Nr. 134.
Mittwoch, den 15. Juni 1898.
30. Jahrgang.
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Organ für Stadt& Amt
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet vierteljährlich inel. Botenlohn 2 Mk., in der Geschäftsstelle 1.75 Mk. vorauszahlbar.(Im Poschebiet 2 Mk.)
& Amt Aeckendorf.
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Schriftleitung, Druck und Verlag von Carl Busch in Wattenscheid.
Telephon Nr. 181.
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Ratiolamberuie Partehr
Unser Reichstags-Candidat ist:
gert Füermant-Hermahh-Prankenu-Sehalke.
Am 16. Juni befindet sich das Bureau der nationalliberalen Partei im Haussaale des Herrn Theod. Ahlmann.
Verkündigung der Wahlresultate von Abends 6,30 Uhr ab im großen Saale daselbst. Eintritt 20 Pfg.
Das Wahlcomité.
Heil dem Kaiser,
15. Juni 1898.
Was hat gesungen des Volkes Mlund?
Was hat geklungen im tiefsten Grund Der Herzen verheißend und ferne zugleich? Ein Raiser! Ein Kaiser!
Ein neues deutsches Reich!
Endlich dem Schoße des Berges entstieg Wilhelm der Große zu herrlichem Sieg.
Es ruhet sein Erbe in sicherer Hand Der Kaiser, der Kaiser,
Beschirmt das deutsche Land.
Mag es auch toben im inneren Streit,
Was alle loben— Gerechtigkeit—,
Der Arme, der Tücht'ge, wo trifft er sie an?
Beim Kaiser, beim Kaiser,
Das ist der rechte Mann.
Was hat geklungen so mächtig und hehr? Was sei gesungen vom Fels bis zum Meer Mit Schwüren der Treue und klinge so fort?
„Mein Kaiser, mein Kaiser,
Du aller Deutschen Hort!“
Ein Rückblick
zum 10jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers.
Don der Grabstätte des Großvaters und Daters hinweg berief die Dorsehung unsern jugendlichen Kaiser Wilhelm 2. auf den Chron. Wohl mochte sein Inneres noch schmerzlich zucken, aber die Hand ergriff fest und kraftvoll das Szepter des Hohenzollernstammes.„Mein ganzes Streben und Akeine ganze Arbeit ist darauf gerichtet, Mein Daterland groß, mächtig und geachtet zu sehen. Don diesem Vorsatz beseelt, bestieg Ich den Chron.“ So das Gelübde unseres Kaisers, und wahrlich er hat es bisher treulich erfüllt. Wahre Fürstengröße beruht auf dem schnellen und sichern Verständnisse für die wechselnden Anforderungen der Zeit. Und eben dieses Verständnis ist unserm Kaiser im höchsten Grade eigen; in dem thatkräftigen Erfassen dessen, was der Zeit vornehmlich noth thut, liegt das Geheimnis seiner staatsmännischen Größe. Daher lautet sein Wahlspruch:„Dom Fels zum Meer!“ Die geschichtlichen Verhältnisse haben sich von Grund auf geändert. Die politische Haltung der übrigen Staaten uns gegenüber wird schon jetzt und noch mehr in Zukunft wesentlich dadurch bestimmt werden, ob sie mit unserer Flotte, mit unseren auswärtigen Stationen und Hilfsmitteln rechnen müssen oder nicht. Das hat unser Kaiser klar er
kannt, und deshalb nimmt in seiner landesväterlichen Fürsorge das Streben für die Flotte und das„größere Deutschland“ eine der ersten Stellen ein Crübe Uebel der Verstimmuna hingen noch vor Monden auf Deutschland hernieder. Da erscholl die Runde von der Erwerbung Kiautschous an Chinas Gestaden. Unsere auswärtige Dolitik hatte einen nie geahnten Criumph gefeiert, der wirthschaftlichen Entwickelung war eine neue Bahn eröffnet worden, auch wir hatten im fernen Osten unsern Olatz an der Sonne erhalten. Niemand anders aber als unser Kaiser selber ist die treibende Kraft der so überaus planvoll und zielbewußt durchgeführten Aktion gewesen; ihm in erster Linie verdanken wir jenen wundersamen Erfolg mitten im Frieden. Mitten im Frieden! Ja, Kaiser Wilhelm 2. ist ein Friedensfürst durch und durch. Im vertrauten Freundeskreise hat er es einst ausgesprochen:„Ich würde einen Arieg nicht beginnen, wenn ich wüßte, daß ich, wenn ich ihn noch aufschiebe, noch ein einziges Jahr, nein, einen einzigen Monat den Frieden sichern könnte; ich würde auf den Sieg meiner guten Sache bauen, auch wenn die Aussichten auf beiden Seiten gleich wären und ich keinen Vorsprung auf der Meinigen hätte. Es ist viel gewonnen,
wenn man einige Wochen mehr frieden hat.“ In diesem
Sinne wird die Dolitik Deutschlands seit der Chronbesteigung Wilhelms 2. geleitet; es ist eine Friedenspolitik im wahrsten Sinne des Wortes. Der Segen des Friedens aber empfängt seinen vollen Gehalt erst durch Förderung der Wohlfahrt im Innern. Und wahrlich, auch in dieser Hinsicht sind die verflossenen 10 Jahre ein bedeutungsvoller Abschnitt deutscher Geschichte. Mit Feuereifer und männlicher Chatkraft hat Wilhelm 2. das Banner volksfreundlicher Social=Reform ergriffen, welches sein Großvater einst entfaltet, und sonder Schwanken bis heute hochgehalten. Freilich nicht in dem engherzigen und einseitigen Sinne, wie manche unberufene Cadler es wünschen. Wahrhaft königliche Art ist es, den Blick stets auf die Gesamtheit der Unterthanen gerichtet zu halten Demselben Boden landesväterlicher Fürsorge, in welchem der Arbeiterschutz und die Arbeiter=Versicherung wurzeln, ist darum zugleich auch die Steuerreform, die Handwerks=Organisation und die ganze Reihe der den Nothstand der Landwirthschaft mildernden Maßnahmen entsprossen. Mit innigem Dank gegen Gott vermögen wir auf die ersten 10 Jahre Regierungszeit Kaiser Wilhelms 2. zurückzublicken. Gottes Segen ruht sichtbarlich auf dem Chun des Kaisers, insonderheit auf dem Friedenswerke, dem unser Herrscher sein bestes Können geweiht. Wir wissen aber auch, daß der Born, aus dem das kaiserliche Handeln quillt, Gottergebenheit und tiefer Gottesglauben ist. Das giebt dem deutschen Dolke die Bürgschaft, daß auch ferner Gottes Segen und Schutz walten werde über Kaiser und Reich. Heil dern Kaiser!
Teuscheand
Berlin, 14. Juni. Unter Hinweis auf den Umstand, daß Viceadmiral v. Diederichs bei den Philippinen über 4 deutsche Kriegsschiffe und 3005 Mann bestgeschulter Truppen verfügen wird, gibt die Marinepolitische Correspondenz eine Zuschrift wieder, worin es heißt: Die Ansammlung einer so
ansehnlichen deutschen Flottenmacht an dem gegenwärtigen Brennpunkte der politischen Interessen in Oftasien kann uns nur mit großer Befriedigung erfüllen. Zeigt sie doch, daß die Leitung der auswärtigen Politik des Reiches bereit ist, in vollstem Umfange Deutschlands Interessen in jenem Inselgebiet wahrzunehmen. Mit größerm Rechte als fremde Nationen, die eine Festsetzung auf den dem spanischen Königreiche verloren gehenden Philippinen erstreben, kann Deutschland dort, ohne irgendwie der politischen Gestaltung der Dinge zu nahe zu treten, einen Stützpunkt für seine Interessen beanspruchen; denn es wird allem Anschein nach darauf ankommen, gegen die Zügellosigkeit der Eingeborenen eine feste Position zu gewinnen. Eine solche ist einem Gebiete, in welchem bedeutende deutsche Interessen vorhanden sind, unseres Erachtens eine Notwendigkeit, und zwar umsomehr, als unsere Kriegs= und Handelsschiffe in dem weitgedehnten und kommerziell wichtigen ostasiatisch. Gebiete außer Kiautschou keinen eigenen Hafen besitzen.
— Das Kaiserpaar unternahm heute früh den gewohnten Spaziergang im Thiergarten. Später konferirte der Kaiser mit Minister v. Bülow und hörte von 10 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, General v. Hahnke und des Chefs des Marinekabinets, Kontreadmirals Frhrn. von Senden=Bibran. Hierauf empsing der Kaiser den kaiserlich deutschen Konsul in Jerusalem Dr. v. Tischendorf.
— Ein Barackenlager für den Kaiser ist hergestellt worden, um zunächst in Helgoland aufgeschlagen zu werden; das hier auszuprobierende Lager soll vom Kaiser nach Palästina mitgenommen werden.
— Die beiden kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar werden in Begleitung ihres Gouverneurs, des Premierleutnants v. Rauch, ihre Reise nach Bad Kreuznach heute (14.) antreten.„ En u. 8.
— Anfang Juli begibt sich die Kaiserin Friedrich in Begleitung ihrer ältesten Tochter, der Erbprinzessin Charlotte
von Sachsen=Meiningen, und ihrer Enkelin, der Prinzessin
Feodora von Meiningen, nach England zu 14tägigem Besuch ihrer königl. Mutter.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz betr. die
elektrischen Maßeinheiten..,ag, ig Gurt, Veant.
— Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe ist heute Abend 6
Uhr hier eingetroffen.
— Der Gewerbe=Minister hat sich für Bildung von Handwerkerkammern in Aachen, Koblenz, Düsseldorf, Köln und Saarbrücken(für Trier) entschieden. Der Kammer in Saarbrücken soll das Fürstentum Birkenfeld auf den Antrag der oldenburgischen Landesregierung in der Weise angeschlössen werden, daß für Birkenfeld eine Abteilung errichtet wird. Für die Kammer des Regierungsbezirks Düsseldorf sollen 6 Abteilungen gebildet werden, welche ihren Sitz in Düsseldorf, Duisburg, Essen, Elberfeld, München=Gladbach und Krefeld erhalten.
— Finanzminister Dr. Miquel stellte in einem Schreiben an den Bund der Handel= und Gewerbetreibenden ein landesgesetzliches Eingreifen gegen Großbazare in Aussicht, falls die anempfohlene Kommunal=Besteuerung sich als nutzlos erweisen sollte.
— Der österreichische Botschafter v. Szögyenyi=Marich und seine Gemahlin feiern heute(14). auf ihrem Gute Csoor bei Stuhlweißenburg das Fest ihrer silbernen Hochzeit im Kreise ihrer Familie. Der Botschafter bekleidet seinen hiesigen Posten als Nachfolger des vor kurzem verstorbenen Grafen Emmerich Szechenyi seit 6 Jahren. Er hat seinerseits die guten Beziehungen zwischen den beiden engverbündeten Nachbarreichen aufs kräftigste gefördert und erfreut sich in gleicher Weise des Vertrauens des Kaisers Franz Joseph wie des deutschen Kaisers, der ihn häufiger mit seinem Besuche beehrt.
— Die Erfahrungen, welche man in Brasilien mit den Wahlkonsuln macht, lassen es als dringlich nothwendig erscheinen, daß jetzt der von deutscher nationaler Seite wiederholt angeregten Vermehrung der Berufskonsuln endlich näher getreten werde. Es befinden sich nur in Rio de Janeiro und Porto Alegre Berufskonsuln, sonst nur Wahlkonsuln. Im Staate Santo Catharina sind 3 Wahlkonsuln, im Staat Parana nur 1, in San Paolo 2. Im ganzen sind 18 Wahlkonsuln vorhanden. Es ist zwar möglich, daß Brasilien einige Schwierigkeiten macht, falls neue Berufskonsulate geschaffen werden, aber auf der anderen Seite ist es nothwendig, die deutschen in ordentlicher Weise zu schützen, damit die fortwährenden Klagen der Deutschen aufhören.
— Die deutsche Erwerbsthätigkeit hats in den ersten 10 Jahren der Regierung Kaiser Wilhelms 2. einen eminenten Aufschwung genommen. Nicht zum wenigsten haben dabei die in dieser Zeit ergriffenen legislatorischen und administrativen Maßnahmen beigetragen. Von allgemeiner Bedeutung für die gesammte Erwerbsthätigkeit waren dabei die Neuerungen, welche sich auf die Unternehmungsformen bezogen. Durch des neue Gesetz über die Erwerbs= und Wirthschaftsgenossenschaften wurde neben der früheren Genossenschaft mit Solidarhaft die mit beschränkter Haftpflicht eingeführt und damit weiten Kreisen der Beoölkerung, welche bis dahin dem Genossenschaftsleben fernstanden, die Betheiligung daran ermöglicht. Eine ganz neue Unternehmungsform wurde durch das Gesetz über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung geschaffen. Sie hat sich namentlich bei Familienunternehmungen, aber auch sonst auf den mannigfachsten Gebieten bewährt.
— Nachdem sich durch langjährige Beobachtungen und Erfahrungen unzweifelhaft herausgestellt hat, daß das Treiben von Geflügel, insbesondere der Gänse, auf öffentlichen Wegen für die Verbreitung der Geflügelcholera nicht allein, sondern auch anderer Thierkrankheiten sehr nachtheilige Folgen hat, hat dem Vernehmen nach der landwirthschaftliche Minister sowohl für importirtes als inländisches Geflügel ein allgemeines Verbot des Treibens dieser Thiere erlassen.