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Deutsche Reichszeitung

Bestandshaltende Institution

Universitäts- und Landesbibliothek Bonn

Geschichte und Entwicklung, inhaltliche und politische Ausrichtung

Die Anfänge der „Deutschen Reichs-Zeitung“ sind eng verbunden mit der „Bonner Zeitung“ von Neusser. Durch die kritische Berichterstattung der „Bonner Zeitung“ zum vatikanischen Konzil und der Unterstützung des entstehenden Altkatholizismus, wandte sich ein Teil der Leserschaft ab.
Die katholischen Kreise schlossen sich für die Gründung einer neuen Zeitung zusammen, da in Bonn keine Zeitung zur Verfügung stand, „in dem der Katholizismus sich hätte verteidigen, indem er den Angriff gegen die Bewegung des Altkatholizismus hätte führen können.“ (Feldenkirchen, zit. n. Wenig 1968: 220).
Im Herbst 1871 bildete sich ein Komitee zur Gründung eines katholischen Tageblattes unter der Federführung von Peter Hauptmann zusammen.

Die Probenummer kam am Sonntag, dem 17.12.1871 heraus. Im Wort „An unsere Leser“ erläutern die Gründer die Notwendigkeit einer katholischen Tageszeitung in Bonn und beschreiben die zukünftige Ausrichtung der Zeitung, so „wird sie bei der Beurtheilung der Tagesereignisse den Maßstab anlegen, der durch die ewigen Grenzen des Christentums vorgezeichnet ist. Sie soll den sozialen Fragen ihre volle Aufmerksamkeit schenken und die Lösung derselben im Geiste der katholischen Kirche anzubahnen bestrebt sein […]. Die neue in Bonn erscheinende Zeitung soll vor allem ein Blatt für unser gutes und braves katholisches Volk sein, und die Verteidigung seiner Rechte und seiner Interessen wird immer die Hauptaufgabe der Redaction sein.“ (zit. n. Wenig 1968: 221).

Periodizität, Inhaltlicher Aufbau, Auflagenhöhe, Verbreitung

Die erste Ausgabe erschien am Montag, dem 01.01.1872 und von da an täglich, an den Wochentagen abends, am Wochenende morgens und umfasste in der Regel vier Seiten. Der Untertitel der Zeitung lautete „Organ für das katholische deutsche Volk“. Redakteur war Dr. Franz Matzner, Peter Hauptmann war der Verleger und gedruckt wurde ebenfalls in der Hauptmannschen Buchdruckerei in Bonn. Peter Hauptmann war Mitglied der Zentrumspartei.

Die „Deutsche Reichs-Zeitung“ beinhaltete politische Nachrichten (die parteilich (Zentrumspartei) verarbeitet waren), kirchengeschichtliche Abhandlungen und Anzeigen und hatte am 28.01. (innerhalb eines Monats) 2100 Abonnenten, davon 1000 in Bonn. 1879 lag die Auflage laut Angaben des Verlegers bei 6500, 1880 rechnete man mit 7000 Abonnenten. Die „Deutsche Reichs-Zeitung“ hatte ihre große Zeit während des Kulturkampfes, laut Feldenkirchen (1933, zit. n. Wenig 1968: 222) fiel das Blatt nach dem friedlichen Beilegen des Streites zum „Provinzblatt“ ab.

Weitere Entwicklungen

Der Sohn Peter Hauptmanns, Carl Hauptmann, schloss die „Deutsche Reichs-Zeitung“ 1889 über eine Aktiengesellschaft an den Bonner "General-Anzeiger" an und hoffte so, seine auf wenige hundert Abonnenten gesunkene Zeitung zu retten. Er schied allerdings aufgrund inhaltlicher Differenzen bald wieder aus der Aktiengesellschaft aus und gründete im Interesse der Zentrumspartei als „katholischen General-Anzeiger“ (zit. n. Henseler 1953: 51) den „Bonner Stadtanzeiger“, obwohl er weder eine Rotationsmaschine noch andere moderne Einrichtungen besaß. Ende 1891 erschien der Bonner Stadtanzeiger das erste Mal.
Der Erfolg war mäßig und so schloss Hauptmann am 01.06.1894 den „Bonner Stadtanzeiger“ mit der „Bonner Volkszeitung“ zusammen, die seit 1882 bestand. Diese beiden Zeitungen verschmolz Hauptmann 1906 mit der „Deutschen Reichs-Zeitung“, die dann 29.000 Abonnenten zählte, im Jahr 1909 31.530 Abonnenten.

1913 war die „Deutsche Reichs-Zeitung“ in Streitigkeiten mit der Führung der Zentrumspartei verwickelt. Die Zentrumspartei versuchte, die „Deutsche Reichs-Zeitung“ aufzukaufen, scheiterte aber an den Forderungen Carl Hauptmanns und übernahm erst nach dem ersten Weltkrieg am 01.02.1919 die „Deutsche Reichs-Zeitung“ von Hauptmann, die fortan das „offizielle Organ der Zentrumspartei“ war. Hätte Hauptmann der Übernahme nicht zugestimmt, hätte die Zentrumspartei eine eigene Zeitung gegründet, die „Bonner Volkswacht“. Diese Entwicklung machte sich am Namen bemerkbar, fortan hieß die Zeitung „Deutsche Reichs-Zeitung“ und im Untertitel „Bonner Volkswacht“. Die bisherigen Untertitel „Bonner Volkszeitung“ und „Bonner Stadt-Anzeiger“ wurden gestrichen.

Am 26.10.1921 beging die „Deutsche Reichs-Zeitung“ ihr 50jähriges Bestehen. Im selben Jahr gingen die Zeitungsdruckerei und die Offsetdruckerei an Johann Tinner über, der nach einem Zerwürfnis mit der Familie Hauptmann seinen eigenen Verlag (Tinnjo) gründete und 1925 mit der Reichs-Zeitung in neue Räumlichkeiten zog.
Am 01.10.1927 ging die „Deutsche Reichs-Zeitung“ samt Druckerei in den Besitz von Heinrich Köllen über und führte wieder die Untertitel „Bonner Stadt-Anzeiger“, „Bonner Volkszeitung“ und „Rheinische Volksstimme“. Bis zum Jahr 1933 wurde die „Deutsche Reichs-Zeitung“ wieder zum dem, was sie früher gewesen war (cf. Köllen-Verlag, zit. n. Wenig 1968: 416).

Nachfolger: "Mittelrheinische Landes-Zeitung"

1934 musste die „Deutsche Reichs-Zeitung“ auf Anordnung des Reichsverbandes deutscher Zeitungsverleger ihren Namen ändern, da der Eindruck entstehen könne, es würde sich bei der „Deutschen Reichs-Zeitung“ um ein amtliches Organ handeln.
Am 01.10.1934 änderte die „Deutsche Reichs-Zeitung“ ihren Namen in „Mittelrheinische Landes-Zeitung“, betonte hierbei aber, dass es sich lediglich um eine Namensänderung handele und innere Verhältnisse besitzrechtlicher und personeller Art sowie Verlag und Redaktion unverändert blieben.
Die „Mittelrheinische Landes-Zeitung“ musste ihr Erscheinen zum 21.07.1941 einstellen.

Literatur

  • Henseler, Theodor Anton (1953): Beiträge zur Geschichte des Bonner Buch- und Zeitungsverlages, in: Bonner Geschichtsblätter 7, S. 220-227; 412-416.

  • Wenig, Otto (1968): Buchdruck und Buchhandel in Bonn. Bonn: Röhrscheid.

Beschreibung verfasst von

Stefanie Läpke (2018), Universitäts- und Landesbibliothek Bonn