Die„Annener Zeitung“ erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Abonnementspreis inkl. UnterhaltungsBeilage vierteljährlich nur 1 Mark. Telephon=Nr. 881. Nr. 126. 1905. Anzeigeblatt s Annen und uie benatzhurten 14 Ortschaften. Amniches Gegan. Die wirtschaftliche Bedeutung des Deutschtums im Auslande. 55 Die große und fruchtbare Mutter Germania erzeugt jährlich so viele Kinder, daß sie nicht alle auf dem heimischen Boden immer den gewünschten Lebensunterhalt finden können. Begabt mit Mut, Gesundheit und Kraft ziehen deshalb schon seit langen Jahren jährlich Tausende von Deutschen in das Ausland. Im vorigen Jahrhundert mögen es im ganzen 6 bis 7 Millionen Deutsche gewesen sein, die auswanderten. Vom nationalen Standpunkte aus muß man diese Erscheinung sehr bedauern, denn es geht dem Mutterlande dadurch viele eigene Kraft verloren. Indessen hat sich in unserer Zeit der Weltwirtschaft und des Weltverkehrs gezeigt, daß in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht die Deutschen im Auslande ihrem alten Vaterlande doch vielfach nicht so verloren sind, wie man glaubt. Allmählich ringt sich immer mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß diese Elemente, wenn auch staatsrechtlich ausgeschieden, doch den Weg ebnen für lohnende Arbeit des deutschen Kapitals in ausländischer Landwirtschaft und Industrie. Diese Menschenkolonien unter fremder Herrschaft, dieses Deutschtum im Auslande, sind einiger Ersatz für die Landkolonien, deren sich andere Großstaaten rühmen. Dazu gehört aber zunächst für uns eine nähere Kenntnis von der Ausbreitung des Deutschtums im Auslande. Es handelt sich dabei um mehr als 8 Millionen, die als Minimalzahl für die im Auslande befindlichen Reichsgebürtigen in Frage kommen und um 700000 Reichsangehörige im Auslande. Von den drei Millionen kommen allein 2½ Mill. Deutsche auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dort wurden nicht weniger als 7,8 Mill. Personen gezählt, deren Eltern beide oder wenigstens väterlicher= oder mütterlicherseits in Deutschland geboren waren; das sind ein Zehntel der ganzen, ein Achtel der weißen Bevölkerung der Union. Im allgemeinen unterscheidet man für den Standort der Deutschen im Auslande drei Zonen; die der unmittelbaren Grenzländer, die Zone der mittelbar angrenzenden Länder und die äußere Zone der Ueberseestaaten. Außerdem sind als besondere Konzentrationspunkte des Deutschtums die Großstädte zu nennen. Die erste Zone zählt 226000, die zweite 5900 und die dritte 2,7 Mill. Menschen. Die deutsche Diaspora ist also schon sehr beträchtlich und man findet nicht leicht ein zweites Volk, das so zersplittert und so verbreitet über das ganze Erdenrund ist, als das deutsche. Die Ausdehnung des Deutschtums ist ständig im Steigen begriffen. Die Deutschen im Auslande betätigen sich vor allem in der Industrie, in beschränkterem Umfange in der Landwirtschaft. In überseeischen Ländern übt der Handel die größte Anziehungskraft auf sie aus. Nach den Alters= und Familienstandsnachweisen zu schließen, stehen sie in den arbeitskräftigsten Altersklassen. Deutschland gibt etwa viermal so viel von seiner Bevölkerung ab, als es empfängt. Leutsches Keich. — Der Kaiser traf am gestrigen Mittwoch zum Besuch des Königs Friedrich August von Sachsen in Dresden ein. Die Stadt war festlich geschmückt. Es fand großer militärischer Empfang statt. Die städtischen Behörden begrüßten den Monarchen besonders. Der Besuch währte nur einen Tag und es war u. a. ein Festmahl im Schlosse, eine Besichtigung des sächsischen Regiments des Kaisers und eine Vorstellung im Opernhause vorgesehen. Am Dienstag hörte der Kaiser Marinevorträge. Zur Abendtafel am Montag waren der Staatssekretär des Reichsmarineamts und Romiral Büchsel, der Chef des Admiralstabes, geladen. — Der Reichskanzler Fürst Bülow trifft am heutigen Donnerstag von Baden=Baden wieder in Berlin ein. Die Frau Fürstin tritt von dort am 31. d. Mts. eine Reise nach Italien an. — Der lippische Thronfolgestreit ist am gestrigen Mittwoch vor dem vom Reichsgericht ernannten Schiedsgericht, das unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten v. Seckendorff tagte, in Leipzig endgültig entschieden worden. Jede der beiden Parteien war durch einen Rechtsanwalt vertreten. Die Entscheidung trat nun doch noch schneller ein, als man bisher für möglich gehalten hatte. (Weiteres siehe„Neueste Nachrichten“.) — Ein neuer deutscher Gutsverkauf an einen Polen hat nach der„Ostd. Rdsch.“ stattgefunden. Das etwa 1050 Morgen große Rittergut Klein=Babenz ist, so wird dem Blatte aus Rosenberg in Westpr. geschrieben, in polnischen Besitz übergegangen. Der bisherige Besitzer Leutnant Schulz aus Chrzonstrowo(Posen) hatte das Gut erst im Juli für 220000 Mk. gekauft. Der neue Käufer ist ein Herr Kawski aus Posen. Der Kaufpreis soll 222 500 Mk. betragen. — Betreffs der Reichsfinanzreform wird gemeldet, daß in Regierungskreisen die Einführung einer Tabak=Fabrikatsteuer, also eine Besteuerung des fertiggestellten Fabrikats erwogen werde. Die Höhe der Steuer soll sich nach dem Werte des Fabrikats richten, geringe Zigarren sollen einen niedrigen, feine Marken einen hohen Zoll tragen.— Der Durchführung dieses Plaues stehen ernste Schwierigkeiten entgegen. Unter den Tabak=Interessenten Deutschlands ist eine lebhafte Bewegung gegen jede Besteuerung des Tabaks im Gange. — Einen Verband kaufmännischer Krankenkassen Deutschlands begründeten die in Magdeburg versammelten Vertreter von 25 Berufsvereinen. Die Gründung wurde für erforderlich erachtet, weil 1906 die Schließung aller freien Hilfskassen zu erwarten sei. Diese Annahme ist bekanntlich unbegründet. Es werden lediglich Maßrahmen getroffen, welche die Versicherten vor Schädigungen durch skrupellose Kassengründungen wahren sollen. Koloniales. Zum Aufstand in Deutsch=Ost= u. Zu dem Aufstande in Deutsch=Ostafrika liegt ein ernsteres Wort des früheren ostafrikanischen Schutztruppenoffiziers Langheld vor, der zur Zeit Wißmanns und Emin Paschas, aber auch nachher noch Großes leistete. Er schreibt der„Tägl. Rösch.: Es darf nicht verschwiegen werden, daß das Aufflammen des Aufstandes im Zentrum Donnerstag, den 26. Oktober. unserer Kolonie, dem reich bevölkerten Uniamwesi, zu ernsten Bedenken Veranlassung gibt. Ehe die Sudanesen, die am 21. Oktober in Daressalam eintrafen, einexerziert sind und in Marsch gesetzt werden können, vergehen mindestens 2 bis 3 Monate. Um in das Aufstandsgebiet zu gelangen, sind 5 bis 6 Wochen Marsch nötig. Man bedenke, wie schnell sich der Aufruhr im Süden fortgepflanzt hat, und man wird erkennen, welche Gefahr droht, wenn es den Besatzungen von Tabora und Kilimatinde nicht gelingen sollte, die aufständische Bewegung im Keime zu ersticken. Nach meiner Schätzung sind wenigstens 80000 Gewehre in Uniamwesi vorhanden.(Sollte hier nicht ein Druckfehler vorliegen?) Wenn wir auch in dem Neger Deutsch=Ostafrikas keinen kriegerisch geschulten Gegner wie Herero oder Hottentotten zu bekämpfen haben und deshalb die Bedingungen für unsere Schutztruppe erheblich günstigere sind, so wücde eine allgemeine Erhebung der Uniamwesi doch alle Eirungenschaften des letzten Jahrzehnts auf längere Zeit hinaus verloren gehen lassen. — In Deutsch=Südwestafrika soll Hendrik Witboi auf die Proklamation des Generals v. Trotha, die den sich freiwillig stellenden Aufständischen Schonung des Lebens, Arbeit und Verpflegung versprach, brieflich geantwortet haben: Er lasse sich nicht einschüchtern, wünsche kein Bedauern, wisse allein, was er wert sei, könne seine Lage selbst am besten beurteilen und werde einen Frieden, der ihm das Leben und seinem Volke den Untergang koste, nicht machen. Generalmajor v. Frarzois sagt in seiner neuesten Besprechung des Hottentotten=Aufstandes im Militärwochenblatt: Es würde sehr wichtig sein, durch Stärke der Transporte und Patrouillen, aber auch durch deren Umsicht und energischen Widerstand Fortnahme von Wagen und Preisgabe einzelner Reiter zu verhindern. Leider scheint es an nachhaltigem Widerstand in einigen Fällen gefehlt zu haben, und die Wagen sind bald im Stich gelassen worden. Sehr richtig ist aber das Bestreben der Führung, die feindliche Widerstandskraft dadurch zu schwächen, daß sie die Aufständischen so häufig wie möglich zu Gefechten zwingt, ihnen Verluste beibringt, sie veranlaßt, Munition zu verschießen und ihnen das Vieh fortnimmt. Dazu gehört aber Zeit. 21. Jahrgang. Oesterneichellaggen. Tschechische Ausschreitungen gegen Deutsche finden in Mähren jetzt tagtäglich statt. Das war nach den Brünner Exzessen, die seitens der österreichischen Regierung eine so unbegreiflich milde Beurteilung fanden, allerdings vorauszusehen. Oesterreich beraubt sich aber seiner besten Kraft, wenn seine Regierung es den Deutschen gegenüber an dem nötigen Schutze fehlen läßt. Rußland. Die Streikbewegung in Rußland wird immer allgemeiner. Die Lage in Moskau, wo Eisenbahnzüge beinahe nicht mehr verkehren, ist eine außerordentlich kritische gewonden, da infolge des Stillstandes jeder Lebensmittelzufuhr eine Hungersnot auszubrechen droht. Der Eisenbahnminister Fürst Chilkow, der bisher vergeblich die Eisenbahner zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu bewegen gesucht hat, sandte die düstersten Berichte über die Situation nach Petersburg. Bezeichnend ist es, daß der Stadthauptmann von Moskau seine Demission gab. Er zweifelt also an einer Besserung der Verhältnisse. Mit unheimlicher Geschwindigkeit hat sich der Eisenbahnerstreik auf alle Verkehrszentren des russischen Reiches ausgedehnt. Petersburg, Warschau, Charkow, Jekaterinoslaw und zahlreiche andere Orte sind durch ihn gefährdet. Während in einigen Orten nur der Eisenbahnverkehr vollständig ruht, ist in anderen, so namentlich in Jekaterinoslaw, ein totaler Stillstand auf allen Gebieten des gewerblichen Lebens eingetreten. Dort ruht die Arbeit auch im Telegraphen= und Straßenbahn=Verkehr, sowie in allen Fabriken. Auch die Handwerksgesellen und Handlungsgehilfen beschlossen, sich dem Ausstande anzuschließen. Spanien. Die Madrider Trinksprüche. Die zwischen dem König Alfonso XIII. und dem Präsidenten Loubet in Madrid ausgetauschten Trinksprüche beschränkten sich darauf, die herzliche Freundschaft zwischen Frankreich und Spanien zu feiern. Mit edler Freimütigkeit fügte König Alfons seinen Worten hinzu, die herzliche Freundschaft Spaniens und Frankreichs sei sicher mit der Freundschaft Spaniens für alle anderen Völker im Einklang zu bringen. Und Präsident Loubet drückte denselben Gedanken, nur ein wenig vorsichtiger und versteckter aus, indem er sagte, die spanisch=französische Freundschaft diene dem Interesse des allgemeinen Friedens. Nauesikg. Revolution in Chile. An russische Zustände erinnern die Ereignisse, die gegenwärtig den südamerikanischen Freistaat Chile beherrschen. Ein Fleischerstreik in Santiago de Chile artete infolge der Abwesenheit der im Manöver weilenden Garnisonstruppen zu einer bösen Revolte aus. Es kam zu ernsten Ruhestörungen, sodaß sich die Polizei wiederholt genötigt sah, auf die Massen, die die Häuser zu plündern versuchten, zu schießen. Es wurden 7 Personen getötet und 80 verwundet. Die Unruhen erneuerten sich und auch am folgenden Tage gab es wieder Tote und Verwundete. Der Kriegsminister ordnete hierauf die sofortige Rückkehr der Garnisontruppen nach der bedrängten Stadt an. Inzwischen aber hatten die Revolutionäre die Schienenwege aufgerissen, sodaß sich die Ankunft des Militärs erheblich verzögerte. Der Geschäftsverkehr ruht bis auf weiteres völlig. Die Wirren in Rußland. Gref Witte soll seine Ernennung zum Ministerpräsidenten und zum Finanzminister bereits in den Händen haben. Ebenso soll die Ernennung des jetzigen Generalgouverneurs Durnowo, eines ergebenen Freundes Wittes zum Minister des Innern beschlossene Sache sein. Die Veröffentlichung einer überaus wichtigen politischen Kundgebung, die eine Erweiterung der Rechte der Reichsduma vorfieht, wird erwartet. Es soll dieser vorbehalten sein, eine Konstitution auszuarbeiten nach dem Muster der westeuropäischen konstitutionellen Staaten. Alles dies ist die Folge einer Unterredung Witte mit dem Zaren, zu der sich Graf Witte in einem Extrazuge nach Peterhof begeben hatte. Es ist die höchste Zeit, daß etwas Durchgreifendes geschieht, die Lage ist sehr ernst. In Riga mußten infolge zunehmender Gewaltätigkeiten der Revolutionäre Kosaken requiriert werden. Ein Werkmeister der rusfisch=baltischen Waggonfabrik wurde von Streikenden Das Polytechnikum mußte, da Attentate befürchtet wurden, militärisch besetzt werden. In dem russisch=polnischen Orte Lomscha wurde eine geheime Bombenfabrik entdeckt. Drei Personen, darunter ein junges Mädchen, wurden verhaftet. Retter Rußlands aus all dieser Not soll nun Graf Witte werden. Reichlich lange hat man gewartet, ehe man ihn mit der Aufgabe, Ruhe und Ordnung im Lande wiederherzustellen, betraute. Die Nagaikan und Revolver der Kosaken vermochten wohl in jedem Einzelfalle den Ausbruch der revolutionären Bewegung niederzuschlagen, die Gärung selbst beseitigten sie nicht, schürten sie vielmehr nur. Nun soll Graf Witte den Brand, der ganz Rußland ergriffen hat, löschen. Den Versuch dazu hat er bereits begonnen, indem er zur Beschwichtigung der erregten Gemüter, allerdings unter gewissen Einschränkungen, diejenigen Reformen in Aussicht stellte, auf welche die russische Intelligenz überhaupt Wert legt. Auf Wittes Anregung, der jetzt endlich und glücklicherweise unter den Ratgebern des Zaren den maßgebenden Einfluß besitzt, hat sich die Regierung zur Gewährung der Redefreiheit, der Preßfreiheit, der Versammlungsfreiheit und der religiösen Duldung entschlossen. Damit ist der richtige Weg beschritten. Nur schleunige und ausreichende Reformen können Rußland den inneren Frieden geben. Die Cholera. Die Cholera ist so gut wie erloschen! Auch vom 23. bis 24. Okt. mittags sind keine choleraverdächtige Erkrankungen oder Todesfälle an Cholera amtlich neu gemeldet worden. Die Gefamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 281, von denen 90 tödlich verliefen. Mit Rücksicht auf den erheblichen Rückgang der Choleraerkrankungen wird eine amtliche Mitteilung von jetzt an bis auf weiteres nur noch am Sonnabend jeder Woche erfolgen. Lokale und provinzielle Nachrichten. Aunen, 26. Okt.(Sitzung der Amts= und Gemeindevertretung.) Der——.—.—meldet—von—hier: Eine Sitzung der Amts= und Gemeindevertretung findet am 27. Oktober im hiesigen Amtshaufe statt. Die Tagesordnung umfaßt 16 Punkte. Bemerkenswert ist hierbei, daß die Gemeindevertretung auch über die Fleischteuerung beraten will. Es soll evtl. die Errichtung eines Fischmarktes unter Beihülfe der Gemeinde nach dem Muster anderer Orte in Erwägung gezogen werden. + Annen, 26. Okt.(Unfälle.) Beim Transportieren eines schweren Sackes mit Kartoffeln stürzte der Fabrikarbeiter P. mit diesen eine hohe Kellertreppe herab und erlitt P. hierbei nicht unerhebliche Quetschungen und eine Kopfwunde.— Die Ehefrau S. stürzte beim Aufladen von Rüben von einem Wagen herab und brach den rechten Arm.— Beim fröhlichen Spiel fiel eine Schülerin hin und trug eine schwere Verletzung des linken Armes davon. —(Evangelische Kirche.) Die Wiederherstellung des gänzlich renovierten Gotteshauses macht rasche Fortschritte und wird dasselbe schon am Sonntag, den 19. Nov. wieder in Benutzung genommen werden. Der evang. Kirchenchor veranstaltet an diesem Tage eine große liturgische Abendfeier bei vollständig freiem Eintritt. Aunen, 26. Okt.(Zur Mietsentschädigung der Volksschullehrer.) Der Kultusminister hat vor kurzem die von der Stadt Hagen vorgenommene Festsetzung der Mietsentschädigung für die Volksschullehrer genehmigt, welche eine Staffelung der Mietsentschädigung nach dem Dienstalter vorsah. Von der kgl. Regierung zu Arnsberg war diese Staffelung nicht für zulässig erklärt worden. Eine ganz sonderbare Staffelung hat nun der hiefige evang. Schulvorstand vorgenommen. Er hat sie auf die Zahl der Kinder, welche unsere Volksschullehrer ihr eigen nennen, zugeschnitten. Lehrer, welche 1 bis 3 Kinder zu versorgen haben, sollen 400 Mk., solche die 4 bis 5 Kinder haben,.50 Mk. und solche, die 6 und wehr haben, 500 Mk. erhalten. Mit vollendetem 18. Lebensjahr sollen die betreffenden Kinder wieder für die Berechnung ausscheiden. In den Lehrerkreisen rufen diese Mietsstaffeln allgemeine Heiterkeit hervor. Gültigkeit wird dieses Kinderprämierungssystem wohl nie bekommen. H. V. § Aunen, 52. Okt.(Die Vorstände der beiden Bergarbeiter=Verbände) hatten an den Minister und die Eisenbahndirektion in Essen eine Eingabe zur Hebung des Wagenmangels gerichtet. Daraufhin hat die Eisenbahndirektion den Bescheid gegeben, daß verschiedene Ursachen dem Wagenmangel zugrunde lägen. Hauptsächlich demme die Einheimsung der Zuckerrübenernte, die diesjährig sehr reichlich sei, den Wagenrücklauf von Osten nach Westen. Die Eisenbahndirektion ist der Meinung, in kurzer Zeit werde der Wagenmangel beseitigt sein. Stockum, 25. Okt.(Nach einer nunmehr ergangenen Verfügung des Regierungspräsidenten) ist für die Milchlieferung an Sonn= und Feiertagen die Zeit bis morgens 10 Uhr freigegeben worden. Nach dieser Zeit darf ein Gewerbebetrieb nicht mehr stattfinden, jedoch ist den Milchfuhrwerken noch reichlich Zeit zur Rückkehr gelassen. Witten, 25. Okt.(Ein liebevoller Ehemann) scheint der Arbeiter L. zu sein. Im angetrunkenen Zustande mißhandelte er schon des Oefteren seine Frau und drohte ihr den Hals abzuschneiden. Gestern kam es auch wieder zu einem heftigen Auftritt zwischen den Eheleuten und die Frau mußte vor dem Mann die Blucht ergreifen, weil er sie mit einem Brotmesser erstechen wollte. Die Polizei nahm dem rohen Patron das gefährliche Werkzeug ab. * 4 Witten, 24. Oktober.(Goldenes Dienstjubiläum.) Der in der Maschinenfabrik von Brinkmann u. Cö. tätige Werkmeister August Schulte feierte am heutigen Tage sein goldenes Dienstjubiläum. Bommern, 25. Okt.(Der freie Lehrerverein) für Bommern und Wengern nahm in seiner gestrigen Sitzung Stellung zum Beschlusse der Provinzialsynode über die Beibehaltung der Lokal=Schulaufsicht durch die Geistlichen. Der Verein richtete eine Resolution, in der er sich unentwegt für die alte Forderung der Lehrerschaft nach Fachaufsicht ausspricht, an den Vorstand des Provinzialvereins mit der Bitte, die übrigen Vereine des Verbandes zu gleichem Vorgehen zu Pewegen.„„„ g..9 m Hombruch, 24. Ort.(auszeichnung im Dienste des roren Kreuzev.) Der Frau Hauptmann Amtmann Kuntze geb. Eppien hier wurde die rote Kreuzmedaille 2. Klasse verlieben. Barop, 25. Okt.(Leeres Gerücht).„Luise Tiefbau" und Gewerkschaft „Gottessegen“ sollen, wie berichtet wird, vereinigt werden. Herr Hugo Stinnes und die ihm nahestehenden Kreise sollen die Angelegenheit betreiben. Wir geben die Nachricht mehr der Kuriosität halber wieder, denn sie hat auch nicht den Schein der Wahrheit an sich. Die Inhaber der trefflich rentierenden Zeche„Gottessegen“ werden sich wohl hüten, ihren Besitz gegen„Luise"=Aktien hinzugeben, und bares Geld zum Ankaufe besitzt die letztere Gesellschaft überhaupt nicht. h Menglinghausen, 24. Okt.(Die Rheinisch=Westfälische Elektrizitätsgesellschaft), welche den Kreis Hörde mit elektrischer Energie für Kraft und Licht demnächst versieht, hat bereits ihre Arbeiten begonnen. Von der Zeche Wiendahlsbank aus werden dieselben beginnen, dort wird bekanntlich die elektische Zentrale errichtet.„ e 446r 8. o Kirchhörde, 24. Okt.(Vortrag.) Vor gul besuchlet Versammlung sprach im hies. ev. Kirchbauverein im Lokale des Herrn Mentler am Sonntaz Nachmittag Herr Pfarrer Blomberg über das Thema:„Aus welchem Grunde wurde unsere Kirche Ende des 18. Jahrhunderts an ihrem alten Platze wieder aufgebaut?“ Wir kommen auf den interessanten Vortrag, dem die Versammlung mit Spannung bis zu Ende folgte, in einer der nächsten Nru. ausführlich zurück. Bittermark, 25 Okt.(Ermittelt.) Am Sonntag, den 22. d. Mts. wurde in der Wohnung des Bruchmeisters Gohmann Skat gespielt. Nach Schluß des Spiels vermißte die Frau Gohmann eine ##idbörse mit Inhalt. Der Dieb ist gestern ermittelt und zur Anzeige gebracht. Er will das Geld zurückerstatten. 24. Okt.(Einbruch.) In vergangener Nacht wurde aus einem Schuppen eine messingene Kolbenmutter, zur Fördermaschine gehörig, gestohlen. Die Kolbenmutter ist 60 bis 70 Klg. schwer und hat einen Wert von etwa 300 Mk. Nach den Fußspuren zu urteilen, ist die Tat von 2 Mann ausgeführt worden. Die Diebe scheinen es besonders auf diese Zeche abgesehen zu haben, denn wir hatten Gelegenheit, mehrfach über Diebstähle wertvoller Metallstücke zu berichten. + Oespel, 25. Okt.(Die Brandkatastrophe auf Zeche Borussia.) Wie vorauszusehen war, hat die Behörde über die Ursache der Brandkatastrophe auf Zeche Borussia eine Untersuchung eingeleitet, weil die Oeffentlichkeit dringlich Klarstellung nach der Richtung verlangte, ob Angestellten der Zeche der Vorwurf einer straffälligen Nachlässigkeit gemacht werden konnte. Es steht bekanntlich fest, daß der Brand durch eine an der Verladestelle angebrachte Petroleumlampe entstanden ist, die von einem jungen Arbeiter, der einen Stempel wendete, herübergestoßen wurde und dann zur Explosion kam. Hierin liegt der Schwerpunkt des Ermittelungsverfahrens. Es scheint, als ob der Lampe vor dem Unglück wenig Bedeutung beigelegt worden sei. Am allerwenigsten scheint man daran gedacht zu haben, daß sie bei den Arbeiten unter der Decke fortgestoßen werden könne. Es steht fest, daß die Lampe nicht ordnungsmäßig gesichert war. Es fragt sich vun, Schuld für diese Nachlässigkeit beigemessen werden muß. Die Voruntersuchung richtet sich, nach der Rh.=W. Zig., gegen den Betriebsführer der Zeche; sie erstreckt sich nicht allein auf den Feuerherd, sondern auf die ganze Grube. Namentlich soll auch geprüft werden, ob nicht gegen bergpolizeiliche Bestimmungen verstoßen wurde. Man weiß, daß die jetzt noch als Leichen in der Grube befindlichen Bergleute nur deshalb nicht dem Tode entgingen, weil ihnen jeder Ausweg verspeirt war. Auch auf Umwegen war es ihnen nicht möglich, den Luftschacht zu erreichen. Im übrigen hat das Unglück auf Zeche Borussia der Bergbehörde, wie schon gemeldet, Veranlassung zu einer neuen Bestimmung gegeben, nach welcher vom 11. Aptil 1906 an die Anwendung offener Lichter in den Grubenräumen, mit Ausnahme der vollständig ausgemauerten Füllörter, von zu Tage gehenden Einzelschächten und den in unmittelbarer Nähe dieser Füllörter gelegenen, vollständig ausgemauerten Maschinenraum, vollständig verboten ist. Offene Lichter sollen nur in feuersicheren Stellen in geschlossenen Stand= oder Hängelampen mit zuverlässigem Korb und auch nur dann zulässig sein, wenn als Leuchtstoff Petroleum, Spiritus oder eine andere leicht vergasbare Flüssigkeit nicht benutzt wird. Dortmund, 25. Okt.(Todesstunz.) Der Monteur Freisendorf, der auf einem Gerüst stand, das zur Ausführung elektrischer Anlagen diente, stürzte infolge Ausgleitens aus einer Höhe von 8,9 Meter und erlitt einen Bruch der Wirbelsäule. Der Unglückliche verstarb bald, nachdem er ins Krankenhaus gebracht worden war. P Dortmund, 25. Okt. Unter dem Verdachte, ihr eigenen Rino vorsätzlich getötet zu haben, wurde heute die Dienstmagd Anna Alberti aus Hombruch verhaftet. Dortmund, 22. Okt.(Nationalliberale Versammlung.) Die von dem hiesigen nationalliberalen Bürgerverein einberufene Versammlung, in welcher Landtagsabgeordneter Schmieding über die letzte Landtagssession und Reichstagsabgeordneter Patzig über Mittelstandspolitik sprachen, war von etwa 300 Personen besucht. Abg. Schmieding verbreitete sich zunächst über die Kanalvorlage und bedauerte, daß sie nicht angenommen sei, wie man wünschte. Die Kanalfrage sei eine Lebensfrage für den Mittelstand. Leider sei es nicht gelungen, den landwirtschaftlich hochentw'ckelten Osten mit dem industriellen Westen zu verbinden. Die Gegner des Kanals, der nur bis Hannover bewilligt ist, nennen ihn den„Eldechsenkanal“, da der Schwanz bis Magdeburg von selber wachsen würde. Er hofft, daß die Zeit des Ausbaues nicht mehr fern sei. Das Schleppmonopol und die Schiffahrtsabzaben seien zwar unangenehme Beigaben. Aber ohne Monopol sei seiner Ansicht nach kein geregelter Betrieb möglich, wenn auch seine Gegner viele gesunde Momente dagegen anführen. Redner rühmt den rastlosen Eifer des Ministers der öffentlichen Arbeiten, der es verstanden habe, alle Steine aus dem Weg zu räumen, die ihm massenhaft in den Weg gelegt wurden. Hierauf ging er auf den Abschied des Ministers a. D. Möller ein. Die Ursachen seines Abganges lägen in der Hibernia=Affäre. Was das Zechenstillegungsgesetz angehe, so sei der Polizeiton der Regierung keineswegs am Platze gewesen, wenn das Gesetz auch sympathisch sein möge. Nach Ansicht des Redners sei es darauf angekommen, da wo noch gute Flöze vorhanden waren, diese zusammen zu legen, daß sie noch einen rationellen Betrieb ermöglichten. Durch diese Maßnahmen wären noch manche Zechen lebensfähig erhalten worden. Er habe dem Minister den Vorschlag gemacht, daß ein Verkoppelungsgesetz für Besitz unter Tage vorgelegt werde. Der negative Erfolg des Bergarbeitergesetzes liege darin, daß man damit gewissermaßen Handel trieb, indem es als Entschädigung für die Wiederaufnahme der Arbeit gelten sollte. Redner hält einen Streik, sofern er loyal und ohne Kontraktbruch geschieht, für erlaubt, doch wie heute die Streiks inszeniert werden, seien sie eine Kalamität für das Land. Redner weist sodann auf das Unhaltbare der Gesetzvorlage über den Maximalarbeitstag hiv. Die sanitäre Vorlage erstrecke sich besser nicht auf die Tempelatuc, sondern auf die Feuchtigkeit der Gruben, da gewöhnlich die heißen Gruben gute Ventilation hätten. Die nationalliberale Partei sei keine Feindin der Arbeiterausschüsse. Sie befürchte nur, das die obligatorischen Ausschüsse, wie sie vom Gesetze vorgesehen seien, einst zu politischen Wühlereien mißbraucht würden. Was die Oeffentlichkeit bei den Wahlen der Arbeiterausschüsse angehe, so sei da, wo Heimlichkeit, auch viel Schmutz. Reichstagsabg. Patzig sprach über Mittelstandsfragen und insbesondere über die Bestrebungen der Privatbeamten. Letzteren bringe der Staatssekretär Posadowsky großes Interesse entgegen. Im statistischen Reichsamt seien Vorarbeiten darüber im Gange, wieweit die Regierung die Wünsche der Privatangestellten zu berücksichtigen in der Lage sei. Diese Arbeiten dürften etwa bis 1907 beendet sein. Was die Lage der Angehörigen des übrigen Mittelstandes betreffe, so sei es eine irrige Annahme, daß sie gehoben werde, durch Aufhebung der Gewerbefreiheit. Schädigungen durch rücksichtslose Konkurrenz solle stets entgegengetreten werden. Wir haben dafür Gesetze, die den Mittelstand schützen. Warenhäuser und Konsumvereine saugen an den kleinen Gewerbetreibenden und auch hier haben wir Gesetze zur Einschränkung der Schäden. Durch übergroße Einschränkurg würde allerdings nichts erreicht, da eine Ueberlastung der Warenhäuser sie schließlich veranlassen werde, den Gesamtbetrieb in Spezialgeschäfte zu zerlegen, sodaß fie überhaupt von der Warenhaussteuer befreit#mürden. Um den Mittelstand ferner zu schützen, brachte die nationalliberale Partei einen Antrag ein, die Ausverkäufe usw. dadurch einzuschränken, daß die betreffenden Manipulanten genötigt werden sollen, ihren Warenbestand an amtlicher Stelle anzugeben. Leider fiel dieser Antrag, bei Eröffnung des Reichstages komme er aber wieder. Rh. W. Ztg. Schwerte, 23. Okt.(Bei einer schweren Schlägerei) wurden Sonntag Nacht der Arbeiter Demgen getötet und zwei Polizisten verletzt. Zwölf Verhaftungen sind vorgenommen worden. Haspe, 24. Okt.(Die Rote Kreuz=Medaille 2. Klasse) wurde Frau Maria Liebe=Harkort hierselbst verliehen; auch Heir Kommerzienrat Gustav Vorsteher in Wetter erhielt die Medaille. Hohenlimburg, 24. Okt.(Tod auf den Schienen.) Der Drahtweber Bangert geriet gestern beim Ueberschreiten der Lennebrücke zwischen zwei Waggons. Dem Manne wurde der Brustkasten eingedrückt, so daß der Tod sofort eintrat. Er hinterläßt eine Frau und 2 Kinder. Unna, 24. Okt.(Flötzbrand.) Auf der Zeche„Königsborn", Schacht 3 und 4, in Altenböge sind im Laufe der vergangenen Woche mehrere Flötze in Brand geraten, welche einen erheblichen Ausfall in der Förderung mit sich bringen. Bei den Versuchen, das brennende Flötz A zuzumauern, brach plötzlich die Mauer infolge des starken Luftdruckes durch. Dabei erlitten verschiedene Maurer und Bergleute Brandwunden bezw. Verletzungen. Die Gase entwickelten sich derart stark, daß die Leute nur mit Brandmasken arbeiten konnten. Münster, 24. Okt.(Der Provinzialausschuß) der Provinz Westfalen hat in seiner Sitzung vom 17. d. Mis. u. a. folgendes beschlossen: Von den auf Grund der Genehmigungsurkunde vom 24. Juli 1901 zulässigen 100 Millionen Mark Schuldverschreibungen des Provinzialverbandes der Provinz Westsalen soll die neunte Reihe von 10 Millionen Mark mit einer Verzinsung von 3½ Prozent hergestellt und in Verkehr gebracht werden. Zur Förderung des Kreis= und Gemeindewegebaues im Jahre 1906 wurden im ganzen 664 463 M. bewilligt. Minden, 23. Okt.(Zwei Falschmünzer) wurden verhaftet, die in mehreren hiesigen Geschäften falsche Ein= und Zweimarkstücke ausgegeben hatten. Ihre Persovalien sind noch nicht fstgestellt. Die Falschmünzerwerkstatt ist anscheinend in Hannover zu suchen. Gelsenkirchen, 23. Okt.(Mord und Selbstmord.) Heute ereignete sich hier ein Mord und Selbstmord. Die 25 jährige Frieda Lauff, Tochter des Berginvaliden Philipp Lauff in Caternberg, welche die Filiale der Firma Thiel in der Schalker Straße führte, unterhielt seit etwa 1½ Jahren ein Verhältnis mit dem Buchbindergehilfen Hellmut Pieploh. In der letzten Zit waren die Beziehungen jedoch locker geworden und in dem Mädchen machte sich eine Abneigung gegen ihren früheren Geliebten geltend, die wohl auf seinen ungeregelten Lebenswandel zurückzuführen war. In den letzten Wochen hielt sich Pieploh in Stralsund auf und ließ nichts mehr von sich hören Plötzlich kam er dann am Freitag nach Gelsenkirchen zurück und versuchte sofort die alten Beziehungen wieder aufzufrischen. Das Mädchen wies ihn dagegen zurück. Nach mehrmaligem vergeblichem Zureden wandte er sich schließlich auch noch an die Eltern des Mädchens in Caternberg. um sich durch ihre Vermittelung die Gunst seiner Geliebten wieder zu erwerben, aber auch diese verweigerten ihm ihre Unterstützung. Gestern war Frieda Lauff bei ihren Eltern und heute Morgen um 8 Uhr kam sie zum Geschäft und verließ es gegen Mittag, um sich nach der Wohnung zu begeben, in welcher sie mit ihrem Bruder zusammen ihre Mittagsmahlzeit einzunehmen pflegte. Als ihr Bruder gegen 1¼ Uhr auch dorthin kam, fand er die Tür verschlossen. Er machte die Hausbewohner darauf aufmerksam und, nachdem ein Polizeisergeant herbeigerufen war, erbrach man die Tür. Hier bot sich ein entsetzlicher Anblick. Beim Eintreten stolperte man zurächst über die Leiche des Pieploh. Er hatte sich an der Tür erhängt. In der Mitte des Zimmers fand man den leblosen Körper der Lauff. Pieploh hatte sie erwürgt und hatte als Mordwerkzeug eine Gardinenschnur benutzt. Die Hausbewohner hatten wohl einen kurzen Wortwechsel gehört, sonst war ihnen aber nichts aufgefallen. Man weiß nicht, ob die beiden zusammen das Haus betraten, oder ob Pieploh sie do t erwartete. Beide Leichen wurden nach dem evangelischen Krankenhau: gebracht. Es ist wohl anzunehmen, daß Pieploh das Mädchen gegen seinen Willen ermordete, besonders nach den Vorgängen in den letzten Tagen. Trotzdem findet auch die Nachricht Verbreitung, daß beide freiwillig in den Tod gegangen sind. Von anderer Seite wird nämlich gemeldet: Gelsenkirchen, 23 Okt. Wie sich jetzt feststellen läßt, hat der Mörder das Mädchen anscheinend mit seiner Einwilligung getötet und zwar erdrosselte er das Mäochen mit einer Gardinenschnur. Der Mörder. Pieploh mit Namen, erhängte sich dann im selben Raume. Köln, 24. Okt.(Kindesmord.) Im benachbarten Kalk wurde heute Morgen die vor vier Wochen von Mülheim=Rhein zugezogene Ehefrau Mathias Körchgen festgenommen. Sie steht im Verdachte, in Gemeinschaft mit ihrem bereits seit Juni d. Is. in Untersuchungshaft befindlichen Manne ihr aus erster Ehe stammendes 4½ Jahre altes Kind vorsätzlich getötet zu haben. Die Eheleute sind seit April d. Is. miteinander verbeiratet. Heinie Tlellihnn. Roman von Ed. Wagner. 13 Nachdruck verboten. Max ergriff eine in seiner Nähe liegende Ruderstange und sprang der nach dem unteren Schiffsraum führenden Treppe zu. In demselben Augenblick schon kam der Kapitän triumphierend mit Lady Blanche, welche, bleich vor Schreck, sich von ihm zu befreien suchte, auf das Verdeck. „Lassen Sie die Dame frei!“ donnerte Max ihm entgegen. „Die Hand zurück von ihr, Verwegener!“... Sein Befehl war von einem Schlag auf des Kapilans arm begleitet, so daß dieser augenblicklich kraftlos niedersank. So befreit, flog Lady Blanche an die Seite des Geliebten, welcher seinen linken Arm um ihre Taille schlang, während seine Rechte die Ruderstange fest umklammert hielt. So stand er stolz und hochaufgerichtet seinen Feinden gegenüber, zur Verteidigung bereit. Der Kapitän stand einen Augenblick wie vom Donner gerührt, dann aber ermannte er sich und beordete mit lautem Ruf die Mannschaft seines Schiffes herbei. „Sie sind Mr. Annesley,“ sprach er, sobald er seine Leute um sich geschaart sah, zu Max gewandt,„ich erkenne Sie an Ihrem Mut. Widerstand kann Ihnen nichts nützen. Bedenken Sie, daß wir alle gegen Sie stehen. Aber weil ich die Tapferkeit achte, selbst an einem Feinde, und well Ihre Heldentaten mir nicht unbekannt geblieben sind, so verspreche ich Ihnen, daß wir Ihre Person und die der jungen Lady mit Respekt behandeln wollen, wenn Sie sich uns freiwillig ergeben!“ Nar blckte um B6,.2.arnsammen urd. Auch das zweite Schiff war inzwischen herungerommen und tag an der andern Seite des Fischerbootes. Fünfzig bewaffnete Männer standen bereit, auf einen Wink ihres Kapitäns ihn zu ergreifen. Jeder Widerstand würde also umsonst gewesen sein. „Ich unterwerfe mich, Kapitän,“ sagte er ruhig,„weil mir nichts anderes übrig bleibt. Ich halte Sie bei Ihrem Versprechen, Lady Blanche zu respektieren!“ „Wir haben unsere Befehle vom Grafen selost. Toro Conelly wird sich mit Lady Blanche verbinden, und wir betrachten und ehren sie als unsere zukünftige Herrin;" erwiderte der Kapitän. muß Sie bitten, sich an Bord meines Schiffes zu begeben! „Noch ein Wort!“ sprach Max.„Diese guten Fischer, was geschieht mit ihnen?“„ „Sie haben dem Befehl Loro Coneuys zuwider gehanbelt, einen Verbannten in Schutz genommen und ihm zur Flucht geholfen,“ antwortete der Kapitän.„Sie müssen uns folgen!“ Nein, das darf nicht sein!“ rief Lady Blanche.„Sie sind meine Freunde! Wagt es nicht, sie anzurühren! Wie auch Befehle des Grafen lauten mögen, er wird es lieber sehen, daß Ihr meine Freunde in Frieden ziehen laßt, wenn ich es wünsche, als daß Ihr sie als Gefangene zu ihm bringt. Laßt sie frei! Ich nehme die ganze Verantwortung auf mich! Wenn der Graf sie später verhaften lossen will, mag er es immerhin tun!“ Der Kapitän überlegte erst einen Augenblick, dann erklärte er, daß Balker und seine Söhne frei seien und fahren könnten, wohin sie wollten. Die Gefangenen wurden an Bord der Shack' gebracht und die gräflichen Schiffe verließen das Fischerboot, welches die Richtung nach der Insel zurück einschlug. Max und Lady Blanche wurden von dem Kapitän in die Kajüte geführt. In der Aussicht auf die ihm zukommende ansehnliche Belohnung seines hohen Gebieters war er überaus höflich gegen seine Otengenen. „Der Graf ist noch auf Schloß Moclean,““ sagte er.„Wir segeln nach Ihrem Schloß, Lady Blanche, bei dem wir unter dem Einfluß dieses Windes binnen drei Stunden anlangen werden.“ Nach diesen Worten zog er sich mit einer tiefen Verbeugung zurück und stellte eine Wache vor der Tür der Kajüte. Max und Lady Blanche sahen einander schweigend an. Es war ihnen beiden so schwer ums Herz, daß sie kein Wort zu sprechen veimochten. Denn was— sollte jetzt werden? Peinlich langsam schlichen ihnen die Minuten dahin, und doch kürzte eine jede, welche entschwand, die Zeit, welche sie noch von ihrem Schicksal trennte. Ernst und schweigend saßen die Gefangenen nebeneinander. Die alte Mary hatte ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckt und weinte; Lady Blanche hatte der Mut in dieser höchsten Not nicht verlassen...,...„ 0 „Gibt es denn kein Mittel, zu entfriehen: Das war die Frage, welche sie wie auch Max sich unausgelegt vorlegten.. Das Schiff, welches bisher gleichmäßig dahingeglitten war, begann plötzlich mit größerer Geschwindigkeit als bisher die Wellen zu durchstreifen. „Es ist etwas vorgefallen!“ sprach Lady Blanche, sich jählings aufrichtend.„Was kann es sein?“ Max äußerte einige Mutmaßungen, die aber alle weit von der Wirklichkeit entfernt waren. Nach der Gefangennahme der Flüchtlinge hatten die Kapitäne der beiden Schiffe miteinander beraten und beschlossen, sich zu trennen. Die„Shack' sollte die Gefangenen zu dem Grafen bringen, während das zweite Schiff in entgegengesetzter Richtung steuerte, um dem andern Teil der in jener Richtung kreuzenden Flotte die Kunde der Gefangennahme der Flüchtlinge zu bringen. Die„Shack' war somit allein und unter dem Schutze nach und nach eingebrochener tieferer Dunkelheit hatte sich, unbemert von den Wachen auf der „Shack', ein weit größeres Schiff dieser letzteren bis auf geringe Entfernung genähert und kam nun mit vollen Segeln auf dassgräfliche Fahrzeug zu. Der Kommandeur„Shack' in dem Glauben, daß es ein Schiff der gräflichen Flotte sei, hemmte den Lauf seines Fahrzenges, so daß das andere noch näher zu kommen vermochte. Der Kommandeur der„Shack' hißte die Flage von Man, doch wurde das Signal von den Ankommenden nicht erwidert, wohl aber setzten sie ihre Fahrt mit voller Geschwindigkeit fort, gerade auf die Shack' zu, bis ganz nahe das fremde Schiff plötzlich seine Flagge aufzog; die Flagge eines Piratenschiffes. Dieser Auzenblick verursagte die größte Bestürzung unter der Mannschaft der„Shack' und man suchte mit aller Kraft sich der drohenden Gefahr zu entziehen. Da das andere Schiff ihnen seitwärts entgegenkam, waren sie gezwungen, ihren Kurs zu ändern. Während dieses Manövers kam jedoch das fremde Schiff näher und näher; es änderte seinen Lauf ebenfalls und als die„Shack' eben wieder mit voller Schnelligkeit fuhr, kreuzte es ihren Weg aufs neue. Gleichzeitig ertönte die Stimme des anderen Kapitäns, Unterwerfung befehlend. Und der Kapitän der„Shack', die Uebermacht des Piraten erkennend, befahl, die Flagge zu streichen und sich zu unterwerfen. Und der Pirat kam heran und enterte das gräfliche Schiff; dann sprangen die verwegen aussehenden Gesellen des fremden Schiffes an Bord der„Shack' und während dieselben sich der Besatzung bemächtigten, begab ihr Kapitän sich mit einigen seiner Leute nach der Kajüte, in welcher die Gefangenen sich befanden. Lady Blanche und Mox empfingen die Eintretenden schweigend. Der Piratenkapitän war ein Mann von hoher, stolzer Gestalt; sein Gesicht war sonnenverbrannt und hatte einen verwegenen Ausdruck. Aus seinen Augen schoß ein Blitz wilder Leidenschaft, als sein Blick auf das schöne gefangene Mädchen fiel, dessen Kleidung und Haltung schon seine edle Abkunft verriet und dessen wunderbare Schönheit ihm die aller Frauen, die er jemals gesehen hatte, zu übertreffen schien. Blanche hatte ihre Augen voll auf den Eintretenden gerichtet; sie sah den wilden Ausdruck, der auf seinen Zügen ausgeprägt lag, und senkte in tiefer Verwirrung die Lider während er sich ihr wäherte. „Sie sind meine Gefangenen!“ erklärte er.„Ich bin Kapitän de la Vigne. Wer sind Sie?“ „Ich bin Max Annesley,“ erwiderte dieser stolz.„Diese Dame hier ist Lady Blanche, die Tochter des verstorbenen Sir Lewis Maelean.“ „Die Tochter von Sir Lewis?“ wiederholte der Pirat.„Der Klang von Ihres Vaters Namen, Mylady, hat wiederholt rühmend mein Ohr erreicht. Auch von Max Annesley habe ich gehöre, daß er furchtlos allen entgegentritt. Sie waren Gefangene des Grafen, wie ich höre?“ — Ein Pr die in Detmold am 27. Novemb manns de la Reo leidigenden Inha schaft geschrieben — Von der in Ostpreußen die Frau Ende der zw erster Gatte, der K lichen Todes, ihr: im Säuferwahnsin geschildert, bestritt als Witwe unlaut dritten Mannes ve die Reise, als die vergiftet worden, u Nachdem viel Arser die Anklage wegen ergab mehrere Ve Verlobte der Ange Ueberzeugung aus, ermordet habe. 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Geilt Deutsa GUUT Vortsetzung folgt.) Fetten Speck Mager Speck Gar. rein. Schi Mettwurst Aus dem Gerichtssaal. — Ein Prozeß wegen Briefschreiberei aus dem Hinterhalt, an die in Detmold verhandelte Lemgoer Briefgeschichte erinnernd, beginnt am 27. November in Bochum. Angeklagt ist die Gattin des Amtmanns de la Roche in Baukau in Westfalen. Sie soll Briese beleidigenden Inhalts an Mitglieder der dortigen und Herner Gesellschaft geschrieben haben. — Von der Anklags des Gattenmordes freigesprochen wurde in Lyck in Ostpreußen die Kaufmannswitwe Manco. Die Angeklagte, seine hübsche Frau Ende der zwanziger Jahre, ist bereits dreimal verheiratet gewesen. Ihr erster Gatte, der Kaufmann Zeisig, starb vor mehreren Jahren eines plötzlichen Todes, ihr zweiter Mann ließ sich scheiden und der dritte erschoß sich im Säuferwahnsinn, wie man sagt. Die Frau wird als sehr liebebedürftig geschildert, bestritt aber in der Verhandlung, zu Lebzeiten ihrer Männer oder als Witwe unlauteren Verkehr gehabt zu haben. Nach dem Tode ihres dritten Mannes verlobte sie sich mit einem Postbeamten. Beide gingen auf die Reise, als die Gerüchte sich immer mehr verdichteten, der erste Gatte sei vergiftet worden, und als die Staatsanwaltschaft die Leiche ausgraben ließ. Nachdem viel Arsenik in dem Körper des Toten festgestellt worden war, wurde die Anklage wegen Giftmordes gegen Frau Marco erhoben. Der Prozeß ergab mehrere Verdachtsmomente. Hauptbelastungszeuge war der frühere Verlobte der Angeklagten, der oben erwähnte Postbeamte. Er sprach die Ueberzeugung aus, daß Frau M. sowohl ihren ersten wie ihren dritten Mann ermordet habe. Auch ihn habe sie zu vergiften versucht. Die Geschworenen gewannen aber aus der Beweisaufnahme nicht die Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten, verneinten vielmehr die Schuldfrage, so daß die Freisprechung erfolgen mußte. + Annen, 26. Okt.(Bergarbeiterversammlung.) Im Hausmann'schen Saale fand am Sonntag eine überaus stark besuchte Belegschaftsversammlung der Zechen Hamburg und Ringeltaube statt und wurden in das Bureau die Kameraden Schlischo, Meiser und Brachmann gewählt. Der Referent Auf der Straße=Bochum sprach über die Berggesetznovelle, über die seitens der Zechenverwaltungen über die Bergleute verhängte Sperre, über die Wahl der Arbeiterausschüsse, die neue Arbeitsordnung und Arbeiterkontrolleure. Es wurde eine diesbezügliche Resolution angenommen, in welcher die verschiedenen Uebelstände gerügt und um deren Abstellung gebeten wurde. In der nachfolgenden Diskussion meldete sich der Fabrikarbeiter Radau von hier, welcher über die ihm zu teil gewordene Kündigung auf der Ziegelei der Zeche Hamburg sprach und dabei das Verhalten des Herrn Betriebsführers, der, wie R. sagte, ihn in einem Unteroffizierton empfangen und angehaucht hätte, und das des Maschinisten, des Ziegelmeisters und mehrerer Arbeitskollegen kritisierte. Von einem anwesenden Mitarbeiter des R. wurden einige Ausführungen sofort als unwahr bezeichnet. Am Schluß seiner Rede kam R. mit der unwahren Behauptung heraus, daß der Herr Polizeikommissar Sondermann ihn in einem Briefe an den Herrn Betriebsführer denunziert habe. Diese Behauptung wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben und wird R. die Gelegenheit geboten worden, dieselbe vor Gericht richtig und feststellen zu können. Hierauf meldete sich der Bergmann Wohlrab zum Wort, welcher die Kündigung der Belegschaftsmitglieder Radau und Welsch als Maßregelung wegen Zugehörigkeit derselben zur Organisation bezeichnete und eine Resolution Zeinbrachte, in welcher Protest gegen eine derartige Handlungsweise erhoben und verlangt wurde, daß alle Kündigungen durch Aushang öffentlich bekannt gegeben würden. Einige Anwesende mahnten noch zum Beitritt zu der Organisation und wurde hierauf die Versammlung geschlossen. — Zur Bewegung der Ruhrbergleute ergreift eine zweifellos von großindustrieller Seite unterrichtete Persönlichkeit das Wort in der„Rh.= Westf. Zig.“ Die Zuschrift erörtert die neuesten Beschwerden der Bergarbeiter und läßt die Lage als ernst erscheinen. Den Unternehmern bleibe eben nichts übrig, als den ihnen aufgedrungenen Kampf aufzunehmen. Die Arbeitgeber müßten von den Arbeitern in der Ausfechtung derartiger Kämpfe lernen. Der Verfasser macht neben der sozialdemokratischen auf die christlichgewerbschaftliche Presse für die Bewegung verantwortlich. Dortmund, 24. Okt.(Vereinbarung der Bergwerksbehörden.) Die mit den westfälischen Kohlenbehörden in engster Fühlung stehende „Allgemeine Zeitung“ schreibt zur gegenwärtigen Lage im theinischwestfälischen Bergwerksbetriebe: Die Bergwerksbehörden hätten zur Aufrechterhaltung des Betriebes Maßnehmen treffen müssen, die sich zu einer probeweisen Vereinbarung nach der Richtung verdichteten, daß vorläufig kein Arbeiter auf einer Zeche angenommen werden soll, der ohne triftige Gründe seine bisherige Arbeitsstätte aufgab. Diese völlig zwanglose Vereinbarung sieht vorläufig einen bestimmten Endtermin vor. Wenn nunmehr in Arbeiterkreisen diese Vereinbarungen als das Freizügigkeitsrecht antastend bekämpft werden, so müsse dem mit aller Entschiedenheit widersprochen werden. — Ein aufregender Vorfall ereignete sich auf der Strecke Dresden—Leipzig. Der Schnellzug, der morgens 8 Uhr von Dresden nach Leipzig fährt, hatte eben, so wird der„Schles. Zig.“ geschrieben, die Station Dahlen in voller Fahrt passiert, als er plötzlich auf freiem Felde hielt. Ein Kind war aus dem Zuge gestürzt. Das verzweifelte Wehegeschrei der Mutter, die wie rasend den Zug entlang lief, setzte die Fahrgäste in nicht geringe Aufregung. Kurz entschlossen gab der Zugführer das Signal zur langsamen Rückfahrt Mehrere Male hielt der Zug, aber von dem Kinde fand sich keine Spur. Ein auf dem zweiten Gleise entgegenkommender Güterzug wurde angehalten und schickte seine Maschine auf die Suche. Endlich kurz vor der Einfahrt in die Station Dahlen, fand man den Aermsten, einen etwa 12 jährigen Knaben, ohnmächtig und anscheinend mit gebrochenen Gliedern. In Wurzen, der nächsten größeren Station, stand schon eine Tragbahre bereit, die Mutter nahm aber ihren Liebling nach Leipzig mit. — Von einer neuen Denkmalsbeschädigung berichtet man aus Charlottenburg bei Berlin, wo erst kürzlich an dem Kaiser=Friedrich= Denkmal entdeckt worden ist, daß die Sporen abgebrochen worden sind. Jetzt wurde festgesellt, daß an dem Denkmal des Prinzen Albrecht der Säbel des Generalstabsoffiziers v. Veisen abgeschlagen worden ist. — Unter dem Verdacht, den Tod von 6 Kindern verursacht zu haben wurde im Hamburger Vorort Barmbeck die Inhaberin einer Privat=Entbindungsanstalt verhaftet. — Großfürst Kyrill von Rußland ist mit seiner Gemahlin von Koburg nach Italien gereist, wo längerer Aufenthalt genommen werden soll. Die Absicht, daß er ein Schloß bei Koburg bauen lassen wolle, wird bestritten. — 60 Millionen Mk. sollen dem Sultan seine 300 Frauen alljährlich kosten. 100 Frauen scheiden in jedem Jahre aus dem Harem aus; sie erhalten angeblich je 150000 Mk. Mitgift. — Rund 5000 Kilometer im Automobil soll die KöniginMutter Margherita von Italien im letzten Sommer auf ihren Fahrten durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz usw. zurückgelegt hiben. In der Schweiz mußte sie eine Geldbuße von 25 Fr. erlegen, weil sie ein ländliches Kegelfest gestört hatte. Humor und Satire. Bochum, 25. Okt.(Hä hiäten lägenen Kopp.) Wurde da einem Mütterchen der Umgegend von der heil. Hermandat der Stellungsbefehl für ihren Sohn überbracht, der aber selbst nicht nwesend war. Als der Beamte die Frau über den Inhalt des Schriftstückes aufklärte, verweigerte sie die Annahme mit den Worten: „Dat Schriewen giewt säm mä selwer, eck glöv nich, dat hai't annimmt un deint, hä hiätt en jägenen Kopp“.— Sprachs und verschwand. Gebreidemartt. (Wochenbericht vom 18. bis 20. Okt. 1905 nach den Märkten von Berlin, Leipzig, Hamburg und New=York.) Die Kauflust hielt auf dem Getreidemarkte in letzter Woche recht gut an und die Preise b haupteten daher den Stand der vorigen Woche. Maßgebend war defür neben dem vermehrten Jalandsbedarfe wohl die feste Haltung des amerikanischen Marktes und die Befürchtung eines zeitigen Frostwetters. Für Weizen und Roggen wurde mehrfach 1 Mark mehr bezihlt. Gerste, Hafer und Mais hielten ihren alten Preis. Einzug in die Residenz ist Verschiedenes. Dresden, 23. Okt.(Raubmord.) Ein furchtbarer Raubmord wurde an einer hiesizen reichen Dame, einer verwitweten Frau Opitz, die in Dresden mehrere Grundstücke besitzt, auf dem Wege von Gohrisch nach Königstein in der sächsischen Schweiz, wo sie ihre Tante besucht hatte, verübt. Die beraubte Leiche wurde dann nach langem Suchen in einem Dickicht des Waldes bei Gohrisch gefunden, Reisetasche und Kleidungsstücke fehlten. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur., Fahrräder* Nahmaschinen. 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Die fürstliche Familie befindet sich auf Lopshorn. Heute Abend fand ein Fackelzug der Detmolder Bürger dorthin statt. Der unbestimmt. — Damit ist der jahrelange Streit um die Thronfolge in dem kleinen Fürstentum Lippe endlich und hoffentlich auch für alle Zeit glücklich erledigt und der Sohn des so viel anzefeindeten verstorbenen GrafRegenten Ernst zur Lippe=Biesterfeld darf nun den lippischen Fürstenthron besteigen. Der Streit um diesen kleinen Thron und die langwierige Erörterung der Frage nach der Ebenbürtigkeit der Biesterfelder hat wahrlich nicht dazu beigetragen, das deutsche Ansehen nach außen hin zu mehren. Nun, da diese Frage erledigt ist, kann man nur die Hoffnung aussprechen, daß sich etwas ähnliches nie mehr in deutschen Landen ereignen möge. Dem monarchischen Geranken wird mit derartigen Straitigkeiten ein schlechter Dienst erwiesen. Unsere heutige Zeit hat auch schließlich andere, wichtigere Fragen und Aufgaben zu lösen, als die der Eben= oder Unebenbärtigkeit alter längst dahingegangener Geschlechter. Wanne, 25. Okt.(Schrecklicher Tod) Der Bahnhofsarbeiter Emil Heß, 21 Jahre alt, wurde gestern 11 Uhr 40 Minuten vom Schnellzuge Köln=Berlin überfahren. Der Kopf und das linke Bein wurden ihm vom Rumpfe getrennt. Paderborn, 25. Okt.(Eisenbahnunglück.) Heute vormittag 10,16 Uhr stieß der Personenzug 667 auf der Haltestelle Borchen infolge falscher Weichenstellung auf einen im Gleise 8 stehenden Arbeitszug. Ein Zugführer wurde anscheinend schwer, ein Zugführer, ein Postbeamter und drei Reisende leicht verletzt. Die leichter verletzten Personen wurden mit dem Personenzuge 667 nach Paderborn gebracht, wo ihnen ärztliche Hilfe zuteil wurde. Der anscheinend schwer verletzte Zugführer wurde in das Paderborner Krankenhaus gebracht. Die Betriebsstörungen sind unerheblich, Entgleisungen sind nicht vorgekommen. Der Materialschaden ist bedeutend. Jeggen(Osnabrück), 25. Okt.(Vatermörder.) Hier wurde kürzlich der Landwirt Aßmann tot aufgefunden. Jetzt hat der Soha ein Geständnis dahin abgelegt, seinen eigenen Vater getötet zu haben. Die furchtbare Tat geschah im Hause und der Sohn steckte die Leiche in einen Sack und trug sie in den Wald, wo sie gefunden wurde. Um die Spur zu verwischen, hatte er die Schuhe seines Vaters angezogen. Köln, 25. Okt.(Dynamit im Pfarrhause.) In der vergangenen Nachte explodierte vor dem Parrhause in Marmagen in der Eifel eine von ruchlofer Hand gelegte Dynamikpatrone. Die Steintreppe, die Tür und 16 Fensterscheiben wurden zertrümmert, ein gegenüberliegendes Haus wurde beschädigt. Das Dynamit soll aus dem Mechernischer Bergwerk gestohlen sein. Vom Täter fehlt jede Spur. Frankfurt a.., 25. Dkt.(Attent auf Schnellzug entdeckt.) Auf den morgens 6,30 Uhr von hier nach Heidelberg fahrenden Schnellzug wurde auf der Strecke Frankfurt=Darmstadt bei Station Luisa ein Attentat gemacht. Eine schwere hölzerne Schwelle war quer über die Schienen geschraubt. Das Attentat wurde im letzten Augenblick entdeckt und der Zug in Luisa angehalten. Thann(Els.), 25. Okt.(Sechs Kinder erstickt.) Die drei Kinder der Stundenfrau Lorenz sind heute früh in Abwesenheit der Mutter im rauchgefüllten Zimmer erstickt. — In Blankenheim in Thüringen erstickten beim Brande eines Armenhauses die drei Kinder des Arbeiters Renke. Rige, 25. Okt.(Raubmord auf offener Straße.) In einer Droschke sollte der Bote eines hiesigen Bankinstituts 25.000 Rubel zur Staatsbank bringen. Er wurde unterwegs überfallen und samt dem Droschkenkutscher erschossen. Die Täter sind mit den 25.000 Rubel entkommen. Petersburg, 25. Okt.(Kriegsgespenster.) Die„Nowose Wremja“, läßt sich aus London telegraphieren, daß ein deutschenglischer Krieg unvermeidlich sei und nahe bevorstehe.(Oho!) Das Blatt bemerkt hierzu, daß Rußland nuamehr vespflichtet sei, für das Gleichgewicht in Europa einzutreten. Auch fordert das Blatt die Lösung der Dardanellenfrage. Dortmunder Stadtichgaters. Freitag, den 27. Oktober. Serie C Nr. 11. Gelbe Karten. Auf7½ Uhr.„Der Familientag“. Lustspiel in 3 Aufzügen von Gustav Kadelburg. Sonnabend, den 28. Oktober. Serie B Nr. 11. Blaue Karten. Anfang 7½ Uhr.„Großstadtluft". Schwank in 4 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Sonntag, 29. Oktob.r. Anfang 3 Uhr. Bei gänzlich aufgehobenem Abonnement. Volksvorstellung zu kleinen Preisen.„Alt Heidelberg“ Schauspiel in 5 Aufzügen von Wilhelm Meyer=Förster. Anfang 8 Uhr. Bei aufgehobenem Abonnement.(Jahreskarten gültig.)„Der Wosfenschmied.“ Komische Oper in 8 Aufzügen von Albert Loitzing. wo Wir machen unsere werten Leser auf den der heutigen Nr. beiliegenden Lotterie=Prosrekt betr. Kgl. Preuß. Klassenlotterie der Firma F. Hayen u. Co. Arnheim a. Rh. besonders aufmerksam mit dem Bemerken, daß, da die Schluß=Zehung schon am 7. November beginnt, umgehende Bestellung geboten erscheint. Grüsstes Handarbeitenblatt der Welt Verlag: John Heury Schwerin, Berlin W. 35.Monatlich erscheint eine Sseitige Nummer in Cromtolio-Format, alle nur möglichen Techniken enthaltend, mit grossem Contourenbonen (natur grosse Vorlagen zum Durch pausen ete). Vierteljährlich Sfarb.Handarbeiten-Lithographien. Abonsementspreis: Viertelj ührI H Df bei all. Bachhandl. u. Postanstält 10FI. Otto Blumberg Germania-Drogerie. Tektoren. Gräßlich, Am Mittwoch, den 25. d. Mts. ist auf der Bergstraße eine goldene Damenuhr verloren gegangen. Wiederbringer erhält Belohnung. 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Geld-Darlehne lung, 5 Proz, Schneeweiß, Verlin, Kachsenowearstr en. Rüchr. Annener Zegenzucht-Verein. Wir offerieren unsere Böcke und stehen dieselbenzum Decken bereit: Grosse Borbach 10 und esesiene 8 Der Vorstand. Belohnung. Unterzeichneter Verein zahlt demjenigen zue. 5, der einen Täter, welcher unsere unter dem militärischen Schutz befindlichen Brieftauben scbießt, derart namhaft macht, daß eine gerichtliche Belangung erfolgen kann. 899 NB. Die geschossenen oder verletzten Tauben tragen unter den Flügeln einen Reichsadlerstempel und ist besser ganze Taube, oder dermitgenanntem Stempelversehene Flügel bei Wirt Helle abzuliefern. Brieftauben=Verein 19 55 Ein Posten getragene Aeverssicher und Paletot, (zirka 200 Stück), sowie die vom Verkauf erübrigten Taschenuhren, Anzüge, Joppen, Hosen, Westen, Frauenkleider, sind billig während der Geschästsstunden zu haben im Ku. Jon. Kiln. Woln. Eingang Gerberstraße. 2069 Donnerstag u. Freitag großen, mittel und kleinen Möller, Annen. 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