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Eine schlimme Wendung.

Die Aussichten auf eine Mehrheit für den Hueneschen Kompromißantrag sind nunmehr vollständig geschwunden. Sie waren bereits vor Beginn der Reichstagssitzung am Mittwoch auf den Gefrierpunkt hrrabzesunken. Sie sind gänzlich vernichtet, nachdem der Reichskanzler vorgestern mit soldatischer Offenherzigkeit erklärt hat, daß er den Hueneschen Antrag nur als eine Abschlags­zahlung betrachte und sich vorbehalten müsse, auf die Abstriche zu gelegenerer Zeit zurückzukommen. Dieses Geständnis dürfte die winigen Abgeordneten, die eiwa noch hinsichtlich ihrer Abstimmung zweifelhaft waren, in dem Entschluß bestärken, gegen den Hueneschen Antrag zu stimmen. Bisher konpte man noch annehmen, daß der Widerstand der großen Mehrheit des Centeums gegen den Komp.omiß= vorschlag zum Teil eine auf die Wähler draußen im Lande berech­nete K.mödie sei und daß in der Stunde der letzten Entscheidung noch so viele Centrumsleute umfallen würden, als zur Erzielung einer Mehrheit erforderlich sein sollten. Diese Vermutung ist nach den jüngsten Vorgängen innerhalb der Centrumsfraktion als haltlos aufzugeben. Graf Ballistrem hat, wie wir erfahren, den Vorsitz in der Fraktion niedergelegt, weil er in der Militärfrage nicht mehr auf dem Boden der Mehrheit der Partei stehe, und Graf Konrad Preysing, der entschiedenste Gegner jeder Verständigung, ist einstweilen zu seinem Nachfolger ernannt worden. Graf Ballestrem hat der Centrumsfraktionssitzung am Dienstag nicht mehr beig wohnt. Das deutet allerdings auf einen sohr tiefgehenden Zwiespalt. Für den Hueneschen Antrag sind nur, außer dem Antrigsteller und dem Grafen Ballestrem, folgende Certrumsmitglieder gewornen worden: Graf Adelmann, Graf Chamaré, Graf Matuschka, von Schalscha, Prinz Arenbers, Freiherr v. Reitzenstein und der badische Dekan Lender, der einzige Bürgerliche unter den adeligen Herien. Ferner soll auch der Baver Frhr. v. Pfetten dem Hueneschen Kompromiß geneigt sein. Endlich wird uns der Breslauer Rechtsanwalt Dr. Porsh als„zweifelhaft" bezeichnet. Das würden alles in allem höchstens 11 Centrumsabgeordnete sein. Sie reichen mit dem Duitzend Freisinnigen schon nach der bisherigen Rechnung bei weitem nicht aus. Nun stimmt aber diese Rechnung so wie so nicht. Es wurce nämlich bisher anzenommen, daß die 10 Elsaß=Lothringer der Entscheidung über die Militätfrage feinbleiben würden. Diese Annahme war aber unbegründet. In der Reichstagsitzung am Mittwoch waren 9(E'saß Lothnanger an­

liken in Rußland etwas nützlich sein. Und im Dreibund fordern der deutsche Katholizismus und Oesterreich, diese wichtige Tochter der Kirche, eine gewisse Berücksichtigung. Die vatikanische Diplo­matie muß also nach rechts und links in freundlicher Fühlung bleiben, sobald es ihr nicht von der einen oder anderen Seite durch direkte Feindseligkeiten gegen die Papstkirche unmöglich ge­macht wird, wie dies im gambettistisch=republikanischen Frankreich der Fall war. Anders liegen die Sachen für eine Einwirkung auf die innere Politik Deutschlands. Der Zustand, in dem sich Deutschland gerade jetzt befindet, lockt unwillkürlich zu einer Ver­stärkung und Ausbreitung des ultramontanen Einflusses. Eine der wenigen(7) liberalen Stimmen, die bis jetzt die jängsten Vor­gänge in Rom besprach, hatte den Mut, trocken herauszusagen, wenn Bismarck mit dem Papste in die Fliederlaube schlüpfte, so habe das deutsche Volk immer noch die Beruhigung gehabt, daß der alte Reichskanzler nicht weiter in seinen Zugeständnissen gehen würde, als er selbst wollte. Man wußte, daß er ein Mann war, dessen Vergangenheit und Persönlichkeit eine wirkliche Unter­werfung unter Rom ausschloß. Von seinen Nachfolgern weiß man das nicht. Zu dem protestantischen Bewußtsein des jetzigen Kaisers hat man zwar in nicht katholischen Kreisen persönlich Vertrauen. Jedoch ist die Erinnerung an den seligen preußischen Schulgesetzentwurf nicht ganz ausgelöscht. Wie weit hatte man damals den Grafen Caprivi schon hineingeritten, bevor der Kaiser die beoenkliche Sachlage erkannte und veränderte! Es ist durchaus glaublich, daß der Besuch des Kaisers beim Pupste viel mehr von dem Wunsche diktert wirde, den deutschen

Kahosten—4e—dich u leigen: Sach ser Gehe der u. Lel.

bietsstreifens des Kongostaates am Westufer des Tanganika an

die Engländer wenig wahrscheinlich. Ein derartiger Verkauf würde das Vorkaufsrecht Frankreichs verletzt und den Einspruch dieser Macht hervorgerufen haben, sodann aber hätte auch Deutschland eine derartige Maßregel, durch welche die unmittelbare Verbin dung Deutsch=Ostafrikas mit dem Kongostaate unterbrochen worden wäre, unmöglich stillschweigend dulden können.

Amtliches.

Se. Maj. der König haben Allergnädigst geruht: den bisherigen Privatoozenten und Kustos am botanischen Garten Dr. Ferdinand Par ziu Berln zum ordentlichen Prosessor in der philosophischen Fakultät der Universität Beeslau zu ernennen.

Der Apotdeker Berndt zu Stettin ist zum phermaceutischen Afsessor des Meoizinal=Kollegiums der Provinz Pommern ernannt worden.

Der bisberige Gerichtsassessor Wilhelm Nentwig zu Breslau ist zum Konnstorial=Assesor ernannt und dem Königlichen Konsistorium der Provinz Schlesien überwiesen worden.

Nikolaikirche ein Trauergottesdienst statt, dem eine zahlreiche ernstge­stimmte Gemeinde beiwohnte. Der Reichskanzler Gras Caprivi lietz einen kostdaren Kranz niederlegen. Für den Evangelischen Ober­kirchenrat erschien der Bize=Präsident Propst Frdr. v. v. Golt, für das Konsistorium der Präsident Schmidt. Der Chor der Gemeinde eröffnete die Feier, nach der Liturgie des Pastor Kallenduch sang der Kirchenchor, die Gedenkrede dielt Pastor Weser, das Schlußwort sprach Pros. Rutschel aus Leipzig. Die Beisetzung erfolgte auf dem alten Marienkirchhof vor dem Prenzlauer Thoc.

„ Koburg, 3. Mai. Die auswärts verbreiteten Gerüchte über eine Erkrankung des Herzogs Ernst entbehren durchaus der Begründung Nach den neuesten Berichten aus Leizza befindet sich Herzog Ernst im besten Wohlsein.

Kiel, 3. Mai. Wie die Kieler Zeitung meldet, wu. de ein

Ruderdoot des Schiffejungenschulschiffes„Moltke“ heut, eap mittag von dem Dampfer„Helene“ angerannt. Es sollen dubei einige Schiffejungen den Tod in den Wellen gefunden daben.

Schweiz.

* Bern, 3. Mat. Der deutsche Gesandte Dr. Busch det sich heute zu dem Bundespräsidenten bezeben, um demselben im Auftrage des Kaisers noch ganz speziellen Dank für den som­pathischen Empfang auszusprechen.

Österreich=Ungarn.

mehr von dem Wunsche dittert wurde, den beutschen Katholiken recht drastisch zu zeigen:„Seht, so stehe ich, euer welt­licher Herrscher, zu eurem geistlichen Oberhaupte"— als durch die Absicht, mit der Kurie direkt ein politisches Geschäft zu machen. Indessen an den triumphierenden klerikalen Berichten über die Begegnung mit Ledochowski sieht man bereits, in welcher Richtung der Besuch ausgelegt und ausgenutzt werden wird. Der Streit, ob die deutsche Heeresvorlage ston jetzt oder erst im Herbste unter Beihilfe des Centrums zustande kommen wird, ist sachlich nicht erheblich. Die Hauptsache ist, daß sie überhaupt zustande kommt, und das wird geschehen, ob es nun für das Centrum partei=taktisch nützlicher ist, gleich zu bewilligen, oder erst die baverischen Landtagswahlen abzuwarten, um bei diesen noch in dem Glanz einer anti=militärischen Oppositionspartei auf die Wähler zu wirken und dann im Herbst offen als Regi rungspartei im Reichstage dem Heeresgesetz zur Mehrheit zu verhelfen. So viel erscheint ja wenigstens sicher, daß ohne ausreichende Militär­bewilligungen selbst das Centrum in den Augen des Kaisers nicht völlig rezierungsfähig ist. Unter dem alten Kurse überwog der protestantische heist in der Leitung des deutschen Reiches. Der neue Kurs wird immer stärker von einem katholischen Schimmer umstrahlt. Gewiß hofft der Kuiser in seitem jungen frohen Mute die beiden tiefsten Gegensätze, die das deutsche Volk seit vierhundert Jahren so unglücklich zerrissen, überbrücken zu können Möge er Versuch ohne bittere Enttäuschungen für ihn ablaufen! Für einen historisch=philosophischen Kopf ist zweifellos die Beobachtung interessant, daß der protestantische Geist obwaltete, als wir oben auf dem Wellenberge lagen, und daß uns der katholische jetzt überschattet, wo wir unten im Thol sind.“

der Reichstagsitzung am Mittwoch waren

wesend, die sämtlich ihre Stimmen egen di werden. Darnach würden sich die zur Mio auf 18 erhöhen. Auch dieser Umstand ver: losizkeit der Militärvorlage und rückt di. agsauflösung leider außerordentlich u für dieses Ereignis, das leider schwerwegen.

bedauerliche Folgen nach sich ziehen wird, fäll: ausschließlich auf die antinationale Haltung der kleriko=demokratischen Reichstags­ned heit zurück, weiche durch das offene Auftreten der #0 elsässischen Protestler gegen die Heeresverstärkung guterletzt auch für den Raivsten deutlich gekenn­ichnet ist.

fäu:

lage abgeben eit sehlenden Stimmen öllizse Aussichts­er Reichs­Die Verantwortung für Volk und Reich ausschließlich auf

In einer interessanten Betrachtung des bekannten Berliner Bericht­##rstatters der Neuen Zuticher Zeitung üder den Zweck und den Erfolg des Kaiserbesuches beim Papste, die Stellung des Centrums und „katholischen Schimmer“, der den neuen Kurs umstrahlt, heißt es Schluß:

. In der großen auswärtigen Politik wird der Vatikan seine

Plichtung kaum ändern. Er wird zwischen Frankreich und den Dreibundmächten wie bisher lavieren und balancieren. Ersteres braucht er als katholische Macht im Orient und in überseeischen terter. Die Freunzsthaft mit Frankreih kang selbst den Kaibo­

Ueber die merkwürdige Expedition van Kerckhoven, deren Entsendung an den oberen Nil durch den Kongostrat in ihren Gründen und Endzwecken bis jetzt ziemlich unklar war, ent­hält eine Lo, doner Korrespondenz der Vossischen Zeitung interessante Aufschlüsse. Es heißt darin:„Vor dem Abschluß des deutsch­englischen Abkommens über Ostafrika befürchtete die Britisch­Ostafrikanische Gesellschaft, daß es Dr. Pters gelingen werde, England auf das Ostufer des Viktoria=Nyansa zu beschränken und gleichzeitig einen Gebietsstreifen nördlich vom Kongostaat zwischen Deutsch Ostafrika und Kamerun dem deutschen Interessen­gebiet einzuverleiben. Sir William Mackinnon schloß daher durch Stanleys Vermittelung mit dem König Lespold einen Vertrag ab, nach dessen Wortlaut der Kongostaat der Britisch Ostafrikanischen Gesellschaft einen Gebietsstreifen am Westufer des Tanga­nika=Sees abtrat und dafür das Recht erhielt, eine Station am oberen Ril zu gründen. Als das deutsch englische Abkommen die Angst der Brittsch=Ostafrikanischen Gesellschaft als unbegründet erkennen ließ, kam Lord Salisbury den gefährdeten englischen Interessen am oberen Nil mit der Erklärung zu Hilfe, daß die Gesellschaft zur Zei ihres Abkommens mit dem Kongostaat nichts über die Gebiete am oberen Nil zu sogen hatte, und daß die englische Regierung daher die Gründung einer belgischen Nieder­lassung in jenen Gegenden nicht dulden könne. Die Kerckhovensche Expedition war aber schon aufgebrochen. Die englischen Jingos gerieten außer sich, als König Leopold sie nicht sofort zurückrief. Jetzt soll der Kongostaat das Anervieten gemacht haben, gegen Erstattung der Kosten der Expedition diese zurückziehen zu wollen, aber damit dürfte Köniz Leopold bei der Gladstoneschen Regierung, die sich nur widerwillig zur Uebernahme Ugandas verstehen mußte, wenig Glück haben.“ Diese Darstellung klingt aus manchen inneren Grüngen ganz plauttel, pur ist der Verkauf eines Ge­

Adelstolz und Bürgerstolz.

Erzählung aus der Zeit der Freiheitskriege von A. Mardy

„Ich wußte es vorher, wir sind dem vornehmen Offizier zu #ng!“ behauptete Konrad bitter, finster lächelnd über den barmen Eifer, mit dem Wendland den fernen Freund zu ver­Peidigen suchte.—

Und nicht Hagen allein, auch eine gar holde Mädchenblume ar schier ungehalten über Kurts„klösterliche Absperrung!“ Wie anz anders hatte die reizende Lutka sich die winterlichen Freuden #eträumt. Zwar glänzte sie als gefeierter Stern am Gesellschafts­Immel, vielumworben und vielbeneidet, doch— alle Huldigungen lieben ohn Eindruck auf ihr nur nach einem Einzigen sehnsüchtig uschauendes Herz; ohne ihn erschien ihr die glänzendste Gesellschaft, belebteste Unterhaltung— öde, kalt, langweilig! Warum ied er so beharrlich jene Kreise? und damit noch nicht genug, auch elterliche Haus hatte sich nur höchst selten eines flüchtigen Besuches zu erfreuen, und das sonderbarste dabei war, daß den ltiern des Vetiers sichtliches Zurückziehen gar nicht aufzufallen konnte man in so kurzer Zeit sich so schrecklich ver­

in Wartensleben jeden günstigen Augenblick zu einem ##n traulichen Geplauder freudig ergriffen, mied jetzt, o, es war #scheulich! absichtlich ihre Nähe; ernst, einsilbig, schien er den I#lich ungezwungenen Ton ganz verlernt zu haben. Nein, für so unenhaft, solchen misanthropischen Anwandlungen unterworfen, sitte Lutka den Herrn Vetter wahrlich nicht gehalten. Anfänglich kichte sie ihm scherzhafte Vorwürfe fragte ihn liebevoll nach dem B#und seiner Verstimmung; als er diese jedoch wiederholt in Ab­5, Sellte und nach einem derartigen Gespräch, bei dem Lutkas lugen unwillkürlich aufsteigende Thränen eines schmerzlichen nur mühsam zu unterdrücken vermochten, sich nur noch Ess zu halten pflegte, hütete auch sie sich fort in vor jeder ver Felichen Annäherung, ja, in ihrem beleidigten Stolze schien sie häufig von seiner Gegenwart gar keine Rotiz zu nehmen. Gott daß wenigstens Graf Schachtberg der Alte blieb! Meister seinen, geselligen Formen, gleich gewandt im Redeturnier, wie ritterlichen Künsten— ließ es sich mit dem galanten Be­

##er chrer weiblichen Vollkommenheiten, der eigentlich nur für #. ünsche zu leben schien, wirklich ganz angenehm plaudern! nie schien sie seinen Scherzen und Schmeichelreden aufmerk­

zu lauschen, nie tönte ihr silbernes Lachen fröhlicher aus der E#izenen Fensternische, als wenn Kurt, was aber auch immer geschah, mit dem Oberst ernst sinnend beim Schachspiel ### Riemane war mit dem Laufe der vor seinen Augen sich P###isten„Dinge zufriedener, als Oberst von Wartensleben. Vittor und Lutka liebten einander, das galt ihm als ausge­

macht, und in der sicheren Aussicht auf die baldige öffentliche Ver­lobung der jungen Leute, zeigte er gegen Kurt eine an Zärtlichkeit grenzende nachsichtige Güte. Den bemitleidenswerten Zustand seines Reffen ahnend und ehrend, ließ er den jungen Mann seinem schwermütigen Hange zu ungestörter Einsamkeit ruhig folgen. War Lutka eist fest verlobt oder noch besser, verheiratet, dann gedachte er ihn ganz in sein Haus zu ziehen und beständig an seine Person zu fesseln; bis dahin mochte er noch die freundschaftlichen bürger­lichen Beziehungen zu dem tief unter iym stehenden Wendland pflegen,— im Dienste vergaß der letztere ja ohnedies nie die dem Vorgesetzten schuldige Achtung,— später lockerten jene sich von selbst. Uebrigens schätzte auch der Oberst den„kleinen Capitaine darmes“, dessen vielseitige Talente ihm gar wohlbekannt, nach Gebühr und hoffte sogor den besten Einfluß von dessen wie ein erfrischender Bergquell sprudelnder Heiterkeit aufs Kurts verdüstertes Gemüt.

Eschenbach liebte, liebte seine schöne Cousine mit leidenschaft­licher Glut. Einem vernichtenden Blitzstrahl gleich durchzuckte diese Erkenntnis zum ersten Male seine Seele in jener Stunde, die ihn zugleich lehrte, jede Hoffnung auf Glück, jeden Gedanken auf den einstigen Besitz des teuren Mädchen für immer aufzugeben.

Nicht nur, daß des Obersten Wille sie schied,— Lutkas Herz gehörte bereits einem andernl auch nicht einen Moment bezweifelte er die Wahrheit dieser väterlichen Voraussetzung. Graf Viktors vollkommen kavaliermäßiges Auftreten, seine bestechenden äußeren Vorzüge überdeckten die innere Oberflächlichkeit und Hohlhen seines Gemüts und konnten wohl auf ein junges unbefangenes Mädchen­herz bestrickend und hinreißend wirken. Dazu mochte die vornehme Lebensstellung, welche durch seinen Reichtum einen besonders glanz­vollen Nimbus erhielt, den Eindruck seiner Persönlichkeit noch um ein bedeutendes erhöhen und— achl mit tausenderlei Erwägungen marterte er sein Hirn, auf dem der Schmerz der Entsagung wie ein dumpfer Druck lastete. Er litt unsäglich unter ihren liebevoll teilnehmenden Fragen und sanften Vorwürfen, seines Fernbleibens wegen, und um wie viel qualvoller durchzog brennendes Weh seine Seele, wenn er sie so fröhlich scherzen und lachen hörte mit einem andern, der sie bald ganz sein eigen nennen sollte. Kurt wünschte fast, jener Zeitpunkt wäre schon da, indem er hoffte, daß mit der trostlosen Gewißheit ihm die entflohene Ruhe endlich wiederkehren würde. Er besuchte das Haus seiner Verwandten jetzt fast nur noch, wenn die Pflicht ihn dorthin rief. Niemand schien dies auf­zufallen. Lutka fragte nicht mehr, warum er so selten komme; sie nahm kaum Notiz von seiner Gegenwart, schien ihn und alle über Vittor zu vergessen, und immer unglücklicher kehrte er heim, die Seele erfüllt von ihrem entzückenden Bilde, das ihm immer be­gehrenswerter, immer schöner erschien in dem Ausdruck strahlendster Heiterkeit—„der Abglanz ihres inneren Glücks!“ so wiederholte

Berlin, 4. Mai. Der Pariser Figaro wärmt das ältere Gerücht wieder auf, daß die Verlobung des Kronprinzen Vietor Emanuel von Italien mit einer Schwester der deutschen Kaiserin, der Prinzessin Feodora von Schleswig=Holstein=Augusten­burg, beschlossene Sache sei. Es scheint, daß der betreffende Be­richterstatter wohl die Glocke läuten hörte, aber nicht genau wußte, wo sie eigentlich hing. Auch in hiesigen, anscheinend unterrichteten Hofkreisen ist neuerdings das Gerücht von der nahe bevorstehenden Verlovung des Prinzen von Neapel verbreitet, doch wird als seine Braut die zweite Tochter des Prinzen von Wales bezeichnet. Sollte sich diese Nachricht, für deren Richtigkeit wir eine Gewähr nicht zu übernehmen vermögen, die aber aus sehr beachtenswerter Quelle stammt, als zutreffend erweisen, so würde sie den Franzosen sicher noch weniger behagen, als jene Figaro=Meldung. Denn durch diese Verbindung würde das Haus Savoven gleichzeitig mit dem englischen Königshause und mit dem Hohenzollernhause in nahe verwandtschaftliche Beziehungen treten. Der Kronprinz Viktor Emanuel ist bereits 24 Jahre alt, seine Vermählung würde den lebhaftesten Herzenswunsch seiner königlichen Eltern erfüllen, deren einziger Sprößling er ist. Seine angebliche Braut, Prinzessin Vittoria von Großbritannien, ist ein halbes Jahr älter als er. Bei der Verschiedenheit ihrer Bekenntnisse bleibt jedenfalls die Be­stätigung dieser sonst durchaus glaubwürdigen Nachricht abzuwarten.— Von dem Empfange, der dem deutschen Kaiserpaar auf dem Boden der Schweizer Republik zuteil geworden ist, zeigt man sich in unseren leitenden Kreisen sehr befriedigt. Man erblickt darin einen erneutn Beweis für den aufrichtigen Wunsch der Schwetz, ein freundnachbarliches Verhältais zum Deutschen Reich aufrecht zu erhalten, wenngleich man sich nicht verhehlt, daß ein Teil des herzlichen Empfanges unseres Herrscherpaares auf Rechnung der Verstimmung zu setzen ist, die durch den französisch=schweizerischen Zollkrieg entstanden ist. Jedenfalls weist man die Behauptung der römischen Opinione von einem Beitritt der Schweiz zum Drei­bunde als völlig unbegründet und allen thatsächlichen Verhältnissen widersprechend zurück. Die Schwetz, als ein Land, dessen Neutralticht durch den Wiener Kongreß für immer als neutral erklärt wurde, hat keine Veranlassung, dem Dreibunde beizutreten, wenn sie auch dessen Friedensbestrebungen durchaus billigt. Der Bundespräsident hat diesem natürlichen und selbstverständlichen Standpunkte in seiner Tischrede beim Luzerner Festmahl so deutlichen Ausdruck verliehen, daß in dieser Hinsicht ein Zweifel kaum noch möglich sein sollte.

*<space> B e r l i n,<space> 3.<space> M a i.<space> I m<space> R e i c h s= J u s t i z a m t<space> s a n d<space> a m<space> M i t t w o c h<space> Nachmittag um 4 Uhr die Trauerseier fur den verstorbenen Staats­

sekrtär Hanaues statt. Der Kaiser ehrte den Entschlafenen durch Ent

sendung eines Galawagens. Der Reichskanzler Graf Caprivi, der schon vorber einen Kranz udersandt hatte, wohnie versönlich der Feier bei. Die deutschen Bundesfürsten hatten zumeist ihrr Bevollmächtigten depu­tiert. Mit dem Minister v. Bötticher erschienen die Staatssetretäre Frdr. v Malzahn und Admiral Hollmann, sowie die Minister Miquel, von Schelling, Frhr. von Verlepsch, von Heyden, Thielen und Dr. Bosse. Die Verwaltung des Reichs=Invalidenfonds wurde durch den Vorsitzenden Dr. Rösing, das Reichebank Lirektorium durch Präsident Koch veitreten. Wir sahen seiner die Minister Friedberg und Hobrechk sowie Staatsselretär v Hofmann. Dr Neichstag wurde durch Präsidento Lepetzow vertreten, dem sich Oberpräsident v. Bennigsen und andere dervorragenee Parlamentarier angeschlossen datten. Die Kommission für die 2. Lesung des Entwurse eines burgerlichen Gesetzbuches, die einen prachtvollen Kranz gewidmet hatte, war durch die Mehrzahl iorer Mitglieder vertreten, unter ihnen sei Pros. v. Cuny und Brauerei Direktor Gotoschmidt besonders genannt. Wir bemertten serner General v. Grolman und zahlreiche andere O fiziere und viele Räte aus allen Reichsämtern und Ministerien. Die Einseanung der Leiche vollzog Kuraius Faver. Die Beisetzung sand auf dem Heowigskiechdof statt.— Für den verstordenen Pastor Müllen­Mitwoch Nachmitag in der straglend erleuchteten

er sich hundertmal des Tages, ohne zu ahnen, was jene erborgte

Maske der armen Lutka kostete.

Eschenbach fand fortan allein in dem rastlosen Eifer, womit er seinen wissenschaftlichen Studien oblag, Trost für seinen Seelen­schmerz, oder in einer Unterhaltung mit seinem gleichgesinnten Freunde Wendland,— der einzige, der ihn in seiner Zurückgezogenheit aufsuchte, mit ihm las und studierte.

Ob dem scharfblickenden Freundesauge der Grund seines ge­heimen Seelenleidens verborgen bliebs Er mochte wohl das Rechte ahnen, aber Wendlands Zartgefühl hielt ihn von jeder direkten Frage ab; gerade dafür war Kurt ihm innig dankbar, und ahnend, daß in des Freundes Seele etwas Aehnliches vorgehe, ehrte jeder das Geheimnis des andern.

Ja, so innig auch Fritz Wendland an Eschenbach hing und gern dessen selbstgewählte Einsamkeit in belehrenden und unter­haltenden Gesprächen teilte, schöner noch dünkte ihm eine Plauder­stunde in dem gemütlichen Femilienkreise, welcher ihn, den Fremd­ling, so gastlich aufgenommen. Er war sich früh genug klar geworden, daß nicht allein sein Jugendfreund, noch dessen herrliche Mutter, zu der er mit kindlicher Ehrfurcht aufblickte, ihn dort mit magischen Banden festhielt, als vielmehr ein tiefblaues, märchen­haftes Augenpaar, aus dem ihm ein Himmel von Unschuld und Güte verlockend entgegenlächelte.

Schon als er an jenem unvergeßlichen Matenabend zuerst in diese leuchtenden Augen geblickt, war ihm so wundersam eigen ums Herz geworden, und je häufiger er nun seitdem hineingeschaut, je wundersamer zog es ihn wieder und wieder in die Nähe der lieb­lichen Zauberin, und als er zum ersten Male einen sympathischen Strahl in ihren Blicken aufleuchten sah, durchzitterte eine nie ge­ahnte Seligkeit sein stürmisch klopfendes Herz.

Gewiß hatte in dem„kleinen Capitaine d'armes“, in dessen Adern das frische Blut so leicht und fröhlich pulsierte, schon manches hübsche Mädchen ein flüchtiges Gefallen erweckt, und manche blühende Purpurlippe mochte seinen Mund geküßt haben, doch lose, wie das zärtliche Liebesgetändel geknüpft worden, ebenso leicht löste es sich wieder, ohne jemols ein gewisses Weh, oder gar wohlver­diente Vorwürfe nach sich zu ziehen; jetzt jedoch fühlte er sich zum ersten Male von einer sein ganze Sein und Wesen durchdringenden Neigung gefesselt, die je mehr an Tiefe und Stärke gewann, je länger und je näher er die liebliche Minna, das jugendlich schöne Abbild ihrer Mutter, kennen und verstehen lernte. Mit ihrem einfach praktischen Sinn, der doch zugleich der prosaischsten Be­schäftigung einen gewissen poetischen Schimmer abzugewinnen ver­stand,— ihrem still geschäftigen häuslichen Walten, ihrer Be­geisterung für alles Edle und Schöne, erschien sie ihm als Inbegriff eines weiblichen Ideals. Anfänglich bewahrte Minna eine scheue Zurkchaltung gegen ihn, während das lebhaftere, kaum fünfzehn­

Pesth, 3. Mai. waren bereits um 4 Uhr früh

Strkez von einer grßen Manschennenge besetz, die Hänser siud

reich dekoriert. Auf dem Bahnhofe hatten sich der Ministerpräsident Dr. Wekerle mit den übrigen Ministern, zahlreich: Abgeordnete ohne Unterschied der Parteistellung, darunter Graf Apponyi und Koloman Tisza, die Bischöfe sowie Vertreter der Gemeinde und zahlreiche andere Persönlichkeiten eingefunden. Der Kaiser traf um 5 Uhr 40 Min. morgens ein und wurde enthusiastisch mit brausenden Eljenrufen empfangen. Der Kaiser zeichnete den Ministerpräsidenten Dr. Wekerle durch eine Ansprache aus, reichte den Ministern und dem Erzbischof Csaszka die Hund, sprach auch den Abgeordneten Tisza sowie den Bürgermeister an und fuhr sodann unter enthusiastischen Eljenrufen der dichtgedrängten Spalier bildenden Menge in einer Hosequtpage, welcher zahlreiche andere Wagen folgten, nach der Hofburg.

Prag, 3. Mai. Böhmischer Landtag. In Beantwortung einee an die Reglerung gerichteten Interpellation wegen der antisemitischen Exzesse in Kolin erklärte der Statthalter Graf Thun, die

seien durch die böswillige Ausstreuung veranlaßt worden, daß eine det einem Juden devtenstete Magd das Opfer eines rituellen Mordes geworden sei. Die gerichtliche Odoukion dabe ergeben, daß nicht die geringsten Sputen von Gewalttoat am Leichnam vorgesunden wurden, vielmedr ein Selbstmoro vorliege. Die Sicherbeitsbehocden hätten nichts versäumt, was im Interesse der Sicherbeit der Person und des Eigen­tums verfügt werden konnte: dieselben seien überall mit aller Em schiedenheit aufgetreten, wodurch es ihnen gelungen sei, die Wiederholung und Ausbreiting der Egesse zu verdindern. Der Stattsalter erkläne, er verurteile die Bewegung aufs schärfste, weiche eine ganze Klasse gleichberechtigter Staatsbürger ihrer gesetzlich gewährleisteten Rechte deraulen wolle und sich züerdii von blindem Russinzasse leiten lasse. Alle Regierungsoigane seien verpflichtet schon in der Ausüdun; der Vorsorge für die asgeneine Aufrechterdaltung der öffentlichen Rube dieser Bewegung die vollste Aufmerksamkeit zu widmen, und, we immer ein Anlaß sich biete, derselben auf das entschiedenste entgegenzutreten. damit alle Bewodner Böhmens ohne Rücksicht der Nationalität, der Konsession und des Standes den Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte und den Schutz der derechtigten Interessen genießen. Es konne aber nicht die Sache der Sicherbeitebedörde sein, gegen die verdreiteten Anschauungen und Tendenzen zu Felde zu ziehe, sondern ihre Thätig­keit könne der Hauptsache nach nur eine repressive sein und erst dann eintreten, wenn solche Iden in konkreten Thatsachen den gesetzwidrigen Ausdruck sänden.(Lebhafter Beisall.)

Belgien.

Brüssel, 3. Mai. Der Senat beschloß, den Antrau Deconinck, welcher bezweckt die Strafen gegen das Duell zu verschärsen, in Erwägung zu ziehen.

Britisches Reich.

* London, 3. Mai. Dem heute in der Gutldhall abgehaltenen Meeting gegen die Homerulebill wohnten auch der Radtkale Mr. Chamberlain und mehrere andere unionistisch gesinnte Wyigs und Parlamentsmitglieder bei. Chamberlain wies in seiner Rede auf die bisher schon gegen die Regierungsvorlage durgelegten Gründe hin und gab ein Bild vou dem Unheil, das für Irland daraus hervorgehen würde, Das Meeting nahm einstimmig eine sich gegen die Homerulebill aussprechende Resolution an. Der Beschluß wurde mit großem Beifall aufgenomumen.

=London, 3. Mai. Unterhaus. Zweite Lesung der Bill be­nessend die Beschränkung des Ardeitstages in den Bergwerken auf acht Stunden. Dieselde enthält die Bestimmung, daß jed: Ueder­tretung seitens der Arbeitge er mit einer Geldstrafe dis zu zwei Pfuno zu beiegen el.„Her„Igputierne D. Thomas de mrage Verwersung der Bill Premierminister Gadstone erklärte, diese Frag; sollte nicht ale Pa teifrage behandelt werden. Die Regierung konne als Regierung nicht intervenierin; ader die Mehrh it der Rini ter werde für die zweite

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jährige Julchen sich sofort mit kindlicher Unbefangenheit dem neuen,

heiteren Freunde anschloß; allein wie hätte seinen zarten Aufmerk­samkeiten, seinem herzgewianend liebenswürdig feinen Wesen, das

vorteilhaft von dem der ihr bekannten wenigen jungen Männer

abstach, die ältere Schwester auf die Dauer widerstehen können? Ganz allmählich hatte die Liebe sich in die beiden jungen Herzen geschlichen und sich endlich so fest darin eingenistet, daß kein väterlicher Machtspruch sie je wieder ertöten konnte. Kaum zum Bewußisein ihrer gegenseitigen Reigung erwacht, war den wie von heiliger Scheu gefesselten Lippen das entscheidende befreiende Wort bisher noch nicht entflohen. Auf einem flüchtigen Händedruck, einem vielsagenden Blick,— einem Lächen— basierte allein die geheimnisvoll beredte Zwiesprache ihrer Seelen. Aber gerade in diesem keuschen Empfinden, dieser Morgenröte des säßesten Ein­verständnisses, genossen sie ein reines, göttliches Glück, berauschten sie sich in wonnigen Zukunftsträumen,— noch ahnten sie ja nicht die dunkle Wetterwolke, welche jene bedrohte!(Forts. folgt.)

Das vierte und letzte Konzert des Bochumer Musikvereins.

U Bochum, 3. Mai.

gis Zos, Sehtrige Konzert des hiesigen Musidereins bübete einen würdigen

Abschluß der in diesem Winterhalbjahre veranstalteten“ Auffüdrungen. Dem Worte gemäß:„Wer vieles briggt, wird jedem etwas dringen“ hatte man ein außerordentlich vielseitiges Programm aufgestellt: Die Sinfonie C-dur von Beethoven, Rezitativ und Arie aus Händels„Josua“, das Finale der Oper„Loreley“ von Mendelssohn, die Ouverturen „Sommernachtstraum“ und die zum Freischütz, eite ganze Reihe von Liedern für Baß und Sopransolo von Jensen, Stange, Schubert, und endlich noch die Bruchsche Ballade„Schön Ellen“.

Das Konzert war auf 7½ Uhr angesetzt, doch verzögerte der Anfang sich dorch die verspätete Ankunft mehrerer Mitglieder der Merkertschen Kapelle aus Dortmund um annähernd eine Stunde, und so dauerte die Aus­führung bis gegen 11 Uhr. Wenn sich trotdem leine Ermüdung, weder

bei den Hörern, noch bei den Muwirkenden, geltend machte, so ist das eben auf Rechnung des abwechselungsreichen Programms, eben so sehr aber auch auf Rechnung der vorzüglichen Leistungen zu setzen. Solisten wirkten zwei ganz hervorragende Kräfte mit, die sich hier schon Gunst des musikliebenden Pubikums erworden baben, der Bassist Auon Sistermans aus Franksurt a. M. und die Sopranistin Fräulein Helene Oberdeck aus Berlin.

Die Merkertsche Kapelle stand am gestrigen Abend völlig auf der Höhe und erzielte gleich beim Beginn des Konzertes mit der Beethovenschen Sinfonie C-dur einen tiesen, nachhaltigen Eindruck. Eine ganz derrliche Leistung wur das, eine Fülle von Wohllaut atmende Andante cantabile, dao denn auch die Hörec zu lebhastem Beifalle dinriß. Ebendürtig poser Veirteygengeg eie. Wershean##re#entüte„Sommernacteraum

von F. Mendelssoon=Bartholoy, dieses reizenden, anmutvollen Tou­gemälbes, ie voll ipeubeinden frähsich.u u.seug u.e