ichschnittlich je fünfzehn Kesseln besaß,
er heute drei. Das Zentrum der Balkansenindustrie ist Sparta in Anatolien, aber ich die bulgarischen, jugoslawischen und mazednischen Anlagen sind nicht unbeträchtlich. Die östlichen Völker, denen die Wohlgeiche etwas Klassisch=Unverrückbares bedeuten, önnen die westliche Einstellung nicht versteen, die ihnen unmöglich scheinende Modeparüms, wie etwa neuerdings den Geruch des Juchtenleders oder das Aroma von Früchten für die Parfümindustrie verwendet. Für sie ist der Wohlgeruch enie geradezu geheiligte Wissenschaft, und sie sind der Ansicht, daß jeder Mensch nur einen einzigen, zu ihm passenden Blumenextrakt benützen sollte.
Kürzlich starb in Teheran der im ganzen Orient bekannte Parfümsachverständige Dschafar Aaga, der von einer Reihe östlicher Fürsten und Magnaten berufen worden war, um für deren Frauen die zu ihnen passenden Essenzen zu bereiten. Ehe Dschafar Aaga eine derartige Aufgabe, die ihm mit einer heiligen Handlung gleichbedeutend war, durchführte, studierte er das Wesen, die Charaktermerkmale und die sonstigen Eigenschaften der betreffen
Frau auf das genaueste. Der Geruchskünstler war um keinen Preis zu bewegen, das Rezept des Parfüms, das er irgendeiner Frau zusammengestellt hatte, zu verraten. Er bereitete es ihr zu, nahm sein nicht unbeträchtliches Honorar in Empfang und reiste ab. Interessant ist es, daß Dschafar Aaga wiederholt aufgefordert worden war, die Lieblingsbücher, in einem Falle auch die ganze Bibliothek eines Fürsten zu parfümieren. Er vertrat die Ansicht, daß ebenso wie ein jeder Mensch auch ein jedes Buch sein charakteristisches Parfüm haben müsse und arbeitete in diesem Sinne geradezu mit Begeisterung. Es gibt tatsächlich im Oriente eine ganze Anzahl Bücher, die sich aber leider im Privatbesitz befinden, und die sozusagen sachverständig und individuell mit einem Wohlgeruch, den es nur einmal in der Welt gibt, durchtränkt sind.
Um diese seelische Einstellung zu verstehen, muß man sich die Bedürfnisse bezw. die Bedürfnislosigkeit des Orientaln vergegenwärtigen. Er verlangt im Hinblick auf unsere Kultur eigentlich nur wenig, die Gegenstände und Dinge, auf welche seine Luxusgelüste sich erstrecken, sind an unseren Bedürfnissen gemessen gering. Daher kommt es, daß er für die wenigen Dinge, die er mit Luxus ausgestalten möchte, im Verhältnis ungleich mehr verwendet. als wir es imstande sind und daß die Fabrikation des orientalischen Parfüms nicht auf Sparsamkeit, sonder ganz im Gegenteil auf die Verschwendung im allergrößten Maßstabe aufgebaut ist. Im Orient, wo es ja überhaupt nur großen Reichtum einerseits und grenzenlose Armut andererseits gibt, wo man das Parfüm also nur für die Reichen herstellt, kann bei der Herstellung verschwenderisch vorgegangen werden. Bedenkt man ferner, daß der Grund und Boden dort verhältnismäßig weniger ist, daß die Arbeitskräfte, die zur Bestellung der Rosen= und sonstigen Blumengärten erforderlich sind— ein Rosengarten muß beispielsweise dreimal jährlich umgegraben werden— so gut wie nichts kosten, daß in den Betrieben nicht, wie das bei uns der Fall ist, Ingenieure und hochqualifizierte Kräfte, sondern zwar erfahrene, aber durchaus ungebildete Rezeptmischer angestellt sind, so wird man leicht einsehen, welcher Unterschied zwischen der europäischen Massen= und der orientalischen Individualparfümerie besteht. Trotzdem hat sich das Weltbild des Mittelalters, wo die deutschen und französischen Kreuzritter von dem im Oriente herrschenden Prunke geradezu überwältigt haben, ins Gegenteil verkehrt. Heute erscheint uns der Osten mit Recht arm. Das Parfüm gehört dort zu den Luxusartikeln, die nur Wenigen erreichbar sind.
Anita.
Wozu ein kußechter Lippenstift gut ist
Die amerikanische Herrenwelt selbst macht Sch oft über den fleißigen Gebrauch PHamen zn stiftes lustig, dem der Großteil der den Vereinigten Staaten die blühenden schenlippen verdankt. Und doch wäre kürzlich eine große Sportsveranstaltung der Stadt Milwaukee jämmerlich ins Wasser gefallen, hätte nicht ein Lippenstift die Rettung gebracht Der städtische Gesundheitsdienst hatte einen Wettbewerb für rund vierzig während der Sommermonate zu besetzende Posten als„Lebensretter" am Badestrand der Stadt ausgeschrieben. Um den Preisrichtern und dem massenhalt erschienenen Publikum eine genaue
Kontrolle der Bewerber zu ermöglichen, war jedem von diesen eine Nummer auf die Rückseite des Badeanzuges geheftet worden. Diese Maßnahme erwies sich aber als ungenügend und das Rennen mußte abgeblasen werden, weil es sich herausstellte, daß die von der Stadt gelieferte Farbe bei der ersten Berührung mit dem Wasser verschwand, so daß jede Unterscheidung der Bewerber unmöglich wurde. Guter Rat war teuer, weil die Turnierleitung keine anderen Erkennungszeichen besaß. Eine der Zuschauerinnen, Schreibmaschinendame im Rathaus, hörte von der Not der Veranstalter und wandte sich hilfsbereit an den Leiter des Gesundheitsamtes:„Ich stelle Ihnen meinen Lippenstift zur Verfügung.“—„Ihren Lippenstift? Was sollen wir damit?“—„Den Bewerbern Nummern auf den Rücken malen!"— „Großartiger Spaß! Aber das nützt auch nichts, denn die Lippenstiftfarbe wird dem Wasser ebenfalls nicht standhalten.“—„Sie irren. Mein Lippenstift ist kußecht, und auch das Wasser kann ihm nichts schaden.“ Und zum Beweis ihrer Behauptung malte die junge Dame dem nächsten Bewerber eine Nummer auf den Rücken:„Bitte, springen sie ins Wasser.“ Das Experiment war ein großer Erfolg für die Hilfsbereite, denn der Lippenstift hielt dem Wasser stand. In aller Eile bekamen nun auch die anderen Schwimmer ihre Nummer auf den Rücken gemalt, und die weitleuchtenden roten Zeichen hielten während des ganzen Rennens aus. Die Veranstalter dankten der jungen Dame herzlich für die Hilfe in der Not. Einer von ihnen konnte sich aber die vorwitzige Frage nicht verkneifen:„Woher wußten Sie denn, daß Ihr Lippenstift kußecht ist?“ Die junge Dame strafte seine Neugier mit einem empörten Blick und beantwortete die vorlaute Frage nur mit eisigem Schweigen.
sman nicht achtlos rasch in den Korb, nimmt es in der Reihenfolge ab, wie es gerollt werden soll, wobei man es möglichst glatt legt. Dann nimmt das Legen wenig Zeit in Anspruch Große Stücke legt man nicht zu oft zusammen, da sie sonst zu schlecht gerollt werden. Gewöhnlich muß die Wäsche leicht eingesprengt werden, ehe man sie rollt. Zu naß darf sie keinesfalls sein, weil sie dann kraus wird. Kann man sie im Freien bei etwas feuchterer Luft trocknen, so haftet dem einzelnen Faden noch soviel Feuchtigkeit an, daß man vom Einsprengen absehen kann. Beim Auflegen nimmt man immer gleichartige Stücke miteinander und läßt sich nicht über das Rolltuch stehen, da die Ränder dann nicht mit glatt werden. Beim Legen muß schon richtig sortiert sein. besten arbeitet die elektrische Rolle. Der ae ringe Mehraufwand von Geld macht sich b zahlt durch Ersparnis von Kraft und Zeit
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Wäsche im Hause
Trocknen und Rollen.
Hat man die Wäsche über Nacht im Spülwasser liegen lassen, so geht man andern Tages mit frsichen Kräften an die Arbeit. Die etwa noch anhaftende Seife ist gut gelöst und wird nun in reichlichem Maße gut ausgeschwenkt. Dem letzten Spülwasser wird Waschblau zugesetzt. Damit nun die Wäsche nicht verblaut wird, zieht man eni altes Stück durch das Wasser. Um keine Flecken zu bekommen, muß das Blau gut aufgelöst werden. Praktischer als die Blaubeutelchen, die doch manchmal ein Körnchen durchlassen, ist die Verwendung von Blaupapier. Man reißt von den Blättchen mit trockener Hand ein Stück ab nud wirft es ins Wasser, kein Körnchen, kein Fleck an der Hand bleibt zurück, man erhält einwandfreies Blauwasser. Wer über einen Bleichplatz verfügt, sollte sich auf keinen Fall die Mühe des Bleichens verdrießen lassen. Es bedeutet ja eine Mehrarbeit, aber auch die besten Waschmittel und die sorgsamste Pflege können der Wäsche die schneeige Weiße auf die Dauer nicht erhalten, die Luft und Sonne ihr verleihen, ganz abgesehen von den Vorteilen, die das Bleichen und Trocknen im Freien in hygienischer Beziehung bietet.
Eine alte Erfahrung lehrt, daß neue Sachen länger sauber und frisch bleiben als gewaschene Das kommt daher, daß sie gesteift sind, Appretur haben. Die Hausfrau verleiht den Spitzen, Gardinen, Schürzen und dergl. nach dem Waschen eine neue Appretur. Gewöhnlich benutzt sie dazu Stärke. Das geht bei einfachen Sachen sehr gut. Aber feine Spitzen, zarte Gardinen, Seide und bunte Kleider werden glänzend von der Stärke. Sie werden mit Gelatinewasser gesteift, und sind danach wie neu. Wie stark die Mischung sein muß, das lehrt die Erfahrung. Zwei Blatt Gelatine, warm aufgelöst, mit Wasser verdünnt, verleihen eine ganz leichte Steife, wie sie unserm heutigen Geschmack entspricht. Wer die Möglichkeit hat, hängt die Wäsche zum Trocknen im Freien auf. Wer im geschlossenen Raum trocknen muß, läßt wenigstens recht viel Luft herein. Es ist nicht gleich, wie aufgehängt wird.„Gut gehängt ist halb gelegt.“ Gleichartiges wird zusammengehängt, alle Ränder und Säume sorgfältig ausgestrichen. Dadurch spart man viel Arbeit beim Legen. Leibwäsche wird an den Nähten angeklammert. Gardinen hängt man nie der Breite nach auf. Muß man es dennoch tun, so schiebt man sie kraus zusammen, denn sonst werden die Ränder verzogen, und man muß sie von neuem anfeuchten, will man sie geraderecken Am besten ist die Hausfrau daran. die ihre Gardinen gleich auf den Spanner bringen kann. Beim Abnehmen legt man die Wäsche, die nicht gerollt wird, gleich besonders. Das übrige wirst
Hausarzt
Kinder dürfen nicht zu viel Salz zu sich nehmen! Man hat die Beobachtung gemacht, daß nicht nur bei kranken Kindern durch das Salz Wasseransammlungen in den Geweben hervorgerufen werden können, sondern auch bei gesunden. Diese Anschwellungen schwinden jedoch bei kochsalzarmer Diät. Die Eltern müssen daher darauf achten, den Kindern, auch wenn sie gesund sind, nicht zu viel Salz zu verabreichen.
Wieviel Nahrung darf ein Säugling bekommen? Ein berühmter Professor der Kinderheilkunde stellt als wichtigsten Satz seiner Lehre auf, daß das Minimum an Ernährung, bei dem der Säugling ein ungestörtes Gedeihen zeigt, das richtige Kostmaß für ihn ist. Dieser Satz kann gar nicht genug beherzigt werden. Die Sprechstunden der Kinderärzte sind überfüllt mit Kindern, die entweder aufgeschwemmt und unförmig dick aussehen, während die Knochen noch erschreckend dünn sind, oder die mit häßlichem Ausschlag bedeckt sind, dem sogenannten„Malchschirf". Ein Kind darf nicht jedesmal, wenn es schreit, Nahrung bekommen, sondern nicht mehr als in den beiden ersten Monaten 6, im dritten Monat 5 Mahlzeiten. Nie darf ein Kind zur Nahrungsaufnahme aus dem Schlafe geweckt werden.
Küche und Keller
Die besten Speisepilze sind diejenigen, welche ihren Hut noch geschlossen oder noch nicht ganz ausgebreitet haben. Beim Zerschneiden bleiben die Pilze gewöhnlich weiß, einige jedoch, wie Ziegenpilz, Sandpilz und Kapuziner laufen häufig bläulich oder grau an; hierdurch darf man sich nicht beirren lassen, sie sind dessen ungeachtet genießbar.
Pfahlmuscheln kann man als Zwischengericht geben. Will man Muscheln kochen, so tut man dies in kochendem Wasser. Diesem setzt man von vornherein etwas geschnittene Zwiebel, Salz und Pfeffer zu. Die Muscheln müssen vorher gründlich in kaltem Wasser gewaschen werden.
Sardellensauce, die sehr gut zu gekochtem Fisch schmeckt, bereitet man folgendermaßen: In 80 Gramm Butter schwitzt man zwei Eßlöffel voll Mehl, gibt eine kleine seingehackte Zwiebel, einen Teelöffel gehackter Petersilie und 6 bis 8 gehackte, gut gereinigte Sardellen hinzu. Alsdann füllt man soviel Wasser hinzu, bis eine glatte Sauce entsteht, die nach kurzem Kochen durchgesiebt und mit einer Obertasse saurer Sahne vermischt wird.
Wenn der Gurkensalat bitter ist. Oft kommt es vor, daß der Gurkensalat trotz Aussehens und bester Beigaben bitter schmeckt. Das liegt dann jedesmal daran, daß die Gurke nicht richtig geschält worden ist. Auch ist darauf zu achten, daß die Hauptstelle der Bitterkeit bei der Gurke an der Spitze der Frucht
Fängt man nun beim Schälen an dieser Stelle an, so heftet sich der bittere Geschmack an den Stahl des Messers und überträgt sich auf die ganze Gurke Es ist daher ratsam. die Spitze überhaupt abzuschneiden und sich dabei eines besonderen Messers zu bedienen.
Zur Aufbewahrung von Oel verwende man stets nur saubere Flaschen, halte das vorrätige Oel gut verschlossen am temverierten Platz, Setzt sich durch Wärme oder Kälte etwas Oel an der Innenwand der Flasche an, so reinigt man vor dem Neufüllen die Flasche gründlich oder nehme besser eine neue Flasche.
Druck und Verlag: Dr. C. Santz, Altena. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena.
Praderr
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Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung
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r. 25
Segen und Gefahren der Hausarbeit für den weiblichen Organismus
Es ist durchaus nicht gleichgültig für den nenschlichen Organismus und vor allem nicht für den weiblichen, welcher Berufstätigkeit er interworfen ist. Sehr oft wirkt sich diese Täigkeit zum Vorteil oder umgekehrt zum Schaden des Betreffenden aus, der sie zu leisten hat. Denken wir einmal an die sprichwortlich gewordene sitzende Lebensweise vieler Büroangestellter, von der die Aerzte ein Lied zu singen wissen, oder denken wir an das dauernde Stehenmüssen der Verkäuferinnen! Unsere fortschrittliche Zeit, die gerade im Hinblick auf das Gesundheitswesen reformierend wirken will, sinnt auch hier auf Verbesserungen, um Abhilfe zu schaffen.
Wie ist es nun um den Beruf der Hausfrau bestellt? Gehört die Hausarbeit als solche zu den gesundheitfördernden oder den gesundheitschädigenden
Wohl alle Aerzte sind sich darin einig, daß Frauen(vorausgesetzt, daß sie gesund sind), die selbst ihre Hausarbeit verrichten, im allgemeinen gesünder sind, als jene, die sich dazu eine Hilfe halten können. Freilich muß in Betracht gezogen werden, daß letztere heurzutage wohl ausnahmslos sich mehr oder weniger dem Sport widmen, so daß also der Mangel an Bewegung auch für sie hiermit aufgehoben ist.
Bewegung! Das ist einer der wichtigsten Faktoren, den die ärztliche Wissenschaft stets als heilbringend für den menschlichen Körper erkannt hat. Und wenn wir die Hausarbeit analysieren wollten, so werden wir zugeben müssen, daß sie tätsächlich sehr viel von dem ent hält, was wir im sportlichen Leben als Einzelübung systematisch betreiben. Vom täglichen Aufwischen bis zum Fensterputzen— alle Organe, alle Muskeln arbeiten, werden gewissermaßen auch hier trainiert. Nur daß es uns bei der Hausarbeit so nicht zum Bewußtsein kommt!
Aber wie beim Sport, so auch hier: durch verkehrtes Training kann unendlich viel geschadet werden. Jede Frau weiß heute, daß sie, um nur einige Beispiele herauszugreifen, sich nicht soundso viele Male am Tage etwa mit falscher Körpergewichtsverteilung bücken darf, wenn anders sie ihre Unterleibsorgane nicht einer Gefährdung aussetzen will; daß sie nicht übermäßig hochlangen darf aus demselben Grunde usw.
Es wird heute auch wenige Hausfrauen geben, die zeitraubende Küchenarbeiten, wie Kartoffelschälen, Gemüseputzen und vieles mehr, im Stehen vornehmen; sie wissen, daß das gesundheitsschädlich und unbequem ist.
Wichtig ist, daß die gerade im Gebrauch befindlichen Gefäße in richtiger, bequemer Höhe zur arbeitenden Hausfrau stehen, so daß diese ihr dienen und nicht sie ihnen. Vielmehr Beobachtung und Selbstkontrolle sollte eine jede kluge Hausfrau auf sich verwenden, um sich gesund zu erhalten, und überdies die leicht ermüdende, vielseitige Hausarbeit so bequem wie möglich zu gestalten; die Freude daran verbleibt ihr, sie dient ferner sich und damit dem Haushalt.
Also: Ein unsachgemäßes Arbeiten im Hause kann ebensolch Unheil anrichten, wie das beim Sport der Fall wäre.
Beweis dafür, wie wertvoll für den Körper die Hausarbeit ist, dürften die vielen Hausangestellten sein, die, sofern sie nicht in übertriebener Weise ausgenützt werden, im allgemeinen gesünder sind als ihre Mitschwestern, die anderen Berufsklassen angehören. Es ist erwiesen, daß eine Hausfrau in höherem Maße leistungsfähiger ist, als Frauen anderer Berufs
diesem Zusammenhang wäre es überhaupt gut, wollte man sich einmal die kleine Mühe machen, das Leistungsvermögen einer Hausfrau zu werten! Darum bleiben wir getrost dabei: Wenn die Frau es versteht, ihre Arbeit einzuteilen, so daß sie sich vor einer Ueberlastung bewahrt, wenn sie zweitens stets daran denkt, ihre Arbeiten in sachgemäßer Weise auszuführen, ohne ihren Körper zu schädigen, so kann sie von sich behaupten, einen der gesündesten weiblichen Berufe überhaupt auszuüben und damit zu den gesündesten Vertreterinnen ihres Geschlechts zu zählen. Und diese Tatsache ist in Rücksicht auf Volkswohl und Staatswesen von ungeheurem Wert!
Ilse Steffens.
Am Krankenbett
Von Willi Vesper.
Wie oft hast Du beim dämmernden Licht an den Betten Wache gehalten.
Die Nächte schrieben in Dein Gesicht, o Mutter, Falten um Falten.
Wie stille ward in uns das Blut, wenn es Deine Nähe fühlte.
Wie war selbst Kranksein süß und gut, wenn Deine Hand uns hühlte.
Du aber rangst die ganze Nacht mit dem Engel um Erbarmen, wie der Prophet in jener Schlacht mit aufgereckten Armen.
Wir aber schliefen uns gesund, indessen Du gestritten, und sahen verwundert um Deinen Mund die Zeichen, wie Du gelitten.
Gebote für die Schwiegertochter
Wieviel Radiowellen, wieviel Grammophonplatten, wieviel Druckerschwärze, wieviel Ströme von Tinte sind schon verschwendet worden, um Jammerlieder über die Schwiegermütter zu singen! Aber kaum jemals hat man an die Schwiegertochter gedacht.
Und doch könnte man nicht weniger reizvolle Tragikomödien über dieses junge Wesen berichten, dessen Eintritt in die Familie so oft mit Freude, Hoffnung und heiterer Erwartung begrüßt wird, oft aber auch mit Besorgnis, Furcht und Mißtrauen.
Die Jugend geht in ihrer Freizeit dem Vergnügen nach, das bei den einen Sport heißt, bei den anderen Tanz, bei den dritten Kino; und kommen der Herr Sohn und das Fräulein Tochter fröhlich und angeregt nach Hause, von dem, was ihnen doch einmal Glück und Erlebnis bedeutet, dan geht bei den Eltern oft die Jeremiade los über die bösen Zeiten, über die oberflächlichen Kinder und über das Geld, das nun wieder mal vertan ist. Es ist vertan— nun ja — und kein Gott gibt es der zankenden Mutter, dem nörgelnden Vater wieder! Die leichtherzige Jugend hat's vertan auf ihre Weise.—
Beim Tanz, beim Sport, im Kino, auch bei der Arbeit, im Büro und Geschäft, im Labor oder in der Fabrik finden sich nun wieder junge Herzen, wie sie sich auch früher zu finden wußten, junge Ehepaare bei sich aufzunehmen. wußten. Und häufiger als vor zwanzig oder
die Wohnungsnot gezwugen, junge Ehepaare bei sich aufzunehmen. Sie tun es selten gern. Der gereifte Mensch braucht sein bißchen Eigenleben in stunden, da er den ganzen Tag Mitglied der Masse war und sich unpersönlich als Persönlichkeit übergehen lassen mußte. Auch die jungen Ehepaare brechen nicht gern in den Heimfrieden der Eltern ein. Die Keuschheit des Empfindens, oder auch die von der neuen Etikette vorze#schriebene— oft nur zur Schau getragene— Empfindungslosigkeit, lassen nicht gern andere teilhaben an ihrem jungen Glück.
Darum ist es heute viel schwerer, eine gute Schwiegertochter zu sein, als früher, aber es ist auch viel notwendiger! Es gibt da nun„so'ne und„solche". Selbstherrliche junge Dinger, die da plötzlich in der Familie auftauchen, wollen keineswegs mehr einsehen, daß es an ihnen ist, alte, liebe Sitten und Gebräuche des bestehenden Haushaltes aufzunehmen,— sie wollen alte bewährte Gewohnheiten lächerlich machen, treue erprobte Dienstboten sind ihnen nicht gewandt, nicht betont servil genug, die Ansichten der alten Herrschaften finden sie zopfig, spießig, verboten— oder wie die neuen Schlagworte heißen mögen—, alle Einrichtungen im Haus finden sie verbesserungsbedürftig, und unter den neuen Verwandten sind mitleiderregende Trottel und Tapergreise.
Zum Kuckuck noch mal!— Da kann man es der Frau Schwiegermutter nicht verdenken, wenn sie zur bösen Schwiegermutter wird. Wenn sie ihren lieben Jungen bedauert, der sein Herz an so ein aufsässiges Geschöpschen verloren hat. Die Schwiegermutter von heute, die sich so oft jung und erlebnisfroh erhält, die schicke, elegante Kleider trägt, die ihre Ansicht von Leben und Lebensart keineswegs am Kochherd sammelte, will doch nicht als altes Eisen gewertet werden. Die Frauengeneration, die jetzt zur Schwiegermutter heranreift, hat noch viel unverbrauchte Kraft. Sie will das Leben auf ihre Art leben und sich nicht von so einem jungen Dämchen bedeuten lassen, daß ihre Lebensauffassung ein überwundener Standpunkt ist.
Es giht aber auch heute noch Vertreterinnen reizvollster Weiblichkeit, deren Mädchenhaftigkeit hinter einer süßen mütterlichen Güte zurücktritt, und es sind gesegnete Häuser, deren Söhne solche Schwiegertöchter ins Haus bringen. Es sind auch lichte, leichte, übermütige, junge Frauen, die leicht erregbar sind, oft einmal kränken, zuweilen ein wenig derb und wohl auch mal ein bißchen jung=taktlos sind, aber die sonnige Frische ihres Wesens, ihre blanke Heiterkeit macht unbedachte Worte und
Handlungen so rasch vergessen——. Man er
zieht sie unbewußt ein bißchen.
Für Schwiegertöchter gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, das heißt: sich einordnen. Keine Kritik üben! Denn der Kreis, dem sie sich einzufügen haben, ist und— bleibt das Lebenselement des Mannes. Eine Frau ist längst nicht
klassen, was das Körperliche anbetrifft. In dreißig Jahren sehen sich alte Ebevaare durch
so bodenständig wie der Mann, denn nur sie paßt sich veränderten Verhältnissen leicht an.
Das sollte die Frau bedenken. Den Sohn der Familie zu entfremden, gelingt ihr leicht— zu leicht, wenn er verliebt und liebenswürdig ist; doch die Stunde wird kommen, da er aus seinem Rausch erwacht und die alte Heimat, die die alte Familientreue entbehrt und sucht. Eine Frau ist nicht imstande, fort und fort jene liebgewohnte ader auch nur gewohnte Umgebung zu ersetzen—; eines Tages wird er seinen Kindern sagen wollen: sieh, hier ist mein Zuhause.
Schwiegermutter sein ist schwer. Ist heute schwerer als je. Aber man braucht kein Jota seiner Persönlichkeit aufzugeben. und man kann doch als ganzer Mensch vorurteilsfrei der neuen Familie entgegenkommen, um unseres Altmeisters Schiller Gebot zu befolgen:
„Als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an!“
Clarg v. Schelpes.