Mikrofilmarchiv

der deutschsprachigen Presse e.V.

Ungemeiner ureisauzeiger

Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reiche­wark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schweimer

mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwehn Uenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm.

Sornruf Nr. 2018.— Dostscheckkonte Hannover 76913.— Für unver langt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen.

gm oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche.

sur den Ennepe=Nahe kreis

Schibeimer Viadlaugeiger

Mit den Beilagen:

Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht—. Aus heimischer Scholle.

Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm dreit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig: im Zeklameteil(75 um breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Ral, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge d.astsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr.

Aummer 43

Erstes Blakt

Samstag, den 20. Jebruar 1932

103. Jahrgang

lach Enaden auch Seitiaus

Die Schlacht um Schanghai

TU. Schanghai, 20. Febr. Die große Schlacht um Schanghai ist in vollem Gange. Die Chinesen

setzen den japanischen Angriffen stärksten Wider­sand entgegen. Die japanischen Augriffe begannen mit dem Einsatz von Flugzeugen. Bald darauf be­gannen die japanischen Truppen den Vormarsch. Gegen 10 Uhr ging ein japanischer Stoßtrupp zum Angriff gegen Westen vor und besetzte Kiangwan. Durch einen Gegenangriff der Chinesen wurden die Japauer aus diesem strategisch wichtigen Punkt wieder herausgedrängt. Die Japaner setzten je­doch ihre Angriffe heftig fort und besetzten um 11 Uhr vormittags(as. Zeit) das Gebäude des Sport­klubs, das im äußeren Weichbild von Kiangwan liegt.

Schlechter Gesundheitszustand des ehemaligen

Kaisers?

* Berlin, 19. Febr. Von sonst gut unterrichteter Seite, der wir allerdings die Verantwortung für diese Mitteilung überlassen müssen, erfahren wir, daß sich der gesundheitliche Zustand des ehemaligen Kaisers in den letzten Wochen sehr verschlechtert haben soll. Das holländische Klima übt auf die Kehlkopserkrankung des seit längerer Zeit bettlä­gerigen Patienten einen so ungünigen Einfluß aus, daß die Aerzte einen Orts= und Landeswech­sel für unbedingt erforderlich halten. Es ist mög­lich, daß in der nächsten Zeit über eine Abreise der ehemaligen Kaiserfamilie aus Dvorn auch politische Verhandlungen geführt werden.

Berlin erhält einen Washington=Platz.

* Berlin, 19. Febr. Im Einverständnis mit dem Preußischen Staatsministerium hat der Poli­zeipräsident von Berlin beschlossen, zu der am 22. Februar gefeierten 200. Wiederkehr des Geburts­tages von George Washington den westlichen Teil des Friedrich=Karl=Ufers vor dem Lehrter Bahn­hof in Washington= Platz umzubenennen. Unwahre Gerüchte.

* Berlin, 19. Febr. Zu den Presseberichten, der Staatssekretär beim Reichspräsidenten, Dr. Meißner, und der Adjutant des Reichspräsi­deuten. Oberst von Hindenburg, seien der Sozialdemokratischen Partei beigetreten, wird von zuständiger Seite erklärt, daß beide Herren keiner Partei angehören. Für den Oberst von Hinden­burg als aktiven Reichswehroffizier kommt eine Parteizugehörigkeit von vornherein nicht in Frage.

Bierboykott in Berlin.

* BBerlin, 19. Febr. Der Kampfausschuß der Gastwirte hat in einer Versammlung beschlossen, am Montag den Bierkoykott durchzuführen. Der Boykott soll sich nicht allein auf Bier und Weiß­bier erstrecken, sondern alle Produkte der Groß­brauereten umfassen. Von einer Schließung der Lokale will man absehen.

Der Bierpreis muß gesenkt werden

* Berlin, 20. Febr. Die Verhandlungen der Gastwirte=Vertreter mit dem Reichskommissar für Preisüberwachung. Dr. Goerdeler, sind erfolglos verlaufen. Der Reichskommissar erklärte sich au­ßerstande, seine Verfügung zurückzunehmen. es könne höchstens in einzelnen Punkten eine Milde­rung veranlaßt werden.

Zusammenschluß Commerz=Bank und Barmer

Bankverein beschlossen.

* Barmen. 19. Febr. Wie dem D6D. von zu­ständiger Stelle bestätigt wird, kann der angekün­digte Zusammenschluß der Commerz= und Privat= Bank A.=G. mit dem Barmer Bankverein vorm. Hinsberg, Fischer u. Co. als beschlossen angesehen werden.

Die„Preußische Zeitung" in Königsberg verboten

* Königsberg, 19. Febr. Der Oberpräsident hat die Preußische Zeitung in Königsberg für eine Woche verboten wegen eines Artikels, in dem eine Beschimpfung und Verächtlichmachung der deut­schen Gesandtschaft in Kowno, insbesondere des Gesandten Moraht, zu erblicken sei.

Der Königin=Luise=Film im Memelgebiet verboten

* Königsberg, 19. Febr. Wie die„Königsber= ger Allgemeine Zeitung" aus Memel meldet, wurde die Vorführung des deutschen Porten=Fil­mes„Königin Luise“ vom litauischen Kommandan­ten verboten obgleich das Memelgebiet im inter­nationalen Filmgeschäft zum deutschen Monopol­gebtet gehört. Das Verbot wurde mit der gegen­wärtigen„gespannten Lage“ begründet und damit, daß die Filmhandlung Anlaß zu Parallelen mit der Gegenwart gebe. Besonders verwies man auf eine im Film erscheinende Karte, die das zerteilte Preußen von 1806 zeigt. Man fürchte von litautscher Seite, daß dieser Film einen„ungünsti­gen Einfluß“ auf die Bevölkerung des Memelge­bietes haben könnte.

Schwere Zusammenstöße bei Liebenwerda.

* Bockwitz(Kreis Liebenwerda), 19. Febr. Zwi­

cern, Kommunisten, die eine nationalsozialistische Versammlung zu sprengen versucht hatten, und der Landjägerei, die die etwa 400 Mann starke Menge zerstreuen wollte, kam es gestern am spä­

* Berlin, 19. Febr. Der zweiselhafte Ruhm der Litauer, die die Zeit für eine Unterdrückung des Deutschtums für gekommen halten, läßt die Letten nicht schlafen. Die lettische Regierung hat, noch dazu unter Mißbrauch des Notverordnungs­paragraphen der Verfassung einige gesetzliche Maßnahmen getroffen, das einen schweren Schlag gegen das Deutschtum und gegen die übrigen Minderheiten des Landes darstellen. Lettland stand bisher in dem Rufe, in der Sprachenfrage eine gewisse Großzügigkeit walten zu lassen. Da­mit soll es nun aus sein. Denn die neue Ver­ordnung macht das Lettische zur alleinigen Staatssprache und schränkt den Gebrauch der nicht­lettischen Sprachen weitgehend ein. Auch in den kommunalen Körperschaften soll der Gebrauch einer anderen als der Staatssprache nur dann ge­stattet sein, wenn mindestens ein Drittel der Mit­glieder es verlangt, und wenn der Vorsitzende nichs dagegen hat. Nach kommenden Neuwahlen soll aber überhaupt nur noch lettisch gesprochen werden dürfen. Ebenso sollen künftig auf den Straßen alle Firmen= und Aushängeschilder in lettischer Sprache abgefaßt sein, wobei allerdings die gleichzeitige Verwendung anderer Sprachen an zweiter und dritter Stelle gestattet ist. Ferner ist

Zum Tode des Königs von Sachsen#

Dresden, 19. Febr. Nachdem am Freitag vormittag der älteste Sohn des verstorbenen Kö­nigs Friedrich August, Kronprinz Georg, in Si­byllenort eingetroffen ist, wurde die Beisetzung auf Dienstag vormittag 11 Uhr festgesetzt. König Friedrich August soll in Dresden in der Hofkirche beigesetzt werden.

Beisetzung des Königs von Sachsen unter militärischen Ehren

Dresden. 19 Febr. Wie wir erfahren, wird der verstorbene König Friedrich August mit allen militärischen Ehren, die ihm als Generalseldmar­schall des alten Heeres zustehen, beigesetzt wer­den. Sämtliche Truppenteile der Reichswehr wer­den durch Abordnungen vertreten sein.

Beileidskundgebungen

* Berlin, 19. Febr. Reichspräsident von Hin­denburg hat anläßlich des Todes des ehemali­gen Königs von Sachsen in einem an den Prinzen Friedrich Christian von Sachsen gerichteten Tele­gramm seine Teilnahme und sein Beileid zum Ausdruck gebracht.

Anläßlich des Ablebens des ehemaligen Königs Friedrich August hat der sächsische Ministerpräsi­dent dem Familienoberhaupt des Hauses Wettin, dem Prinzen Christian, das Beileid der sächsischen Regierung ausgesprochen. Der Ministerpräsident hat angeordnet, daß am Dienstag, 23. Februar, dem Tage der Beisetzung, die sächsischen Staats­dienstgebäude. die Staatsschulen und die im we­sentlichen aus Staatsmitteln unterhaltenen Stif­tungsgebäude halbmast zu beflaggen sind.

Ausbau des belgischen Festungsgürkels

Brüssel. 18. Febr. In Erwiderung auf ver­schiedene Anfragen im Kammerausschuß für die Landesverteidigung erklärte Kriegsminister Dens: Seit Juli wurde eine neue Prüfung der wieder­hergestellten Forts von Namur und Lüttich und des Wiederaufbaues des Befestigungssystems von Lüttich angestellt, das seitdem vollendet ist. Es ist eine neue Verteidigungslinie mit zwei großen und drei mittleren Forts rund um Lüttich vorgesehen, ferner eine neue Linie, die näher an der Grenze liegt. Zu ihr gehören Befestigungen in den Pro­vinzen Lüttich und Luxembung. Die Unterstände werden mit kleinen Geschützen und Maschinenge­wehren ausgerüstet werden, um die Zugangswege verteidigen zu können. Diese Arbeiten werden voraussichtlich 1935 oder 1936 fertiggestellt sein. Der Oberbau der Forts ist verbessert worden, und die Herstellung von Munition geht normal weiter.

ten Abend zu schweren Zusammenstößen, in deren Verlauf von den Landjägern scharfe Schüsse ab­gegeben wurden. Sieben Kommunisten wurden verletzt, drei von ihnen schwer.

Bombenexplosion in Barcelona.

* Paris, 19. Febr. Vor dem Rathaus in Bar­celona explodierte am Donnerstag abend eine Bombe. Zwei Soldaten der Bürgergarde hatten die Höllenmaschine wenige Augenblicke vor der Explosion entdeckt und sofort den Straßenverkehr unterbunden. Nur zwei Personen in einem gegen­überliegenden Gebäude wurden durch Glassplitter verletzt.

Neuer Ausbruch des Krakatan.

* London, 19. Febr. Aus Bandung(Java) wird ein neuer, großer Ausbruch des Vulkans Kraka­tau gemeldet. Die Lavamassen werden bis zu einer Höhe von 400 Meter emporgeschleudert.

eine Aenderung der nichtlettischen Ortsnamen vorgesehen, sodaß beispielsweise künftig die Stadt Mitau nur noch mit dem lettischen Namen Jel­gawa benannt werden darf.

Die Absicht dieser Maßnahme ist klar. Die na­tionalen Minderheiten, die in Lettland etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen, sollen von der neuen chauvinistischen Regierung drang­saliert und in ihrem Einfluß zurückgedrängt wer­den. Auch die deutsche Minderheit wird dadurch auf das stärkste getroffen. Erschwerend kommt hin­zu, daß viele Einwohner dieses neugeschaffenen Staates die„Staatssprache" überhaupt nicht ken­nen. Der Verkehr zwischen den Behörden und dem Publikum wird sich dadurch nicht gerade ver­einsachen. Die Vorgänge in Lettland sind nur ein Ausschnitt aus der allgemeinen Entwicklung der Minderheitenfrage. Das Beispiel Lettlands beweist, daß sogar Staaten, die früher einmal einen gewissen Stolz darein setzten, eine liberale Min­derheitenpolitik zu treiben, sich jetzt der polnischen Methoden bedienen. Das Schicksal der deutschen Minderheiten wird sich erst dann bessern, wenn den ruppigen Staatsvölkern im Osten klar ge­macht werden kann, daß sie nicht ungestraft deutsche Kulturrechte verletzen dürfen.

Berlin, 19. Febr. Im Sklarek=Prozeß wurde heute die Vernehmung des Stadtbankdirektors Schröder fortgesetzt. Auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, daß die Sklareks im Laufe von vier Jahren etwa 200 Unterschriften auf den Bestell­scheinen der Bezirksämter gefälscht hätten, und daß diese Fälschungen nicht entdeckt worden sind, er­klärte Schröber, eines Tages sei der Verdacht ent­standen, daß die Sklareks fingierte Posteneinzah­lungen geleistet hätten. Schröder und Hoge woll­ten nun an diesem Tage bei den Sklareks revidie­ren. Der Buchhalter Lehmann hätte sich aber, so fuhr Schröder fort, verleugnen lassen, da die ge­fälschten Bücher noch nicht auf dem laufenden wa­ren.

Weiter schilderte Schröder, daß am nächsten Tage der Stadtverordnete Rosenthal ihn ge­warnt habe, unter keinen Umständen bei den Be­zirksämtern wegen der Unstimmigkeiten nachzu­fragen, weil dadurch der Firma Sklarek Schaden erwachsen könnte. Wie aus den Schilderungen des Vorsitzenden hervorging, waren die Sklareks an­gewiesen worden, sich von den Bezirksämtern die beanstandeten Zahlungen bestätigen zu lassen. so daß also die Firma, bei der Unregelmäßigkeiten vermutet wurden, die Richtigkeit der Angelegenheit selbst nachweisen sollte.

Nach der Pause erklärte der Zeuge, Stadtbank­direktor Schröder noch, daß das Verhältnis der Direktoren zu den Sklareks so gut war, mußte man daraus schließen, daß die Sklareks über viele Dinge immer vorher schon unterrichtet waren. Die Ver­nehmung des Zeugen Schröder ist damit abgeschlos­sen. Er soll aber, ebenso wie Hoge, den Verhand­lungen noch weiterhin folgen. Für Montag sind sieben Stadtbankbeamte als Zeugen geladen.

Zum Schluß, als alle Prozeßbeteiligten aufbre­chen wollen, kommt es zu einem sensationellen Zwischenfall. Willi Sklarek weist darauf hin, daß in den letzten Monaten nach Angaben des Buch­halters Lehmann Beträge von einer Mil­lion RM. für private Zwecke entnom: men worden sind, die aber weder er noch Leo be­kommen haben. Willi Sklarek fragt, ob er die Schecks vorgelegt erhalten könne, um vielleicht fest­stellen zu können, wo das Geld hinkam. Wir wol­len beweisen, so ruft Willi Sklarek, daß wir nichts beiseite geschafft haben, und können dann vielleicht feststellen, wer es hat. Ich habe schon eine Ver­mutung, wo das Geld ist. aber ich kann das doch noch nicht hier aussprechen. Willi Sklarek deutet noch an, daß sein Brude: Max vielleicht damit im Zusammenhang gebracht werden müsse.

Ganz überraschend stellt der Vorsitzende an Leo Sklarek die Frage: Wenn Sie kein Geld bei­seite geschafft haben, wovon wollten Sie sich eigent­lich eine Villa von 175000 RM. plötzlich kaufen?

Leo Sklarek: Das ist glatt ersunden. Ich bitte, die Leute zu fragen, die diese Schwindeleien aufgestellt haben.

Vorsitzender: Da ich kein Freund von Ueberraschungen bin, will ich Ihnen das vorher mitteilen: Wenn nun diese Villeneigentümer, die es nicht für richtig hielten, mit Leo Sklarek einen Grundstücksvertrag abzuschließen, hier vor Gericht kommen sollten?

Leo Sklarek: Dann werden sie sagen, daß sie sich in der Person geirrt haben. Es hat viel­leicht jemand meinen Namen benutzt.

Vorsitzender: Den Mann möchte ich sehen, der Ihren Namen benutzt.(Große Heiterkeit.)

Weiterverhandlung am Montag.

Die Fremdenlegionäre an der Arden

* Berlin, 19. Febr. Wer noch bezweifelt hat, daß es in Deutschland eine politische Fremden­legion Frankreichs gibt, der konnte sich davon in den letzten Tagen wieder einmal bis zum Ueber­druß überzeugen. Man stelle sich vor: Die Reichs­regierung steht in Genf in schwerem Kampf um die deutschen Abrüstungsforderungen. Sie ver­tritt dabei mit Recht den Standpunkt, daß Deutsch­land bis zum äußersten abgerüstet hat, so wie es das Versailler Diktat vorschreibt. Wenn auch die von Frankreich bezahlten Radikalpazifisten, hinter denen der berüchtigte Professor Friedrich Wil­helm Foerster steht, immer wieder den Ver­such machen, den Nachweis für angebliche deutsche Geheimrüstungen zu erbringen, so hat sich doch zweifelsfrei herausgestellt, daß an allen diesen landesverräterischen politischen Zweckvhantasien kein wahres Wrot ist. Gerade die deutsche Linke, die begeistert für die deutsche Abrüstungsthese ein­tritt, hätte alle Veranlassung. der Regierung bei ihrem schweren Kampf in Genf das Leben nicht schwer zu machen.

Aber Herr Brüning hat innenpolitische Bun­desgenossen, mit denen er sich wahrlich sehen lassen kann. Seit einigen Tagen ist die Berliner Asphaltvresse und die sozialdemokratische Presse damit beschäftigt.„Enthüllungen“ über angebliche militärische Uebungen auf dem Truppenübungs­platz Döberitz zu veröffentlichen. Der Grund für dieses landesverräterische Treiben ist rein innen­politischer Natur. In den Redaktionsstuben der Linksvresse glaubt man natürlich nicht daran, daß die Sicherheit des Staates ernsthaft gefährdet ist. Aber man hat die Entdeckung gemacht, daß sich angeblich auch Nationalsozialisten an den Volks­sportübungen beteiligen, die in Döberitz ab und zu stattfinden. Der Reichswehr=und Reichsinnen­minister Groener. der durch seine neue Hal­tung gegenüber dem Nationalsozialismus das tiefste Mißtrauen aller„entschiedenen Republika­ner“ erregt hat, soll durch die Angriffe getroffen werden, die jetzt in der Linksvresse gegen die Vor­gänge in Döberitz und das Verhalten der Reichs­wehrdienststellen erhoben werden. Es wird gleich­zeitig versucht, den Reichskanzler gegen den Reichsinnenminister mobil zu machen. Der schönste innenpolitische Trara ist im Gange, und alles wird hervorgekramt, um dem Minister Groener ein Bein zu stellen. Die Linke hat auf diesem Gebiet Uebung. Man braucht nur daran zu erinnern, welch' üble Haltung das Berliner Tageblatt und der Vorwärts früher gegen Groeners Vorgänger, den Reichswehrminister Geßler eingenommen haben. Jede Rücksicht auf außenpolitische Inter­essen. schwieg, sobald der innenpolitische Partei­kampf das Vorgehen gegen den Reichsmehrmini­ster nützlich erscheinen ließ. und sobald diese Herr­schaften zu wittern glaubten, daß irgend etwas für die Erziehung der deutschen Jugend im Geiste der Wehrhaftigkeit geschab.

Die deutsche Linke ist sich in dieser Beziehung immer treu geblieben. Ihre sanatische Gegner­schaft gegen den angeblichen deutschen Militaris­mus vereint sich mit einer geradezu sklavischen Ergebenheit gegenüber den Militaristen anderer Länder. Wenn Herr Tardieu in Genf einen französischen Plan entwickelt der praktisch auf die Vernichtung des letzten Restes deutscher Sonve­ränität hinausläuft, dann klatscht die deutsche Linke begeistert Beifall. weil der französische Kriegsminister es geschickt verstanden hat. einige ihrer Lieblingsgedanken aaitatorisch zu benutzen. Die politische Instinktlosigkeit der sogenannten deutschen Demokratie ist nicht zu übertreffen. Das Niederdrückendste an diesen Vorgängen ist, daß dies die Kreise sein sollen, aus denen sich am 13. März in erster Linie die Wählerschaft Hinden­buras zusammensetzen wird. Es ist geradezu ein Verhänanis für die deutsche Innenpolitik, daß sich diese unmöglichen Zustände herausgebildet haben, die wir im Interesse des Reichsvräsidenten auf das tiefste bedauern, die wir aber darüber hinaus als eine schmere Gefahr für Volk und Vaterland ansehen müssen.

Wundern sich diese Herrschaften nun noch, wenn man sie als die politischen Fremdenlegionäre Frankreichs bezeichnet? Ihr ganzes Verhalten ist genau so, als wenn sie Wert darauf legten. der französischen Unterdrückungspolitik gegenüber Deutschland Vorschub zu leisten. So stellen die Veröffentlichungen über die angeblichen Döberitzer Vorgänge einen glatten Volks= und Wehrverrat dar. Es ist nicht recht verständlich, warum Reichs­minister Groener seine Absicht besondere gesetz­liche Maßnahmen gegen diese Art des Landes­verrates zu treffen, bisher nicht verwirklicht hat. Wenn irgendwo, dann liegt hier ein Grund zur Anwendung des Notverordnungsvaragraphen vor. Staat und Volk müssen gegen diese selbstmörderi­schen Versuche geschützt werden, die von einer Presse unternommen werden, deren Haß gegen jede Wehrbewegung alle außenpolitischen Rücksichten zurückdrängt.

Stlarek-Prozeß