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Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmp Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn

Nr. 267(Erstes Blatt)

Schwerte(Ruhr), Donnerstag, den 13. November 1930

63. Jahrgang

Der Preisabban geh Weiter

Obst, Gemüse, Kartoffeln sollen billiger werden- Die Städte sollen dabei helfen- Auch die elektrotechnische Industrie senti vie Preise

Reichskanzier und Reichsernährungs. minister beim Reichspräsidenten

wid. Berlin, 12. Nov.(Tel.) Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichsmini­ster für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele zu einer gemeinsamen Besprechung über die Durchführung der zum Schutze der deutschen Landwirtschaft sowie zur Durchsetzung der Lebensmittelpreissenkung von der Reichsregie­rung in Aussicht genommenen weiteren Maß­rahmen.

Preissenkung auch für Obst und Gemüse

vdz. Berlin, 12. Nov. In Fortführung der von der Reichsregierung eingeleiteten Preis­senkungsaktion fand am 12. November 1930 im Reichsernährungsministerium unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Streil eine Besprechung über die Preisbildung für Obst und Gemüse statt, an der u. a. auch Vertreterin­nen der Hausfrauen teilnahmen.

Die Verbände des Handels, der Waren= und Kaufhäuser sowie die Konsumvereine haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, keine Opfer zu scheuen, um die Preise auch für Obst und Gemüse zu senken, um damit der allgemeinen Notlage zu steuern und zu einer nachhaltigen Besserung unserer allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu gelangen.

Die Verbände haben sich entschlossen, unver­züglich auf ihre Unterverbände und Mitglieder einzuwirken, daß diese unter Berücksichtigung der Einkaufspreise und der auf den Waren ruhenden Lasten sowohl im Groß= wie im Kleinhandel schärfstens kalkulieren, um die Handelsspanne beträchtlich zu senken.

Da die Handelsspannen bei den zahlreichen verschiedenartigen Erzeugnissen nicht einheitlich beurteilt werden können, haben sich die Verbände freiwillig bereiterklärt, im Zusammenwirken mit der Reichsforschungsstelle für landwirtschaft­liches Marktwesen und unter Hinzuziehung der städtischen Markthallendirektion, des Reichsver­bandes des Deutschen Gartenbaues und einer Vertretung der Hausfrauen die Preisbildung und=bewegung für die derzeit wichtigsten Gemüse= und Obstarten einer fortlaufenden ge­nauen Prüfung zu unterziehen und deren Er­gebnisse der Oeffentlichkeit zu unterbreiten.

Es ist zu erwarten, daß auch auf diesem Gebiete die Senkung der Preise, die nach Be­hauptung der Verbände von ihnen schon vor etwa 14 Tagen freiwillig eingeleitet ist, einen weiteren Fortgang nehmen wird.

Auch für Karloffeln

odz. Berlin, 12. Nov. Die in den letzten Tagen im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Kartoffelgroß= und Kleinhandel unter Mitwirkung der Erzeuger­und Verbraucherorganisationen, insbesondere den Hausfrauenvereinen, über die Senkung der Kartoffelpreise geführten Verhand­lungen haben ergeben, daß auch der Kartoffel­handel bereit ist, der allgemeinen Wirtschafts­lage Rechnung tragend, einen Abbau der Preise vorzunehmen.

Der Kartoffelkleinhandel wird in Berlin im allgemeinen für Speisekartoffeln bei Abgabe von zehn Pfund folgende Preise berechnen: Für

weiße Kartoffeln 23 Pfennig, für rote und blaue Kartoffeln 25 Pfennig, für gelbe Kartosseln 30 Pfennig. Bei zentnerweiser Abgabe wird ein entsprechender Abschlag gewährt.

Bei Bemessung dieser Preise ist von einem durchschnittlichen Erzeugerpreis für Kartoffeln ab märkischer Station von 1,40 bis 1,50 RM für den Zentner ausgegangen worden. Die durch­schnittliche Gesamtbruttohandelsspanne; ist bei zehnpfundweisem Verkauf durch den Kleinhandel gegenüber der im Oktober d. J. berechneten Ge­samtspanne um 60 Pfennig für den Zentner ermäßigt worden.

Die Konsumgenossenschaften und Waren­häuser haben ihre Preise für Kartoffeln eben­falls ermäßigt.

Die obengenannten Preise sind Tagespreise und hängen ab von den Ansuhren(Erzeuger­preise) und der Entwicklung der Aimatischen Verbhltalße.

Preisabbau in der elektrotechn. Industrie

wtb. Berlin, 12. Nov.(Funkspruch.) Die Preisstelle des Zentralverbandes der deutschen elektrotechnischen Industrie hat heute einen Be­schluß gefaßt, in dem es heißt: Die elektrotech­nische Industrie hat in Verfolg ihrer Ankündi­gung vom 13. Oktober beschlossen, schon mit Wir­kung vom 15. November 1930 die Listenpreise der Maschinen, Motoren, Transformatoren,

Zähler, Apparate, Installationsmaterial und Haushaltgeräten um 5 Prozent zu senken. Die­ser Beschluß setzt eine Senkung der Preise der Zulieferanten voraus und ist erfolgt, obwohl der Schiedsspruch für die Berliner Metallindu­strie erst am 19. Januar 1931 in vollem Aus­maße in Kraft tritt. Die außerhalb Berlins liegenden Betriebe der elektrotechnischen Indu­strie haben sich dieser Preissenkung angeschlos­sen in der Erwartung, daß auch bei ihnen eine Lohnsenkung erfolgen wird.

Die elektrotechnische Industrie ist hiermit be­wußt auf dem Wege des Preisabbaues weiter­geschritten, den die schlechte Konjunktur bereits in starkem Ausmaße erzwungen hat, ohne vor­läufig mit einer wesentlichen Verminderung ihrer Selbstkosten rechnen zu können. Es wird erwartet, daß dieser Schritt zu einer Erleichte­rung der Wirtschaftslage beitragen wird.“

Familiendrama

Die Städte sollen helfen

Ein Rundschreiben Dr. Mulerts an die Oberbürgermeister

wtb. Berlin, 12. Nov. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat bereits in seiner Sitzung am 8. d. Mts. auf die untrennbaren Zu­sammenhänge zwischen dem Gehalts= und Lohn­abbau und der beschleunigten Senkung der Preise für wichtige Gegenstände des täglichen Be­darfs hingewiesen. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, setzt die Aktion des Städtetages durch ein Rundschreiben an die Oberbürgermeister der im Deutschen Städte­tag vereinigten Städte fort.

Es heißt darin u. a.: Es muß mit allem Nachdruck versucht werden, die überhöhten Gewinnspannen, insbesondere auch dur örtliche Einwirkung herabzudrücken. Es ist heute nötiger als zu irgend einem Zeitpunkt in den letzten Jahren, örtlich für eine klare Preisberichterstattung zu sorgen und die Oeffentlichkeit von den tatsächlich bestehenden Preisunterschieden in geeigneter Form zu unter­richten. Besonders geeignet erscheinen hierfür laufende Veröffentlichungen der Brot=, Gebäck­sowie der Kartoffel= und sonstigen Preise, und zwar namentlich der niedrigsten Preise unter Nennung des betreffenden Stadtteils und der betreffenden Straße, wo die Feststellung getrof­fen war.

Ebenso ist es erforderlich, durch Verhandlun­gen mit den Innungen, Händlerorganisationen und Konsumvereinen zu einer Klarstellung und Senkung der Bruttoverdienst­spanne zu kommen und die gegenwärtigen Spannen durch Vergleich von Stadt zu Stadt nachzuprüfen. Gleiche Maßnahmen erscheinen auch hinsichtlich der Mehl= und Kartoffel=Ein­und Verkaufspreise und der Preise anderer wich­tiger Lebensmittel nötig.

In einzelnen Städten haben bereits erfolg­

freiche Verhandlungen zwischen Stadt­verwaltung, Gewerbe, Handwerk und Handel stattgefunden; es gilt, gleiches überall zu errei­chen. Die Städte werden sich dieser überaus

Witwe sucht aus Gram über den Tod ihres Mannes mit drei Kindern den Tod. wp. Gelsenkirchen, 12. Nov.(Tel.) In der Nacht zum Mittwoch bemerkten Anwohner der Viktoriastraße in der Nähe der Wohnung der Witwe Elisabeth Beck starken Gasgeruch. Polizeibeamte öffneten gewaltsam die Tür des Schlafzimmers, die durch Tische und Stühle ver­barrikadiert war und stellten fest, daß aus zwei Gashähnen Gas ausströmte. Frau Beck lag mit ihren drei Kindern im Bett. Alle vier waren bereits bewußtlos. Sie wurden dem Kranken­haus zugeführt. Das Motiv ist darin zu suchen, daß der Mann der Frau Beck in der vergan­genen Woche einem Grubenunfall zum Opfer gefallen ist.

wichtigen Frage mit aller Energie annehmen und rufen die Oeffentlichkeit, insbesondere die Verbraucher selbst, die es am unmittelbarsten angeht, auf, sie in dieser Frage, die Stadt und Land in gleicher Weise angeht und nur von Stadt und Land gemeinsam gelöst werden kann, nach Kräften zu unterstützen.

Winterbeihnsen denn Nelaf beuntragt

Reichsarbeitsministerium schätzt die Kosten auf Bilanen Reichinat

ndz Berlin, 12. Nov.(Tel.) Der Haushalts­ausschuß des Reichstages beschloß, in einer seiner nächsten Sitzungen die Fürsorgemaßnahmen für die Hochwassergeschädigten und für die Ange­hörigen der bei den Bergwerkskatastrophen Ver­unglückten zu behandeln.

Alsdann beantragte Abg. Schröter=Merse­burg(Komm.), in Anbetracht der ungeheueren Notlage den Erwerbslosen, Sozial= und Klein­rentnern, sowie allen Fürsorgeberechtigten, eine Winterbeihilfe aus den Mitteln des Reiches aus­zuzahlen. Die Winterbeihilfe soll für die Haupt­unterstützungsempfänger 40 RM. für jeden Unterhaltungsberechtigten 12 RM betragen; Empfänger von Waisenrenten sollen 12 RM erhalten.

Der Vertreter des Reichsarbeitsministeriums gab den finanziellen Aufwand für den kommu­nistischen Antrag nach vorläufiger Schätzung mit 337 Millionen Reichsmark an.

Nach längerer Aussprache beantragten die Abgeordneten Dr. Quaatz und Hergt(DN.), die Beihilfe in Naturalien, insbesondere in Brennstoffen und Lebensmitteln, die im Inlande erzeugt sind, zu gewähren.

Stabententrawutte in Berlin

mit dem Gummiknüppel beendet

enb. Berlin, 12. Nov.(Eig. Meldung.) Im Vorhof der Berliner Universität kam es heute vormittag zu Studentenkrawallen. Einem Mitglied der Sozialistischen Studenten­schaft, das am Eingang in der Dorotheenstraße Flugblätter verteilte, wurden diese von einem nationalsozialistischen Studenten entrissen. Ein anderer sozialistischer Student rannte darauf dem Nationalsozialisten nach, und es kam zwi­schen den beiden zu Tätlichkeiten, in deren Verlauf der Student, der die Flugblätter dem Verteiler entrissen hatte, am Halse gewürgt wurde. Die Polizei führte beide ab.

Im Anschluß daran kam es zu erneuten Ansammlungen der nationalsozialistischen Studenten im Vorhof der Universität. Als die Polizei erschien, wurde sie mit gellenden Pfiffen empfangen, Kampflieder wechselten mit höhni­schen Zurufen auf die Beamten ab. Die Polizei verhielt sich außerhalb des Universitätsgartens abwartend, bis um ½1 Uhr der diensthabende Offizier die Anweisung gab, angesichts des wachsenden Lärms die Ansammlungen zu zerstreuen. Mit dem Gummiknüppel in der Hand, drangen die Beamten in den Universi­tätshof ein und zerstreuten die Studenten. Da­bei wurde eine Reihe von Zwangsgestellungen vorgenommen.

Erklärung des Berliner Polizeipräsidenten. wtb. Berlin, 13. Nov.(Funkspruch.) Der Polizeipräsident veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Zu dem Krawall national­

sozialistischer Studenten am Mittwochmittag auf dem Gelände der Berliner Universität ver­öffentlicht ein Spätabendblatt eine angebliche Erklärung des Rektors der Universität. Hierzu ist folgendes zu sagen:

Schon in den Vormittagsstunden mußten am Eingang zur Universität sowie auf dem Uni­versitätsgelände selbst Schutzpolizeikräfte zur Verhütung und Unterdrückung von Ausschrei­tungen eingesetzt werden. Gegen Mittag rief der Rektor der Universität beim Kommandeur der Schutzpolizei an, damit dieser in Verbin­dung mit ihm beruhigend auf die Studenten ein­wirke. Der Kommandeur begab sich zur Univer­sität und sagte hier dem Rektor auf dessen Wunsch zu, daß er die eingesetzten Polizeikräfte zurückziehen würde, wenn es der Einwirkung des Rektors gelänge, weitere Tätlichkeiten zwischen den gegnerischen Studentengruppen zu unterbinden. Nachdem diese Voraussetzung er­füllt war, verließ die Polizei das Universitäts­gelände.

Gegenüber einer unrichtigen Behauptung des gen. Abendblattes sei hervorgehoben: Der Kom­mandeur hat den Rektor von vornherein nicht darüber im unklaren gelassen, daß die Polizei auf dem Universitätsgrundstück genau so wie überall mit allen gebotenen Mitteln einzuschreiten be­rechtigt sei. Weiter hat der Rektor nicht davon gesprochen, daß die Anwesenheit der Polizei auf die Studentenschaft provozierend eingewirkt habe.

Abg. Hermann(Wirtschastsp.) beantragte hierzu einen Zusatz, daß die Beihilfe in Natu­ralien sich auch auf die Beschaffung von Kleidern, Wäsche und Schuhzeug erstrecken müsse. Die Beteiligung des Handwerks und des Einzel­handels müsse dabei absolut sichergestellt werden.

Da der Vertreter des Reichsfinanzministe­riums sich außerstande erklärte, anzugeben. woher die Deckungsmittel für die mindestens auf 337 Millionen Reichsmark geschätzte Winterbei­hilfe beschafft werden sollen, beantragte Abg. Dr. Perlitius(3.): 1. die Regierung zu er­suchen, eine Aufstellung vorzulegen, welchen Geldbedarf der kommunistische Antrag auf Winterbeihilfe nach genauer Berechnung erfor­dert und welche Deckungsmittel zur Verfügung gestellt werden können; 2. die Beschlußfassung über diesen Antrag bis zum Eingang der gefor­derten Angaben zurückzustellen.

Dieser Zentrumsantrag wurde gegen die Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnatio­nalen und Kommunisten angenommen.

Damit waren auch zunächst sowohl der kom­munistische Antrag für die Winterbeihilfe wie der deutschnationale Antrag und der Zusatz­antrag der Wirtschaftspartei auf Naturalien­beihilfe erledigt.

Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Donnerstag.

2 Jahre Festung für einen Spestonosfmstchlchensusgong

wtb. München, 12. Nov.(Funkspruch.) Das Strafgericht München verurteilte heute den Studenten Koch aus Remscheid wegen Tötung im Zweikampf zu 2 Jahren Festung. Koch hatte 21. Februar d. J. einem Angehörigen einer

am

Burschenschaft in einer Bestimmungsmensur eine Stirnverletzung beigebracht. Der Verletzte starb nach einigen Tagen an einer Stirnhöhlen­vereiterung.

In der Verhandlung erklärte einer der medi­zinischen Sachverständigen, die Verletzung als solche habe nicht unmittelbar den Tod zur Folge gehabt, sondern es lag eine innere Infektions­quelle vor, während der zweite Sachverständige eine Infizierung durch die Wunde für wahr­scheinlich hielt. Obwohl der Verteidiger darauf hinwies, daß das Große Schöffengericht Berlin am 28. März und das Schöffengericht Köln am 30. April d. J. zu der Entscheidung gekommen seien, daß Studentenmensuren nicht als Zwei­kampf mit tödlichen Waffen, sondern als Sport anzusehen seien, schloß sich das Gericht einer reichsgerichtlichen Entscheidung von 1883 an, wo­nach Studentenmensuren als Zweikampf mit töd­lichen Waffen zu betrachten seien. Im übrigen glaubte das Gericht die Frage nach dem ursäch­lichen Zusammenhang zwischen der Verwundung und dem Tode im vorliegenden Falle bejahen zu müssen.