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— Mikrofilmarchiv
der deutschsprachigen Presse e.V.
Angemeiner kreisanzeiger
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für den Ennepe=Kühe Keeis
Schideiner Radtanzeiger
Mit den Beilagen:
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Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle.
Aummer 4
Erstes Blakt
Mittwoch, den 6. Januar 1932
103 Jahrgang
Saufunner=Konseren, am 25. Junaur
* Basel, 6. Jan. Nachdem Bundespräsident Motta dem englischen Gesandten und dem französischen Botschafter in Bern seine Zustimmung zur Abhaltung der Tributkonferenz in Lausanne gegeben hat, hat nun auch der Gesamtbundesrat in seiner Dienstagsitzung diese Zusage bestätigt. Die Konferenz wird am 25. Januar in Lausanne beginnen. Bundespräsident Motta wird als Vertreter der schweizerischen Landesregierung und damit des Gastlandes der Eröffnungssitzung beiwohnen.
Ein Versuchsballon
London, 5. Jan. Die„Daily Telegraph“= Meldung, daß die Lausanner Konferenz sich auf nichts Definitives einlassen und bis zum Sommer vertagen wolle, stellt sich als neuer Versuchsballon ohne tatsächliche Grundlagen heraus. An unterrichteter Stelle ist zwar bekannt, daß bestimmte. dem Schatzamt nahestehende Kreise, zu deren Sprachrohr sich der„Daily Telegraph“ mehr und mehr macht, auf eine Hinauszögerung drängen. Genau so feststeht aber, daß maßgebliche wirtschaftliche und politische Kreise weiterhin gegen jede Kompromißlösung sind. Allerdings gibt man sich angesichts der starren französischen Haltung auch in den uns freundlichen Kreisen keinen besonderen Illusionen über die Ergebnisse von Lausanne hin.
Beachtet wird die Festigkeit deutscher Papiere an der hiesigen Börse.
Frankreichs Sündenregister
Der Zusammenhang zwischen Tributen und Krise
Stockholm, 6. Jan. In Svenska Dagbladet nimmt der bekannte Professor Gustav Cassel gestern Stellung zu der Frage: Tributzahlungen und Weltwirtschaft. Frankreich habe die Baseler Verhandlungen unter dem Leitsatz begonnen, daß die deutsche Zahlungsfähigkeit im Youngplan festgestellt sei und deshalb nicht erörtert werden könne. Schon ein solcher Leitsatz sei bezeichnend für die französische Denkweise. Cassel erinnert in diesem Zusammenhang an das französische Verlangen, die Schuld am Weltkriege ein für allemal durch eine erzwungene Unterschrift festzustellen.
Abgesehen hiervon begehe Frankreich den großen Fehler, daß es die deutsche Zahlungsfähigkeit als eine gegebene Größe hinstelle, was unrichtig und unerhört sei. Frankreich habe ja selbst anerkennen müssen, daß das Deutsche Reich im Augenblick zahlungsunfähig sei. Weiter habe Frankreich allerdings nicht gehen wollen, sondern dann vielmehr behauptet, daß die Weltwirtschaftskrise bald zu Ende gehen müsse. Das sei aber eine durch und durch unmoralische Ansicht. Die ganze Tributpolitik müsse ihre innere Unmöglichkeit erkennen, wenn nachgewiesen werde, daß die Tributzahlungen tatsächlich an der Weltkrise schuld seien. Daher sei auch bei der Baseler Konferenz ein zweifellos von französischer Seite beeinflußtes Telegramm bemerkenswert, das die Konferenz auf den Grundsatz festlegen wollte, die Weltwirtschaftskrise und die Tributzahlungen hätten nichts miteinander zu tun.
Zwischen Weltwirtschaftskrise und Tributzahlungen bestehe aber nicht nur ein psychologischer Zusammenhang, sondern eine unmittelbar nachweisbare Verbindung von Ursache und Wirkung. Die Tributforderungen hätten mehrere Währungen und den internationalen Handel ins Verderben gestürzt.
Das Deutsche Reich habe außer den Tributen die Zinsen der für frühere Tributzahlungen geliehenen 10 Milliarden RM. Auslandschulden zu zahlen. Hierfür sei ein gewaltiger Ausfuhrüberschuß nötig, den die Gläubigerstaaten jedoch nicht aufnehmen wollten. Die Vereinigten Staaten und Frankreich hätten schließlich soviel Gold an sich gerissen, daß in den übrigen Ländern eine Goldknappheit entstand und alle Preise sielen. Dadurch sei die Summe der Tribute und der übrigen Schulden noch weiter in die Höhe geschraubt worden.
Der Sinn der Reparationen
„Deutschland so lange als möglich am Boden zu halten“
* Paris. 5. Jan. Im„Echo de Paris“ vertritt der außenpolitische Berichterstatter, Pertinax, ganz offen den Grundsatz, der schon von jeher die amtlichen französischen Kreise beherrscht, ohne jedoch bisher klar ausgesprochen zu sein, daß es sich
nämlich bei der Aufrechterhaltung der Reparationeu weder um die sogenannte Durchführung verbriefter und heiliger Rechte, noch um eine Lebensnotwendigkeit des französischen Volkes oder um eine Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Schäden handelt, sondern einzig und allein um die Möglichkeit, Deutschland so lange wie möglich am Boden zu halten, um einen ernstlichen Konkurrenten für Frankreich auszuschalten.
Brüssel mit Paris einig
* Brüssel, 6. Jan. Das belgische Kabinett bemüht sich zurzeit, seinen Standpunkt für die Konferenz in Lausanne zu umreißen. Auf Grund des letzten Ministerrates läßt sich dieser dahin kennzeichnen: unbedingtes Festhalten am Youngplan, unbedingte Forderung einer effektiven deutschen Leistung in bar oder Natur auch während eines Moratoriums und schließlich Verkoppelung der belgischen Zahlungen an die Vereinigten Staaten. Dieser Standpunkt entspricht genau dem französischen. In Lausanne wird Belgien durch seinen Ministerpräsidenten Renkin, den Außenminister Hymans und den Finanzminister Houtart und einer Anzahl von Sachverständigen vertreten sein.
botschafter auf Keisen
Berlin, 5 Jan. Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, wird in den nächsten Tagen wieder nach Berlin reisen, um mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen, von Bülow, erneut über die Vorbereitung der Reparationskonferenz zu verhandeln. Außerdem ist der amerikanische Botschafter in Paris, Edge, heute vormittag in Berlin eingetroffen, angeblich nur, um an einem Essen teilzunehmen, das der amerikanische Botschafter in Berlin, Sackett, zu Ehren des hiesigen französischen Botschafters, Francois Poncet, gibt. Nun aber hört man, daß auch der französische Botschafter Poncet in den nächsten Tagen zu diplomatischen Vorbesprechungen über die Reparationskonferenz in Paris erwartet werde, um dort Briand und Laval über die Auffassung der deutschen Regierung über die Reparationsfrage zu unterrichten.
Wenn man feststellt, daß Edge den französischen Botschafter ohne weiteres in kurzer Zeit in Paris hätte sprechen können, kann man daraus den Schluß ziehen, daß der Aufenthalt des Amerikaners in Berlin einen politischen Grund besitzt, was von den amerikanischen Botschaften in Paris und Berlin allerdings bestritten wird. Edge hat bereits einmal in der Reparationsfrage eine erhebliche Rolle gespielt. In seiner Pariser Wohnung fand am ersten Abend des Aufenthaltes des Reichskanzlers in Paris eine Besprechung statt, in der entschieden wurde, daß die gleich darauf beginnende Londoner Konserenz eine Klärung des Tributproblems nicht bringen solle.
In Berlin finden im übrigen gegenwärtig nur Besprechungen in kleinerem Rahmen über die Reparationskonferenz und die Abrüstungskonferenz statt. Die Beratungen des Gesamtkabinetts über diesen Fragenkömplex werden erst Anfang nächster Woche beginnen. nachdem durch die mancherlei diplomatischen Fühlungnahmen Klarheit über den französischen und den englischen Standpunkt erzielt worden ist.
Verlängerung des Stillhalteabkommens um ein Jahr?
Berlin. 5. Jan. Wie in politischen Kreisen verlautet, konzentrierten sich die Verhandlungen der ausländischen und deutschen Bankenvertreter über die Stillhaltefragen dahin, das bisherige Abkommen mit gewissen Verbesserungen um mindestens ein Jahr zu verlängern.
Maginols Befinden verschlechtert
Bestürzung im Kabinett
Paris, 5. Jan. Die Nachricht von der Verschlimmerung in dem Befinden des Kriegsministers Maginot hat bei seinen politischen und sonstigen Freunden, besonders im Kabinett Bestürzung hervorgerufen. Wenn man auch nicht mit einem Ableben rechnet, so dürfte der Kriegsminister doch der großen internationalen Konferenzen, für die, an das Krankenlager gefesselt werden während der großen internationalen Konferenzen, für die, wie Echo de Paris sagt, seine klare Voraussicht und sein unbeugsamer Wille für Frankreich von großem Nutzen gewesen wären.
Kurze Tagesneuigkeiten
Die Schmähschrift gegen Schlageter verboten
* Berlin, 6. Januar. Die vom Verlag„Das andere Deutschland“ herausgegebene Schmähschrift „Wer war Schlageter?“ ist nach einer Meldung Berliner Blätter vom Berliner Polizeipräsidenten für den Bereich des Freistaates Preußen polizeilich beschlagnahmt und verboten worden, weil ihr Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet.
Frühstück bei Sackett— Dr. Brüning eingeladen
* Berlin, 6. Januar. Der amerikanische Botschafter Sackett gibt, wie die„Vossische Zeitung" erfährt, am Mittwoch zu Ehren des amerikanischen Botschafters in Paris, Edge, ein Frühstück, zu dem er auch den Reichskanzler Dr. Brüning eingeladen hat.
Die Arbeit des Preiskommissars
* Berlin, 6. Januar. Der Reichskommissar für Preisüberwachung beschäftigt sich gegenwärtig mit den Spannen der Milchpreise und den Preisen für Schuhreparaturen. Auf Anregung der Hausfrauenorganisationen werden zurzeit auch die Möglichkeiten des Preisauszeichnungszwanges im einzelnen geprüft.
Der Ruhrstreik beendet
* Essen, 6. Januar. Nachdem bereits vorgestern die Mittagsschicht fast vollständig wieder angefahren war, wird gestern früh aus den einzelnen Bezirken über vollkommene Ruhe berichtet. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen fuhren die Bergarbeiter auf den einzelnen Schachtanlagen vollzählig an. Aus den Recklinghäuser Bezirk wird gemeldet, daß dort die RGO. den Streik abgeblasen hat.
Die anhaltische Regierung gestürzt
* Dessan, 5. Januar. Der anhaltische Landtag nahm heute mit 19 gegen 17 Stimmen einen Mißtrauensantrag der Deutschnationalen gegen die Regierung an.
" Die Regierungsneubildung dürfte auf größte Schwierigkeiten stoßen. Die Rechte wird ihre Absicht, eine bürgerliche Regierung zu bilden, nicht durchsetzen können, da die Kommunisten den Ausschlag geben.
Etwa 60 Nationalsozialisten in Hamburg verhaftet
* Hamburg, 5. Januar. Die Hamburger Polizei hat am Montag und Dienstag etwa 60 Nationalsozialisten in den verschiedenen Stadtteilen festgenommen. Wie von der Polizei mitgeteilt wird, erfolgte diese Maßnahme, weil die Nationalsozialisten Flugblätter verteilt hatten, die der Polizei nicht vorschriftsmäßig 24 Stunden vorher vorgelegt worden waren. Die Verhafteten werden wahrscheinlich dem Schnellrichter zugeführt werden.
Von der Gaupressestelle der NSDAP. wird hierzu mitgeteilt, daß es sich bei den zur Verteilung gelangten Zetteln nach Ansicht der Partei keineswegs um Flugblätter gehandelt habe. Es seien Beilagen zur Samstagausgabe des„Hamburger Tageblattes“ gewesen, die in mehreren tausend Exemplaren nachgeblieben waren und jetzt zur Verteilung gelangen sollten.
Der Reparationsschwindel
* Paris, 6. Jan. Das Pariser Strafgericht hatte sich am Montag mit einem Prozeß zu beschäftigen, der wieder einmal deutlich beweist, wie man bei der Aufstellung der während des Weltkrieges erlittenen Schäden verfahren ist. Der Angeklagte, ein Industrieller aus Reims, hatte es fertig gebracht, nicht wenigen als 50 Millionen Franken mehr Kriegsschäden zu erklären und auch einzukassieren, als er in Wirklichkeit erlitten hatte. Das Gericht verurteilte ihn zur Rückerstattung der Mehreinnahme, zu drei Jahren Gefängnis und zu 500 Franken Geldstrafe.
Der König von Italien erhält den Christus=Orden
* Rom, 6. Januar. Der Papst hat dem König von Italien und dem Kronprinzen den Christus= Orden verliehen.
Blutige Streikunruhen in Spanien
* Madrid, 6. Januar. Am Dienstag kam es zwischen den streikenden Arbeitern einer Schuhfabrik in Arnedo(Provinz Logrono) zu einem Zusammenstoß mit der Guardia Civile, die sich gezwungen sah, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Sechs Tote, darunter vier Frauen, und 16 Schwerverwundete blieben am Platze. Auch in der Provinz Ciudad Real wurde die Guardia Civile, die sich bemühte, Arbeitswillige vor den Streikenden zu schützen, mit Steinwürfen und Pistolenschüssen angegriffen. Bei der Abwehr wurden vier Arbeiter verwundet.
Dorftragödie in Portugal— Sechs Todesopfer
* Lissabon, 6. Januar. In Baja bei Lissabon hat sich eine furchtbare Dorftragödie abgespielt, der sechs Personen zum Opfer fielen. Der Landarbeiten Anton Mattes war wegen Gerstendiebstahls ins Gefängnis geschickt worden. Als er zurückkehrte, hatte sich seine Frau erhängt. Aus Nache suchte
Mattes den Landmann, der ihn angezeigt hatte, in seinem Hof auf und erschoß nicht nur ihn, sondern auch seine Mutter und seinen Bruder. Mattes kehrte dann in sein Haus zurück, wo er von Polizei umzingelt wurde. Er schickte seine Kinder fort, verrammelte alle Türen und Fenster und leistete
der Polizei Widerstand. Es kam zu einem Feuergefecht, in dessen Verlauf Mattes den Polizeichef tötete und mehrere Polizisten verwundete. Erst nachdem Verstärkung mit Maschinengewehren eingetroffen war, wurde Mattes durch eine Kugel getötet.
Die Wahlen des neuen Jahles
Innenpolitisch bedeutet das Jahr 1932 eine Reihe von Wahlen, die für die weitere Gestaltung unseres politischen Lebens von entscheidendem Einfluß sind. Diese Wahlen rücken deshalb in den Brennpunkt des Interesses, weil alle bisherigen Wahlentscheidungen in Ländern und Gemeinden keine hochpolitische Bedeutung beanspruchen durften.
Dagegen wird die Person des zukünftigen Reichspräsidenten und die Zusammensetzung des preußischen Landtages dem ganzen innenpolitischen Leben einen Stempel aufdrücken.
Es ist vielfach die Frage erörtert worden ob in diesen unruhigen Zeiten überhaupt Wahlen größeren Umfanges durchgeführt werden können. Es ist sogar der Gedanke aufgetaucht, alle Wahlen auf längere Zeit hinaus suspendieren zu lassen, um der Bevölkerung zunächst einmal Gelegenheit zu geben, ihre politischen Auffassungen zu klären.
Ganz abgesehen davon, daß derartige Meinungen mit dem Grundgedanken der Demokratie nicht in Einklang zu bringen sind, muß doch auch die Frage gestellt werden, wer denn eigentlich zur Entscheidung darüber berufen ist, ob die Wählerschaft sich die nötige sittliche Reise für einen neuen Gang zur Wahlurne bereits angeeignet hat oder nicht.
Besonders schwierig scheinen uns die Dinge bei der Präsidentenwahl zu liegen. Die Amtsdauer des Reichspräsidenten von Hindenburg läuft bekanntlich im Mai dieses Jahres ab. Die Neuwahl müßte also so zeitig erfolgen, daß die beiden voraussichtlich notwendig werdenden Wahlgänge bis dahin beendet und daß eine angemessene Zeit zur Feststellung des amtlichen Stimmergebnisses bleibt. Zieht man alle diese Faktoren in Betracht, dann müßte der erste Wahlgang im März und der zweite im April stattfinden. Beim ersten Reichspräsidenten hat man auf die Anwendung der Verfassungsbestimmung, daß der Reichspräsident vom ganzen Volke zu wählen sei, verzichtet und den Reichstag mit Zweidrittelmehrheit die Wahl durch das Parlament beschließen und durchführen lassen. Schon damals ist mit Recht vor einer Wiederholung dieses Vorganges gewarnt worden. Denn es würde dem Wortlaut und dem Sinn der Verfassung und der Tendenz unserer innenpolitischen Entwicklung vollkommen widersprechen, wenn auf solche Weise der Reichspräsident politisch von der Reichstagsmehrheit abhängig gemacht würde. Wir können uns deshalb nicht gut vorstellen, daß man diesen Weg zur Verlängerung der Amtsdauer Hindenburgs gehen sollte, ganz abgesehen davon, daß sich im Reichstag bei der Beschaffung der notwendigen Zweidrittelmehrheit zweifellos erhebliche volitische Schwierigkeiten ergeben würden.
Eine Verlängerung der Amtsdauer Hindenburgs durch Notverordnung würde aber ein Schritt sein, der aus dem Rahmen der Weimarer Verfassung hinausführt. Es erscheint schwer vorstellbar, daß der Reichspräsident das Recht haben sollte, die Dauer seines eigenen Amtesentgegen den Verfassungsbestimmungen durch eine Notverordnung abzuändern. Der Gedanke an eine Wiederwahl Hindenburgs durch ordnungsmäßige Volksabstimmung ist in der Oefsentlichkeit vielfach erörtert und vertreten worden. Es ist aber kein Geheimnis, daß Hindenburg dazu angesichts der ungeklärten politischen Verhältnisse nicht ohne weiteres bereit ist, ja daß er bisher stets die Auffassung vertreten hat, sich nicht wiederwählen zu lassen. Was im übrigen über die Kandidatenfrage geredet wird, ist müßiges Geschwätz. Es ist indessen sehr bezeichnend für die gegenwärtige Lage Deutschlands, daß wegen der außenpolitischen Umstände im Augenblick über das Thema Reichspräsidentenwahl so gut wie gar nicht geredet wird, obwohl unter normalen Verhältnissen die Wogen des innenpolitischen Kampfes schon hoch gehen würden.
Was die Wahl zum Preußischen Landtag anlangt, so kann man die Abneigung der heute in Preußen regierenden Kreise gegen eine solche politische Entscheidung wohl verstehen. Aber grade diese Kreise muß man bei ihrem demokratischen Portepee fassen.
Denn es geht nicht gut an, daß sie die Stimme der Wählerschaft immer nur solange für der Weisheit letzten Schluß erklären, als die Wähler den Parteien der Weimarer Koalition ihre Stimme geben.
Wenn man sich einmal für das demokratisch=parlamentarische System stark gemacht hat, dann muß man auch einer Wahlniederlage ins Auge sehen können,— vorausgesetzt, daß man ein ehrlicher und überzeugter Demokrat ist. Jeder Versuch aber, die preußischen Landtagswahlen über die verfassungsmäßig vorgesehene Frist hinauszuschieben würde einen Schritt aus dem Rahmen der preußischen Verfassung mit allen seinen Folgen bedeuten.