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spanisch tofaso, genannt, eine hewvorragende

Rolle. Der Anblick der schwarzen, lederarti­gen Lappen ist nicht gerade appetitlich. Die Stücke werden erst ausgeweicht und dann mit Reis oder den berüchtigten, in Brasilien schein­bar unvermeidlichen schwaczen Bohnen ge­gessen. Dabei ist das uns geradezu abschreckend erscheinende trockene Fleisch teurer als frisches. Die Bohnen kommen gewöhnlich als soge­nannte„seijoada“ auf den Tisch. Es ist dies eine große Terrine, in der in einer dicken, suppenartigen Flüssigkeit die Bohnen zusam­men mit Schweinsohren und=pfoten schwim­men. Jeder füllt sich daraus seinen Teller und tut dann einen tüchtigen Griff in eine große Holzschüssel mit Mandioka oder Batatenmeh., das, wie Sägemehl aussehend, in Mengen übe: das Bohnengericht ausgestreut wird.

Zur„seijoada“ trinkt man, durchaus passend, den Paraty; denn so unappetitlich erstere aus­sieht, so übel riecht dieser aus Zuckerrohr ge­wonnene, rumartige Fusel. Er ist sehr oinig: für ein 20=Reisstück, also für weniger als einen Psennig. bekommt man überall ein Glas des widerlichen Getränks. Selbst die Mulatten scheinen den Atem anzuhalten, wenn sie sich ein Glas Paraty genehmigen. Das beruht aber auf einer optischen Täuschung. Durch langjäh­rige Uebung haben sie gelernt, sich den Rum, ohne ihn zu trinken oder zu schlucken, gerade­wegs in den Magen zu gießen. So schmeckt man das Zeug nicht, fühlt aber im Innern eine angenehm belebende Wirkung. Ausge­pichte Kehlen trinken den Paraty literweise. Derartige„Genießer“ sind an ihrer wachsgelben Gesichtsfarbe unschwer zu erkennen.

Die übrigen Nationalgetränke Brasiliens sind weit harmloser. Man genießt viel Kokos­milch, auch Zuckerrohrsaft, der im Portugie­sischen seltsamerweise„ealdo", Fleischbrühe, heißt. In den deutschen Kolonien in Santa Catarina und Rio Grande do Sul wiro ein vorzügliches Bier gebraut. Daß bei der über­ragenden Stellung des Kaffees in der brasi­lianischen Wirtschaft dies köstliche aromatische Getränk eine hervorragende Rolle spielt, ist selbstverständlich. Die Tasse kostet auch in den besseren Kaffeehäusern nur fünf Pfennige nach unserem Gelde, der Kaffee ist stark und wun­dervoll duftend, gar nicht zu vergleichen mit dem, was man bei uns dafür ausgibt. Die Kaffeehäuser sind allerdings ungemütliche, raucherfüllte, laute Räume mit marmornen Tischchen auf ziegelbelegtem Estrich. Die un­gebrannten Kaffeebohnen sieht man in einer dicken gläsernen Röhre von dem Lagerraum auf dem Boden in das Erdgeschoß heruntersin­ken, wo sie im Kaffeehaus selbst geröstet und gemahlen werden, so daß der Gast die Zuberei­tung des Getränks in jeder einzelnen Phase genau verfolgen kann. Im Innern, wo man mit dem Zucker sparsam umgeht, da er großen­teils der Gefräßigkeit der Ameisen zum Opfer fällt, pflegt man Stückchen Zuckerrohr mit dem Kaffee zu kochen, der dadurch in der Regel viel

Iu den echt brasikanischen Gerichten, dem Europäer munden, gehört die Schildkröte in ihren verschiedenen Zubereitungsformen. Dann als Gemüse der Palmkohl, die jungen Triebe bestimmter Palmenarten, etwa doppelt so stark wie ein Spargel und ähnlich wie dieser zubereitet. Sie bilden wirklich eine Dlikatesse. Dann ist noch der„chuchu" zu er­wähnen, die Frucht einer Schlingpflanze, etwa wie Gurken in Rum geschmort.

Eine Besonderheit des Amazonasgebiets ist die„guarana“. Ein Strauch dieses Namens trägt erbsengroße Früchte, die zerstampft und zermahlen, mit Wasser vermischt zu kurzen dicken Rollen geformt und nach dem Trochnen steinhart werden. Auf einem seltsamen Reib­eisen, der getrockneten Zunge des pirarucu, eines Riesenfisches aus dem Amazonas. reibt man die Rolle bei Bedarf wieder zu Pulver, das, in Wasser geschüttet, ein sehr wohl­schmeckendes, belebendes und gegen Fieber schützendes Getränk liefert:

Exkönig Hussein macht Pleite Rechtschreibung und Eitkette.

Eins der Opfer der Nachkriegszeit war be­kanntlich auch der König Hussein von Hedschas, der von den Engländern mitsamt dem Thron= folger Ali des Landes verwiesen und nach Zy pern verbannt wurde. Seine beiden underen Söhne waren glücklicher; noch heute ist Feisal König des Jrak, Abdallah Emir von Transjor­danien. Der entthronte Herrscher wußte in sei­ner neuen Heimat nichts Besseres anzufangen, als einen Zitronenhandel zu eröffnen, um so die Mittel für den ihm verbliebenen„Hofstaat“ zusammen zu bringen. Dieser bestand zwar nur aus seiner Frau, seinem Sohne Ali, einer Köchin und einem Angestellten in seinem La­den. Doch der Zitronenhandel ging schlecht; entweder verstand Hussein nichts davon, oder er war ein zu schlechter Geschäftsmann, um es mit seinen gerissenen Konkurrenten aufnehmen zu können. Bald mußten die Möbel von zweien der vier Zimmer, welche die königliche „Residenz“ bildeten, verpfändet werden, um die dringendsten Geschäftsschulden zu decken. Ganz schlimm wurde es jedoch, als zu den Ver­bindlichkeiten aus dem Zitronenhandel auch noch alte„Staatsschulden“ kamen, für die der frühere Herrscher des Hedschas haftbar gemacht werden sollte. Ein Bankier, der dem König Geld geliehen, ein Beamter, der ihm Spionage­dienste geleistet, ein Schneider und ein Schuster aus Mekka, die für den königlichen Hof gear­beitet hatten, vervollständigten so die Reihe der lästigen Gläubiger. Hussein ließ es auf einen Prozeß ankommen. Er erklärte, die Richtigkeit der Forderungen nicht bestreiten zu wollen, wandte aber ein, er habe diese Verbindlichkei­ten in seiner Eigenschaft als Landesherr über­nommen, es handle sich also um Staatsschulden, für die nicht er, sondern sein Nachfolger, der jetzige König von Hedschas, aufzukommen habe. Da die Gläubiger aber wohl mit Recht annah­men, daß von Ihn Saud sicher nichts zu holen sein werde, bestanden sie auf ihrem Schein. Das Gericht trat ihrer Ansicht bei und verur­teilte den„Beklagten Hussein, ehemaligen Kö­nig des Hedschas, und früheren Kalifen aller Muselmanen, jetzt Zitronenhändler“ zur Zah­lung. Da diese nicht geleistet werden konnte, mußte Hussein unlängst seinen Konkurs anmel­den. So vergeht die Herrlichkeit der Welt.

Am Ausguck

An den Unrechten geraten.

Man soll sich nicht auf Menschen verlassen, die man nicht genau kennt. Das führt zu Ent­täuschungen. So erging es auch kürzlich John Smith, dem Kellner einer Flüsterkneipe in De­roit. als diese den Besuch einer Polizeistreife

Berner Oberland. Eine neue Werbeschrift in geschmackvoller Ausstattung hat die Lötschberg= bahn wieder herausgegeben. Ein kurzer, flüs­sig geschriebener Führer durch das Berner Ober land und über die Lötschbergbahn, der sich an­genehm liest und viele wertvolle Angaben für die Bereisung dieses schönsten Teiles der Schweiz enthält. Er wird von über 50 Bildern begleitet, die von den Schönheiten des Berner Oberlandes und des Wallis eindrucksvolles Zeugnis ablegen. Der Führer wird jedem Be­sucher dieser Gegenden wertvolle Dienste lei­sten und kann gegen Einsendung eines Post­antwortscheines von 35 Pfennig(bei jedem Post amt erhältlich) kostenfrei bezogen werden vom Verkehrsburo der Lötschbergbahn in Bern

trost, uis blese ven Besuch einer Polizeistreife erhielt. Die Beamten waren auf der Suche nach einem verschleppten Kinde in die Bar ge­raten, wo sich etliche durstige Seelen an den verbotenen Genüssen gütlich taten. An den erstaunten Gesichtern der Neuankömmlinge, die keine Uniform trugen, erkannt John sofort, daß ihm hier der Zufall recht ungebetene Gäste zu­geführt hatte. Er faßte sich jedoch schnell und wandte ein schon oft erprobtes Mittel an:„Bitte Jungens, nehmt einen Schluck und zieht dann Leine! Hier ist nichts zu machen, Polizeikapi­tän Barret ist mein Schutzengel.“ Daß John Smith zwar den Namen. nicht aber die Person dieses Polizeigewaltigen kannte, brachte ihn um Freiheit und Geschäft. Der schlaue Hinweis verfehlte diesmal seine Wirkung, denn der Führer der Streife war— Kapitän Barret.

Ein frostiges Dasein.

Eine amerikanische biologische Expedition berichtet von der soeben erfolgten Entdeckung einer bisher unbekannten Abart des Kabel­jaus. Die neue Fischgattung kommt nur an den Küsten des nördlichen Grönland vor und zwar im Wasser, dessen Temperatur nur einen halben Grad über dem Gefrierpunkt liegt. Ei­nen noch weniger behaglichen Aufenthaltsort hat sich eine kleine phosphoreszierende Kru­stazee, die Metridea armata, ausgesucht. Das lierchen lebt ausschließlich in kleinen Tümpeln voll Schlackerschnee und geschmolzenem Eis an der Nordküste Sibiriens. Am wohlsten scheint es sich im Salzwasser von zwei bis drei Grad unter Null zu befinden. Es wird häufig stein­hart gefroren angetroffen, ohne daß dies sei­nem Wohlbefinden im geringsten Abbruch täte. Selbst wenn es jahrelang in diesem Zustande verharrt hat, setzte es, wenn wieder aufgetaut wurde, frisch und munter sein durch die„Eis­zeit" unterbrochenes Dasein fort.

König Friedrich Wilhelm III. und seine Ge­mahlin, die Königin Luise, waren bekannt­lich keine Anhänger des steifen Hofzeremoniells. Namentlich in den ersten Jahren ihrer Ehe, als noch nicht die Sorgen und Pflichten des Thrones auf ihnen ruhten, schlugen sie gern der Etikette ein Schnippchen. So redeten sie sich— damals bei Hofe ein unerhörter Brauch — mit dem bürgerlichen„Du“ an. Auf die erstaunt verweisende Frage des königlichen Vaters rechtfertigte sich der Kronprinz heiter: „Mit dem„Du“ weiß man immer, wer gemeint ist. Beim„Sie“ entsteht jedoch leicht der Zweifel. ob es mit einem großen oder kleinen „S“ gesprochen wird.“

Fernwirkung einer Giftpflanze.

An der kalifornischen Küste wächst ein strauch, um den die Eingeborenen gewöhnlich in vorsichtigem Bogen herumgehen, weil er selbst aus einer Entfernung von etwa 30 Zenti­meter eine giftige Wirkung auf die Haut des Menschen auszuüben vermag. Noch schlimmer ist natürlich die unmittelbare Berührung des Giftstrauches, die Hauterkrankungen hervor­ruft, deren Dauer sich auf mehrere Jahre er­strecken kann. Im Volksmunde heißt dieser gefährliche Strauch„Giftige Eiche", doch zählt er nicht zu den Eichen, sondern zu den als sehr giftig bekannten Sumach=Gewächsen. Die Gift­wirkung dieses Strauches beruht nach Profes­sor Abel wie bei allen Sumacharten auf der Ausscheidung einer giftigen Substanz, die in al­len Teilen dieser Pflanzen enthalten ist und auf der menschlichen Haut schwere Reizungen erzeugt. Dieser Giftstoff kann sogar, wenn der Strauch nur mit einem Stock berührt wurde, durch nachträgliche Berührung des Stockes auf den Menschen übertragen werden.

Wie du mir, so ich dir.

Die sonst so geschätzte ordnende Hand der Gattin bereitet dem Eheherrn wohl itets Kum­mer, wenn sie sich seinem Schreibtisch widmet. Das war auch bei Walter Scott der Fall, wie nachstehende kleine Geschichte erweist. Einst beklagte sich seine Frau über die Kinder, daß diese in ihrem Nähtisch die gräßte Unordnung angerichtet hätten. Der Inhalt der einzelnen Kästchen sei ganz durcheinander gebracht, die Garnrollen verwirrt, kurz— es herrsche ein fürchterliches Tohuwabohu. Sir Walter aber nahm seine Sprößlinge in Schutz. Darob gro­ßes Erstaunen der besseren Hälfte.„Ja“, er­klärte Scott sein Verhalten,„den Wirrwarr habe ich verschuldet. Ich wollte auch einmal Deinen Nähtisch aufräumen, genau so wie Du immer meinen Schreibtisch in„Ordnung“ hältst.“ Der Dichter hat nicht wieder unter der allzu großen Sochalt seiner Gattin zu leiden brauchen.

Amerikanische Nationalblume: Das Heide­röslein.

Die Vereinigten Staaten stehen schon wieder „##cheinmitten eines nervenaufpeitschenden Wuhl­r Ge=kampfes. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um die hohe Politik. sondern um eine andere, für die Yankees ebenfalls äußerst ge­wichtige Frage: Die U. S. A. soll ihre behörd­lich anerkannte Nationalblume erhalten. Zeit­schriften, Frauenklubs undn höhere Fcauen­schulen bereiten fieberhaft die Wahlen vor, die Bürger werden wieder einmal mit Stimm­zetteln überschüttet. Die Angelegenheit ist be­deutend verwickelter, als der Kampf Hoover­nissen dürfte das Heideröslein allen anderen Smith war, denn es gibt über siebzig zarte Kandidatinnen. Nach den bisherigen Ergeb­Blumen den Rang ablaufen.

Das Städt. Verkehrsamt Soest hat soeben seine Werbeschrift„Soest, die„ehrenreiche", alte Hansa= und Kunststadt“ in der zweiten Auflage herausgebracht. Das Heft bringt auf 16 Seiten alles Wissenswerte über die Stadt, behandelt dann kurz ihre Geschichte und erläu­tert in kleinen Aufsätzen das Stadtbild, die Be­deutung Soests als berühmte Kunststätte und schließt mit einer Beschreibung der einzelnen Sehenswürdigkeiten und mit einem Vorschlag zur Besichtigung der Stadt. Endlich enthält sie noch nähere Angaben über die Umgebung, ins­besondere über die in nächster Nähe liegende Möhnetalsperre. Dem Anhang sind 17 wir­kungsvolle Bilder der schönen, alten Staot bei­gefügt. Als Beilage ferner noch eine Eisen­bahnkarte, ein Verzeichnis der Unterkunfts­möglichkeiten und ein Stadtplan. Der inter­essante kleine Führer ist durch das Städt. Ver­kehrsamt kostenlos erhältlich.

Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz, Altena.

Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung

Nr. 26

Mittwoch, 10.

1929

Grün— blau— grün

Immer wieder gern besucht wird der meilen­weite Arnsberger Wald mit der an seinem Nordend gelegene. Möhnetalsperre, der zweit­größten Europas. Mit Sonntagskarte bis Arnsberg fahren wir zur Regierungshauotstadt, die so eng von Mutler Ruhr umschlungen wird, daß der Altstadt Ausdehnungsmöglichkeiten

ebensolche Stille umfängt uns erneut. Lang­sam senkt sich der Weg durch den etwas sumpfi­gen Schwarzen Bruch und nach 1½ Stunden haben wir den Haltepunkt Hüsten=Ost der Kleinbahn Arnsberg=Neheim=Hüsten ecreicht. Bis zum Reichsbahnhof sinds zu Fuß noch 30 Minuten. Dankbar, einen reichgesegneten Wandertag im nördlichen Sauerland genossen zu haben, besteigen wir das Dampfroß, das uns der Heimat zurückbringt. Im Herzen aber ist die Sehnsucht nach den grünen Bergen des Sauerlandes immer stärker geweckt worden, sind sie es doch, die uns wieder und wieder stärken für des Werkeltags nervenaufpeitschen­des Schaffen.

Zapfenstreich auf dem alten Markt

Von Hans Hiehold.

genommen sind. Am Bahnhof halten wir uns gleich rechts, gehen über die Eisenbahnbrücke zur Landstraße nach Oeventrop, auf dieser ein Stücklein rechts, dann auf einem Feldwege auf­wärts zur Soester Landstraße. Von hier ab verfehlen wir so leicht den Weg nicht, da wir nur den weißen Kreuzen der Hauptwander­strecke 13 des Sauerländischen Gebirgsvereins zu folgen brauchen. Bis zum Bockstall(½ Stunde) müssen wir allerdings die Land­straße anhalten, wir werden jedoch durch hübsche Fernblicke entschädigt. Dann nimmt uns der grüne Arnsberger Wald auf und läßt uns nicht eher los, als bis unsere Füße vom Wasser des Möhnesees umspült werden. An der Kolonie Alt=Breitenbruch vorbei verfolgen wir den Neuhauser Weg immer durch pracht­vollen Hochwald, mählich auf und mählich mal wieder ab. Bis zur Försterei Neuhaus sinds 1½ Stunden vom Bockstall aus. 25 Minuten später trifft Hauptwanderstrecke 13 auf Haupt­wanderstrecke 26. Wir folgen nun letzterer über den Hohen Stoß(289 Meter) abwärts, an der breit gelagerten schönen Jugendherberge (2 0Minuten) vorbei und auf dem südlichen Randweg bis zur Delecker Brücke, wenn wir es nicht vorziehen, von der Jugendherberge aus auf einem flinken Motorbötchen quer über den See bis zur Sperrmauer uns tragen zu lassen. Von der Jugendherberge Möhnesee bis zur Sperrmauer(220 Meter) sinds auf der Haupt­wanderstrecke 26 1½ Stunde zu Fuß. Vor unserem trunkenen Auge ruht die bei Wind­stille spiegelglatte blaue Fläche des Möhnesees, drüben durch den sanften Hang des Haarstrangs eingedämmt. Wenn an sonnigen Tagen dieser künstliche See durch Hunderte von Segel­booten, Kanus und andere Wasserfahrzeuge, dazu an zahlreichen Stellen durch nicht weniger zahlreiche Schwimmer belebt ist, dann iubelt das Herz auf vor soviel Schönheit und Glanz. Das Sauerland kann daher den Erbauern der Talsperren nicht dankbar genug sein, daß sie durch diese blaue Fläche solch reiche Ab­wechslung in das Grün der Berge hinein­gebracht haben.— Für die Heimwanderung empfiehlt sich die Verfolgung der Hauptwan­derstrecke 24, die am Südende der Sperrmauer beginnt und zunächst 40 Minuten lang dem Seerande folgtsso daß wir immer noch das schöne Naturschauspiel bewundern können. Dann gehts in 25 Minuten aufwärts zum Langen=Berg. Wir stehen wieder mitten im Arnsberger Walde. Unendliches Grün und

In Militärfeiern rumort der helle und wilde Aufruhr der Trommeln— Siesind die Mobil­machung der Bürger. Wie einem Rattenfägger folgt die Stadt dem ersten Bum tsching. Sruben und Kammern wurden leer. Warum? Ei

darum—— Jawohl, auch heute noch. Aber

nur wegen des Bumdarassa tschingdarassa? Wer zieht auch zu so viel Toren in die Sinne ein als Soldatenfeiern?

Fackelgeflacker— Gestampf und Geklirr.

Von selbst fällt man in den Marschtritt ein. So sei doch stille, du unruhig Herz! Laß, was erinnern will!

Die Dunkelheit krallt sich in die Häuser­schragen. Ein leichter Regen trommelt den Marschtakt auf die Schirme mit. Die Tropfen verdampfen in den glühenden Fackeln. Fahnen schwenken naßschwer den Marktwillkomm.

Ein Kommando stellt ein Soldatenviereck auf den Markt. Vom Regen blanke Stahl­helme ziehen Gassen über den Platz. Die Fackeln werfen ihren roten Schein zu den stillen Patrizierhäusern hinauf. Ein Maler müßte seine Freude an dem Hell=Dunkel dse Bildes haben. Hinter der Soldatenkette wächst dicht bei dicht eine andere Mauer. Die wartet mit offenen Sinnen, spürt nicht den leise rin­nenden Regen.

Die alten Märsche haben eine Seele. Wie Sturmluft weht es aus ihnen. Wenn sie er­wachen, fangen verschollene Zeiten an zu reden. Aus den Flötenläufen quillt der Staub der Be­

schichte. Der Hohenfriedberger—.— Der Pa­

riser Einzugsmarsch—— Ein gut Teil vater­

ländisches Werden ziehen sie aus der Däm­merung. Wo alles Musik musiziert, will auch der Marktbrunnen nicht schweigen. Er schüttet seine quicke Melodie in den Klang, daß er zur Symphonie werde. Und die nassen Fahnen heben und senken sich noch einmal zu Gruß und Ehren dieser Stunde.

Und dann steigt der Zapfenstreich, das große „Zur Ruh, zur Ruh“ des Soldaten. Der Trom­melwirbel weckt den Wioerhall des Markt­vierecks. Eine Flöte drängt sich vor. Beider Stimmen reden von einer gewesenen Zeit. Sie gehören in die Gegenwart des harten und bru­talen Spießrutenlaufes. Und dann wächst aus dem Wirbel und Quirrel von Trommel und Flöte ein soldatisch lebenoiges Bild.

Die Größe der Musik macht die Herzen für das Deutschlandlied bereit, das über die wun­derlich spitzen Dächer und Giebel, die von Schatten umklammert sind, als ein Bekenninis zum Land und Volk zu den reinen Sternen hinaufsteigt.

Feiern ist: Gewesenes auferstehen lassen und Kommendes bedenken. Und so ist es nur recht, wenn man seinen Sinn an dem starren hron­

zenen Gesicht des toten Jägers am Denkmal prüft, der hier vom Sterben der Dreitausend von der grünen Farbe spricht.

Zu seinen Füßen schlagen die Fackeln und Herzen zur Weihe zusammen. In Militärfeiern rumort der helle und wilde Aufruhr der Trommeln.——

(—.—

der friefische Eulenspiegel

Von K. Sjöström.

Der lebendige Wesensausdruck niederdeut­schen Schalktums ist Till Eulenspiegel, der braunschweigische Bauernsohn. Sein Bruder im Geiste ist an der Wasserkante Pua Modders der friesische Robbenschläger und Transchlucker, von dem man sich auf den friesischen Inseln bis nach Jütland hin noch lustige Stücke erzählt, und in den alten Inselchroniken kommt öfter sein Name in Verbindung mit derben und lusti­stigen Streichen vor.

Wie die Norderneyer es einem Sperling nachtaten.

Auf manchen Inseln wird erzählt, die Leute von Norderney hätten nicht zeitig genug Hier gerufen, als Gott die Weisheit unter die Frie­sen verteilte.

Als Pua Modders einmal mit dem Winde zu weit abgekommen war, geriet er nach Norder­ney und sah dort, wie die Leute ein Haus bau­ten. Da wollten sie einen langen Balken quer durch die neue Haustür auf den Dachfirst brin­gen, aber das ging natürlich nicht, so sehr sie sich auch abmühten.

Pua Modders stand dabei und wollte sich krank lachen über den Unverstand der Norder­neyer. Die wurden unwirsch und fragten ihn, ob ers besser könne.

Natürlich— meinte Pua Modders— könnte er ihnen einen Rat geben; aber das koste na­türlich eine Kleinigkeit, etwa eine Flasche gu­ten Rum.

Das sagten die Norderneyer zu. Pua Mod­ders lächelte breit und sagte nur obenhin: „Machts nur wie die Spatzen!"

Sie folgten der Richtung seines Blickes und sahen einen Sperling, der im Kirchengebälk nisten wollte und die Halme hübsch der Länge nach durch eine enge Ritze trug.

Das leuchtete den Hausbauern ein und sie handelten danach, während Pua Modders sich wieder von der Insel verzog.

Die versetzte Kirche und die rote Jacke.

Ein andermal segelte Pua Modders von sei­ner Heimatinsel Sylt nach der Insel Röm, die jetzt dänisch werden mußte. Da standen alle Leute von der Insel auf einem Haufen und hielten die Köpfe zusammen, und die Klügsten bohrten vor lauter Nachdenksamkeit mit dem Finger in der Nase. Es war eine wichtige und feierliche Beratschlagung, das sah der Schalk, denn die Leute von Röm trugen alle ihre schö­nen scharlachroten Sonntagsrocke, von der Art, wie der Robbenschläger auch gern einen gehabt hätte. Aber er war arm und hatte nichts als seine kleine Schnake und sein bißchen Grips.

Der Sylter trat hinzu und hörte, daß die Leute von Röm gern ihre Kirche einige Ellen weiter landeinwärts schieben wollten, aber nicht wußten, wie sie das zuwege bringen soll­ten.

Pua Modders meinte, daß er wohl Rat wüß­te. Sie sollten nur eine rote Jacke an die Stelle legen, wo sie ihre Kirche hingeschoben

haben wollten, und dann sollten sie sich alle­