsucht nach etwas Höherem, und diese erklärt, warum der Buddhismus in China Eingang fand. er hat die öffentliche Meinung umgestaltet und zur Befreiung der Frau beigetragen. Wir besitzen manches Denkmal, das Frauen geweiht ist, die den höchtten Grad der Keuichheit bewahrten. Zuweilen schrieb sogar der Sohn des Himmels mit eigener Hand ihnen zu Ehren eine Widmung, die in den Sockel eingemeißelt wurde. Diese Denkmäler sino derartig zahlreich, daß sie, eines an das andere gereiht, eine Linie ergeben würden, so lang wie die Große Mauer. Heute sind die Ideen der jungen Frauen, der Jünglinge und der Mädchen durch das soziale Evangelium der Liebe und durch die Vorstellungen von der neuen„Psychologie der Geschlechter“ beeinflußt. Wir müssen nach Möglichkeit danach streben, das Gute an unserem alten Familienleben zu bewahren. Die veralteten Ansichten sollen natürlich fallen, aber wir brauchen eine gewissenhafte Kontrolle und Führung und eine Reihe neuer Ideale, um die alten zu ersetzen. Die Einführung der Lichtspielhäuser und ähnliche Dinge haben das Volk manches dumme Zeug gelehrt. Wir machen den Weißen darum keinen Vorwurf, aber wir wollen mit ihnen arbeiten, um neue Werte zu finden. China ist ein Ackerbauland, und das ganze System der Familie beruht auf der Landwirtschaft. Deshalb mußte mit der Veräiderung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch die Organisation der Familie zusammenbrechen. Im landwirtschaftlichen Beruf leben die Männer, die zusammen arbeiten, meistens auch gemeinsam unter einem Dache. Oft sind auch ihre Eltern bei ihnen, und manchmal hausen vier oder fünf Generationen zusammen. Sie sind an die Scholle gebunden, und so entstand das große chinesische Familiensystem. Der Boden ist für die Bauern ihre Welt und macht sie friedsam. Anders aber, sobald diese Leute mit der Industrie in Berührung kominen, alles reißt sie dann von der Familie fort. Imme hin sind aber auch heute noch drei Viertel der chinesischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Das alte, umständliche Ernteverfahren wird noch heute befolgt, und meistens arbeiten mehrere Familien zusammen, ohne sich Diensthoten zu halten. Die Familie teilt sich je nach dem Geschlecht in die gesamte Arbeit. Aber es wäre zu wünschen, daß die chinesischen Bauern von der Plackerei ihres heutigen Alltagslevens befreit würden, und augenblicklich bemüht sich die Regierung, ein Genossenschaftswesen nach dänischem Vorbild zu schaffen, um der Landbe#ölnerung das Leben zu erleichtern. Während die Frauen gewöhnlich im Hause arbeiten, sind die Männer auf dem Felde beschäftigt. Aber manchmal müssen auch jene Männerarbeit verrichten, und im gewöhnlichen Volk herrscht völlige Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Nur die alte Ar'stokratie und das Feudalwesen schufen eine Ungleichheit. Aber auch dann lebten noch bei drei Vierteln der Bevölkerung Mann und Frau als Gleichberechtigte. Natürlich spielte bei diesem patriacchalischen System der älteste Junge als Stammhalter eine große Rolle. Tochter heirateten immer aus dem Hause und galten deshalb nicht viel innerhalb der Familie. Jetzt aber werden Knaben und Mädchen gleich behandelt. Statistischen Ermittlungen zufolge erreichte der Durchschnittschinese ein Alter von siebzig Jahren. Ich habe kürzlich eine kleine Arbeit über diese Frage veröffentlicht, in der ich nachwies, daß die Chinesen wirklich ein gesundes Leben zu führen verstanden. Fast jeder Angehörige des Mittelstandes besitzt seinen Garten, der ein friedliches und anmutiges Plätzchen ist. und jeder bemüht sich, sein Heim so schön wie möglich zu gestalten. Das wirtschaftliche Leben der Familie beruht auf dem Gemeinschaftsprinzip. Jeder steuert sein Einkommen zur gemeinsamen Kasse bei. Dafür erhält jeder einen Anteil nach Maßgabe dessen, was er 1 füür braucht. Es gibt kein Familienmitglied, das nicht gesorgt würde. Zur psychologischen Erscheinung des Familien= lebens gehört die Schaffung eines Zustandes des Friedens, der Ordnung, des Glücks und der Harmonie, weil sich jeder dem Gebot des Anstandes unterordnet. Letzteres regelt das Verhältnis der Geschlechter untereinander derartig gut, daß es einen ganz instinktiven Ehrenkodex schafft und alle anormalen Bestrebungen auf natürlichem Wege unterdrückt. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn wird immer durch väterliche Liebe auf der einen, durch kindliyen Respekt und herzliche Verehrung auf der anderen Seite bestimmt. Wenn auch Ausnahmefälle vorkommen mögen, so yerrscht doch zwischen allen Familienmitgliedern Achtung und Liebe, ein Mittelding zwichen Vernunft und Zuneigung. Küsse und Umarmungen als Ausdruck der Liebe sind unbekannt. Beides kann hin und wieder zwischen einer Mutter und ihrem Kinde beobachtet werden, aber nicht, wenn letzteres mehr als vier oder fünf Jahre alt ist. Ich bin der Ansicht, daß sich die Liebe bei uns in China eben zu einer höheren Stufe aufgeschwungen hat, wo sie auf alle diese kindlichen Gefühlsäußerungen verzichten kann. Bemerkenswert ist das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Wenn auch die Heirat meistens von den betreffenden Familien vereinbart wird, und das junge Paar selbst einander vor der Hochzeit gar nicht kennt, so lieben sich die Gatten doch mehr, als dies bei modernen Ehen der Fall zu sein pflegt. Sie wersen jung verheiratet und haben an der Familie noch die richtige Leitung. Sie wachsen eben als Junge und Mädchen zusammen auf, um Mann und Frau zu werden. Sicherlich kommt es vor, da sich die Gatten nicht verstehen. Im großen und ganzen aber sind diese Ehen erstaunlich glücklich. Das religiöse Leben der Familie gipfelt im Ahnenkult. Er ist die einzige Inspiration innerhalb der Familie. Die Achtung vor dem Alter, der Stolz auf eine lange Ahnenreihe, auf den Ruhm des Gründers der Familie finden ihren Ausdruck in einer Verehrung der Vorväter, die dem Westen fremd ist. Das Wort„Ren“ oder„Jen“ für menschliches Verständnis bezeichnet die ethische Seite des chinesischen Familienlebens. Den Beziehungen der Menschen untereinander liegen die drei Hauptprinzipien von Himmel, Erde und Mensch zugrunde, ebenso die fünf unveränderli hen Tugenden, die da vorschreiben: Der Vater muß gütig sein, der Sohn kindlich, der ältere Bruder freundlich, der jüngere ehrfurchtsvoll, der Gatte gütig. die Frau treu, die Freunde ehrlich, und Herrscher und Untertagen sollen in Eintracht leben. Irrtum hat die Diktatur der Mode ungeheuerliche Verwüstungen unter zahlreichen Säugetiergattungen hervorgerufen und jedem mit Empfinden für die Tierwelt begabten Menschen wird die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn er sich vergegenwärtigt, daß zur Befriedigung menschlicher Eitelkeiten— und nur zu diesem Zweck— Tierarten ausgerottet sind, auf die die Naturvölker der Gegenden, in denen diese Tiere lebten, auf Gedeih und Verderb angewiesen waren. 12.— Vernichtete Tierwelt Ueber den Grad, den die Ausrottung wilder Säugetiere in Afrika und Asien erreicht hat und über die Folgen, die unter Umständen solch organisierter Massenmord haben kann, berichtet der durch seine Tierschilderungen bekannte englische Schriftsteller Massingham in einer englischen Zeitschrift. Danach ist die größte Zahl wichtiger afrikanischer Säugetiere ganzlich oder nahezu völlig ausgerottet.„In Afrika“— so schreibt Massingham—„haben der Häutehändler, der Elfenbeinjäger, der Tierhändler, der ruchlose Großwild=Jäger, der Siedler und der mit Blindheit geschlagene Tsetsefliegen=Spezialist gründliche Arbeit verrichtet. Die Gesellschaft für die Erhaltung der Fauna des Britischen Reiches berichtet, daß von den großen Elefantenherden, die einst im Hochland des Addo in südafrika umherstreiften, nur dreißig bis vierzig Tiere übrig geblieben sind. Die Nachfrage nach Zebra=Leder bewirkte, daß in sehr kurzer Zeit in einem kleinen Distrikt 12000 Zebras getötet wurden. Als noch die Ansicht vorherrsch= te, daß den von Tsetsefliegen angerichteten Verwüstungen nur durch ausgedehnte Treibjagden auf alle großen Säugetiere Einhalt geian werden könnte, wurden unglaubliche Gemetzel unter den letzteren angerichtet, welche an die großen Bisongemetzel bei der Erschließung der amerikanischen Ebenen erinnern. Man entdeckte dann, daß die am schlimmsten infizierten Regionen die waren, die am wenigsten Wild aufwiesen, während in Tangansika die Massenausrottung von Wild bewirkte, daß„die Fliege Wie man Millionär wird Vom Fischer zum Salpeterkönig.— Vielfacher Millionär, aber Analphabet.— Der Filmkönig von Südamerika. Von Hans Ernst Gehrke. Die Anziehungskraft, welche die Vereinigten Staaten lange Jahre hindurch auf die europäischen Auswandererscharen ausübten, beruhte zum nicht geringen Teil auf der Vorstellung, daß es dort jedem, wenn nicht gerade leicht, so doch bei einigem Glück möglich sei, sich binnen kurzem vom Stiefelputzer oder Zeitungsjungen zum Millionär emporzuarbeiten. Unzählige Beispiele für derartige Fälle wurden aus dem„Lande der unbegrenzten Möglichkeiten“ in der Alten Welt erzählt und geglaubt. Aber nicht nur die U. S. A. boten diese Möglichkeiten; auch Südamerika, die „aufsteigende Welt“, kennt zahlreiche Fälle, in denen es mittellos angekommene Einwanderer zu Riesenvermögen gebracht haben. Von der trockenen und warmen Felsenküste Dalmatiens wanderten früher viele ihrer Bewohner, die ihre Heimat nicht ernähren konnte, nach Chile aus, um in den dortigen Salpeterbrüchen ein kümmerliches Brot zu verdienen. Unter ihnen befand sich auch ein armer Fischersohn aus Ragusa, dem es gelang, von seinem ersparten Loyn selbst einen kleinen Salpeterhandel anzufangen. Bald dehnte sich dank seiner Umsicht und Tatkraft das Geschäft so aus, daß der ehemalige Fischer schnell eine führende Rolle im Salpeterhandel spielen konnte. Heute beherrscht er als„Salpeterkönig“ Don Pascal Baburizza den Markt fast unbeschränkt und verfügt über ungezählte Millionen. Ebenfalls aus Dalmatien, aus der Gegend von Fiume, stammte Don Nicolas Mihanovic. der barfuß nach Buenos Aires kam und später eine der größten südamerikanischen Schifffahrtsgesellschaft besaß. Mihanovic begann seine Laufbahn damit, daß er die Reisenden der einlausenden Schiffe in einem Boote an Land setzte, denn ein regelrechter Hafen mit Landungsstegen und Kais war damals, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, in der argentinischen Hauptstadt noch unbekannt. Zunachst mußte Mihanovic sich für seinen„Betrieb“ ein Boot mieten, wurde dann dessen Eigentümer und baute das Unternehmer so aus, daß er schon nach kurzer Zeit mehrere andere Boote mit den entsprechenden Hilfskräften in Dienst stellen konnte. Nicht lange währte es, bis der tatkräftige Dalmatiner über eine ganze Flotte von Booten und Leichtern verfügte und so den Grundstock zu einem Vermögen legte. Als dann der Hafen ausgebaut wurde und die Ueberseedampfer unmittelbar am Lande anlegen konnte, war das Mihanovic'sche Unternehmen dem Untergange geweiht. Doch sein Inhaber erkannte rechtzeitig den Umschwung der Dinge und richtete jetzt einen Flußdampferdienst auf den großen Flüssen, zunachst auf dem La Klata, dann auch auf dem Parans und Uruguay ein. Binnen kurzem hatte er hier sich eine Monopolstellung verschafft, das Unternehmen dehnte sich immer mehr aus, und man nahm auch den Seedampferverkehr, z. B. nach Patagonien, auf. Heute besteht die Flotte der „Argentinischen Dampfschiffahrtsgesellschaft(Nicolas Mihanovac) A. G.“ aus 284 Fahrzeugen, darunter befinden sich die prächtigsten Schiffe der argentinischen Handelsmarine. Dabei war ihr unlängst verstorbener Besitzer Zeit seines Lebens Analphabet, der gerade mit Mühe seinen Namen schreiben konnte. Auch einige unserer Landsleute haben er in Südamerika aus kleinen Anfängen zu großem Reichtum gebracht. So u. a. Franz Schmidt, der als völlig mittelloser Landarbeiter begann, aber dank seinem Fleiße und seiner Sparsamkeit bald sich ein kleines Grundstück kaufen konnte, auf dem er Kaffee zu bauen begann. Gerade in diese Zeit fiel der riesenhafte Aufschwung der Kaffeekultur im Staate Sao Paulo. Schmidt kaufte immer mehr Ländereien zu den bereits erworbenen hinzu und gründete eine Kaffeepflanzung nach der anderen. Schließlich gehörte dem Obersten Franz sich dem Menschen zuwandte“. Neben diesem Schmidt— Oberst wird in Brasilien jeder,