Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Ungemeiner ureisauzeiger Einschließlich Botenlohn für den Monat 1.80 Reichewark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schweimer mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle: Schwehn Uenstraße Nr. 6.— Celegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. Sornruf Nr. 2018.— Dostscheckkonte Hannover 76913.— Für unver langt gesandte Mannskripte wird keine Verbindlichkeit übernommen. gm oder Streiks rechtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. sur den Ennepe=Nahe kreis Schibeimer Viadlaugeiger Mit den Beilagen: Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht—. Aus heimischer Scholle. Anzeigenpreis: Im Anzeigenteil für 1 mm Höhe(36 mm dreit) 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichspfennig: im Zeklameteil(75 um breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Ral, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Ge d.astsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewährleistet. Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Aummer 43 Erstes Blakt Samstag, den 20. Jebruar 1932 103. Jahrgang lach Enaden auch Seitiaus Die Schlacht um Schanghai TU. Schanghai, 20. Febr. Die große Schlacht um Schanghai ist in vollem Gange. Die Chinesen setzen den japanischen Angriffen stärksten Widersand entgegen. Die japanischen Augriffe begannen mit dem Einsatz von Flugzeugen. Bald darauf begannen die japanischen Truppen den Vormarsch. Gegen 10 Uhr ging ein japanischer Stoßtrupp zum Angriff gegen Westen vor und besetzte Kiangwan. Durch einen Gegenangriff der Chinesen wurden die Japauer aus diesem strategisch wichtigen Punkt wieder herausgedrängt. Die Japaner setzten jedoch ihre Angriffe heftig fort und besetzten um 11 Uhr vormittags(as. Zeit) das Gebäude des Sportklubs, das im äußeren Weichbild von Kiangwan liegt. Schlechter Gesundheitszustand des ehemaligen Kaisers? * Berlin, 19. Febr. Von sonst gut unterrichteter Seite, der wir allerdings die Verantwortung für diese Mitteilung überlassen müssen, erfahren wir, daß sich der gesundheitliche Zustand des ehemaligen Kaisers in den letzten Wochen sehr verschlechtert haben soll. Das holländische Klima übt auf die Kehlkopserkrankung des seit längerer Zeit bettlägerigen Patienten einen so ungünigen Einfluß aus, daß die Aerzte einen Orts= und Landeswechsel für unbedingt erforderlich halten. Es ist möglich, daß in der nächsten Zeit über eine Abreise der ehemaligen Kaiserfamilie aus Dvorn auch politische Verhandlungen geführt werden. Berlin erhält einen Washington=Platz. * Berlin, 19. Febr. Im Einverständnis mit dem Preußischen Staatsministerium hat der Polizeipräsident von Berlin beschlossen, zu der am 22. Februar gefeierten 200. Wiederkehr des Geburtstages von George Washington den westlichen Teil des Friedrich=Karl=Ufers vor dem Lehrter Bahnhof in Washington= Platz umzubenennen. Unwahre Gerüchte. * Berlin, 19. Febr. Zu den Presseberichten, der Staatssekretär beim Reichspräsidenten, Dr. Meißner, und der Adjutant des Reichspräsideuten. Oberst von Hindenburg, seien der Sozialdemokratischen Partei beigetreten, wird von zuständiger Seite erklärt, daß beide Herren keiner Partei angehören. Für den Oberst von Hindenburg als aktiven Reichswehroffizier kommt eine Parteizugehörigkeit von vornherein nicht in Frage. Bierboykott in Berlin. * BBerlin, 19. Febr. Der Kampfausschuß der Gastwirte hat in einer Versammlung beschlossen, am Montag den Bierkoykott durchzuführen. Der Boykott soll sich nicht allein auf Bier und Weißbier erstrecken, sondern alle Produkte der Großbrauereten umfassen. Von einer Schließung der Lokale will man absehen. Der Bierpreis muß gesenkt werden * Berlin, 20. Febr. Die Verhandlungen der Gastwirte=Vertreter mit dem Reichskommissar für Preisüberwachung. Dr. Goerdeler, sind erfolglos verlaufen. Der Reichskommissar erklärte sich außerstande, seine Verfügung zurückzunehmen. es könne höchstens in einzelnen Punkten eine Milderung veranlaßt werden. Zusammenschluß Commerz=Bank und Barmer Bankverein beschlossen. * Barmen. 19. Febr. Wie dem D6D. von zuständiger Stelle bestätigt wird, kann der angekündigte Zusammenschluß der Commerz= und Privat= Bank A.=G. mit dem Barmer Bankverein vorm. Hinsberg, Fischer u. Co. als beschlossen angesehen werden. Die„Preußische Zeitung" in Königsberg verboten * Königsberg, 19. Febr. Der Oberpräsident hat die Preußische Zeitung in Königsberg für eine Woche verboten wegen eines Artikels, in dem eine Beschimpfung und Verächtlichmachung der deutschen Gesandtschaft in Kowno, insbesondere des Gesandten Moraht, zu erblicken sei. Der Königin=Luise=Film im Memelgebiet verboten * Königsberg, 19. Febr. Wie die„Königsber= ger Allgemeine Zeitung" aus Memel meldet, wurde die Vorführung des deutschen Porten=Filmes„Königin Luise“ vom litauischen Kommandanten verboten obgleich das Memelgebiet im internationalen Filmgeschäft zum deutschen Monopolgebtet gehört. Das Verbot wurde mit der gegenwärtigen„gespannten Lage“ begründet und damit, daß die Filmhandlung Anlaß zu Parallelen mit der Gegenwart gebe. Besonders verwies man auf eine im Film erscheinende Karte, die das zerteilte Preußen von 1806 zeigt. Man fürchte von litautscher Seite, daß dieser Film einen„ungünstigen Einfluß“ auf die Bevölkerung des Memelgebietes haben könnte. Schwere Zusammenstöße bei Liebenwerda. * Bockwitz(Kreis Liebenwerda), 19. Febr. Zwicern, Kommunisten, die eine nationalsozialistische Versammlung zu sprengen versucht hatten, und der Landjägerei, die die etwa 400 Mann starke Menge zerstreuen wollte, kam es gestern am spä* Berlin, 19. Febr. Der zweiselhafte Ruhm der Litauer, die die Zeit für eine Unterdrückung des Deutschtums für gekommen halten, läßt die Letten nicht schlafen. Die lettische Regierung hat, noch dazu unter Mißbrauch des Notverordnungsparagraphen der Verfassung einige gesetzliche Maßnahmen getroffen, das einen schweren Schlag gegen das Deutschtum und gegen die übrigen Minderheiten des Landes darstellen. Lettland stand bisher in dem Rufe, in der Sprachenfrage eine gewisse Großzügigkeit walten zu lassen. Damit soll es nun aus sein. Denn die neue Verordnung macht das Lettische zur alleinigen Staatssprache und schränkt den Gebrauch der nichtlettischen Sprachen weitgehend ein. Auch in den kommunalen Körperschaften soll der Gebrauch einer anderen als der Staatssprache nur dann gestattet sein, wenn mindestens ein Drittel der Mitglieder es verlangt, und wenn der Vorsitzende nichs dagegen hat. Nach kommenden Neuwahlen soll aber überhaupt nur noch lettisch gesprochen werden dürfen. Ebenso sollen künftig auf den Straßen alle Firmen= und Aushängeschilder in lettischer Sprache abgefaßt sein, wobei allerdings die gleichzeitige Verwendung anderer Sprachen an zweiter und dritter Stelle gestattet ist. Ferner ist Zum Tode des Königs von Sachsen# Dresden, 19. Febr. Nachdem am Freitag vormittag der älteste Sohn des verstorbenen Königs Friedrich August, Kronprinz Georg, in Sibyllenort eingetroffen ist, wurde die Beisetzung auf Dienstag vormittag 11 Uhr festgesetzt. König Friedrich August soll in Dresden in der Hofkirche beigesetzt werden. Beisetzung des Königs von Sachsen unter militärischen Ehren Dresden. 19 Febr. Wie wir erfahren, wird der verstorbene König Friedrich August mit allen militärischen Ehren, die ihm als Generalseldmarschall des alten Heeres zustehen, beigesetzt werden. Sämtliche Truppenteile der Reichswehr werden durch Abordnungen vertreten sein. Beileidskundgebungen * Berlin, 19. Febr. Reichspräsident von Hindenburg hat anläßlich des Todes des ehemaligen Königs von Sachsen in einem an den Prinzen Friedrich Christian von Sachsen gerichteten Telegramm seine Teilnahme und sein Beileid zum Ausdruck gebracht. Anläßlich des Ablebens des ehemaligen Königs Friedrich August hat der sächsische Ministerpräsident dem Familienoberhaupt des Hauses Wettin, dem Prinzen Christian, das Beileid der sächsischen Regierung ausgesprochen. Der Ministerpräsident hat angeordnet, daß am Dienstag, 23. Februar, dem Tage der Beisetzung, die sächsischen Staatsdienstgebäude. die Staatsschulen und die im wesentlichen aus Staatsmitteln unterhaltenen Stiftungsgebäude halbmast zu beflaggen sind. Ausbau des belgischen Festungsgürkels Brüssel. 18. Febr. In Erwiderung auf verschiedene Anfragen im Kammerausschuß für die Landesverteidigung erklärte Kriegsminister Dens: Seit Juli wurde eine neue Prüfung der wiederhergestellten Forts von Namur und Lüttich und des Wiederaufbaues des Befestigungssystems von Lüttich angestellt, das seitdem vollendet ist. Es ist eine neue Verteidigungslinie mit zwei großen und drei mittleren Forts rund um Lüttich vorgesehen, ferner eine neue Linie, die näher an der Grenze liegt. Zu ihr gehören Befestigungen in den Provinzen Lüttich und Luxembung. Die Unterstände werden mit kleinen Geschützen und Maschinengewehren ausgerüstet werden, um die Zugangswege verteidigen zu können. Diese Arbeiten werden voraussichtlich 1935 oder 1936 fertiggestellt sein. Der Oberbau der Forts ist verbessert worden, und die Herstellung von Munition geht normal weiter. ten Abend zu schweren Zusammenstößen, in deren Verlauf von den Landjägern scharfe Schüsse abgegeben wurden. Sieben Kommunisten wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Bombenexplosion in Barcelona. * Paris, 19. Febr. Vor dem Rathaus in Barcelona explodierte am Donnerstag abend eine Bombe. Zwei Soldaten der Bürgergarde hatten die Höllenmaschine wenige Augenblicke vor der Explosion entdeckt und sofort den Straßenverkehr unterbunden. Nur zwei Personen in einem gegenüberliegenden Gebäude wurden durch Glassplitter verletzt. Neuer Ausbruch des Krakatan. * London, 19. Febr. Aus Bandung(Java) wird ein neuer, großer Ausbruch des Vulkans Krakatau gemeldet. Die Lavamassen werden bis zu einer Höhe von 400 Meter emporgeschleudert. eine Aenderung der nichtlettischen Ortsnamen vorgesehen, sodaß beispielsweise künftig die Stadt Mitau nur noch mit dem lettischen Namen Jelgawa benannt werden darf. Die Absicht dieser Maßnahme ist klar. Die nationalen Minderheiten, die in Lettland etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen, sollen von der neuen chauvinistischen Regierung drangsaliert und in ihrem Einfluß zurückgedrängt werden. Auch die deutsche Minderheit wird dadurch auf das stärkste getroffen. Erschwerend kommt hinzu, daß viele Einwohner dieses neugeschaffenen Staates die„Staatssprache" überhaupt nicht kennen. Der Verkehr zwischen den Behörden und dem Publikum wird sich dadurch nicht gerade vereinsachen. Die Vorgänge in Lettland sind nur ein Ausschnitt aus der allgemeinen Entwicklung der Minderheitenfrage. Das Beispiel Lettlands beweist, daß sogar Staaten, die früher einmal einen gewissen Stolz darein setzten, eine liberale Minderheitenpolitik zu treiben, sich jetzt der polnischen Methoden bedienen. Das Schicksal der deutschen Minderheiten wird sich erst dann bessern, wenn den ruppigen Staatsvölkern im Osten klar gemacht werden kann, daß sie nicht ungestraft deutsche Kulturrechte verletzen dürfen. Berlin, 19. Febr. Im Sklarek=Prozeß wurde heute die Vernehmung des Stadtbankdirektors Schröder fortgesetzt. Auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, daß die Sklareks im Laufe von vier Jahren etwa 200 Unterschriften auf den Bestellscheinen der Bezirksämter gefälscht hätten, und daß diese Fälschungen nicht entdeckt worden sind, erklärte Schröber, eines Tages sei der Verdacht entstanden, daß die Sklareks fingierte Posteneinzahlungen geleistet hätten. Schröder und Hoge wollten nun an diesem Tage bei den Sklareks revidieren. Der Buchhalter Lehmann hätte sich aber, so fuhr Schröder fort, verleugnen lassen, da die gefälschten Bücher noch nicht auf dem laufenden waren. Weiter schilderte Schröder, daß am nächsten Tage der Stadtverordnete Rosenthal ihn gewarnt habe, unter keinen Umständen bei den Bezirksämtern wegen der Unstimmigkeiten nachzufragen, weil dadurch der Firma Sklarek Schaden erwachsen könnte. Wie aus den Schilderungen des Vorsitzenden hervorging, waren die Sklareks angewiesen worden, sich von den Bezirksämtern die beanstandeten Zahlungen bestätigen zu lassen. so daß also die Firma, bei der Unregelmäßigkeiten vermutet wurden, die Richtigkeit der Angelegenheit selbst nachweisen sollte. Nach der Pause erklärte der Zeuge, Stadtbankdirektor Schröder noch, daß das Verhältnis der Direktoren zu den Sklareks so gut war, mußte man daraus schließen, daß die Sklareks über viele Dinge immer vorher schon unterrichtet waren. Die Vernehmung des Zeugen Schröder ist damit abgeschlossen. Er soll aber, ebenso wie Hoge, den Verhandlungen noch weiterhin folgen. Für Montag sind sieben Stadtbankbeamte als Zeugen geladen. Zum Schluß, als alle Prozeßbeteiligten aufbrechen wollen, kommt es zu einem sensationellen Zwischenfall. Willi Sklarek weist darauf hin, daß in den letzten Monaten nach Angaben des Buchhalters Lehmann Beträge von einer Million RM. für private Zwecke entnom: men worden sind, die aber weder er noch Leo bekommen haben. Willi Sklarek fragt, ob er die Schecks vorgelegt erhalten könne, um vielleicht feststellen zu können, wo das Geld hinkam. Wir wollen beweisen, so ruft Willi Sklarek, daß wir nichts beiseite geschafft haben, und können dann vielleicht feststellen, wer es hat. Ich habe schon eine Vermutung, wo das Geld ist. aber ich kann das doch noch nicht hier aussprechen. Willi Sklarek deutet noch an, daß sein Brude: Max vielleicht damit im Zusammenhang gebracht werden müsse. Ganz überraschend stellt der Vorsitzende an Leo Sklarek die Frage: Wenn Sie kein Geld beiseite geschafft haben, wovon wollten Sie sich eigentlich eine Villa von 175000 RM. plötzlich kaufen? Leo Sklarek: Das ist glatt ersunden. Ich bitte, die Leute zu fragen, die diese Schwindeleien aufgestellt haben. Vorsitzender: Da ich kein Freund von Ueberraschungen bin, will ich Ihnen das vorher mitteilen: Wenn nun diese Villeneigentümer, die es nicht für richtig hielten, mit Leo Sklarek einen Grundstücksvertrag abzuschließen, hier vor Gericht kommen sollten? Leo Sklarek: Dann werden sie sagen, daß sie sich in der Person geirrt haben. Es hat vielleicht jemand meinen Namen benutzt. Vorsitzender: Den Mann möchte ich sehen, der Ihren Namen benutzt.(Große Heiterkeit.) Weiterverhandlung am Montag. Die Fremdenlegionäre an der Arden * Berlin, 19. Febr. Wer noch bezweifelt hat, daß es in Deutschland eine politische Fremdenlegion Frankreichs gibt, der konnte sich davon in den letzten Tagen wieder einmal bis zum Ueberdruß überzeugen. Man stelle sich vor: Die Reichsregierung steht in Genf in schwerem Kampf um die deutschen Abrüstungsforderungen. Sie vertritt dabei mit Recht den Standpunkt, daß Deutschland bis zum äußersten abgerüstet hat, so wie es das Versailler Diktat vorschreibt. Wenn auch die von Frankreich bezahlten Radikalpazifisten, hinter denen der berüchtigte Professor Friedrich Wilhelm Foerster steht, immer wieder den Versuch machen, den Nachweis für angebliche deutsche Geheimrüstungen zu erbringen, so hat sich doch zweifelsfrei herausgestellt, daß an allen diesen landesverräterischen politischen Zweckvhantasien kein wahres Wrot ist. Gerade die deutsche Linke, die begeistert für die deutsche Abrüstungsthese eintritt, hätte alle Veranlassung. der Regierung bei ihrem schweren Kampf in Genf das Leben nicht schwer zu machen. Aber Herr Brüning hat innenpolitische Bundesgenossen, mit denen er sich wahrlich sehen lassen kann. Seit einigen Tagen ist die Berliner Asphaltvresse und die sozialdemokratische Presse damit beschäftigt.„Enthüllungen“ über angebliche militärische Uebungen auf dem Truppenübungsplatz Döberitz zu veröffentlichen. Der Grund für dieses landesverräterische Treiben ist rein innenpolitischer Natur. In den Redaktionsstuben der Linksvresse glaubt man natürlich nicht daran, daß die Sicherheit des Staates ernsthaft gefährdet ist. Aber man hat die Entdeckung gemacht, daß sich angeblich auch Nationalsozialisten an den Volkssportübungen beteiligen, die in Döberitz ab und zu stattfinden. Der Reichswehr=und Reichsinnenminister Groener. der durch seine neue Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus das tiefste Mißtrauen aller„entschiedenen Republikaner“ erregt hat, soll durch die Angriffe getroffen werden, die jetzt in der Linksvresse gegen die Vorgänge in Döberitz und das Verhalten der Reichswehrdienststellen erhoben werden. Es wird gleichzeitig versucht, den Reichskanzler gegen den Reichsinnenminister mobil zu machen. Der schönste innenpolitische Trara ist im Gange, und alles wird hervorgekramt, um dem Minister Groener ein Bein zu stellen. Die Linke hat auf diesem Gebiet Uebung. Man braucht nur daran zu erinnern, welch' üble Haltung das Berliner Tageblatt und der Vorwärts früher gegen Groeners Vorgänger, den Reichswehrminister Geßler eingenommen haben. Jede Rücksicht auf außenpolitische Interessen. schwieg, sobald der innenpolitische Parteikampf das Vorgehen gegen den Reichsmehrminister nützlich erscheinen ließ. und sobald diese Herrschaften zu wittern glaubten, daß irgend etwas für die Erziehung der deutschen Jugend im Geiste der Wehrhaftigkeit geschab. Die deutsche Linke ist sich in dieser Beziehung immer treu geblieben. Ihre sanatische Gegnerschaft gegen den angeblichen deutschen Militarismus vereint sich mit einer geradezu sklavischen Ergebenheit gegenüber den Militaristen anderer Länder. Wenn Herr Tardieu in Genf einen französischen Plan entwickelt der praktisch auf die Vernichtung des letzten Restes deutscher Sonveränität hinausläuft, dann klatscht die deutsche Linke begeistert Beifall. weil der französische Kriegsminister es geschickt verstanden hat. einige ihrer Lieblingsgedanken aaitatorisch zu benutzen. Die politische Instinktlosigkeit der sogenannten deutschen Demokratie ist nicht zu übertreffen. Das Niederdrückendste an diesen Vorgängen ist, daß dies die Kreise sein sollen, aus denen sich am 13. März in erster Linie die Wählerschaft Hindenburas zusammensetzen wird. Es ist geradezu ein Verhänanis für die deutsche Innenpolitik, daß sich diese unmöglichen Zustände herausgebildet haben, die wir im Interesse des Reichsvräsidenten auf das tiefste bedauern, die wir aber darüber hinaus als eine schmere Gefahr für Volk und Vaterland ansehen müssen. Wundern sich diese Herrschaften nun noch, wenn man sie als die politischen Fremdenlegionäre Frankreichs bezeichnet? Ihr ganzes Verhalten ist genau so, als wenn sie Wert darauf legten. der französischen Unterdrückungspolitik gegenüber Deutschland Vorschub zu leisten. So stellen die Veröffentlichungen über die angeblichen Döberitzer Vorgänge einen glatten Volks= und Wehrverrat dar. Es ist nicht recht verständlich, warum Reichsminister Groener seine Absicht besondere gesetzliche Maßnahmen gegen diese Art des Landesverrates zu treffen, bisher nicht verwirklicht hat. Wenn irgendwo, dann liegt hier ein Grund zur Anwendung des Notverordnungsvaragraphen vor. Staat und Volk müssen gegen diese selbstmörderischen Versuche geschützt werden, die von einer Presse unternommen werden, deren Haß gegen jede Wehrbewegung alle außenpolitischen Rücksichten zurückdrängt. Stlarek-Prozeß T.) WFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Um den Beitrag des Ennepe-Kuhr-Kreises an den Reviangsveround=Kaherohiendehit Im Anschluß an die Erörterungen gelegentlich des Kreistages vom 3. November 1931 über die Mitgliedschaft des Ennepe=Ruhr=Kreises zum Siedlungsverband forderten wir in einer Betrachtung über die Verbandsbeiträge eine Halbierung derselben in kürzester Frist. In einer am 11. Dezember 1931 veröffentlichten Erwiderung des Siedlungsverbandes findet man eine Bestätigung unserer Auffassung in einem sehr wesentlichen Punkte.„Den größten Aufwand“, so heißt es, „verursacht der Schuldendienst für die Verbandsstraßenbauten, der auch bei einer Auflösung des Verbandes oder anderweitigen Organisation von den Rechtsnachfolgern, also anteilig auch vom Ennepe=Ruhr=Kreis zu tragen wäre.“ Wir trafen demnach durchaus den Kern der Sache, als wir schrieben:„Man gebe sich nicht der Täuschung hin, als gebe der Verband mehr als er nehme. Die Verzinsung und Tilgung der Kapitalien, die der Verband in den Ennepe=Ruhr=Kreis gesteckt hat, wird der Kreis auf die Dauer doch erstatten müssen. Die Geschenke derjenigen, die nur pumpen, sind von jeher zweifelhafter Natur, wenn nicht gar gefährlich gewesen.“ Es steht also einwandfrei fest, daß der größte Teil der Verbandsumlagen dem Kapitaldienst gilt, und daß demnach die Hauptsummen des Etats des Siedlungsverbandes der Schuldenverwaltung gelten. Daraus folgt notwendigerweise, daß der Verwaltungsapparat des Verbandes klein ist im Verhältnis zur Summe aller Ausgaben. Das ist charakteristisch für jede Schuldenverwaltung. Nachdem die sogenannte produktive Erwerbslosenfürsorge, der der Verband zu einem großen Teil seinen Aufstieg verdankt, sich als ein unbestreitbarer Fehlschlag erwiesen hat, da am Ende dieses Versuches vermehrte Arbeitslosigkeit und übergroße Verschuldung steht, ist man erstaunt über die gähnende Leere, die an Stelle von so viel Betriebsamkeit getreten ist. Der Rest ist Schuldenverwaltung. Die Gemeinden und Gemeindeverbände aber sitzen fest auf den Umlagen und haben weiterhin das Bergnügen, für die Unterhaltung der fertigen Verbandsstraßenstrecken Sorge zu tragen. Es dämmert ja allmählich die Erkenntnis, daß man nicht nur auf die hören soll, die Pläne machen, sondern in erster Linie auf diejenigen, welche die Lasten zu tragen haben. Was der Ennepe=Ruhr=Kreis als Lastenträger zu leisten hat, geht schon seit langem weit über seine Kräfte. So wie dem Kreis geht es sehr vielen anderen Mitgliedsgemeinden des RuhrSiedlungs=Verbandes. In einer solchen Lage, deren Dauer nicht abzusehen und die noch niemand zum Besseren zu wenden weiß, ist das dringendste Gebot der Stunde die energische Senkung der Beiträge. Es muß jetzt schnellstens der Fehler wieder gutgemacht werden, der darin bestand, daß man jahrelang dem Finanzproblem nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die ihm gebührt. Es verdient besondere Beachtung, daß der Verband in seinem Erwiderungsschreiben auf wesentliche Dinge nicht eingegangen ist. Wir wiederholen, daß die Verwaltung der Schulden auch anderweitig geschehen kann, daß es mit der Hauszins= steuerverteilung bald ein Ende haben wird und daß die Beaussichtigung der Siedlung und der Fluchtliniengestaltung eine starke Einschrumpfung erfahren wird, weil der Ruhrkohlenbezirk auf dem Gebiete des Wohnungswesens saturiert ist. Wenn die Randsiedlung den Verband vor neue Aufgaben stellen soll, wie es in dem Erwiderungsschreiben heißt, so meinen wir demgegenüber, daß es sich hier eigentlich um eine Siedlungsdämmerung handelt. Mit der Randsiedlung werden alle diejenigen Errungenschaften zu Grabe getragen, auf die die Entwicklung der letzten Jahre basiert. Sie bedeutet einen Rückfall in die Zustände vor der Jahrhundertwende und man kann gegen sie alle diejenigen Vorwürfe richten, die man gegen die Auswüchse „kapitalistischer Siedlungsmethoden“ seitens der „Gemeinnützigen“ zu erheben pflegt. Die Degeneration im Siedlungswesen konnte schon seit zwei Jahren deutlich beobachtet werden. Die viel geschmähte Mietskaserne tauchte allenthalben wieder auf. Jedenfalls weisen diese Vorgänge auf dem Gebiet des Siedlungswesens deutlich darauf hin, daß der Höhepunkt überschritten ist und damit auch der Höhepunkt der Tätigkeit des Verbandes. Mit Recht schrieben wir damals:„Der Verband selber und viele andere sind vielleicht der Meinung, daß die gegenwärtige Krise für seine Tätigkeit nur eine Unterbrechung hervorgerufen habe. Demgegenüber kann auf Grund ernsthafter Erwägungen mit demselben Recht die Auffassung vertreten werden, daß der Ruhr=Siedlungs=Verband für lange Zeit nicht zu einer Wiederaufnahme seiner vergangenen Tätigkeit kommen wird.“ Die Zeiten sind vorbei, wo der Siedlungsdirektor von Engländern, Franzosen und Italienern lebhaft gefeiert wurde. Es melden sich jetzt diejenigen, die die Lasten zu tragen haben und verlangen eine energische Senkung der Beiträge. B. K. W. Dem demnächst erscheinenden Geschäftsberichte der städtischen Sparkasse entnehmen wir die nachstehenden allgemein interessierenden Mitteilungen: Der wirtschaftliche Niedergang hielt im Berichtsfahre in unverminderter Schärfe an. Not und Sorge breitete sich immer mehr aus. Mangel an Aufträgen nötigte wie überall auch die hiesigen industriellen Werke immer wieder zu starken Arbeitseinschränkungen; teilweise führte er zur völligen Stillegung der Betriebe; Konkurse, Regelung der Zahlungsverpflichtungen im Vergleichswege waren die Folge. Unter diesen Erscheinungen hatte naturgemäß auch die Sparkasse zu leiden zumal im Juli noch eine allgemeine, lang anhaltende Zahlungskrise einsetzte. Gleichwohl darf die Sparkasse mit ihrem Jahresergebnis noch zufrieden sein. An neuen Spareinlagen flossen der Sparkasse zu einschließlich der zugeschriebenen Zinsen 4514350 RM.; die Rückzahlungen betrugen 4 776 526 RM.; der Spareinlagenbestand stellte sich Ende 1931 auf 9 406537 RM. gegen 9 668713 RM. Ende 1930. Es eraab sich demnach ein verhältnismäßig geringer Rückgang aegenüber 1930 in Höhe von 262 176 RM. oder 2.7 Prozent. Die Zahl der Sparkonten vermehrte sich von 9487 um 697 auf 10 184 Stück. Der Durchschnittsbetrag eines Sparbuches stellte sich Ende des Berichtsjahres auf 923 RM. Die Anzahl der Devositen= und Girokonten erhöhte sich von 990 Ende 1930 auf 1059 Ende 1931 mit einem Saldo von 725 804 RM. An Kontokorrentkrediten vp. sind ausgeliehen 698716 RM. Dem Hypothekengeschäfte widmete die Sparkasse soweit als möglich in gewohnter Weise ihre besondere Sorafalt und Aufmerksamkeit; es wurden neu ausgeliehen 510376 RM.; der Hypothekenbestand stien damit auf 5954 226 RM., movon allein auf den Wohnungsneubau 3816 153 RM. entfallen. Der Zinssatz für Hypotheken auf Altbauten wurde ab 1. April 1931 von 8¼ auf 7¾ und infolge Notverordnung ab 1. Januar 1932 meiter auf 6 Prozent gesenkt; ebenso ist der Zinssatz für Hyvotheken auf Neubauten ab 1. Januar 1932 von 7¼ auf 6 Prozent gesenkt worden. Der in 1931 erzielte Reingeminn beträgt 156 282 RM. gegenüber 143322 RM. in 1930 wonon satzungsgemäß dem Gewährverbande die Hälfte gebührt. Die Sicherheitsrücklage stieg von 543 228 RM. auf 699510 RM., d. s. 7,44 Prozent des Snareinlagenbestandes. An anteiligen Betriebsüberschüssen aus 1930 konnten dem Gewährnerbande 70000 RM. zur Verfügung gestellt werden. Die große Stahlhelmkundgebung auf der Wilhelmshöhe wurde eingeleitet mit dem Königgrätzer=Hohen= friedberger Marsch, gespielt von der Stahlhelm= Kreiskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Robert Bormann. Das exakte Spiel und die vorzügliche Wiedergabe auch der folgenden Musikstücke kennzeichnete diese Kapelle, die vornehmlich aus Berufsmusikern besteht, als besonders geeignet für solche Veranstaltungen. In seinen Begrüßungsworten hieß Herr Carl Junker alle Anwesenden herzlich willkommen. Es sei ihm eine besondere Ehre, den ehem. Wehrkreiskommandeur, seine Exzellenz General von Watter, ferner den Landesführer für Westmark und Westfalen, Herrn Studienrat Mahnken, alle auswärtigen Stahlhelmkameraden und den Bund Königin Luise begrüßen zu können. Der Zweck des Abends sei, die Ansichten des Stahlhelms über die politische Lage aus berufenem Munde kund zu neben. Herr Junker richtete einen Appell an alle Frontsoldaten, an alle Männer und an die Jugend, in den Stahlhelm einzutreten. Der Stahlhelm diene keiner Partei, dafür treibe er große Staatspolitik. Er gebe allen das Beste, was er habe, die Kameradschaft. Nach dem schneidigen Vortrag des Friedericus= Rex=Grenadiermarsches sprach Fräulein Henny Hambruch einen Vorspruch, dem starker Beifall zuteil wurde. Darauf ergriff Herr Studienrat Mahnken das Wort. Der Freiheitskampf, in dem wir jetzt stehen, habe vor 13 Jahren begonnen, als sich die Freikorps bildeten, deshalb sei es ihm eine besondere Freude, heute in Exzellenz von Watter den Mann begrüßen zu können, unter dem er damals gefochten habe. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, daß die Leute, die heute auf den Stahlhelm schelten und die bis jetzt noch Deutschland regierten, damals nicht zur Stelle gewesen wären. Sie hätten heute den Anspruch auf weitere Führung verloren, denn sie seien es gewesen, die 1918 die Fahnen eingezogen hätten. Der Stahlhelm warte auf den Tag, an dem es wieder auf die Tal ankäme. Jeder sei überzeugt, daß man der Entscheidung in den nächsten Wochen nicht mehr würde ausweichen können. Es handele sich um die Wahl des Reichspräsidenten und darum, daß der Marxismus aus Preußen herausgewählt werde. Er wandte sich gegen etwa bestehende Absichten, Preußen im Reich aufgehen zu lassen, um auf diese Weise die jetzt herrschenden Gewalten in Preußen am Ruder zu erhalten. Das Wichtigste sei die Außenpolitik. Alle wirtschaftlichen Fragen würden entscheidend überragt von den Verhandlungen in Genf. Dort würde die Entscheidung auch dann schon gegen uns ausfallen, wenn der Gegner die Verhandlungen verschleppe. Der Kanzler wünsche Geschlossenheit, für die jede Voraussetzung sehle. Eine Regierung, die praktisch nur aus einer Partei bestehe, könne die Nation nicht vertreten. Der Kanzler hätte den Wehrwillen der Nation mehr betonen müssen. Der Fall Litauen beweise die ganze Schutzlosigkeit und das Recht auf Rüstung. Deutscher Boden sei bedroht, die unerhörten Reden, die in Danzig von offiziellen Vertretern Polens gehalten worden seien, müßten jedem die Augen öffnen. Damit sei der Vorhang. vor dem, was uns im Osten droht, weggerissen. Es komme darauf an, den Kopf klar zu halten. Es gebe nur einen Weg, Beseitigung des heutigen Systems. Die Regierungsgewalt muß den Kräften übergeben werden, die 13 Jahre lang Recht behalten hätten. Deshalb gehe es auch bei der Reichspräsidentenwahl nicht um die Person, sondern um eine Aenderung des Systems. Falls der General= feldmarschall es ablehne, eine Aenderung herbeizuführen, könne der Stahlhelm ihn nicht wählen. Dem Stahlhelm falle das sehr schwer. Unerhört aber sei es, daß diejenigen den Generalfeldmarschall auf den Schild heben wollen, die ihn bei der ersten Wahl begeifert haben. Der zweite Bundesführer habe den Satz geprägt: Es käme nicht darauf an, wer Deutschland rette, sondern daß Deutschland gerettet werde. Die Idee des Frontsoldatentums sei eine freiwillige Wehrbewegung und würde niemals einer Partei ausgeliefert werden. Die geschichtliche Aufgabe des Freiheitskampfes sei, alles das wieder gutzumachen, was Generationen versäumt hätten. Alle Kräfte müssen eingesetzt werden, um diesen Kampf zu gewinnen. Dann würde der Stahlhelm dermaleinst erhobenen Hauptes durch ein neues Deutschland gehen. Brausender Beifall dankte dem Redner für seine zündenden Worte. Die Versammlung sang stehend die vierte Strophe des Deutschlandliedes. Darauf ergriff Exzellenz von Watter das Wort zu einer kernigen Ansprache. Er knüpfte an die Worte des Vorredners an und wies daraufhin, daß hier im Ruhrgebiet vor 13 Jahren die Entscheidung gefallen sei. Unter Hauptmann Lichtschlag und Leutnant Mahnken hätten wenige hundert Mann dem Bolschewismus die Stirn geboten. Er, der Redner, fühle sich mit den Westfalen verbunden und sei bereit, im gegebenen Moment weiter zu helfen!(Bravorufe.) Denn der Krieg sei noch nicht aus, und die Revolution sei noch nicht zu Ende. Mit beißender Ironie sprach er über den Völkerbund, der jetzt im Konflikt zwischen China und Japan so hilflos dastehe. Die unerhörten Vorgänge in Memel und Danzig, der Machtkampf im fernen Osten, Frankreichs Verhalten dem wehrlosen Deutschland gegenüber seien für die unbelehrbaren Phantasten des ewigen Völkerfriedens schallende Ohrfeigen rechts und links. In der Welt entscheide nur die Macht. Er wundere sich, daß Deutschland so ruhig bleibe angesichts der litauischen Frechheit. Hier müsse die Nation in Notwehr handeln. Es gehe jetzt um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Die Stärke des Stahlhelms sei für Deutschlands Wiederaufstieg von größter Bedeutung. Er begrüße auch die Frauenbewegung, die von gleichen Idealen bescelt, ich für Deutschlands Wiedergesundung einsetze und die Jugend wieder für das Deutschtum gewinne. Jetzt komme es auf den Bekennermut an! Deshalb hinein in den Stahlhelm, der eine große Rolle bei der Wiedergestaltung des deutschen Reiches spielen werde. Exzellenz von Watter schloß seine packende und eindrucksvolle Rede mit drei Hurras auf den Stahlhelm. Stehend sang die Versammlung das Stahlhelmlied. Herr Carl Junker dankte dem Redner herzlichst und widmete ihm ein dreimaliges Front=Heil. Der Abend schloß mit einigen Musikstücken der Kapelle Bormann. Die Ortsgruppe Schwelm des Stahlhelms kann mit Stolz auf diese in allen Teilen glänzend und überzeugend verlaufene Kundgebung zurückblicken. Bilanz der städtischen Sparkasse für 1931 Seit langem schon leidet die Sparkasse au unzulänglichen Diensträumen. Viele Jahre ist die umfangreiche Buchhaltung in den schlecht belichteten, ungesunden Kellerräumen untergebracht gewesen; erst seit etwa 3½ Jahren konnte sie nach der 1. Etage in zwar bessere, aber von dem Kassenschalter weit entfernt, alsv unpraktisch liegende Räume verlegt werden. Kasse und Buchhaltung gehören aber wegen der vielen gemeinsamen Geschäfte, insbesondere der Kontenführung halber in engste Verbindung, wenn die Arbeitsleistung ersprießlich sein soll. Auch im Schalterraum sind Verbesserungen dringend nötig. An vielen Taaen des Jahres ist die Oeffnung eines zweiten Zahlschalters unbedingtes Bedürfnis. Bei der jetzigen Einrichtung ist das nicht möglich; es fehlt jede Erweiterungs= bezw. Verbesserungsmöglichkeit. Diese und natürlich noch andere Mängel sind durch die Verbandsrevisoren ständig gerügt worden: bei der letzten Verbandsrevision im Herbst 1930 forderte der Revisionsleiter eneraisch die baldige Abstellung der Mängel. Nach langwierigen Verhandlungen mit der bisherigen Mieterin fand diese sich schließlich bereit, das bis zum 1. Juli 1934 fest gemietete für die Erweiterung der Diensträume der Sparkasse von jeher in Aussicht genommene Geschäftslokal an der Neustraße schon am 1. Juli 1931 zu räumen. Mit dem Umbau dieser Räume ist inzwischen begonnen worden; er geht in wenigen Wochen seiner Vollendung entgegen. Für die Sparkasse wird das Erdgeschoß des ehemaligen Kaufhauses in Anspruch genommen und dort das z. Zt. ebenfalls ungeeignet liegende Sitzungszimmer des Sparkassenvorstandes, das Dienstzimmer des Kassenleiters. des Innenrevisors. die Kanzlei und die Registratur untergebracht werden: auch wird auf der westlichen Seite ein Flur als Zugang zu den im 1. bezw. 2. Stock entstehenden Räumen für das Standesamt und 2 Wohnungen eingebaut. Die durch die Verlegung im Nordflügel des Svarkassengebändes frei werdenden Verwaltungsräume sollen die Buchhaltung aufnehmen. Es wird also durch den Umbau erreicht, daß sämtliche Diensträume fortan im Erdgeschoß liegen und so eine bessere Einteilung der Arbeitsweise ermöglichen. Publikum und Sparkasse werden davon gleichermaßen Vorteil haben. Auch die Mieter von Sicherheitsschrankfächern werden es gerne hören, daß sie künftig nicht mehr in den Keller zu steigen brauchen; die Sicherheitsschrankfächer sollen in der oberen Stahlkammer, also auch zu ebener Erde aufgestellt werden. Die übrigens durchaus traabaren Umbankosten werden vorhandenen Reserven entnommen. Wer hat etwas bekommen? Die Lebensmittelverteilung der„Schwelmer Nothilfe" In dieser Woche hat die„Schwelmer Nothilfe“ die Lebensmittel aus der letzten Sammlung verteilt. Diesmal haben 560 Familien und 32 ältere, alleinstehende Personen eine kleine Lebensmittelspende erhalten. Bei dieser Verteilung wurden vorzugsweise diejenigen Notleidenden berücksichtigt, die im Laufe dieses Winters arbeitslos geworden sind uns bisher bei der Verteilung noch nicht berücksichtigt wurden. Es war die vierte Verteilung von Lebensmitteln, die die„Schwelmer Nothilfe“ in diesem Winter vorgenommen hat. Insgesamt sind in den letzten vier Monaten 4067 Lebensmittelpakete zur Ausgabe gekommen. Eine erfreuliche Zahl! Hoffen wir, daß die Schwelmer Bevölkerung auch bei der nächsten Sammlung, am 17. März, in derselben großherzigen Weise gibt wie bisher, damit die „Schwelmer Nothilfe“ ihr segensreiches Werk weiterführen kann. Wie schon mitgeteilt, ist die„Schwelmer Nothilfe“ auch aus der Spende des Westdeutschen Rundfunks bedacht worden. Aus den beim Westdeutschen Rundfunk eingegangen Beträgen hat die „Schwelmer Nothilfe“ 475 RM. erhalten. 14 Gewinne zu je 5000 Mark 77381, 121 447, 274 342, 333 938, 375 797, 397 463. 28 Gewinne zu je 3000 M 722. 12 673, 37 491, 44 634. 71912, 125799, 173136, 275 246, 287078, 309 115, 328 989, 348 119. 58 Gewinne zu je 2000 M. 6092, 14 350, 21 884, 28 554, 34987, 42 615, 43 114, 43892, 94224. 95148, 161 447, 164 853. 165 510, 289 191, 297 766, 304 528, 313 049, 317110, 334 447, 355 680, 359 556, 375 270, 376752, 390 094. 112 342 19502. 259 029. 17028. 75 853, 193.626, 930 644 378 959, Fürsorgetermine für die Woche vom 22. bis 27. Februar 1932. des Gesundheitsamtes des Ennepe=Ruhr=Kreises Dienstag, den 23. Februar 1932: Gevelsberg. Rathaus. 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Schwelm, Kleinkinderschule, Südstr., 4 bis 9: Sprechstunde der Mütterberatungs= und Säuglingsfürsorgestelle. Haßlinghausen Schule Grüner Weg: 2—4: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Mittwoch, den 24. Februar 1932: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmerstr. 12, 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. Donnerstag, den 25. Februar 1932: Gevelsberg, Rathaus, 3 bis 5 Uhr: Sprechstunde der Mütterberatungs= und Säug lingsfürsorgestelle. Sprockhövel, Turnhalle, 2 bis 4 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Freitag, den 26. Februar 1932: Gevelsberg. Rathaus. 11 bis 12 Uhr: Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. Samstag, den 27. Februar 1932: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmerstr. 12, 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. Süddeutsche Lotterie Ergebnisse der Vormittagsziehung von Freitag(ohne Gewähr): 4 Gewinne zu je 10000 M. 126876, 348 255. 10 Gewinne zu je 5000 M. 37 658, 40 558, 197 869, 237 565. 381 625. 16 Gewinne zu je 3000 M. 12 061, 83 119. 124 446, 148 059. 215 921, 217 217, 252 768, 356 652, 54 Gewinne zu je 2000 M. 1370, 50344. 67 194, 68 119, 78 062, 81 258, 90 536, 90 824. 96 944, 121 313, 138 117, 151 498, 168 184, 171 095. 179 217, 193691, 194 421, 197183, 205 957, 214 772, 255 295, 256 804, 287 135. 305 916, 315 384. 338 348. 309 136. Nachmittagsziehung: 2 Gewinne zu je 10000 M. 197 415. Schwelm. 20. Februar. * Heldengedächtnisfeier. Bei der am Sonntag, den 21. Februar 1932, am hiesigen Ehrenmal stattfindenden Feier wird die Feuerwehr in Gemeinschaft mit der Polizei den Ordnungsdienst übernehmen. Von einer Absperrung soll Abstand genommen werden. Um aber eine reibungslose Abwicklung der Veranstältung zu sichern, bittet die Stadtverwaltung. den Anweisungen des Ordnungsdienstes nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Gedacht ist, daß die teilnehmenden Vereine auf dem freien Wiesenplatz vor dem Denkmal an der Freiligrathstraße. die Fahnengruppen der Vereine. die mitwirkende Feuerwehrkapelle sowie der Gesangverein unmittelbar am Denkmal Aufstellung nehmen. Der Ehrenhof soll im übrigen für die Angehörigen der Gefallenen frei bleiben, ebenfalls der in Höhe des Ehrenmals liegende Teil der Bülowstraße. Das sonstige Publikum wird gebeten, hierauf Rücksicht zu nehmen und möglichst den Platz hinter den Vereinen und den übrigen Teil der Bülowstraße zu benutzen. Die Freiligrathstraße selbst muß freigehalten werden. damit der Zugang reibungslos vor sich geben kann. * D i e M i t g l i e d e r d e r O r t s g r u p p e S c h w e l m im Reichsverband für deutsche Jugendherbergen waren zu der Jahresversammlung am 18. Febr. in das Jugendheim eingeladen. Aus dem Geschäftsbericht ist besonders der Erfolg des Reichswerbetages am 15. und 16. Mai hervorzuheben. 260.07 M. konnten dem Verband überwiesen werden. Auch die Vorführung des Filmes„Wenn wir schreiten Seit' an Seit“ hat am 24. März viele Jugendherbergsfreunde gewonnen.— Die Mitgliederzahl. einschließlich der körperschaftlichen Mitglieder, ist von 107 auf 114 gestiegen. Aus dem Kassenbericht ging die Einnahme von 437,50 Mark hervor, dem die Abgaben von 402,90 Mark gegenüberstanden. Der Rest von 34,60 Mark wurde für die Jugendherberge Hilchenbach bestimmt. Dem Geschäftsführer wurde durch die Kassenprüfer Schwalm und Leise Entlastung erteilt. Vorsitzender und Geschäftsführer ist wieder Herr Turnlehrer Brenner, Bahnhofstr. 58; zweiter Vorsitzender Herr Diakon Schwalm, Döinghauserstraße. Verschiedenes: In letzter Zeit mehrten sich die Klagen von Mitgliedern über die neuen einschränkenden Bestimmungen in der I. H.=Benutzung(42 Uebernachtungen und auf zwei Tage befristetes Benutzungsrecht). die erkennen liefen. daß Sinn und Auswirkung dieser Maßnahmen nicht überall richtig verstanden worden waren. Zur Aufklärung der Mitglieder bringt die Nr. 2 der„J. H.“ einen Hinweis, der gewiß zur Beruhigung beitragen wird.— Die Monatsschrift „Die Jugendherberge“ liegt auch für Nichtmitglieder im Lesesaal auf.— Das neue Herbergsverzeichnis 1932 wird leider erst nach dem 1. März herauskommen. Der Verkaufspreis ist auf 90 Pfg. gesenkt. Der Gau=Herbergsführer„Komm zu uns“ ist für 20 Pfg. zu haben.— Der Reichswerbetag 1932 ist auf den 16./17. April festgesetzt. Es ist um eine Straßensammlung am 16./17. April. um eine Haussammlung vom 16. April bis 1. Mai, sowie für diese Sammlung durch Rund Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. schreiben. Zeitungsaufruse, öffentlichen Anschlag und durch den Rundsunk werben zu dürfen, gebeten worden. Die Mitglieder, von denen so manche im vergangenen Jahre treu zur Herbergssache gestanden haben, werden gebeten, auch jetzt zur erfolgreichen Durchführung weiterhin mitzuarbeiten. Der Reichswerbetag erhält eine besondere Bedeutung dadurch, daß nach einem Antrag der Ortsgruppe Kastrop=Rauxel der Erlös für den Neubau der J. H. Hilchenbach zur Versügung gestellt werden soll.— Wenn alle fleißig mitarbeiten, dann kann auch in dieser schweren Notzeit in Hilchenbach, der Geburtsstätte des großen Werkes, das seine Segnungen nicht nur über 2000 J. H. unseres Vaterlandes, sondern darüber hinaus auch in anderen Staaten Europas und bis hin nach Amerika ausstreut, eine zwar einfache, den Zeitverhältnissen sich anpassende, aber doch würdige J. H. als ein Denkmal des Dankes und Opsergeistes gegenüber dem Mitbegründer des Werkes. Münker, erstehen. (=) An die Abgabe der Einkommen=, Körperschaft= und Umsatzsteuer=Erklärung bis zum 29. Februar wird hierdurch nochmals erinnert. Dabei wird darauf aufmerksam gemacht, daß Bürgersteuer, Krisensteuer und Krisenlohnsteuer in keinem Falle abzugsfähige Ausgaben sind und daß die Kirchensteuer neben dem Pauschsatz von 240 Mark für Sonderleistungen grundsätzlich nicht besonders abgesetzt werden darf, daß die ziffernmäßige Absetzung der Kirchensteuer nur dann in Frage kommt, wenn für Sonderleistungen höhere Abzüge als 240 Mark beansprucht werden und aus diesem Grunde die Sonderleistungen einzeln, darunter also auch die Kirchensteuer, anzugeben sind. (=) Evangelisations=Vorträge finden von Dienstag, dem 23. bis Montag, dem 29. Februar, jedesmal abends 8,30 Uhr, im neuen Saale am Westfalendamm statt. Außerdem sind dort von Mittwoch, dem 24. bis Montag, dem 29. Februar, nachmittags 4 Uhr Bibelstunden angesetzt. Der Eintritt ist frei. Jedermann ist herzlich willkommen. Siehe Anzeige. (=) Der Wintersport im Sauerland ist nur stellenweise möglich. Wintersportzüge werden nicht gefahren. (=) Auf das Konzert, das heute abend vom Musikzug Sturmbann II/17 unter Leitung des Herrn Fr. Braselmann im großen Saale der Wilhelmshöhe ausgeführt wird und um 8 Uhr beginnt, weisen wir nochmals hin. * Vorne Packwagen, hinten Küche. Wie man hört, beabsichtigt die Reichsbahn in den Eilzügen eine Neuerung durchzuführen. Man hat es in unseren Tagen oft vermißt, daß man in den Eilzügen nicht ebenso wie in den Schnellzügen auf der Fahrt eine Stärkung zu sich nehmen konnte. Dem wird jetzt abgeholfen werden. Die Reichsbahn hat nämlich einen neuen Wagen bauen lassen, den man als eine Kombination von Pack= und Speisewagen bezeichnen muß: Vorne Packwagen, hinten Küche. Schon im Sommer sollen alle Ferneilzüge mit dieser Einrichtung versehen werden. Die modernen Eilzüge führen ja alle Durchgangswagen. Da ist es dann ein leichtes, durch den Zugkellner in den Abteilen die verschiedensten Genüsse„aurollen“ zu lassen. Sicher wird diese Einrichtung ihren Zweck erfüllen. Sind doch die meisten Eilzüge immer gut besetzt, und dazu noch von einem Publikum, für das Zeit Geld ist. Es ist in vielen Fällen darauf angewiesen, gleich am Reiseziel die Arbeit wieder aufzunehmen und möchte deshalb gerne während der Fahrt die Mahlzeit oder eine kleine Erfrischung zu sich nehmen. Das wird ihm also bald gelingen. Dann hallt es durch den Eilzugwagen: „Tee, Kaffee oder Fleischbrühe gefällig?“ Herz, was verlangst du noch mehr! Da kannst du alles haben: Kognak, Mineralwasser und Limonaden, Flaschenbier und auch einen Klaren. Dazu gibt es noch Kuchen und Schnittchen, warme Würstchen und rasch herzustellende Eierspeisen. Herrliche Aussichten sind das! Man braucht auf kleinen Strecken nicht mehr trocken zu sitzen; man bestellt, und der Kellner bringt das Gewünschte. Ja, die Reichsbahn tut etwas für ihre„Kunden“! * Kennen Sie den„Abendessen=Karton"? Eine wenig bekannte Annehmlichkeit für abendliche Reisen bietet die„Mitropa“ den Benutzern der von Berlin abgehenden Schlafwagen. Wer vor dem Zubettgehen noch einen kalten Imbiß wünscht, kann sich bereits beim Kauf der Bettkarte im Reisebüro den sogenannten„Abendessen=Karton" für 1,80 Mark bestellen. Der Karton enthält ein gebratenes Kotelett oder 1 Schnitzel, 1 gekochtes Ei, Weißbrot mit Butter sowie Feingebäck oder Obst und wird durch den Schlafwagenschaffner ausgehändigt. * Das„Flämmen" beginnt wieder. Da seit elnigen Tagen das Wetter etwas beständiger geworden ist, kann man die Beobachtung machen, wie Kinder wieder anfangen, das alte Gras ab zuflämmen. Durch das Flämmen ist schon manches Unglück angerichtet worden und ist es schon vorgekommen, daß sich Kinder hierbei erhebliche Brandwunden zugezogen haben. Es ist deshalb Sache der Eltern, ihren Kindern das Flämmen zu verbieten. k Ueber die Ueberfüllung im Juristenbern veröffentlicht das Justizministerium interessante Zahlen. Danach sind an den preußischen Gerichten zu Anfang des Jahres 1932 nicht weniger als 9278 Referendare beschäftigt, die alle in absehbarer Zeit unterkommen wollen. So sind am Kammergericht zurzeit tätig 1986 Referendare(1931: 1790. 1930: 1489), am Oberlandesgericht Breslau 941 (871 bezw. 772), am Oberlandesgericht Celle 707 (631 bezw. 543), am Oberlandesgericht Düsseldorf 873(772 bezw. 641) Reserendare. Am Oberlandesgericht zu Frankfurt a. M. sind 464 Referendare beschäftigt(418 bezw. 342), in Hamm 1137 (959 bezw. 792), in Kassel 307(272 bezw. 220). in Kiel 345(308 bezw. 276), am Oberlandesgericht zu Köln 927(806 bezw. 743), am Oberlandesgericht zu Königsberg 403(373 bezw. 346), Marienwerder 100(99 bezw. 94), Naumburg a. d. S. 730(607 bezw. 550) und am Oberlandesgericht Stettin 358 (319 bezw. 261). An allen Gerichten zusammengenommen sind also zu Jahresbeginn 1932 9278 Reserendare beschäftigt gegenüber 8205 im Jahre 1931 und 7072 im Jahre 1930. * Die deutschen Krematorien im Jahre 1931. Nach der von der statistischen Abteilung des Deutschen Städtetages gemachten Aufstellung gibt es zurzeit in Deutschland 107 Krematorien. Einäscherungen wurden im Jahre 1931 58 237 vorgenommen, also im Durchschnitt täglich 160. Unter den 58 237 eingeäscherten Personen waren 30 244 Männer, 26 896 Frauen und 1097 Kinder unter 15 Jahren. Die Gesamtztffer der in deutschen Krenatorien seit der ersten am 10. Dezember 1878 in Hotha bis Ende 1991 vorgenommenen Einäscherungen beläuft sich insgesamt auf 616601. Milspe, 20. Februar. :: Die nächste Veranstaltung des Volksbildungsausschusses findet am Freitag, dem 26. Februar d. J., abends 8 Uhr im Saale der evangelischen Kirchengemeinde statt. Herr Dr. Arthur Beer aus Hamburg wird an Hand von etwa 120 Lichtbildern einen Vortrag halten über das Thema: „Eine Weltallsfahrt durch das Planetenreich.“ Um auch den Anwohnern der Ortsteile Rüggeberg, Stucken und Külchen Gelegenheit zum Besuch der Veranstaltung zu geben, soll bei genügender Beteiligung ein Sonderwagen der Straßenbahngesellschaft bestellt werden. Die Fahrtkosten werden unter dem Normalpreis liegen. Zwecks Feststellung der Teilnehmerzahl sind in den Schulen Rüggeberg und Stucken Listen zur Eintragung ausgelegt. Die Eintragung verpflichtet zum Besuch bezw. Entrichtung des Fahrgeldes. Gevelsberg, 20. Februar. * Laugfinger im Rathaus.— Die Polizei mit Schüssen empfangen. Die Einbrecher werden immer frecher und gingen sogar soweit, daß sie in der vorvergangenen Nacht in das Rathaus einbrachen. Sie verschafften sich Eingang durch das Standesamt, und wühlten hier wie im Wohlfahrtsamt die Schubsächer durcheinander; anscheinend suchten sie nach Geld, was dort aber nicht zu finden war. Ob Gutscheine von der Wohlfahrt gestohlen worden sind, steht noch nicht fest. Dann drangen sie in die Räume der Stadtkasse ein. Anscheinend vermuteten sie eine größere Geldsumme im Geldschrank, die für die Auszahlung gestern bestimmt war. Sie konnten den Schrank nicht erbrechen, eine Handspur ist noch zu sehen. Der Polizeibeamte R. begegnete auf seinem Gang am Rathaus 2 Männern, die auf ihn schossen. Der Beamte erwiderte die Schüsse, die beiden Männer flüchteten über die Wasserstraße, ein dritter Mann, der plötzlich auftauchte und wahrscheinlich auf die Schüsse aus dem Gebäude herausgekommen war, schoß nochmals auf der Flucht. Der Polizeibeamte glaubt, einen der Täter getroffen zu haben. Die Beamten der Stadtkasse waren noch bis nach Mitternacht in den Büroräumen gewesen und hatten sorgfältig die Fenster und Türen verschlossen. * Gelddiebstahl. Einem Anwohner der Hagener Straße in der Haufe wurden, als er die Wohnung für einige Zeit verlassen hatte, aus verschlossenen Behältern ein Geldbetrag in der Gesamthöhe von 80—100 Mark gestohlen. Das Geld war an verschiedenen Stellen niedergelegt worden. Voerde. 20. Februar. * Eine Sitzung der Amts= und Gemeindevertretung findet am Montag, 22. Februar, nachmittags 5 Uhr, in der Rektoratschule zu Voerde statt. Es stehen folgende Punkte zur Beratung: 1. Benutzung der Turnhalle Häufgen durch das Reichsbanner, den Rasensportverein Altenvoerde und den Schwimmverein Voerde. 2. Wahl von Beisitzern zum Mieteinigungsamt(ausgeschieden ist Ernst Schuster). 3. Ergänzungswahl zur Schuldeputation, Gaswerks= und Wohlfahrtskommission an Stelle des ausgeschiedenen Wilhelm Thiele. 4. Abnahme der Rechnung der Gemeindekasse und der zugehörigen Nebenkassen für das Rechnungsjahr 1930 sowie Erteilung der Entlastung. 5. Genehmigung der im Rechnungsjahr 1930 vorgekommenen Etatsüberschreitungen. Amtsversammlung: 1. Abnahme der Sparkassen=Jahresrechnung für 1930 und Erteilung der Entlastung. 2. Beschlußfassung über die Verwendung des Sparkassenzins= überschusses. Haßlinghausen, 20. Febr. * Bürgersteuer. In den Gemeinden Haßlinghausen. Gennebreck. Linderhausen und Hiddinahausen I wird durch Beschluß des Landrats als Vorsitzenden des Kreisausschusses mit Zustimmung des Kreisausschusses sowie Zulassung des Regierungspräsidenten vom 27. Januar ds. Is. die Bürgersteuer mit den Landessätzen und einem Zuschlage von 250 v. H.(insgesamt also 350 v. H.) erhoben. Wetter, 20. Februar. * Tod auf den Schienen. Am 18. Februar kurz nach 20 Uhr wurde auf der Strecke Vorhalle=Wetter der Arbeiter Walter Lindemann aus Wetter von einem Personenzug überfahren und sofort getötet. Es liegt Selbstmord vor. Sprockhövel, 20. Febr. * Auf die 100 zu! Ihren 95. Geburtstag kann am Montag die älteste Einwohnerin Sprockhövels, Frau Witwe Heinrich Küpper, Hauptstraße. begehen. Frau Küpper ist noch wohlauf und rüstig. Seeabenteuer König Alfons Der ehemalige König von Spanien scheint entschlossen zu sein, die Achterklärung, die die spanische Nationalregierung gegen ihn erlassen hat, einmal auf die praktische Probe zu stellen. Er plant zusammen mit der Königin Elena eine Kreuzfahrt im Mittelmeer, und zwar auf einer Jacht, die die Flagge der spanischen Republik führt. Die Jacht würde damit der spanischen Staatshoheit unterstellt sein und jedes spanische Kriegsschiff könnte sie anhalten und den König verhaften, gemäß dem Beschluß der spanischen Nationalversammlung, wonach der ehemalige König außerhalb der spanischen Gesetze steht und jeder Spanier berechtigt und verpflichtet ist, sich seiner Person zu bemächtigen. Die Mittelmeerfahrt bedeutet also für König Alfons ein gra es Wagnis, zumal er aus seinem Plane gar kein Geheimnis macht. Der König ist auch auf die Gefahr hingewiesen worden, in die er sich begibt. Er hat aber seinen Entschluß nicht geändert. Die Fahrt soll im Laufe dieser Woche von San Remo aus angetreten werden. Die Jacht ist Eigentum des Grafen Riva, eines persönlichen Freundes des Königspaares. Die Besatzung der Jacht hat dem König Treue geschworen und wird während der Fahrt die Abzeichen des spanischen Königshauses tragen. Dürsen an Kassenmitglieder große Arzuelpackungen abgegeben werden? yn Hagen, 20. Febr. Ein Prozeß von großer Bedeutung für Krankenkassen, Apotheker und Kassenmitglieder kam gestern vor dem Schöffengericht la zur Verhandlung. Der Apothekenbesitzer Egon R. und der Apotheker Wilhelm F., der bei ersterem in Diensten stand waren wegen Betruges unter Anklage gestellt. Sie sollen die Ortskrankenkassen Hagen=Delstern, die Handwerkskasse und die Betriebskrankenkasse von Elbers um zusammen 350 RM.(der Betrag wurde nicht genau festgestellt) dadurch geschädigt haben, daß einerseits den Mitgliedern der genannten Kassen, entgegen der Bestimmung 29 der Arznei=Taxe, statt kleine Packungen von Spezialarzneien große verabfolgt wurden, anderseits in verschiedenen Fällen, wo kleine Packungen verabfolgt waren, den Kassen den Preis für große Packungen in Rechnung gestellt zu haben. Beide Angeklagten bestreiten, sich schuldig gemacht zu haben. R. gibt zu, an„großzügige“ Kassen, eben die drei oben genannten, generell große Packungen verausgabt zu haben, denn diese hätten nie reklamiert. Dies bedeute aber keine Schädigung der Kasse, denn eine große Packung stelle sich immer billiger, als zwei kleine. In den meisten Fällen kämen die Patienten mit einer kleinen Packung nicht aus und und müßten den Weg zum Arzt und Apotheker zweimal machen. Es läge ein Vorteil für Kasse und Patient vor, wenn große Packungen verabfolgt würden. Die Arznei=Taxe sehe wohl in§ 29. der übrigens auf Drängen der Kassen in den letzten Jahren aufgenommen wurde, vor. daß in den Fällen, wo nicht anders verordnet, kleine Packungen abzugeben seien. Die jetzt bestehende Arznei=Taxe habe aber keine Gesetzeskraft, weil sie nicht im Reichsanzeiger veröffentlicht sei. Sie enthalte für ihn nur Richtlinien. Die Auswerfung von unrichtigen Preisen sei nur aus einem Irrtum heraus erfolgt. Dies sei sehr gut möglich dadurch, daß die Tarierung der Rezepte erst in den Abendstunden erfolgt, und oft von Personen, die die Arzneien selbst nicht ausgegeben haben. In den vorgekommenen Fällen sei die Person in dem Glauben gewesen, es sei eine große Packung verabfolat worden und berechnete demgemäß, in Wirklichkeit war dann eine kleine Packung abgegeben worden. Aus Absicht sei dies nie geschehen. Der Mitangeklagte F. hat die Packungen auf Anweisung seines Chefs verabfolgt. Direktor B., VorDer Sport im Schwelmer F. C. 06 FC. Schwelm— BV. 04 Düsseldorf Der Schwelmer FC. tritt morgen nachmittag erstmalig dem BV. 04 Düsseldorf im Meisterschaftskampfe entgegen. Beide Gegner haben noch Aussicht auf die Gruppenführung, wer aber morgen verliert, der dürfte aus der Reihe der Anwärter auf die Gruppenmeisterschaft für diesmal ausscheiden. Wie der Ausgang des morgigen Kampfes sein wird, ist ungewiß, denn beide Mannschaften verfügen auch gegen Ende der Meisterschaftskämpfe noch über eine ungebrochene Kampseskraft. Kämpfen die Schwelmer morgen mit demselben Eifer wie am vorigen Sonntag gegen Schwarz=Weiß Barmen, dann dürfte es den Gästen, bei denen auch der bekannte Euler, früher BC. Köln, mitwirkt, schwer fallen. Sieg und Punkte zu entführen.— Vorher spielt die A. H.Mannschaft gegen die gleiche Einheit des Sp. V. Milsve. Weitere Fußballspiele: Die 2. und 3. Mannschaft treten in Ronsdorf gegen den T. u. Spv. zum Meisterschaftskampse an. Anfang der Spiele um 2,30 bezw. um 12,45 Uhr. Abfahrt beider Mannschaften um 11,45 Uhr ab Altmarkt per Auto. Die 4. Mannschaft spielt heute um 3,30 Uhr in Linderhausen. Treffpunkt: 2 Uhr Reichsbank. Rehkämper Konzert am 2. März Der Vorverkauf hat begonnen. Siehe Plakate. Handball Schwelmer FC. 1— Tura Barmen 1 Auf diesen wichtigen Kampf haben wir schon hingewiesen. Spielbeginn: 11 Uhr vormittags. 1. Grün=Weiß=F. F. S.— Spg. Langerfeld 2 Zum Rückspiel tritt am morgigen Tage die Langerfelder Sportgemeinde an. Für die Hiesigen handelt es sich darum, die in Langerfeld erlittene Niederlage wieder wettzumachen. Nach den letzten Spielen der jungen Feuerwehrmannschaft gemessen, kann dies vielleicht glücken. Jedenfall trifft Langerfeld auf einen stärkeren Gegner als im Hinspiel. Das Spiel beginnt in Anbetracht der Heldengedenkfeier punkt 9 Uhr und nicht, wie auf den Plakaten angegeben, 9.45 Uhr. D. J. K. Am kommenden Sonntag empfangen die Hiestgen den T. u. Sp. V. aus Wermelskirchen zum fälligen Meisterschaftsspiel. Die Gäste stellen eine slinke Mannschaft, welche zu kämpfen versteht. Das Hinspiel konnte Schwelm knapp gewinnen. Sollen die Punkte hier bleiben, so müssen die Hiesigen mit ganzem Ernst bei der Sache sein, zumal man sich einen Punkteverlust nicht mehr erlauben kann, um die bisherige Spitzenstellung nicht zu verlieren. Der Beginn des Spieles ist auf 3 Uhr festgesetzt(Rennbahn). Weitere Spiele: 2. Mannschaft— Barmenia stand des Krankenkassenverbandes, gab an, daß lant Beschluß des Verbandes. die Krankenkassen die Apothekerrechnungen durch einen Vertrauensapotheker nachprüfen lassen. Nur die drei oben genannten Kassen haben entgegen dem Beschluß die Rechnungen nicht prüfen lassen, sie wurden nur von Angestellten rechnerisch geprüft. Daher kommt die„Großzügigkeit“ dieser drei Krankenkassen. Als dann auch diese Kassen im Februar 1931 die Rechnungen durch den Vertrauensapotheker revidieren ließen. stellten sich diese Unregelmäßigkeiten heraus und der Stein kam ins Rollen. Die Befolgung der Vorschriften der Arzneitaxe sei im Vertrage nicht ausdrücklich erwähnt. aber die Kassen hätten den Apothekern das Vertrauen entgegengebracht, daß sie nach der Arzneitaxe handelten. Nach Aussagen des Vorstandes des Apothekervereins halten sich alle Apotheker an den§ 29 der Arznei=Taxe. Auch seiner Ansicht nach habe diese Taxe keine gesetzliche Bedeutung. dies hindere aber nicht, daß man sie strikte befolge. Das Ehrengericht habe sich bereits mit der Angelegenheit befaßt und R. zu 1000 RM. verurteilt. Nach der Ansicht des Sachverständigen, Apothekenbesitzer Z. aus W.=Barmen, könne sich der Apotheker nicht in allen Fällen an den§ 29 halten. Er habe aus den Unterlagen festgestellt, daß in wenigen Fällen falsche Berechnungen vorgekommen seien. Seiner Auffassung wohl aus Unkorrektheit. Aus den Fällen, wo der Arzt in seiner Verordnung nicht besonders erwähnt hat, ob große oder kleine Packungen, und dann große Packungen verausgabt worden seien, könne er keinen Betrug erblicken. Die Verteidigung stellte unter Beweis daß gerade Beamte und Beamtenfrauen von Krankenkassen. also Beamte der Krankenkassen. durchweg große Packungen verlangen und diese auch von den Kassen anstandslos bezahlt würden Diese Beweisanträge wurden abgelehnt. Der Staatsanwalt sah die Arzneitaxe als Bestandteil des Vertrages zwischen den Kassen und den Apothekern an. wenn auch in stillschweigendem Sinne. Der Betrug sei erwiesen. Er beantragte für den Angeklagten R. eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, für den Angeklagten F. eine Geldstrafe von 150 RM. Er versagte beiden mildernde Umstände. Die Verteidigung leate juristisch dar, daß die Arzneitaxe keine Rechtsbedeutung habe und der Angeklagte berechtigt war. von derselben abzuweichen. Es wurde Freisprechung beantragt. Nach siebenstündiger Verhandlung und halbstündiger Beratung machte das Gericht bekannt, daß das Urteil am 26. Februar verkündet werden soll. Barmen 1. 10,30 Uhr vorm.; 9. Mannschaft Grün=Weiß Milspe 2, 1,15 Uhr nachm.; 1. Jugend — Montania Barmen 1. Jad. 1,30 Uhr nachm. in Barmen: 2. Jugend— Hermannia Elberfeld 2. Jgd. nachm. 4,30 Uhr. Samstag: 1. Schüler— FC. 06 Schwelm 1. Schüler, 4,80 Uhr; 2. Schüler— FC. 06 Schwelm 2. Schüler, 3,30 Uhr. Eingesandt. zur Peröff utlichung unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die Verantwortung im Sinne des Preßgesetzes, während dem Publitun gegenüber jede Berantwortung abgelednt wird. Vom Kreisausschuß des Ennepe=Ruhr=Kreises sind wieder mal neue Unterstützungssätze festgesetzt worden. Die Unterstützungsempfänger haben in dieser Woche zum ersten Mal mit dieser neuesten Errungenschaft Bekanntschaft gemacht. Mit mir werden sämtliche Unterstützungsberechtigte— ob sie nun Erwerbslose sind oder Krisenunterstützte, Sozialrentner oder Kleinrentner oder Wohlfahrtserwerbslose oder welche anderen schönen Titel sie führen mögen— ausnahmslos der Meinung sein. daß der Kreisausschuß etwas ganz„Hervorragendes“ geschaffen hat! Aus der großen Zahl nur ein Beispiel. Eine Familie, bestehend aus Mann, Frau u. 3 Kinder bis zu 14 Jahren= 5 Personen, erhält wöchentlich 21,43 Mark. Hiervon gehen ab 17,50 Mark monatlich für Miete(ein evtl. Mehrbetrag wird augenblicklich noch vom Wohlfahrtsamt übernommen), Kosten für Gas oder elektrisches Licht oder für beides, so daß also zirka 16 Mk. pro Woche für den Unterhalt der Familie zur Verfügung stehen. Außerdem erhält die Familie, was der nachfolgende Wortlaut eines Handzettels meldet: Schwelm, den 15. Februar 1932. Neben der Barunterstützung kann für die Folge, wenn ein dringendes Bedürfnis vorliegt, Kleidung, Wäsche und Schuhzeng gewährt werden. Ein Abzug der Anschaffungskosten von der Barunterstützung findet nicht mehr statt. Städtisches Wohlfahrts= und Jugendamt. Jeder Unparteiische, der es noch nicht wußte, nuß doch jetzt einsehen, daß wir vom goldenen Zeitalter nicht mehr allzuweit entfernt sind, und as Verdienst, den Weg dahin gewiesen zu haben, ebührt dem wohllöblichen Kreisausschuß. Ich nache nicht in Politik. Doch: cavete, consules! Ein Erwerbsloser, der die neuen Maßnahmen am eigenen Leibe verspürt. Der„Tolle Bomberg“ im Wie bekannt wird besteht die Absicht, die Streiche des„Tollen Bomberg“ zu verfilmen. Der Film soll sich an das Buch Dr. Winklers anlehnen. Die Aufnahmen dürften in der Hauptsache auf dem Prinzipalmarkt, dem Roggenmarkt und in der Bogenstraße in Münster i. W. gedreht werden. Wetterbericht der Wetterwarte Essen Vorherrschend wolkig, zeitweise Sprühregen oder Schnee, Temperaturen um den Gefrierpunkt, westliche bis nordwestliche Winde. Speri Nachrichten — — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. K— Passions-Gottesdienste Mittwoch, 24. Februar, abends 8 Uhr. in der Pauluskirche: Herr Pastor Jost(Cvorgesang; anschl. beil. Abendmahl). Voerde. Mittwoch, 24. Februar, abends 8 Uhr, in der Kirche: Herr Pastor Dr. Siekermann (anschl. Abendmahl); in der Kapelle zu Altenvoerde: Herr Pastor Knipp(anschl. Abendmahl). Gevelsberg. Dienstag, 23. Februar, abends 8.30 Uhr, in der Kirche Oberstadt: Herr Pastor Köhne; in der Kirche Hause: Herr Pastor Röttger; in der Kirche Vogelsang: Herr Pastor Sinn. Milsve. Donnerstag, 25. Februar, abends 8 Uhr: Herr Pastor Dedeke(Chorgesang). Laugerfeld. Mittwoch, 24. Februar, abends 8.30 Uhr. in der Alten Kirche: Herr Pastor Lohmann(Mitwirkung des Chores des Ehrenberger Jungmädchenvereins).— Donnerstag, 25. Februar, abends 830 Uhr, im Gemeindehaus Beckacker: Herr Pastor Altenpohl. Nächstedreck. Mittwoch, 24. Februar, abends 8.80 Uhr: Passionsandacht in der Kirche. Rüggeberg. Mittwoch, 24. Februar, abends 8 Uhr: Passionsgottesdienst in der Kirche. Haßlinghausen. Donnerstag. 25. Februar, abends 8 Uhr: Herr Superintendent Sassenberg. Rudolf Mosse Zeitungs=Katalog 1932 Der Rudolf Mosse ZeitungsKatalog liegt uns in seiner 58. Ausgabe vor. Dieses bedeutende Nachschlagewerk der größten Annoncen=Expedition der Welt, wie immer in geschmackvollem und repräsentativem Gewande erscheinend, behandelt das gesamte in= und ausländische Pressewesen und stellt nach Inhalt und Umfang ein überzeugendes Dokument dar für die überragende Bedeutung der Zeitungsanzeige unter allen Werbemitteln. Sehr treffend wird im Vorwort ausgeführt, daß die Losung„Sparen“ nichts bedeuten würde, wenn man darunter nur Streichung von Mitteln und Zurückl dämmung des Konsums versteht. Rechtes Sparen kann nur sein, und das ist besonders auf die Reklame anzuwenden, daß die zur Verfügung stehenden Mittel auf die rationellste Weise und bis ins letzte durchdacht angelegt werden. Das rationelle Sparen in der Reklame setzt aber voraus, daß man die Vielsalt der Reklamemöglichkeiten und Reklameformen in allen ihren Gliedern und Verzweigungen kennt und aus ihr das für jeden Einzelfall Richtige und Rentable herauszuschälen versteht. Als Verleger des Deutschen Reichs=Adreßbuches und als Herausgeber vieler Landes=Adreß= bücher europäischer Staaten, schließlich mit Hilfe einer besonderen Abteilung für Marktuntersuchungen erhält Rudolf Mosse einen tiefen Einblick in die Wirtschaft der Ländei und in die Schichtung und Gliederung der Käuserkreise, der erforderlich ist, um einen Reklameseldzug mit größter Rentabilität zur Durchführung zu bringen. Die absolute Beherrschung des Stoffes, die der beratenden Tätigkeit der Annoncen=Expedition Rudolf Mosse ihren hohen Wert verleiht, zeigt sich auch in der Gesamtanlage wie in allen Einzelheiten des Zeitungs=Kataloges. Stadttheater hagen Samstag, 20. Febr., 19.80 bis 28 Uhr: Im weißen Rößl. Revue=Operette. Sonntag, 21. Jebr., 14,15 bis 17,55 Uhr: Im weiben Rößl. Montag, 22. Febr., 20 bis 22 Uhr, Reihe A 12: Frauen haben das gern. Schwank=Operette. Dienstag, 23. Febr., 20 bis 22 Uhr, Reihe C 20: Frauen haben das gern. Mittwoch. 24. Febr., 15,30 bis 17,30 Uhr: Emil und die Detektive, ein Theaterstück für große und kleine Kinder. 20 bis 22,45 Uhr. Reihe D 12: Ein Maskeuball. Oper. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Haus Scherz; Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Statt Karten Maria Püls Karl Wäger Verlobte W.-Beyenburg Rahlstedt-Hamburg 20. Februar 1932 Zum 1. April wird ein Ladenlokal im Mittelpunkt der Stadt gesucht von leistungsfähiger Firma. Schriftl Anfr unt. Nr. 1060 bef die Geschäftsst d. Ztg. 1. Korinth 13. 8. Die Liebe höret nimmer auf. Gott, dem Hllmächtigen, hat es gefallen, heute abend 6¾ Uhr meinen innigstgeliebten Gatten, unsern herzensguten Vater, Schwiegervater, unsern lieben Bruder, Schwager und Onkel Prieatich Verkump im Alter von fast 64 Jahren, nach kurzem, schwerem Leiden, im festen Glauben an Seinen Erlöser zu Sich in die Ewigkeit zu nehmen. Er ging seiner Schwester 1 Stunde im Tode voran. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Schwelm, den 19. Februar 1932. Die Beerdigung findet am Montag, dem 22. Februar, nachmittags 2½ Uhr, vom Städt. Krankenhause aus statt. Zrungenisuliens-Vertrage von Dienstag, den 23. Februar 1932, bis Montag, den 29. Februar 1932, jedesmal beginnend 8½ Uhr abends. Bibelstunden von Mittwoch, den 24. Februar 1932, bis Montag, den 29. Februar 1932, nachm. 4 Uhr im neuen Saale Westfalendamm Eintritt frei! Jedermann herzlichst willkommen! Die alten Naturmittel— Giftfreie Kräuterkuren nach dem Bönner- Odin'schen Heilverfahren mit den erprobten Sauerländischen Gebirgskräutern und deren Auszügen— nach alten Klosterrezepten. Erfolge nachweisbar— Zahlreiche Dankschreiben. Fettsucht u. Dickleibigkeit Biät“—- keine Erschlaftung der Glieder— macht mühelos schlanker, frischer und leistungstähiger. Sie fuhlen sich beweglich und verjüngt. Keine Runzeln und Palten. Kurpackung mit allem Notwendigen portofrei Rm. 14.50 Palloneteine Keine Oelkur— sofortige Linderung— leichter Güllenstenlle und schmerzloser Abgang der Steine. Kurpackung mit allem Notwendigen portofrei Rm. 12.80 Jueberkegankholt Auch ohne lästige Diät— in Kürze wieder Zuckerkrünkhent arbeitsfähig und lebensfroh. Kurpackung mit allem Notwendigen portofrei Rm. 13.60 auenbeschwberden kurzer-Zesr. Störungen— Wirkung in Kurpackung mit allem Notwendigen portofrei Rm. 7.50 Auskunft über alle Le den ersolg kostenlos. Versand gegen Vo einsendung oder Nuchnahme. Nie dir eien beltenice bereienen die esie berute bei Nichterfolg Geld zurück. Natur- und Pflanzenheil-Verein Dortmund Pestscheenkente: Dertmand Nr. 88147. Für Kranke und Erholungsbedürftige empfehlen wir unser Sanatorium. Herrlich gelegen am Puße des Ardeygebirges. Stlang der Rädtischen Pparkasse za Tchideim per 31. Dezember 1931 In kauten gesucht: Gedr. Schreibtisch, dkl. eich. nebst Sessel, kl. Geldkasselle. Schriftl. Ang. unt 1051 bef. die Geschst. d. Ztg. Aktiva Kasse, Guthaben bei Reichsbank, Postscheckamt und Abrechnungsbanken Guthaben bei öffentlichen Banken....... Wechsel Wertpapiere Schuldner in laufender Rechnung Faustpfand= Darlehn Bürgschaft=Darlehn Hypotheken=Darlehn Gemeinde= Darlehn Mobilien Immobilien Vorschüsse Stück= und Restzinsen per 31. 12. 1931.... Aufwertungsfonde......„ Avale 51 000.— RM. Offene Depots....... 1 784 784.28„ R.A 74 1 262 26 1640 568 31 72 5 954 1816 15 2 195 2 669 190 297 846 425 200 300 370 226 656 354 1 359 441 665 14329337 05 Passiva Spareinlagen Einlagen in lausender Rechnung Nostroverpflichtungen bei der Deutschen Girozentrale Lombardverpflichtung bei der Reichsbank.... Wechselinkasso= Konto Uebergangs= Konto Aufwertungsfonds Sicherheitsrücklage Sonderrücklage Avale 51000.— RM. Offene Depots 1 784 784,28„ K 899 880 05 Gewinn- und Verlust- Rechnung für 1931. Sol Zinsen Verwaltungskosten.... Steuern Abschreibung auf Mobilien Reingewinn für 1931.. R.A Haben R Vorstehende Bilanz nebst Gewinn= und Verlustrechnung wird hiermit bekannt gemacht. Die für die Aufwertung in Frage kommenden Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sind in der Bilanz nicht enthalten. Schwelm, den 20. Februar 1932. Vorstand der Städtischen Sparkasse Schwelm: Der Vorsitzende: Dr. Puller, Bürgermeister. Der Direktor: Wollmerstädt. Der Rendant: Hondelmann. PREUPO das Fahrrad, von dem man spricht und das man kauft, weil seine Qualität höher ist als sein. Preis. Niele-Melior wird. zum Beispiel schon für den. erstaunlich, niedrigen, Preis von RA 75.- geliefert. Püedewerkekl. Gübersichlfest. Ober 2000 Werksangehörige Zu haben in den Fahrradhandlungen Redegew. Vertreter(innen) (Arbeitslose) zum Besuch von Viehhaltern gesucht. Provision wird sofort ausgezahlt. Offerte, Düsseldorf Postschließfach 566. Fast die Hälfte seines Lebens verschläft der Mensch. Da soll das Bett aber auch wirklich gut sein. Ueber die vielen Qualitätsbegriffe für Federn, Inletts, Matratzen und allem Zubehör unterrichtet Sie zuverlässig Max Klein] Schwelm Ferecoon#e#cr Schüler= u Schülerinnen=Vorbereitung auf alle Klassen und Prüfungen Bahnhofstr 34, Tel. 23678 in reicher Auswahl empfichlt M. Scherz Bochhandlung Schwelm, Neustraße 6 er. für. Orle Behllling Treuhänder 5712 Fernspr. 2926 Schweim, Ostenstr. 26 Kaufm. u. steuerrechtl. Beratung, Durchführung von Sanierungen jeder Art, Bllanzierungen und Betriebsorganisa. tionen. Achten Sie bei Ihren Broteinkäufen vor allen Dingen auf die Qualität. Der Fieis iur Nue-Broisorte 30 Tig. Bäckerei Berghaus Conditorei Tel. 2503(7179) Barmerstr. 2 Tekandtmachung Im Anschluß an die Bekanntmachung vom 17. Dezember 1931 wird hiermit auf Grund des§ 23 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907(G.=S. S. 207) bekanntgegeben, daß der mit dem Landwirt Walter Dicke in Haßlinghausen=Landringhausen abgeschlossene Jagdpachtvertrag vom 25. Februar 1932 bis einschl. 10. März 1982, vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, in meiner Wohnung in Hiddinghausen II Nr. 25 öffentlich ausliegt. Jeder Jagdgenosse kann während der Auslegungsfrist bei dem Kreisausschuß in Schwelm gegen den Pachtvertrag Einspruch erheben. Dieser Einspruch darf sich jedoch gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen insoweit nicht richten, als dieselben durch das im§ 21 des obengenannten Gesetzes vorgeschriebene Verfahren festgestellt sind. Hiddinghausen II. 18. Februar 1932. 1054 Der Jagdvorsteher: Kleine, Gemeindevorsteher. Aeuie Ia vom ganzen Hasen Pfd. 70 Pig. 1½ Pfd. 1.— M. Pfd. 95 Pig. H. C. Bahr a. eichene Lauupfähle und Brebanen billig abzugeben. Herm. Ronft. Schwelm, Beyenburgerstr. 110. Andol. Inniher mit Kochgelegenheit sofort zu vermieten. Näheres Königstr. 4. Aibgschl. Gage 3—4 Zimmer für sofort oder später zu mieten gesucht. Schriftl Angeb. mit Preisangabe u. 1055 an die Geschäftsst. d. 3. Unterhaus, schöbe Zimmer in gutem Hause zu verm. Schriftl. Angebote unt. 1001 an die Geschäftstelle df. Ztg. Existenz Gesucht tücht. Vertreter für den Vertrieb von Margarine. Schriftl. Angeb. u. Astoria 1025 a. d. Geschäftsst. d. 3. Lis1-seh. 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An ihrer Seite zu stehen, ist höhere Pflicht, als Totenfeiern abzuhalten und die müden Seelen noch mehr zu belasten mit der Erinnerung an die furchtbare Stunde der Gewißheit: der, den du liebst, kehrte nicht heim. Hätte der Volkstrauertag die Aufgabe, alte, vielleicht erst oberflächlich vernarbte Bunden wieder aufzureißen, wollte er, worauf sein Name allerdings hindeutet. Trauer in die Herzen unferes Volkes. der Eltern und Bräute, der Witwen und Waisen, der Kinder uns Kindeskinder bineinsenken, dann hätte er seinen Zweck verfehlt. Welche Aufgabe der Volkstrauertag hat, darauf weist schon seine Festlegung auf einen Sonntag im Vorfrühling. Damals. nach dem Kriege 1813, als die Begeisterung über die Siege der deutschen Armee und die wieder errungene Freiheit überschäumte, damals lag es nahe, daß der preußische Könia einen Taa der Toten am letzten Sonntag des Kirchenjahres unseren heutigen evangelischen Totensonntag, einführte, der das preußische Volk zur Besinnung mahnen und es an die Gräber der Gefaslenen führen und es erinnern sollte, so, wie die Natur jetzt im Absterben begriffen ist, wird auch für dich dermaleinst die Stunde kommen, da du bereit sein mußt. Das ist auch noch heute der Sinn des Totensonntags. Es wäre aber ein Unding, wollte man den Totensonntaa und den Volkstrauertag zusammenlegen. Die Erinnerung eines ganze: Volkes an die zwei Millionen Toten des Weltkrieges kann nicht verquickt werden mit der Trauer der Familie um den Verlust eines Angehörigen den vielleicht Alter oder Krankheit dahingerafft hat. Diese haben größtenteils ihre Aufgabe erfüllt gehabt. als der Tod sie abberief, jene zmei Millionen aber waren fast alle lebensfrische Männer in der Vollkraft ihres Schaffens. die ihr Leben freiwillig hingaben, damit Deutschland lebe. „Die Besten unseres Volkes sind nicht gestorben, damit die Lebenden tot seien, sondern daß die Toten lebendig würden!“ Nicht ist daher der Volkstrauertag ein Tag der Trauer, des Verlierens in Klage und Mutlosigkeit, sondern ein Taa des Aufbruches des ernsten Willens. das Vermächtnis dieser zwei Millionen zu erfüllen. Ueber dem Totensonntag oder dem Allerseelentag steht das uralte Philosophenwort: Die Hoffnung ist bei den Lebenden; der Volkstrauertag sagt uns aber: sie ist auch bei den Toten! Volkstrauertag feiern bedeutet also: aus der Vergangenheit schöpfen, um für die Zukunft zu bauen. Siehe, deine Gefallenen kommen am Volkstrauertag zu dir. Sie sind eine Saat. die von Gott in unsere Herzen gesät ist, um frisches Leben und neue Kräfte zu treiben, die Kräfte, die sie beDas Roman von MAX NEAL. 42 Deppelte Gesient (Schluß.) Aber Bettina trat ihm in den Weg.„Nicht so, Johann Georg,“ bat sie.„Wir wollen in Frieden scheiden und uns in guter Erinnerung behalten. Ich will meinen Kindern einmal erzählen können von einem Fürsten, der sich mit der vollen Kraft seiner Seele selbst überwunden hat, weil er liebte. In ihre Herzen soll dieser Same gestreut werden, damit auch sie einstmals tapfere Menschen werden.“ Sie bot ihm den Mund zum Kuß. Verwirrt, fast scheu wie ein Kind, küßte er sie. Dann hastete er wie einer, der vor sich selbst ängstlich flieht, die Treppe hinauf und verschwand im Schtoß. Fünfzehntes Kapitel.. Im Arbeitskabinett erwartete Amalie Anna den Herzog. Johann Georg war es zumute wie einem Menschen, der eben erwacht ist, der sich aber vor dem Augenblick der klaren Erinnerung in einem Wirrsal von Traum und trüber Wirklichkeit kaum zurechtfindet. Er warf Hut und Stock beiseite, ließ sich in einen Stuhl fallen und legte die Hand vor die Augen. Die Prinzessin sah ihren Bruder mit aufrichtigem Mitleid an.„Du wirst es überwinden, Johann Georg. Der Herzog nahm die Hand von den Augen und sprach abgespannt und müde:„Ich habe es hinter mich geworfen wie etwas Sündhaftes. Verbotenes. Nun brauche ich nur noch Zeit, um zu vergessen. Bei mir wird das allerdings nicht so geschwind gehen wie bei dir. Du hast dich ja überraschend schnell darüber hinweggesetzt, daß dir dieser Joachim von Erken durch die Lappen gegangen ist.“ Amalie Anna verzog ein wenig den Mund, dann meinte sierleichthin:„Es war eben nicht der Richtige. Das erfährt man immer erst auf eine so wenig erfreuliche Weise. Damit muß man sich abfinden. Und außerdem gibt es ja Gott sei Dank noch mehr Männer.“ „Gut für dich, daß du so leicht darüber wegkamst. Ich aber habe genug vom sogenannten Glück der Liebe.“ Die beiden verharrten einen kleinen Augenblick in Schweigen. Amalie Anna beobachtete ihren Bruder, ob fähigte, in Not und Tod auszuhalten: der Glaube an das Recht, die Hoffnung auf den Sieg und die Liebe zur Heimat. Reminiscere heißt: zielsicheres Vorwärtsschreiten im Geist und Willen derer, die von uns gegangen sind. Das Gedenken an unsere Toten gibt uns den Glauben wieder, jenen unerschütterlichen Glauben, der sie beseelte, als sie in den Kampf gingen: Deutschland. Deutschland über alles, über alles in der Welt! Volkstrauertag, an der Schwelle des Frühlings. bringt uns die Hoffnung auf die Wiederauferstehung unseres Volkes und Vaterlandes, auf die Sonne. die durch die Wolken bricht, wenn jetzt auch noch der Sturm durch die deutschen Gaue segt und alles niederzureißen droht. Und letztens soll aus der Erinnerung jene Liebe wieder erwachen, die auch zum letzten Opfer bereit ist. Auf diese Liebe weist uns auch der Passionssonntag hin. Jesus Christus opferte sich, um uns Frieden zu geben. So werden wir von der Liebe unserer Gefallenen hingeführt zu der ewigen Liebe Gottes. Volkstrauertag in der Passionszeit! Ueber uns leuchtet versöhnt das Kreuz von Golgatha und vor uns stehen die zwei Millionen Kreuze der Gefallenen, von denen es herüberklingt als Fanal in eine neue deutsche Zukunft: „Als die Sterbenden und siehe, wir leben!“ Sie starben für uns! wohl jetzt der geeignete Zeitpunkt für das war, was sie ihm zu sagen beabsichtigte. Nach kurzer Ueberlegung wagte sie es.„Johann Georg, du wirst jetzt einen neuen Adjutanten brauchen?“ „Das eilt nicht so.“ „Ich hätte bereits einen für dich,“ meinte die Prinzessin und kraulte ihren Bruder schmeichelnd im Haar. „Na schon gut. Ihr Frauen müßt immer ein bißchen protegieren,“ entgegnete er gutmütig. „Wer ist es denn?“ Amalie Anna antwortete ganz so, als ob es die selbstverständlichste Sache von der Welt wäre: „Oberleutnant von Wasil.“ Der Herzog besann sich einen Augenblick.„Wasil? Von Wasil? Ach richtig, Ein mattes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Er blinzelte Amalie Anna ironisch an:„Du willst ihn wohl ein bißchen entschädigen für die Unannehmlichkeiten, die du ihm bereitet hast? Schön. Ich werde ihm das Patent als Rittmeister ausstellen. Er soll sich dann bei mir melden.“ Die Prinzessin tätschelte ihm die Wangen. „Es ist sehr lieb von dir, meinen Wünschen Rechnung zu tragen.“ „Ja, wenn man euch Weibern den Willen tut, dann ist man lieb. Da ist eine wie die andere.“ Und ohne von Amalies Gegenwart weiter Notiz zu nehmen, brütete er vor sich hin. Die Prinzessin entfernte sich mit einem leichten:„Guten Tag, Johann Georg.“ Sie begab sich in ihren Salon und befahl sofort den Oberleutnant von Wasil zu sich. Es dauerte eine geraume Weile, bis man den Gesuchten bei seinem Bruder im Park sand. Die beiden Brüder hatten, während Bettina und die Gräfin langsam im leuchtenden Sonnenschein zwischen phantastisch beschnittenen Taxuswänden hin und her wandelten, an einer abseits gelegenen Stelle voneinander Abschied genommen. „Gregor, ich lasse dich nicht ganz ohne Sorge hier an diesem Hof zurück,“ sagte Joachim und blickte seinen Bruder nachdenklich an. „Ich werde meine Sache schon gut machen.“ meinte Gregor mit dem unerschütterlichen Wagemut der Jugend. „Davon bin ich überzeugt. Aber sei um Gottes willen vorsichtig. Gregor machte ein verschmitztes Gesicht.„Ich habe ja die Prinzessin als Beschützerin.“ Erken zog die Stirne etwas kraus.„Gewiß kann sie dir nützen, aber sie bedeutet für dich auch eine Gefahr, wenn sie merken sollte, daß du sie nicht um ihrer selbst willen liebst.“ „Wer sagt denn, daß ich das nicht tue?“ Gregor lachte vergnügt auf. Erken stimmte jetzt in seines Bruders Lachen ein.„Na, dann viel Glück,“ sagte er und klopfte Gregor auf die Schulter.„Und vergiß nie den eigentlichen Zweck deines Hierseins: immer zuerst Napoleons Verderben!“ „Tod und Schmach über ihn!“ entgegnete Gregor, und es klang wie ein feierlicher Schwur Da hörte er seinen Namen rufen. Die beiden Brüder begaben sich zu Bettina und der Gräfin, wo ein Lakai auf Gregor wartete. Bettina rief ihm schon von weitem zu:„Gregor soll sofort zur Prinzeffin Amalie Anna kommen.“ Gregor warf dem Bruder einen bedeutungsvollen Blick zu:„Meine Mission beginnt.“ Nachdem er sich von Bettina und der Gräfin und mit einem vielsagenden Händedruck von Erken verabschiedet hatte, folgte er dem Lakai. Die Prinzessin hatte in ihrer Ungeduld schon zweimal gefragt, wo Oberleutnant von Wasil so lange bleibe. Sie empfing ihn, als er in den Salon trat, etwas ungnädig.„Sie ließen lange auf sich warten. Wo stecken Sie denn?" „Hoheit, verzeihen Sie, ich habe aber eben erst erfahren, daß gnädigste Prinzessin mich zu sprechen wünschen," antwortete er und in seinen Augen lag soviel lachende Fröhlichkeit, daß Amalie Annas Aerger und Unmut dahinschmolz wie Schnee vor der Sonne. „Nun, was sagen Sie jetzt zu Ihrem Bruder? Er ist frei, ohne daß Sie für ihn füsiliert werden mußten,“ scherzte sie. „Prinzessin, ich weiß nicht, wie ich Ihnen meinen heißen Dank bezeugen soll.“ Amalie Anna schaute Gregor ein bißchen verträumt an.„Das wird sich finden,“ sagte sie mit einer Betonung. die den Worten erst die rechte Bedeutung gab.„Jetzt melden Sie sich einmal beim Herzog. Er will Ihnen das Patent als Rittmeister ausstellen. Sie sollen nämlich auf meine Fürsprache hin sein Adjutant werden.“ Wie wunderbar das alles klappte! Das erleichterte ihm seine Aufgabe bedeutend, überlegte er zwischen zwei Pulsschlägen. Gleichzeitig aber erfüllte ihn eine lebhafte Dankbarkeit für die Prinzessin.„Hoheit hatten die große Gnade... mich dem Herzoa. Beinahe ungestüm, getrieben von seinem Temperament, erfaßte er die Hand der Prinzessin, drückte sie an seine Brust, dann küßte er sie lange, sehr lange, ohne daß Amalie Anna etwas anderes tat, als beglückt lächeln. „Gnädigste Prinzessin, könnte ich Ihnen doch meine tiefgefühlte Ergebenheit irgendwie beweisen.“ flüsterte er, wie trunken von ihrer Nähe. Amalie Anna lächelte.„Gehen Sie jetzt zum Größe und Menge der Fischeier Ueber die Anzahl der Eier, die Fische und audere Wasserbewohner beim Laichen zu legen pflegen, herrschen im allgemeinen höchst unsichere Vorstellungen. In der Tat schwankt die Menge ganz außerordentlich und zwar scheint sie sich danach zu richten, ob die Fische die Eier oder die junge Brut sich selbst überlassen oder ob sie sich bis zu einem gewissen Grade um sie kümmern. In letzterem Falle pflegt die Eierzahl gering zu sein, wie z. B. beim Stachelbarsch, wo sie nur rund 150 beträgt. Betreut der Fisch aber Eier oder Brut nicht, sind diese also in höherem Maße der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt, so steigt die Eierzahl schne## zu großer Höhe. Beim Karpfen beträgt sie zwischen 200000 bis 700000, beim Stör schwankt sie zwischen drei und sechs Millionen, um beim Kabeljau mit neun Millionen den Höhepunkt zu erreichen.— Für die Entwicklung des jungen ches ist die Größe des Eis von erheblicher Bedeutung, da sich danach die Menge der dem Embryo zur Verfügung stehenden Nahrung richtet. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Größe des Eis im umgekehrten Verhältnis zur Anzahl steht. So bringt die Bachforelle etwa 500 Eier von vier bis viereinhalb Millimeter Umfang hervor, während das Karpfenei nur anderthalb bis zwei Millimeter mißt. Merkwürdig ist auch, daß zwischen der Zeit des Laichens und der Größe und Zahl der Eier ein gewisser Zusammenhang zu bestehen scheint. In der kalten Jahreszeit geht die Entwicklung des Eis bedeutend langsamer vor sich als in der warmen. Im Winter abgelegte Eier ersordern daher auch mehr Nahrungsstoffe für den werdenden Fisch als solche, die aus den Sommermonaten stammen. Während demgemäß aus im Mai=Juni gelegten Karpfeneiern bereits in vier bis zehn Tagen die Jungen schlüpfen, brauchen jene der Bachforelle, die von September bis Februar laicht, 70 bis 120 Tage. Ein Dampfer wächst um dreizehn Meter Einem nicht alltäglichen Umbau wurde auf einer großen Kieler Werft kürzlich der rund 6000 Tonnen große Frachtdampfer„Frielinghaus“ unterzogen. Man schnitt an bestimmten Stellen die Verbände durch oder löste die Nietverbindungen zog dann auf geschmierten Gleitbahnen den vorderen Teil des Schiffes um nahezu 13 Meter nach vorn und verband schließlich die jetzt getrennten beiden Schiffshälften durch ein neu eingebautes Stück, das mit dem übrigen Schiffsrumpf fest vernietet wurde. Der Dampfer war damit fast um 13 Meter länger geworden, zugleich hatte seine Tragfähigkeit um rund 950 Tonnen zugenommen. Geschäftliche Mitteilung Unter der Bezeichnung „Miele=Melior“ bringen die Wielewerke seit einigen Monaten ein Fahrrad in der Preislage von RM. 75.— auf den Markt. Dieser erstaunlich niedrige Preis für ein Marken=Fahrrad bei Verwendung erstklassiger Materialien(Torpedo=Freilaufnabe, gelöteter Rahmen, gutes Tretlager usw.) ist nur durch die Ausnutzung vollkommener Fabrikationsmethoden möglich geworden. Für das Miele=Melior=Rad, das auch in verchromter Ausführung und mit Ballonreifen geliefert werden kann, übernehmen die Mielewerke die übliche Garantie. Herzog.“ „Wie Sie befehlen!“ Und mit flammendem Pathos:„Mein Leben der Prinzessin Amalie!“ Und fort war er. Amalie Anna schloß einen Augenblick wie betäubt die Augen. Dann sank sie komisch ausseufzend auf die Ottomane.„Ich komme aus der Familie nicht heraus.“ Der Tag ging zur Neige. Langsam verschwand die Sonne hinter der Zitadelle und entfachte am westlichen Horizont eine wie geschmolzenes Metall glühende Feuerlohe, die allmählich an den Rändern in ein lichtes Orange abblaßte. Die Schatten wuchsen und breiteten sich über die Landschaft wie die dunklen Flügel eines Vogels. Manchmal ging, fast geisterhaft, ein leiser, schnell verhauchter Windstoß durch die von der Sonne brennenden Baumwipfeln. Irgendwo in den Aesten zirpte schlaftrunken ein Fink. Ueber die Holebrücke von der Stadt, die das rötlich schimmernde Wasser der Iser überquerte, fuhr um diese Stunde eine vierspännige Postkutsche Der Postillon blies ein lustiges Stücklein auf seinem Horn in den stillen Abend. Im Wagen saßen, eng aneinander geschmiegt, Bettina und Joachim. Vor einer Stunde hatte sie Pater Benediktus in der kleinen Klosterkirche in aller Stille getraut. Nur die Prinzessin, Wasil und die Gräfin waren anwesend. Stumm und in sich versunken, wandten sie ihre Blicke zurück auf das im goldenen Licht der scheidenden Sonne liegende Städtchen, in dem sie so viel Unglück und doch wieder so viel Glück erlebt hatten. Bettina legte ihren Kopf an Erkens Schulter und hielt seine Hand in der ihren.„Ist es nicht wie ein Wunder, daß wir jetzt vereint hineinfahren in ein neues Leben?“ sagte sie leise.„Daß uns heute wieder die Sonne scheint, wo uns gestern noch finstere Wolken drohten, wo wir beide einen Weg gehen zu müssen schienen, der uns ins Dunkel geführt hätte?“ Erken zog sie an sich und schaute voll inniger Liebe in ihr von einem Schutenhut lieblich um rahmtes. noch immer etwas blasses Gesicht.„Wir wollen alles das Böse hinter uns lassen wie einen schrecklichen Traum.“ „Ich meine, man muß einmal sehr unglücklich gewesen sein, um wirklich glücklich sein zu können.“ meinte sie, versonnen vor sich hinschauend. Und der Postillon blies ein neues, fröhliches Liedlein zum langsam veralimmenden Himmel empor, an dem schon die ersten Sterne auffunkelten, und es fand freudigen Widerhall im Herzen zweier glücklicher Menschen. T•) MFA Mikrotilmarchin der deutschsprachigen Presse e.V. Wuppertaler Kunstbrief Von neueinstudierten Opern und KonzertVeranstaltungen. „Mignon“, deren Original wir in Goethes Wilhelm Meister finden, von dem Franzosen Ambroise Thomas in Musik gefaßt, der Tert ebenfalls von Franzosen bearbeitet. Carré und Barbier, büßt in dieser Fassung viel von seiner ursprünglichen Form ein, das Sentimentale. Romantische tommt aber dem deutschen Empfinden sehr entgegen und so begrüßt man gerne diese Neuerscheinung unserer städtischen Bühnen. Zumal menn Operndirektor Fritz Mechlenburg am Diri gentenpult sitzt und mit feinem musikalischem Empfinden dem Tonsetzer nachspürt und sowohl das Zierliche. Rokokohafte, als auch das breite Sentimentale aus dem Reich der Romantik hervorholt. Der Orchesterpart war mit besonderer Liebe behandelt und bereitete das Instrumentale dieser Oper vollen Genuß. Marion Hundt als Mignon. Wir schätzen die Künstlerin sehr, aber für die Verkörverung dieser Jungmädchengestalt, die noch ein halbes Kind ist und in ihrer Angst und Unschuld Schutz suchend einherirrt, dafür ist Marion Hundt nicht mehr geeignet. Ihre gesangliche Leistung muß allerdings sehr lobend erwähnt werden. Im starken Gegensatz dazu stand die jugendlich zierliche Philine der Käthe Munk. die sehr hübsche Koloraturen singen kann, musikalisch durchaus sattelfest ist, deren Organ aber doch nicht ganz ausreicht, um diefen Anforderungen gewachsen zu sein und die noch in ihre Aufgabe hineinreifen muß, um die kofette Philine psuchisch zu erfassen. Hermann Simberg, der erst seit kurzem unserer Bühne angehört, als Wilhelm Meister, geschmackvoll, zuverlässig. aber das Organ erfüllt nicht restlos alle Wünsche und trotz des gewandten Spieles für die Rolle doch nicht ganz geeignet. Den Lothario sang Rudolf Weyrauch, stets ein Sänger von Format, wundervoll ausgeglichen. gesanglich sowohl als auch darstellerisch. Laêrtes und Friedrich, Hattesen und Stotzem, erfüllten ihre Aufgaben gleichfalls bestens. Die Chöre, von Heinz Anraths einstudiert, sind lobend zu erwähnen. Dr. Rudolf Hesses Spielleitung sorgte für lebendige Handlung und Harry Breuers Bühnenbilder boten stimmungsvolle Umrahmung. Figaros Hochzeit.“ Mozarts entzückend graziöse Oper ist die zweite Neuerscheinung dieser Woche, die man als besonders festlich ansprechen darf. Mit welcher Liebe und Freude war dieses Werk einstudiert, es gebürt außerordentlich viel dazu, bis alles so einheitlich harmoniert, wie an diesem Abend. Die scheinbare Leichtigkeit ist in Wirklichkeit sehr schwierig, Mozarts Filigranwerk verlangt absolutes Können, um ein Ganzes heranszubringen. Dann aber vaart sich Leichtes mit Schwerem, Ernstes mit Heiterem, Spiel und Tanz, der zarte Duft des Rokoko durchweht das Haus, erfüllt den Salon der Gräfin. Liebesgeflüster hinter Taxushecken im mondbeschienenen Park, Eifersuchtsszene des Grafen— wie köstlich ist das alles und doch— ist es nicht heute wie damals? Trotzdem fühlt man sich erleichtert und befreit, denn die Zeiten sind anders geworden, uns fehlt das Harmlose und die Musik und die konnte nur ein Mozart in dieser verschwenderischen Fülle hinterlassen. Auch hier führte Fritz Mechlenburg wieder mit Umsicht das Zevter, eine selten schöne Herausarbeitung der Partitur an der unser Orchester einen wesentlichen Anteil hatte. Das schillerte und gleißte in bunten Farben, unterstrich das Kräftige, behütete das Zarte und baute sich zu einem Meisterwerk auf, das einen hohen Kunstgenuß bereitete. Den Figaro sang Ernst Overlack, dessen schönes Material eigentlich noch nie so zur Geltung kam und der sich im Spiel ebenfalls sehr gewandt zeigte. Seine Partnerin. Susanne, wurde von Hildegard Kleiber stimmlich und darstellerisch sehr frisch und lebendig gestaltet, warum sie ein Kostüm angezogen hatte, das mehr für eine Carmen bestimmt wäre, ist uns nicht ganz klar geworden! Das Grafenpaar: Rud. Weyrauch, prächtig in jeder Beziehung. und Käte Teuwen, die einen gewissen teilnahmlosen Eindruck machte, ihre Stimme klang nicht so frisch wie sonst und ebenso ihr Spiel war etwas matt, wir nehmen das als vorübergebende Erscheinung an. Zu erwähnen ist noch Käthe Munks reizender Cherubin, die in der Hosenrolle sehr niedlich aussah und darstellerisch vor allem sich gut in diese Partie des von erster Liebessehnsucht geplagten Jünglings hineinversetzt hatte. Tilly Zorn hatte ein reizendes Kinderballett einstudiert, die Chöre klangen sicher und rein. Die Spielleitung Walter Jacobs arbeitete geschickt und schnell, so daß vermittels eines Zwischenvorhanges pausenloses Weiterspiel ermöglicht wurde. Albrecht Langenbeck malte dazu die Bühnenbilder, die zum Teil sehr stimmungsvoll waren. „Figaros Hochzeit“ zu hören ist ein Erlebnis und wird es bleiben, wenn es in dieser liebevollen Arbeit herauskommt. Blumen und Beifall, sogar verschiedentlich bei offener Szene, waren die Anerkennung für diesen wertvollen Abend! Die„Gedok“(Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen) hatte zu einem Werbe=Konzert in den stimmungsvollen Festsaal des Wuppertaler Hofes gebeten. Nach einer anregenden Teestunde an festlich geschmückten Tischen begann das Konzert, das ausschließlich Max Reger gewidmet war, diese Initiative haben wir auch wieder Ellen Saatweber= Schlieper zu verdanken, die sich von jeher mit ihrer ganzen Kraft für diesen Komvonisten einsetzte und nach diesen neuen„Kostvroben“. mehr ist ja im Rahmen einer kleinen kammermusikalischen Veranstaltung nicht möglich, neue Freunde zu den alten geworben hat. Denn das Für und das Wider Reger hat sich allmählich zugunsten des„Für" entschieden. Vielleicht— oder besser— sehr wahrscheinlich wird Regers Musik nie für die große Masse sein, die Reger=Gemeinde aber, die ihn erkannt und erfaßt hat, weiß, welche wertvolle musikalische Persönlichkeit wir in ihm haben, der in der modernen Richtung einfach nicht mehr wegzudenken ist. Besonders seine Klavier= und Orgelkompositionen verdienen mehr und mehr in den Vordergrund gestellt zu werden. Die in feinstem Nachschaffen. in tiesem Erfassen des schöpferischen Intellekts Regers zusammengestellte Vortragsfolge hatte unstreitig ihren Schwerpunkt in den pianistischen Darbietungen, die Ellen Saatweber=Schlieper ihrer Reger=Gemeinde bot. Zwei entzückende„Improvisationen op. 18“ und„Intermezzo Es=moll aus op. 45“ waren wundervoll plastisch herausgearbeitet, während die Begleitung zu der Suite für Violine und Klavier op. 103a, gespielt von Madelaine Kattenstedt von Samson und Lieder, gesungen von Erna von Hoeßlin und Elisabeth Messer= Maron, sowohl das Dramatische, wie auch das Lyrische betonend, ein Genuß erlesener Art war. Allen Darbietungen wurde dann gebührende Anerkennung gezollt. Das Siewert=Konservatorium bot uns einen zweiten Haydn=Abend, der in der Hauptsache dem Streichquartett gewidmet war, das Haydn in seiner Vielseitigkeit— mit welcher Leichtigkeit war es ihm vergönnt, schöpferisch tätig zu sein— in neue Formen goß. Adolf Siewert, Hans Joachim Kahl, Elisabeth Mummenhoff und Leni Eckert spielten die Quartette in Es=dur op. 38 und G=moll op. 74 mit großer Musikalität in Hingebung an den Meister und besonders das letztere wurde mit Freude gegeben und aufgenommen. Hans Siewert sang sehr geschmackvoll drei„Schottische Volkslieder“ mit Begleitung von Violine, Klavier und Cello und Marie Siewert spielte etwas ganz selten Gehörtes„Fünf Stücke für das Laufwerk"(Flötenuhr), für Klavier gesetzt. Erik Weisen=Rose. Peinische Bochenschau Während der ganzen Woche ist das Ringen um die Kandidaturenaufstellung für die Reichspräsidentenwahl weiter gegangen. Die erste Entscheidung erfolgte dadurch, daß Reichspräsident von Hindenburg die ihm vom Sahm= Ausschuß angebotene Kandidatur angenommen hat. Der Sahm=Ausschuß selbst hat sich daraufhin aufgelöst, da seine Aufgabe erfüllt war. Für die Wahlvorbereitungen ist die Bildung eines anderen Gremiums in Aussicht genommen. Wie immer man heute politisch zur Reichspräsidentenfrage steht, ist es ein unerfreuliches Schauspiel, jetzt mit ansehen zu müssen, wie diejenigen begeisterungsgeschwollene Leitartikel für Hindenburg schreiben, die seine Wahl im Jahre 1925 mit den ungeheuerlichsten Propagandamitteln bekämpft haben. * Im übrigen aber klärt sich die Kandidatenfrage erst langsam. Innerhalb der Harzburger Front wurde lange hin und her verhandelt, ob sich eine gemeinsame Kandidatur ermöglichen ließe. Die Nationalsozialisten haben es bis zum letzten Augenblick vermieden, ihre eigentlichen Absichten bekannt zu geben. Es wurde auch der Ausweg der Zählkandidaturen erwogen, wobei sich die verschiedenen Gruppen der Harzburger Front natürlich darüber im klaren sein müssen, daß Zählkandidaturen erfahrungsgemäß auf die Wählerschaft keinen sehr großen Reiz auszuüben pflegen. Hoffentlich wird man bald klarer sehen. * Während innerhalb Deutschlands die schwersten innenpolitischen Kämpfe durchgefochten werden, hat die deutsche Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz ihren Vorschlag zur Rüstungsbegrenzung veröffentlicht. Botschafter Nadolny hat diesen deutschen Antrag in einer längeren Rede erläutert. Das Wesen der deutschen Stellungnahme besteht darin, daß Deutschland von den übrigen Staaten die Anerkennung derjenigen Rüstungsgrundsätze fordert, die uns durch das Versailler Diktat aufgezwungen worden sind. Praktisch bedeutet dies eine erhebliche Herabsetzung der Heeresstärken, ein Verbot der Angriffswaffen, eine Abschaffung der Flugwaffe und der Unterseeboote, ein Verbot des Giftgaskrieges und des chemischen Krieges, eine Kontrolle des Rüstungsstandes aller einzelnen Staaten. Das Echo, das diese Vorschläge im Auslande finden werden, wird der Prüssiein dafür sein, ob die Gegenseite bereit ist, Deutschland diejenige Gleichberechtigung auf rüstungspolitischem Gebiet zu gewähren, die für uns die Voraussetzung für die positive Mitarbeit auf der Genfer Abrüstungs= konferenz sein muß. Wenn die Gegensoite dies ablehnt, dann ist für die deutsche Politik die Notwendigkeit vorhanden, andere Wege einzuschlagen, damit Deutschland zu dieser Gleichberechtigung gelangt. * Der weitere Verlauf der Memeler Angelegenheit beweist, wie dringend erforderlich für uns eine baldige Klärung dieser Verhältnisse ist. Der litauische Außenminister Zaunius verlegt sich in Genf darauf, die Beratungen des Völkerbundsrates zu sabotieren. Die Litauer denken gar nicht daran, die verfassungsmäßigen Zustände im Memelgebiet wieder herzustellen, die sie durch ihre ungesetzlichen Maßnahmen gestört haben. Alle Proteste des memelländischen Landtages und alle Einsprüche Deutschlands in Genf nützen nichts, solange die Litauer nicht die Besorgnis haben müssen, daß ihnen nötigenfalls einmal jemand gründlich auf die Finger klopft. Die Zustände im deutschen Osten werden von Tag zu Tagunerträglicher. Neuerdings dürfen die Polen sich sogar erlauben, ihre Beamten und Offiziere in Danzig provokatorische Reden halten zu lassen. Mehr denn je ist die Sicherheit Ostdeutschlands gefährdet, und eine vorantwortungsbewußte Reichsregierung darf diesen Zuständen nicht mehr länger untätig zusehen. * Iu Parisistes ganz überraschen d zu Weltreise im„Stufengleiter". Der Berliner Ingenieur Nikolas Bellin hat dieses Boot— er nennt es Stufengleiter— konstruiert, mit dem er eine Weltreise machen will. Das Schiff soll sich durch besonders sichere Lage im Wasser auszeichnen und 110 Stundenkilometer erreichen. Englische Schüler bei einer Felddienstübung. Die Offiziers=Ausbildungsabteilung der weltberühmten englischen Eton=Schule führte jetzt ihre Frühjahrsmanöver durch. Unsere Aufnahme zeigt eine Abteilung motorisierter Artillerie— Raupenschlepper—. die von Schülern geführt wird, während der Manöver. einer Kabinettskrise gekommen. Laal blieb bei einer Abstimmung im Senat in der Minderheit, und der Präsident der Republik nahm in Rücktrittsgesuch an. Der Grund für den Sturz dieses Ministeriums liegt in innenpolitichen Gegensätzlichkeiten, namentlich in bezug auf die Wahlreformvorlage, die die Rechts. mehrheit der Kammer zu einer Beeinträchtigung der Wahlaussichten der Linken benutzen wollte. Infolgedessen hat die Linksmehrheit des Senates dem Kabinett Laval ein Bein gestellt, weil der Innenminister sich für diese Wahlreformvorlage eingesetzt hatte. Die Lösung, die jetzt zustande kommt, wird auf alle Fälle nur ein Verlegenheitskompromiß sein, das dazu dienen soll, die Zeit bis zu den Kammerwahlen zu überbrücken. Auf die au ßenpolitische Linie Frankreichs wird diese Kabinettskrise zweisellos keinen Einfluß haben. * Die Kriegshandlungen im fernen Osten sind immer ernster geworden. Es zeigte sich daß der chinesische Widerstand viel härter ist, als die meisten und wohl auch die Japaner ursprünglich vermuteten. Die Landungskommandos der japanischen Flotte haben sich als unzureichend erwiesen, um die von der japanischen Heeresleitung gesteckten Ziele zu erreichen. Mindestens zwei kriegsstarke japanische Landdivisionen sind schon in und um Schanghai. Weitere Truppenverschiffungen stehen unmittelbar bevor. Durch die Proklamierung der„unabhängigen“ Mandschurei wird die Lage im Osten immer verworrener und Japau zeigt nicht die geringste Neigung, auf die„Vermittlungsvorschläge" des Völkerbundsrates irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Das Verhängnis im fernen Osten ist offenbar nicht mehr abzuwenden. Knoogs Amgang mit Wilden Der abenteuerliche Lebenslauf eines schiffbrüchigen Rheinländers. Tote Neger dürfen nicht begraben werden. Von Ernst Roloff. Es gibt heute noch mehr Weiße, die, abgeschlossen von der zivilisierten Welt, ein Leben in freiwilliger Verbannung unter wilden Völkerstämmen führen, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt. So erhielten die in Duisburg lebenden Angehörigen des ehemaligen rheinischen Matrosen Wilhelm Knoog erst kürzlich die Mitteilung, daß ihr jahrelang verschollen gewesener„Jong in der afrikanischen Wildnis, wo er seit Jahrzehnten fern von aller Kultur gehaust hatte, gestorben sei, und zwar hochgeachtet als König eines Negerstammes. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man auch Bruchstücke aus dem abenteuerlichen Lebenslauf dieses Landsmannes im schwarzen Erdteil. Im Jahre 1904 ließ sich Knoog auf einer Bremer Barke anheuern, die mit Ladung nach Südafrika fuhr. An der Goldküste, welche die Neger allgemein als „Grab des weißen Mannes" bezeichnen strandete das Schiff bei einem heftigen Sturm. Die Besatzung fand den Tod in den Wellen bis auf Wilhelm Knoog, dem es gelang, schwimmend die Küste zu erreichen. Er versuchte dort auf gut Glück, sich nach Guinea als Tippelbruder durchzuschlagen. Unterwegs stieß er auf einen Negerstamm der Mutafari, der unseren Rheinländer sehr freundlich aufnahm. Knoogs Umgang mit den Wilden muß vertrauenerweckend gewesen sein. er erlernte ihre Sprache und wußte sich sehr bald ein derartiges Ansehen bei ihnen zu verschaffen, daß ihn der König der Mutafari zu seinem Ratgeber und Eidam erhob. Wilhelm Knoog gefiel das Leben bei den Schwarzen ausgezeichnet. Er hätte oft genug flüchten können, blieb seinen neuen Stammesgefährten aber treu. Als der Häuptling starb, wählten die Wilden ihn, den rheinischen Matrosen, zu ihrem König. Negertrommeln verkündeten diese seltsame Mär von Stamm zu Stamm entlang der ganzen Goldküste. Auf Umwegen erfuhren englische Regierungsbeamte erst mehrere Jahre später davon. Knoog selbst unternahm keinen Versuch. mit den Angehörigen seiner deutschen Heimat in Verbindung zu treten. Nach Jahrzehnten bekam eine englische Expedition den weißen Negerkünig zu Gesicht. Sie versuchte vergeblich ihn zur Rückkehr zu bewegen. Knoogs rheinischer Dickschädel erwies sich als stärker denn alle ihre Ueberjedungskünste: Er blieb. Wie ein Teilnehmer dieser Ervedition sväter erzählte, hatte er schon damals völlig die Tracht und Lebensweise seiner schwarzen Untertanen angenommen. Die letzte Meldung des britischen Distrikts=Gouverneurs besagte nur, daß Knoog vor nicht langer Zeit das Zeitliche gesegnet habe und von seinem Stamm sehr betrauert worden sei. Ob und wo er bestattet wurde, weiß kein Weißer. Es wäre übrigens nicht Ungewöhnliches, wenn die Mutafari gleich manchen primitiven Völkerstämmen ihre toten Häuptlinge nicht begraben würden. Der Engländer Maclaren schildert in seiner Selbstbiographie„Ich und meine Wilden“ sehr interessante Fälle, aus denen hervorgeht, daß die Wilden häufig die Körper ihrer verstorbenen Stammesangehörigen wochenlang in Säcken oder ausgehöhlten Bambusstämmen mit sich herumschleppen. Aehnliches weiß auch der britische Arzi Dr. W. Kendall zu berichten, der durch Störung eines solchen Totenkults fast ums Leben gekommen wäre. Er stieß im Laufe von Untersuchungen, die er im Auftrage der britischen Regierung in Mittelafrika ausführte, auf Eingeborenensiedlungen, in denen unbestattete Leichname umherlagen. Als er eines Tages in einem Kraal die Beerdigung eines drei Tage zuvor gestorbenen Häuptlings verlangte, hieb ihm ein darüber erboster Angehöriger des Toten kurz entschlossen die rechte Hand ab. Man hätte Dr. Kendall wie einen rändigen Hund erschlagen, wenn er nicht durch die Geistesgegenwart seines schwarzen Dieners, der ihn schnell in das bereitstehende Auto stieß und mit ihm unter einem Hagel von Speeren davon fuhr, gerettet worden wäre. Edelmetalle Man sprach in der Schule über Metalle. Der Lehrer faßte nochmals zusammen:„Edelmetalle rosten nicht. Beispiele?“ „Gold.“ „Gut. Noch etwas?“ „Silber „Gut. Wer weiß noch etwas, was nicht rostet?“ Meldete ein Schüler:„Alte Liebe, Herr Lehrer.“ der deutschsprachiger Die Hilgenbachs Historische Skizze von Hubert Südekum Ein blutiger Oktobertag des Jahres 1813 ging zur Rüste. Ueber dem Schlachtfeld von Wartenburg standen dicke Rauchfahnen, die aus den Trümwern niedergebrannter Gehöfte emporstiegen; gelbrot flammte ringsumher der Himmel. Das Näderpoltern der vielen Karren, auf die man Tote oder Verwundete lud, klang wie dumpfes Klagen der gemarterten Erde... Zwischen Wartenburg und Bleddin hielt auf einem breiten Anger das Brandenburgische Husarenregiment. Die abgekämpften Reiter waren abgesessen und lagen im Grase. Die Kampfeslust glimmte noch in ihren erhitzten Gesichtern, und die Stimmen waren laut und rauh. Der junge Leutnant von Hilgenbach, einer der besten Offiziere des Regiments, saß teilnahmslos abseits auf einem Feldstein und durchwühlte, tief in Gedanken, mit dem Säbel die sandige Erde. Seine Lippen waren blaß und fest geschlossen, und in seinen Augen sieberte dumpfer Schmerz. Daß es auch gar nicht enden wollte! Da ritt man die verwegensten Attacken mit, jagte in wilder Verzweiflung allen voran, um einen ehrlichen Reitertod zu finden; aber ihn traf er nicht, Freund Tod, den er so herbeisehnte, damit die Not endlich ein Ende habe... Die Not! Sollte er denn ewig des Vaters Schande tragen? Sollte er denn ewig das Mitleid der Kameraden spüren, wenn sie seinen Namen sprachen? Oh, wie er seinen Vater haßte! Vor dem unglücklichen Jahre 1806 war er stolz auf seinen Vater, den Obersten Hilgenbach, gewesen. Aber dann hatte der Oberst die ihm vom König anvertraute Festung ohne Schwertstreich den Franzosen übergeben. Und als man ihn dann aus dem preußischen Heere stieß, war er in seinem Groll zu den Sachsen gegangen. Nun kämpfte er unter Napoleon gegen das eigene Vaterland. Der Name Hilgenbach war vogelfrei für jeden Hundsfott Der junge Leutnant erschrak. Ein Husar war unbemerkt herangekommen und rief ihn zum Regimentskommandeur. In strammer Haltung meldete sich Hilgenbach wenig später in der Quartierstube vor Major von Sohr. Von draußen klang ein frohes Soldatenlied herein. Die Schatten des sinkenden Abends erfüllten bereits das halbzerschossene Zimmer, das der Regimentskommandeur nachdenklich durchmaß. Der Alte schien nach Worten zu suchen und war sichtlich befangen. Endlich faßte er sich und legte ihm leutselig die Hand auf den Arm:„Hilgenbach, ein kameradschaftliches Wort, eine Frage nur. Sie erhielten vor Wochen das Eiserne Kreuz für Ihre Tapserkeit vor dem Feinde— warum tragen Sie es nicht?“ Dem Leutnant färbte heiße Röte das Gesicht. „Herr Major— Sie wissen doch. Ich fühle mich dieser Auszeichnung nicht wert.“ Der Kommandeur blickte ihn unwirsch an:„Nicht wert? Zum Kuckuck, Leutnant von Hilgenbach, diese Beurteilung überlassen Sie getrost Ihrem König! Ihr Handeln erregt berechtigte Mißbilligung.„ Hilgenbach zuckte zusammen. Dann sprudelte es ihm über die Lippen, wie ein Bach aus lang verschütteter Quelle:„Herr Major! Ich diene meinem König mit ganzem Herzen, aber ich zog in den Kampf mit dem Vorsatz, des Vaters Schuld zu sühnen. Schon unter Schill focht ich. Aber der Tod, den ich suchte, verschonte mich. Nur ein Matelloser kann das Kreuz tragen; trüge ich es dennoch, so würde es in den Augen der Kameraden an Wert und Ehre verlieren. Ich kann es nicht tragen!" Der Major hatte sich abgewandt. War es der Schein der Brände, der über sein Gesicht zuckte? Seine Stimme war milde, aber bezwingend:„Hilgenbach— Ihre Kameraden baten mich, mit Ihnen zu sprechen. Es ist keiner unter ihnen, der nicht für Ihre Ehre mit schärfster Waffe eintritt. Das habe ich Ihnen zu sagen. Und nun gehen Sie. Ihre Empfindlichkeit macht Sie ungerecht. Lassen Sie den Kopf nicht hängen! Das ist nicht Reiterart.“— Nach dem Tage von Wartenburg kamen wieder Tage schweren Kampfes. Stumm und verschlossen tat der junge Leutnant seine Pflicht. Wochen hindurch reizte er den großen Schnitter. Da kam die Schlacht bei Leipzig. Gerade zur rechten Zeit traf das Yorcksche Korps ein. Seine Infanterie stürmte Möckern, verlor es wieder, raste abermals gegen das tod= und verderbenbringende Dorf. Grauenvoll wüteten die französischen Kartätschen in ihren Reihen. Immer bedrohlicher wurde hier der Kampf für die Preußen. Währenddessen hielten die Brandenburgischen Husaren auf einer Anhöhe und warteten mit brennender Ungeduld auf den Befehl zum Eingreisen. Endlich meldete sich ein Adjutant beim Kommandeur. Major von Sohr wandte sich um: „Trompeter, zur Attacke!“ Gellend klang das Avancier=Signal in das dumpfe Getöse der Schlacht. Dann rasten die Husaren in verwegenem Ritt vorwärts. Wie eine alles verschlingende Woge brausten sie auf die französischen Karrees zu. Batterien wurden überritten. flüchtende italienische Grenadiere wurden zusammengehauen. Dann stießen sie auf ein Seebataillon der Kaisergarde. Festgefügt und ruhig stand das Karree. Eine surchtbare Hecke französischer Bajonette. Die Attacke der Husaren schien zu stocken. Da ersah der junge Leutnant Hilgenbach seine Stunde. In weitem Sprung setzte er in den Stachelkranz der Bajonette. Eine Lücke bahnte er. Sein Roß brach unter ihm zusammen. Fieberwild raffte er sich wieder auf. Die Husaren folgten ihm. Inmitten des Bataillons gewahrte er einen napoleonischen Kaiseradler. Jetzt war die Stunde der Sühne endlich da! Hilgenbach hieb sich blutend bis zu dem feindlichen Feldzeichen hindurch. Dann entriß er es dem Träger, schwang es jubelnd in die Lüfte. Im nächsten Augenblick sank er, von drei französischen Bajonetten durchbohrt, in die Knie. Sterbend übergab er noch die Siegestrophäe seinen Kameraden. Dann war es aus. Im Tod verlor sein Gesicht alle Zeichen des Grams.— Bei Paunsdorf und Mölkau vollendete sich zwei Tage später das Schicksal der Hilgenbachs. Preußische Landwehr und russische Linieninfanterie wetteiserten in Tapferkeit. Drüben, zwischen den französischen Grenadieren stand ein gelichtetes sächsisches Regiment. Tapfer hielt es sich als letzte Stütze des französischen Marschalls. Sein Kommandeur lehnte schwer verwundet inmitten des Karrees auf einer Trommel. Es war der Oberst von Hilgenbach, der Vater... Das Blut rann ihm in breiten Striemen aus Stirn und Brust. Plötzlich preschte der Adjutant des französischen Marschalls heran. Der Oberst sollte angreifen! Da richtete sich der alte Kommandeur mit letzter Kraft auf:„Nein, mein Herr! Melden Sie zurück: Nicht länger kämpfen Deutsche gegen Deutsche." Tann rief er ein kurzes Kommando. Trommeln rasselten. Und weiße Tücher an den Bajonetten marschierte sein Regiment zu den Preußen hinüber, hinter sich noch vier Batterien sächsischer Artillerie. Jubelnd wurden sie empfangen. Der Oberst von Hilgenbach schleppte sich mit erlöschender Kraft vor den preußischen General:„Zweitausend Feinde hat mein König weniger. Und nun stellt mich, den Oberst Hilgenbach, vor ein Kriees=ericht!“ Zwei Stunden später hatte der Alte ausgelitten... Im Preußenland steht irgendwo ein altersarauer Grabstein. Er erzählt von den Hilgenbachs, von Vater und Sohn, die als Feinde für das gemeinsame Vaterland starben, damals, als Deutschland bei Leipzig die Ketten brach. Was belngt der Wentdeuische Kandsant! Sonntag, den 21. Februar (,00—8,25 Uebertragung von der Norddeutschen Sendergruppe: Hamburger Hafenkonzert 8,30—8,55 Esperanto. 9,.00—10,00 Morgenfeier. 11,00—11,25 Lebende Dichter. 1,30—11,55 George Washington. Zu seinem 200. Geburstag. 12,00—13,00 Uebertragung aus dem Pleuarsitzungs= saal des Reichstags: Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die im Weltkrieg Gefallenen. 13,00—14,30 Volkstümliche Kammermusik. Leitung: Spitz. Mittmann, Schneiderhan, Rhein, Schwartz(Violine), Graeff, Ringnalda(Bratsche), Feldin, Grote(Cello), Grelke(Klarinette), Hartung(Horn), Scheidt(Fagott), Böhm(Kontrabaß). 1. Oktett F=dur op. 166 von Schuhert. 2. Oktett Es=dur op. 20 von Mendelssohn. 14,30—14,50 Deutsche Einheitskurzschrift. 14,50—15,10 Schachfunk. 15,25—15,45 Stiezjehann. Erzählung. 15,45—16,05 Wirtschaft und Kultur. 16,05—16,30 Ungedruckte Dichter. 16,35—17,00 Natur und Geist. 17,00—18,35 Uebertragung aus der Rudolf=Oetker= Halle, Bielefeld: Musikalische Feierstunde zum Gedächtnis der im Weltkriege Gefallenen. Leitung: Chormeister Fritz Reinhardt. Männergesangverein„Sängerwarte“, Bieleseld, St. Johanniskirchenchor, Bielefeld; Solisten: Sophia Dassel(Sopran), Gerard Bunk(Orgel). 18,35—19,00 Uebertragung aus der Halle Münsterland, Münster: Hallensportfest des Sportklubs Preußen(Schallplattenbericht). 19,05—19,40 Die Welt auf der Schallplatte. 19,45 Sportvorbericht. 20,00 Feierliches Konzert zum Volkstrauertag. Das Orchester und der Kammerchor des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Buschkötter. Solistin: Irma Drummer(Alt). Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. unkstille. Montag, den 22. Februar (1.45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Uhr Wettervorhersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 2,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9,45 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsemp. fang für Arbeitslose. 1,20—12,00 Schulfunk. 12,00—12,35 Schallplattenkonzert. 12,35 Funkwerbung mit Schallplatten. 2,50 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. 1. Ouverture„Der Korsar“ von Berlioz. 2. Kleiuer Walzer von Rubinstein. 3. Melodien aus d. Oper„Die versunkene Glocke“ von Respighi. 4. a) Dorfbilder aus Ungarn von Dohnanyi, b) Russischer Tanz Nr. 2 von Bullerian. 5. Ländliche Suite von Scassola. 6. a) Erste Liebe, Boston von Lehar, b) Der lustige Postillon von Pesse. 7. Musikalische Neckereien, Potpourri von Worch. 14,30 Schlachtviehmarktberichte. 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—17,00 Jugendfunk. 17,00—18,00 Uebertragung vom Südfunk, Stuttgart: Vesperkonzert des Orchesters des Süddeutschen Rundfunks, Leitung: Gustav, Görlich, Solistin: Maria Birnbaum(Alt), Begleitung: Arthur Haagen. 1. Introduktion und Chor aus der Oper„Der Schwur“ von Mercadante. 2. Fantasie aus„La Traviata“ von Verdi. 3. Schöne Nacht, Romanze von Leoncavallo. 4. Neapolitanische Volkslieder, gesungen von Maria Birnbaum. 5. Ländliche Suite von Amadei. 6. Einzug der Gladiatoren, Marsch von Fucik. 18,00—18,20 Frauenstunde. 18.20—18,40 Die Welt auf der Schallplatte. 18,40—19,00 Elternstunde. 19,00—19,10 Uebertragung aus Berlin: Heinrich Hertz zum 75. Geburstag. 19,10—19 20 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19.20—2000 Jugend in Deutschland. 20,00 Erste Abendmeldungen. 20,05 Collegium Musicum(5). Leitung: Dr. Alfred Fröhlich. Wiener Musikerhumor in Wort und Ton. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Etwa 22,20—23,15 Nachtmusik, Leitung: Eysoldt. 23,15—24,00 Konzertübertragung aus dem Café Schwerthof, Köln. Rädlische Bahllen Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt, Neustraße Barmen Sonntag. 21. Febr., 3 bis 5,45 Uhr: Martha. Oper von Flotow. Preise 2. 7 bis nach 10 Uhr: Hamlet. Trauerspiel von Shakespeare. Preise 1. Montag, 22. Febr., 8 Uhr: Konkordia: 5. SinfonieKonzert. Dienstag, 23. Febr., 7,30 bis gegen 11 Uhr: FigaEisberge am Oftseestrand. Ein seltenes Naturschauspiel ist bei Swinemünde zu beobachten: das Eis hat sich am Strand meterhoch gestaut, so daß man beinahe den Eindruck gewinnt, in einer Gebirgslandschaft zu sein. Einen Begriff von der Höhe der Eismassen gibt der Turm der Wasserrutschbahn im Hintergrund. Dr. Wagemann. der Direktor des Statistischen Reichsamts, wird auch die Organisation der Reichspräsidentenwahl leiten. ros Hochzeit. Oper von Mozart. Abonnement B. 22. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 25. Febr., 7,30 bis 10,45 Uhr: Aida. Oper von Verdi. Abonnement C, 21. Vorstellung. Preise 2. Sonntag, 28. Febr., 7,30 bis 10,30 Uhr: Undine. Oper von Lortzing. Preise 2. Elberfeld Samstag, 20. Febr., 8 bis 10,45 Uhr: Vorstellung für den Bühnen=Volksbund Gruppe A, Ortsgruppe Elberfeld. Kartenausgabe durch den Geschäftsführer(Tel. 25631). Das Dreimäderl= haus. Singspiel nach Franz Schubert. Pr. 3. Sonntag, 21. Febr., 7 bis 9.45 Uhr: Cavalleria rusticana. Oper von Mascagni. Der Bajazzo. Musikdrama von Leoncavallo. Preise 2. Canio: Kammersänger Adolf Löltgen a. G. Dienstag. 23. Febr., 8 bis 11 Uhr: Die Feschingsfee. Operette von Kalman. Abonnement A. 22. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 25. Febr., 8 bis 10,30 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Lebensbild nach Reuters„Ut mine Stromtid“, Abonnement E, 11. Vorstellung. Preise 2. Samstag, 27. Febr., 8 bis 10 45 Uhr: Mignon. Oper von A. Thomas. Außer Abonnemnet. Er mäßigte Preise. Preise 1. Conntag, 28. Febr., 3 bis 6 Uhr: Die Foschingsfee. Operette von Kalman. Preise 1. 7.30 bis 10 Uhr: Gastspiel William Schirmer: Onkel Bräsig. Preise 2. Der Kapitän, der sein Schiff wiederfand Im November vorigen Jahres geriet der Dampfer„Baychimo“, Eigentum der Hudson Bay Gesellschaft, an der Nordküste von Kanada, in Packeis. Anscheinend gab es für das Schiff keine Möglichkeit, weiterzukommen, und Mannschaft und Passagiere wurden bis auf den Kapitän und vier Mann durch Flugzeuge nach Nome in Alaska gebracht. Der Kapitän wollte aber bei seinem Schiff bleiben, weil er die Hoffnung auf dessen Freikommen während des Winters noch nicht aufgegeben hatte. Um das Leben der Zurückgebliebenen nicht unnötig zu gefährden, ging er mit seinen Leuten an Lano, von wo aus er den Dampfer stets im Auge behalten wollte. In einer Nacht geriet Leben in die Eisdecke, die Schollen krachten wie Kanonenschüsse, und jeder glaubte, das Ende sei für den„Baychimo“ gekommen. Tatsächlich war auch am nächsten Morgen nichts mehr vom Schiff zu sehen. Es mußte vom Eis zerdrückt und zerschlagen worden sein. So blieb dem Kapitän nichts anderes übrig. als mit seinen Leuten den beschwerlichen Futzmarsch nach Point Barrow anzutreten, wo er Gelegenheit zur Rückkehr nach dem Süden zu finden hoffte. Dort überraschte ihn eine seltsame Nachricht. Ein Eskimo kam nach Point Bar row und erklärte, er habe den„Baychimo“ etwa hundert Kilometer von der Stelle entfernt gefunden, wo der Dampfer vom Eis eingeschlossen worSchiff sei unbeschädigt und liege fünf Kilometer vom Lande entfernt im Eis fest. Hocherfreut unternahm der Kapitän nochmals den anstrengenden Marsch. Er fand das Schiff tatsächlich in gutem Zustande vor und konnte die wertvolle Ladung an Pelzen bergen. Zweifellos war in der Nacht, die anscheinend den Untergang des Dampfers brachte, der„Baychimo“ vom berstenden Packeis freigekommen und nach Westen getrieben worden, um bald darauf wieder vom Eis festgehalten zu werden. Könia Friedrich August von Sachsen f. Kein Rauch, kein Rußt, keine Schlocken Billigster und bequemster BrennstoffWEELOLLD 1 Hmch Mikrommarenn der deutschsprachigen Presse e.V. — Urheberschutz durch Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann Stuttgart Graf Herbert sah ihn fest an, um seinen Mund war ein spöttisches Lächeln und in seinen Augen verhaltene Wut, aber er sagte kein Wort, zuckte die Achseln und ging aus der Tür, während Graf Eberhard die Reitpeitsche in die Ecke des Zimmers warf. In diesem Augenblick trat Gräfin Hermine ein. „Um Himmels willen, Eberhard, was geht hier vor?“ Dieser hatte sich wieder in der Gewalt. „Nichts, Liebling.“ Ich habe nur einen Elenden aus unserem Hause gewiesen.“ „Herbert?“ „Nenne den Namen nicht mehr. Mein Bruder ist ein seniler Trottel und war ein Verschwender; sein Sohn— nichts mehr von ihm! Jedenfalls bin ich für niemanden mehr aus Groß=Daberau zu sprechen.“ „So sage mir doch—“ „Laß, Hermine— es gibt nichts Häßliches, was ich diesem Menschen nicht zutraute—“ Er ging einige Male auf und nieder, dann blieb er stehen, als seien seine Gedanken auf eine neue Fährte gekommen. „Hast du dich eigentlich in der letzten Zeit um Viola gekümmert?“ „Wie kommst du jetzt auf Viola? „Es geht doch schließlich nicht, daß das Mädchen hier wie eine Halbwilde aufwächst.“ „Sie ist nach dem Wunsch ihres Vaters der Obhut des Inders Iram Lahore übergeben und tut nichts Böses.“ „Ich muß mir das überlegen. Das geht auf die Dauer d nicht.“ Gräfin Hermine sah ihn an. Wenn er solch ein Gesicht machte, wußte sie, daß er nicht sprechen wollte, und ging aus dem Zimmer. Jetzt hatte auch sie einen Gedanken, von dem sie nicht los kam: was hatte das Mädchen Viola, die natürliche Tochter des Grafen Sebastian Tarnau, mit Herbert von Groß=Daberau und mit dem Aerger Eberhards zu tun?“ *** Während die beiden Grafen den erregten Wortwechsel hatten, der mit dem„stürmischen Abgang“ des Grafen Herbert endete, war Agnes nicht in ihrem Zimmer geblieben. Sie hatte vor ihrem Spiegel gestanden und sich über sich selbst geärgert. Lächerlich! Bekam sie Nerven? Anstatt sich über die Heimkehr des großen Bruders zu freuen, heulte sie wie eine dumme Pute und hatte nun verweinte Augen! Sie wusch sich und trat dann vor das Herrenhaus. Es war ein großer Besitz, den Graf Tarnau sein eigen nannte. Weite, gut gehaltene Felder und Wiesen zogen sich von der Bahnstation auf langsam gewelltem Boden empor. Mächtige Scheuern, überall elektrische Kraftstromleitung und Feldbahngleise zeugten davon, daß es ein fruchtbares, aber auch ein in modernem Geiste geleitetes Gut war. Dann aber, hinter dem Herrenhause, das inmitten eines gepflegten Parkes log und das mit seinen vielen Fenstern, der großen Auffahrt und den um den viereckigen Hof gelagerten Nebengebäuden einen schloßartigen Eindruck machte, stieg ziemlich schroff ein kleiner Berg an, dessen Höhe von den Ruinen der alten Raubritterburg Kynau mit ihrem mächtigen„Burgwart“ gekrönt wurde. Eine, zum Teil vom Grün völlig überwachsene Mauer, in der nur an der Parkseite ein mächtiges, eisernes Tor, und hinten, den Feldern zugewendet, ein kleines Pförtchen eine Unterbrechung boten, schloß diesen von einem ehemals gleichfalls gepflegten, jetzt aber völlig verwilderten Park beschatteten Burgberg von der Umwelt ab, und selbst die Gäste, die der Schloßherr oft und gern sah, bekamen nichts von diesem„Urwald" zu sehen. „Ja, das sind die Geheimnisse der Burg Kynau! Im Ernst: die alte Ruine ist so baufällig, daß es gefährlich ist, unter den Mauerresten herumzustrolchen.“ Mit solchen Worten pflegte Graf Eberhard seine Gäste lachend abzuspeisen, wenn sie neugierig durch das Eisengitter des Tores sahen. Dafür aber wußten das Dienstpersonal und die Dorfbewohner mehr. Der alte Park barg in Wahrheit Geheimnisse, und zwar nicht nur tote, sondern auch lebende! Es gingen Gerüchte von einem phantastischen indischen Tempel, der dort unter dem Schatten deutscher Eichen stehen sollte und— von einem alten, weißbärtigen Inder, der in diesem Tempel mit seiner bildschönen, jungen Enkelin ein Einsiedlerleben führte. Vor ungefähr neunzehn Jahren hatte man viel geFrochen. Damals war sogar der Amtsrichter aus der nreisstadt einmal im Schloß gewesen und mit dem Grafer Ederhard in den alten Burgwald gegangen. Nus dachte kaum jemand mehr daran. Man hatte sich daren gewöhw, doß eben der Wald sein Geheimnis barg. wer einen Augenblick vor dem Herrenhause stehen geblieben, dann hatte sie den Weg zum Park eingeschlagen und stand vor dem alten Tor. Sie sah sich flüchtig um, dann öffnete sie mit einem kunstvollen Schlüssel, trat ein und sperrte wieder ab. Sie ging mit gesenktem Haupt und in Gedanken verloren, wich von dem breiten Weg, der wohl dereinst eine Fahrstraße gewesen und an dessen Seiten hohe Kastanien standen, ab, ging einen Fußsteig empor und stand bald auf einer kleinen Anhöhe, auf der ein Pavillon Aussicht bot. Zu ihrer Linken stiegen die Burgmauern der alten Ruine auf, an diese aber war ein kleines, zierliches Schlößchen in gotischem Stil angebaut. Es mochte nur wenige Räume enthalten, aber kunstvolle Bildhauerarbeiten, ein schlankes Türmchen, und der weiße Marmor, aus dem es bestand, hoben sich hübsch von den alten Bäumen ab. „Das Liebesnest des Grafen Eberhard des Aelteren", nannte man dieses Schlößchen, das seit Jahrzehnten völlig unbewohnt war und dessen Fenster durch grüne Läden verschlossen waren. Von diesem seltsamen Bau ging, gleichfalls jetzt fast vollständig verwachsen, ein anderer Pfad wieder bergab. Der Burgwald war größer, als es zuerst den Anschein hatte. Nun öffnete sich eine Wiese, auf der allerhand seltene Bäume, die augenscheinlich aus fremden Ländern stammten, standen, und in der Mitte erhob sich in der Tat ein indisches Tempelchen mit aller Poesie dieses Märchenlandes, das sich in einem Teich spiegelte und dessen Rückseite ein Palmenhaus, eine große, mit exotischen Pflanzen gefüllte Glashalle bildete. Vor diesem Tempel aber saß ein junges Mädchen in wallenden, indischen Gewändern und war mit einer kunstvollen Handarbeit beschäftigt. Das war Viola, die Enkelin des alten Inders Jram Lahore, der mit ihr und einer Dienerin dort wohnte, und die älteren Leute des Dorfes raunten einander zu, wenn sie von alten Dingen sprachen, es sei die Tochter des Grafen Sebastian, des Bruders des älteren Grafen Eberhard, des Vaters des jetzigen Gutsherrn, der vor langen Jahren mit einer glutäugigen Inderin von außerordentlicher Schönheit in die Heimat gekommen sei, den Tempel erbaut und dort sein Liebesglück genossen habe. Man beschäftigte sich wenig mit diesen Dingen. Man wußte, daß die Gutsherrschaft dieselben geheim hielt, man sah und hörte nichts von den Ausländern und— Graf Eberhard war beliebt bei seinen Leuten. Agnes sah einen Augenblick zu dem jungen Mädchen hinab, das sie nicht bemerkte. Es war sehr schlank, die zarten, nackten Arme bräunlich getönt und mit goldenen Spangen geschmückt, das Haar lockig und schwarz, und im Gegensatz dazu sahen zwei leuchtende blaue Augen wie sehnsüchtig in die Ferne. Agnes hatte dieses schöne Kind einer anderen Zone unwillkürlich lieb, ging öfter zu ihr und— Vater Eberhard wußte davon und duldete es schweigend, obgleich er auch mit seiner Familie nie über die Bewohner des Tempels sprach, die er selbst mit allem versorgte, dessen sie bedurften. Dann stieg Agnes weiter empor, ging durch einige niedergebrochene Gemäuerreste der alten Ruine und stand vor einer Tür, die von dieser aus in das gotische Schlößchen und zunächst in einen verstaubten Gang führte. Auch zu dieser Tür hatte sie den Schlüssel. Dämmerige Räume, die nur durch die Ritzen der geschlossenen Fensterläden etwas Licht empfingen, öffneten sich vor ihr. Vermorschte, einst prunkvolle Möbel, zerschlissene Polster mit den Resten von Seidenstoffen, halb vermorschte Vorhänge vor Fenstern und Türen. In der Mitte des Schlößchens war ein kreisrunder Saal, dessen Wände mit grünlichem Marmor bekleidet waren und an denen in Nischen Ahnenbilder der Grafen von Tarnau hingen. Das junge Mädchen sah flüchtig zu ihnen hinüber, dann stieg sie einige Stufen hinab und stand in einem kleinen Gemach, das wie eine Burgkapelle ausgestattet war. Sie stieß die Fensterläden zurück, und jetzt flutete die Abendsonne in den verstaubten Raum. Die junge Gräfin stand träumerisch am Fenster. Kindererinnerungen tauchten in ihr auf. Hierher hatten sie und ihr ältester Bruder Georg sich oft geschlichen und hatten mit scheuer Ehrfurcht die Ahnenbilder des Saales betrachtet und in der uralten Familienchronik geblättert, die dort auf dem Altar als dicker Pergamentband lag. dzierher flüchtete sie sich auch heute. Freute sie sich wirklich nicht auf des Bruders Heimkehr? Etwas wie Angst war in ihr. So lange war er fort gewesen, hatte sich sicher verändert, kam fast als ein Fremder wieder. Die Kindertage waren vorbei— heut wollte sie noch einmal in diesen Erinnerungen leben; wahrscheinlich lachte Georg sie aus, wenn sie ihm morgen davon erzählte. Sie trat an den Altar und schlug die alte Chronik auf. Sie war mit der Hand in geschnörkelten, verblichenen Buchstaben geschrieben und auf der ersten Seite stand ein seltsamer Spruch, den sie damals mit einem gewissen Grauen immer wieder gelesen hatten, ohne seinen Sinn zu verstehen. Auch jetzt haftete ihr Auge auf den Zeilen: „Prophezeiung! Wenn das Rätsel einst steigt aus vermoderter Gruft, Wenn der feurige Adler steigt in die Luft, Wenn zweimal im Jahre blühen die Linden, Wenn Bruder und Schwester in Liebe sich finden, Wenn der Himmel sich rötet in lodernden Flammen Dann brechen die Werke der Menschen zusammen, Dann breitet ihr graues Bahrtuch die Not, Und der letzte der Grafen von Tarnau liegt tot!“ Mit einem Schrei fuhr Agnes auf. Ein knackender Ton, und das Buch der Chronik war von dem Altar verschwunden. Sie stand mit pochendem Herzen, ihr war es, als sei jetzt überall ein Raunen und Flüstern um sie herum. Sie lief die Stufen empor. Die Vorhänge der Fenster bewegten sich, durch den geöffneten Laden in der Burgkapelle drang letzter Abendsonnenschein bis in den Rundbau. Die Gesichter aller der Ahnen schienen sie anzublicken und, von einem ihr sonst fremden Grauen erfaßt, rannte sie durch den Gang, schlug die Tür hinter sich zu, schloß ab und eilte in den Park. Wer hatte das Buch genommen? Wer war mit ihr in dem Schlosse gewesen? Es raschelte in den Bäumen, sie nahm sich zusammen. „Wer ist da!“ „Herrgott, Agnes, was ist denn?“ „Du, Konrad?“ „Denkst du, ich sei ein Gespenst?“ „Wie kommst du hierher?„Warum bist du mir nachgeschlichen?“ „Ich bin dir nicht nachgeschlichen. Du weißt, ich muß übermorgen nach Breslau zurück und ich habe im Gemäuer der alten Ruine gemalt.“ Er trug in der Tat sein Malgerät in der Hand. „Warst du im Gotenschlößchen?“ Konrad lachte. „Gewiß nicht. Sieh herum, wenn du mir nicht glai# Er öffnete seine Mappe. „Ich habe Viola vor dem Tempel gemalt.“ „Du weißt, daß Vater nicht will, daß wir in diesen Park gehen.“ „Du bist doch auch da!“ „Ich habe den Schlüssel.“ „Und ich bin über die Mauer geklettert.“ „Noch einmal: du warst nicht im Schloß? Du hast nicht die Chronik genommen?“ „Was für eine Chronik?“ Sie sah ihn an und wußte, daß er die Wahrheit sprach, im Augenblick aber lenkte ein anderer Gedanke sie ab: hatten ihrem jungen Bruder die sehnsüchtigen Blicke des Mädchens gegolten? „Sieh her, ich habe die alte Ruine von allen Seiten gemalt.“ Er schien ganz harmlos, dieser junge Bruder, der mit seinen neunzehn Jahren in vielem noch wie ein Kind war. „Geh nicht mehr hierher.“ „Morgen noch einmal. Ich habe Viola versprochen, ihr eine Anzahl indischer Bilder zu bringen. Laß nur, Agnes, übermorgen bin ich ja fort.“ Ihr war, als läge in der Art Konrads etwas Verlegenes und Hastiges, und unwillkürlich dachte Agnes: „Es ist doch gut, daß Georg morgen zurückkommt. Ich werde ihm sagen, daß er die Augen offen hält.“—Es war später Abend, und sie saß oben in ihrem Mädchenstübchen. Jetzt erst hatte sie den Sinn dieser seltsamen Prophezeiung zum ersten Male verstanden: „Wenn Bruder und Schwester in Liebe sich finden—“ Ein merkwürdiger Spruch! Bruder und Schwester? Schwester oder Kusine? Und sie dachte an die Gerüchte, die auch ihr zu Ohren gekommen waren, daß jene Inderin mit den schwarzen Haaren und blauen Augen das Blut der Tarnau in sich trage. Onkel Sebastian? Sie konnte sich nur ganz schwach seiner erinnern. Ein alter Mann— älter als der Vater natürlich, viel älter. Konnte er wirklich der Vater sein? Oder? Nein nein — nicht ihr eigener Vater! Das war nicht möglich und doch—— „Wenn Bruder und Schwester in Liebe sich finden—“ (Fortsetzung folgt.)