08 g. S 2 0 0 — spanisch tofaso, genannt, eine hewvorragende Rolle. Der Anblick der schwarzen, lederartigen Lappen ist nicht gerade appetitlich. Die Stücke werden erst ausgeweicht und dann mit Reis oder den berüchtigten, in Brasilien scheinbar unvermeidlichen schwaczen Bohnen gegessen. Dabei ist das uns geradezu abschreckend erscheinende trockene Fleisch teurer als frisches. Die Bohnen kommen gewöhnlich als sogenannte„seijoada“ auf den Tisch. Es ist dies eine große Terrine, in der in einer dicken, suppenartigen Flüssigkeit die Bohnen zusammen mit Schweinsohren und=pfoten schwimmen. Jeder füllt sich daraus seinen Teller und tut dann einen tüchtigen Griff in eine große Holzschüssel mit Mandioka oder Batatenmeh., das, wie Sägemehl aussehend, in Mengen übe: das Bohnengericht ausgestreut wird. Zur„seijoada“ trinkt man, durchaus passend, den Paraty; denn so unappetitlich erstere aussieht, so übel riecht dieser aus Zuckerrohr gewonnene, rumartige Fusel. Er ist sehr oinig: für ein 20=Reisstück, also für weniger als einen Psennig. bekommt man überall ein Glas des widerlichen Getränks. Selbst die Mulatten scheinen den Atem anzuhalten, wenn sie sich ein Glas Paraty genehmigen. Das beruht aber auf einer optischen Täuschung. Durch langjährige Uebung haben sie gelernt, sich den Rum, ohne ihn zu trinken oder zu schlucken, geradewegs in den Magen zu gießen. So schmeckt man das Zeug nicht, fühlt aber im Innern eine angenehm belebende Wirkung. Ausgepichte Kehlen trinken den Paraty literweise. Derartige„Genießer“ sind an ihrer wachsgelben Gesichtsfarbe unschwer zu erkennen. Die übrigen Nationalgetränke Brasiliens sind weit harmloser. Man genießt viel Kokosmilch, auch Zuckerrohrsaft, der im Portugiesischen seltsamerweise„ealdo", Fleischbrühe, heißt. In den deutschen Kolonien in Santa Catarina und Rio Grande do Sul wiro ein vorzügliches Bier gebraut. Daß bei der überragenden Stellung des Kaffees in der brasilianischen Wirtschaft dies köstliche aromatische Getränk eine hervorragende Rolle spielt, ist selbstverständlich. Die Tasse kostet auch in den besseren Kaffeehäusern nur fünf Pfennige nach unserem Gelde, der Kaffee ist stark und wundervoll duftend, gar nicht zu vergleichen mit dem, was man bei uns dafür ausgibt. Die Kaffeehäuser sind allerdings ungemütliche, raucherfüllte, laute Räume mit marmornen Tischchen auf ziegelbelegtem Estrich. Die ungebrannten Kaffeebohnen sieht man in einer dicken gläsernen Röhre von dem Lagerraum auf dem Boden in das Erdgeschoß heruntersinken, wo sie im Kaffeehaus selbst geröstet und gemahlen werden, so daß der Gast die Zubereitung des Getränks in jeder einzelnen Phase genau verfolgen kann. Im Innern, wo man mit dem Zucker sparsam umgeht, da er großenteils der Gefräßigkeit der Ameisen zum Opfer fällt, pflegt man Stückchen Zuckerrohr mit dem Kaffee zu kochen, der dadurch in der Regel viel Iu den echt brasikanischen Gerichten, dem Europäer munden, gehört die Schildkröte in ihren verschiedenen Zubereitungsformen. Dann als Gemüse der Palmkohl, die jungen Triebe bestimmter Palmenarten, etwa doppelt so stark wie ein Spargel und ähnlich wie dieser zubereitet. Sie bilden wirklich eine Dlikatesse. Dann ist noch der„chuchu" zu erwähnen, die Frucht einer Schlingpflanze, etwa wie Gurken in Rum geschmort. Eine Besonderheit des Amazonasgebiets ist die„guarana“. Ein Strauch dieses Namens trägt erbsengroße Früchte, die zerstampft und zermahlen, mit Wasser vermischt zu kurzen dicken Rollen geformt und nach dem Trochnen steinhart werden. Auf einem seltsamen Reibeisen, der getrockneten Zunge des pirarucu, eines Riesenfisches aus dem Amazonas. reibt man die Rolle bei Bedarf wieder zu Pulver, das, in Wasser geschüttet, ein sehr wohlschmeckendes, belebendes und gegen Fieber schützendes Getränk liefert: Exkönig Hussein macht Pleite Rechtschreibung und Eitkette. Eins der Opfer der Nachkriegszeit war bekanntlich auch der König Hussein von Hedschas, der von den Engländern mitsamt dem Thron= folger Ali des Landes verwiesen und nach Zy pern verbannt wurde. Seine beiden underen Söhne waren glücklicher; noch heute ist Feisal König des Jrak, Abdallah Emir von Transjordanien. Der entthronte Herrscher wußte in seiner neuen Heimat nichts Besseres anzufangen, als einen Zitronenhandel zu eröffnen, um so die Mittel für den ihm verbliebenen„Hofstaat“ zusammen zu bringen. Dieser bestand zwar nur aus seiner Frau, seinem Sohne Ali, einer Köchin und einem Angestellten in seinem Laden. Doch der Zitronenhandel ging schlecht; entweder verstand Hussein nichts davon, oder er war ein zu schlechter Geschäftsmann, um es mit seinen gerissenen Konkurrenten aufnehmen zu können. Bald mußten die Möbel von zweien der vier Zimmer, welche die königliche „Residenz“ bildeten, verpfändet werden, um die dringendsten Geschäftsschulden zu decken. Ganz schlimm wurde es jedoch, als zu den Verbindlichkeiten aus dem Zitronenhandel auch noch alte„Staatsschulden“ kamen, für die der frühere Herrscher des Hedschas haftbar gemacht werden sollte. Ein Bankier, der dem König Geld geliehen, ein Beamter, der ihm Spionagedienste geleistet, ein Schneider und ein Schuster aus Mekka, die für den königlichen Hof gearbeitet hatten, vervollständigten so die Reihe der lästigen Gläubiger. Hussein ließ es auf einen Prozeß ankommen. Er erklärte, die Richtigkeit der Forderungen nicht bestreiten zu wollen, wandte aber ein, er habe diese Verbindlichkeiten in seiner Eigenschaft als Landesherr übernommen, es handle sich also um Staatsschulden, für die nicht er, sondern sein Nachfolger, der jetzige König von Hedschas, aufzukommen habe. Da die Gläubiger aber wohl mit Recht annahmen, daß von Ihn Saud sicher nichts zu holen sein werde, bestanden sie auf ihrem Schein. Das Gericht trat ihrer Ansicht bei und verurteilte den„Beklagten Hussein, ehemaligen König des Hedschas, und früheren Kalifen aller Muselmanen, jetzt Zitronenhändler“ zur Zahlung. Da diese nicht geleistet werden konnte, mußte Hussein unlängst seinen Konkurs anmelden. So vergeht die Herrlichkeit der Welt. Am Ausguck An den Unrechten geraten. Man soll sich nicht auf Menschen verlassen, die man nicht genau kennt. Das führt zu Enttäuschungen. So erging es auch kürzlich John Smith, dem Kellner einer Flüsterkneipe in Deroit. als diese den Besuch einer Polizeistreife Berner Oberland. Eine neue Werbeschrift in geschmackvoller Ausstattung hat die Lötschberg= bahn wieder herausgegeben. Ein kurzer, flüssig geschriebener Führer durch das Berner Ober land und über die Lötschbergbahn, der sich angenehm liest und viele wertvolle Angaben für die Bereisung dieses schönsten Teiles der Schweiz enthält. Er wird von über 50 Bildern begleitet, die von den Schönheiten des Berner Oberlandes und des Wallis eindrucksvolles Zeugnis ablegen. Der Führer wird jedem Besucher dieser Gegenden wertvolle Dienste leisten und kann gegen Einsendung eines Postantwortscheines von 35 Pfennig(bei jedem Post amt erhältlich) kostenfrei bezogen werden vom Verkehrsburo der Lötschbergbahn in Bern trost, uis blese ven Besuch einer Polizeistreife erhielt. Die Beamten waren auf der Suche nach einem verschleppten Kinde in die Bar geraten, wo sich etliche durstige Seelen an den verbotenen Genüssen gütlich taten. An den erstaunten Gesichtern der Neuankömmlinge, die keine Uniform trugen, erkannt John sofort, daß ihm hier der Zufall recht ungebetene Gäste zugeführt hatte. Er faßte sich jedoch schnell und wandte ein schon oft erprobtes Mittel an:„Bitte Jungens, nehmt einen Schluck und zieht dann Leine! Hier ist nichts zu machen, Polizeikapitän Barret ist mein Schutzengel.“ Daß John Smith zwar den Namen. nicht aber die Person dieses Polizeigewaltigen kannte, brachte ihn um Freiheit und Geschäft. Der schlaue Hinweis verfehlte diesmal seine Wirkung, denn der Führer der Streife war— Kapitän Barret. Ein frostiges Dasein. Eine amerikanische biologische Expedition berichtet von der soeben erfolgten Entdeckung einer bisher unbekannten Abart des Kabeljaus. Die neue Fischgattung kommt nur an den Küsten des nördlichen Grönland vor und zwar im Wasser, dessen Temperatur nur einen halben Grad über dem Gefrierpunkt liegt. Einen noch weniger behaglichen Aufenthaltsort hat sich eine kleine phosphoreszierende Krustazee, die Metridea armata, ausgesucht. Das lierchen lebt ausschließlich in kleinen Tümpeln voll Schlackerschnee und geschmolzenem Eis an der Nordküste Sibiriens. Am wohlsten scheint es sich im Salzwasser von zwei bis drei Grad unter Null zu befinden. Es wird häufig steinhart gefroren angetroffen, ohne daß dies seinem Wohlbefinden im geringsten Abbruch täte. Selbst wenn es jahrelang in diesem Zustande verharrt hat, setzte es, wenn wieder aufgetaut wurde, frisch und munter sein durch die„Eiszeit" unterbrochenes Dasein fort. König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin, die Königin Luise, waren bekanntlich keine Anhänger des steifen Hofzeremoniells. Namentlich in den ersten Jahren ihrer Ehe, als noch nicht die Sorgen und Pflichten des Thrones auf ihnen ruhten, schlugen sie gern der Etikette ein Schnippchen. So redeten sie sich— damals bei Hofe ein unerhörter Brauch — mit dem bürgerlichen„Du“ an. Auf die erstaunt verweisende Frage des königlichen Vaters rechtfertigte sich der Kronprinz heiter: „Mit dem„Du“ weiß man immer, wer gemeint ist. Beim„Sie“ entsteht jedoch leicht der Zweifel. ob es mit einem großen oder kleinen „S“ gesprochen wird.“ Fernwirkung einer Giftpflanze. An der kalifornischen Küste wächst ein strauch, um den die Eingeborenen gewöhnlich in vorsichtigem Bogen herumgehen, weil er selbst aus einer Entfernung von etwa 30 Zentimeter eine giftige Wirkung auf die Haut des Menschen auszuüben vermag. Noch schlimmer ist natürlich die unmittelbare Berührung des Giftstrauches, die Hauterkrankungen hervorruft, deren Dauer sich auf mehrere Jahre erstrecken kann. Im Volksmunde heißt dieser gefährliche Strauch„Giftige Eiche", doch zählt er nicht zu den Eichen, sondern zu den als sehr giftig bekannten Sumach=Gewächsen. Die Giftwirkung dieses Strauches beruht nach Professor Abel wie bei allen Sumacharten auf der Ausscheidung einer giftigen Substanz, die in allen Teilen dieser Pflanzen enthalten ist und auf der menschlichen Haut schwere Reizungen erzeugt. Dieser Giftstoff kann sogar, wenn der Strauch nur mit einem Stock berührt wurde, durch nachträgliche Berührung des Stockes auf den Menschen übertragen werden. Wie du mir, so ich dir. Die sonst so geschätzte ordnende Hand der Gattin bereitet dem Eheherrn wohl itets Kummer, wenn sie sich seinem Schreibtisch widmet. Das war auch bei Walter Scott der Fall, wie nachstehende kleine Geschichte erweist. Einst beklagte sich seine Frau über die Kinder, daß diese in ihrem Nähtisch die gräßte Unordnung angerichtet hätten. Der Inhalt der einzelnen Kästchen sei ganz durcheinander gebracht, die Garnrollen verwirrt, kurz— es herrsche ein fürchterliches Tohuwabohu. Sir Walter aber nahm seine Sprößlinge in Schutz. Darob großes Erstaunen der besseren Hälfte.„Ja“, erklärte Scott sein Verhalten,„den Wirrwarr habe ich verschuldet. Ich wollte auch einmal Deinen Nähtisch aufräumen, genau so wie Du immer meinen Schreibtisch in„Ordnung“ hältst.“ Der Dichter hat nicht wieder unter der allzu großen Sochalt seiner Gattin zu leiden brauchen. Amerikanische Nationalblume: Das Heideröslein. Die Vereinigten Staaten stehen schon wieder „##cheinmitten eines nervenaufpeitschenden Wuhlr Ge=kampfes. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um die hohe Politik. sondern um eine andere, für die Yankees ebenfalls äußerst gewichtige Frage: Die U. S. A. soll ihre behördlich anerkannte Nationalblume erhalten. Zeitschriften, Frauenklubs undn höhere Fcauenschulen bereiten fieberhaft die Wahlen vor, die Bürger werden wieder einmal mit Stimmzetteln überschüttet. Die Angelegenheit ist bedeutend verwickelter, als der Kampf Hoovernissen dürfte das Heideröslein allen anderen Smith war, denn es gibt über siebzig zarte Kandidatinnen. Nach den bisherigen ErgebBlumen den Rang ablaufen. Das Städt. Verkehrsamt Soest hat soeben seine Werbeschrift„Soest, die„ehrenreiche", alte Hansa= und Kunststadt“ in der zweiten Auflage herausgebracht. Das Heft bringt auf 16 Seiten alles Wissenswerte über die Stadt, behandelt dann kurz ihre Geschichte und erläutert in kleinen Aufsätzen das Stadtbild, die Bedeutung Soests als berühmte Kunststätte und schließt mit einer Beschreibung der einzelnen Sehenswürdigkeiten und mit einem Vorschlag zur Besichtigung der Stadt. Endlich enthält sie noch nähere Angaben über die Umgebung, insbesondere über die in nächster Nähe liegende Möhnetalsperre. Dem Anhang sind 17 wirkungsvolle Bilder der schönen, alten Staot beigefügt. Als Beilage ferner noch eine Eisenbahnkarte, ein Verzeichnis der Unterkunftsmöglichkeiten und ein Stadtplan. Der interessante kleine Führer ist durch das Städt. Verkehrsamt kostenlos erhältlich. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 26 Mittwoch, 10. 1929 Grün— blau— grün Immer wieder gern besucht wird der meilenweite Arnsberger Wald mit der an seinem Nordend gelegene. Möhnetalsperre, der zweitgrößten Europas. Mit Sonntagskarte bis Arnsberg fahren wir zur Regierungshauotstadt, die so eng von Mutler Ruhr umschlungen wird, daß der Altstadt Ausdehnungsmöglichkeiten ebensolche Stille umfängt uns erneut. Langsam senkt sich der Weg durch den etwas sumpfigen Schwarzen Bruch und nach 1½ Stunden haben wir den Haltepunkt Hüsten=Ost der Kleinbahn Arnsberg=Neheim=Hüsten ecreicht. Bis zum Reichsbahnhof sinds zu Fuß noch 30 Minuten. Dankbar, einen reichgesegneten Wandertag im nördlichen Sauerland genossen zu haben, besteigen wir das Dampfroß, das uns der Heimat zurückbringt. Im Herzen aber ist die Sehnsucht nach den grünen Bergen des Sauerlandes immer stärker geweckt worden, sind sie es doch, die uns wieder und wieder stärken für des Werkeltags nervenaufpeitschendes Schaffen. Zapfenstreich auf dem alten Markt Von Hans Hiehold. genommen sind. Am Bahnhof halten wir uns gleich rechts, gehen über die Eisenbahnbrücke zur Landstraße nach Oeventrop, auf dieser ein Stücklein rechts, dann auf einem Feldwege aufwärts zur Soester Landstraße. Von hier ab verfehlen wir so leicht den Weg nicht, da wir nur den weißen Kreuzen der Hauptwanderstrecke 13 des Sauerländischen Gebirgsvereins zu folgen brauchen. Bis zum Bockstall(½ Stunde) müssen wir allerdings die Landstraße anhalten, wir werden jedoch durch hübsche Fernblicke entschädigt. Dann nimmt uns der grüne Arnsberger Wald auf und läßt uns nicht eher los, als bis unsere Füße vom Wasser des Möhnesees umspült werden. An der Kolonie Alt=Breitenbruch vorbei verfolgen wir den Neuhauser Weg immer durch prachtvollen Hochwald, mählich auf und mählich mal wieder ab. Bis zur Försterei Neuhaus sinds 1½ Stunden vom Bockstall aus. 25 Minuten später trifft Hauptwanderstrecke 13 auf Hauptwanderstrecke 26. Wir folgen nun letzterer über den Hohen Stoß(289 Meter) abwärts, an der breit gelagerten schönen Jugendherberge (2 0Minuten) vorbei und auf dem südlichen Randweg bis zur Delecker Brücke, wenn wir es nicht vorziehen, von der Jugendherberge aus auf einem flinken Motorbötchen quer über den See bis zur Sperrmauer uns tragen zu lassen. Von der Jugendherberge Möhnesee bis zur Sperrmauer(220 Meter) sinds auf der Hauptwanderstrecke 26 1½ Stunde zu Fuß. Vor unserem trunkenen Auge ruht die bei Windstille spiegelglatte blaue Fläche des Möhnesees, drüben durch den sanften Hang des Haarstrangs eingedämmt. Wenn an sonnigen Tagen dieser künstliche See durch Hunderte von Segelbooten, Kanus und andere Wasserfahrzeuge, dazu an zahlreichen Stellen durch nicht weniger zahlreiche Schwimmer belebt ist, dann iubelt das Herz auf vor soviel Schönheit und Glanz. Das Sauerland kann daher den Erbauern der Talsperren nicht dankbar genug sein, daß sie durch diese blaue Fläche solch reiche Abwechslung in das Grün der Berge hineingebracht haben.— Für die Heimwanderung empfiehlt sich die Verfolgung der Hauptwanderstrecke 24, die am Südende der Sperrmauer beginnt und zunächst 40 Minuten lang dem Seerande folgtsso daß wir immer noch das schöne Naturschauspiel bewundern können. Dann gehts in 25 Minuten aufwärts zum Langen=Berg. Wir stehen wieder mitten im Arnsberger Walde. Unendliches Grün und In Militärfeiern rumort der helle und wilde Aufruhr der Trommeln— Siesind die Mobilmachung der Bürger. Wie einem Rattenfägger folgt die Stadt dem ersten Bum tsching. Sruben und Kammern wurden leer. Warum? Ei darum—— Jawohl, auch heute noch. Aber nur wegen des Bumdarassa tschingdarassa? Wer zieht auch zu so viel Toren in die Sinne ein als Soldatenfeiern? Fackelgeflacker— Gestampf und Geklirr. Von selbst fällt man in den Marschtritt ein. So sei doch stille, du unruhig Herz! Laß, was erinnern will! Die Dunkelheit krallt sich in die Häuserschragen. Ein leichter Regen trommelt den Marschtakt auf die Schirme mit. Die Tropfen verdampfen in den glühenden Fackeln. Fahnen schwenken naßschwer den Marktwillkomm. Ein Kommando stellt ein Soldatenviereck auf den Markt. Vom Regen blanke Stahlhelme ziehen Gassen über den Platz. Die Fackeln werfen ihren roten Schein zu den stillen Patrizierhäusern hinauf. Ein Maler müßte seine Freude an dem Hell=Dunkel dse Bildes haben. Hinter der Soldatenkette wächst dicht bei dicht eine andere Mauer. Die wartet mit offenen Sinnen, spürt nicht den leise rinnenden Regen. Die alten Märsche haben eine Seele. Wie Sturmluft weht es aus ihnen. Wenn sie erwachen, fangen verschollene Zeiten an zu reden. Aus den Flötenläufen quillt der Staub der Beschichte. Der Hohenfriedberger—.— Der Pariser Einzugsmarsch—— Ein gut Teil vaterländisches Werden ziehen sie aus der Dämmerung. Wo alles Musik musiziert, will auch der Marktbrunnen nicht schweigen. Er schüttet seine quicke Melodie in den Klang, daß er zur Symphonie werde. Und die nassen Fahnen heben und senken sich noch einmal zu Gruß und Ehren dieser Stunde. Und dann steigt der Zapfenstreich, das große „Zur Ruh, zur Ruh“ des Soldaten. Der Trommelwirbel weckt den Wioerhall des Marktvierecks. Eine Flöte drängt sich vor. Beider Stimmen reden von einer gewesenen Zeit. Sie gehören in die Gegenwart des harten und brutalen Spießrutenlaufes. Und dann wächst aus dem Wirbel und Quirrel von Trommel und Flöte ein soldatisch lebenoiges Bild. Die Größe der Musik macht die Herzen für das Deutschlandlied bereit, das über die wunderlich spitzen Dächer und Giebel, die von Schatten umklammert sind, als ein Bekenninis zum Land und Volk zu den reinen Sternen hinaufsteigt. Feiern ist: Gewesenes auferstehen lassen und Kommendes bedenken. Und so ist es nur recht, wenn man seinen Sinn an dem starren hronzenen Gesicht des toten Jägers am Denkmal prüft, der hier vom Sterben der Dreitausend von der grünen Farbe spricht. Zu seinen Füßen schlagen die Fackeln und Herzen zur Weihe zusammen. In Militärfeiern rumort der helle und wilde Aufruhr der Trommeln.—— (—.— der friefische Eulenspiegel Von K. Sjöström. Der lebendige Wesensausdruck niederdeutschen Schalktums ist Till Eulenspiegel, der braunschweigische Bauernsohn. Sein Bruder im Geiste ist an der Wasserkante Pua Modders der friesische Robbenschläger und Transchlucker, von dem man sich auf den friesischen Inseln bis nach Jütland hin noch lustige Stücke erzählt, und in den alten Inselchroniken kommt öfter sein Name in Verbindung mit derben und lustistigen Streichen vor. Wie die Norderneyer es einem Sperling nachtaten. Auf manchen Inseln wird erzählt, die Leute von Norderney hätten nicht zeitig genug Hier gerufen, als Gott die Weisheit unter die Friesen verteilte. Als Pua Modders einmal mit dem Winde zu weit abgekommen war, geriet er nach Norderney und sah dort, wie die Leute ein Haus bauten. Da wollten sie einen langen Balken quer durch die neue Haustür auf den Dachfirst bringen, aber das ging natürlich nicht, so sehr sie sich auch abmühten. Pua Modders stand dabei und wollte sich krank lachen über den Unverstand der Norderneyer. Die wurden unwirsch und fragten ihn, ob ers besser könne. Natürlich— meinte Pua Modders— könnte er ihnen einen Rat geben; aber das koste natürlich eine Kleinigkeit, etwa eine Flasche guten Rum. Das sagten die Norderneyer zu. Pua Modders lächelte breit und sagte nur obenhin: „Machts nur wie die Spatzen!" Sie folgten der Richtung seines Blickes und sahen einen Sperling, der im Kirchengebälk nisten wollte und die Halme hübsch der Länge nach durch eine enge Ritze trug. Das leuchtete den Hausbauern ein und sie handelten danach, während Pua Modders sich wieder von der Insel verzog. Die versetzte Kirche und die rote Jacke. Ein andermal segelte Pua Modders von seiner Heimatinsel Sylt nach der Insel Röm, die jetzt dänisch werden mußte. Da standen alle Leute von der Insel auf einem Haufen und hielten die Köpfe zusammen, und die Klügsten bohrten vor lauter Nachdenksamkeit mit dem Finger in der Nase. Es war eine wichtige und feierliche Beratschlagung, das sah der Schalk, denn die Leute von Röm trugen alle ihre schönen scharlachroten Sonntagsrocke, von der Art, wie der Robbenschläger auch gern einen gehabt hätte. Aber er war arm und hatte nichts als seine kleine Schnake und sein bißchen Grips. Der Sylter trat hinzu und hörte, daß die Leute von Röm gern ihre Kirche einige Ellen weiter landeinwärts schieben wollten, aber nicht wußten, wie sie das zuwege bringen sollten. Pua Modders meinte, daß er wohl Rat wüßte. Sie sollten nur eine rote Jacke an die Stelle legen, wo sie ihre Kirche hingeschoben haben wollten, und dann sollten sie sich alle 22 0 80S 85Sg * Sgge T S. DSE B 8 BE SE —55 41— K 5 S 6. □ 50 S og 5E5S Ho.S dab . AEBScE SS 58 SOSSEEUMFTULSEO BBalbandonoesnaU6.E D S SSE-SDSS CHD S SSSS5S SEHSSESE-SgÖEES S„3-SnE„ SaLAN S9S5RL96C9 ESScRG.S= samt gegen die Kirchwand stemmen und das Gotteshaus mit vereinten Kräften schieben. Das deuchte den Leuten von Röm ein guter Rat. Der Reichste unter ihnen aber legte seine neue Jacke hin, und die ganze Mannschaft stemmte sich mit dem Rücken gegen die Kirche. Der Schalk ging inzwischen auf die andere Seite der Kirche und nahm die Jacke heimlich an sich. Dann ging er mit unschuldiger Miene zu den ächzenden und schwitzenden Leuten und sagte:„Eure Arbeit ist getan; die Jacke liegt schon unter der Kirche!" Da waren die Leute von Röm sehr vergnügt und gaben dem hilfreichen Robbenschläger noch eine Extra=Verehrung mit auf den Weg. Und in seiner Heimat wunderte man sich am Sonntag männiglich, wie stattlich beim nächsten Kirchgang Pua Modders in der roten Jacke mit dem Gesangbuch unter dem Arm zur Kirche ging. Die versoffenen Aale. Einmal, als die Robben sich um Sylt verzogen hatten, fuhr Pua Modders auf Herinasfang, salzte die Fische und fuhr damit nach Büsum. Ein paar Leute aus Wesselburen kauften von den gesalzenen Heringen, kosteten gleich davon und fanden sie vortrefflich. Der Schalk hörte, wie sie untereinander beratschlagten und riet ihnen, doch gesalzene Heringe in ihrem Dorfteich daheim auszusetzen; dann hätten sie das ganze Jahr über von den trefflichen Fischen. Dieser Rat schien den Wessenburenern gut und billig, und sie fragten Pua Modders, der nur darauf gewartet hatte, was der ganze Fang kosten solle. Der Sylter ließ sich noch ein paar Schillinge zum Schein abhandeln, und so zog jeder vergnügt seines Weges. Die Wessenburener setzten nun die Salzheringe im Teich aus. Im Herbst ward auf Gemeindekosten ein großes Netz gekauft, und das ganze Dorf saß um den Teich. So sehr man auch das Netz durch die Flut zog, man fischte nichts als eine tote Katze und einen alten durchlöcherten Bauernstiefel. Da beschlossen sie, den Sylter selbst um Rat zu fragen, ließen ihn von seiner Insel nach Büsum rudern und holten ihn feierlich ab. Pua Modders kam auch, sah sich die Sache an und meinte, man sollte doch den Teich ablaufen lassen, dann müßte sich ja zeigen, wo die Fische geblieben seien. Das Wasser lief ab aber es zeigte sich nichts als ein großer feister Mudd=Aal, der hilflos im Schlamm auf dem Grunde lag. Kein Zweifel, er hatte die Fische alle aufgefcessen und mußte dafür büßen. Einige wollten ihn zur Strafe schlachten und aufessen, anderen war diese Strafe nicht hart genug. Andere wollten ihn mit Feuer verbrennen, aber ein anderer, der nachts einmal duhn in den Teich gefallen war, meinte, ertrinken sei der schmählichste Tod. Pua Modders meinte, man sollte denn doch das Ungeheuer im Bach versäufen. Der Sylter ward dazu ausersehen, das Untier vom Leben zum Tode zu bringen. In einem Korbe wurde der Aal an den Bach geschleppt. Im Wasser begann sich der Aal sofort zu winden, und einige meinten mitleidig, das arme Tier scheine doch arge Todesschmerzen auszustehen, und der Küster knüpfte an den Aal einige erbauliche Bemerkungen über die Bitternis des Todes. Pua Modders ging mit Dank und Erkenntlichkeiten der Wessenburener nach Büsum zurück. Der Käsemond von Föhr. Es konnte nicht ausbleiben, daß Pua Modders auch seinen Freunden auf der Nachbarinsel Föhr Schabernack antat. Die Föhringer waren als neidisch und habgierig bekannt. Das machte sich der Schalk von Sylt zunutze, und als sie eines Abends alle im schönen vollen Mondschein beieinander saßen, erzählte er den etwas einfältigen Föhringern ganz ernsthaft, das Spiegelbild des Mondes, das gelb und gelb über der dunklen Tiefe des Haffs schwamm, sei ein ungeheurer und wohlschmeckender Käse. Den Föhringern lief das Wasser im Munde zusammen, als sie das hörten, und sie verjahen ihre Boote mit den größten Netzen, um den Mondkäse zu fischen. Aber den schönen holländischen Riesenkäse bekamen sie nicht ins Netz, so sehr sie sich in einer stillen Vollmondnacht auch mühten, und zu spät merkten sie, daß sie selbst ins Garn gegangen waren, dem Schalk von Sylt nämlich. Seit der Zeit durfte sich Pua Modders nicht mehr auf Fohr blicken lassen. Die Honiglecher von Sörup im Land: Angeln. Einige Männer aus dem Dorse Sörup, die zum Markt in die Stadt wollten, fanden unterwegs in einem hohlen Birnbaume einen Bienenschwarm. Nun sind die Söruper nicht nur alle Leckermäuler, sondern auch als Leute bekannt, die sich lieber die Zunge abbeißen, als daß sie sich lächerlich machen. Sie hielten miteinander Rat und kamen überein, daß sie bei der Heimkehr sich am Honig gütlich tun wollten. Das hatte Pua Modders gehört, der nach Flensburg wollte, weil er seiner Streiche wegen für einige Zeit von der Westküste verschwinden mußte. Kaum waren die Söruper außer Sicht, als er einen saftigen Kuhfladen in den hohlen Baum füllte. Dann legte er sich abseits des Weges nieder und schlief. Er hörte die Söruper wieder herankommen. Der erste steckte einen Peitschenstiel in den vermeintlichen Honig und leckte daran. Er zog wohl ein Gesicht, sagte aber nichts, um nicht dem Spott seiner Genossen anheimzufallen. Nach ihm taten die anderen ebenso, also daß die Soruper der Reihe nach wortlos den ganzen Kuhfladen wegputzten. Pua Modders, der heimlich auf den Baum gestiegen war, fiel fast aus den Zweigen vor heimlichem Lachen. Natürlich sorgte er dafür, daß die Tat der Söruper rings im Lande bekannt und belacht wurde. Die Söruper nehmen es seit der Zeit gewaltig krumm, wenn sie„Honiglecker“ gescholten werden. Pua Modders Ende. Eines Tages wurde in Sylt erzählt, der schalk sei tot, und zwar sollte ihn vor einem Brunnen in Rampen eine Kuh zu Tode gestoßen haben. Man sang ein Grablied auf ihn und ließ alle Glocken zur Beerdigung läuten. Plötzlich trat Pua Modders vergnügt unter die rauergesellschaft; in dem Sarge lag des GalEonsbild eines gestrandeten Schiffes. Erst saren die Sylter verblüfft, dann enttäuscht, und dem Schalk drohten Prügel. Da lud er sie alle zum Grog, und so feierte er sein eigenes Leichenbegängnis mit. Im Jahre 1610 ist der lustige Sylter zwischen Föhr und Sylt beim Robbenfang ertrunken, und man sagte auf den Inseln doppelsinnig: „De Kreeken floog weg met Pua Modders sin Katt". Das heißt etwa: Die Krähen flogen im Frühling weg mit Pua Modders seiner Katze oder Geißel. Aber noch fliegt manchmal seine Spottgeißel über die Köpfe seiner friesischen Landsleute hin wenn sie abends lustig zusammensitzen. Man sagt auch, Pua Modders habe niemals Ruhe gefunden, und sein Leib treibt in Ewigkeit umher zwischen den Inseln Frieslands. Und wenn dem Steuermann das Ruder festgeklemmt ist, oder sonst ein kleiner Schabernack geschieht, so mag wohl der Schalk Pua Modders seine Hand wieder dabei im Spiele haben. —1•.— Wilde Tiere als Menschenräuber Von W. E. Sergau=Berlin. Nach der Werwolfsage kann ein Mensch im Bunde mit dem Bösen die Gestalt eines ungeheuren, unverwundbaren Wolfes annehmen und als solcher ungestraft alle möglichen Schandtaten begehen. Sein Kennzeichen: ein brandrotes Haar oder mehrere zwischen den anderen. Anlaß zu dieser merkwürdigen Gestalt des Werwolfes mag die Tatsache gewesen sein, daß Wölfe, auch andere Raubtiere, hier und da Kinder raubten, sie aber nicht töreten, sondern säugten und mit ihnen spielten. Die Werwolfsage beschränkt sich übrigens nicht etwa auf Deutschland. In Rußland ist sie in ähnlicher Form erhalten, nur hat hier nicht ein Mann, sondern— eine Frau die Gestalt eines großen Wolfes angenommen. Sie fällt eines Abends ihren Mann an, als dieser auf die Jagd geht. Er trennt dem Tiere mit einem Degenhieb eine Pfote ab und nimmt diese als Trophäe heim. Als er zu Hause ankommt, findet er seine Frau krank im Bett: ihr fehlt die rechte Hand. Ein Verdacht steigt in ihm auf— und siehe: die Wolfspfote hat sich in eine menschliche Hand verwandelt, und an dieser Hand glänzt der Ring, den er seiner Frau bei der Trauung geschenkt. Ihr wurde der Prozeß gemacht und sie auf dem Marktplatz verbrannt. Die Sage der Gründung Roms durch die von einer Wölfin gesäugten Brüder Remus und Romulus ist bekannt. Der letzte verbürgte Fall, daß Wölfe ein Kind raubten und aufzogen, wird aus dem Jahre 1867 berichtet: ein Knabe wurde im Dschunge! von Bulandschar von einer Wölfin geraubt. Man fand ihn schlafend vor der Höhle des Wolfes. Unter Menschen gebracht. verweigerte er hauste er in einer Anstalt und lernte kaum mehr als ein Dutzend Worte seiner Heimatsprache. Eine merkwürdige Entdeckung machte ein lich in Kamerun, der eine Herde Affen verfolgte und unter ihnen einen besonders schön gewachsenen bemerkte, der keine Furcht zu kennen schien und den Mann zutraulich anstarrte. Von einer Kugel getroffen, stürzte der Affe vom Baum herab, und da entoeckte der Jäger, daß es sich— um eine Eingeborene handelte. Da sie nicht die üblichen Lätowierungen ihres Stammes trug, mußte sie schon in frühester Kindheit von Affen geraubt oder freiwillig in die Dschungeln gegangen ein Nicht minder merkwürdig war die Entführung eines hübschen malaiischen Mädchens durch einen riesigen Orang=Utang, der eines Nachts in die Hütte des Mädchens einorang und mit ihm verschwand. Der Vater konnte den Verlust seiner Tochter nicht verschmerzen und betrauerte dieauf unerklärliche Weise Verschwundene als tot. Eines Tages aber berichteten ihm Eingeborene; was sie im Urwald gesehen. Europäer lachten ihn aus, als er sie um ihre Hilfe bat. Da machte er sich mit einigen Eingeborenen auf— anderthalb Jahre nach der Entführung seiner Tochter— und durchsuchte das Dschungel. Und man fand sie hoch oben im Geäst eines großen Baumes mit ihrem Entführer. Man machte sich daran, den Baum zu fällen, aber der Orang=Utang nahm das Mädchen in seine langen Arme und floh. Als er sich in die Enge getrieben sah, überließ er das Mädchen seinem Schicksal. Froh nahm der Vater die Wiedergefundene heim, doch bald mußte er feststellen, daß es wie ein böser Geist über sie gekommen war. Sie hatte in der heimatlichen Hütte keine Ruhe mehr, sie seufzte und weinte tagelang, nachts, wenn die Stimmen des Urwalds durch die Stille drangen, saß sie wach und lauschte. Und eines Tages war sie wieder verschwunden. Ein Jahr später fand ihr Vater sie abermals. Der Affe schien diesmal nicht gewillt, seine schöne Beute kampflos herzugeben. Er richtete sich drohend neben ihr auf— und sank, von mehreren Kugeln tödlich getroffen, über sie hin. Aber mit welcher Sorgfalt die Eltern auch die Heimgekehrte umgaben, sie lächelte nicht, hatte jedes Wort ihrer Heimatsprache vergessen und weigerte sich auch, obwohl sie schön war, einen der jungen Burschen zum Manne zu nehmen, wie es jede andere an ihrer Stelle getan hätte. An der„Front“ in Moderne Kampfverfahren im Krieg gegen die Heuschrecken. Von Günther Erlenbeck. Fast alljährlich kommen aus den Weiten der arabischen Wüsten Riesenschwärme von Heuschrecken, um die fruchtbaren Teile Palästinas und Transjordaniens heimzusuchen. Der Schaden, den die gefräßigen Insekten anrichten, ist ungeheuer, denn die Heuschrecke verschlingt alles, was sie auf ihrem Wege findet: weoer das Kerosin der Telegraphenstangen noch die geteerten Wagendecken der Eisenbahn oder die Rinde den Bäume ist vor ihrer Freßgier sicher. Vor einigen Wochen wurde wieder das Hügelland östlich des Jordans von riesigen Schwärmen heimgesucht, die ihre Eier dort ablegten. Obgleich das Gelände im weiten Umkreise umgepflügt wurde, um die Brut im Keime zu vernichten, schlüpften doch Myriaden junger Heuschrecken aus, die für die benachbarte: Landesteile eine furchtbare Gefahr bildeten. Denn die Gefräßigkeit der alten Tiere ist nichts im Vergleich mit der ihrer Jungen. Es wurde daher ein regelrechter Feldzug gegen den geflügelten Feind unternommen, wobei man sich alle Errungenschaften moderner Kriegführung nutzbar machte. Das Hauptquartier befand sich im Ackerbauamt in Jerusalem. Drei„mobile Kompagnien“ wurden auf der 60 Kilometer langen„Front“ von Lisan, am Ostufer des Toten Meeres bis nach Schunet, östlich Jericho, eingesetzt. Als „Generalstabschef“ wirkte der Regierungsentomologe in Jerusalem, der die Operationen leitete. Die mobilen Kompagnien beziehen an geeigneten Stellen der Front ihre Standlager. Erkundungstrupps gehen vor, um abgetrennte Schwärme des„Feindes“ aufzuspüren und zu vernichten. In den Standlagern befindet sich die Ausrüstung an Flammenwerfern und die „Munition": lange Reihen großer Petroieumfässer aus starkem Eisenblech, daneben Behälter mit Arsenik und kieselfluorwasserstoffsaurem menschliee Nahrung duldete auch keine Klei=Salz. Beide Gifte werden aber nur ungern dung auf seinem Leibe. Dreißig Jahre lang' angewandt, da sie zu langsam wirken und die Kulturen schädigen. Dann gibt es hohe Stapel von Zinkblechplatten, eiserne Bolzen und Pfähle, Hacken, Spaten und viele andere Werkzeuge. Außer den technischen Beamten, gewissermaßen den Offizieren dieses eigenartigen Heeres, befinden sich in jedem Lager etwa dreihundert Arbeiter, die aufgrund eines noch gültigen türkischen Gesetzes zur Hilfeleistung in Notfällen wie dem vorliegenden herangezogen werden können. Motoromnibusse aus Jerusalem befördern Streitkräfte an die bedrohten Punkte. Die jungen Heuschrecken pflegen sich in wimmelnden Schwärmen auf dem Boden vorwäcts zu bewegen. Hat man einen solchen oft viele hundert Meter breiten und noch viel tieferen Schwarm festgestellt, so wird über Nacht aus verzinkten, etwa einen halben Meter hohen Blechplatten, die durch eiserne Pfähle gestützt werden, eine Art Damm gegen die wogende Flut errichtet. Ein solcher Zinkblechdanm ist bis zu fünf Kilometer lang, gegen die herannahenden Heuschrecken zu ein wenig geneigt, um diesen nach Möglichkeit ein Ueberklettern oder Ueberspringen zu erschweren. Alle 20 Meter etwa wird eine große, ein halb Meter tiefe Grube ausgehoben, in die mit Eode bedeckte, leicht geneigte Zinkplatten hineinführen. Von den Hügeln nahen sich, angelockt durch den Duft der nahen Felder, bald nach Sonnenaufgang die hungrigen Heuschrecken. Beiderseits ihres Zuges wird mittels besonderer Apparate ein„Sperrfeuer“ aus Paraffin gelegt, das sie nicht zu überschreiten vermögen. Der Schwarm trifft nun auf die Blechmauer, an der er, da er das Hindernis nicht überwinden kann, entlang wandert. Man sieht kleine, dunkle, eben ausgeschlüpfte Heuschrecken; größere, deren weiße Streifen anzeigen, daß sie sich im zweiten Entwicklungsstadium befinden, und endlich fast oder völlig ausgewachsene grün und gelb gefärbte, die bereits Flügel aufweisen. Früher oder später kommen die Tiere an die einzelnen Gruben, in die sie hineinfallen müssen, und die bald von einer wimmelnden, durcheinander krabbelnden, lebenden Masse gefüllt sind; ein unbeschreiblicher Anblick. Dazu bringt das Rascheln der noch kaum entwickeiten Flügel, das Knistern der unzähligen Fühlhörner ein ganz eigenartiges Gerausch hervor, von dem man sich nur schwer eine Vorstellung machen kann. Ist die Grube gefüllt, so kommen die Flammenwerfer zu ihrem Recht. Das brennende Petroleum fließt in die Grube, und im Nu sind die Heuschrecken von der Flamme verzehrt. Die Arbeiter räumen die verkohlten Reste, die braunem Lehm gleichen und einen fürchterlichen Gestank verbreiten, tonnenweise fort, um neuen Opfern Platz zu machen. So füllt sich eine Grube nach der andern und wird in der beschriebenen Weise„erledigt“ Millionen und Abermillionen von Heuschrecken gehen auf diese Weise zu Grunde. Andere, welche die Gruben vermieden haben, werden durch ausgesprengtes Paraffin vernichtet. Sollten größere Mengen entkommen sein, sg verlegt man die Front in der nächsten Nacht entsprechend, um auch ihrer habhaft zu werden. Bei der raschen Entwicklung der Heuschrecken findet man auch junge Schwärme, die schon das geflügelte Stadium erreicht haben und mithin eine besondere Gefahr bilden. Diese werden in der Morgenfrühe, wenn sie infolge der Kälte der Nacht noch steif und unbewe sind, mit Feuer und Gift ausgerottet. Was dann noch bleibt, fällt den Störchen, Spinnen und Ameisen zur Beute, die in dieser Zeit stets einen gedeckten Tisch finden. Szenen wie die geschilderte spielen sich gleichzeitig anzwanzig, dreißig Stellen der ausgedehnten Front ab. Der Ausgang des Kampfes zwischen Mensch und Heuschrecke ist noch ungewiß, die Wagschale dürfte sich aber auf Seite des ersteren neigen. Der eigenartige Feldzug ist dabei verhältnismäßig billig: dank der Konkurrenz der großen Petroleumgesellschaften braucht man nur für zehn Pfennig Petroleum, um„ein Kilometer Heuschrecken“ zu vernichten. erste Mal Balkan Von Dr. K. Streckenbach= Bukarest. Vom allerersten Male wollen wir gar nicht reden; das war im Kriege, man schaukelte die Donau von Orsova nach Lomka Lanka hinunter, um„hintenherum“ in die Türkei zu gelangen. Und da hinten sah der Balkan so aus wie im Schulbuch, und außerdem war eben Krieg, und man wollte ans Goldene Horn und sah sich nicht allzu erstaunt um. Das war das allererste Mal. Das erste Mal liegt jetzt auch schon etliche Jahre zurück. Da riß man doch die Augen auf und kratzte sich, teils aus Verwunderung, teils aus anberen Gründen. Zum Beispiel in Nisch, in einem „Hotel“, in das man nächtlicherweile geführt wurde, holterdipolter durch dicksten Dreck, bis zu den Knöcheln in einer undefinierbaren Masse aus Lehm, Wasser, alten Töpfen und Papierresten wandelnd. In dieser Hinsicht hat ich im herrlichen Nisch nichts geändert, alles st schön beim alten geblieben, man ist hier konservativ und erhält, was man ererbt hat. Belgrad darf man ja eigentlich nicht zum Balkan zählen; es gibt Leute, die das ungern hören und in dem Worte Balkan tatsächlich mehr als eine geographische Bezeichnung sehen. Dazu gehöre ich nun zwar auch— aber aus ganz anderen Gründen. Wenn man das erste Mal auf dem Bahnhofsplatz steht, verraten und verkauft, drüben ein modernes Hotel sieht und sonst eben nur Balkan, dann weiß man nicht, ob man glauben darf, daß dies hier der Anfang der Hauptstadt eines großen Reiches sei; besonders, wenn man eben von Agram gekommen ist, aus der„Provinz“ also. Später gewöhnt man sich langsam daran, schleudert durch die zwei Hauptstraßen(Optimisten zählen drei) und landet in einem fabelhaften Hotel, setzt sich an einen herrlich gedeckten Tisch und glaubt, irgendwo zwischen Paris und Berlin zu sein. Bis die Dame am anderen Tisch... Also diese Dame— so was gibt es ja auch bei uns — diese Dame hielt die Gabel in der Rechten, das Messer in der Linken und begann zu essen, ohne sich mit dem Messer die Lippen blutig zu schneiden. Nie habe ich erfahren können, ob sie vielleicht Fakirausbildung genoß. Von Belgrad also kam man nach Nisch und von Nisch nach Uesküb; das heißt jetzt Skoplje. Dort gibt es eine Hauptstraße die man ohne Zweifel aus Prenzlau(oder Schwiebus?) gestohlen haben muß, nur daß sie einen Stich ins Mondäne hat und ein Kabarett beherbergt. Ein Kabarett mit roter und violetter Reklamelampe davor, was sehr schön und verlockend wirkt Hinter dem Kabarett und der Hauptstraße sind zwei Sachen: erstens der Balkan, wie er schon im Kriege aussah, und zweitens etwas sehr Nettes nämlich eine richtige Türkenstadt, die tausendmal echter wirkt als der ganze mondäne Balkan der Hauptstraße und ihre paar Nebengassen, die den Eindruck einer an falscher Stelle aufgebauten Attrappe erwecken. Wenn man dieses Potemkinsche Dorf hinter sich hat, kann man bis über die griechische Grenze vordringen. Das taten wir wacker und staunten auf der ersten großen Station, auf der wir ausstiegen, Saloniki, staunten, daß hier kein Nisch war, sondern eine Stadt mit modernen Hotels guten Straßen, etwas zerschossen noch vom Kriege her, aber voller Arbeit und Leben und einem an Konstantinopel erinnernden Hang zum Kosmopolitischen. Wenn man am Meer saß, am alten venetianischen Turm, gute Musik hörte, vergaß man, daß man sich auf dem Balkan und in einer griechischen Provinzstadt befand, und freute sich nun mächtig auf Athen. Athen kannte man ja von der Schule her. Akropolis und Jupitertempel und wie die Bilder alle hießen, die sich auf den Korridoren langweilten. Und dieses klassische Athen zu verderben, ist auch bisher allen Bemuhungen nicht gelungen. Am modernen war nicht viel zu verderben. Die Deutschen haben dieser modernen Stadt das erste Gesicht gegeben— und darum wohl sind die Deutschen heute noch nicht beliebt und selbst das als offiziös geltende Blatt läßt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne auf die frechen Deutschen zu schimpfen oder ihnen wenigstens einen schlechten Witz an den Kopf zu werfen. Herausgeber ist eine Dame; späte Verwandte wohl aus Sokrates weiblichem Familienanhang. Weibliche Tugenden sollten sich in Athen anders betätigen; indem sie zum Beispiel einen Tierschutzverein gründeten, der den geschundeTieren bitter not täte und vielleicht auch nen Lieten vilter nt ti den Gesellen Erlösung brächte, die, vor Wagen gespannt, gerade noch als Pferde zu erkennen sind. Oder aber, sie sollten ein anständiges Kaffeehaus einrichten: kein Wiener kann in Athen glücklich werden, weil es nur grausame Kaffeeschenken gibt, keine Kaffeehäuser. Und da in diesen Kaffeeschenken(sie nennen sich mit stolzestem Namen) Aschbecher ebenso unbekannt sind wie Spucknäpfe, male sich aus wer kann, wie es nach dreistündigem Betriebe aussehen mag: wie eine Straße von Nisch in regenarmer Zeit. Das ist die Hauptstadt und Saloniki die „Provinz“? Fast ist man versucht, an Belgrad und Agram zu denken. Dann freilich stellt man fest, daß Athen doch etwas hat, was Belgrad nicht kennt, die herrliche Natur, Berge und Meer zugleich. Aber auch hier ist es nach langem Bemuhen gelungen, etliche Verschandelungen zu erreichen; denn wo man eine großartige Badeanstalt gebaut hat, läßt man zwei duftende Röhren enden, unmittelbar daneben, so daß man auf einem Rieselfeld zu stehen glaubt, und wo man einen Wald haben könnte, hat man eine Ansammlung kläglicher Bäumchen, die nur der Botaniker noch als Fichten und Kiefern erkennen kann; denn man braucht ihr Harz zur Herstellung eines Nationalgetränks, des geharzten Weines, den der Fremdling voll Schauer— ausgießt. Das erste Mal Balkan. Man schüttelt den Kopf und fragt wie eine gute bayrische Hausfrau: Ja gibt's denn des ak Längst, so dachte man, ist doch alles vorbei, längst gehört all das doch in die Lederstrumpf=Literatur, in die Gegend um Karl May. Aber er lebt noch, der alte Balkan, und wenn nicht alles täuscht, bleibt er noch ein paar Jahrzehnte so leben, wie er seit Jahrhunderten gelebt hat. Und hat doch soviel Schönes, Romantisches, Gewaltiges, Wildes. Und eine Geschichte voller Gewalttat und Tyrannei. Wohin reisen wir? Man kann wohl nicht behaupten, daß das bisherige Wetter besonders großen Anreiz zum Reisen gegeben hätte. Wenn uns nun die Wetterpropheten, die bisher Recht behalten haben, nicht ganz enttäuschen, haben wir einen recht schonen Hochund Nachsommer zu erwarten. Also das richtige Wetter für den Sommerfrischler, der sich bereits jetzt überlegen muß, wo er seine Ferien verbringen wird. Eine prachtvolle Unterstützung wird ihm da die Schrift des Rheinischen Verkehrsverbandes E. V., Bad Godesberg„Die rheinischen Sommerfrischen und ihre Gaststätten" bieten. Das bereits seit langen Jahren so beliebte Büchlein ist in neuer Auflage erschienen und enthält eine klare Uebersicht über die rheinischen Sommerfrischengebiete, mit Angaben über Hotels=, Zimmer=, Speise= und Pensionspreise. Sämtliche Landgebiete des Rheinlandes: der Rhein, die Ahr, das Bergische Land, die Eifel, Hochwald und Hunsrück, die Lahn, die Mosel, die Nahe, der Niederrhein, die Rheinpfalz, der Saargau, das Siegtal, der Taunus, der Westerwald und die rheinischen Bäder sind behandelt. — Das Verzeichnis, das 144 Seiten stark ist, kann direkt vom Rheinischen Verkehrsverband und den örtlichen Verkehrsbüros bezogen wer- tet. den Ober, einmal„Alten Schlafrock!“ Die Tücken einer brasilianischen Speiseharte.— Paraty= Trinken will gelernt sein.— Die Fischzunge als Reibeisen. Wer eine gastronomische Rundreise durch Brasilien unternimmt, um Speise und Trank der Landesbewohner aus eigener Erfahrung kennen zu lernen, muß mit einem Magen ausgerüstet sein, der mehr als gewöhnlichen mutungen gewachsen ist. Dies gilt selbstverständlich nicht in den modernen Restaurants der Großstädte an der Küste, in denen man überall nach europäischer Art speisen kann. In den kleineren Speisewirtschaften und überall im Innern findet man dagegen viele eigenartige Gerichte und Getränke. Dem Reisenden fällt zunächst der außerordentlich häufige Gebrauch scharfer Gewurze auf. Der rote spanische Pfeffer gedeiht hervorragend in dem feuchten Tropenklima und wird von den Brasilianern in für uns unvorstellbaren Mengen verwandt, ja zuweilen allein für sich als„Näscherei“ roh gegessen. Wer in Bahia einmal den dort sehr beliebten„mocoto“ versucht hat, verlangt nicht so leicht ein zweites Mal danach. Das Gericht besteht aus zu Ballert gekochten Kalbfüßen, die dann in einer setten Tunke unter Beifügung unglaublicher Massen roten und anderen Pfeffers geschmort sind. Roupao velho, alter Schlafrock, nennt sich ein berühmtes, nicht weniger scharfes Ragout, das gleichfalls besonders von den Bahianern bevorzugt wird.„Vasapi“„carunn" und manche sonstigen Gerichte, die der arglose Europäer auf der Speisekarte findet und, ohne sich etwas dabei denken zu können, der Wissenschaft halber bestellt, verbrennen den Unvorsichtigen Munde, Speiseröhre und Magen nicht weniger gründlich als die erstgenannten brasilianischen Nationalgerichte. Um den fürchterlichen Brand zu löschen, nimmt man am besten das vortreffliche Mineralwasser von Caxambu, das überall erhältlich ist. In ganz Brasilien, vor allem in den unteren Volksschichten sehr beliebt ist der Kabeljau, reichlich mit Zwiebeln und Knoblauch angerichtet. Neben ihm spielt, wie auch im übrigen Sudamerika, das getrocknete Fleisch, parone,