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Redaction, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte.

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M. 16.

Mittwoch, 23. Februar 1881.

14. Jahrgang.

mit 10 Pfg rechnet.

Das Gesetz wider die Trunksucht,

welches im Entwurf dem Bundesrat vorligt, enthält 5 Paragraphen. Es wird darnach mit Geldstrafe bis zu 100 Mark oder mit Haft bis zu 2 Wochen bestraft, wer in einem nicht unverschuldeten Zustande ärgernis­erregender Trunkenheit an öffentlichen Orten betroffen wird. Bei sich wiederholenden Fällen kann nur auf Haftstrafe erkannt werden. Trunkenheit bis zur Un­zurechnungsfähigkeit schützt nicht mehr vor Bestrafung, die Strafe ist nach dem Gesetz festzusetzen, welches auf die in freier Willensbestimmung begangene Hand­lung Anwendung finden würde, doch tritt Milderung der Strafe ein mit Ausnahme derjenigen Fälle, in welchen der Thäter in der auf Begehung der strafbaren Handlungen gerichteten Absicht sich in den Zustand der Trunkenheit versetzt hat. Bei Verurteilungen im Wieder­holungsfalle kann auf Schmälerung der Kost bei der zu verbüßenden Gefängnis= oder Haftstrafe in der Weise erkannt werden, daß für den ersten, dritten, siebenten und demgemäß jeden siebenten Tag die Kost auf Wasser und Brot beschränkt wird, falls der körperliche Zustand es gestattet. Auch kann auf eine Nachhaft im Arbeits­hause oder eine Unterbringung in einem zur Heilung der Trunksüchtigen bestimmten Asyle erkannt werden.

Deutsches Reich.

Deutscher Reichstag.

Am Dienstag, den 15. Februar, um 2 Uhr, wurde im weißen Saale des Königlichen Schlosses der Reichtag durch den Stellvertreter des Reichs­kanzlers im Auftrage Seiner Majestät des Kaisers eröffnet. Es war nur eine geringe Zahl von Ab­geordneten erschienen, welche die verlesene Thronrede mit achtungsvollem Ernst anhörten und namentlich den Schlußsatz, melcher von den friedlichen Be­ziehungen des Reichs zu den übrigen Mächten spricht, mit fröhlicher Acclamation begrüßten. Mit dem vom früheren Präsidenten des Reichstags ausgebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloß der feier liche Akt in, gewohnter Weise. Darauf hielt um 3 Uhr der Reichstag seine erste Sitzung, welche lediglich geschäftlichen Mitteilungen gewidmet war. Der Namensaufruf ergab nur die Anwesenheit von 183 Mitgliedern, mithin war der Reichstag noch nicht be­schlußfähig.

Am Mittwoch fand die Wahl der Präsidenten statt; es wurden gewählt als Präsident: Graf v. Arnim=Boitzenburg mit 147 Stimmen(gegen v. Seydewitz 91 Stimmen). Als Vicepräsident: Freiherr zu Frankenstein mit 149 Stimmen gegen Dr. Stephany 101 Stimmen). Als 2. Vicepräsident: Ackermann mit 179 Stimmen. Der Präsident hat sich noch nicht über die Annahme der Wahl ent­schieden; er war abwesend.

Der Reichstag mußte am Donnerstag die Wahl seines ersten Präsidenten wiederholen, nachdem

der gestern gewählte bisherige Präsident Graf Arnim Boitzenburg erklärt hatte, er werde die Präsidenten­stelle nur annehmen, wenn kein Klerikaler in das Präsidium gewählt werde. Die Wahl fiel nun den Abgeordneten Dr. v. Goßler, Unterstaatssekretär Kultusministerium und Mitglied der Deutsch= konservativen Fraktion des Reichstages.— Die nächste Sitzung des Reichstages wurde auf heute über Tage anberaumt.

Der Reichstag wird sich zunächst mit Steuerge­setzen und der Ausbildung des Systems der indirekten Reichseinnahmen, mit dem Unfallversicherungsgesetz für die Arbeiter, mit dem Innungsgesetz, dem Trunken­heitsgesetz, mit Stempelabgaben(Quittungssteuer) und der Brausteuer und mit der Einführung von zwei­jährigen Gesetzgebungs= und Etats=Perioden an Stelle der seitherigen einjährigen. Das ist das Programm der Regierung. Es kommt Alles auf die Ausführung an; Steine und Blöcke liegen genug im Wege und jede Partei und jede Fraktion fast bringt ihr eigenes Programm mit. Programme sind Rahmen; wie sie ausgefüllt werden, das ist die Hauptsache. Den Frie­den unter den großen Reichen Europas glaubt die Thronrede verbürgen zu können. Das ist ein großes und wertvolles Wort; wenn sie auch nur den Frieden im Reichstag verbürgen könnte. Bei der Präsidenten­wahl ist der Krieg schon ausgebrochen.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus genehmigte am Dienstag, 15. Februar, in der Schlußabstimmung das Zu­ständigkeitsgesetz definitiv. Die ganze Sitzung hatte kaum eine halbe Stunde gedauert.

In der Mittwochs=Sitzung erledigte es zunächst einige Petitionen und trat dann in die erste und zweite Beratung des Antrags Zelle, bezüglich der Unterbringung verwahrloseter Kinder, ein. Der in Form eines Gesetzentwurfes eingebrachte Antrat wurde mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität angenommen. Dann beschäftigte sich das Haus mit dem Antrage Windthorst, betreffend die Aufhebung des Sperrgesetzes. Nachdem der Antragsteller die Annahme seines Antrages empfohlen und auch die Abgg. Reichensperger(Olpe) und v. Schorlemer für denselben, niemand aber gegen den Antrag gesprochen, wurde Letzterer abgelehnt. Dafür nur das Zentrum, die Polen und einige Konservative. Damit war die Tageserdnung erschöpft. Herrenhaus.

Im Herrenhause hatte die Kommission den dauernden Steuererlaß abgelehnt und nur den einmaligen bewilligt. Die Gefahr war vor­handen, daß das hohe Haus auch im Plenum die Ablehnung beschließen würde, deshalb trat in der Mittwochs=Sitzung Fürst Bismarck persönlich

ein und bat, daß ihm das Herrenhaus einen Teil des Beistandes leiste, dessen er von preußischer Seite bedürfe. Er bedaure, mit der Reform noch nicht weiter gekommen zu sein, weil ihm so viele Hinder­nisse in den Weg gelegt würden. Es habe sich gezeigt, daß das Gesetz von 1880 über die Ver­wendung der Ueberschüsse noch nicht genüge, um die Gegner zu entwaffnen, deshalb sei die Regierung in Preußen entschlossen mit einem Steuererlasse vor gegangen, natürlich in der Absicht, den Steuer­erlaß zu wiederholen. Bei der lebhaften Unter­stützung, die die Politik der Regierung stets in diesem Hause gefunden habe, würde bei einem solchen Vto niemand an die Aufrichtigkeit der Politik der Re­gierung glauben und dadurch würde die gesamte Fortentwickelung der Steuerreform nicht nur aufge­halten, sondern wahrscheinlich rückgängig gemacht werden. Deshalb sei er heute hier mit Hintansetzung seiner Gesundheitsinteressen erschienen, um Zeugnis abzulegen für die Intentionen der Regierung. Was die heute hier vorgebrachten Klagen anbetreffe, so gehe es uns noch weit besser, als den Be­wohnern aller anderen Staaten. In ganz Europa seien die Zustände derart, daß von uns Keiner mit ihnen tauschen werde. Er ermahnte das Haus, loyal zu sein und ihn nicht im Stiche zu lassen und schloß seine eindringliche Rede mit den Worten:„Ich bitte Sie geben Sie mir keinen Korb!“— Die Beratung wurde auf Don nerstag vertagt.

In der Sitzung am Donnerstag brachte der Fürst zu Putbus zur Kenntnis des Hauses, daß er versucht habe, vom Abgeordneten Richter, die zwischen gebildeten Leuten übliche Genugthuung dafür zu erhalten, daß Letzterer in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 12. Novemder schwere Beleidigungen gegen ihn ausgesprochen habe, Herr Richter habe sich jedoch hinter seine Unverantwortlichkeit als Abgeordneter zurückgezogen! Darauf wurde die gestern abgebrochene Beratung des Steuererlaß gesetzes weiter geführt. Minister a. D. Camphausen griff die Vorlage an, welche Fürst Bismarck mit aller Energie verteidigte und darthat, daß Camp­hausen, der mit dem Milliardensegen gewirtschaftet, die finanzielle Voraussicht gefehlt habe. Die heutige Rede Camphausens sei die stärkste Verurteilung, die dessen Geschäftsführung erfahren konnte. Herr Camphausen beschwerte sich nunmehr darüber, daß ihm so der Dank für 7jähriges Zusammenwirken mit dem Reichstag zu teil werde. Darauf erwiderte der Fürst Bismarck, daß Herr Camphausen sich durch sein heutiges Auftreten jeden Anspruches auf Dank entäußert habe.

Das Herrenhaus stimmte in der Freitags­Sitzung, welcher auch Fürst Bismarck beiwohnte, für den dauernden Steuererlaß.

Die Woche fängt nicht gut an, Verstimmung, Er­bitterung und Kampf im Reichstage über die Prä­sidentenwahl; Verstimmung, bittere Erinnerungen und Vorwürfe und persönliche Kämpfe im Herrenhause — wohin ist die„angenehme Temperatur“ gekom­men! Mit einem Sprung sind wir mitten in der großen und lärmenden Politik. Die Klagen über die politische Windstille sind verflogen wie das Jammern im Januar, daß wir keinen ordentlichen Winter be­iommen. Mancher singt nun: politisch Lied ein garstig Lied. Wir müssen das Wetter nehmen, wie's kommt und daran denken, daß jeder Sturm die Luft reinigt. Was das Jammern über die Zustände in Deutschland betrifft, so machte Fürst Bismarck, den man gern für das Wetter in Deutschland verantwortlich macht, seinem Herzen im Herrenhause mit folgender Umschau Luft:„Wenn ich unsere Lage mit der anderer Länder vergleiche, so finde ich, es geht uns im Ganzen besser, als den meisten andern Ländern. Sehen Sie doch einmal sich in Europa um, vom äußersten Osten bis zum äußersten Westen, von der reichsten und uns in der Civilisation wenigstens gleichstehenden Nation bis zur Spitze von Morea, von Gibraltar bis zur Newa, finden Sie irgendwo Zustände, mit denen Sie zu lauschen bereit, finden Sie irgend ein Land, dessen Zustände so verführerisch auf Sie wirken, daß Sie sagen möchten, da laßt uns hinziehen, daß wir den schweren Druck, den gefährdeten Zuständen der düsteren Zukunft, die wolkenschwer über uns hängen, und wie alle die Zeitungsphrasen lauten, entrinnen und endlich in den sicheren Hafen einlaufen; ich will kein Land nennen. Deshalb haben die Klagen viel Unberech­tigtes, und wir können es bei uns noch recht lange so aushalten, wie es jetzt ist.

Das war aber nur das sanfte Präludium oder Vorspiel. Die vollen Register zog der Kanzler, als sein früherer Kollege, der Finanzminister Camp­hausen, gegen die jetzige Finanzwirthschaft und gegen den dauernden Steuerlaß eine von dem vollen Gewicht seiner Autorität getragene Opposition erhob, indem er sagte, die jetzige Finanz= und Steuer=Politik widerstreite der alten und gesunden preußischen Politik. Da brach Bismarck los. Es geht, antwortete er, in der Finanzwirtschaft wie mit einem Landgute: ein heruntergewirtschaftetes Gut kann man nicht leicht wieder in die Höhe bringen. Herr Camphausen hat als Finanzminister die sieben fetten Jahre für sich gehabt und er hat nichts dafür gethan, daß uns in den nachfolgenden sieben mageren Jahren etwas blieb. Als sie aber kamen, hat er sich gegen meinen Wunsch zurückgezogen und mir große Sorgen hinterlassen. Sein Nachfolger, Kollege Bitter, arbeitet nun daran, das wieder gut zu machen, was Herr Camphaufen schlecht gemacht hat und hat ein Recht auf Unterstützung. Camp­hausens gute Eigenschaften überragen die minder guten; er hat die Kassen in vortrefflicher Ordnung

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6) Gründer und Arbeiter.

Roman aus der Zeit des großen Krachs

von Karl Zastrow. (Fortsetzung.)

Der Kommerzienrat Frank schenkte all' diesen Vorgängen nur eine geringe Aufmerksamkeit. War er sich doch bewußt, das physische Wohl seiner Ar beiter stets nach Kräften gefördert zu haben. Die Organisation des Arbeiterkorps war sein eigenstes Werk, wie er zu sagen pflegte, und es war seine tiefinnerste Ueberzeugung, daß dieselbe nichts zu wünschen übrig ließ. Er nannte seine Fabrik einen Staat im Kleinen, an dem mancher größere Staat sich ein Muster nehmen könne, und wer ihm gesagt hätte, daß der Geist des Aufruhrs auch in seinem patriarchalischen Institut rumore, würde höchstens ein ungläubiges Lächeln als Antwort erhalten haben. Er saß gerade, mit der Durchsicht des riesigen Hauptbuches beschäftigt, vor seinem Arbeitspulte, als der Hausdiener eintrat und ihm den Besuch eines Herrn meldete, der ihn in einer dringenden Ange­legenheit zu sprechen wünsche.

Gleich darauf trat ein elegant gekleideter, etwas korpulenter Herr in den fünfziger Jahren ein. Die rosige Fülle des glattrasiertrn Gesichts zeugte von behaglichem Genuß. Das goldene Pincenez, die schwere goldene Uhrkette mit Berlocken verrieten, daß der Besucher es liebte, seinen Reichtum zur Schau zu tragen.

„Mein Name ist Eisenstein, Bankier Eisenstein,“ stellte der Ankömmling nach der ersten Begrüßung sich vor,„ich komme in geschäftlichen Angelegenheiten, Herr Kommerzienrat!“

Frank deutete mit der Rechten auf einen Sessel. Der Sprecher fuhr fort:

„Sie gestatten mir wohl, ohne Umschweife zu sprechen, Herr Kommerzienrat! Es kursierte vor einiger Zeit ein Gerücht wonach Sie Ihre Fabrik verkaufen wollten.“

„Ich hatte allerdings einmal eine derartige Aeußerung gethan, mein Herr," versetzte Frank lächelnd.„Das Alter kommt und einen Sohn, der das Haus in meinem Geiste weiterleiten könnte,

besitze ich nicht. Ich bin jedoch von diesem Plane bald wieder zurückgekommen. Darf ich mir die Frage erlauben, aus welchem Grunde Sie auf diesen Punkt zurückkommen?“

„Die Sache ist sehr einfach, Herr Kommerzienrat. Eine Gesellschaft höchst ehrenwerter bemittelter Männer möchte gern ihre überflüssigen Kapitalien in einem soliden gemeinnützigen Unternehmen, wie das Ihre doch einmal ist, anlegen. Die Herren haben mich beauftragt."—

„Ich verstehe“ unterbrach der Kommerzienrat mit sarkastischem Lächeln,„Sie wollen Etwas gründen und möchten gern meine renommierten Etablissements erwerben, um sie auszuschlachten.“

O, bitte, Herr Kommerzienrat! Nicht diese pro­fane Bezeichnung für derlei zeitgemäße humane Be­strebungen der Neuzeit. Offen gestanden, Herr Kom­merzienrat, ich beobachte den Gang Ihres Geschäfts schon eine geraume Zeit. Allen Respekt vor Ihrem praktischen sicheren Blick, Ihrer Umsicht, Ihrem Ver­waltungstalent. Alle Achtung vor den soliden Prinzipien, auf welchen Ihre Unternehmungen basieren. Aber, bester Herr Kommerzienrat, Sie mögen es ungütig nehmen oder nicht, diese Prinzipien sind doch nun einmal veraltet. Die Neuzeit hat Sie überholt, Herr Kommerzienrat! Die Zeiten sind andere geworden. Wir, die Männer vom Geldmarkt, vermögen es zu beurteilen, und es ist unsere Pflicht, die Herren Industriellen darauf aufmerksam zu machen.“

„Gewiß, und ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Eisenstein!“

„Was soll ich Ihnen noch sagen, Herr Kom­merzienrat? In maßgebenden Kreisen herrscht die Ansicht, daß Sie mehr, weit mehr verdienen könnten, wenn Sie—“

„Die Sache richtig anfassen. Nicht wahr, das wollten Sie sagen?“

„Ungefähr, nickte Eisenstein und lachte gezwungen. Der Kommerzienrat lachte auch, aber sein Lachen kam vom Herzen und machte auf den Andern einen verblüffenden Eindruck.

„Ich habe mir das Alles schon selbst gesagt," nickte er dann,„aber wir wollen doch lieber bei der alten Methode bleiben.“

„Ein Wort im Vertrauen, Herr Kommerzienrat. Wenn gewisse für jetzt noch nicht zu übersehende Umstände Sie über kurz oder lang dennoch zu einem Verkauf Ihrer Etablissements drängen sollten, du lieber Gott, man kann ja in unserer rasch lebenden Zeit niemals wissen, was heut oder morgen sich er­eignet... wollen Sie sich meiner dann gütigst er­innern?“

„Mit dem größten Vergnügen, mein Herr! In­dessen. ich hoffe, daß dieser Zeitpunkt nie ein­treten wird.“

Der Kommerzienrat erhob sich nach diesen Worten und gab dadurch zu verstehen, daß die Unterredung beendet sei.

Eisenstein empfahl sich in der jovialen Weise eines Lebemannes, der mit angesehenen Geschafts­leuten und Geldmännern auf Du und Du steht, sprach jedoch dabei die Hoffnung aus, daß das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen sein möge.

Kaum hatte der Besucher sich entfernt, als Friedrich, der Hausdiener, von Neuem eintrat und eine Depu tation von Arbeitern meldete, die dem Herrn Prinzipal eine Angelegenheit von Wichtigkeit vorzutragen hätte.

„Lassen Sie die Leute eintreten, Friedrich,“ sagte Frank noch lächelnd in dem Gedanken an den sonder­baren Repräsentanten der Gründergesellschaft, welcher ihn soeben verlassen hatte.

Ungefähr sechs Männer in schwarzen Anzügen traten mit feierlichen Gesichtern ein. Frank erkannte

in ihnen durchweg fleißige und zuverlässige Arbeiter seiner Fabrik. An ihrer Spitze stand ein alter Werk­meister, welcher bereits drei Dezennien hindurch seine Kräfte den Frank'schen Unternehmungen gewidmet hatte.

„Guten Morgen, Kinder!“ redete der Fabrikherr sie gütig an.„Nun?.... Was bringt Ihr Gutes? Setzt Euch und schießt los.“

Eine gewisse Verlegenheit gab sich in den Zügen Donnerts, des alten Werkmeisters zu erkennen, als er das Auge des Prinzipals mit ernstfragendem Ausdruck auf sich gerichtet sah. Mit einem scheuen Rundblick auf die hinter ihm stehenden Gefährten

begann er:

„Herr Kommerzienrat, die Zeiten sind andere geworden.“—

„Es ist merkwürdig, wie dieses Lied jetzt in allen Tonarten gesungen wird," unterbrach ihn Frank. „Ich höre es heute schon zum zweiten Mal.“

Donnerts Verlegenheit stieg. Er räusperte sich und wußte offenbar nicht, wie er fortfahren sollte. Ein Puff in die Seite, mit welchem der zunächst stehende Arbeiter ihn regalierte, zwang ihn, seine Entschlossenheit zusammenzuraffen.

„Ja Herr Kommerzienrat, die Zeiten sind andere geworden. Und da wir das wissen und täglich sehen, so wollten wir den Herrn Kommerzienrat bitten, ein Uebriges zu thun und—“

Er hielt inne und blickte scheu zur Erde. Es war offenbar, daß er den ernsten, würdevollen Blick des alten Herrn nicht zu ertragen vermochte.

Der zunächststehende Arbeiter, ein trotziger Bursche mit finsteren Zügen und einem stechenden Augenpaar, drängte den Alten bei Seite, trat entschlossen einen Schritt vor und deendete die begonnene Ansprache in folgender Weise:

„Die Sache ist nämlich die, Herr Kommerzienrat. Wir, die Arbeiter, wollen uns nicht mehr vom Kapital unterjochen lassen, wie der Wurm von den Hufen des Pferdes zermalmt wird. Wir wollen mit dem Kapital einigermaßen Schritt halten und auch vor­

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