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Nr. 260

Schwerte(Ruhr), Montag, 6. Rovember 1939

71. Jahrgang

Erbarmungsloser Kampf gegen wehrlose Zivilisten

Seiies Wrgee)“,„—

Berlin, 5. Nov. Der Dentsche D### meldet: In den letzten Tagen hat die britische Presse Bilder einer jungen Engländerin, Miß Jessy Byrne, gebracht, die als Märtprerin gefeiert wurde. Es wurde mitgeteilt, daß Miß Byrne, eine Sekretärin des britischen Vizekon­suls in Hamburg, fünf Tage in einem deut­schen Gefängnis festgehalten worden sei. Als besonders rührender und zugleich heldenhafter Zug bei Miß Byrne wurde hervorgehoben, daß se sich freiwillig bereit erklärt habe, an Stelle ihrer Kollegin Miß Mary Joß, die einen Ner­venzusammenbruch bekam, diese Tage im Ge­fängnis zuzubringen. Wie verhält es sich mit dieser rührenden Geschichte?

Es ist richtig, daß sowohl Miß Joß wie Miß Byrne ebenso wie Mr. Bayliß, der britische Vizekonsul in Hamburg, einige Tage in Schutz­haft sich befanden. Alle drei erklärten, daß sie keinerlei Klagen über die Behandlung in Deutschland vorzubringen hätten. Sie durf­ten nach Belieben mit der Außenwelt verkeh­ren, erhielten Leinen für ihr Bettzeug, konnten täglich in die Stadt ausgehen und durften dar­über hinaus sich ihr Essen aus dem Hotel kom­men lassen. Mr. Bayliß bedankte sich sogar in einem Interview des„Daily Telegraph“ vom 19. Oktober dafür, daß er die Gelegenheit ge­habt habe, täglich mit dem Vertreter des„Daily Telegraph“ in Kopenhagen zu telephonieren. Merkwürdig ist nur, daß ihr Fall von der englischen Propaganda nicht groß aufgemacht worden ist. Worauf ist diese peinliche Zurückhaltung zurückzuführen?

Der britische Vizekonsul in Hamburg und sein Stab sind deutscherseits in Schutzhaft ge­halten worden, weil die britische Regierung die Angehörigen des deutschen Konsulats in Glas­gow widerrechtlich festgehalten und eingesperrt hatte. Die deutsche Maßnahme war also eine reine Vergeltungsmaßnahme. Nachdem auf den üblichen diplomatischen Wegen ein Austausch der Konsulatsbeamten vereinbart worden war, wurden die Briten in demselben Augenblick freigelassen, in dem die Angehörigen des deut­schen Konsulats in Glasgow wohlbehalten auf holländischem Boden eintrafen. Soweit der

Tatbeskand. 4

Auch von deutscher Seite würde kein beson­deres Interesse bestehen, auf diesen Fall nach seiner diplomatischen Erledigung noch näher einzugehen, wenn nicht, wie wir erst nach Rück­kehr der verhafteten Deutschen erfahren haben, bei der Festhaltung der deutschen Beamten und Angestellten eine Reihe von Dingen sich ereig­net hätte, die den ganzen Vorgang als ebenso beispiellos in der Geschichte der Diplomatie wie empörend von der menschlichen Seite her erscheinen lassen. binaus zeigt dieser Vorgang erneut, daß die britische Regierung in den letzten Augusttagen bewußt auf einen schnellen Kriegs­ausbruch hingearbeitet hat.

Die Verhaftung der Angehörigen des deut­schen Konsulats in Glasgow erfolgte 20 Stun­den bevor die britische Regierung dem Deut­schen Reich den Krieg erklärte, also mitten im Frieden. Der das Konsulat damals lei­tende Kanzler Liebske wurde am Sonnabend, dem 2. September, nachmittags um 15 Uhr, durch die Polizei verhaftet und in das Straf­gefängnis Barlinnie eingeliefert.

Gleichzeitig wurde seine Sekretärin, Fräulein Wagner, verhaftet und in das Frauengefängnis

Der frühere Amtsgehüße Wptelktapt. am frühen Morgen des 8. Septembers, also

(Fortsetzung nächste Seite)

Der Heeresbericht

Berkin, 5. Nov. Der Oberkommando der Wehrmacht gibt belannt: g

Im Westen keine wesentlichen

Kampfhandlungen.

Dampfer versenkt

Paris, 5. Nov. Der Frachtdampfer„Ba­oule“ ist im Atlantik von einem deutschen U. Boot torpediert worden. 33 Mann, darunter der Kapitän, wurden von einem französischen Aviso aufgenommen und sind in einem fran­zösischen Hasen eingetroffen.

Dänischer Dampfer gesunnen

Auf englische Mine gelaufen Kopenhagen, 5. Nov. Der 11 000=Tonnen­Dampfer„Canada“ der Ostasiatischen Kom­panie ist, wie in der Nacht zum Sonntag be­kannt wurde, auf der Fahrt von Hull nach Ko­penhagen durch eine englische Mine schwer beschädigt worden. Das Schiff ist ken. Dir Untergang wird in der dänischen Oeffentlichkeit mit großer Toauer ausgenom­

Lügensensation der„Times“

Das gehört zu den Meihöben der englischen Propnguntou

#### ens zunlische Lügenmini=. Lügenministeriums wieder einen Schein

Berlin, 5. Nov. Das englische Lügenmini­sterium schreckt bekanntlich vor keiner Dreistig­keit zurück, wenn es gilt, der Welt sog. sationen“ aufzutischen. Nachdem Zondange Meldungen bereits bei jedermann völiger Verlogenheit stehen und nirgends mehr Glauben finden, ist man auf der Suche nach neuen Methoden, um den Produkten des

Das„industrielle Wunder“ in Deutschland

Holländische Zeitung über die deutsche wirtschaftliche Kriegführung

We Wianwa Ratter=I Grundstoffen habe. Um diese Grundstoffe!

Amsterdam, 5. Nov. Der„Nieuwe Rotter­damsche Courant“ bringt unter der Ueberschrift „Exportieren oder sterben“ einen Artikel seines Berliner Korrespondenten, in dem auf die deutsche wirtschaftliche Kriegführung eingegangen wird. In dem Bericht wird dar­auf verwiesen, daß Deutschland durch den Krieg einen gewaltigen Mehrverbrauch an

Sein Kriegeztel

(Zeichnung Rebel— Scherl=M.)

Grundstoffen habe. Um diese Grundstoffe kau­fen zu können, müsse das deutsche Volk all seine Kräfte einspannen, um genügend indu­strielle Fertigwaren erzeugen zu können, mit denen die Grundstoffe bezaspe, sgrgurn, Psgz nen. Mit der Nahrungsmittelversoreung sei es einfacher, da Deutschland etwa 85 Prozent seiner Bedürfnisse an Nahrungsmitteln aus eigenem Boden decken kann.

Die deutschen Exportbestrebungen richteten sich vor allem nach dem Osten und nach dem Südosten. Dort erschlössen sich Deutschland große Märkte. Als Käufer träten Rußland, die baltischen Staaten und die Balkan=Staa­ten auf.

Die finnischen Anterhanvier

im Kreml

Moskau, 3. Nov. Die Pig, pf urnz- Mäinisen mit dem Staatsrat Paasikipi und Tanner an der Spitze begaben sich Freitag. 18 Uhr Ortszeit, in den Kreml, um mit den

unterbrochen waren

Lügenministeriums wieder einen Schein Glaubwürdigkeit zu verleihen. So ist, der r# mische Vertreter der„Times“ auf die Regger­fallen, zu behaupten, die Londoner Meldung, wonach Generalfeldmarschoft, Gpering g eg. be

in Den der Veaticen Bethge

Rom bestätigt“ worden. bemerkt zu werden, daß die deutsche Botschaft in Rom keine Beziehungen zu journalisten unterhält und daß weder sie noch andere deutsche Vertretung sich mit den

Erfindungen des Londoner Lügenministeriums

überhaupt beschäftigt. Jedenfalls merkenswert, wie wenig Glauben tigkeit ihrer Meldungen die„Times“ bei ihren Lesern offensichtlich voraussetzt. Die Methobe, eine Log, gepge, frezich speiselleg

der englischen Propagande.

Fünfuhrtee der Tommies

Die französischen Soldaten verärgert

Paris, 5. Nov. Die englischen Soldaten, die eher aus psychologischen Erwägungen heraus an die französische Front geschickt worden sind, wollen nicht etwa auf die Be­quemlichkeiten des täglichen Lebens verzich­ten. Für sie, die andere Völker als Kanonen­futter vorzuschicken pflegen, ist der Krieg nur eine Episode, der an ihrer eigenen Lebens­weise nichts ändern darf.

So wird z. B. der Fünfuhrtee den engli­schen Soldaten auch in Frankreich serviert, was bei den Poilus heftigen Aerger erregt hat. Es ist daher schleunigst verfügt worden, daß auch den französischen Soldaten im Laufe des Nachmittags warme Getränke vor­abreicht werden.