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Telephon=Nr. 881.

Nr. 126. 1905.

Anzeigeblatt s Annen und uie benatzhurten 14 Ortschaften.

Amniches Gegan.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Deutsch­tums im Auslande.

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Die große und fruchtbare Mutter Germania erzeugt jährlich so viele Kinder, daß sie nicht alle auf dem heimischen Boden immer den gewünschten Lebensunterhalt finden können. Begabt mit Mut, Ge­sundheit und Kraft ziehen deshalb schon seit langen Jahren jährlich Tausende von Deutschen in das Ausland. Im vorigen Jahrhundert mögen es im ganzen 6 bis 7 Millionen Deutsche gewesen sein, die auswanderten. Vom nationalen Standpunkte aus muß man diese Er­scheinung sehr bedauern, denn es geht dem Mutterlande dadurch viele eigene Kraft verloren. Indessen hat sich in unserer Zeit der Welt­wirtschaft und des Weltverkehrs gezeigt, daß in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht die Deutschen im Auslande ihrem alten Vaterlande doch vielfach nicht so verloren sind, wie man glaubt. Allmählich ringt sich immer mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß diese Elemente, wenn auch staatsrechtlich ausgeschieden, doch den Weg ebnen für lohnende Arbeit des deutschen Kapitals in ausländischer Land­wirtschaft und Industrie. Diese Menschenkolonien unter fremder Herrschaft, dieses Deutschtum im Auslande, sind einiger Ersatz für die Landkolonien, deren sich andere Großstaaten rühmen. Dazu gehört aber zunächst für uns eine nähere Kenntnis von der Ausbreitung des Deutschtums im Auslande. Es handelt sich dabei um mehr als 8 Millionen, die als Minimalzahl für die im Auslande befindlichen Reichsgebürtigen in Frage kommen und um 700000 Reichsangehörige im Auslande. Von den drei Millionen kommen allein 2½ Mill. Deutsche auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dort wurden nicht weniger als 7,8 Mill. Personen gezählt, deren Eltern beide oder wenigstens väterlicher= oder mütterlicherseits in Deutschland geboren waren; das sind ein Zehntel der ganzen, ein Achtel der weißen Be­völkerung der Union. Im allgemeinen unterscheidet man für den Standort der Deutschen im Auslande drei Zonen; die der unmittel­baren Grenzländer, die Zone der mittelbar angrenzenden Länder und die äußere Zone der Ueberseestaaten. Außerdem sind als besondere Konzentrationspunkte des Deutschtums die Großstädte zu nennen. Die erste Zone zählt 226000, die zweite 5900 und die dritte 2,7 Mill. Menschen. Die deutsche Diaspora ist also schon sehr beträchtlich und man findet nicht leicht ein zweites Volk, das so zersplittert und so verbreitet über das ganze Erdenrund ist, als das deutsche. Die Aus­dehnung des Deutschtums ist ständig im Steigen begriffen. Die Deutschen im Auslande betätigen sich vor allem in der Industrie, in beschränkterem Umfange in der Landwirtschaft. In überseeischen Ländern übt der Handel die größte Anziehungskraft auf sie aus. Nach den Alters= und Familienstandsnachweisen zu schließen, stehen sie in den arbeitskräftigsten Altersklassen. Deutschland gibt etwa viermal so viel von seiner Bevölkerung ab, als es empfängt.

Leutsches Keich.

— Der Kaiser traf am gestrigen Mittwoch zum Besuch des Königs Friedrich August von Sachsen in Dresden ein. Die Stadt war festlich geschmückt. Es fand großer militärischer Empfang statt. Die städtischen Behörden begrüßten den Monarchen besonders. Der Besuch währte nur einen Tag und es war u. a. ein Festmahl im Schlosse, eine Besichtigung des sächsischen Regiments des Kaisers und eine Vor­stellung im Opernhause vorgesehen. Am Dienstag hörte der Kaiser Marinevorträge. Zur Abendtafel am Montag waren der Staats­sekretär des Reichsmarineamts und Romiral Büchsel, der Chef des Admiralstabes, geladen.

— Der Reichskanzler Fürst Bülow trifft am heutigen Donnerstag von Baden=Baden wieder in Berlin ein. Die Frau Fürstin tritt von dort am 31. d. Mts. eine Reise nach Italien an.

— Der lippische Thronfolgestreit ist am gestrigen Mittwoch vor dem vom Reichsgericht ernannten Schiedsgericht, das unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten v. Seckendorff tagte, in Leipzig endgültig entschieden worden. Jede der beiden Parteien war durch einen Rechtsanwalt vertreten. Die Entscheidung trat nun doch noch schneller ein, als man bisher für möglich gehalten hatte. (Weiteres siehe„Neueste Nachrichten“.)

— Ein neuer deutscher Gutsverkauf an einen Polen hat nach der„Ostd. Rdsch.“ stattgefunden. Das etwa 1050 Morgen große Rittergut Klein=Babenz ist, so wird dem Blatte aus Rosenberg in Westpr. geschrieben, in polnischen Besitz übergegangen. Der bis­herige Besitzer Leutnant Schulz aus Chrzonstrowo(Posen) hatte das Gut erst im Juli für 220000 Mk. gekauft. Der neue Käufer ist ein Herr Kawski aus Posen. Der Kaufpreis soll 222 500 Mk. betragen.

— Betreffs der Reichsfinanzreform wird gemeldet, daß

in Regierungskreisen die Einführung einer Tabak=Fabrikatsteuer, also eine Besteuerung des fertiggestellten Fabrikats erwogen werde. Die Höhe der Steuer soll sich nach dem Werte des Fabrikats richten, geringe Zigarren sollen einen niedrigen, feine Marken einen hohen Zoll tragen.— Der Durchführung dieses Plaues stehen ernste Schwierigkeiten entgegen. Unter den Tabak=Interessenten Deutschlands ist eine lebhafte Bewegung gegen jede Besteuerung des Tabaks im Gange.

— Einen Verband kaufmännischer Krankenkassen Deutschlands begründeten die in Magdeburg versammelten Vertreter von 25 Berufsvereinen. Die Gründung wurde für erforderlich er­achtet, weil 1906 die Schließung aller freien Hilfskassen zu erwarten sei. Diese Annahme ist bekanntlich unbegründet. Es werden lediglich Maßrahmen getroffen, welche die Versicherten vor Schädigungen durch skrupellose Kassengründungen wahren sollen.

Koloniales.

Zum Aufstand in Deutsch=Ost= u.

Zu dem Aufstande in Deutsch=Ostafrika liegt ein ernsteres Wort des früheren ostafrikanischen Schutztruppenoffiziers Langheld vor, der zur Zeit Wißmanns und Emin Paschas, aber auch nachher noch Großes leistete. Er schreibt der„Tägl. Rösch.: Es darf nicht ver­schwiegen werden, daß das Aufflammen des Aufstandes im Zentrum

Donnerstag, den 26. Oktober.

unserer Kolonie, dem reich bevölkerten Uniamwesi, zu ernsten Bedenken Veranlassung gibt. Ehe die Sudanesen, die am 21. Oktober in Daressalam eintrafen, einexerziert sind und in Marsch gesetzt werden können, vergehen mindestens 2 bis 3 Monate. Um in das Auf­standsgebiet zu gelangen, sind 5 bis 6 Wochen Marsch nötig. Man bedenke, wie schnell sich der Aufruhr im Süden fortgepflanzt hat, und man wird erkennen, welche Gefahr droht, wenn es den Besatzungen von Tabora und Kilimatinde nicht gelingen sollte, die aufständische Bewegung im Keime zu ersticken. Nach meiner Schätzung sind wenigstens 80000 Gewehre in Uniamwesi vorhanden.(Sollte hier nicht ein Druckfehler vorliegen?) Wenn wir auch in dem Neger Deutsch=Ostafrikas keinen kriegerisch geschulten Gegner wie Herero oder Hottentotten zu bekämpfen haben und deshalb die Bedingungen für unsere Schutztruppe erheblich günstigere sind, so wücde eine all­gemeine Erhebung der Uniamwesi doch alle Eirungenschaften des letzten Jahrzehnts auf längere Zeit hinaus verloren gehen lassen.

— In Deutsch=Südwestafrika soll Hendrik Witboi auf die Proklamation des Generals v. Trotha, die den sich freiwillig stellenden Aufständischen Schonung des Lebens, Arbeit und Verpflegung ver­sprach, brieflich geantwortet haben: Er lasse sich nicht einschüchtern, wünsche kein Bedauern, wisse allein, was er wert sei, könne seine Lage selbst am besten beurteilen und werde einen Frieden, der ihm das Leben und seinem Volke den Untergang koste, nicht machen.

Generalmajor v. Frarzois sagt in seiner neuesten Besprechung des Hottentotten=Aufstandes im Militärwochenblatt: Es würde sehr wichtig sein, durch Stärke der Transporte und Patrouillen, aber auch durch deren Umsicht und energischen Widerstand Fortnahme von Wagen und Preisgabe einzelner Reiter zu verhindern. Leider scheint es an nachhaltigem Widerstand in einigen Fällen gefehlt zu haben, und die Wagen sind bald im Stich gelassen worden. Sehr richtig ist aber das Bestreben der Führung, die feindliche Widerstandskraft dadurch zu schwächen, daß sie die Aufständischen so häufig wie mög­lich zu Gefechten zwingt, ihnen Verluste beibringt, sie veranlaßt, Munition zu verschießen und ihnen das Vieh fortnimmt. Dazu ge­hört aber Zeit.

21. Jahrgang.

Oesterneichellaggen.

Tschechische Ausschreitungen gegen Deutsche finden in Mähren jetzt tagtäglich statt. Das war nach den Brünner Exzessen, die seitens der österreichischen Regierung eine so unbegreiflich milde Be­urteilung fanden, allerdings vorauszusehen. Oesterreich beraubt sich aber seiner besten Kraft, wenn seine Regierung es den Deutschen gegenüber an dem nötigen Schutze fehlen läßt.

Rußland.

Die Streikbewegung in Rußland wird immer allgemeiner. Die Lage in Moskau, wo Eisenbahnzüge beinahe nicht mehr verkehren, ist eine außerordentlich kritische gewonden, da infolge des Stillstandes jeder Lebensmittelzufuhr eine Hungersnot auszubrechen droht. Der Eisenbahnminister Fürst Chilkow, der bisher vergeblich die Eisenbahner zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu bewegen gesucht hat, sandte die düstersten Berichte über die Situation nach Petersburg. Bezeichnend ist es, daß der Stadthauptmann von Moskau seine Demission gab. Er zweifelt also an einer Besserung der Verhältnisse.

Mit unheimlicher Geschwindigkeit hat sich der Eisenbahnerstreik auf alle Verkehrszentren des russischen Reiches ausgedehnt. Petersburg, Warschau, Charkow, Jekaterinoslaw und zahlreiche andere Orte sind durch ihn gefährdet. Während in einigen Orten nur der Eisenbahn­verkehr vollständig ruht, ist in anderen, so namentlich in Jekaterinoslaw, ein totaler Stillstand auf allen Gebieten des gewerblichen Lebens ein­getreten. Dort ruht die Arbeit auch im Telegraphen= und Straßen­bahn=Verkehr, sowie in allen Fabriken. Auch die Handwerksgesellen und Handlungsgehilfen beschlossen, sich dem Ausstande anzuschließen.

Spanien.

Die Madrider Trinksprüche. Die zwischen dem König Alfonso XIII. und dem Präsidenten Loubet in Madrid ausgetauschten Trinksprüche beschränkten sich darauf, die herzliche Freundschaft zwischen Frankreich und Spanien zu feiern. Mit edler Freimütigkeit fügte König Alfons seinen Worten hinzu, die herzliche Freundschaft Spaniens und Frankreichs sei sicher mit der Freundschaft Spaniens für alle anderen Völker im Einklang zu bringen. Und Präsident Loubet drückte denselben Gedanken, nur ein wenig vorsichtiger und versteckter aus, indem er sagte, die spanisch=französische Freundschaft diene dem Interesse des all­gemeinen Friedens.

Nauesikg.

Revolution in Chile. An russische Zustände erinnern die Er­eignisse, die gegenwärtig den südamerikanischen Freistaat Chile beherrschen. Ein Fleischerstreik in Santiago de Chile artete infolge der Abwesenheit der im Manöver weilenden Garnisonstruppen zu einer bösen Revolte aus. Es kam zu ernsten Ruhestörungen, sodaß sich die Polizei wiederholt genötigt sah, auf die Massen, die die Häuser zu plündern

versuchten, zu schießen. Es wurden 7 Personen getötet und 80 ver­wundet. Die Unruhen erneuerten sich und auch am folgenden Tage gab es wieder Tote und Verwundete. Der Kriegsminister ordnete hierauf die sofortige Rückkehr der Garnisontruppen nach der bedrängten Stadt an. Inzwischen aber hatten die Revolutionäre die Schienen­wege aufgerissen, sodaß sich die Ankunft des Militärs erheblich ver­zögerte. Der Geschäftsverkehr ruht bis auf weiteres völlig.

Die Wirren in Rußland.

Gref Witte soll seine Ernennung zum Ministerpräsidenten und zum Finanzminister bereits in den Händen haben. Ebenso soll die Ernennung des jetzigen Generalgouverneurs Durnowo, eines ergebenen Freundes Wittes zum Minister des Innern beschlossene Sache sein. Die Veröffentlichung einer überaus wichtigen politischen Kundgebung,

die eine Erweiterung der Rechte der Reichsduma vorfieht, wird erwartet. Es soll dieser vorbehalten sein, eine Konstitution auszuar­beiten nach dem Muster der westeuropäischen konstitutionellen Staaten. Alles dies ist die Folge einer Unterredung Witte mit dem Zaren, zu der sich Graf Witte in einem Extrazuge nach Peterhof begeben hatte. Es ist die höchste Zeit, daß etwas Durchgreifendes geschieht, die Lage ist sehr ernst.

In Riga mußten infolge zunehmender Gewaltätigkeiten der Revolutionäre Kosaken requiriert werden. Ein Werkmeister der rusfisch=baltischen Waggonfabrik wurde von Streikenden Das Polytechnikum mußte, da Attentate befürchtet wurden, militärisch besetzt werden.

In dem russisch=polnischen Orte Lomscha wurde eine geheime Bombenfabrik entdeckt. Drei Personen, darunter ein junges Mädchen, wurden verhaftet.

Retter Rußlands aus all dieser Not soll nun Graf Witte werden. Reichlich lange hat man gewartet, ehe man ihn mit der Aufgabe, Ruhe und Ordnung im Lande wiederherzustellen, betraute. Die Nagaikan und Revolver der Kosaken vermochten wohl in jedem Einzelfalle den Ausbruch der revolutionären Bewegung niederzu­schlagen, die Gärung selbst beseitigten sie nicht, schürten sie vielmehr nur. Nun soll Graf Witte den Brand, der ganz Rußland ergriffen hat, löschen. Den Versuch dazu hat er bereits begonnen, indem er zur Beschwichtigung der erregten Gemüter, allerdings unter gewissen Einschränkungen, diejenigen Reformen in Aussicht stellte, auf welche die russische Intelligenz überhaupt Wert legt.

Auf Wittes Anregung, der jetzt endlich und glücklicherweise unter den Ratgebern des Zaren den maßgebenden Einfluß besitzt, hat sich die Regierung zur Gewährung der Redefreiheit, der Preß­freiheit, der Versammlungsfreiheit und der religiösen Duldung ent­schlossen. Damit ist der richtige Weg beschritten. Nur schleunige und ausreichende Reformen können Rußland den inneren Frieden geben.

Die Cholera.

Die Cholera ist so gut wie erloschen! Auch vom 23. bis 24. Okt. mittags sind keine choleraverdächtige Erkrankungen oder Todes­fälle an Cholera amtlich neu gemeldet worden. Die Gefamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 281, von denen 90 tödlich verliefen. Mit Rücksicht auf den erheblichen Rückgang der Choleraerkrankungen wird eine amtliche Mitteilung von jetzt an bis auf weiteres nur noch am Sonnabend jeder Woche erfolgen.

Lokale und provinzielle Nachrichten.

Aunen, 26. Okt.(Sitzung der Amts= und Gemeindevertretung.) Der——.—.—meldet—von—hier: Eine Sitzung der Amts= und Gemeindevertretung findet am 27. Oktober im hiesigen Amtshaufe statt. Die Tagesordnung umfaßt 16 Punkte. Bemerkenswert ist hierbei, daß die Gemeindevertretung auch über die Fleischteuerung beraten will. Es soll evtl. die Errichtung eines Fischmarktes unter Beihülfe der Gemeinde nach dem Muster anderer Orte in Erwägung gezogen werden.

+ Annen, 26. Okt.(Unfälle.) Beim Transportieren eines schweren Sackes mit Kartoffeln stürzte der Fabrikarbeiter P. mit diesen eine hohe Kellertreppe herab und erlitt P. hierbei nicht unerhebliche Quetschungen und eine Kopfwunde.— Die Ehefrau S. stürzte beim Aufladen von Rüben von einem Wagen herab und brach den rechten Arm.— Beim fröhlichen Spiel fiel eine Schülerin hin und trug eine schwere Verletzung des linken Armes davon.

—(Evangelische Kirche.) Die Wiederherstellung des gänzlich renovierten Gotteshauses macht rasche Fortschritte und wird dasselbe schon am Sonntag, den 19. Nov. wieder in Benutzung genommen werden. Der evang. Kirchenchor veranstaltet an diesem Tage eine große liturgische Abendfeier bei vollständig freiem Eintritt.

Aunen, 26. Okt.(Zur Mietsentschädigung der Volksschullehrer.) Der Kultusminister hat vor kurzem die von der Stadt Hagen vor­genommene Festsetzung der Mietsentschädigung für die Volksschullehrer genehmigt, welche eine Staffelung der Mietsentschädigung nach dem Dienstalter vorsah. Von der kgl. Regierung zu Arnsberg war diese Staffelung nicht für zulässig erklärt worden. Eine ganz sonderbare Staffelung hat nun der hiefige evang. Schulvorstand vorgenommen. Er hat sie auf die Zahl der Kinder, welche unsere Volksschullehrer ihr eigen nennen, zugeschnitten. Lehrer, welche 1 bis 3 Kinder zu versorgen haben, sollen 400 Mk., solche die 4 bis 5 Kinder haben,.50 Mk. und solche, die 6 und wehr haben, 500 Mk. erhalten. Mit vol­lendetem 18. Lebensjahr sollen die betreffenden Kinder wieder für die Berechnung ausscheiden. In den Lehrerkreisen rufen diese Miets­staffeln allgemeine Heiterkeit hervor. Gültigkeit wird dieses Kinder­prämierungssystem wohl nie bekommen. H. V.

§ Aunen, 52. Okt.(Die Vorstände der beiden Bergarbeiter=Verbände) hatten an den Minister und die Eisenbahndirektion in Essen eine Eingabe zur Hebung des Wagenmangels gerichtet. Daraufhin hat die Eisenbahndirektion den Bescheid gegeben, daß verschiedene Ursachen dem Wagenmangel zugrunde lägen. Hauptsächlich demme die Einheimsung der Zuckerrübenernte, die dies­jährig sehr reichlich sei, den Wagenrücklauf von Osten nach Westen. Die Eisenbahndirektion ist der Meinung, in kurzer Zeit werde der Wagenmangel beseitigt sein.

Stockum, 25. Okt.(Nach einer nunmehr ergangenen Verfügung des Regierungspräsidenten) ist für die Milchlieferung an Sonn= und Feiertagen die Zeit bis morgens 10 Uhr freigegeben worden. Nach dieser Zeit darf ein Gewerbebetrieb nicht mehr stattfinden, jedoch ist den Milchfuhrwerken noch reichlich Zeit zur Rückkehr gelassen.

Witten, 25. Okt.(Ein liebevoller Ehemann) scheint der Ar­beiter L. zu sein. Im angetrunkenen Zustande mißhandelte er schon des Oefteren seine Frau und drohte ihr den Hals abzuschneiden. Gestern kam es auch wieder zu einem heftigen Auftritt zwischen den Eheleuten und die Frau mußte vor dem Mann die Blucht ergreifen, weil er sie mit einem Brotmesser erstechen wollte. Die Polizei nahm dem rohen Patron das gefährliche Werkzeug ab.

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