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Zwischen Hauerschichten und Alarmnächken— Bei den Bergmännern an der Ruhr

Viktor Lutzes letzte Fahrt durch die Straßen der Reichshauptstadt

Nach der Feier in der Reichskanzlei bewegte sich der Trauerzug durch die Straßen der Reichs­hauptstadt, die von einer nach vielen Tausenden

zählenden Menschenmenge umsäumt waren.

Scherl-Bilderdienst=Autoflex

planen Raubzug gegen Martinique

Einer amerikanischen Agenturmeldung zufolge erklären wohlunterrichtete, der USA.=Marinelei­tung nahestehende Kreise, daß sich in der Angele­genheit Martinique eine„plötzliche Wendung“ vollzogen habe. Eine Intervention der nordameri­kanischen Marine sei jetzt so gut wie unvermeid­lich. Aus der Hauptstadt von Martinique, Port de France, würden Unruhen unter der Bevölke­rung gemeldet. Die innere Lage auf der Insel sei sehr gespannt und kritisch; man müsse damit rech­nen, daß die amerikanische Marine zur Sicherung von Ruhe und Ordnung„herbeigerufen" werde.

Die Meldung der amerikanischen Agentur trägt deutlich den Stempel der Raubabsichten der Ver­einigten Staaten auf die französische Kolonie Martinique, die sich unter dem vichytreuen Gou­verneur Admiral Robert den USA.=Plänen, die Insel für ihre militärisch=strategischen Pläne zu besetzen, widersetzt. Zunächst hatten die USA. gehofft, durch die Sperrung der Lebensmittel­zufuhr ihre dunklen Absichten auf Martinique verwirklichen zu können. Nunmehr ist klar ersicht­lich, daß man jetzt unter dem Deckmantel, auf der Insel für Sicherheit und Ordnung sorgen zu müs­sen, sich mit Gewalt Martiniques bemächtigen will.

Vor einem Jahr

wurde Corregidor im Sturm genommen Eine Erklärung des japanischen Oberbefehlshabers auf den Philippinen

Zum Jahrestag des Falles von Corregidor hat der Oberbefehlshaber der sapanischen Streitkräfte auf den Philippinen, Tanaka, am Freitag folgende Erklärung abgegeben:„Gerade vor einem Jahr ist Corregidor, der letzte nordamerikanische Stütz­punkt auf den Philippinen, von den todesmutigen Japanern im Sturm genommen worden. Mit die­ser Tat trat die neue Ordnung in Ostasien in eine neue Phase ein. Es freut mich sehr, daß die Auf­bauarbeit auf den Philippinen dank der Mitarbeit der eingeborenen Bevölkerung in diesem einen Jahr so auffällig günstige Fortschritte gemacht hat.“

Tokio. Ministerpräsident und Kriegsminister Tojo ist am 5. Mai zu einer Inspektion der Mili­tärverwaltung, der Militärlage und zu Bespre­chungen mit dem Chef der Zivilverwaltung auf den Philippinen, Bargas, in Manila eingetroffen.

50 Aus dem Ruhrgebiet, 6. Mai.(Von unserem Sonderberichterstatter.)

Es ist erwiesen, daß unseren Bergmännern ent­scheidendes Verdienst an der Durchführung des deutschen Kriegswirtschaftsprogramms zukommt, denn die gigantische Produktionssteigerung unserer Rüstungstndustrie wäre ohne eine genügenor noch­lenförderung nicht möglich gewesen.

Im Anschluß einiger Betriebsappelle hatten wir Gelegenheit, uns mit Arbeitskameraden aus dem „Pütt“.— Hauern, Lehrhauern und technischen Grubenbeamten— zu unterhalten. Ein Steiger sagte:„Klar, die tägliche harte Arbeitsanspannung und die vielen Alarmnächte spürt man schon. Aber wir sind ja keine Tangojünglinge und vertragen schon was.“ Und er erzählte voller Stolz von den Männern seines Reviers, die geschlossen ihre Sonntagsschichten verfahren und Ueberarbeit mit selbstverständlicher Bereitwilligkeit leisten.

„Solange wir noch unsern Priem haben, fallen auch Kohlen", lachte uns ein Kohlenhauer an, der sich gerade ein Stück Kautavak abbiß. Als wir antworteten, daß die Kohlen sicher auch kommen würden, selbst wenn Mars den Priemtabak kon­fiszierte, nickte er nur:„Klar! Unsere Jungen an der Front haben manchmal nur ein Stück trocke­nen Karo, da werden wir doch hier nicht wegen so ner Kleinigkeit kneisen."

Pflichterfüllung bis zum Aeußersten

Ein junger, drahtiger Hauer, der, wie er er­zählt, seit kurzem neben der schweren Arbeit un­ter Tage noch die Bergschute besucht, meinte re­signiert, er habe sich nachdrücklich bemüht, den Bergmannskittel mit dem Soldatenrock zu vertau­schen, aber es sei nichts zu machen. Unser Hin­weis, die Arbeit im Berg sei genau so wichtig wie der Kampf des Soldaten, vermochte ihn nicht so recht zu überzeugen Es sei eben nur„Heim­arbeit". Die wolle er dann aber auch auf jeden Fall voll und ganz erfüllen.„Früher“, fuhr er offenherzig fort,„habe ich ab und zu einmal blau gemacht. Das hat im Kriege aber aufgehört. Es wäre ja eine Biesterei, wenn unsereiner sich auf Kosten seiner Kameraden in dieser Zeit noch einen schönen Lenz machen wollte, nicht wahr?“

Einige ältere Hauer und Zimmerhauer schilder­ten uns den Angriff der Tommies auf ihre Berg­mannssiedlung. Viel passiert sei nicht weil der

Tommy nur die„Rollbahn“ getrofsen habe. Im­merhin waren einige Zimmerdecken herunter­gekommen, Fenster und Türen eingedrückt worden. Da hätten sich die Knappen mit einigen kernigen Füchen noch nachts an die Arbeit gemacht, den Schutt hinausgeschafft und die Behausungen wie­der in wohnlichen Zustand gebracht. Als sie damit fertig waren, nahmen sie ihre Kaffeeflaschen und Stullenpäckchen und gingen zur Zeche. An dem Sonntag war Pflichtschicht zu verfahren. Und keiner dieser Bergmänner fehlte. Auf einer an­dern Schachtanlage sprachen wir mit dem Leiter und mit Männern des Rettungstruprguung# Grubenwehren haben aktive und für das Rettungs­wesen besonders ausgebildete Knappen als Mit­glieder. Die Bergmänner erzählten uns, daß sie bereits mehrmals nach englischen Bombenangriffen zur Unterstützung des Sicherheitsdienstes eingesetzt worden seien. Brände wurden noch im Entstehen gelöscht, wertvoller Hausrat aus schwergetroffenen Wohnungen geborgen und zahlreiche Volksgenossen aus eingestürzten Häusern, wo sie verschüttet wa­ren, befreit.

Nerven, stabil wie Förderseile

„Wir sind stets pünktlich zur Stelle, oftmals noch, ehe wir überhaupt angefordert werden. Das Zupacken sind wir alle gewohnt. Und gerade in solchen Fällen heißt die Parole: Wer schnell hilft, hülft doppelt. Wenn Churchill meint, durch den Nervenkrieg hier iin Kohlenpott etwas erben zu können, so muß er wissen, daß Bergmänner keine Nerven haben. Wenn aber einer sie hat, dann sind sie bestimmt so stabil wie ein Förderseil, und das hält bekanntlich schon eine Wucht aus.

Diesen Geist können auch die schwersten eng­lischen Fliegerbomben nicht zerschlagen. Die Front vor der Kohle steht. Der Ruhrbergmann ist nicht nur gewillt, seinen Beitrag für den Endsieg weiter zu leisten, sondern bestrebt, ihn noch nach Kräften zu steigern.

Aus aller Well

wuh. Berlin, 8. Mai. Leber= und Gallenleiden lindert Ackerraute— Ein heimisches Heilmittel­gewächs. Ueberall auf Aeckern wächst der von Mai bis September rosa bis dunkelrot in auf­rechten Trauben blühende, mit graugrünen doppelt und dreifach gefiederten Blättern und hohlen, saftigen, stark verzweigten Stengeln versehene, bis 40 cm hohe Erdrauch oder Ackerraute(Fumaria officinalis). Das blühende Kraut wird von Mai bis August gesammelt. Von einem Aufguß wer­den 10 Gramm auf eine Tasse gegeben und davon höchstens eine Tasse täglich schluckweise genommen bei Gallensteinen, Gallenblasenentzündung, Leber­leiden, Hämorrhoiden, Wasseransammlungen, Ver­stopfung, bei Spulwürmern und äußerlich bei Hautausschlägen und Gesichtsfinnen.

— Nizza, 8. Mai. Das Ende einer Spielhölle. Nach französischen Zeitungsmeldungen wird Nizzas berühmtes Kasino, das auf Pfählen ins Meer gebaut ist, abgerissen. Der Spielsaal war bereits seit Monaten geschlossen. Man hat festgestellt, daß in der Spielhölle etwa 80000 Franzosen, 75000 Engländer, 40000 Deutsche, 57000 Amerikaner, 30000 Russen, Schweden, Dänen, Norweger, 60000 Südamerikaner, 50000 Raliener 32.000 Spanier, 10 000 Portugiesen und 50000 Menschen aus Japan und China das Glück gesucht haben Viele von ihnen haben es gefunden, viele aber verspielten in verhängnisvollen Nächten wirtschaft­liche Existenz, Reichtum, oft auch das Leben, stürz­ten sich und ihre Familie ins Unglück, brachten sich an den Bettelstav. Ungefähr 18.000 der Kasino­besucher nahmen sich das Leben, 3000 davon such­ten den Tod im Meer. So berichtet eine private Statistik, die aber keinen Anspruch auf Vollstän­digkeit erhebt. In den 50 Jahren warden in den Spielsälen 479 Hochstapler und sonstige Verbre­

cher verhaftet, fast immer ohne Aufsehen, nur ein­mal widersetzte sich ein falscher Herzog der Fest­nahme und schoß auf die Kriminalbeamten.

— Katania, 8. Mai. Ein Blitz auf komplizierten Wegen. Ein heftiges Unwetter ging kürzlich über Mineo nieder. Dabei schlug der Blitz in das Haus der Familie Campisi. Er fuhr durchs Fenster, riß einige Ziegel mit, entzündete die Wicklung des elektrischen Kabels, zertrümmerte eine Hänge­lampe und ließ den elektrischen Zähler explo­

dieren. Dann kehrte er um und fuhr zum Neben­fenster hinaus. Durchs Dach schlug er dann in die benachbarte Sebastianskirche hinein. Dort zer­störte er den Hauptaltar, dessen Stufen er hinab­kollern ließ, fuhr dann um die Bildsäule des hl. Sebastian herum, setzte auch hier die elektrische Anlage in Brand und fuhr durch die Sakristei hin­aus, wobei er die Röhren der Wasserleitung platzen ließ die außen an der Kirchhofsmauer ent­lang gehen. Die Mitglieder der Familie Cam­visi, die im Augenblick des Blitzeinschlags im Hause waren, blieben wie durch ein Wunder unverletzt.

zb. Buenos Aires, 8. Mai. Der Schimpanse als Lebensretter. In der Umgebung von Santa Fé(Argentinien) war in einer aus Holz gebauten Fabriksiedlung ein Großfeuer ausgebrochen, dem die Einwohner zunächst machtlos gegenüberstan­den. In wilder Panik rannten die Leute aus den brennenden Häusern und konnten nur mit knap­per Not ihr nacktes Leben retten. In der allgemei­nen Aufregung hatte niemand daran gedacht, die zwei kleinen Kinder eines gerade abwelenden Landmannes in Sicherheit zu bringen. Als die Feuerwehr eingriff, brannte das betreffende Haus bereits lichterloh, und man mußte die Kinder als verloren betrachten. Da kletterte ein Schimpanse

Herzlicher Empfang Konrad Grebes in der Heimat

nig) Der ganze Gau Westfalen=Nord, insbeson­dere aber die Bergmänner unseres Gaues sind stolz darauf, daß einer der Ihrigen, der Maschinen­fahrsteiger Konrad Grebe, am 1. Mai zum„Pio­nier der Arbeit“ ernannt wurde. Die Heimatge­meinde bereitete dem„Pionier der Arbeit" bei seiner Rückkehr aus Berlin einen feierlichen Emp­fang. Eine große Menschenmenge war zum Bahn­hof geeilt, um Konrad Grebe den Gruß der Hei­mat zu entbieten. Der Bahnhof war mit Fahnen und Maiengrün festlich geschmückt. Auf dem Bahn­hofsvorplatz waren die Politischen Leiter, SA. und die anderen Formationen und Gliederungen der Partei, die Hitler=Jugend, Vereine und die Berufskameraden angetreten, um ihm den Will­kommengruß zu entbieten. Zahlreiche Blumen­

sträuße wurden ihm überreicht. BDM. und Jungmädel bildeten Spalier, während die Rufe „Heil dem Pionier der Arbeit“ aufklangen.

Auf dem Bahnhofsvorplatz hieß der Kreisleiter den Pg. Grebe herzlich willkommen und betonte, daß die hohe Auszeichnung bei allen schaffenden deutschen Menschen ungeheure Freude ausgelöst habe. Besonders groß sei die Freude im engsten Kreise der Arbeitskameraden. Sie wüßten, mit welchem Fleiß und welcher Zähigkeit ihr Arbeits­kamerad seit Jahren an der Konstruierung seiner Erfindung gearbeitet habe. Kameradschaftlich stan­den ihm seine engeren Mitarbeiter zur Verfügung und scheuten keine Stunde Freizeit, um ihm bei der Anfertigung der Modelle und der Maschine zu helfen. Der Kreisleiter wies auf die große wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Erfin­dung hin, die nicht nur eine erhebliche Steigerung in der Kohlenförderung bringen werde, sondern auch die Arbeitskraft des Bergmannes schone. Die Leistungen des Pg. Grebe dürften für viele ein Ansporn sein. Seine Tat sei bahnbrechend geworden. Er sei für den schaffenden deutschen Menschen ein Vorbild. Er überbrachte ihm die Grüße des Gauleiters und stellv. Gauleiters und wünschte ihm weitere Gesundheit und vollen Er­folg für sein zukünftiges Schaffen.

Der Amtsbürgermeister beglückwünschte den „Pionier der Arbeit" und überreichte ihm ein Oelgemälde des rheinischen Malers und Corne­liuspreisträgers Karl Barth.

Nachdem der Betriebsführer und der Betriebs­obmann der DAF. Konrad Grebe beglückwünscht hatten, schritt er unter dem Jubel der Versammel­ten die Front der angetretenen Formationen ab. Die Begrüßungsfeier schloß mit dem Gruß an den Führer, der bei der Menge brausenden Wi­derhall fand.

Im Rahmen einer Betriebsfeier, an der die engsten Mitarbeiter teilnahmen, hieß der Be­triebsführer den Erfinder des Preußenhobels, den neunten Pionier der Arbeit, herzlich willkommen und sprach ihm Dank und Anerkennung aus.

Der Fachabteilungsleiter Bergbau der DAF. überbrachte die Gluckwünsche des Gauobmanns und der gesamten nordwestfälischen Bergarbeiter­schaft.

Der jüngste Pionier der Arbeit schilderte dann in anschaulicher Weise, wie er mit Unterstützung seiner Arbeitskameraden seine Pläne verwirk­lichen konnte.

Die Küsder von. Hlollingerlot

Roman von Marte Schmidtsberg

Urheber-Rechtaschutz Drei Quellen-Verlag. Konsgsbruck (Bezirk Dresden

31. Fortsetzung(Nachdruck verboten)

„Mich müßt ihr man losschicken zum Postholen, ich bringe wenigstens ordentlich was mit. Hier vier Briese.“„

Hastig griff Lotte danach und say sie ourch. Sie enthielten nur gute Nachrichten. Heinz freute sich besonders, in einem von Gerds Briefen ein an ihn persönlich gerichtetes Schreiben zu finden. Ueber eine Stelle in Herberts Brief aber konnte er nur den Kopf schütteln.„. 9gs

„Ich glaube, der Herbert hat mehr Angst um Lisa als um sein Leben“, meinte er.„In jedem Brief schreibt er— hier auch wieder—: Liebe Mutter, kümmerst Du Dich wohl ein wenig um Lisa, daß sie nicht zu schwer arbeitet und ja auf ihre Gesundheit achtet?!“ Lisa ist doch groß ge­nug, die paßt schon auf sich selber auf, und dann ist doch auch Tante Katrine da.“ Hanne lächelte. Aber die Stunde war nicht günstig, um Heinz zu erklären, warum Herbert sich so um seine junge Frau sorgte, denn vor ihr saß Lotte mit hängenden Schultern, und in ihrem traurigen Gesicht spiegelte sich deutlich die große Enttäuschung darüber, daß wieder kein Brief für sie gekommen war. So schickte sie Heinz denn jetzt mit einem Auftrag hinaus.

Als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, hob Lotte die hoffnungslosen Augen zur Mutter

„Wieder nichts für mich. Verstehst du das,

Mutter?" 4 5149

Nein, Hanne verstand es auch nicht, aber sie suchte in ihrem Gerechtigkeitssinn doch nach

Gründen.i, M Dmts

„Es kann Hochmut sein, wie du vermutest“, sagte sie„Es kann aber auch etwas anderes sein.“ „Was meinst dur“..„ 4.

Hanne faßte fest ihre Hand. Es hals ja alles nichts, Lotte mußte sich damit abfinden, daß Rein­

hard Lohse für immer aus ihrem Leben fort­war. Es würde kein Brief mehr kom­men, weder von ihm noch von seinen Eltern, da­von war sie jetzt überzeugt. Sie konnte nur noch eins tun: das Andenken an den Verlorenen rein­waschen von aller Bitterkeit. Und das wollte sie jetzt tun. Sie sagte:

„Nehmen wir einmal an, daß es so ist, wie wir fürchten, daß Reinhard nicht mehr ist. Dann werden seine Eltern in ihrem Schmerz nicht an ein fremdes Mädchen schreiben, von dem sie wahr­scheinlich nicht einmal wissen, was es ihrem Jungen bedeutete. Weil ihnen eben alles gleichgültig ist, weil alles vor ihrem eigenen Leid verblaßt, dar­um—“

„Und wenn sie mir nur eine gedruckte Todes­anzeige geschickt hätten", unterbrach Lotte sie in leidenschaftlichem Aufbegehren.„Das wäre doch wohl nicht zuviel verlangt, und ich hätte dann doch Gewißheit. 8.### 55

„Du darfst in diesem Fau nicht mit ihnen rechten“, bat Hanne sanft„Sie wollen vielleicht nicht wieder in kaum vernarbten Wunden wühlen. es geht wohl über ihre Kraft. Kind, Lotte, ich bitte dich, suche dich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß du ein schweres Opfer hast bringen müssen. Gräme dich nicht mehr so sehr. Hoffen wir, daß das Schicksal es dabei bewenden läßt, daß Gerd gesund wiederkehrt und Lisas Mann.“

Lotte nickte und suchte sich zu fassen und die rinnenden Tränen zu stillen. Hanne ging leise hinaus und ließ sie in der Küche allein. Es war wohl am besten so.

Da saß sie nun, die Arme auf die Tischplatte gelegt und den Kopf darauf, mit zuckenden Schul­tern, und ließ ihren Schmerz verströmen. Sie sah ja ein, daß die Mutter recht hatte. Sie mußte einen Schlußstrich ziehen unter ihr Warten und Hoffen. Sie mußte— aber es wur ein unsagbar bitteres Muß!—„

Fremde Stimmen auf der Deele ließen sie plotz­lich auffahren. Es schien semnand gekommen zu

Hastig stand Lotte auf, strich die verwirrten Löck­chen aus der Stirn und ging zur Pumpe, um ihr verweintes Gesicht zu kühlen. Dann lauschte sie.

„Ja“, hörte sie Heinz' Stimme antworten.„Wir heißen Hollinger.“. aau vies

Dann kam eine erneute Frage, die Lotte nicht verstand, und darauf Heinz Antwort:

„Meine Mutter ist nicht da, aber meine Schwester:.,.. 4u. i K— 4

„Dann führe uns doch bilte zu ihr, bal eine dunkle Frauenstimme.

Heinz schien sich auf seine Wohlerzogenheit zu besinnen..74s4 Bunt Lärt. Gat

„Bitte“, sagte er, und gleich varauf horte Lötte ihn die vom Flur in die Wohnstube führende Tür öffnen.„Ich will meiner Schwester Bescheid sagen.

Lotte hielt noch lauschend das Handtuch in der Hand, als Heinz hereinkam. Die Mutter hatte ihm vorhin ihren Kummer angedeutet und ihn gebeten, sie nicht zu stören. Daran dachte er nun aber schon nicht mehr.

„Da sind zwei fremde Leute" berichtete er wichtig und so leise, daß die unerwarteten Gäste es in dem anstoßenden Zimmer nicht verstehen konnten!„Du möchtest zu ihnen kommen.“

„Wo ist denn die Mutter?“

„Zur Wiese zum Melken.“

Ach ja, daran hatte Lotte in ihrem Kummer nicht gedacht, es war ja Zeit für die Vieharbeit. Das Melken war sonst immer ihre Arbeit, nun hatte die Mutter es ihr stillschweigend abgenom­men. Sie blickte ein bißchen ratlos.

„Was sind es denn für Leute?“

„Ein Mann und eine Frau. Sie sind schon ein bißchen älter, aber sie sehen sein aus“, gab Heinz Auskunft. Dann riet er ihr noch altklug:„Die alte Schürze würde ich lieber abtun.“

Lotte sah unschlüssig an ihrer Küchenschürze her­unter und streifte sie dann wirklich ab. Sie über­prüfte noch rasch die Töpfe auf dem Herd: die Kartoffeln kochten noch nicht, die Brathähnchen brutzelten leise in der Bratpfanne, das war in Ordnung und konnte eine Weile unbeaufsichtigt bleiben. Also öffnete sie jetzt rasch entschlossen die Stubentür.

Bei ihrem Eintritt erhoben sich eine stattliche, hochgewachsene Dame und ein beleibter, etwas kleinerer Herr von ihren Sitzen.

aus dem Fenster, der dem Kolonisten gehörte und der Spielkamerad aller in der Siedlung wohnen­den Kinder gewesen war. Er hielt eines der Kin­der an sich gepreßt, während er sich mit den Bei­nen und dem noch freien Arm an einem Abfluß­rohr herunterließ. Auf der Erde angekommen, setzte das Tier seinen Spielkameraden sachte ab und nahm sofort wieder den gleichen Weg zurück zum Fenster. Nach wenigen Minuten wi=derholte sich die Szene. Der Affe brachte auch das zweite Kind glücklich aus dem brennenden Hause. Beide Kinder hatten keinen Schaden davongetragen, nur der Schimpanse wies einige Brandwunden auf.

Verlagsleiter: Baul Holterdorf Oelde.

Druck und Verlag E Holterdort Oelde Hauptschriftleiter: Josepb Holterdoxs. Oelde

„Fräulein Lotte Hollinger?“ fragte die Dame und richtete ihre Augen aufmerksam, aber unauf­fällig prüfend auf das junge Mädchen. Genau so, wie sie vorher mit sicher abschätzendem Blick die schlichte, aber doch von einem gewissen Wohl­stand zeugende Einrichtung des Zimmers ge­mustert hatte.„„ 2 1

„Sie ist reizend“, steute sie bei sich fest. Sie sah auch sofort die Tränenspuren auf dem jungen Gesicht und wunderte sich nicht darüber.

„Ja, die bin ich“, antwortete Lotte und hatte dabei ein ihr selbst unerklärliches Gefühl der Be­fangenheit. Eine Ahnung drängte sich ihr auf, aber sie schob die Gedanken sofort weit von sich. Das war ja nicht möglich.

„Sie haben mir einen Brief geschrieben“, sogte da die fremde Frau und hatte dabei den Anflug eines Lächelns um den Mund. Lottes Hände fuhren jäh zum Herzen.

„Oh— Sie sind—“

„Ja, wir sind Reinhard Lohses Eltern, und wir kommen geradewegs von ihm.“

„Von ihm? So lebt er doch! Er lebt!“ Es kam wie ein Aufschrei der Erlösung aus Lottes Mund.A 95#

Ein Zucken lief über die beyerrschten Zuge der Frau. Der Mann sah es. Er käusperte sich und nahm nun seinerseits das Wort.

„Ja, Fräulein Hollinger, er lebt. Aber es hat viele Stunden gegeben, da war ihm dieses Leben nichts mehr wert.“

Wieder räusperte er sich. Mit großen, bang fragenden Augen sah Lotte ihn an.

„Das war, als er meinte, daß er nun in ewiger Nacht werde leben müssen.“

„Die Augen?“ fragte das Mädchen mit ver­sagender Stimme.

„Ja, die Augen“, nickte Reinhard Lohses Vater schwer.„Aber wir wissen heute, daß das Augen­licht des linken Auges ihm erhalten bleiben wird. Das rechte ist freilich verloren. Und das ist nicht alles. Auch das rechte Bein—“

„Aber er lebt!“ sagte Lotte. Es klang wie ein Dankgebet und schob alles andere weit von sich. Ihre Augen leuchteten, und ihr Gesicht war hell und zuversichtlich.(Fortsetzung folgt)