reichlich Anlaß guben. Lustige Abende wurden in froher Gesellschaft verbracht. Des guten H. kiebstes Vergnügen aber war„Pieske von hinten". Der Wirt besaß nämlich ein Kino, verfügte aber nur über einen einzigen Film mit dem schönen Namen„Piefke in Paris“. Dieser war den Zechgesellen auf die Dauer zu langweilig geworden, und so waren sie auf den Gedanken gekommen, ihn rückwärts laufen zu lassen. Auf alle Fragen, was er denn zu tun beabsichtige, schmunzelte der aute H. verstohlen; er habe eine gute Sache in Aussicht, die aber noch nicht spruchreif sei.— Wieder vergingen einige Wochen, da ging wie ein Lauffeuer die Nachricht durch das Land daß der gute H. seine eigene Farm zurückgehauft habe und zwar für den Preis von nur 25000 Mark. Eduard und Klärchen aber waren wieder nach Europa verschwunden. —1•— Sprungbrett Von H. Liedtke. (Nach einer Satire der Zeitschrift„Ismächatsch“ über die Leitung russischer Staatsbetriebe.) Januar, Montag, den 9. Ein wahres Elend! Unser großer Betrieb von 1000 Werkstühlen kommt nicht in Gang! sechsten Direktor. Nichts auszusetzen. Gymnastiker. Aus dem Staatszirkus, glaube ich. Versprach, alles zu bessern. Ließ in den Werkräumen Trapeze anbringen. Zur Erholung von der Denkarbeit. Ließ die Luftfenster öffnen. Befahl den Maschinenschreiberinnen, sich Bewegung zu machen. Offen gestanden, wir freuten uns. Leider hörten wir abends, daß er abberufen war. In ein Kinderheim. Sonnabend, den 14. Der siebente Direktor ist sehr sonderbar. So geschäftig. Woher er stammt, weiß ich nicht. Morgens 10 Uhr kam er an, mittags stellte er sich Anweisungen auf zwei riesige Vorschüsse aus, um 3 Uhr verabschiedete er sich, um 4 Uhr setzte er sich in den Zug, und heidi! in die Welt. Er fuhr, um irgendwo eine Frage an Ort und Stelle zu studieren.— Juli, den 1. Der sonderbare Direktor war von allen der klügste. Im Januar fuhr er los und ist noch immer auf der Reise. So kann man ihn nicht fassen, um ihn abzuhalftern. Wir sind uns selbst überlassen. Und der Betrieb? Ach, der Betrieb geht ausgezeichnet. —1.— Das Geheimnis des Niesens Es ist ein uralter Brauch, dem Niesen eine geheimnisvolle Kraft, einen besonderen Einfluß zuzuschreiben, ein Glaube, welcher ziemlich in Am Nittwoch erschien der neue Direktor. allen Weltteilen in irgend einer Form anzuGuter Mann. War neugierig, wollte die Fabrik bennen lernen und verlor sich in ihren leeren Korridoren. Irrte wie eine Wanderniere, ohne den Ausgang zu finden. Erst am treffen ist, und erst in neuerer Zeit bei den gebildeten Klassen Europas in Wegfall gekommen ist. Dagegen scheint das Niesen besonders hoch in Ehren und Ansehen bei den wilden dritten Tage kam er zum Vorschein,— zu Völkern zu stehen: den Rothäuten Amerikas, spät: im Amtszimmer lag der Regierungserlaß den Kaffern Afrikas, den Bewohnern Neu=Seeüber seine Abberufung auf dem Schreibputt und lands usw. Kommt zum Beispiel ein kleiner stand der Nachfolger.(Neu=Seeländer auf die Welt, so erscheint soNicht übel der Nachfolger! Spielt Harse. gleich der Priester mit einem Gefolge von GeKommt von der Oper.[vattern und Basen, um das Kind zu taufen seinem Handteller lag. nicht nahmen, bevor er es ihnen nicht erlaubte. Wenn er„Schule hielt“, so sammelten sich zahlreiche Zuschauer, die die Belehrigkeit der Sperlinge bewunderten. In seinem Zimmer fand man noch einen Sack mit Brotstücken und Körnern, der wohl zur Mahlzeit der Vögel an dem Tage dienen sollte, an dem er nicht mehr nach Hause zurückkehrte. Die Wolfsplage in Rußland. Infolge der strengen Kälte im Norden hat Zenkralrußland wieder stark unter den nach Süden ausgewichenen Wölsen zu leiden. Große Rudel irren nicht nur auf dem flachen Lande umher, sondern zeigen sich sogar in der nächsten Umgebung der Städte und finden unter der Bevölkerung zahlreiche Opfer. In verschiedenen Gegenden, z. B. Orenburg und Samara, werden in großem Maßstab Treibjagden abgehalten, ohne daß die Ergebnisse befriedigend zu nennen wären. Auch im Süden zeigen sich Wölfe, am Don und im Kubangebiet. Unter den zahlreichen elternlos umherirrenden Kindern(eine für das Nachkriegsrußland charakteristische Erscheinung) richten sie hin und wieder wahre Blutbäder an. Man hat mehr als einmal an einer einzigen Stelle die Knochenreste von Dutzenden von Kindern gefunden, die den hungrigen Tieren zum Opfer fielen. Die ungeheure Ausdehnung des dünnbevölkerten Landes macht eine wirkliche Bekämpfung der Wolfsplage vorerst unmöglich. Wie im eigentlichen Europa wird der Wolf auch in Rußland erst dann auf den Aussterbe=Etat gelangen, wenn das weite Land dichter besiedelt sein wird, als es heute der Fall ist. Dienstag, den 10. Er beginnt den Betrieb einzurenken. Läßt die Korridore belichten, bestellt 200 Türschilder aus Emaille mit der Ausschrift von Rang und Namen der Angestellten. Damit sich niemand mehr verirrt. Unterschreibt die Bestellung— und öffnet ein Schreiben der Regierung, das ihm die Versetzung zur Naphtobetriebsverwaltung bringt. Der dritte Direktor stellt sich ein. Nichts zu sagen! Sehr energischer Mann. Aus Grobmannehauten. „Ihr wollt das Geschäft ruinieren.“ poltert er,„Geld für Türschilder aus dem Fenster wersen! Weg damit!" Und er befiehlt, sparsamer zu wirtschaften, vor allem auch mit dem Papier. Anfragen werden auf der Rückseite des Schreibens beantwortet. Siehst du— ein Viertelbogen erspart! Aeußerungen in verschiedenen Angelegenheiten kommen auf einen gemeinsamen Bogen,— mag sie der Empfänger auseinanderklauben! So wird bis zum Abend noch viel geregelt; dann zieht man den dritten Direktor zurück und schickt einen anderen. Mittwoch, den 11. Der andere ist gut, sorschbegierig. Ein Doktor scheint es. Fühlt die Pulse.„Aha,“ ruft er aus.„ich weiß schon, warum es bei Euch stockt. Ihr habt keine Ahnung von wissenschaftlichen Methoden. Ich werde Euch lehren.“ Und er stürzt sich auf einen Kontoristen:„Kann man so sitzen, junger Mann? Wer hält so die Feder? In drei Absätzen atmen: eins, zwei, drei!“„Und Sie“— zu einer Maschinenschreiberin—„was krümmen Sie sich wie ein Igel! 15 Prozent Kraftverlust! Brust heraus!“ Donnerstag, den 12. Der Doktor ist weg. In den Zeitungsdienst geholt. Wir haben den fünften Direktor. Nicht schlecht. Ein Ausländer— Amerikaner. Scheint aus der Handelsabteilung zu stammen. „Teime is money“, spricht er,„und Ihr stehlt die Zeit.“ "„Wie,“ fragt der Betriebsausschuß erschreckt, „woraus entnehmen Sie das? Bei uns ist noch nie gestohlen worden.“ „So meine ich es nicht. Aber was leistet Ihr an Arbeit? Nun, ich werde Ordnung schaffen.“ Er befiehlt, daß ein jeder ein Heftchen bekommt, in dem er die verrichtete Arbeit stündlich zu verzeichnen hat. Als Ausweis und zur Verantwortung. Feine Sache! Man läuft zur Uhr, stellt die Zeit fest, schreibt an; ist man damit fertig, läuft man wieder zur Uhr— sie steht im sechsten Stock. Und du kennst unsere Lee; kommen sie erst in Fluß. so bleiben sie in Bewegung. Was dabei herauskam, sah nach Afrika aus, nicht nach Amerika. Freitag, den 13. Ein Unglückstag. Den Amerikaner hat man in die Landwirtschaft übernommen; uns schickten sie mittags wobei das Niesen insofern eine Haupt= und entscheidende Rolle spielt, als durch dasselbe der Taufling seinen Namen erhält. Langsam beginnt der Priester Namen für Namen herzusagen. Erst wenn einer der Anwesenden niest, hält er inne, denn dieser Name, bei welchem geniest wurde, ist von der Gottheit für das Kinder wählt worden. Die Kaffern Afrikas huldigen der Ansicht daß die Götter dem Niesenden besonders nahe seien, um den Wunsch eines Menschen zu erfüllen. Darum rusen sie beim Niesen: Geist unseres Stammes, gib mir Kinder!" oder„Geist unseres Stammes, gib mir Vieh!". Daher haben die Zulus und ihre Grenznachbarn eine so große Vorliebe für den Schnupftabak, weil er, nach ihrer Ansicht, ihre Wünsche respektive deren Erfüllung befördern hilft. Auf den Tonga=Inseln hat das Niesen dagegen eine böse Bedeutung. Wehe demjenigen, welcher bei einer religiösen Zeremonie niest. Er verdankt es der persönlichen Milde des Häuptlings, wenn ihn dieser nicht sofort mit der Keule niederschlägt. Soll etwas Kriegerisches unternommen werden, und der Zufall will, daß einer der Krieger zuvor niest, so läßt der Häuptling des betreffenden Stammes sofort das Unternehmen für diesen Tag ruhen. Die Sperlingsschule. Ein Vogelfreund, der vielen Besuchern des Londoner Hyde=Parks bekannt war, hat jetzt ein tragisches Ende gefunden. Der Ingenteur Algernon Valentine, ein Mann von 63 Jahren, wurde tot aus dem Wasser gezogen; er ist ertrunken oder hat sich auch vielleicht das Leben genommen, da es ihm in der letzten Zeit schwer wurde, Arbeit zu finden. Dieser stille, träumerische Mann erschien viele Jahre hindurch tagtäglich an einem abgelegenen Fleckten des Hyde=Parks, wo sich sogleich die Vögel um ihn versammelten. Er fütterte die Tiere und hatte sie so an sich gewöhnt, daß man geradezu von seiner„Sperlingsschule“ sprach. Die Vögel folgten ihm aufs Wort. Die sonst so frechen und ruppigen Gassenjungen der Vogelwelt stellten sich vor ihn in Reih und Glied, und wenn er kommandierte„beugen", so bückten sie ihre Köpfchen nieder. Befahl er„Rechts um!“ so wandten sich die Sperlinge nach rechts und ebenso auf sein Kommando nach links. Befahl er einem Vogel, auf seine Hand zu fliegen, so führte dieser den Befehl aus. und manchmal beorderte er mehrere nacheinander auf seine [Hand, um sie zu füttern. Er hatte die Tiere so den gut abgerichtet, daß sie die Brotkrume, die auf Ein Heimatschutzheft brachte der„Sauer ländische Gebirgsbote“, die amtliche Zeitschrift des Sauerländischen Gebirgsvereins soeben in der Februarnummer heraus. Aus dem reichhaltigen Inhalt sind besonders hervorzuheben die Aufsätze von Fabrikant W. Münker über Heimatschatz im S.G.V., worin in erster Linie warnend auf die Blechpest der letzten Jahre hingewiesen wird, von Dr. Heinr. Schauerte:„Zur Erhaltung der Sitten und Gebräuche der Heimat“, von Dr. Dr. Dr. Josef Lappe über Heiligenhäuschen und von Otto [Großjohann über„Naturschutz und Wandern". Gedichte von Fr. W. Grimme und anderen Sauerländern, eine Schilderung des am Peterstag(22. Februar) im Sauerlande noch verbreiteten Sonnenvogelfestes, eine Skizze des Sauerländer Dichters Adolf Wurmbach. Weitere wissenswerte Mitteilungen aus dem Gebiete des Natur= und Heimatschutzes und dem Verkehrswesen wie Vereinsleben füllen den Rest des mit gutem Bildschmuck versehenen Heftes aus. In Beispielen und Gegenbeispielen wird zu zeigen versucht, wie trostlos und öde sich das blecherne Gewand gegenüber den freundlich und einladend ausschauenden Fachwerkhäuschen aussieht. „Die Zugspitze". Illustrierte Alpenzeitschrift für das Gebiet der Mittenwaldbahn, Verlag Karl Boecklein, München 2 NW 3— Einzelheft 60 Pfg. Durch den gewaltigen Aufschwung der Orte an der Mittenwaldbahn seit Eröffnung dieser Linie, ferner die neuerdings erbauten Seilschwebebahnen auf Kreuzeck und Zugspitze, sowie die alljährlich hier stattfindenden großen Ski=Sprung=Veranstaltungen und Winterrennen wird das Gebiet„rund um die Zugspitze" immer mehr zum Konzentrationspunkt internationalen Fremdenverkehrs. In richtiger Einstellung hierzu hat der eingangs erwähnte Verlag deshalb seine bereits vor dem Kriege unter dem Titel„Die Mittenwaldbahn“ herausgegebene Zeitschrift wieder ins Leben gerufen und diese neue Alpenzeitschrift segelt nunmehr unter dem Namen Deutschlands höchster Warte: „Die Zugspitze". In zweifarbigem Umschlag auf gutem Kunstdruckpapier hergestellt und mit ausgewähltem schönen Bildermaterial versehen, bietet das reichhaltige Heft eine bunte Reihe Aufsätze belehrenden und unterhaltenden Inhalts. Wir nennen u. a. nur die Titel: Fritz Müller,„Garmisch=Partenkirchen“ Lilli von Wooch:„Mit der Seilschwebebahn auf das Kreuzeck“, Heinrich Koeppen:„Das Zugspitzendorf Ehrwald",„Winter im Werdenselser Lande",„Herbstliches Straßenbild in Garmisch= Partenkirchen". Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. c 00 8 □ 8 6 8 S 2 5 9.— 00 8 2 # 8 5 3• Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 9 Mittwoch, 2. März 1927 Die deutschen Auswanderer Von K. Liermann. War es im vorigen Jahrhundert die Abenteurerlust, die Sucht, in den amerikanischen Goldgruben große Reichtümer zu erwerben, die den deutschen Auswanderer über den großen Teich fahren ließ, so ist es in der Gegenwart die Not, der Mangel an Erwerb, der viele unserer Landsleute zwingt, das Glück, das heißt eine einträgliche, feste Lebensexistenz im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten zu suchen. Es sind vom Schicksal heimgesuchte Menschen, die nur schweren Herzens die heimatliche Scholle verlassen. Wenn wir sie fragen, werden sie antworten:„Wir haben das ewige Hungerleben satt. Drüben wollen wir uns ansiedeln, das Land urbar machen und eine eigene Farm gründen.“ Eine eigene Farm da sist es, was so verlockend klingt. Wissen sie auch, was es heißt: eine eigene Farm gründen? Die Urbarmachung des Urwaldes verlangt übermenschliche physische Kräfte und mancher ist dabei schon zugrunde gegangen. Ganz abgesehen davon, daß das Klima in den Siedlungsgegenden zumeist die Gesundheit des Mitteleuropäers ruiniert, Die Auswanderer kennen die Gefahren vom Hörensagen; denn schon viele ihrer Vorgänger sind zurückgekehrt, weil sie lieber in der Heimat das bittere Los der Not und Armut ertragen wollen, als im fernen Westen unter unsäglichen körperlichen Anstrengungen, Entbehrungen und Leiden das Leben aufs Spiel zu setzen. Fürwahr, es gehört ein großer Mut und Unternehmungsgeist dazu, die Fahrt über den großen Teich zu unternehmen. Viele haben zwar Verwandte und Bekannte in den amerikanischen Freiheitsgefilden, doch wenn diese nicht selbst vermögend oder als einflußreiche Persönlichkeiten anzusehen sind, so werden sie den Neuankömmlingen wenig nützen können. Früher war es zum größten Teil Nordamerika, wohin sich die deutsche Auswanderung richtete und so ist es im Grunde genommen bis auf den heutigen Tag geblieben. Ein geschichtlicher Ueberblick auf die verschiedenen Phasen dieser Auswanderung und ihre Wirkung in der neuen amerikanischen Heimat, auf die Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung ist im höchsten Grade interessant. Die erste deutsche Auswanderung von Bedeutung fand im Jahre 1683 statt. Was von Deutschen vorher dahin gekommen, blieb unter Holländern, Engländern und Schweden einzeln versprengt, und brachte es, außer einer pfälzischen Gemeinde bei Newyork, nicht zu größeren Niederlassungen nationaler Genossen. Damals hatten die Quäker unter William Penns Führung sich ihren Sektenstaat Pennsylvanien in der neuen Welt gegründet, und von ihren geworbenen Anhängern in Norddeutschland waren es zunächst Rheinländer, die ihrem Rufe zur Uebersiedelung folgten. Im Jahre 1709 fand dann eine massenhaftere Zuströmung aus der Pfalz nud aus Schweden statt, die von der englischen Regierung veranlaßt war. Dreizehntausend Deutsche lockte der Ruf, sich mit Unterstützung englischen Goldes in dem nordamerikanischen Lande anzusiedeln. Die Reise ging nach Nordkarolina und Newyork. In Pennsylvanien siedelte sich vorzugs weise das wohlhabende Deutschtum an und verwandelte die rauhen Waldungen in einen fruchtbaren Garten. Im Jahre 1738 berichtete der englische Gouverneur dieser Provinz, er glaube, es könne der Wahrheit gemäß behauptet werden, daß der blühende Wohlstand des Landes größtenteils dem deutschen Fleiße zu verdanken sei. Im Jahre 1763 gab es in Pennsylvanien bereits dreißig deutsche Gemeinden, die Zionsgemeinde in Philadelphia war die Köln am Rhein Köln am Rhein, du schönes Städtchen, Ja, Köln am Rhein, du schöne Stadt. Und darinnen muß ich lassen Mein'n herzallerliebsten schönsten Schatz. Pulver und Blei, das muß man haben, Wenn man F##asen schießen will, Schöne junge Mädchen, die muß man lieben Wenn man sie einz heiraten will. Schatz, ach Schatz, du tust mich kränken, Vieltausendmal in einer Stund'. Könntest du mir die Freiheit schenken, Bei dir zu sein eine halbe Stund'! Ja, die Freiheit sollst du haben, Bei mir zu sein eine halbe Stund'; Wenn du mir versprichst getreu zu bleiben, Bis an die allerletzte Stund'.— Droben am Himmel stehn zwei Sterne, Die leuchten heller als der Mond. Der eine leuchtet in die Kaserne, Der andre, wo mein Liebchen wohnt. Fritz Linde. bedeutendste. Dort entstanden die ersten deutschen Zeitungen jenseits des Ozeans. Neben Pennsylvanien kam auch die deutsche Auswanderung nach der Provinz Karolina in Aufschwung. Im Jahre 1710 siedelten sich dort 650 Pfälzer an, die 1769 die Stadt Charleston gründeten, die in der Gegenwart zur Wiege des modernen Charleston=Tanzes geworden ist. Andere deutsche Städtegründungen in Karolina sind Purrysburg, Orangeburg und das heutige Lexington, genannt Sachsen=Gotha. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts kamen auch Deutsche nach Louisiiana, jenem gelobten Lande des berüchtigten Finanzabenteurers John Law. Unter den glänzendsten Versprechungen wurden zweitausend Pfälzer hinübergelockt, die zum größten Teil zugrunde zingen. Die ersten Ansiedler in Virginia waren Deutsche. Besonders viele Deutsche aus der Schweiz legten dort Ortschaften an. Im heutigen Staate Ohio waren die ersten Weißen, die sich niederließen, deutsche Herrenhuter. Sie erbauten Schönbrunn, Gnadenhütten, Lichtenau und Salem und riefen blühende christliche Indianerkolonien ins Leben. Deutsche Melodien ertönten aus den Kehlen der Delewarenkinder. Verschiedene Sekten errichteten hier ihre Mustergemeinden, unter anderem auch die württembergischen Rapps auf kommunistischer Grundlage. Von Jahr zu Jahr nahm die deutsche Auswanderung immer mehr zu. Um 1840 wanderten wöchentlich allein 200 bis 300 Deutsche nach der Stadt Milwaukee. In den ersten vierziger Jahren stieg diese Zahl wöchentlich auf 1000 bis 4000. Im Jahre 1880 hatte Wiscounsin 294328 in Deutschland geborene Bewohner und Milwaukee 31 403 bei einer Gesamtbevölkerung von 115587 Seelen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts trieb das Goldfieber Tausende von Deutschen nach Kalifornien hinüber. Nur Hunderten gelang es, den erträumten Lohn für ihre Mühen zu finden. Durch die europäischen Ereignisse in den Jahren 1848/49 erhob sich eine neue Woge deutscher Auswanderung, wesentlich politischer Flüchtlinge. Zum größten Teil waren es romantische Idealisten, die nach ihrem Schiffbruch in den Brandungen der europäischen Revolution ihre Ideen auf amerikanischer Erde verwirklichen und die große Republik dort verbessern wollten. Sie mußten eine Schule von bitteren Erfahrungen durchmachen, ehe sie sich in die neuen Verhältnisse finden konnten. Sie wollten eine große deutsche Partei neben den beiden amerikanischen, der demokratischen und der republikanischen, eine Art selbständiges Deutschtum gründen, bis sie einsahen, daß dies ein schöner Traum und nichts weiter sei. Trotz alledem haben die Achtundvierziger das deutsche Element drüben belebt und ihm ein stärkeres Selbstgefühl verliehen, ein höheres, moralisches Ansehen in der öffentlichen Meinung gegeben. Es sei nur an Karl Schurz erinnert, der nordamerikanischer Minister und Gesandter wurde. So sind die Deutschen drüben unstreitig eines der rührigsten Elemente des Staatenbundes. In jeder Weise haben sie sich um die dortige Kultur verdient gemacht. Darum wollen wir all den deutschen Auswanderern, die in der Gegenwart über den großen Teich fahren, ein frohes„Glück ab!" und„Glück auf!“ zurufen. Wenn es ihnen gelingt, im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten festen Fuß zu fassen, so werden sie mit dazu beitragen, dem deutschen Wesen im fremden Lande auch in der Zukunft Ehre und Ansehen zu verschaffen. —1.— Deutsche Marsch Von Ernst Hengstenberg=Elmshorn. Hier liegt das Wasser in erbittertem Streit mit dem Lande. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Kein Zweifel, daß eines Tages das Wasser Sieger bleiben wird. Es greift unermüdlich und von allen Seiten an. Ueberall ist es bereits da. Es fehlt ihm nur an der letzten Vereinigung und dem Ausholen zu konzentrischem Angriff. Es wird manchen Ansturm unternehmen müssen, ehe das Land ihm gehört. Denn das Land ist mit dem Menschen im Bunde. Doch— im Grunde ist es kein Land. So geht der Kampf des Wassers mehr gegen den Menschen, der sich der Täuschung Land bedient, um dem Wasser zu widerstehen. Der Grundwasserspiegel des Landes liegt mit der Landsohle in gleicher Höhe, zum Teil darüber, so daß jeder Schritt über Wiesen und Feldwege Wasser zieht. Von oben stürzt das Wasser aus schweren Wolken herab, mit geschärftem Willen: Hier willst du herrschen, hier ist dein Reich. Der Wind ist mit ihm im Bunde, er gibt ihm Stoßkraft und fegt es bis in die äußersten Winkel, treibt es durch Ritze und Loch, durch Dach und Wand. Der Wind sitzt vom Meere her dem Wasser auf, treibt es mit der Flut elbaufwärts und drückt es tief in die Nebenflüsse hinein, über deren Ufer und Deiche hinweg es sich schwellend und vernichtend auf die Weiden, auf die Aecker, in die Wälder hinein, in die Straßen der Städte, in die Häuser der Dörfer, über die Landstraßen, in das ganze Land hinein ergießt. Vieh ertrinkt oder rettet sich, Frucht ersäuft, versault im Wasserrückstand, der nicht mehr weichen will. Der Himmel ist diesem Land nicht gnädig. Wenn der Tau seines Regens anderwärts Segen ist, so ist er hier Fluch. Wasser ist dieses Landes Not, seine Bedrohung und später einmal— sein Untergang. Der Mensch in der Abwehr, im Kampf mit der See, viele, viele Kilometer landein, wo man sie nicht sieht, noch hört. Noch ist er Sieger, noch läßt er sein blankes Vieh auf den nassen Wiesen weiden und zieht das beste Fleisch und die fetteste Milch, die die köstlichste Butter gibt. Er kennt kein Nachlassen. Arbeit ist die Süßigkeit, die er der Herbe dieses Landes abge * HS S888333-525S SERSSSSREEA KUOSSLLEB EE #####-, ySV,-Seoshaus PUBTSE R • E S 5 85 0 nben #588.8 S 8 B3½. E En JF5E! Senüsbas.XS.3/3/S 8 8 65 S b#xes BS.I5OS winnt. Er weiß, was er will. Er kennt sich aus— auch mit dem Wasser. Das Bedrohliche, der einmal drohende Untergang, den sehen nur wir mit den Augen des Fremden. Der Holsteiner geht groß, starr, stark, ungebeugt, gehal ten von seiner Pflicht durch sein Land und seiner schweren Arbeit nach. Ein deutscher, herber und ernster Mensch. Wenn auch das Land dem Ansturm der Wasser. gegenüber, die von allen Seiten vordringen, weich, moorig, nachgiebig und willig geworden ist,— die Führung im Kampf hat der Mensch. Und dieser ist von einem Schlag, den Wasser und Wetter nur verwitterter und härter wachen. An der chinesischen Riviera Nach dem Christion Science Monitor von H. Hesse=Newyork. Dort, wo die Schantung=Halbinsel wie eine dicke Fingerspitze auf das japanische Korea deutet, laufen die östlichen Interessen vieler Nationen zusammen. Ganz an der Spitze des Fingers liegt das britische Weihaiwei, um das Ende ein wenig nach Norden Tschifu, wo stets ein oder zwei amerikanische Schiffe zu finden sind, und einige Dutzend Meilen weiter südlich an der lieblichsten Küste die Stadt Tsingtau, einst das„Kleindeutschland des Fernostens", dann jahrelang der asiatische Zankapfel und nun wieder der Besitz ihrer früheren Herren, der Chinesen. Im Povember 1914 hatte Japan den Deutderen Orten vaute Deutschland auch hier nicht für einen Tag. Nein, nur siebzehn Jahre europatschen Wirkens haben hier in Tsingtau nordischer Energie und Tatkraft ein Denkmal gesetzt, das wahrscheinlich ein Jahrhundert asiatischer Tätigkeit nicht untergraben wird. In dem eindrucksvollen Verwaltungsgebäude, das die Deutschen vor kurzer Zeit erbauten, sitzen heute kärglich bezahlte chinesische Beamte die erst die eine Regierung vertreten und dann die andere, ja zuweilen gar keine. Die Büros sind schmutzig und verwahrlost, und nirgends ist von Zielvewußtheit etwas zu merken. Sonst scheint dieser Prachtbau unverändert. Majestätisch steht er auf der Höhe und überblickt die schone Bucht von Kiautschau. Von Efeu umwachsen, ein Granitbau, massiv und dauerhaft wie der Kölner Dom, wirkt er hier im Fernosten als ein Denkmal deutscher Rührigkeit. So ist denn Tsingtau, die chinesische Riviera, in seinen Hauptzügen noch immer deutsch, obwohl Deutschland offiziell den Fernosten verlassen hat Der Besitzer meiner Pension, die an einen deutschen Gasthof am bayerischen User des Bodensees erinnert, ist ein Deutscher, der 1900 nach Tsingtau kam. In störrischem Eigensinn wich er nicht zurück, als nach den vereinten britisch=japanischen Arstürmen die Japaner 1914 feierlich einzogen. Er hatte schwere Zeiten durchzumachen, wie so viele seiner Landsleute. Aber sie blieben, und Der Steruenhimmel im Monat März 1927 Von Max Valier. Im Monat März geht die Sonne zu Anbeginn für die mittlere Breite von Deutschland etwa um 6 Uhr 45 Minuten auf und senkt sich um 5 Uhr 40 Minuten bezw. 6 Uhr 30 Minuten unter dem westlichen Horizont hinab. Die Dauer der bürgerlichen Dämmerung, an deren Ende die Sonne 6 Grad unter dem Horizont steht, berechnet sich zu rund 40 Minuten, die astronomische Dämmerung währt noch eine Stunde länger. Beginnen wir die Beobachtung bald nach Sonnenuntergang, den Blick gen Westen gerichtet. 1o sehen wir dort noch mitten in der hellen Dämmerung, Venus, den schönen Stern der Liebesgöttin, aufflammen. Sein Licht, das im Januar und Februar noch nicht so auffältig schien, nimmt von Woche zu Woche zu und steigert sich bis zum Ende des Monats, wo Venus dann bis nach 9 Uhr am dunklen Himmel verweilt, so sehr, daß es selbst den hellsen Fixstern Capella im Fuhrmann um das Dreißigsache übertrifft. In den allerersten Monatstagen kann unweit rechts unterhalb der flammenden Venus auch ihr Bruderplanet Merkur noch gesichtet werden, dessen am 16. Februar begonnene außerordentviete selnee Eamosteute. Awet iu. v.den, und hessen.“. Fehruax begannene außerondentdie besseren Läden, Cafes und Gasthauser Lsing=s1ch gunstige Sichtbarkeit in diesen Tagen zu tang sind noch houte in deutschem Besitz mi#nde geht. Wann man den Unterganggort laus faie noch heute in beutschem Besihz, wie sie es vor 1914 waren. Die Chinesen bezeigen sischen Küste. Dieser an sich dehnbare Begriff ist nicht ei mal schlecht angebracht, denn die Gegend um Tsinglau, die schöne Bucht Kiautschau, das purpurne Laoschan=Gebirge im Hintergrunde und die waldumsäumte Felsenküste— dieses ganze Bild trägt weit mehr ein europäisches als ein asiatisches Gepräge. Es erinnert an deutsche Hansastädte am Baltischen Meere, an Stellen des Christianiafjords in Norwegen, ja selbst an die selsige Küste Neu=Englands.— Tieses Tsingtau, heute internationaler Badetort, hat eine ungewöhnliche Geschichte. Die späteren Einzelheiten dieser Geschichte sind bekunnt: wie die Deutschen hier 1897 landeten und diesen Schritt mit dem Schicksal zweier deutscher Missionare begründeten, und wie die Chineien in eine Verpachtung der Bucht von Kiautschau auf 99 Jahre an die Deutschen einwilligten und der sehr wirksame Kolonisiezungsprozeß Deutschlands sofort begann. Doch niemand, der Tsingtau nicht gesehen, kann sich auch im entferntesten vorstellen, wie wirksam dieser Prozeß war. Europa selbst ließ sich plötzlich hier an der Schantung=Halbinse! nieder, und nach einem Jahrzehnt waren das einzige Chinesische in Tsingtau nur noch der Name und die Asiaten, die dort noch wohnten. In der Tat gibt es in der ganzen Welt kaum ein bemerkenswerteres Beispiel von Kolonisation, besonders wenn man die Tatsache berücksichtigt, daß die deutsche Besetzung nur siebzehn Jahre dauerte. Allein in diesem Zeitraum wuden Dinge vollbracht, die noch heute an die Wunder von Tausend und einer Nacht erinnern. Fast über Nacht wurde der ganze Wohnbezirk der Stadt deutsch. Prachtvolle Regierungsgebäude wuchsen wie mit Zauberschlag aus dem Boden. Dauerhaft gebaute Landstrahen wanden sich meilenweit nach allen Richtungen und am Strande, der ganz an eine Promenade am Mittelmeer erinnert, entstanden große Hotels, Klubhäuser und Paläste, sobald wirksame deutsche Leitung das Werk von Tausenden chinesischer Kulis in die Hand nahm.— In wenigen Jahren war Tsingtau in der Tat ein Kleindeutschland im Fernosten geworden. Und wenn ich noch vor kurzem unter Bäumen am Abhang aus meinem Fenster blickte, sah ich bis zum fernen Meer nichts, das auch nur im geringsten an den Osten gemahnte. Ueberall rot: Dächer auf dunkelbraunen Häusern von ausgesprochen deutscher Zeichnung und Bauort. Ich sah Türme und mit Bäumen bepflanzte Straßen genau wie in Lübeck oder Bremen. Die ganze Atmosphäre mutete deutsch an. Und doch war Tsingtau schon seit zwölf Jahzen nicht mehr deutsch, denn Japaner und Chi#len hatten es in Händen. Allein wie an anAm weiten, ebenen Bade nachmittags fast ein Treiben wie in Deauville oder am Lido. Die Landschaft hat etwas Liebliches, das sich mit der Bucht von Neapel vergleichen läßt. Weiter vom Strande zurück und unter Bäumen steht ein großes Hotel mit geräumiger Terrasse, auf der während des Sommers nachmittags und abends ein Orchester spielt. Ein Sommer in Schanghai ist ein Erlebnis, das man nicht leicht vergißt. Und Tsingtau ist Schanghais sommerlicher Ausflugsort. Fast täglich verkehren hier Dampfer aller Flaggen. Die Fahrt dauert vierzig Stunden. Hat man den morastischen Yantse=Kiang erst einmal hinter sich, so wird die Luft so erfrischend kühl, wie man sie in Schanghai nicht kennt. So findet denn von Juli ab bis zum Herbst eine große Völkerwanderung statt von Schanghai, selbst von Hongkong nach Tsingtau. An der chinestschen Küste kommen die Sommerwinde meist von Süden. An der ganzen südlichen Seite der Schantung=Halbinsel, der chinesischen Riviera, setzt der Seewind Tag und Nacht niemals aus, und an der Spitze in Weihaiwei, das ebenso britisch ist wie Tsingtau deutsch, sind die Winde, vom Stillen Ozean über das Gelbe Meer kommend, sogar noch stärker. Im Winter gleicht das Klima dem der Mittelmeerküste noch mehr, denn der langgestreckte Kamm des Laoschan=Gebirges hält die Nordwinde ab und macht die sanft abfallende Südküst: der Schantung=Halbinsel zu einer milden, heiteren Gegend. Die Zukunft Tsingtaus ist im Osten ein Gegenstand nie endender Eroberungen. Die Europäer sind fast einstimmig der Meinung, daß unter deutscher Besetzung alle Interessen besser gewahrt wurden als heute. Die Deutschen hatten es zu einem Platz gemacht, der von Suez bis Wladiwostock einzig dastand. Selbst in Hongkong hatte sich Europa nicht so wirksam festgesetzt. Die Chinesen geben selbst zu, daß man früher ihren Interessen besser gerecht wurde, als besonders unter dem gegenwärtigen Wirrwarr in Peking. Damals gab es nichts von jener wirtschaftlichen Verzweiflung, wie sie dort heute herrscht, selbst unter Europäern, vor allem den Russen. Sämtliche ausländischen Interessenten beklagen den Wechsel ohne Ausnahme, denn sie alle hatten darunter zu leiden, als Schantung zum Zankapfel internationaler Politik gemacht wurde. Doch der Deutsche hat noch Hoffnung.„Heute,“ meint er,„sind wir ohne gewisse ausländische Interessen besser dran. Eines Tages aber Eiier Hehl. Wenn man den Unletgungsert Merkurs in den ersten beiden Monatstogen sich genau gemerkt hat, dürfte es gelingen, ihn mit freiem Auge auch noch am 3., mit dem Feldstecher am 4. und 5., mit dem Fernrohr noch am 6. und 7. März zu sehen. In Wahrheit läuft der Merkur in diesen Tagen arf zwischen Sonne und Erde herein, um am 13. März zwischen der Erde und ihrem Tagesgestirn hindurchzugehen. Im Fernrohre erscheint Merkur als ein winziges, vom Monatsersten an täglich zusehends schmaler werdendes Lichtnde herrscht hierssichelchen von anfangs 8“, zuletzt 9.5“ Winkeldurchmesser, so daß man eine gut 200 malige Vergrößerung bedarf, um dieses gleichgroß zu sehen, wie die Sichel unseres Mondes mit frei#m Auge. Darauf verschwindet der Merkur für den Rest des Monats. Erst wenn Merkur schon untergegangen ist, tauchen die Fixsternsonnen der scheidenden Wintersternbilder aus dem tiefer dunkelnden Himmel hervor, sämtlich den Zwickel zwischen West und Südwest erfüllend. Zuerst blitzt wohl hoch über West Capella im Fuhrmann auf und zugleich tief in den Tünsten des Südwescyhorizonts Sirius im großen Hunde, dann folgen rasch Aldebaran im Stier, Beteigeuze und Riegel im Orion, Castor und Pollux in den Zwillingen und Procyon im kleinen Hunde. Und endlich— als Dritter im Bunde der abendlich leuchtenden Planeten— gesellt sich noch der Mars bei, der oberhalb von Aldebaran im Stier vorbeizieht. Lassen wir nach Einbruch der Nacht zur Monatsmitte etwa um 10 Uhr unsern Blick neuerdings über den Fixsternhimmel schweifen, dann finden wir diesen in nachfolgender Stellung: Im Nordwesten versinkt gerade Andromeda mit ihrem berühmten Nebelfleck. Ihr folgt Perseus mit dem bekannten lichtverändernden Stern Ras Algol, während die obersten Sterne seiner girlandenartigen Figur, auf die zwischen ihm und der funkelnden Cassiopeja gelegenen schönen Sternhaufen h und chy Persei hinweisen. Ueber Westen finden wir tief den Stier, mit Aldebaran und den reizenden Plejaden, von denen in dieser tiefen Stellung auch ein gutes Auge nur mehr 5—6 der schwachen Sternchen zu sehen vermag. Oberhalb des Stiers hält sich das Bild des Fuhrmanns noch einige Stunden lang, denn bei der hohen nördlichen Deklination seiner Sterne beschreiben diese eine andere, längere Bahn. Dief über Südwest geneigt, erkennen wir den Jäger Orion. Rigel, sein Fußstern flackert unruhig in den Dünsten, während Beteigeuze, etwas höher kreisend, gelblich glost. Auch der blitzend helle Sirius wird von den Dünsten bald irstickt und versinkt als mattes Sternlein, kaum noch beachtet. Das Südfeld des Himmels beherrscht in mittlerer Höhe das gewaltige Sternbild des Großen Löwen, mit dem heißen Fixstern Regulus als Hauptgestirn. Im Lowen ist ein Fixstern interessant, Gamma, am Rücken des Raubtiers, ein Doppelsternpaar 2,0 Lichtklasse und einem schwächern grünlichen Begleiter von 3,5 M Helligkeit. Zwischen dem Löwen und den Zwillingen glitzern die schwachen Sternlein des Krebses, die den reizenden Sternhausen der„Krippe“ einschließen. Unterhalb des Krebses, auf der Höhe Procyons im kleinen Hunde aber reckt die Hydra oder Wasserschlange ihr dämonisch=markantes Haupt emSSgge Srken 8.0 S 8 S3 SS 5.. E SE S g SEGUTE G 22 5 FESERESSASSSER SET-SSSU SOSSOPSSSESS L HOESGE *%„SEgsg gbgggöSaligs: 80 P SE OOMEgCDOEE TBC:SE— S 8 6 Dnbshn 6nn un S.: 5 8 3 * * S E S26.3 vor. Der am höchsten veh#nbe von ihnen, Epfllon Hydrae, ist ein berühmter Doppelstern, bestehend aus einem Hauptstern gelder Farbe von 3,8 M Helligkeit und einem winzigen Begleiter von 7,8 M, der blaues Licht aussendet und im Abstand von 33“ seinen Beherrscher in 650 Jahren umkreist. Der helle Hauptstern selbst ist indessen abermals doppelt, aber ein so enges Paar, daß nur die größten Fernrohre der Welt seine Auflösung gestatten. Der Leib der Wasserschlange ringelt sich gegen Südosten immer tieser, bis das Schwanzende dort am Horizont verschwindet. Er enthält nur noch einen hellen Stern, rechts schräg unterhalb des Regulus, genannt Alphart. Hart über dem Schwanzende der Wasserschlange liegen die kleinen Sternbilder Becher und Rabe. Genau über Südosten endlich sehen wir einen hell blitzenden Fixstern aufsteigen. Es ist die heiße Spica in der Jungfrau, einer der absolut hellsten Sterne des Himmels überhaupt denn sie übertrifft unsere Sonne an wahrer Leuchtkraft fast 3000 mal. Ein wirkliches Gegenstück zu Spica ist der höher über Ls: rötlich lohende Arkturus, der Hauptstern im Bootes. Genau im Osten reckt die Schlange ihr Haupt empor, über ihr die himmlische Krone mit der glitzernden Gemma, dem Edetstein. Ueber Ostnordost steigen die mäßig hellen Sterne des Herkules herauf. Der strahlend herrliche Stern altt, der zur genannten Stunde gerade genau im Nordosten aufgeht, ist Wega, der hellste Stern des nördlichen Himmels überhaupt, die Verkünderin des nahenden Sommers. Hart bei Nord schaut auch schon Deneb, der Hauptstern im Schwan herauf. Von den polumgebenden Sternbildern aber finden wir den Großen Bären steil zum Scheitel aus Ost auffahrend, die Girafse gegen Südwest, Casiopeja gen Nordwest gewendet. Cepheus vom Polarstern gen den Nordnunkt herabhängend und den geringelten Drachen nach Osten stoßend. Von den übrigen Planeten ist Juxiter wegen seiner Zusammenkunft mit der Sonne den ganzen Monat unsichtbar. Saturn geht etwa um Mitternacht tief im Südosten, etwas oberhalb von Antares im Skorpion auf und bleibt bis ins Morgengrauen. Sein wundersamer Ring ist weit geöffnet, umsaßt die Kugel völlig und kann bei 40—00 maliger Vergrößerung im Fernrohr schon gut erkannt werden. Uranus ist ebenfalls wegen seiner Sonnennähe unsichtbar. Neptun, der sonnenfernste Wandelstern, steht im Löwen nahe bei Regulus an sich zwar günstig, kann aber nur mit guten Fernrohren und mit Hilfe einer genauen Sternkarte ausgefunden werden. —.— Nachwinter besonders sorgfältig zu bedienen, das Bieh dam später auf die Weide. Hege und Jagd im Von Wilhelm Hochgreve. Zeigt auch der März trotz seines Milde verheißenden deutschen Namens„Lenzing" Winterstrenge, so gilt doch auch ihm gegenüber als erste Mahnung für den wahren Weidmann, der immer zuerst Heger sein soll: Weiterfüttern, solange, bis die für fost alle Wildarten, besonders aber für unser Reh=, Rot= und Damwild schlimmste Gefahren bergende Uebergangszeit ganz überwunden ist. Bei plötzlichem Tauwetter fällt das Wild über die natürliche Grünäsung her, sobald es die nicht mehr besorgten Fütterungen leer findet, und dann gibt es leicht noch Fallwild oder mindestens kümmernde Stücke. Bringt der„Lenzing“ seinem Namen zum Spott, wie wir es oft erlebten, noch einen sogenannten Nachwinter, so ist dieser in hegerischer Hinsicht meist schlimmer als der eigentliche Winter, und sei er auch noch so hart gewesen. Vor allem werden die Märzhasen, also die in diesem Monat gesetzten ersten Junghasen, manchmal restlos vernichtet, womikt ein gutes Hasenjahr in Frage gestellt wird. Daß die Märzhasen, kommen sie gut durch, selbst noch im Hochsommer setzen und mit ihren bis zum Riuter jagdbar gewordenen Junghasen den Stamm eines guten Hasenjahres bilden sollen, ist allerdings zweifelhaft. Um die Gefahren eines solchen Nachwinters für die Hasen zu mildern, kann der Jäger, der die Mittel und das erforderliche Revier hierfür hat, Schutzremisen anlegen, die aber auch nur teilweise das Verhängnis aufzuhalten vermögen, soweit der Abgang der Junghasen infolge solcher Nachwinter in Betracht kommt. Außerordentlich wertvoll, ja Vorbedingung für ein gut besetztes Feldrevier bleiben jene Schutzremisen neben den Wildäckern aber trotz allem. Eine sehr üble Folge für unsere Cerviden hat der lang anhaltende„Märzwinter" dadurch, daß er bei schlechter oder unsachlicher Fütterung die Entwicklung der neuen Gehörne und Geweihe aufhält und damit sehr ungünstig beeinflussen kann. Deshalb sind die Fütterungen in einem damit dem männlichen Wilde die für den Gehörn= und Geweihaufbau nötigen Stoffe zugeführt werden. Salzsteine dürsen dabei nicht sehlen. Vereiste Wasserstellen in der Nähe der Fütterungen sind nach Möglichkeit offenzuhalten. Selbstverständlich ist vielseitige Fütterung zu solchen Zeiten auch allem übrigen Wilde nur zuträglich, nicht zuletzt auch für die tragenden Stücke und die Entwicklung ihrer Tracht. Ist der März milde, wird der Boden für Wildäcker bearbeitet, werden Remisen angepflanzt oder ergänzt, wo es not tut. Bachen beginnen zu frischen, die Hirsche wersen ab Die leidige Stangensucherei, die die besten Stände beunruhigt und das Wild aus ihnen vergrämt, muß beaussichtigt werden, damit sie sich in Grenzen hält, soweit der Pächter oder Jagdbesitzer nicht das Recht hat, sie überhaupt zu verbreten oder zu verhindern. Ist das Wetter danach, beginnt die Balz der Birkhähne. Die Jagd aber wird tunlichst weit hinausgeschoben und am besten erst gegen Ende April ausgeübt. Der Ansitz am Balzplatz bereitet ja auch dann erst, wenn die Winterstürme dem Wonnemond wichen, volle Weidmannsfreude. Am Abend— etwa um die Mitte des Monats (Lätare, das ist das Wahre!) holen wir uns auf dem Strich eine balzende Schnepfe. Das Buschieren auf Schnepfen schieben wir auf den Herbst auf. Einige Bekassinen, die Karnickel der Luft, schießen wir, wenn's nicht vorbeigeht, auf der Suche in feuchten Wiesen. Dabei achten wir scharf auf die Eiersucher. Kibitzeier sind ja leider„frei“; wieviele andere Gelege werden bei dieser Gelegenheit zerstört!— Der März ist auch der Wandermonat der Krähen und Raubvögel. Darum holt der Jäger, der ein für die Hüttenjagd geeignetes Feld= und Hügelrevier hat, den lebenden oder mechaniichen Uhn hervor, um mit ihm auf der Krähenhütte die Schädiger des Kleinwildes herauszulochen und kurzzuhalten. Der lebende Uhn ist ja fraglos besser„aber nur wenige können ihn sich heute halten. Eine weißbunte Katze oder eine kleine Eule bieten ebenfalls einen leidlichen Uhn=Ersatz. —..— Frühlingsfarmer Von Robert G. Freund. und Klärchen schliefen, wie man das ja auch verstehen kann, gern etwas länger. Vor neun Uhr erschienen sie nicht am Frühstückstisch. Der Leidtragende war zunächst der junge Verwalter. Da es seine erste Anstellung war, versuchte er zwak mit allen Kräften den Betrieb im Gange zu erhalten, aber da er auch in den Augen der Eingeborenen eben nur Angestellter und nicht Baas(Herr) war, so waren seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Dem jungen Chef hatten die Eingeborenen stets eine diesem glaubhafte Erklärung bei der Hand. Einige Male hatte auch Klärchen, die noch sehr in europäischen Anschauungen besangen war, hlei. Einspruch zugunsten dieses oder jener schwarzen Sünders erfolgreich geltend gemacht. Es sollte aber noch schtimmer kommen. sonstrnennen ##n die Farm und wunderte sich wahrscheinlich, daß sie um 8 Uhr noch das Melken mitansehen konnte, während doch auf allen anderen Farmen das Vieh spätestens um 7 Uhr bereits auf der Weide war. Mit grimmigem. verbittertem Gesicht stand der Verwalter im Viehkraal.„So geht das nicht mehr weiter! Jetzt habe ich den Kram satt!“ Und entschlossen ging er in das Wohnhaus, um den Chef zum Augenzeugen der geradezu haarsträubenden Bummelei zu holen.„Baas, Sie müssen selbst kommen, oder der ganze Betrieb geht zum Teusel! Ich lehne jede Verantwortung ab, da ich die verfluchten Lümmel ja nicht einmal verhauen darf.“ Mit diesen Worten ließ er seinen erstaunten, gerade beim Ankleiden beschäftigten Herrn stehen und begab sich in sein Zimmer. Der Engländer nennt diese Leute„greenhorn". Wie oft haben wir in unseren lieben alten Kolonien herzlich über sie gelacht. Und da Schadenfreude immer noch die reinste Freude ist, so sah man oftmals das ganze Land lachen und gespannt warten auf das, was derartige Neulinge anstellten. Rat und Vorschläge scheiterten meist an der Ueberhebung und dem Allesbesserwissen dieser Frühlingsfarmer, wie sie in den deutschen Kolonien so schön genannt wurden. Traf da eines schönen Tages in unserm Bezirksstädtchen ein junges Ehepaar ein und nahm im dortigen Hotel Wohnung. Ganz junge Leutchen, er etwas über die zwanzig, sie kaum neunzehn. Aber in der Auswahl ihrer Erzeuger schienen beide sehr vorsichtig gewesen zu sein, zum mindesten was die äußeren Güter des Lebens anbetraf. Man sah sie öfters in einem der leichtenspraktischen amerikanischen HickoryWagen umherkutschieren. Sie waren begeistert von der wilden, eigenartig herben Schönheit des afrikanischen Landes. Nach kurzer Zeit hörte man, daß sie die Farm O. von dem Besitzer H., einem Junggesellen und tüchtigen Farmer, gekauft hatten. Natürlich kannte man auch augemein den Preis, es waren sechzigtausend Mark. Der glückliche Ver=Gäste stürzen, ein Unglück befürchtend, käufer zog in das Bezirksstädtchen, wo er sich Küche. Hier vietet sich ihnen ein Bild, das ihre häuslich im Hotel niederließ. Eduard und Besorgnis in ein dröhnendes Gelächter verwandelt. Mitten in der Küche steht der Koch, Klärchen aber— anders wurde das junge Flitterwochenpärchen nirgends genannt— zogen auf ihrem neuen Besitztum ein. Auch ein Verwalter wurde mit einem sehr anständigen Gehalt für den Betrieb engagiert. Soweit war ja nun alles in schönster Ordnung, und die Farm hätte ihren ruhigen Gang laufen können. Ja, wenn die lieben Schwarzen nicht gewesen wären! So ganz ohne einen gelegentlichen wohlwollenden Druck einer väterlich gerechten und strengen Hand waren sie damals nach landläufiger Ansicht noch nicht zu regieren. Denn die Arbeit ist doch ein sehr übles Geschenk des bösen Geistes. Und nur die Not und der Zwang können den Neger zu ihr furren. In kürzester Frist hatten die lieben schwarzen Brüder die Möglichkeiten ihrer neuen Herrschaft erfaßt. Jeden Morgen dauerte es etwas länger, ehe sie auf das übliche Glockenzeichen hin zur Arbeit erschienen, und jeden Morgen dauerte auch das Melken länger und Kurze Zeit darauf erschten Eduard in nicht gerade rosiger Stimmung im Viehkraal. Die Eingeborenen, die ihn kommen sahen, markierten eifrigen Fleiß. Stumm stand der Baas und sah sich eine Weile die Geschichte an. Donn tobte er los.„Was ist das hier für eine verfluchte Schweinerei! Was sollen die Kölber hier beim Melken? Raus damit!" Der Vorarbeiter versuchte, ihn der Wahrheit gemäß darauf aufmerksam zu machen, daß ohne Gegenwart der Kälber die Kühe sich nicht melben ließen. Als Antwort erhielt er eine schallende Ohrfeige. Die Kälber wurden hinausgetrieben, und das Melken nahm seinen Fortgang unter leizen rstaunten Rufen und Widerspruchsgemurmel der Leute. Der Erfolg war vorauszusehen: es gab einfach keine Milch mehr. Das haibwilde afrikanische Weidevieh gibt überhaupt nur sehr wenig Milch, und überdies läßt sich die Kuh nur meihen, wenn ihr Kalb ansaugt. Eduard raste. Soviel Ohrfeigen wie an diesem Vormittage hatten die Schwarzen selbst nicht unter der Aegide ihres früheren, in dieser Hinsicht berüchtigten Herrn erlebt. Es wurde eif Uhr, ehe das Vieh auf die Weide kam, und Eduard hatte außer seiner guten Laune für den ganzen Tag auch noch allen Respekt det seinen Leuten verloren. Aber auch Klärchen mußte ihre Erfahrungen machen. Es war Besuch auf der Farm. Das Miet#gessen hatte der schwarze Koch ganz leidlich sertig gebracht, und dank der guten Weine des Hausherrn war es in angeregter Stimmung verlausen. Zum Nachmittagskaffee sollte eo Aprikosentorte mit Schlagfahne geben. Der Kaffeetisch ist gedeckt. In der Mitte prangt die wirklich gut geratene Torte. Klärchen geht in die Küche, um das Schlagen der Sahne zu überwachen. Friedlich sitzen die Gäste bei einer Zigarre auf der Veranda. Auf einmal ertönt aus der Küche ein lauter Schreikensschrei Klärchens. Der teure Gatte und die Gäste stürzen, ein Unglück befürchteno, in die eine Kristaltschale voll der köstlichsten Schlagsahne über sein schwarzes Haupt gestülpt. Neukrich heben sich die an seinem Gesicht hinunterfließenden Schlagsahnebäche von der schwarzen Haut ab. Davor Klärchen in Weinkrämpfen. „Aber Klärchen, was ist denn hier los?“ ruft Eduard. Und unter Schluchzen und strömenden Tränen kommt der schreckliche Sachverhalt zu Tage. Sie hatte die Sahneschüssel bereits in der Hand und rief den Koch, um einige kleine Spritzer innerhalb der Schüssel abzuwischen. Und was tat dieser Unmensch? Er zog seinen schmierigen Hemdenzipsel heraus und wischte damit in der Sahne herum. Das war zuviel für Klärchens Nerven gewesen, sie hatte mit einem Aufschrei dem Koch die ganze Schüssel über den Kopf gestülvt.— Schon mehrere Monate saß der Exfarmer H. in seinem Hotel. Seine Hauptbeschäftigung bestand im Trinken, wozu die von ihren Besitzungen zur Stadt kommenden Freunde täglich und * 8 Igr