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Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen
Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn
Nr. 125(Erstes Blatt)
Schwerte(Ruhr), Freitag, den 30. Mai 1930
Rurtent=enthault= Wetter
Er nenn einen neuen, dieher underunnten Arbersun Dus Ergroms der Vernehmungen um Benneretag
Das Gutachten des Schriftsachverständigen abgeschlossen
wtb. Düsseldorf, 30. Mai.(Tel.) Wie über die Untersuchung gegen Kürten bekannt wird, liegt das Gutachten des Schriftsachverständigen Dr. Schneickert nunmehr abgeschlossen vor. Es bestätigt uneingeschränkt die Identität der von Peter Kürten geschriebenen wenigen Briefe mit den von ihm jetzt angefertigten Schriftproben und Skizzen. Kürten hatte seine Schrift verstellt. Er hat dazu die AntiquaDruckschrift gewählt, ohne daß er sie überhaupt jemals beruflich angewendet oder sie geübt hätte. Nach seiner eingehenden Angabe schrieb Kürten diese Briefe nur zu dem Zweck, eine Veröffentlichung verselben zu erreichen, um dadurch die Bevölkerung Düsseldorfs in Erregung zu setzen, aber nicht etwa zu dem Zweck der Aufklärung seiner Verbrechen, obwohl sie dazu viel beigetragen haben.
Die bis Donnerstag nachmittag fortgesetzten Verhandlungen und Ermittlungen brachten u. a. eine Feststellung des Tatbestandes zu den bereits bekannten
Ueberfällen am 20. August 1929, deren erstes Opfer ein Fräulein Goldhausen war. Kürten, der sie im Dunkeln verfolgt hatte, versetzte ihr im Vorbeigehen einen Stich in der von ihm zugestandenen Absicht, das Herz zu treffen. Sie brach zusammen und er ging seines Weges weiter in der Ueberzeugung, tödlich getroffen zu haben.— Auf der Erkrather Straße traf er dann Frau Mantel. Er versuchte, ihr seine Begleitung aufzudrängen. Frau Mantel ging wortlos an ihm vorbei zur anderen Straßenseite. Kürten machte Kehrt, folgte ihr dann und versetzte ihr einen Stich in den Rücken. Er gibt an, noch ein zweites Mal gestochen zu haben, weiß aber nicht zu sagen, ob er Frau Mantel auch ein zweites Mal getroffen hat.— Kürten folgte dem Gaterweg in die WilhelmHeinrichstraße, wo er den Zeugen Kornblum traf und diesem ebenfalls einen Stich in den Rücken versetzte.
Weiter wurden
die Fälle Kühn, Ohliger und Scheer behandelt. Kürten gibt auch diese drei Fälle zu und schildert sie mit genauen Einzelheiten. Da in diesen Fällen noch keine eingehenden Ermittlungen über die Richtigkeit der Angaben Kürtens angestellt werden konnten, kann zunächst näheres noch nicht bekannt gegeben werden.
Schließlich gab Kürten eine Darstellung des Ueberfalles auf Caroline Herstraß aus Neuß, die er gewürgt und in die Düssel geworfen hat. Kürtens Angaben stimmen mit den Angaben seines Opfers vollkommen überein und
sind so beweiskräftig, daß Kürten auch in cesem Falle einwandfrei als Täter überführt ist.
Ein weiterer am Donnerstag von Kürten erwähnter und
bisher unbelannter Fall
har sich im März dieses Jahres abgespielt. Kürten sprach auf dem Bahnhofsvorplatz ein Mädchen an, dessen Namen er nicht kannte.(Das Maochen ist inzwischen ermittelt worden.) Er
Se be it muit die ein Vierlaldl und lade in den Wald. Hier fiel er über das üdchen her und versuchte, es zu erwürgen. Die energische Gegenwehr der Ueberfallenen vereitelte seine Absicht es zu töten. Das Mädchen konnte sich seinen Griffen entziehen und ergriff die Flucht. In diesem Falle ist bemerkeuswert, daß Kürten nach seiner
versteckt. Im Laufe des Donnerstags ist es gelungen, diese beiden Hämmer zu ermitteln. Sie wurden von zwei Knaben genau an der Stelle gefunden, die Kürten als Versteck bezeichnet hatte(Fortuna=Sportplatz). Die Knaben hatten die Hämmer inzwischen weiterverschenkt. Kürten erkannte die ihm vorgelegten beiden Hämmer als sein Eigentum an.
Die Berliner sind da.
Dr. Koch und Kriminalrat Gennath sind von Berlin in Düsseldorf eingetroffen, um dem Abschluß der Verhandlungen beizuwohnen. Die Leitung der Verhandlungen und die sonst noch erforderlichen Ermittlungen bleiben in der Hand des Düsseldorfer Kriminaldirektors.
Einwandfreie Ueberführungen
wp. Düsseldorf, 29. Mai.(Tel.) In einigen Tageszeitungen wurde unter zahlreichen nicht den Tatsachen entsprechenden Mitteilungen auch die Behauptung aufgestellt, daß der Düsseldorfer Massenmörder völlig zusammengebrochen sei. Das entspricht keineswegs den Tatsachen. Kürten ist bis jetzt bei den Vernehmungen frisch und lebendig gewesen, geistig außerordentlich rege und hat seine Aussagen ohne Anzeichen von Ermüdung gemacht. Es ist selbstverständlich, daß in den Vernehmungen gelegentlich Pausen eingeschaltet werden, um Kürten nicht zu übermüden. Auf alle ihm gestellten Fragen gibt er bereitwillig erschöpfende Auskunft. Er hält auch nicht mit Angaben zurück, die ihn außerordentlich schwer belasten und die bisher unbekannt waren, die aber durch Zeugen oder Sachverständigengutachten oder die festliegenden Tatbestandsaufnahmen als richtig festgestellt werden konnten. Eine innere Bewegung hat er bisher bei keiner Tatsachenschilderung gezeigt. Er betont immer wieder, welche außerordentliche Befriedigung er gefunden habe, daß die durch einzelne Presseorgane gegebene aufsehenerregende Darstellung seiner Taten die öffentliche Meinung in hohem Maße aufgepeitscht habe.
Die inzwischen weitergeförderten Vernehmungen haben folgendes Ergebnis:
Behandelt wurde zunächst der Kindermord in Flehe(Lenzen, Hammacher) dann die Fälle Ida Reuter, Elisabeth Dörrier und Frau Heinrich Wanders. Diese Fälle schilderte Kürten in der gleichen eingehenden Weise, wie die bereits bekanntgegebenen Fälle.
Als besonders bemerkenswerte Einzelheit aus dem
Kindermord in Flehe
ergibt sich, daß Kürten, als in Flehe völlig unbekannt, nach dort gefahren ist in der Absicht,
sich dort ein Opfer zu suchen, da er wußte, daß an dem von ihm gewählten Abend in Flehe der Zapfenstreich zur Einleitung des Schützenfestes stattfinden sollte. Er traf beide Mädchen auf dem Feldweg, schickte das größere fort, um Zigaretten zu holen, während er die kleinere Hamacher indessen tötete und verbarg. Die Lenzen erwartete er an der Stelle, wo sie ihn verlassen hatte, um sie dann an der bereits bekanntgegebenen Stelle zu töten. Der damals am Tatort gesicherte Fußabdruck konnte als zu einem Paar Schuhe des Kürten gehörig identifiziert werden, die in seiner Wohnung sichergestellt werden konnten. Diese Schuhe hatte er nach eigener Angabe als diejenigen bezeichnet, die er am Tage des Kindermordes in Flehe getragen hat. Im übrigen hat er eine Anzahl von Angaben, insbesondere von Zeitangaben gemacht, deren Feststellung bei der Nachprüfung als weiteres wichtiges Indiz in Betracht kommen.
Ida Reuter
hat er auf dem hiesigen Hauptbahnhof am 30. 9. 1929 kennengelernt. Sie verabredeten, nach dem Pappelwäldchen zu gehen. Inzwischen war es völlig dunkel geworden, sodaß die Reuter kurz vor dem Pappelwäldchen Bedenken äußerte, weiterzugehen. Da alles Zureden des Kürten, bis zum Pappelwäldchen mitzugehen, nichts half, kehrten sie um. An der bekannten Stelle zwischen Pappelwäldchen und Tennisplätzen versetzte er der Reuter mit einem in Tötungsabsicht mitgeführten Hammer einen Schlag gegen die rechte Schläfe. Die Reuter brach zusammen. Da im selben Augenblick sich Spaziergänger näherten, zog er die Bewußtlose vom Damm herunter in die Wiesen am Rhein, wo er sie dann vergewaltigte. Dann erst versetzte er ihr die tötlichen Hammerschläge auf den Kopf. Im Falle Ida Reuter erscheint Kürten dadurch beweiskräftig überführt, daß er den Zustand und die
63. Jahrgang
Das 22. Kind in Lübeck gestorben
enb. Berlin, 30. Mai.(Funkspruch.) In Lübeck ist, nach einer Meldung des Berl. Tagebl., am Donnerstag das 22. Kind den Nachwirkungen der Calmette=Fütterungen erlegen. Die Zahl der erkrankten Kinder— 100 ist unverändert geblieben.
Bluttat in Breslau.
Die Geliebte mit dem Beil erschlagen. wtb. Breslau, 30. Mai.(Funkspruch.) Donnerstag früh wurde die von ihrem Ehemann getrennt lebende 27jährige Frau Gertrud Elsner in ihrer Wohnung in der Charlottenstraße mit zertrümmertem Schädel aufgefunden. Als Täter wurde der 36jährige arbeitslose Schlosser Dandersky aus Posen ermittelt, der flüchtig geworden war, aber noch im Laufe des Vormittags bei Reinerz verhaftet werden konnte. Die Wohnung der Elsner bestand aus einem Zimmer, in dem sechs Menschen hausten, nämlich Frau Elsner, deren Bruder, ihr Geliebter Dandersky und die drei Kinder der Elsner. Der Mörder hat sein Opfer allem Anschein nach während der Nacht mit einem Beil erschlagen, weil sie sich geweigert hatte, ihm Geld zu geben. Weder der Bruder noch die Kinder haben von der Tat etwas gemerkt.
Wur west in der Mart
Stundenlanges Feuergefecht mit polnischen Verbrechern Drei Lote und ein lebensgefährlich Verletzter
war. Auch hat er das
Mädchen bei dessen Flucht nicht verfolgt.
Die beiden Hämmer gefunden.
die Zukunft sicher zu gehen, hat Kür
ter ie weiter von ihm deabsichigte Morde
##ge vor seiner Festnahme— wie bereits ##nus— zwei Hämmer als Mordwerkzeuge
enb. Berlin, 30. Mai.(Eig. Nadiomeld.) In den märkischen Wäldern in der Gegend von Großkreuz, auf der Strecke Berlin—Brandenburg, spielte sich am Himmelfahrtstag von den Mittagsstunden bis gegen Mitternacht ein Feuergesecht zwischen polnischen Verbrechern und den Ueberfallkommandos von Brandenburg und Potsdam ab, dem nach den vorliegenden Meldungen drei Menschenleben zum Opfer fielen: Der Oberlandjäger von Schmergow bei Großkreuz, Nach, der Hofbesitzer Goertz und ein Verbrecher, der einen polnischen Paß auf den Namen Kunarski bei sich führte. Ein Polizeiaufgebot von 50 Mann hat die Stelle, an der der zweite Verbrecher vermutet wird, umzingelt.
Ueber den Kampf mit den Verbrechern berichtet die Voss. Ztg. folgende Einzelheiten: In der Nacht zum Donnerstag war bei einem Obstzüchter ein Einbruch verübt worden, bei dem die Täter ein Fahrrad des Untermieters Otto Grünefeld, ferner Lebensmittel und Kleidung erbeuteten. Der Einbruch, der um 4 Uhr morgens entdeckt worden war, wurde sofort dem zuständigen Oberlandjäger Nach gemeldet, der sich mit Goertz und Grünefeld gemeinsam auf die Suche nach den Tätern machte. Nach neunstündiger Suche fanden die drei am Königspfuhl, unweit der Landstraße Beeskow=Groß= kreuz, zwei Männer im Grase liegen. Neben ihnen lagen ein Fahrrad, Kleidungsstücke und
Lebensmittel. Grünefeld erkannte in dem Fahrrad sofort sein eigenes. Als die Männer die drei auf sich zukommen sahen, ergriffen sie die Flucht. Ein wilde Jagd setzte ein. Zwischen Dietz und Großkreuz erreichten die Verfolger die Diebe. Einer von ihnen schoß und verletzte zunächst Nach durch Schulter= und Bauschuß schwer. Der andere stürzte sich auf Goertz, kam mit ihm ins Handgemenge und gab schließlich einen Schuß auf ihn ab, durch den Goertz sofort getötet wurde. Nachdem zwei der Verfolger sich in ihrem Blute wälzten, versuchte Grünefeld, einen der Täter zu packen, wurde aber gleichfalls durch einen Bauchschuß zur Strecke gebracht.
Die Kunde von der Schießerei verbreitete sich bald durch die ganze Gegend. Sämtliche Feuerwehren wurden alarmiert, ebenso die Ueberfallkommandos der beiden nächstliegenden Städte Brandenburg und Potsdam. Der Feuerwehr von Phöben bei Werder glückte es, die Verbrecher unweit der Bahnwärterbude 54 zwischen Werder und Großkreuz ausfindig zu machen. Der Führer der Feuerwehr Phöben rief das Ueberfallkommando herbei. Beim Kugelwechsel sank einer der Verbrecher von sechs Schüssen getroffen zu Boden, während der andere entfloh.
Nach bisher unbestätigten Meldungen sind Nach und Kunarski ihren Verletzungen erlegen. Grüneseld ringt mit dem Tode.
Lage seines Opfers beim Verlassen des Tatortes jetzt in einer Weise geschildert hat, die dem objektiven Tatbestand entspricht. Weiter hat Kürten angegeben, das Stadtköfferchen der Reuter nach der Tat in der Leostraße über eine Mauer in einen Hausgarten geworfen zu haben. Dieses Köfferchen ist bereits vor längerer Zeit in dem Garten gefunden und von dem Finder der Polizei übergeben, inzwischen als Eigentum der Reuter anerkannt worden. Um etwaige spätere Geständnisse auf ihre Richtigkeit kontrollieren zu können, ist die Auffindung des Köfferchens und seine Lage nicht bekanntgegeben worden. Die Angaben des Kürten sind daher ein untrügliches Indiz für seine Täterschaft im Falle Reuter.
Die Elisabeth Dörrier
hatte Kürten am 1. Oktober 1929 gegen 18,30 Uhr auf der Graf=Adolf=Straße angesprochen. Nach Besuch eines Lokals fuhren sie zusammen nach Grafenberg und gingen die Altenberg= straße hinunter zum Torfbruch. Tötung und Mißbrauch erfolgte in der gleichen Weise wie im Falle Reuter. Im Falle Dörrier ist die Beweisführung im Laufe des heutigen Tages dadurch völlig unabhängig von dem Geständnis des Kürten geworden, daß ein Stück Pelzbesatz mit Stoff des Mantels der Dörrier gefunden worden ist. Kürten hatte unmittelbar im Anschluß an seine Festnahme mehrere Stellen bezeichnet, wo er Kleidungsstücke pp. der Dörrier selbst verborgen hatte. Den Mantel der Dörrier hatte er in mehrere Stücke zerrissen und diese Teile an den verschiedensten Stellen untergebracht. Die Zerreißung des Mantels will er im Gefühl der Nachwirkung seines Zustandes ausgeführt haben. Weiter war seinerzeit im Falle Dörrier ebenso wie im Falle des Fleher Kindermordes ein einzelner Fußabdruck am Tatort gesichert, der jetzt auch als von Kürten herrührend identifiziert werden konnte.
Im Falle der
Ehefrau Heinrich Wanders ergaben sich bei der Vernehmung des Kürten gewisse Widersprüche mit der von Frau Wanders gegebenen Darstellung. Die Richtigkeit der Angaben des Kürten ergaben sich aber ohne weiteres aus folgendem: Einmal schilderte Kürten den Tatort bis ins einzelne, sodann behauptete er, daß ihm nach den ersten auf den Kopf der Frau Wanders mit dem von ihm von vornherein mitgeführten Hammer ausgeführten Schlägen der Hammerstiel etwas unter dem eisernen Hammerkopf abgebrochen und im Bogen in das Gebüsch im Hofgarten geflogen sei. Sofortige, auf Grund dieser Angaben angestellte Nachforschungen führten zur Auffindung dieses Hammerstückes. Gleich nach Ankunft des Hammerstückes wurde dem Kürten aufgegeben, das verlorene Hammerstück auf einem Stück Papier aufzuzeichnen. Er führte die Zeichnung aus; sie stimmte mit dem aufgefundenen Hammerstück überein. Hierauf wurde dem Kürten der aufgefundene Hammer vorgelegt, worauf Kürten erklärte daß dies der von ihm nicht nur im Falle Wanders, sondern auch in den Fällen Reuter, Dörrier und Meurer benutzte Hammer *