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reichlich Anlaß guben. Lustige Abende wurden in froher Gesellschaft verbracht. Des guten H. kiebstes Vergnügen aber war„Pieske von hin­ten". Der Wirt besaß nämlich ein Kino, ver­fügte aber nur über einen einzigen Film mit dem schönen Namen„Piefke in Paris“. Dieser war den Zechgesellen auf die Dauer zu lang­weilig geworden, und so waren sie auf den Ge­danken gekommen, ihn rückwärts laufen zu las­sen. Auf alle Fragen, was er denn zu tun be­absichtige, schmunzelte der aute H. verstohlen; er habe eine gute Sache in Aussicht, die aber noch nicht spruchreif sei.—

Wieder vergingen einige Wochen, da ging wie ein Lauffeuer die Nachricht durch das Land daß der gute H. seine eigene Farm zurückge­hauft habe und zwar für den Preis von nur 25000 Mark.

Eduard und Klärchen aber waren wieder nach Europa verschwunden.

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Sprungbrett

Von H. Liedtke.

(Nach einer Satire der Zeitschrift„Ismächatsch“ über die Leitung russischer Staatsbetriebe.)

Januar, Montag, den 9. Ein wahres Elend! Unser großer Betrieb von 1000 Werk­stühlen kommt nicht in Gang!

sechsten Direktor. Nichts auszusetzen. Gymna­stiker. Aus dem Staatszirkus, glaube ich.

Versprach, alles zu bessern. Ließ in den Werkräumen Trapeze anbringen. Zur Er­holung von der Denkarbeit. Ließ die Luft­fenster öffnen. Befahl den Maschinenschreibe­rinnen, sich Bewegung zu machen. Offen ge­standen, wir freuten uns. Leider hörten wir abends, daß er abberufen war. In ein Kinder­heim.

Sonnabend, den 14. Der siebente Di­rektor ist sehr sonderbar. So geschäftig. Wo­her er stammt, weiß ich nicht.

Morgens 10 Uhr kam er an, mittags stellte er sich Anweisungen auf zwei riesige Vorschüsse aus, um 3 Uhr verabschiedete er sich, um 4 Uhr setzte er sich in den Zug, und heidi! in die Welt. Er fuhr, um irgendwo eine Frage an Ort und Stelle zu studieren.—

Juli, den 1. Der sonderbare Direktor war von allen der klügste. Im Januar fuhr er los und ist noch immer auf der Reise. So kann man ihn nicht fassen, um ihn abzuhalftern.

Wir sind uns selbst überlassen. Und der Be­trieb? Ach, der Betrieb geht ausgezeichnet.

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Das Geheimnis des Niesens

Es ist ein uralter Brauch, dem Niesen eine geheimnisvolle Kraft, einen besonderen Einfluß zuzuschreiben, ein Glaube, welcher ziemlich in

Am Nittwoch erschien der neue Direktor. allen Weltteilen in irgend einer Form anzu­

Guter Mann. War neugierig, wollte die Fa­brik bennen lernen und verlor sich in ihren leeren Korridoren. Irrte wie eine Wander­niere, ohne den Ausgang zu finden. Erst am

treffen ist, und erst in neuerer Zeit bei den gebildeten Klassen Europas in Wegfall gekom­men ist. Dagegen scheint das Niesen besonders hoch in Ehren und Ansehen bei den wilden

dritten Tage kam er zum Vorschein,— zu Völkern zu stehen: den Rothäuten Amerikas, spät: im Amtszimmer lag der Regierungserlaß den Kaffern Afrikas, den Bewohnern Neu=See­über seine Abberufung auf dem Schreibputt und lands usw. Kommt zum Beispiel ein kleiner stand der Nachfolger.(Neu=Seeländer auf die Welt, so erscheint so­

Nicht übel der Nachfolger! Spielt Harse. gleich der Priester mit einem Gefolge von Ge­

Kommt von der Oper.[vattern und Basen, um das Kind zu taufen

seinem Handteller lag. nicht nahmen, bevor er

es ihnen nicht erlaubte. Wenn er„Schule hielt“, so sammelten sich zahlreiche Zuschauer, die die Belehrigkeit der Sperlinge bewunder­ten. In seinem Zimmer fand man noch einen Sack mit Brotstücken und Körnern, der wohl zur Mahlzeit der Vögel an dem Tage dienen sollte, an dem er nicht mehr nach Hause zu­rückkehrte.

Die Wolfsplage in Rußland.

Infolge der strengen Kälte im Norden hat Zenkralrußland wieder stark unter den nach Süden ausgewichenen Wölsen zu leiden. Große Rudel irren nicht nur auf dem flachen Lande umher, sondern zeigen sich sogar in der nächsten Umgebung der Städte und finden unter der Be­völkerung zahlreiche Opfer. In verschiedenen Gegenden, z. B. Orenburg und Samara, wer­den in großem Maßstab Treibjagden abgehal­ten, ohne daß die Ergebnisse befriedigend zu nennen wären. Auch im Süden zeigen sich Wölfe, am Don und im Kubangebiet. Unter den zahlreichen elternlos umherirrenden Kin­dern(eine für das Nachkriegsrußland charak­teristische Erscheinung) richten sie hin und wie­der wahre Blutbäder an. Man hat mehr als einmal an einer einzigen Stelle die Knochen­reste von Dutzenden von Kindern gefunden, die den hungrigen Tieren zum Opfer fielen. Die ungeheure Ausdehnung des dünnbevölkerten Landes macht eine wirkliche Bekämpfung der Wolfsplage vorerst unmöglich. Wie im eigent­lichen Europa wird der Wolf auch in Rußland erst dann auf den Aussterbe=Etat gelangen, wenn das weite Land dichter besiedelt sein wird, als es heute der Fall ist.

Dienstag, den 10. Er beginnt den Be­trieb einzurenken. Läßt die Korridore belich­ten, bestellt 200 Türschilder aus Emaille mit der Ausschrift von Rang und Namen der An­gestellten. Damit sich niemand mehr verirrt. Unterschreibt die Bestellung— und öffnet ein Schreiben der Regierung, das ihm die Ver­setzung zur Naphtobetriebsverwaltung bringt.

Der dritte Direktor stellt sich ein. Nichts zu sagen! Sehr energischer Mann. Aus Grob­mannehauten.

„Ihr wollt das Geschäft ruinieren.“ poltert er,„Geld für Türschilder aus dem Fenster wer­sen! Weg damit!"

Und er befiehlt, sparsamer zu wirtschaften, vor allem auch mit dem Papier. Anfragen wer­den auf der Rückseite des Schreibens beant­wortet. Siehst du— ein Viertelbogen erspart! Aeußerungen in verschiedenen Angelegenheiten kommen auf einen gemeinsamen Bogen,— mag sie der Empfänger auseinanderklauben!

So wird bis zum Abend noch viel geregelt; dann zieht man den dritten Direktor zurück und schickt einen anderen.

Mittwoch, den 11. Der andere ist gut, sorschbegierig. Ein Doktor scheint es. Fühlt die Pulse.„Aha,“ ruft er aus.„ich weiß schon, warum es bei Euch stockt. Ihr habt keine Ahnung von wissenschaftlichen Methoden. Ich werde Euch lehren.“ Und er stürzt sich auf einen Kontoristen:„Kann man so sitzen, junger Mann? Wer hält so die Feder? In drei Ab­sätzen atmen: eins, zwei, drei!“„Und Sie“— zu einer Maschinenschreiberin—„was krüm­men Sie sich wie ein Igel! 15 Prozent Kraft­verlust! Brust heraus!“

Donnerstag, den 12. Der Doktor ist weg. In den Zeitungsdienst geholt. Wir ha­ben den fünften Direktor. Nicht schlecht. Ein Ausländer— Amerikaner. Scheint aus der Handelsabteilung zu stammen.

„Teime is money“, spricht er,„und Ihr stehlt die Zeit.“

"„Wie,“ fragt der Betriebsausschuß erschreckt, „woraus entnehmen Sie das? Bei uns ist noch nie gestohlen worden.“

„So meine ich es nicht. Aber was leistet Ihr an Arbeit? Nun, ich werde Ordnung schaffen.“ Er befiehlt, daß ein jeder ein Heftchen be­kommt, in dem er die verrichtete Arbeit stünd­lich zu verzeichnen hat. Als Ausweis und zur Verantwortung. Feine Sache! Man läuft zur Uhr, stellt die Zeit fest, schreibt an; ist man da­mit fertig, läuft man wieder zur Uhr— sie steht im sechsten Stock. Und du kennst unsere Lee; kommen sie erst in Fluß. so bleiben sie in Bewegung. Was dabei herauskam, sah nach Afrika aus, nicht nach Amerika.

Freitag, den 13. Ein Unglückstag. Den Amerikaner hat man in die Landwirtschaft übernommen; uns schickten sie mittags

wobei das Niesen insofern eine Haupt= und ent­scheidende Rolle spielt, als durch dasselbe der Taufling seinen Namen erhält. Langsam be­ginnt der Priester Namen für Namen herzu­sagen. Erst wenn einer der Anwesenden niest, hält er inne, denn dieser Name, bei welchem geniest wurde, ist von der Gottheit für das Kinder wählt worden.

Die Kaffern Afrikas huldigen der Ansicht daß die Götter dem Niesenden besonders nahe seien, um den Wunsch eines Menschen zu erfül­len. Darum rusen sie beim Niesen: Geist un­seres Stammes, gib mir Kinder!" oder„Geist unseres Stammes, gib mir Vieh!". Daher ha­ben die Zulus und ihre Grenznachbarn eine so große Vorliebe für den Schnupftabak, weil er, nach ihrer Ansicht, ihre Wünsche respektive deren Erfüllung befördern hilft.

Auf den Tonga=Inseln hat das Niesen da­gegen eine böse Bedeutung. Wehe demjenigen, welcher bei einer religiösen Zeremonie niest. Er verdankt es der persönlichen Milde des Häuptlings, wenn ihn dieser nicht sofort mit der Keule niederschlägt. Soll etwas Kriege­risches unternommen werden, und der Zufall will, daß einer der Krieger zuvor niest, so läßt der Häuptling des betreffenden Stammes so­fort das Unternehmen für diesen Tag ruhen.

Die Sperlingsschule.

Ein Vogelfreund, der vielen Besuchern des Londoner Hyde=Parks bekannt war, hat jetzt ein tragisches Ende gefunden. Der Ingenteur Algernon Valentine, ein Mann von 63 Jahren, wurde tot aus dem Wasser gezogen; er ist er­trunken oder hat sich auch vielleicht das Leben genommen, da es ihm in der letzten Zeit schwer wurde, Arbeit zu finden. Dieser stille, träu­merische Mann erschien viele Jahre hindurch tagtäglich an einem abgelegenen Fleckten des Hyde=Parks, wo sich sogleich die Vögel um ihn versammelten. Er fütterte die Tiere und hatte sie so an sich gewöhnt, daß man geradezu von seiner„Sperlingsschule“ sprach. Die Vögel folg­ten ihm aufs Wort. Die sonst so frechen und ruppigen Gassenjungen der Vogelwelt stellten sich vor ihn in Reih und Glied, und wenn er kommandierte„beugen", so bückten sie ihre Köpfchen nieder. Befahl er„Rechts um!“ so wandten sich die Sperlinge nach rechts und ebenso auf sein Kommando nach links. Befahl er einem Vogel, auf seine Hand zu fliegen, so führte dieser den Befehl aus. und manchmal be­orderte er mehrere nacheinander auf seine [Hand, um sie zu füttern. Er hatte die Tiere so den gut abgerichtet, daß sie die Brotkrume, die auf

Ein Heimatschutzheft brachte der„Sauer ländische Gebirgsbote“, die amtliche Zeitschrift des Sauerländischen Gebirgsvereins soeben in der Februarnummer heraus. Aus dem reichhaltigen Inhalt sind besonders her­vorzuheben die Aufsätze von Fabrikant W. Münker über Heimatschatz im S.G.V., worin in erster Linie warnend auf die Blechpest der letzten Jahre hingewiesen wird, von Dr. Heinr. Schauerte:„Zur Erhaltung der Sitten und Gebräuche der Heimat“, von Dr. Dr. Dr. Josef Lappe über Heiligenhäuschen und von Otto [Großjohann über„Naturschutz und Wan­dern". Gedichte von Fr. W. Grimme und an­deren Sauerländern, eine Schilderung des am Peterstag(22. Februar) im Sauerlande noch verbreiteten Sonnenvogelfestes, eine Skizze des Sauerländer Dichters Adolf Wurmbach. Weitere wissenswerte Mitteilungen aus dem Gebiete des Natur= und Heimatschutzes und dem Verkehrswesen wie Vereinsleben füllen den Rest des mit gutem Bildschmuck versehenen Heftes aus. In Beispielen und Gegenbeispielen wird zu zeigen versucht, wie trostlos und öde sich das blecherne Gewand gegenüber den freundlich und einladend ausschauenden Fach­werkhäuschen aussieht.

„Die Zugspitze". Illustrierte Alpenzeitschrift für das Gebiet der Mittenwaldbahn, Verlag Karl Boecklein, München 2 NW 3— Einzelheft 60 Pfg. Durch den gewaltigen Aufschwung der Orte an der Mittenwaldbahn seit Eröffnung die­ser Linie, ferner die neuerdings erbauten Seil­schwebebahnen auf Kreuzeck und Zugspitze, so­wie die alljährlich hier stattfindenden großen Ski=Sprung=Veranstaltungen und Winterren­nen wird das Gebiet„rund um die Zugspitze" immer mehr zum Konzentrationspunkt inter­nationalen Fremdenverkehrs. In richtiger Ein­stellung hierzu hat der eingangs erwähnte Ver­lag deshalb seine bereits vor dem Kriege unter dem Titel„Die Mittenwaldbahn“ herausgege­bene Zeitschrift wieder ins Leben gerufen und diese neue Alpenzeitschrift segelt nunmehr unter dem Namen Deutschlands höchster Warte: „Die Zugspitze". In zweifarbigem Umschlag auf gutem Kunstdruckpapier hergestellt und mit ausgewähltem schönen Bildermaterial versehen, bietet das reichhaltige Heft eine bunte Reihe Aufsätze belehrenden und unterhaltenden In­halts. Wir nennen u. a. nur die Titel: Fritz Müller,„Garmisch=Partenkirchen“ Lilli von Wooch:„Mit der Seilschwebebahn auf das Kreuzeck“, Heinrich Koeppen:„Das Zugspitzen­dorf Ehrwald",„Winter im Werdenselser Lan­de",„Herbstliches Straßenbild in Garmisch= Partenkirchen".

Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena.

Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena.

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Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung

Nr. 9

Mittwoch, 2. März

1927

Die deutschen Auswanderer

Von K. Liermann.

War es im vorigen Jahrhundert die Aben­teurerlust, die Sucht, in den amerikanischen Goldgruben große Reichtümer zu erwerben, die den deutschen Auswanderer über den großen Teich fahren ließ, so ist es in der Gegenwart die Not, der Mangel an Erwerb, der viele un­serer Landsleute zwingt, das Glück, das heißt eine einträgliche, feste Lebensexistenz im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten zu suchen. Es sind vom Schicksal heimgesuchte Menschen, die nur schweren Herzens die heimatliche Scholle verlassen. Wenn wir sie fragen, werden sie antworten:„Wir haben das ewige Hungerleben satt. Drüben wollen wir uns ansiedeln, das Land urbar machen und eine eigene Farm gründen.“ Eine eigene Farm da sist es, was so verlockend klingt. Wissen sie auch, was es heißt: eine eigene Farm gründen? Die Urbar­machung des Urwaldes verlangt übermenschliche physische Kräfte und mancher ist dabei schon zu­grunde gegangen. Ganz abgesehen davon, daß das Klima in den Siedlungsgegenden zumeist die Gesundheit des Mitteleuropäers ruiniert, Die Auswanderer kennen die Gefahren vom Hörensagen; denn schon viele ihrer Vorgänger sind zurückgekehrt, weil sie lieber in der Hei­mat das bittere Los der Not und Armut ertra­gen wollen, als im fernen Westen unter unsäg­lichen körperlichen Anstrengungen, Entbehrun­gen und Leiden das Leben aufs Spiel zu setzen. Fürwahr, es gehört ein großer Mut und Unter­nehmungsgeist dazu, die Fahrt über den großen Teich zu unternehmen. Viele haben zwar Ver­wandte und Bekannte in den amerikanischen Freiheitsgefilden, doch wenn diese nicht selbst vermögend oder als einflußreiche Persönlich­keiten anzusehen sind, so werden sie den Neu­ankömmlingen wenig nützen können.

Früher war es zum größten Teil Nordame­rika, wohin sich die deutsche Auswanderung richtete und so ist es im Grunde genommen bis auf den heutigen Tag geblieben. Ein geschicht­licher Ueberblick auf die verschiedenen Phasen dieser Auswanderung und ihre Wirkung in der neuen amerikanischen Heimat, auf die Zusam­mensetzung der dortigen Bevölkerung ist im höchsten Grade interessant.

Die erste deutsche Auswanderung von Be­deutung fand im Jahre 1683 statt. Was von Deutschen vorher dahin gekommen, blieb unter Holländern, Engländern und Schweden einzeln versprengt, und brachte es, außer einer pfälzi­schen Gemeinde bei Newyork, nicht zu größeren Niederlassungen nationaler Genossen. Damals hatten die Quäker unter William Penns Füh­rung sich ihren Sektenstaat Pennsylvanien in der neuen Welt gegründet, und von ihren ge­worbenen Anhängern in Norddeutschland waren es zunächst Rheinländer, die ihrem Rufe zur Uebersiedelung folgten.

Im Jahre 1709 fand dann eine massenhaftere Zuströmung aus der Pfalz nud aus Schweden statt, die von der englischen Regierung veran­laßt war. Dreizehntausend Deutsche lockte der Ruf, sich mit Unterstützung englischen Goldes in dem nordamerikanischen Lande anzusiedeln. Die Reise ging nach Nordkarolina und New­york. In Pennsylvanien siedelte sich vorzugs weise das wohlhabende Deutschtum an und ver­wandelte die rauhen Waldungen in einen fruchtbaren Garten. Im Jahre 1738 berichtete der englische Gouverneur dieser Provinz, er glaube, es könne der Wahrheit gemäß behaup­tet werden, daß der blühende Wohlstand des Landes größtenteils dem deutschen Fleiße zu verdanken sei. Im Jahre 1763 gab es in Penn­sylvanien bereits dreißig deutsche Gemeinden, die Zionsgemeinde in Philadelphia war die

Köln am Rhein

Köln am Rhein, du schönes Städtchen, Ja, Köln am Rhein, du schöne Stadt. Und darinnen muß ich lassen Mein'n herzallerliebsten schönsten Schatz.

Pulver und Blei, das muß man haben,

Wenn man F##asen schießen will,

Schöne junge Mädchen, die muß man lieben Wenn man sie einz heiraten will.

Schatz, ach Schatz, du tust mich kränken, Vieltausendmal in einer Stund'.

Könntest du mir die Freiheit schenken,

Bei dir zu sein eine halbe Stund'!

Ja, die Freiheit sollst du haben,

Bei mir zu sein eine halbe Stund';

Wenn du mir versprichst getreu zu bleiben, Bis an die allerletzte Stund'.—

Droben am Himmel stehn zwei Sterne,

Die leuchten heller als der Mond.

Der eine leuchtet in die Kaserne,

Der andre, wo mein Liebchen wohnt.

Fritz Linde.

bedeutendste. Dort entstanden die ersten deut­schen Zeitungen jenseits des Ozeans.

Neben Pennsylvanien kam auch die deutsche Auswanderung nach der Provinz Karolina in Aufschwung. Im Jahre 1710 siedelten sich dort 650 Pfälzer an, die 1769 die Stadt Charleston gründeten, die in der Gegenwart zur Wiege des modernen Charleston=Tanzes geworden ist. Andere deutsche Städtegründungen in Karolina sind Purrysburg, Orangeburg und das heutige Lexington, genannt Sachsen=Gotha.

Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts ka­men auch Deutsche nach Louisiiana, jenem ge­lobten Lande des berüchtigten Finanzaben­teurers John Law. Unter den glänzendsten Versprechungen wurden zweitausend Pfälzer hinübergelockt, die zum größten Teil zugrunde zingen.

Die ersten Ansiedler in Virginia waren Deutsche. Besonders viele Deutsche aus der Schweiz legten dort Ortschaften an. Im heuti­gen Staate Ohio waren die ersten Weißen, die sich niederließen, deutsche Herrenhuter. Sie er­bauten Schönbrunn, Gnadenhütten, Lichtenau und Salem und riefen blühende christliche In­dianerkolonien ins Leben. Deutsche Melodien ertönten aus den Kehlen der Delewarenkinder. Verschiedene Sekten errichteten hier ihre Mu­stergemeinden, unter anderem auch die würt­tembergischen Rapps auf kommunistischer Grundlage.

Von Jahr zu Jahr nahm die deutsche Aus­wanderung immer mehr zu. Um 1840 wander­ten wöchentlich allein 200 bis 300 Deutsche nach der Stadt Milwaukee. In den ersten vierziger Jahren stieg diese Zahl wöchentlich auf 1000 bis 4000. Im Jahre 1880 hatte Wiscounsin 294328 in Deutschland geborene Bewohner und Milwaukee 31 403 bei einer Gesamtbevölkerung von 115587 Seelen.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts trieb das Goldfieber Tausende von Deutschen nach Kalifornien hinüber. Nur Hunderten gelang es, den erträumten Lohn für ihre Mühen zu finden.

Durch die europäischen Ereignisse in den Jahren 1848/49 erhob sich eine neue Woge deutscher Auswanderung, wesentlich politischer Flüchtlinge. Zum größten Teil waren es ro­

mantische Idealisten, die nach ihrem Schiffbruch in den Brandungen der europäischen Revo­lution ihre Ideen auf amerikanischer Erde ver­wirklichen und die große Republik dort ver­bessern wollten. Sie mußten eine Schule von bitteren Erfahrungen durchmachen, ehe sie sich in die neuen Verhältnisse finden konnten. Sie wollten eine große deutsche Partei neben den beiden amerikanischen, der demokratischen und der republikanischen, eine Art selbständiges Deutschtum gründen, bis sie einsahen, daß dies ein schöner Traum und nichts weiter sei. Trotz alledem haben die Achtundvierziger das deutsche Element drüben belebt und ihm ein stärkeres Selbstgefühl verliehen, ein höheres, moralisches Ansehen in der öffentlichen Meinung gegeben. Es sei nur an Karl Schurz erinnert, der nord­amerikanischer Minister und Gesandter wurde.

So sind die Deutschen drüben unstreitig eines der rührigsten Elemente des Staatenbundes. In jeder Weise haben sie sich um die dortige Kultur verdient gemacht. Darum wollen wir all den deutschen Auswanderern, die in der Gegenwart über den großen Teich fahren, ein frohes„Glück ab!" und„Glück auf!“ zurufen. Wenn es ihnen gelingt, im Lande der unbe­grenzten Möglichkeiten festen Fuß zu fassen, so werden sie mit dazu beitragen, dem deut­schen Wesen im fremden Lande auch in der Zu­kunft Ehre und Ansehen zu verschaffen.

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Deutsche Marsch

Von Ernst Hengstenberg=Elmshorn.

Hier liegt das Wasser in erbittertem Streit mit dem Lande. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Kein Zweifel, daß eines Tages das

Wasser Sieger bleiben wird. Es greift uner­müdlich und von allen Seiten an. Ueberall ist es bereits da. Es fehlt ihm nur an der letzten Vereinigung und dem Ausholen zu konzentri­schem Angriff. Es wird manchen Ansturm un­ternehmen müssen, ehe das Land ihm gehört. Denn das Land ist mit dem Menschen im Bunde. Doch— im Grunde ist es kein Land. So geht der Kampf des Wassers mehr gegen den Menschen, der sich der Täuschung Land be­dient, um dem Wasser zu widerstehen. Der Grundwasserspiegel des Landes liegt mit der Landsohle in gleicher Höhe, zum Teil darüber, so daß jeder Schritt über Wiesen und Feldwege Wasser zieht. Von oben stürzt das Wasser aus schweren Wolken herab, mit geschärftem Wil­len: Hier willst du herrschen, hier ist dein Reich. Der Wind ist mit ihm im Bunde, er gibt ihm Stoßkraft und fegt es bis in die äußersten Winkel, treibt es durch Ritze und Loch, durch Dach und Wand. Der Wind sitzt vom Meere her dem Wasser auf, treibt es mit der Flut elb­aufwärts und drückt es tief in die Nebenflüsse hinein, über deren Ufer und Deiche hinweg es sich schwellend und vernichtend auf die Weiden, auf die Aecker, in die Wälder hinein, in die Straßen der Städte, in die Häuser der Dörfer, über die Landstraßen, in das ganze Land hin­ein ergießt. Vieh ertrinkt oder rettet sich, Frucht ersäuft, versault im Wasserrückstand, der nicht mehr weichen will. Der Himmel ist diesem Land nicht gnädig. Wenn der Tau sei­nes Regens anderwärts Segen ist, so ist er hier Fluch. Wasser ist dieses Landes Not, seine Be­drohung und später einmal— sein Untergang.

Der Mensch in der Abwehr, im Kampf mit der See, viele, viele Kilometer landein, wo man sie nicht sieht, noch hört. Noch ist er Sieger, noch läßt er sein blankes Vieh auf den nassen Wiesen weiden und zieht das beste Fleisch und die fetteste Milch, die die köstlichste Butter gibt. Er kennt kein Nachlassen. Arbeit ist die Sü­ßigkeit, die er der Herbe dieses Landes abge­